2026.09.10 ORF-Zukunftsforum

Laut Veranstalter BMWKMS ist das Forum „Offen. Relevant. Für alle“ und dauert gleich zwei Tage: 10. und 11. September 2026. Ort immerhin kostengünstig direkt im BMWKMS, Radetzkystraße 2, 1030 Wien. Zur Nachhilfe hat man sich Experten, KEYNOTES, aus Deutschland und der Schweiz geholt. Hier das Programm im Detail (Quelle: APA / OTS)

Am Donnerstag, den 10. September 2026 und Freitag, den 11. September 2026 lädt Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler ins BMWKMS zum zweitägigen ORF-Zukunftsforum. Ein breiter Beteiligungsprozess soll dazu beitragen, dass der ORF schlanker, digitaler, transparenter, bürgernäher, regionaler und nachhaltiger wird. [Anm. ethos.at: es wäre dringend nötig, als erstes Armin Wolf zu digitalisieren.] Gleichzeitig soll der gesamte österreichische Medien- und Kreativstandort gestärkt werden. Das gesamte Programm ist hier abrufbar.

Update 10.9.2026 – „Plädoyers für starken ORF zum Auftakt„. Kaum überraschend die Schlagzeile des ORF (10.9.2026) über den ersten Tag. So kann nur ein Medium berichten, das unabhängig ist, total unabhängig sogar von sich selbst.

Update 15.9.2026 – Videos vom Zukunftsforum auf on.orf.at

Donnerstag, 10. September 2026

09:20 Doorstep von Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler (für den Doorstep ist keine Tontechnik vorgesehen. Bitte bei Bedarf Tonangeln mitnehmen.)

10:00 Eröffnung durch Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler

10:25–10:40 Weichen stellen. Ingrid Thurnher, Generaldirektorin ORF

10:40–11:15 KEYNOTE: Zur Rolle öffentlich-rechtlicher Medien im digitalen Umfeld. Annika Sehl, Inhaberin Lehrstuhl für Journalistik, KU Eichstätt-Ingolstadt; anschließend Fragen und Diskussion

11:35–12:10 Panel: Erwartungen an das ORF-Zukunftsforum. Mediensprecher:innen der Parlamentsparteien

12:10–12:45 Präsentation der Ergebnisse aus Online-Konsultation, Fokusgruppen und Jugend-Workshop. Matthias Rohrer, Geschäftsführer Das Zielgruppen Büro

17:00–17:50 Panel: „Ein ORF für alle? Perspektiven aus Unterhaltung, Kunst, Kultur und Sport“. Anna Buchegger, Sängerin, Marina Lacković alias Malarina, Kabarettistin, Ralf Rangnick, Teamchef der Männer-Fußball-Nationalmannschaft, Jakob Schubert, mehrfacher Kletter-Weltmeister, Anna Weidenholzer, Schriftstellerin

Freitag, 11. September 2026

09:00–09:40 KEYNOTE: Die SRG im Aufbruch – Öffentlichkeit, Vertrauen und Relevanz im digitalen Zeitalter. Susanne Wille, Generaldirektorin Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG); anschließend Fragen und Diskussion

11:20–12:25 Präsentation der Ergebnisse der Arbeitsgruppen

12:25–12:50 Panel: Bilanz zum ORF-Zukunftsforum. Mediensprecher:innen der Parlamentsparteien

12:50–13:15 Ein ORF, dem Österreich vertraut. Clemens Pig, gewählter Generaldirektor ORF

13:15–13:35 Fazit und Ausblick. Andreas Babler, Vizekanzler und Medienminister

Das ORF-Zukunftsforum wird via ORF III live oder zeitversetzt sowie via Livestream auf ORF ON ausgestrahlt. Zusätzlich stellt das BMWKMS einen Livestream unter bmwkms.gv.at zur Verfügung.

