Ethik thurnhofer.cc 2003-2010

Die folgenden Beiträge erschienen 2003 bis 2010 in der Rubrik ETHIK + Wirtschaftsethik auf der Webseite von Hubert Thurnhofer / thurnhofer.cc

Wieviel sind Manager wert?

7. Juli 2003 - „Die Presse“ brachte kürzlich die Ergebnisse einer Weltbank-Studie zur Lohnstruktur. Demnach liegt in Österreich „die sogenannte Lohnspreizung (das Verhältnis der niedrigsten zehn Prozent Gehälter zu den höchsten zehn Prozent) bei 1:20. Zieht man nur Vollzeit-Arbeitskräfte heran, dann reduziert sich das Verhältnis sogar auf 1:10 bis 1:12.“ Da sind US-Manager ganz andere Dimensionen gewohnt. Ende der 90er Jahre betrug das Durchschnittseinkommen der Top-100-US-Manager laut „Fortune“ 37,5 Mio. Dollar, das ist ein Wert von 1:1000 im Verhältnis zum Einkommen Normalsterblicher.

Es gibt in der realen Welt kein „Leistungsprinzip“, das derartige Unterschiede rational nachvollziehbar machen würde. Natürlich ist es legitim, dass sich ein Spitzenmanager Supergagen ausverhandelt, fraglich ist nur, wie die Aufsichtsräte solcher Unternehmen diese Gagen den Aktionären erklären. Denn alleine die Vermögensverwaltung von derartigen Summen ist eigentlich ein Fulltime-Job. Wie schaffen es die Supermanager da noch, ganz nebenbei ihre Konzerene zu führen?

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Kunstszene und Um:Druck 2010

Bewerbung für die Stellung eines Diskont-Direktors

UM:Druck 3/2010 (September)

Sehr geehrter Herr Diethard Leopold!

Laut APA  haben Sie die Ausschreibung des museologischen Leiters des Leopold Museum "auf unbestimmte Zeit" verschoben. Sie werden in einem Artikel vom 25. August mit folgender Aussage zitiert:

"Wir können nicht ausschreiben, solange die finanzielle Situation des Museums seitens des Bundes nicht zufriedenstellend geklärt ist. Wir bekommen seit einigen Jahren keine entsprechende Inflationsabgeltung mehr und machen trotz sparsamer Gebarung ein Defizit. Nun hat mein Vater als Direktor sehr wenig verdient, etwa 5.000 Euro brutto. Für diese Summe bekommt man keine qualifizierte Person. ... Zukunft als zentrales Jugendstil-Museum ... Ohne Museumsschließungen und -zusammenlegungen zu befürworten: Im Oberen Belvedere hängen einige Werke Klimts und Kokoschkas, die sehr gut zu uns passen würden - denn was hat ein Barockbau mit Expressionismus zu tun? Auch Schieles 'Der Tod und das Mädchen' wäre bei uns richtig. All das kann man aber nicht mit einem Diskont-Direktor machen. Und ein anderer kostet eben Geld."

Da keine Ausschreibung vorliegt, möchte ich mich gerne auf Basis Ihrer Aussage um die Stellung eines Diskont-Direktors des Leopold-Museums bewerben. Das Gehalt von 5.000 brutto monatlich ergibt Lohnkosten von ca. 100.000 Euro pro Jahr. Ich biete Ihnen an, für 8.500 Euro monatlich auf Honorarnasis den Job zu übernehmen. Das Museum spart damit die Kosten für Abfindung und Pensionsvorsorge.

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Kunstszene und Um:Druck 2009

UM:Druck, Dezember 2009

4.1.2010 - Anlässlich der Wahl von Petja Dimitrova zur Vorsitzenden der IG Bildende Kunst erklärte die Künstler-Vertretung in einem Rundmail am 25. November: „Es geht unter anderem darum, gegen Prekarisierung - von nicht nur künstlerischen Arbeits- und Lebensbereichen - aufzutreten. Hierzu zählt beispielsweise die Solidarität mit der aktuellen Bildungsprotestbewegung. In diesem Zusammenhang schließt sich die IG Bildende Kunst der Forderung nach freier Bildung für alle an und tritt für ein bedingungsloses Grundeinkommen sowie gegen die Ökonomisierung von Bildung und Kunst ein.“

Wie der Zufall so spielt, habe ich Ende September Sozialminister Hundstorfer genau zu dem Thema interviewt (siehe Die Bunte Zeitung Nr 5/2009)  Seine Position zum Grundeinkommen war erwartungsgemäß festbetoniert: „das ist in diesem Land politisch, mit den jetzigen Verhältnissen sicher nicht umsetzbar“ und „ich glaube, dass wir in Österreich dafür einerseits die finanziellen Mittel nicht haben und anderseits auch nicht den gesellschaftlichen Konsens.“ Einen Konsens zu leugnen, ohne einen Konsens gesucht zu haben, ist nicht gerade visionär.

