Kunstszene und Um:Druck 2014

Meine Rede zur Verleihung des Oskar Kokoschka Preises 2014, die ich nicht halten durfte!

28.2.2014

S.g. Damen und Herren,

ich möchte nicht versäumen, Ihnen und uns zur heutigen Entscheidung zu gratulieren. Mein Name ist Hubert Thurnhofer, ich bin ein Bürger dieses Landes. Es steht wohl außer Zweifel, nicht nur in diesem Kreise, dass wir es mit einem der genialsten Künstler des 20. Jahrhunderts zu tun haben, mit einem herausragenden Vertreter der Malerei, wenn wir heute schon den Geburtstag von Oskar Kokoschka feiern. Da liegt nichts näher, als jenen Mann mit dem Namen Kokoschka zu dekorieren, der schon von Jahrzehnten höchstpersönlich der Malerei den Totenschein ausgestellt hat.

(An dieser Stelle packte mich ein Muskelmann und ich beugte mich der GewaltEine Handvoll spendete Applaus - meinem Auftritt oder meinem Abgang sei dahingestellt.).

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Kunstszene und Um:Druck 2013

Der Galerist als Philosoph

Laudatio zum 50. Geburtstag von
Hubert Thurnhofer, 11. März 2013

von Wilfried Seywald

Lieber Hubert, liebe Festgäste !

Foto vlnr: Temmel, Thurnhofer, Seywald

Gestern war ich im Großen Musikvereinssaal, um einem Konzert des Musikgymnasiums Wien zu folgen. Unter der Leitung von Richard Böhm spielten und sangen die SchülerInnen der Unter- und Oberstufe drei großartige Stücke:

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Kunstszene und Um:Druck 2012

Kadenz zur Preisverleihung

UmDruck 1/2012

Vor zwei Jahren hab ich an der Stelle über die Dekadenz der Preisverleiher geschrieben, die den Oskar Kokoschka Preis unter Ausschluss der Öffentlichkeit an Raymond Pettibon verliehen haben. In diesem Jahr hat die Jury unter Vorsitz von Gerald Bast, Rektor der Universität für Angewandte Kunst, vor der Verleihung offenbar ein paar Nachhilfestunden in PR genommen, und siehe, die breite Öffentlichkeit durfte via Massenmedien die Geehrte bejubeln.

Die Lernfähigkeit der Jury in Sachen PR beweist der ORFonline-Bericht über das After-Award-Happening der Ono in Krems: „Eine der berühmtesten Künstlerinnen der Welt hat Österreich in den letzten zwei Tagen die Ehre gegeben: Yoko Ono. An der Seite von John Lennon wurde sie weltbekannt. Aus dem Schatten ihres verstorbenen Ehemannes ist sie allerdings schon längst herausgetreten.“ Mit Yoko Ono spielt der Kokoschka-Preis nun ganz oben in der PR-Liga mit, in einer Liga des Sekt-Dosen-Produzenten, der Paris Hilton in Ischgl einfliegen lässt, und des Einkaufszentrumsbesitzers, der Pamela Anderson und ihre Autogrammkarten dem Publikum der Lugner-City serviert. „Umringt von zahlreichen Journalisten, Fotografen und Kunstbegeisterten kalligrafierte Yoko Ono sieben weiße Leinwände mit japanischen Schriftzeichen. Dieses überdimensionale Kunstwerk der Witwe John Lennons wird künftig in der Ausstellung „Wunder“ in der Kunsthalle zu sehen sein“, berichtet der ORFonline.

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Kunstszene und Um:Druck 2011

Rekordverdächtige Vorurteile

UM:Druck 1/2011

Fast zeitgleich haben Die Presse und das WirtschaftsBlatt Ende November den Kunstmarkt unter die Lupe genommen. Die Presse-Redakteurin Barbara Petsch serviert uns am 21.11.2010 unter dem etwas zu reißerisch geratenen Lead „Ein Auktionsrekord jagt den anderen“ viele aufgewärmte Klischees: „Bedenkt man, dass jüngst ein Jackson Pollock für 140 Mio. Dollar verkauft wurde, wirken die Preise heimischer Künstler mager.“ Konkret bezieht sich Petsch auf jüngste Auktionsergebnisse: „Nicht einmal Spitzen-Künstler wie Arnulf Rainer oder Maria Lassnig erzielten Rekorde.“ Abgesehen von der falschen Prämisse, dass es EINEN homogenen Kunstmarkt gibt in dem nur Rekorde zählen, vergleicht die Redakteurin hier Trüffel mit Eierschwammerl. Die Aussage ist vergleichbar mit der Feststellung: Im Vergleich zum Börsenwert von Google ist der Wert von diepresse.com sehr mikrig. Zweifelsfrei richtig. Aber wer würde jemals google.com mit diepresse.com vergleichen?