„Jetzt geht die Kanzlerpartei ÖVP in Sachen ORF in die Offensive. Vor dem von SPÖ-Vizekanzler Andreas Babler für diese Woche einberufenen sogenannten „ORF-Zukunftsforum“ legt die Volkspartei ein klar umrissenes Positionspapier vor. Ein Paket, das es in sich hat“, Details berichtet KRONE.at (8.9.2026)

7. September 2026 (Presseinformation des Österreichischen Netzwerk Zivilgesellschaft)

+ ÖNZ legt Reformkonzept vor: entpolitisierte Aufsichtsgremien, direkte BürgerInnenbeteiligung, Finanzierung in die Verfassung [ethos.at / Verein Moral 4.0 ist mit Sicherheit auch Vertreter der Zivilgesellschaft, wenn auch nicht des Netzwerks Zivilgesellschaft. Anstelle der letzten Forderung stellen wir: Abschaffung der ORF-Finanzierung durch die Steuerzahler, Abschaffung der Gleichschaltung aller Medien durch staatliche Subventionen]

ÖNZ im Wortlaut:

Im Vorfeld des von Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler initiierten ORF-Zukunftsforums am 10. und 11. September 2026 fordert das Österreichische Netzwerk Zivilgesellschaft (ÖNZ) eine nachhaltige Transformation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Mit dem Positionspapier „Resilienz durch Reform” legt das Netzwerk, das aus 50 führenden gemeinnützigen Vereinen und Organisationen besteht, ein umfassendes Reformkonzept vor. Verlangt wird ein ORF, der frei und unabhängig von parteipolitischem Einfluss agieren kann und dessen Finanzierung und öffentlich-rechtlicher Auftrag per Verfassung geschützt sind. So kann er Bürger:innen den Zugang zu unabhängiger und verlässlicher Information bereitstellen und seine zentrale Rolle für die Demokratie erfüllen.

Kern des Reformvorschlags ist eine tiefgreifende Erneuerung der ORF-Gremien. Der Publikumsrat soll als zentrales Repräsentationsorgan gestärkt und maßgeblich bei strategischen Entscheidungen wie der Wahl der Generaldirektion eingebunden werden. Der Anteil direkt parteipolitisch entsandter Mitglieder soll auf maximal ein Drittel begrenzt werden. Neben einer garantierten gesellschaftlichen Vielfalt sieht das Modell die Einführung eines Losverfahrens nach dem Schöffen-Prinzip vor. Parallel dazu soll der bisherige Stiftungsrat in einen verkleinerten, professionellen Verwaltungsrat umgewandelt werden, in dem auch der Redaktionsausschuss direkt vertreten ist.

Zur Modernisierung der Führungsebenen fordert das ÖNZ die Abschaffung der Alleingeschäftsführung zugunsten eines strikten Vier-Augen-Prinzips sowie eine Verlängerung der Funktionsperiode von Direktor:innen auf einmalig acht Jahre ohne Wiederwahlmöglichkeit. Sämtliche Direktions- und Führungspositionen – einschließlich aller Landesstudios – sollen künftig in gemeinsamen Sitzungen von Publikums- und Verwaltungsrat gewählt werden. Verpflichtende öffentliche und internationale Hearings sowie lückenlos dokumentierte Auswahlverfahren nach Standards des Europäischen Medienfreiheitsgesetzes stellen sicher, dass nicht Parteinähe, sondern Qualifikation ausschlaggebend ist.

Um den ORF dauerhaft vor politischer Aushungerung [Anmerkung: was bedeutet „politische Aushungerung“?] zu schützen, verlangt das ÖNZ eine verfassungsrechtliche Absicherung sowohl des Finanzierungsmodells als auch des öffentlich-rechtlichen Kernauftrags. Eine Finanzierung über ein Bundesbudget, wie die FPÖ fordert, lehnt das ÖNZ ab. Ein zentraler Baustein zur Absicherung der Pressefreiheit ist zudem ein verankertes Weisungsverweigerungsrecht für Journalistinnen und Journalisten. Darüber hinaus muss der ORF digitale Beschränkungen für sein Angebot überwinden: Durch die Aufhebung von Verboten im ORF-Gesetz, freie Lizenzen für Eigenproduktionen und die gemeinwohlorientierte Regulierung von Empfehlungs-Algorithmen wird der öffentlich-rechtliche Wert auch im digitalen Raum abgesichert.

Schließlich unterstreicht das ÖNZ die gesellschaftliche Verantwortung des Senders. Die Fortführung humanitärer Initiativen wie „Licht ins Dunkel“ und „Nachbar in Not“ muss ebenso wie der Umweltbeirat als gesetzlicher Kernauftrag dauerhaft garantiert bleiben. Angesichts grassierender Desinformation fordert das Netzwerk zudem den gezielten Ausbau von Medienkompetenzangeboten und Faktenchecks.

