Ethik thurnhofer.cc 2003-2010

Die folgenden Beiträge erschienen 2003 bis 2010 in der Rubrik ETHIK + Wirtschaftsethik auf der Webseite von Hubert Thurnhofer / thurnhofer.cc

Wieviel sind Manager wert?

7. Juli 2003 – „Die Presse“ brachte kürzlich die Ergebnisse einer Weltbank-Studie zur Lohnstruktur. Demnach liegt in Österreich „die sogenannte Lohnspreizung (das Verhältnis der niedrigsten zehn Prozent Gehälter zu den höchsten zehn Prozent) bei 1:20. Zieht man nur Vollzeit-Arbeitskräfte heran, dann reduziert sich das Verhältnis sogar auf 1:10 bis 1:12.“ Da sind US-Manager ganz andere Dimensionen gewohnt. Ende der 90er Jahre betrug das Durchschnittseinkommen der Top-100-US-Manager laut „Fortune“ 37,5 Mio. Dollar, das ist ein Wert von 1:1000 im Verhältnis zum Einkommen Normalsterblicher.

Es gibt in der realen Welt kein „Leistungsprinzip“, das derartige Unterschiede rational nachvollziehbar machen würde. Natürlich ist es legitim, dass sich ein Spitzenmanager Supergagen ausverhandelt, fraglich ist nur, wie die Aufsichtsräte solcher Unternehmen diese Gagen den Aktionären erklären. Denn alleine die Vermögensverwaltung von derartigen Summen ist eigentlich ein Fulltime-Job. Wie schaffen es die Supermanager da noch, ganz nebenbei ihre Konzerene zu führen?

Mickey Levy, der Chef-Volkswirt der Bank of Amerika  sagt in einem Interview mit dem „Industrie-Magazin“: „Der US-Ansatz, Manager mittels Aktienoptionen einen Anreiz zur Erfüllung des Shareholder Values zu geben, trägt dazu bei, dass in den USA Entrepreneurship viel ausgeprägter ist. Die Manager sind bereit, mehr Risken zu tragen, eher in neue Technologien zu investieren und grundsätzlich Neues auszuprobieren.“

Noch nie wurde jedoch ein Fall bekannt, in dem ein Manager für Fehlentscheidungen, die ja erhöhte Risikobereitschaft nach sich zieht, auch entsprechende finanzielle Wiedergutmachung geleistet hätte. Üblich ist vielmehr, dass er den Golden Handshake bekommt und der nächste überbezahlte Captain ans Ruder kommt. Das mag alles auf Grund der „leistungsorientierten“ Management-Verträge legitim sein, moralisch vertretbar, bzw. klug im ethischen Sinne, ist es nicht.

Die Nationalbank fahndet nach Sparstrümpfen

17. Juli 2003 – Nun ist es auch schon wieder eineinhalb Jahre her, so würde der famose Telemax seine Kolumne in der „Krone“ beginnen – und würde es die „Krone“ nur wegen dieser Kolumne geben, so wäre die Existenz dieses Blattes hinreichend moralisch legitimiert, aber das ist eine andere Geschichte –  nun ist es also schon wieder eineinhalb Jahre her, dass Europa den Euro eingeführt hat, und wie sich nun herausstellt, ist der Euro, das Esperanto der Weltwährungen, ein Kunstprodukt, das von vielen Europäern im Allgemeinen und von sehr, sehr vielen Österreichern im Besonderen nicht wirklich angenommen wird, nicht nur mental und emotional, wie viele sagen: wir zahlen in Euro aber rechnen in Schilling, nein, buchstäblich abgelehnt wird der Euro von einer gar nicht so kleinen Bevölkerungsgruppe, denn wie uns die Österreichische Nationalbank heute mitteilte, haben noch 15 Prozent der Österreicher, das sind 1,2 Millionen Menschen, was soviel heißt wie lebende Menschen, Schilling-Banknoten in ihren Sparstrümpfen, und nicht ein paar Zerquetschte, sondern summa summarum mehr als 12.000.000.000 Schilling, in Worten also zwölf Milliarden Schilling im Gegenwert von rund 900 Millionen Euro wie uns die Nationalbank pflichtbewusst vorrechnet, eine nette Summe, die die Nationalbank nun mit einem Bus vor der Haustür der Besitzer abholen will, weil diese Leute offenbar gewohnt sind, dass ihnen der Bäcker Semmerl, Brot und Milch bis vor die Haustür bringt, darum warten sie nun darauf, dass ein National-Banker bei ihnen läutet und vielleicht auch in bisserl beim Suchen hilft, zwölf Milliarden Euro, die müssen schon ordentlich verstaut sein, das sind im Schnitt läppische 10.000 Schilling, für die 1,2 Millionen Österreicher (und auch Östereicherinnen, um hier dem Gleichheitsparagrafen gerecht zu werden) keine bessere Verwendung haben als dieses Geld wegzustecken bis zum Jüngsten Gericht, sozusagen als eiserne Reserve für die Ewigkeit, da fragt sich ein Durchschnittsösterreicher, der gerade mal zwei Zwanzger in seinem Schilling-Depot hat, und zwar einen ganz alten Zwanzger mit Carl Ritter von Ghega, der mit dem Bau der Semmering Bahn weltberühmt wurde, und einen weniger alten Zwanzger mit dem Moritz Daffinger, den kein Schwein kennt, das hab ich umgehend wissenschaftlich verifiziert, denn nicht einmal der Brockhaus hat ihm einen Eintrag gewidmet, aber er dürfte wohl was mit der Albertina zu tun haben, denn die ist auf der Rückseite abgebildet, und da können die Nationalbank-Busse noch zehn Jahre durch die Lande fahren, die geb ich nicht her, denn die zwei Zwanzger bilden das Fundament meines immerwehrenden, nein immerwährenden Schilling-Kontos, aber bitte, das ist ja auch kein Brocken wie 10.000 Schilling oder auch mehr, denn 10.000 Schilling sind ja bloß ein Mittelwert, nach dem die National-Banker nun von Außervillgraten bis Zurndorf fahnden, aber wozu fragt sich, denn wenn bei mir die Sentimentalität auch nur für zwei Zwanzger reicht, warum soll man denn den Bürgerinnen und Bürgern der Alpenrepublik nicht auch die Sentimentalität für zwei Fünftausender gönnen, es war ja immerhin unser Nationalheiliger Amadee, man gönnt sich ja sonst nichts, also bittschön Herr Liebscher, und bittschön Gnä´ Frau von Gugerell, lassens doch den Österreichern und Österreicherinnen ihr bescheidenes Glück, tut sie nicht mit landesweiten Fahndungen, die als Bürgerservice getarnt sind, aufscheuchen, schauen Sie, das bringt doch nichts, und schon gar nicht dem Karl Heinz, der da sicher ein Auge zudrücken wird, wenn man ihn dafür wieder in Ruhe lässt, denn der beste Darsteller eines Finanzministers, den Österreich je gesehen und erlebt hat, hat sich auch was anderes verdient als eine Schmutzkübelkampagne – aber das ist jetzt wirklich eine ganz andere Geschichte …

Der Einzelhandel – Das arme Schwein

22. Dezember 2003 – Schon haben zu Mariae Empfängnis die ersten Händler über Umsatzzuwächse gejubelt, noch bevor sie das Geld gezählt haben, das in der Kasse geblieben ist. Aber der Eindruck von selten vielen Menschen in den Geschäften schürt halt Emotionen, und da schaut mancher nicht so genau auf die nüchternen Zahlen. Nun, zwei Wochen später wissen wir aber, dass die Vorjahresumsätze nicht erreicht werden konnten, so wie auch im Vorjahr die Vorjahresumsätze nicht erreicht werden konnten, und wie überigens auch im vorvorigen Jahr die Vorjahresumsätze nicht erreicht werden konnten – aber das ist eine andere Geschichte, denn damals hatten wir ja einen Börsencrash.

Nicht wegen plus/minus ein/zwei Prozent Umsatz ist der Einzelhändler ein armes Schwein, sondern an und für sich ist im heutigen Wirtschaftsgefüge der Einzelhändler das ärmste Schwein, das man sich vorstellen kann. In 1000 und einer Nacht liest man von unvorstellbar reichen Kaufleuten, die ihre Waren zu hause all jenen verkauften, die nie die Welt gesehen haben. Heute ist es umgekehrt: Der Kaufmann sitzt in seinem finsteren, kunstlichtdurchfluteten Laden, während sich alle anderen die Welt anschauen, auf den Malediven urlauben, oder zum Schiurlaub nach Kitz abzischen. Und wenn diese Klasse gut bezahlter Angestellter dann braun gebrannt aus dem Urlaub zurück kommt, sitzt unserer Kaufmann immer noch in seinem finsteren, kunstlichtdurchfluteten Laden, allerdings ist seine Ware dann nichts mehr wert, weil in den vergangenen drei Wochen längst neue Modelle auf dem Markt sind und die Auslaufmodelle verscherbelt werden müssen, hin und wieder unter dem Einkaufspreis.