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Kunstszene und Um:Druck 2008

Zehn PR-Schmähs die immer ziehen

UM:Druck, Dezember 2008

PR-Schmäh Nummer 1

Schenke einem Museum, mit dessen Direktorin du schon seit ihren Salzburger Zeiten engstens verbandelt bist, Arbeiten von Künstlern, die du zufällig als Galerist vertrittst. Kritisiere prophylaktisch die potenziellen Kritiker, denn „hier wird man für Schenkungen ja eher kritisiert, aber ich bin auf alle Attacken vorbereitet“, und lass die Medien an deiner Wohltätigkeit teilhaben.

PR-Schmäh Nummer 2

Übernimm für dein Museum eine Sammlung mit 500 Werken als Dauerleihgabe und erkläre der Welt, dass es dir gelungen ist, „die bisher bestehende Lücke der internationalen klassischen Moderne“ in Österreich zu schließen. Verkaufe dem Publikum die Sammlung unter der Etikette „von Manet bis Picasso“ und erwähne den Kern der Sammlung – die russische Avantgarde - nur in einem Nebensatz, denn wer kennt schon Filonow? Für den einfachen PR-Fuzzi heißt das: Schreibe nur die Namen in den Titel deiner Presseinfo, von denen du sicher sein kannst, dass sie jeder Volltrottel kennt!

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Kunstszene und Um:Druck 2007

12 Anmerkungen zum Kunstjahr 2007

Um:Druck Dezember 2007

Jänner. Besuch der London Art Fair. Mehr als 100 Londoner Galerien zeigen die gefragtesten Künstler, die das Empire nach der Geburt der Young British Artists (is a show 15 your hair) aufzubieten hat. Unter ihnen Beryl Cook mit „Granny and her Pet Mouse“. Das naive Bild sieht genau so aus wie es heißt. Das ca. 70x80 cm große Kunstwerk wird von der ausstellenden Galerie mit 38.000 Pfund taxiert. Von der Galeristin erfahre ich, dass es sich um eine der berühmtesten Künstlerinnen des Landes handelt. Meine naive Frage, warum sie dann im Rest Europas völlig unbekannt sei, beantwortet die Galeristin in aller Offenheit: „Art does not travel.“

Feburar. Die Kunst bleibt, wo sie ist, wir reisen weiter. Zur ART in Innsbruck. Die gefragteste Kunstkritikerin im Heiligen Land Tirol meint, “der Großteil von dem, was hier als Kunst verkauft wird, ist nicht die Farbe wert, mit der sie gemalt wurde.” Offenbar hat sie die London Art Fair nicht besucht.

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Phänomenologie der Corona-Herrschaft

Ein Jahr Covid19

Vor einem Jahr, am 11. März 2020 hat die WHO die Pandemie ausgerufen. Wie The Guardian berichtet, hatten zu dem Zeitpunkt China 81.020, Italien 24.747 und Iran 13.938 Corona-Fälle. Es folgten im vierstelligen Bereich Frankreich mit 5437, Deutschland mit 5813 und USA mit 3774 und UK mit 1395 positiven Fällen. Für berichtenswert hielt die Zeitung auch die positiven Fälle in Südafrika (24), Nigeria (2), Mexico (12), Chile (43) u.a.

Was wären die logischen und sinnvollen Konsequenzen gewesen? Da wir im 21. Jahrhundert mit der besten medizinischen Versorgung aller Zeiten leben (auch wenn diese nicht alle Länder der Welt flächendeckend erreicht), sollten die Krankenhäuser und die niedergelassenen Ärzte, sowie Virologen, Epidemiologen und die Gesundheitsbehörden mit ihren hochqualifizierten Mitarbeitern am besten wissen, was zu tun ist. Hygienemaßnahmen hat die Medizin bereits im 19. Jahrhundert erfunden und Seuchen seit Ende des 2. Weltkrieges weltweit erfolgreich bekämpft.

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Kunst kommt von Können

(30.11.06) Das Bonmot "Kunst kommt von Können" wird von vielen Insidern der Kunstszene als antiquiert bezeichnet. Trotzdem arbeiten nach wie vor viele Künstler in einer Tradition, die auf handwerkliches Können nicht verzichten will. Dabei verlaufen die Grenzen zwischen Kunst und Handwerk oft fließend.