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Ethik thurnhofer.cc 2003-2010

Die folgenden Beiträge erschienen 2003 bis 2010 in der Rubrik ETHIK + Wirtschaftsethik auf der Webseite von Hubert Thurnhofer / thurnhofer.cc

Wieviel sind Manager wert?

7. Juli 2003 - „Die Presse“ brachte kürzlich die Ergebnisse einer Weltbank-Studie zur Lohnstruktur. Demnach liegt in Österreich „die sogenannte Lohnspreizung (das Verhältnis der niedrigsten zehn Prozent Gehälter zu den höchsten zehn Prozent) bei 1:20. Zieht man nur Vollzeit-Arbeitskräfte heran, dann reduziert sich das Verhältnis sogar auf 1:10 bis 1:12.“ Da sind US-Manager ganz andere Dimensionen gewohnt. Ende der 90er Jahre betrug das Durchschnittseinkommen der Top-100-US-Manager laut „Fortune“ 37,5 Mio. Dollar, das ist ein Wert von 1:1000 im Verhältnis zum Einkommen Normalsterblicher.

Es gibt in der realen Welt kein „Leistungsprinzip“, das derartige Unterschiede rational nachvollziehbar machen würde. Natürlich ist es legitim, dass sich ein Spitzenmanager Supergagen ausverhandelt, fraglich ist nur, wie die Aufsichtsräte solcher Unternehmen diese Gagen den Aktionären erklären. Denn alleine die Vermögensverwaltung von derartigen Summen ist eigentlich ein Fulltime-Job. Wie schaffen es die Supermanager da noch, ganz nebenbei ihre Konzerene zu führen?

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Kunstszene und Um:Druck 2010

Bewerbung für die Stellung eines Diskont-Direktors

UM:Druck 3/2010 (September)

Sehr geehrter Herr Diethard Leopold!

Laut APA  haben Sie die Ausschreibung des museologischen Leiters des Leopold Museum "auf unbestimmte Zeit" verschoben. Sie werden in einem Artikel vom 25. August mit folgender Aussage zitiert:

"Wir können nicht ausschreiben, solange die finanzielle Situation des Museums seitens des Bundes nicht zufriedenstellend geklärt ist. Wir bekommen seit einigen Jahren keine entsprechende Inflationsabgeltung mehr und machen trotz sparsamer Gebarung ein Defizit. Nun hat mein Vater als Direktor sehr wenig verdient, etwa 5.000 Euro brutto. Für diese Summe bekommt man keine qualifizierte Person. ... Zukunft als zentrales Jugendstil-Museum ... Ohne Museumsschließungen und -zusammenlegungen zu befürworten: Im Oberen Belvedere hängen einige Werke Klimts und Kokoschkas, die sehr gut zu uns passen würden - denn was hat ein Barockbau mit Expressionismus zu tun? Auch Schieles 'Der Tod und das Mädchen' wäre bei uns richtig. All das kann man aber nicht mit einem Diskont-Direktor machen. Und ein anderer kostet eben Geld."

Da keine Ausschreibung vorliegt, möchte ich mich gerne auf Basis Ihrer Aussage um die Stellung eines Diskont-Direktors des Leopold-Museums bewerben. Das Gehalt von 5.000 brutto monatlich ergibt Lohnkosten von ca. 100.000 Euro pro Jahr. Ich biete Ihnen an, für 8.500 Euro monatlich auf Honorarnasis den Job zu übernehmen. Das Museum spart damit die Kosten für Abfindung und Pensionsvorsorge.

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Kunstszene und Um:Druck 2009

UM:Druck, Dezember 2009

4.1.2010 - Anlässlich der Wahl von Petja Dimitrova zur Vorsitzenden der IG Bildende Kunst erklärte die Künstler-Vertretung in einem Rundmail am 25. November: „Es geht unter anderem darum, gegen Prekarisierung - von nicht nur künstlerischen Arbeits- und Lebensbereichen - aufzutreten. Hierzu zählt beispielsweise die Solidarität mit der aktuellen Bildungsprotestbewegung. In diesem Zusammenhang schließt sich die IG Bildende Kunst der Forderung nach freier Bildung für alle an und tritt für ein bedingungsloses Grundeinkommen sowie gegen die Ökonomisierung von Bildung und Kunst ein.“

Wie der Zufall so spielt, habe ich Ende September Sozialminister Hundstorfer genau zu dem Thema interviewt (siehe Die Bunte Zeitung Nr 5/2009)  Seine Position zum Grundeinkommen war erwartungsgemäß festbetoniert: „das ist in diesem Land politisch, mit den jetzigen Verhältnissen sicher nicht umsetzbar“ und „ich glaube, dass wir in Österreich dafür einerseits die finanziellen Mittel nicht haben und anderseits auch nicht den gesellschaftlichen Konsens.“ Einen Konsens zu leugnen, ohne einen Konsens gesucht zu haben, ist nicht gerade visionär.