Das freut den Kunden, denn wenn der Urlaub vorbei ist, dann ist wieder eisernes Sparen angesagt.Da wird die Spargesinnung regelrecht zur Weltanschauung! Dann hört man ja auch wieder täglich in den Nachrichten von den kommenden Sparpaketen, und auch unsere Politiker haben endlich verstanden, dass man das Geld nicht sinnlos vergeuden darf, und deshalb hören wir jetzt täglich nur noch die Parole: sparen, sparen und nochmals sparen! Warum bloß hören wir nie von seiten der Politik: wir müssen unser Geld sinnvoll investieren, richtig investieren, nachhaltig investieren?

Investieren sollen halt die Kaufleute, die haben das Geld dafür! Schließlich schlagen sie ordentlich was drauf, bevor sie ihre Waren in die Auslage stellen. Im Schnitt fünf bis unverschämte zehn Prozent, bei Klamotten auch mal mehr als zehn Prozent, zumindest drei Tage lang, bis die erste Rabatt-Aktion angekündigt wird. Von dieser Marge, so hört man, sollen auch noch die Angstellten, das Lager und selbstverständlich das Geschäftslokal finanziert werden.

Wer das Leben von seiner härtesten Seite kennen lernen will, der kann hier ab sofort an meiner Tauschbörse teilnehmen. Dabei kann jeder sein eigenes Berufs-Leben gegen das eines Einzelhändlers tauschen. Voranmeldungen werden unter hubert@thurnhofer.cc entgegen genommen.

wehwehweh.KHG.ade

7. Februar 2004 – Der beste Darsteller eines Finanzministers, den Österreich jemals auf der politischen Bühne gesehen hat, ist selbst für seine eingeschworene Fangemeinde nicht mehr glaubwürdig. Das, nicht mehr und nicht weniger, wird wohl den Regisseur der wichtigsten Inszenierung der zweiten Legislaturperiode veranlassen, den Hauptdarsteller des Stückes „Die größte Steuerreform der Zweiten Republik“ bei passender Gelegenheit auszutauschen.

Angesichts der Millionenbeträge, die KHG als Minister für Beraterhonorare zu verantworten hat, sind die 283.000 Euro, die der private Verein Industriellenvereinigung dem privaten, gemeinnützigen Verein zur Förderung der New Economy gespendet hat, wirklich Kinkerlitzchen. Es ist infam, dass Grasser ausgerechnet für seine schöne, nette Website kritisiert wird. Da ist auch viel Neid von berufsmäßigen Wadelbeißern und Kabarettisten dabei, die in einem abendfüllenden Programm nicht so viele Pointen liefern, wie KHG in einem kurzen ZiB2-Interview. Man darf hoffen, dass diese Leistungen bei der nächsten Verleihung des Johann Nestroy-Preises mit einer entsprechenden Auszeichnung gewürdigt werden.

Damit sie nicht zu schnell in Vergessenheit geraten, hier die leuchtendsten Funken aus dem Pointen-Feuerwerk von KHG im Gespräch mit Ingrid Thurnher (ZiB2 am 6.2.04):

100.000 der 240.327 Euro für die Website wurden schlicht und ergreifend beim ersten Versuch in den Sand gesetzt, indem man trotzodergeradewegen sorgfältiger Prüfung aller Angebote eine Firma mit der Umsetzung der Website beauftragt hat, die dafür nicht qualifiziert war. Dass dort ein Spezi vom Finanzminister gearbeitet hat, aber dann plötzlich nicht mehr da war, als sich herausstellte, dass die besagte Firma nicht imstande ist das Projekt abzwickeln, war reiner Zufall. Reiner Zufall war auch die Tatsache, dass besagte Firma eine Tochter von einer nicht ganz unbekannten Börsenblase namens Yline war, von der KHG irgend wann mal Aktien besessen hatte. Aber diese Aktien hat KHG ja nicht mehr besessen, als Yline schon in den Konkurs schlitterte – das war sicher auch nur ein Zufall.

30.000 Euro kosteten die Filme, die mit Betacams aufgenommen und auf der Website eingespielt wurden. Mit Betacams arbeiten ORF und alle anderen TV-Stationen, die sich das leisten können. Viele Pofis arbeiten bereits mit billigeren Geräten. Aber egal welche Kameratechnik man einsetzt, encodiert auf eines der üblichen Internet-Formate spielt es keine Rolle, ob der Film mit einer billigen Handycam oder mit einer teuren Batacam aufgenommen wurde – man wird im Internet keinerlei Qualitätsunterschiede erkennen können. Abrufen kann der interessierte User auf der KHG-Site übrigens die für die New Economy ebenso wie für die laufende Steuerreform eminent wichtige Stephansdom-Story: „Der Seitenblicke Film zur Stephansdombesteigung“.

60.000 Euro kostete das CMS (Content Management System) der Website. Das ist die Technik, die es dem Herrn Winkler erlaubt, ohne fremde Hilfe schnell und direkt alles auf der Website zu publishen, was ihm gerade als Präsident des Vereins durch den Kopf geht, oder auch das, was ihm nicht durch den Kopf geht. Als Vergleich für jene, die noch nie ein Offert für eine Website eingeholt haben: Die Open Source CMS von Mambo oder Typo3 sind kostenlos, allein für die Installation sind entsprechende Honorare zu kalkulieren.

5.040 Euro wurden zusätzlich für „Beratung“ ausgewiesen. Ernst & Young wird die Prüfung des Vereins wohl nicht für so einen Klacks durchgeführt haben. Die Leistung eines namentlich nicht genannten Beraters könnte darin bestanden haben, dem Verein eine andere Internet-Company zu empfehlen, da die Yline-Tochter ja nicht imstande war, den Auftrag zu erfüllen. Vielleicht war im Beratungshonorar ja auch die Empfehlung inkludiert, der Yline-Tochter nicht das ganze Honorar auszuzahlen, sondern nur zwei Drittel des vereinbarten Honorars – dann hat sich das Beraterhonorar aber voll gerechnet! Stellt sich nur die Frage: Wo scheinen eigentlich die Kosten für die Prüfung durch Ernst & Young auf?

Der KHG-Fan-Community bleibt die bange Hoffnung, dass die Industriellenvereinigung bald wieder Geld nach schießt, denn nur noch 12.699 Euro sind in der Kasse des Vereins. Da bisher für Leitungskosten rund 20.000 Euro ausgegeben wurden und der Traffic auf der Website von KHG aufgrund der enormen Popularität sicher weiter ansteigen wird, kann sich der Verein die Leitungskosten wohl nicht mehr lange leisten. Aber vielleicht springt ja dann Grassers Sozialfond helfend ein.

Ein Lump, Hump oder Dump, wer da noch die blütenweiße Weste von KHG anpatzen will. Es wird sich wohl niemand mehr entblöden zu fragen, ob eigentlich einzig und allein die Gestaltung einer persönlichen Website eines Darstellers eines Finanzminsters den Statuten eines gemeinnützigen Vereins zur Förderung der New Economy entspricht. Denn niemand kann bestreiten, dass es der Verein zur Förderung der New Economy geschafft hat, monumentalpropagandistische Methoden, wie wir sie zuletzt am 27. Parteitag der SED von Erich Honecker gesehen haben, zu digitalisieren und auf das Mickey Mouse-Format einer Website zu transformieren.

Übrigens waren selbstverständlich auch die millionenschweren Beraterhonorare des Finanzministeriums völlig in Ordnung, weil erst dadurch 100e Millionen an Privatisierungserlösen möglich wurden. Tja, da haben dann wohl die Eigentümervertreter in der ÖIAG ein Managment eingesetzt, das nicht imstande gewesen wäre, diese Privatisierungserlöse aus eigener Kraft, mit eigener Kompetenz zu erzielen, oder?

Breitbandförderwünsche

31. Juli 2004 – Wie das WirtschaftsBlatt heute berichtet, hat Wolfgang Gruber, seit vielen Jahren Geschäftsführer von HP Österreich, Probleme mit der Umsatzentwicklung, die in diesem Jahr nur „sanft steigen“ dürfte. Sicher eine enorme Bedrohung für einen Konzern, der am 30. April das 2. Quartal seines Geschäftsjahres mit dem größten Umsatzzuwachs seiner Unternehmensgeschichte abgeschlossen hat. Bei einem Umsatz von 20,1 Milliarden Dollar lag der Nettogewinn des Quartals bei schlanken 884 Millionen Dollar.