Das Österreichische Netzwerk Zivilgesellschaft erwartet, dass das ORF-Zukunftsforum nicht bei einer Themensammlung stehen bleibt: Es braucht einen verbindlichen Zeitplan, ein ordentliches Begutachtungsverfahren und die strukturierte Einbindung von Expert:innen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und der ORF-Redaktionen.

ORF DasGESPRÄCH

Sendungskritik von Bert Ehgarter (20.10.2026 via FB)

Talkshows wie dieses „Gespräch“ vom Sonntagabend sind der Grund, warum das Image des ORF ins Bodenlose abstürzt. Es ging um Putins Schattenkrieg in Europa. Dass Putin hinter allem Bösen steckt – von den Drohnen in Leipzig bis zu „hybrider“ Sabotage, von Fakenews im Internet bis zu den Unruhen in Europa und dem Aufstieg von Rechtsaußen – machte die ORF-Redakteurin Susanne Schnabl bereits in ihrer Anmoderation deutlich.

Die Auswahl der Gäste bot dann die Gewissheit, dass dem niemand – sicher niemand – widerspricht. Im Gegenteil: es wurde auch noch alles mögliche zusätzlich aufgetischt, was sich an Bauchgefühl und bösen Gerüchten angesammelt hatte. Zum Beispiel der kurz bevorstehende Angriff Russlands auf Österreich. Begleitet von zustimmendem Raunen und besorgten Blicken der anderen Teilnehmer. Einzig Hochrüstung kann dem Abhelfen, lautete der Konsens der Runde – und europäische Geschlossenheit gegen Russland. Die Neutralität Österreichs wurde dabei ignoriert oder in einer Art und Weise abgehandelt, als wäre sie ein Synonym für „Feigheit vor dem Feind“.

Die Sendung standen wohl nur die Frommsten unter den ORF-Gläubigen durch, ein beträchtlicher Teil – trotz der beängstigenden Thematik – am Sofa eingeschlafen. Zumal ja nichtmal die Vorwürfe neu waren. Auch sie waren vielfach durchgekaut in ähnlich orchestrierten Propaganda-Formaten.

Denn darum ging es ja wohl. Die Teilnehmer erfüllten ihre Agenda, dem Bundesheer mehr Geld zu verschaffen und die Reihen dicht zu machen beim Kampf gegen Putin. Ihre persönlichen wirtschaftlichen Interessen und Netzwerke wurden in keiner Weise erwähnt.

Gestoßen bin ich auf die Sendung über einen Facebook Beitrag des Nationalrats-Abgeordneten Wolfgang Gerstl (VP). Er hat dazu eine Grafik gestellt, in der Putin als Strippenzieher dargestellt wird, der das Internet kontrolliert. Garniert mit einem Zitat von Oberst Markus Reisner aus der Sendung: „Es reichen 1000 Trolle, die sind mehr wert als 100.000 Soldaten“.

Ich und viele andere Kritiker dieser Aufrüstungs-, Krieg- und Russland-Hysterie sind nach Ansicht von Gerstl und Reisner wahrscheinlich auch Trolle.

Robert Zikmund, Außenpolitik Redakteur des ORF, hat das hier kürzlich sogar persönlich untermauert, indem er gefragt hat, ob ich für meine Facebook-Beiträge in Rubel oder in Euro bezahlt werde.

Die Gegenfrage, wie es mit der Unabhängigkeit seiner ORF-Berichterstattung vereinbar ist, wenn ihn sein Profilbild als Ukraine-Fanboy ausweist, blieb offen.

Gewiss ist, dass sich der ORF keinen guten Dienst leistet, wenn die Berichterstattung immer mehr zur Karikatur journalistischer Objektivität verkommt.

Auch die Regierungsparteien sollten nicht darauf vertrauen, dass derartige Sendungen ihrer Agenda nützen. Denn die ständige weitere Militärhilfe für die Ukraine ist mittlerweile – nach der Migrations-Problematik – zum zweitstärksten Beweggrund geworden, Parteien zu wählen, die ernsthaft versuchen wollen, den Wahnsinn zu beenden.