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Kunstszene und Um:Druck 2008

Zehn PR-Schmähs die immer ziehen

UM:Druck, Dezember 2008

PR-Schmäh Nummer 1

Schenke einem Museum, mit dessen Direktorin du schon seit ihren Salzburger Zeiten engstens verbandelt bist, Arbeiten von Künstlern, die du zufällig als Galerist vertrittst. Kritisiere prophylaktisch die potenziellen Kritiker, denn „hier wird man für Schenkungen ja eher kritisiert, aber ich bin auf alle Attacken vorbereitet“, und lass die Medien an deiner Wohltätigkeit teilhaben.

PR-Schmäh Nummer 2

Übernimm für dein Museum eine Sammlung mit 500 Werken als Dauerleihgabe und erkläre der Welt, dass es dir gelungen ist, „die bisher bestehende Lücke der internationalen klassischen Moderne“ in Österreich zu schließen. Verkaufe dem Publikum die Sammlung unter der Etikette „von Manet bis Picasso“ und erwähne den Kern der Sammlung – die russische Avantgarde - nur in einem Nebensatz, denn wer kennt schon Filonow? Für den einfachen PR-Fuzzi heißt das: Schreibe nur die Namen in den Titel deiner Presseinfo, von denen du sicher sein kannst, dass sie jeder Volltrottel kennt!

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Kunstszene und Um:Druck 2007

12 Anmerkungen zum Kunstjahr 2007

Um:Druck Dezember 2007

Jänner. Besuch der London Art Fair. Mehr als 100 Londoner Galerien zeigen die gefragtesten Künstler, die das Empire nach der Geburt der Young British Artists (is a show 15 your hair) aufzubieten hat. Unter ihnen Beryl Cook mit „Granny and her Pet Mouse“. Das naive Bild sieht genau so aus wie es heißt. Das ca. 70x80 cm große Kunstwerk wird von der ausstellenden Galerie mit 38.000 Pfund taxiert. Von der Galeristin erfahre ich, dass es sich um eine der berühmtesten Künstlerinnen des Landes handelt. Meine naive Frage, warum sie dann im Rest Europas völlig unbekannt sei, beantwortet die Galeristin in aller Offenheit: „Art does not travel.“

Feburar. Die Kunst bleibt, wo sie ist, wir reisen weiter. Zur ART in Innsbruck. Die gefragteste Kunstkritikerin im Heiligen Land Tirol meint, “der Großteil von dem, was hier als Kunst verkauft wird, ist nicht die Farbe wert, mit der sie gemalt wurde.” Offenbar hat sie die London Art Fair nicht besucht.

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Phänomenologie der Corona-Herrschaft

Ein Jahr Covid19

Vor einem Jahr, am 11. März 2020 hat die WHO die Pandemie ausgerufen. Wie The Guardian berichtet, hatten zu dem Zeitpunkt China 81.020, Italien 24.747 und Iran 13.938 Corona-Fälle. Es folgten im vierstelligen Bereich Frankreich mit 5437, Deutschland mit 5813 und USA mit 3774 und UK mit 1395 positiven Fällen. Für berichtenswert hielt die Zeitung auch die positiven Fälle in Südafrika (24), Nigeria (2), Mexico (12), Chile (43) u.a.

Was wären die logischen und sinnvollen Konsequenzen gewesen? Da wir im 21. Jahrhundert mit der besten medizinischen Versorgung aller Zeiten leben (auch wenn diese nicht alle Länder der Welt flächendeckend erreicht), sollten die Krankenhäuser und die niedergelassenen Ärzte, sowie Virologen, Epidemiologen und die Gesundheitsbehörden mit ihren hochqualifizierten Mitarbeitern am besten wissen, was zu tun ist. Hygienemaßnahmen hat die Medizin bereits im 19. Jahrhundert erfunden und Seuchen seit Ende des 2. Weltkrieges weltweit erfolgreich bekämpft.

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