Den Grund für das „drohende“ sanfte Wachstum ortet Gruber in einem Investitionsstau bei IT-Ausgaben der Unternehmen. Diese Diagonose wird wohl jeder bestätigen, der im IT-Bereich tätig ist. Verwunderlich für einen über die Jahre erfolgreichen Manager ist aber seine Forderung, die er aus der Ist-Analyse ableitet: „Die Regierung muss endlich aktiv werden, um das IT-Investitionsklima nachhaltig zu verbessern.“ Laut Gruber sei die von Infrastrukturminister Hubert Gorbach versprochene Zehn-Millionen-Euro-Förderung für Breitband viel zu wenig, zitiert das WirtschaftsBlatt den IT-Manager, der in Österreich einen Förderbedarf von 40 Millionen Euro sieht. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, erklärkt Gruber: „Das ist nicht unverschämt, wenn man zum Beispiel an die zwei Milliarden Euro an Infrastruktur-Zuschüssen pro Jahr für die ÖBB denkt.“

Bemerkenswert ist dieses Statement des HP-Managers deshalb, weil es mindestens drei fundamentale Denkfehler enthält:

1. Die IT-Branche ist völlig unschuldig am Investitionsstau.
2. Die Regierung ist dazu da, die Wirtschaft anzukurbeln.
3. Infrastruktur ist Infrastruktur, IT- und Verkehrsinfrastruktur sind daher gleichermaßen zu fördern.

ad 1: Vor einem Jahr habe ich beschlossen, mein bescheidenes Ein-Mann-Büro mit einem All-in-One-Fax-Scanner-Drucker auszustatten – eine wirklich geniale Erfindung für Betriebe meiner Größenordnung. Das beste Preis-Leistungsverhältnis hatte ein Gerät von HP, das ich umgehend erworben habe. Ich will niemanden damit langweilen zu berichten, dass das erste Gerät fehlerhaft und mit Faxanschlusskabel für Deutschland ausgeliefert wurde, abgesehen davon, dass ich erst im Büro darauf gekommen bin, dass ich auch noch ein USB-Kabel für die Verbindung zum PC brauche, das allerdings dem Gerät nicht beigepackt war, was einem natürlich bei Saturn/Mediamarkt niemand sagt, so dass der Sonntagvormittag, an dem man als Einzelunternehmer gerne solche Arbeiten erledigt, für die Installation des Gerätes natürlich verloren war. Also warten auf Montag, defektes Gerät tauschen, USB-Kabel kaufen und den Rest des Tages damit verplempern, das Gerät zu installieren. Nachdem alles gemäß Anleitungen installiert ist, entwickelt der Printer gewisse Eigenwilligkeiten, indem er Druckbefehle manchmal akzeptiert, häufiger aber einfach ignoriert. Mit meinen begrenzten Anwenderkenntnissen bin ich bald mit meinem Latein am Ende und rufe einen Freund und Absolvent einer internationalen EDV-Hochschule. Dieser hochspezialisierte Techniker probiert dann mehrere Stunden verschiedene Tricks aus und findet zuletzt nur eine Lösung: Der HP-Drucker ist nicht mehr kompatibel mit Windows 98. Und tatsächlich, nach der Installation von Windows XP läuft der Drucker ohne Mätzchen zu machen.

Resümee: Die Krise der IT-Branche ist hausgemacht. Wenn ich für die Installation eines Druckers 10 Mann-Stunden, davon mindestens drei Stunden eines hochqualifizierten Technikers brauche, dann verstehe ich, dass jedes Unternehmen IT-Investitionen mittlerweile so lange wie möglich hinaus zögert, wohl wissend, dass jede IT-Investitionen einen Rattenschwanz an Folge-Investitionen auslöst.

ad 2: Die Regierung ist nicht dazu da, die Wirtschaft – egal welche Branche – anzukurbeln. Mehr sollte man dazu eigentlich nicht mehr sagen müssen.

ad 3: Infrastruktur der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen, wurde jahrzehntelang als Aufgabe der Regierung, bzw. des Staates gesehen. Erst nach der Liberalisierung des Telekom-Marktes und der Privatisierung der Ex-Monopolisten haben wir verstanden, dass Infrastruktur genauso gut von Privaten bereit gestellt werden kann. Der miserable Zustand des britischen Schienennetzes hat uns aber auch gezeigt, dass Privatisierung nicht automatisch zu einer besseren Leistung führt. Infrastruktur ist eben nicht gleich Infrastruktur. Und deshalb ist es eine unzulässige Simplifizierung, die Förderung der Schiene oder des Straßenbaus mit Breitbandförderungen aufzuwiegen. Während ich als Einzelner nämlich nichts dazu tun kann, um die Fahrtzeit von Wiener Neudorf nach Wien von zwei Stunden auf zwanzig Minuten zu verkürzen, habe ich mit DSL oder Standleitung jederzeit die Möglichkeit, die Bandbreite zu erhöhen oder kann mit anderen Verfahren die Daten komprimieren, so dass die vorhandenen Bandbreiten besser genutzt werden. Die Investitionen dafür kosten jedem Unternehmen jeder Größenordnung sicher weniger, als die Zeit, die die Mitarbeiter jährlich im Stau verbringen und können selbstverständlich wie jede andere Investition steuerlich geltend gemacht werden. Warum investieren dann manche Unternehmen trotzdem nicht in höhere Bandbreiten? Vielleicht liegt es daran, dass sie diese einfach nicht brauchen.

Wachstums-Visionen können die Gesundheit gefährden

21. August 2004 – Die Telekom Austria an die Swisscom zu verscherbeln wäre genauso sinnvoll gewesen, wie der seinerzeitige Verkauf der Bank Austria an die deutsche Hypovereinsbank. Nach den letzten Bilanzen der beiden Banken sind wir alle klüger und wissen, wie überflüssig dies Fusion war. Wir erinnern uns: Die Bank Austria wurde von der Börse genommen, damit die Hypovereinbsbank sie zunächst völlig inhalieren und die Gewinne konsolidieren konnte. Dann wurde die schöne Braut, in Wahrheit längst eine abhängige Tochter, wieder aufgeputzt und an die Börse gebrach, was der Hypo wieder eine nette Summe einbrachte. Sicher ein lustiges Spiel für Aktienspekulanten – was die Bankkunden davon haben sollen, ist bis heute ein Rätsel geblieben.

Und nun die Telekom Austria. Von einem „strategischen Partner“ war da die Rede – aber keiner der beteiligten Manager hat jemals erklärt, um welche Strategie es denn dabei eigentlich gehe. Dass zwei Konzerne, die in ihren Heimmärkten Marktführer sind, gemeinsam international schlagkräftiger werden, kann ja wohl nur eine Wunschvorstellung sein. Von welcher internationalen Mission ist denn da die Rede? Die TA-Tochter Mobilkom kann beachtliche Erfolge in Kroatien aufweisen, aber das ist wohl ein persönliches Verdienst ihres Vorstandes, der in diesem Land seine Wurzeln hat. Und sonst? Was würde sich für den österreichischen TA-Kunden verbessern, wenn plötzlich aus Zürich und nicht mehr aus Wien die Kommandos kommen? Wird das Breitband breiter, wird die Gesprächsminute länger, wechseln die Kunden schneller zu UMTS als bisher?

Was bleibt, ist die reichlich vage Behauptung, dass man gemeinsam am internationalen Markt stärker sei – aber das ist leider nur ein frommer Wunsch, nicht mehr und nicht weniger. Warum sind zwei Ex-Monopolisten, die immer noch ihre jeweiligen Heimmärkte dominieren, plötzlich von der Mission beseelt, im Orchster der internationalen Player mit zu spielen, obwohl sie wissen müssten, dass sie im Orchester mit Vodavone und Hutchison nie die erste Geige spielen werden können? Getrieben wird diese Fusionitis von einer unter Managern weit verbreiteten Irrlehre: Nur Unternehmen, die ein starkes Umsatzwachstum vorweisen, sind starke Unternehmen. Was hätte denn ein Konzern, dessen Dienstleistung a priori geografischen Grenzen unterliegt, von einer Internationalisierung für einen Vorteil? Kann er dann die Telefonminuten billiger „produzieren“ oder kann er dann den Weltmarktpreis für Telefonminuten kontrollieren?

Ein analytischer Blick auf Hutchison/Drei könnte da manchen Träumern in den Reihen der Globalisierer die Augen öffnen: Sobald das Telekom-Geschäft eines internationalen Konzerns in einem einzelnen Land konkrete Formen annimmt, wird es wieder regional, und zwar notwendiger Weise, weil dem jeweiligen Staat Lizenzen zu zahlen sind, weil die Sendestationen für das österreichischen UMTS-Netz nicht in der chinesischen Provinz Sechuan gebaut werden können und weil schließlich die Kunden in Österreich gewonnen werden müssen und die weltweit bereits vorhandenen x-Millionen Kunden dem Österreich-Geschäft von Drei keinen Deut nutzen. Ganz im Gegenteil: Auf magere 83.100 Kunden hat es Drei bisher in Österreich gebracht, und zwar durch „Vorteile wie netzinterne Gratistelefonie und Geldgeschenke bei Neuverträgen“, wie das WirtschaftsBlatt heute berichtet. So eine tolle Performance kann sich sicher nur ein internationaler Telekom-Konzern leisten.