Die großen Herbstmessen der Kunst- und Antiquitätenhändler sind vorbei. Möbel, Schmuck, Silber und Keramik der Wiener Werkstätte zählen hier zum Standardangebot und werden neben Gemälden und Skulpturen angeboten. In zeitgenössischen Galerien und Kunstmessen ist das Spektrum meist nicht so breit, Installationen und Neue Medien haben hier traditionelle Techniken in den Hintergrund gedrängt. Doch langsam kommen sie wieder ans Licht, und sogar auf der führenden europäischen Messe für zeitgenössische Kunst, auf der Art Cologne 2006, waren Arbeiten aus Keramik, Glas, Stein und Edelstahl zu finden.

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Renaissance der Druckgraphik

(30.11.06) Ehemals Kunst für Einsteiger, findet die Druckgraphik heute wieder vermehrt Anhänger bei durchaus zahlungskräftigen Sammlern, die begeistert sind von den einmaligen technischen und gestalterischen Möglichkeiten dieses Mediums.

„Malen gegen die Zeit” ist der Titel der Picasso-Ausstellung in der Wiener Albertina, die noch bis Anfang Jänner läuft. Zur Überraschung mancher Kritiker verkündete Direktor Klaus Albrecht Schröder bei der Eröffnung den programmatischen Anspruch: „Wir wollen die Gleichwertigkeit der unterschiedlichen Medien – Druckgraphik und Malerei – zeigen.” Und das ist dem Kurator und intimen Picasso-Kenner, Werner Spies, hervorragend gelungen. Für Spies war diese Gegenüberstellung nicht nur Programm, sondern heilige Verpflichtung, denn mit 50.000 Zeichnungen und einer Million Druckgraphiken ist die Albertina „ein Haus, in dem die Zeichnung eine vatikanische Präsenz hat”, wie er ehrfurchtsvoll erklärte.

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Kunstszene und Um:Druck 2006

Nach Einstellung der „Wiener Kunsthefte“ hat ihr Chefredakteur Philipp Maurer mit der auf Druckgrafik spezialisierten Zeitung „Um:Druck“ begonnen. Hubert Thurnhofer als Präsident der IG-Galerien hat in jeder Ausgabe einen Kommentar über Kunst, Kunstpolitik oder die Kunstszene beigesteuert. Der erste Beitrag stammt vom September 2026.

Arbeitsunwillige Studenten - berufene Professoren?

Um:Druck, September 2006

Mit Erscheinen der ersten Ausgabe von UmDruck ist auch die zweite schwarz-blauorange Regierungsperiode schon wieder Geschichte - und es ist keineswegs voreilig, schon jetzt Geschichtsbücher mit dem Resümee zu verfassen, dass auch dieser Regierung die zeitgenössische bildende Kunst - mit Verlaub - scheißegal war. Fast nostalgisch erinnert man sich an den Kunst-ist-Chefsache-Kanzler Viktor Klima und seine an Platidüden unübertroffene Laudatio auf Alfred Hrdlicka anlässlich einer Ausstellungseröffnung im Wiener Künstlerhaus. Vom Schweigekanzler Wolfgang Schüssel bleiben jedoch nicht einmal Platidüden in Erinnerung. Über seinen Kunststaatssekretär wollen wir aber künftigen Generationen warnend ins Stammbuch schreiben: Traue keinem Politiker, der dir die Absetzbarkeit der Kunst verspricht.

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Wiener Kunsthefte 2005

Artikel von Hubert Thurnhofer, damals Vorsitzender der IG Galerien

Museumspolitik: Kassenschlager und Minenbomben

Wiener Kunsthefte, März 2005

Die Evaluierung der Bundesmuseen, fünf Jahre nach ihrer „Entlassung“ in die Vollrechtsfähigkeit, wurde von den Medien bereits ausreichend als Gefälligkeitsgutachten zum Preis von 100.000 Euro gewürdigt. Neben anonymen, aber den Häusern durchaus gewogenen Gutachtern hat das Marktforschungsinstitut FESSEL-GfK erhoben, wie bekannt und beliebt die Museen bei den Österreichern und Österreicherinnen sind. Schöne, rosarote Balkengrafiken dieser Umfrage bilden denn auch den Kern des vom bm:bwk publizierten Resümes: 27 von 47 Seiten klären uns auf über so wichtige Fragestellungen wie “Steht der heutige Museumsbesuch im Zusammenhang mit einem im Unterricht behandelten Thema?“, „Hat es dir hier im TMW / in der Albertina / im KHM gefallen?“, „Trifft die folgende Aussage zu: Die Leute, die hier im Museum arbeiten, sind freundlich und nett.“

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