Dass sich jetzt der Wirtschaftsexperte Alfred Gusenbauer über Der Standard zu Wort meldet und von einer „unfassbaren Kapitalvernichtung“ beim gescheiterten Übernahmedeal der TA spricht, ist heiße Luft, genauso wie der Anstieg des Aktienkurses von 12 auf 14 Euro im Vorfeld der Übernahme-Spekulationen nichts anderes als heiße Luft war. Wer da meint, dass damit eine Milliarde Euro oder mehr vernichtet wurden, der schätzt den Wert von Papieren höher ein als den eigentlichen Unternehmenswert. Und für den Unternehmenswert der TA ist es sicher wichtiger, dass 400 Mio. frei verfügbarer Cash weiter im Unternehmen und bleiben, als demnächst in der Bilanz der „starken“ Swisscom spurlos zu verschwinden. Wenn Spekulanten, die nur am Kursgewinn interessiert sind und nicht im Geringsten am Unternehmen (als „Anteilseigner“), dann trifft es auch die richtigen, wenn sie am Kurssturz verlieren. Die übrigen Aktionäre halten immer noch seit Jahresbeginn einen zweistelligen Wertzuwachs. Wer als Anleger in Jahreszyklen und nicht im Stundentakt denkt, kann sich jedenfalls freuen, wenn eine unabhängige TA demnächst weiter Aktien über die Börse an den Mann bringt. Und da hat das Übernahme-Spektakel sicher nicht geschadet.

Resümee: Wenn Manager „Wachstumsvisionen“ entwickeln, sollte das Wort eines erfahrenen Bankmanagers gelten, das dieser nur irrtümlich in seiner Funktion als Bundeskanzler ausgesprochen hat: Visionäre brauchen einen Psychotherapeuten, denn ungehemmte Wachstumsvisionen von Managern können die Gesundheit des Unternehmens gefährden, für das sie verantwortlich sind.

Der Landeshauptmann als Finanzgenie

1. Dezember 2004 – Landeshauptmann Pröll hat einen Schatz im Silbersee gefunden! Wie das WirtschaftsBlatt (1. Dezember 2004) berichtet, verkauft das Land seine Firmenanteile an EVN, Uniqa, Hypo und Flughafen an eine Holding. Verkaufspreis: eine Milliarde Euro. 100-prozentiger Eigentümer der Holding, die kein Geld hat und den Deal deshalb mit Kredit finanzieren muss: Das Land Niederösterreich. Der Verkaufserlös wird in Aktien veranlagt und daraus erwirtschaftet das Land künftig einen Gewinn von zwei Prozent oder 20 Millionen Euro, so das WirtschaftsBlatt.

Ich vermute, dass dieser Deal beim Wahlvolk, insbesondere bei den Klein- und Kleinstbetrieben, zu einem Schneeballeffekt führen wird. Für einen Einzelunternehmer funktioniert der Deal folgendermaßen: Ich verkaufe mich an mich zum bescheidenen Preis von einer Million Euro und nehme dafür bei meiner Hausbank einen Kredit. Ich weiß jetzt nicht so genau, ob ich oder ich das Kreditrisiko tragen werde, aber das ist ja Nebensache, die Hauptsache ist, dass ich (also mein anderes Ich) die gewonnene Million so genial veranlagen werde, dass unterm Strich 20.000 Euro Gewinn bleiben (nach Kreditrückzahlung, Steuergewinn und Veranlagungserfolg, so wie es uns der Landeshauptmann vorgerechnet hat).

Nun ist es ein glücklicher Zufall, dass die Bewertung der vier Beteiligungen gerade eine runde Milliarde ausmacht, nicht etwa 937,5 Millionen, oder 1,29 Milliarden. So können nämlich auch finanztechnisch weniger begabte Landespolitiker nachvollziehen, dass der Reingewinn von zwei Prozent mit Leichtigkeit zu erwirtschaften sein wird. In absoluten Zahlen: 20 Millionen Euro zusätzlich für das Budget! Dagegen wird sich sicher kein Abgeordneter wehren. So einfach also überzeugt man die Opposition!

Dort, wo Gewinne prognostiziert werden, können bekanntlich im echten Wirtschaftsleben auch Verluste entstehen. Wer wird allfällige Verluste abdecken, falls die Aktienkurse in den kommenden Jahren nicht so fröhlich steigen wie in diesem Jahr, in dem die Modellrechnung durchgeführt wurde? Und wer wird dafür die politische Verantwortung übernehmen? Da das Wort „Verlust“ in der geplanten Konstruktion nicht vorkommt, kann sich der „pfiffige Erwin Pröll“ (Copyright WirtschaftsBlatt) auf andere Fragen konzentrieren: Wer wird die Holding leiten? Wer wird die Holdingbetriebe koordinieren? Wer wird in den Aufsichtsrat bestellt? Wer wird die Veranlagung übernehmen? Wer wird die Transaktionen kontrollieren? Die Antworten auf diese Fragen fallen dem Landeshauptmann sicher nicht schwer, Hauptsache ein Schwarzer kommt zum Zug.

Panikmacher sind schlechte Manager

8. Juli 2005 – Wenn der Ökostromzuschlag die energieintensive Industrie „umbringt“, so wie das Nettingsdorfer-Vorstand Ferdinand Fuhrmann am 7.Juli im WiBl-Interview behauptet hat, dann muss die Frage erlaubt sein, auf welch dünner Kapitaldecke sich diese Unternehmen eigentlich bewegen. Laut Fuhrmann gibt es eine Handvoll Industriebetriebe die „mehr als eine Million Euro nur für die Abgabe zahlen“. Mit dieser Summe kann er vielleicht schlichte Gemüter schockieren, aber Entscheidungsträger, die das WirtschaftsBlatt lesen, werden sicher wissen, dass diese Beträge in Relation zu den Gesamtenergiekosten einen marginalen Anteil ausmachen. Wenn aber ein paar Prozent der Gesamtenergiekosten imstande sind, einen Konzern wie Nettingsdorfer „umzubringen“, dann müssten allerdings bei allen Aktionären dieses Unternehmens die Alarmglocken läuten.

Um hier die Relationen ins richtige Licht zu rücken: ein Industriebetrieb, der eine Million Euro Ökostromzuschlag zahlt, hat hochgerechnet Gesamtstromkosten von 20 bis 30 Millionen Euro. Ein Manager, der seine Strategie darauf fokussiert, wie er weniger als fünf Prozent der Gesamtkosten um fünfzig Prozent senken kann (Fuhrmann wörtlich: „Die Belastung muss auf die Hälfte runter“) muss sich fragen lassen, ob er an der richtigen Stelle ansetzt. Als Aktionär so eines Unternehmens würde ich mich jedenfalls fragen, ob die Panikmache des Vorstands tiefer gehende Probleme dieses Unternehmens kaschieren soll.

Abschließend malt Fuhrmann den Ökostrom-Teufel mit der Arbeitsplatzkeule an die Wand: „Es geht um die Existenz von mehreren tausend Jobs“. Dieses Argument mag den einen oder anderen Gewerkschaftsfunktionär freuen, die Aktionäre wiederum müssten daraus ihre eigenen Schlüsse ziehen, denn seit der Industriellen Revolution gehört Rationalisierung zum Grundprinzip jeder Industrieproduktion. Wenn da der Vorstand eines Industriebetriebs mit drohendem Jobabbau argumentiert, so ist das ein weiteres Zeichen, dass er in seiner Managementposition überfordert ist. Panikmacher haben in Managementpositionen einfach nichts verloren. Umso mehr, wenn sie aus der enormen Kosteneinsparung, die die Strommarktliberalisierung zu aller erst den energieintensiven Industriebetrieben gebracht hat, keinen nachhaltigen Gewinn für ihr Unternehmen ziehen konnten.

Familybusiness

Wien, 25. März 2006 – Eine Bürgschaft aus Streikgeldern für die wildesten schiefgelaufenen Finanzspekulationen abzugeben – das könnte kein Mafiaclan dieser Welt besser erfinden. Dass eine Milliarde Euro durch das geschickte Händchen Wolfgang Flöttls flöten geht, nachdem bereits ähnliche Spekulationsgeschäfte vom Bawag-Vorstand 1994 für beendet erklärt worden waren, ist atemberaubend. Das muss wohl auch der Aufsichtsratsvorsitzende Günter Weninger so so empfunden haben, dem es schlicht und ergreifend die Red verschlagen hat, als er damals im Jahre 2000 davon erfahren hatte. Sprachlos hat er weder seine Aufsichtsratskollegen noch die Finanzaufsicht über den exorbitanten Abschreibungsbedarf informiert. Und nur sein Boss, im Hauptberuf Gewerkschaftsboss, durfte eingeweiht werden. Mit dem war man sich schnell einig, kein Sterbenswörtchen nach außen dringen zu lassen. Die “Verantwortung”, die auf den Schultern von Fritz Verzetnitsch fortan lag, konnte er wohl nur mit seinem Wohnungsnachbarn, Papa Walter Flöttl, eben jenem Flöttl der als Vorsitzender des Vorstandes bis Mitte der 90er Jahre für die Geschäfte der Bawag zuständig war, auf seiner Terasse im Penthouse auf einem Bawag-Haus in der Wiener City teilen.Und damit “buchhalterisch” alles im Lot bleibt, wurde die Bilanz durch Verschiebung der Verluste in Briefkastenfirmen geschönt. Wien darf nicht Chicago werden hat eine Partei vor einigen Jahren als Wahlslogan plakatiert. Chicago, Palermo oder Moskau – Städte die bislang mit mafiosen Strukturen in Verbindung gebracht wurden – haben abgedankt. Wien ist ab sofort Synonym für die Mafiastadt schlechthin, denn in keiner Stadt dieser Welt sind anerkannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens so eng in kriminelle Machenschaften verwickelt wie in Wien.

Zu Platter gibts keinen Superlativ

Arigona und Netrebko: Die Politik wird sich selbst gerecht

15. Dezember 2007 – Zwei fesche Mädels kommen nach Österreich. Die eine steigt in kürzester Zeit in den Opernhimmel auf und wird vom Bundeskanzler abwärts geradezu genötigt, die österreichische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Wir sind Netrebko! Die andere sucht mit ihrer Familie Zuflucht vor dem kosovarischen Elend und findet in Österreich eine neue Heimat, die ihr aber nicht gegönnt wird. Wir sind kein Zuwanderungsland!

Ein Kotzbrocken in der Regierung – Platt – Platter – und einen Superlativ dazu gibts nicht mehr – fühlt sich bemüßigt die Staatsmacht vor Eindringlingsfamlien zu retten. Eindringlinge, die einfach nichts zur Vermehrung des österreichischen Weltruhms beitragen können, sondern ganz einfach ein neues Leben in einem menschlichen Umfeld beginnen wollen. Sich in kürzester Zeit in die neue Umwelt integrieren. Wirtschaftsflüchtlinge der übelsten Sorte – da könnte ja jeder kommen!

Flüchtlinge, die nicht legal nach Österreich gekommen sind (wie denn sonst? Mit einem Charterflug und Halbpension für fünf Jahre in Ischgl, Kufstein oder Kitzbühl?) werden anhaltend kriminalisiert von Politikern, bei denen man nicht weiß, wessen Interessen sie eigentlich vertreten. Die des Volkes? Die eines Rechts-außen-Staates! Hauptsache sie werden sich selbst gerecht. Wir haben nur unsere Pflicht getan, werden sie alle einmal stolz in ihre Memoiren schreiben können.

Im übrigen ist es unerträglich in einem Staat zu leben, der Menschenrechte nicht kennt und alle anderen Rechte mit zweierlei Maß misst: Ein Maßstab für Netrebko, ein anderer Maßstab für Arigona.

Geldgier – Dein Name ist Meinl

22. März 2008 – Immer häufiger finden sich Schlagzeilen in den Medien, die dem staunenden Leser berichten, wie Topmanager ihre Unternehmen zum Selbstbedienungsladen umfunktionieren. Zwar werden sogenannte Restrukturierungsmaßnahmen meist unter dem Vorwand wirtschaftlicher Notwendigkeiten durchgeführt, tatsächlich geht es aber immer häufiger darum, den Mitarbeitern das Weiße aus den Augen zu holen, während sich die Manager gleichzeitig ihre Säcke füllen. Wenn diese Topmanager Erfolg haben (was immer das langfristig bedeuten mag), kassieren sie ansehnliche Prämien, wenn sie aber Mißerfolg haben (was immer das kurzfristig bedeuten mag), dann kassieren sie meist noch mehr, nämlich eine Abfindung, bevor sie sich vertschüssen, um beim nächsten restrukturierungsbedürftigen Konzern aufzuräumen bzw. abzuräumen.

Diese Gepflogenheiten gehören bei spitzenverdienenden Lohnsöldnern mittlerweile zum guten Ton. Selten fand man bislang grenzenlose Raffgier bei Unternehmern, die ihr eigenes Geld und den eigenen Namen riskieren, dabei meist weniger verdienen als Lohnsöldner in Spitzenpositionen, dafür aber wesentlich mehr Verantwortung tragen. Julius Meinl, seines Zeichens der Fünfte, hat diese Tradition und überhaupt jegliche Form von Familien-Tradition nun endgültig begraben.

Schon im Vorjahr hat sich Meinl dadurch hervorgetan, dass seine Bank Aktien der Meinl European Land (MEL) gestützt hat, um einen weiteren Börsengang einer weiteren Meinl-Erfindung, nämlich Meinl International Power (MIP) nicht zu gefährden. Als diese Zusammenhänge publik wurden, wusch Julius Meinl V seine Hände in Unschuld mit der Erklärung, dass er selbst keinen Einfluss auf das Management von MEL habe. Für die Verwendung des Namens Meinl kassiert er aber Millionenbeträge, genauso wie seine Bank bei den Börsengängen Millionenbeträge kassiert und bei jeder Aktientransaktion kassiert und überhaupt für alles kassiert, was mit Meinl in Verbindung gebracht werden kann – egal ob röstfrische Kaffeebohnen oder lediglich der flüchtige Duft von sogenanten mündelsicheren Wertpapieren.

Da irgendwann mit dem Namen Meinl kein Anleger mehr zu locken war, hatte Julius V die geniale Idee MEL zu verscherbeln. Und mit der MEL auch den Management-Vertrag. In der “Wiener Zeitung” (22.3.2008) liest sich das so: “Unabhängig davon (gemeint sind Wandelanleihen und Kapitalerhöhung) sollen die Meinl Bank und die bisherige externe MEL-Managementgesellschaft MERE für die Auflösung der umstrittenen Managementverträge 280 Mio. Euro erhalten.” FÜR die AUFLÖSUNG erhält er…. Heidegger, schau owa: Noch nie hat das Nichts so effizient genichtet! Einfach vernichtend (zumindest für die blauäugigen Anleger)!

Nur damit es der kleine Maxi auch versteht: Wenn ich als PR-Berater ein Honorar kassiere, solange ich meine Leistungen erbringe, so werde ich ab sofort die Erbringung jeglicher Leistung einstellen und DAFÜR die zehnfache Summe in Rechnung stellen. Oder als Galerist kassier ich meine Provision von den Künstlern nicht mehr dann, wenn ich deren Bilder verkauft und somit nachweislich eine Leistung erbracht habe, sondern FÜR die Garantie, dass ich künftig keine Bilder mehr verkaufen werde, verrechne ich das zehnfache aller bisher kassierten Provisionen.

Noch nie in der Geschichte der Menschheit hat ein einzelner Mensch für Misserfolg so schamlos kassiert wie Julius Meinl V. Mehr als das: Noch nie hat ein Mensch es geschafft, sich seine Misserfolge für so viel Geld abkaufen zu lassen. Diese Denkungsart wird wohl dazu beitragen, dass Julius IV im Grab rotiert. Julius V aber schmiedet bestimmt schon Pläne, damit sein Name in die Geschichte eingeht – als Synonym für Geldgier, als Synonym für reinste Geldgier, als Synonym für Geldgier an sich. Heidegger hätte wohl gesagt: Noch nie hat das Geld so sehr gegeldet wie im 21. Jahrhundert!

Kirche + Kunst = Kirchostrophe

Präambel: Ich bekenne meine Subjektivität, denn seit bald fünfzehn Jahren bin ich mit der Künstlerin Marina Janulajtite verheiratet, die ich für die bedeutendste lebende Vertreterin im Bereich zeitgenössischer christlicher Kunst halte. Wer immer diese Beurteilung für eine subjektive Fehleinschätzung hält ist herzlich willkommen mir objektive Argumente dagegen zu liefern.

Die Beziehung zwischen Kirche und zeitgenössischer Kunst ist in einem derart desolaten Zustand, dass dafür ein eigener Begriff kreiert werde muss: kirchostrophal. Die Kirchostrophe ist die ins Metaphysische gesteigerte Form der Katastrophe. Die Kirchostrophe ist mit irdischen Instrumenten nicht messbar wie Naturkatastrophen und daher mit irdischen Mitteln auch nicht zu beheben. Gott selbst steht der Kirchostrophe machtlos gegenüber.

Meiner Ankündigung, ich würde aufgrund untragbarer Methoden bei der Verleihung des Kardinal König Preises in Salzburg (im Jahr 2005) aus der Kirche austreten, trug mir eine Einladung zu einem „klärenden Gespräch“ mit Bischof Egon Kapellari nach Graz ein. Marinas Einreichung zum Salzburger Kardinal König Preis wurde im selben Kuvert unberührt zurückgeschickt, in dem sie abgesandt wurde. Den Preis erhielt schließlich Biennale-Teilnehmer Hans Schabus – der hatte zufällig ein paar Förderer in der Jury sitzen, die herzlich wenig interessierte, was die übrigen 340 Einreicher so zu bieten hatten.

Das „Gespräch“ mit Kapellari fand am 15. Dezember 2005 statt. Ich übergab dem Bischof einen Katalog von Marina. Darauf folgte ein Monolog des Bischofs, bestenfalls. In Wahrheit eine Suada, getragen von Selbstmitleid („Sie können sich nicht vorstellen, wie ich in Diskussionen beschimpft werde.“), Planlosigkeit („Sie dürfen nicht glauben, wir wissen so genau, was andere Diözesen machen.“) und Selbstgefälligkeit, die sich in absoluter Unfähigkeit äußerte, den Grund meiner Entrüstung verstehen zu wollen oder nachempfinden zu können. Nach einer halben Stunde verabschiedet sich der Bischof mit eine paar Buchgeschenken, darunter ein Katalog über die Preisträger des Kunstpreises der Diözese Seckau.

Das weckt die Hoffnung, dass Marina wenigstens bei diesem Award als ernst zu nehmende Kandidatin berücksichtigt wird. Nächster Termin 2007. Im Frühsommer erfahre ich auf Anfrage, dass der Bischof keinen Einfluss auf den Preis nimmt, sondern eine „fehlbare, aber selbständige Jury“ über die Auswahl der Kandidaten entscheidet. Dem Bischof schreibe ich darauf einen Brief: „Wie ich erfahren musste, ist es der Künstlerin Marina Janulajtite nicht vergönnt gewesen, auf die Kandidatenliste zu gelangen. Da Sie ihre Arbeiten kennen ist es mir völlig unverständlich, ob Sie sich hier in jungfräulicher Enthaltsamkeit üben wollten, oder ob Sie in böswilliger Absicht von einer Empfehlung Abstand genommen haben. Wenn es weder das eine, noch das andere war, so kann ich es nur als Dummheit interpretieren, wenn Sie als Kunst-Bischof nicht imstande sind zu begreifen, dass Marinas Arbeiten zu einer Aufwertung und Neubewertung der christlichen Kunst im 21. Jahrhundert beitragen könnten. Könnten, wenn die kirchlichen Instanzen ihr Schaffen dem ihr gebührenden Stellenwert einzuräumen bereit wären.“

Darauf antwortet der Bischof von Graz-Seckau am 24. Juli 2007: „Sehr geehrter Herr Thurnhofer! Ihr Brief vom 17. Juli ist von so vielen verbalen Untergriffen durchsetzt, dass Sie wahrscheinlich keine Antwort erwartet haben. Da ich aber die Bemühungen um die Förderung eines kultivierten Umgangs auch bei kontroversen Themen nicht aufgeben will und auch Ihnen diesbezüglich einiges zutraue, antworte ich trotzdem: Der Kunstpreis der Diözese Graz-Seckau wird entsprechend einem Statut vergeben, das mein bischöflicher Amtsvorgänger bestätigt hat und an dem ich nichts ändern möchte. Der Bischof gibt bei der Vergabe des Preises keinerlei Empfehlungen ab. Gleiches gilt übrigens für den Otto-Mauer-Kunstpreis der Erzdiözese Wien bezogen auf den Herrn Kardinal. Eine Intervention des Bischofs würde ihn in Konflikte unter christlichen wie unter nichtchristlichen Künstlern hineinziehen und dies wäre allseits schädlich. Die Jury arbeitet selbständig und ist wie jede Jury fehlbar und in ihrer Zusammensetzung bestreitbar.

Die von Ihnen geförderte Künstlerin Marina Janulajtite ist mir, soweit ich mich erinnere, nicht bekannt. Ich bin aber gerne bereit, ein Gespräch mit ihr zu führen. Sie hat als Künstlerin gewiss Besseres verdient als eine Unterstützung durch einen Brief in dem von Ihnen, Herr Thurnhofer, gewählten Stil.“

Ja, das hat sie. Meine Frage, was denn der Bischof unter „Gespräch“ verstehe, blieb ohne Antwort.

Anstelle eines Gespräches, eines echten Dialogs mit christlichen Künstlern instrumentalisiert die Kirche die Kunst, um sich u.a. mit Preisverleihungen ein liberales Mäntelchen umzuhängen. Ob es sich dabei um Scheinheiligkeit, Böswilligkeit oder einfach Dummheit handelt – einerlei, es ist jedenfalls symptomatisch für den Zustand der Kirche, die es nicht mehr wagt, das Göttliche mit gebührender Kraft zu unterstützen, mangels Bereitschaft, das Göttliche in der zeitgenössischen Kunst überhaupt noch (für) wahr zu nehmen. Mit dieser und anderen Preisverleihungen gibt sich die Kirche einerseits „basisdemokratisch“. Anderseits signalisiert sie damit, dass die Kunst für sie zu einem völlig nebensächlichen Randthema geworden ist, bei dem die „Basis“ über Preiswürdigkeit entscheiden darf. Bischöfe wollen sich mit diesem Randthema nicht mehr anpatzen, bloß nirgends anstreifen und sich möglicherweise bei der kritischen Öffentlichkeit noch blamieren. Mit den Worten Kapellaris: „Eine Intervention des Bischofs würde ihn in Konflikte unter christlichen wie unter nichtchristlichen Künstlern hineinziehen und dies wäre allseits schädlich.“

Bleiben den Eminenzen die wirklich wichtigen Themen wie Zölibat oder einzig wahre Nachfolge Christi, die nach wie vor ex cathedra von oben diktiert werden – auch wenn sich die Basis einen Dreck darum schert. Im August 2007 bin ich aus diesem Verein ausgetreten. Kapellari: „Da Sie selbst für das Göttliche in der Kunst so offensiv eintreten, darf ich auch hoffen, dass Sie das Göttliche in der Kirche nicht schlicht ignorieren, indem Sie die Kirche zum simplen Verein dagradieren.“ Den Preis der Diözese Seckau 2007 erhielt übrigens Lotte Lyon, aber das ist eine andere Geschichte .

Szenenwechsel: Die Künstlerin Valeria Schuwalowa ist 2002 unerwartet verstorben und hat u.a. drei Bilder zur Passion Christi hinterlassen. Nachdem ich diese Bilder von unglaublicher Tiefe und künstlerischer Intensität (im April 2008 in Riga) erstmals im Original gesehen und erlebt hatte, wandte ich mich an das Museum am Dom Würzburg mit der Frage, ob eine Möglichkeit eines Ankaufs bestehe. Die Antwort im Wortlaut: „Sehr geehrter Herr Mag. Thurnhofer, im Auftrag von Herrn Domkapitular Dr. Lenssen darf ich Ihnen mitteilen, dass wir leider keine Möglichkeit des Ankaufs von Bildern aus dem Nachlass von Frau Schulowa sehen, da das Museum am Dom keinen eigenen Etat besitzt. Mit freundlichen Grüßen, Jürgen Emmert“.

Wenn das Museum keinen eigenen Etat besitzt, wie kommt es dann in den Besitz einer beachtlichen Sammlung vom Mittelalter bis in die Gegenwart? Meine Frage an Herrn Emmert, ob es möglich sei zu erfahren, welche Stelle außerhalb des Museums über einen Etat verfügt um Ankäufe für das Museum zu tätigen, wurde schnell und lapidar beantwortet: „wir sind hier auf Stifter und Sponsoren angewiesen! Beste Grüße, Jürgen Emmert“. Basta! Kein Wort des Bedauerns, nicht eine winzige Andeutung von Hilfsbereitschaft, nicht der Hauch von Nächstenliebe, geschweige denn ein Lüfterl vom Geist, der da angeblich irgendwo in diesem Vereine weht. Nein, absolute Windstille.

Marina hat dem Museum am Dom Würzburg übrigens im Jahr 2005 ihre Arbeit „Himmelfahrt“ geschenkt. Das Museum hat die Arbeit bis heute nicht einmal ausgestellt. Geben ist seliger denn nehmen!

Wien, 18. April 2008

Sprachsoftware für Kindergartenkinder?

25. Juni 2008 – Nun müssen die Wiener Kindergärten, auf deren PCs bereits seit einigen Jahren das Betriebssystem Linux (Wienux) läuft, wieder auf Microsoft umgerüstet werden, weil eine „Sprachförderlösung“ nicht unter Linux läuft.

720 PCs sind von dieser Migration betroffen. „Die Umstellung der Kindergarten-Rechner der Magistratsabteilung 10 kostet rund 105.000 Euro“, berichtet ORF futurezone. Abgesehen von den Kosten (145 Euro pro PC) stellt sich die Frage:

Wozu brauchen vier- bis fünfjährige Kinder eine Sprachsoftware?

Wenn uns vierzig- bis fünzigjährigen Deppen jemand eine Sprachsoftware anbietet, so werden wir uns wohl allzu gerne überreden lassen, ein paar hundert Euro auszugeben, wenn uns nur die Software das mühsame Pauken erleichtert.

Aber Kindergartenkinder? Egal aus welchen Ländern sie nach Österreich gelangt sind, viele unter ihnen sicher sozial am Rande angesiedelt, aber ein Privileg haben alle diese Migranten-Kinder: Sie lernen spielend, in der Gemeinschaft mit anderen Kindern und im täglichen, pädagogischen Umgang mit den Kindergärtnerinnen unsere Sprache. Dass man für diesen ganz natürlichen Lernprozess nun plötzlich eine Sprachsoftware braucht – das ist der eigentliche Skandal.

Migration für Migranten – das ist Integration auf Wienuxerisch.

Warum ich diesmal nicht wähle

7. Juli 2008 – Nun reichts also (Copyright: Wilhelm Molterer). Mir auch. Das Ende dieser Regierung, eine Mediensensation in der Alpenrepublik, wurde in ausländischen Medien, wenn überhaupt, unter ferner liefen abgehandelt. Soviel zum Stellenwert unserer Operettenregierung.

Da uns die Parteien schon jetzt sagen, dass sie das Ergebnis der Wahlen nicht respektieren werden, weil die oder jene Koalition nicht möglich sei, werde ich meine Stimme diesmal nicht abgeben. Nun sagen Politologen, dass es in anderen Ländern Ausdruck hoher politischer Kultur sei, wenn sich Parteien vor der Wahl festlegen, mit welchen anderen Parteien sie einen Pakt nach der Wahl schließen wollen. Nur übersehen diese Experten ein kleines Manko unseres Wahlrechtes: wir können auf dem Stimmzettel nur für eine Partei stimmen, nicht für eine Koalition (indem man beispielsweise zwei Parteien ankreuzt).

So betonieren sich die Parteien schon vor der Wahl ein. Mit der FPÖ kann natürlich niemand, was dieser Partei einen ordentlichen jetzt-erst-recht-Bonus bescheren wird. Alle anderen werden Federn lassen. Das Ergebnis SPÖ-ÖVP wird wieder knapp, diesmal halt mit umgekehrten Vorzeichen. Beide Parteien können sowieso nur noch auf ihre Stammwählerschaft zählen. Das BZÖ kann wieder über die Kärntner Front ins Parlament rutschen und die Grünen haben seit zwei Jahren keine einzige politische Ansage gemacht (oder hat jemand im Umfeld der Steuerreformdiskussion etwas von einem ökologischen Steuersystem gehört?), außer dass sie nun regierungsbereit wären, nicht aber mit BZÖ und schon gar nicht FPÖ im gleichen Boot. Dinkhauser, sollte er landesweit kandidieren, wird so abstürzen wie HansPeter Martin vor zwei Jahren, wenn er sein angestammtes Revier verlässt.

Gelebte Demokratie. Man sagt den Wählern: stimmt ab, aber das Ergebnis eurer Abstimmung wollen wir nicht zur Kenntnis nehmen. Das Ergebnis der Wahl und die daraus rechnerisch möglichen Koalitionsmöglchkeiten werden nicht die Basis für unsere Regierungsbildung sein, sondern subjektive Befindlichkeiten, mit wem wir können und mit wem nicht. Die nächste Operettenregierung darf sich auf die Angelobung und den Beifall der eigenen Parteimitglieder freuen. Für dieses Theater bin ich nicht zu haben.

Meine Wahlprognose – so wirds ausgehen:

ÖVP 33%, SPÖ 30%, FPÖ 22%, Grüne 7%, BZÖ 4%, Sonstige 4%

Nichtwähler 42 %

 NACHSATZ vom 29. September 2008

Vorläufiges Endergebnis: SPÖ 29,71 Prozent, ÖVP 25,61, FPÖ 18,01, BZÖ 10,98, Grüne 9,79, LIF 1,91, Fritz 1,77, Andere 2,22 –

Mandate: SPÖ 58, ÖVP 50, FPÖ 35, BZÖ 21, Grüne 19 – Grüne nur auf Platz fünf hinter BZÖ, LIF und Dinkhauser schaffen Einzug nicht

FPÖ und BZÖ sind nun also gleich stark wie die SPÖ – damit war der Coup von Wolfgang Schüssel, der mit der Neuwahl 2002 die Rechts-Partei zerbröselt hat, von relativ kurzer Wirkungsgeschichte. Aus heutiger Sicht hat er damit den Generationenwechsel in der FPÖ ermöglicht – ein Wechsel, den er in der eigenen Partei nicht geschafft hat. Die Grünen haben zwar nicht so viel verloren wie erwartet, aber sind doch auf Stagnations-Kurs.

Wie könnte das Ergebnis nun interpretiert werden, was ist der „Wählerwille“. SPÖ-ÖVP will er offenbar nicht, wird aber nach der Ansage von „Sieger“ Werner Faymann wieder kommen, weil er FPÖ BZÖ ausgrenzt. Die einzige plausilbe Regierung aufgrund des Ergebnisses wäre eine Konzentrationsregierung aller Parteien. Und damit die Opposition nicht völlig von der Bildfläche verschwindet, sollte der Klubzwang per Gesetz verboten werden und jedes neue Gesetz – so wie in der letzten Parlamentssitzung vor der Wahl – dem „freien Spiel der Kräfte“ überlassen werden.

NACHSATZ vom 2. Dezember 2008

Nun haben wir also eine „neue“ Regierung, nämlich die alte Koalition, mit neuen Gesichtern. Damit hat man es der Opposition leicht gemacht, fünf Jahre – falls denn die Legislaturperiode durchgearbeitet wird – auf die Koalition der Verlierer einzuprügeln. Wahr ist: Dieses Ergebnis hätten wir viel billiger durch eine einfache Regierungsumbildung auch haben können!

Umverteilungs-Diskussion ist notwendig

Das Positive der aktuellen Krise liegt darin, dass viele Fragen wieder grundsätzlich diskutiert werden. Ich halte die Forderung von Peter Muzik, die Diskussion über Umverteilung „möglichst rasch im Sand zu begraben“ daher für sehr engstirnig. Nicht zeitgemäß ist auch die Gleichsetzung von Umverteilung mit kommunistischer Planwirtschaft. Das ist ein Rückfall in das historisch überholte links-rechts-Schema. In Wahrheit ist jede Form der Wirtschaft Umverteilung. Da in der heutigen Volkswirtschaft 99,9 Prozent der Produkte und Leistungen austauschbar sind, geht es immer um die Frage der Preisbereitschaft. Bin ich bereit, meine Meinung als Leserbrief für einen virtuellen Mehrwert zu publizieren, oder gebe ich meine werte Meinung nur zum Besten, wenn das WirtschaftsBlatt ein anständiges Honorar bezahlt? Ich maße mir an zu behaupten, dass meine Meinung nicht dümmer ist als die des wohlhonorierten Kommentators. Warum also kriegt der Eine nix, der Andere ein anständiges Honorar? Ganz einfach: weil die Wirtschaft ein Prozess permanenter Umverteilung ist. Wird eine Leistung mit viel oder wenig Geld aufgewogen, wenn es kein Entgelt gibt, welche Gegenleistung, welchen Mehrwert kann ich sonst beziehen? Das ist eine elementare wirtschaftliche Frage, Umverteilung somit ein elementarer wirtschaftlicher Prozess. Und wenn wir eine gerechte Gesellschaft wollen, müssen wir auch über gerechte Verteilung reden, und damit über Umverteilung. Umverteilung = Leistung + Gegenleistung. Nicht mehr und nicht weniger. (Erschienen in WirtschaftsBlatt am 11. Mai 2009)

Der Kommentar von Peter Muzik im WirtschaftsBlatt

Ergänzung 22. Mai 2010

Nachdem mit Griechenland der erste EU-Staat vor dem Bankrott gerettet werden musste – mit Garantiepaketen der EU-Staaten in Höhe von 750 Mrd Euro – hat Deutschland die Leerverkäufe, eines der typischen Spekulationsinstrumente zur Aushebelung jeglicher Vernunft – verboten. Mit der Transaktionssteuer sollen nun auch die Finanztransaktionen an der Quelle besteuert werden. Natürlich schreit die Lobby der Finanzakteure auf. „Die Presse“ publizierte eine Studie, die den angeblichen Schaden so einer Steuer prognostiziert.

Eine sonderbare Angst, die da geschürt wird. An den Börsentransaktionen kassieren Broker, Banken, Fondsmanager und Finanzberater aller Art – wenn aber der Staat seinen Anteil haben will, ausgerechnet dann, und NUR DANN bricht das System zusammen??

Aufsichtsräte verdienen zu wenig – tatsächlich?

17.4.2010 – „Aufsichtsräte Österreichischer Unternehmen verdienten 2008 im Schnitt 18.700 Euro jährlich. Das bremst den Arbeitseifer, außerdem sei es schwer, geeignete Aufsichtsräte zu finden“, schreibt Die Presse am 16.4.2010 über eine Studie des Beratungsunternehmens Kienbaum.

Dazu ein Kommentar von HTH:

Ein AR sei „kaum teurer als das Tageshonorar eines qualifizierten Unternehmensberaters“ monieren die Studienautoren. Was „mehr“ als ein Unternehmensberater soll ein AR sein? Einer der wegschaut, wenn die Vorstandsverträge unterzeichnet werden? Einer der sich als Teil der Seilschaft sieht, der im nächsten Unternehmen mit vertauschten Rollen Vorstand spielt, während der Vorstand, den er als AR kontrolliert in seinem Unternehmen AR ist?? Dieser Filz gehört endlich verboten. Man sollte halt einmal außerhalb der eigenen Seilschaften nach einem AR suchen – ich garantiere, es gibt mehr als genug qualifizierte Menschen, die 18.700 Euro für angemessen halten und dafür auch hervorrangende Leistungen erbringen würden!

Der infantile Glaube an Benchmarks ist eine der gefährlichsten Manager-Krankheiten und eine der Ursachen der jüngsten Finanzkrise. Entscheidungen fallen nicht aufgrund innerer Notwendigkeiten im eigenen Unternehmen oder aufgrund der eigenen Interpretationen der Markt- und Kundenbedürfnisse, sondern in Hinblick auf „die“ Benchmark. Diese Infantilität beherrscht auch die Entlohnungsmodelle für Vorstände und Aufsichtsräte.

Warum Rene Benko in Wien scheitern wird

24. Juni 2010 – Wie „Die Presse“ berichtet will der Immobilieninvestor Rene Benko im Zentrum von Wien im Dreieck zwischen Kohlmarkt, Tuchlauben und Freyung „das heißeste Pflaster für Luxus-Aficionados“ errichten.

Würde mich der Shooting-Star aus Tirol um einen Rat fragen, so müsste ich darauf hinweisen, dass dieses Konzept in Wien zum Scheitern verurteilt ist. Das Konzept geht von falschen Prämissen aus und von einer falschen Einschätzung des Marktes. Dies behaupte ich als „Insider der Wiener City“, der hier seit 1997 sein Geschäft betreibt.

Fehler 1: Ein Luxusviertel braucht Luxusarchitekten. Irrtum. Die für das Projekt vorgesehenen historischen Bauten vertragen keine internationalen Architektur-Egomanen, denen es um die Verwirklichung ihres Raum-Ideals geht, sondern brauchen zurückhaltende Modernisierer der bestehenden Substanz.

Fehler 2: Luxusgeschäfte ziehen Luxuskunden an. Irrtum. Die Anzahl der Luxuskunden wird sich aufgrund eines konzentrierten Luxusangebots nicht erhöhen. Denn nur wegen einem zusätzlichen „Luxustempel“ wird kein einziger Tourist zusätzlich nach Wien kommen. Luxus ist ein nettes Add-on für alle, die schon da sind, aber sicher kein Grund, extra zu kommen.

Feher 3: Luxuskunden wollen unter sich bleiben. Irrtum. Kein Mensch sucht beim Shopping das Ghetto. Da kann der Luxuskunde gleich zu hause in seinem Hochsicherheitsvillentrakt bleiben und sich die Luxuswaren zustellen lassen.  Auch wenn die Masse nichts kauft, in einem verwaisten Einkaufstempel, der den „Pöbel“ abhält, abschreckt oder nur zum Architekturschauen anlockt (siehe Haashaus in der ursprünglichen Form) wird sich auch der Luxuskunde, der die superluxuriöse Individualbetreuung sucht, nicht wohl fühlen.

Fehler 4: Die größten Luxuslabels sollen nach Wien kommen. Irrtum. Die meisten sind schon da. Und wenn sie noch nicht da sind, warum ausgerechnet jetzt?

Fehler 5: Wien braucht etwas noch nie Dagewesenes. Irrtum. Wien hat bereits das Riesenrad, den Wurstelprater, den Stephansdom und von der Kärntnerstraße über den Graben bis zur Wollzeile eine Einkaufsmeile, die luxuriöser ist als die berühmte Zürcher Bahnhofstrasse.

Damit sich die Stadt Wien noch besser entwickelt und damit seine Immobilien weiter aufgewertet werden, sponsort Rene Benko nun auch die Albertina mit einer halben Mille pro Jahr, berichtet Der Standard. Vielleicht hilfts ja.

ERGÄNZUNG vom 21. Oktober 2014

Vier Jahre später berichtet Der Standard (Ausgabe 18./19. Oktober 2014) über „Goldenes Quartier im Dornröschenschlaf“: „Offen aussprechen wollen es im ersten Bezirk wenige. Dass der Luxus in Benkos güldenem Quartier boomt, glaubt jedoch keiner. Grabesstille umgibt die schwarzen Fassaden, dahinter beleben vor allem schicke Verkäufer die Noblesse. In emsiger Betriebsamkeit arbeitet nur ein Fensterputzer. Da und dort drehen Frauen mit Kinderwägen die Runde – doch auch die Absenz von Preisschildern vermag diese nicht ins Innere zu locken.“

Stilwerk – eine Todgeburt

15. Dezember 2010 – Anfang Dezember hat stilwerk seinen ersten Designtempel in Wien eröffnet. Stilgerecht in einem Gebäude am  Donaukanal, das von Jean Nouvel errichtet wurde. Der Meister seines Faches, der nie ohne die Attribute „Star-Architekt“ und „Pritzker-Preisträger“ genannt wird, hat dem Mediatower einen Turm gegenübergestellt, der „jetzt bereits das Zeug zum neuen, modernen Wahrzeichen Wiens“ hat, wie das „stilwerk Magazin“ schreibt. Das Zeug zum Wahrzeichen wird der Bau wohl auch brauchen, denn das Zeug zu einem erfolgreichen Einkaufszentrum hat er nicht. Ganz im Gegenteil, ein Flop ist hier vorprogrammiert.

Nach dem Flop des Haas-Hauses hat sich wieder einmal ein Architekt ein Denkmal errichtet, ohne sich im geringsten darüber Gedanken zu machen, was ein Händler als stilwerk-Mieter benötigt und was sich Kunden von einem Designcenter erwarten. Die zentralen Fragen, wie bringt man Kunden ins Haus und wie leitet man Kunden durch das Haus, sind nicht erst von einem Centermanager zu beantworten, sondern bereits vom Architekten zu planen. Ein „primitives“ Leitsystem wie bei Ikea, das den Kunden „zwingt“ vom Start bis zum Ziel das komplette Outlet zu durchlaufen, wäre wohl ein Sakrileg in einem Designtempel. Und einen Eingang so zu gestalten, dass man ihn von allen Seiten sieht und dass er die Massen magisch anzieht, wäre wohl auch zu uncool.

Zwei Wochen nach Eröffnung besuche ich „die ganze Welt des Designs“ an einem Wochentag um die Mittagszeit. Ich bin einer von rund zehn Besuchern, die sich vom Erdgeschoß bis in den dritten Stock vorwagen. Ein Wagnis ist es, die engen Rolltreppen zu nutzen, denn man fährt gegen eine schwarze Wand. Nun weiß ich, wie sich die Sklaven gefühlt habe, die die Pharaonen in die Pyramiden zur letzten Ruhestätte begleiten durften. Wer wissen will, wie sich jene Sklaven fühlten, die die Pharaonen in die Pyramiden begleiten mussten, der sollte den Lift im Sofitel bis in den 18. Stock nutzten, dort wo sich ein „Gourmetrestaurant mit atemberaubenden Ausblicken über Wien“ (stilwerk Magazin) befindet.

Kurioser Weise ist der Durchgang vom stilwerk zum Sofitel geschlossen. Will das Sofitel die Prolos vom stilwerk nicht in den eigenen heiligen Hallen, oder umgekehrt? Die in schwarz gehaltene Liftkabine, zu der dich ein freundlicher Liftboy begleitet, wird von einem Deckenlicht erhellt, das auf Grablichtstärke gedimmt wurde. Wieviele Nutzer diese Stimmung als beruhigend empfinden, sei dahingestellt. Besucher im Gourmetrestaurant hören übrigens vom gut geschulten Servierpersonal „wir sind ausgebucht“ – obwohl zwischen 12 und 13 Uhr maximal ein Viertel der Plätze belegt ist. Ich trinke im Empfangsbereich des Restaurants eine Melange, genieße eine halbe Stunde den Ausblick auf den Stephansdom und muss dann etwas länger auf den Lift nach unten warten. „Wir mussten den zweiten Lift abstellen, weil er bei dem Wetter unerträgliche Pfeifgeräusche entwickelt hat“, erklärt mir eine auskunftsfreudige Restaurantmitarbeiterin.

Wieder draußen, bin ich zweimal beim Eingang zum stilwerk vorbeigelaufen. Nicht zu sehen, aber seeehr ästhetisch ins Gesamtdesign integriert! Immerhin hat sich das Restaurant im Erdgeschoß etwas gefüllt. In den oberen Etagen herrscht weiterhin absolute Besucherflaute. „Das den jeweiligen Häusern eigene Lokalkolorit betont man mit der Wahl der ansässigen Gastronomie, die von Haya Molcho betrieben wird. Zudem liefert natürlich auch die in Grau, Schwarz, Glas und Stahl gehaltene Architektur von Jean Nouvel ein spezielles Ambiente, das das Einkaufserlebnis hebt“, schreibt Michaela Knapp im Format. Wer bislang gerne in die Kapuzinergruft zum Einkaufen gegangen ist, der wird sich in diesem überdimenionalen Grabkasten sicher über ein „gehobenes“ Einkaufserlebnis freuen.
Wie auch immer, ein Traum für Architektur-Kritiker, siehe Der Standard am 17.12.10.

Zum 2-Jahres-Jubiläum des Stilwerks schreibt Der Standard am 9.12.12: „Von „Totgeburt“ und „Grabkasten“ war am Anfang in Blogs die Rede, Kommentatoren schreiben bis heute, dass man nicht so recht an den Erfolg des Konzeptes glauben möchte.“ Welcher Blog damit wohl gemeint war 😉