Bewerbung für die Stellung eines Diskont-Direktors
UM:Druck 3/2010 (September)
Sehr geehrter Herr Diethard Leopold!
Laut APA haben Sie die Ausschreibung des museologischen Leiters des Leopold Museum „auf unbestimmte Zeit“ verschoben. Sie werden in einem Artikel vom 25. August mit folgender Aussage zitiert:
„Wir können nicht ausschreiben, solange die finanzielle Situation des Museums seitens des Bundes nicht zufriedenstellend geklärt ist. Wir bekommen seit einigen Jahren keine entsprechende Inflationsabgeltung mehr und machen trotz sparsamer Gebarung ein Defizit. Nun hat mein Vater als Direktor sehr wenig verdient, etwa 5.000 Euro brutto. Für diese Summe bekommt man keine qualifizierte Person. … Zukunft als zentrales Jugendstil-Museum … Ohne Museumsschließungen und -zusammenlegungen zu befürworten: Im Oberen Belvedere hängen einige Werke Klimts und Kokoschkas, die sehr gut zu uns passen würden – denn was hat ein Barockbau mit Expressionismus zu tun? Auch Schieles ‚Der Tod und das Mädchen‘ wäre bei uns richtig. All das kann man aber nicht mit einem Diskont-Direktor machen. Und ein anderer kostet eben Geld.“
Da keine Ausschreibung vorliegt, möchte ich mich gerne auf Basis Ihrer Aussage um die Stellung eines Diskont-Direktors des Leopold-Museums bewerben. Das Gehalt von 5.000 brutto monatlich ergibt Lohnkosten von ca. 100.000 Euro pro Jahr. Ich biete Ihnen an, für 8.500 Euro monatlich auf Honorarnasis den Job zu übernehmen. Das Museum spart damit die Kosten für Abfindung und Pensionsvorsorge.
Die herausragende Fähigkeit von Prof. Rudolf Leopold sehe ich darin, den Wert von Kunstwerken zu erkennen, bevor diese in den Mainstream gelangten. Als Leiter des Leopold Museums würde ich diese Tradition fortsetzten und die Sammlung sinnvoll erweitern durch strategische Investitionen in hochwertige, aber am Markt unterbewertete Kunst.
Damit unvereinbar ist leider Ihr Ansatz zur Umwandlung des Leopold Museums in ein Jugendstilmuseum. Wie Sie selbst am besten wissen ist die Sammlung Leopold weit mehr als ein Bollwerk des Jugendstils. Diese Neu-Positionierung wäre nicht nur teuer, sondern unbezahlbar. Und außerdem unsinnig. So unsinnig wie Ihre Frage, was Klimt und Kokoschka mit dem Barockbau des Belvederes zu tun haben. Was hätten Sie denn mit dem modernistischen Kubus von Ortner & Ortner zu tun?
Obwohl ein Diskont-Direktor sich per definitionem selbst disqualifiziert („Für diese Summe bekommt man keine qualifizierte Person“) möchte ich noch einige Qualifikationen aufführen, trotz derer ich mir nicht zu schade wäre zum Diskont-Preis zu arbeiten:
– 5 Jahre Auslandserfahrung in Moskau, Fremdsprachen Russisch, Englisch
– 20 Jahre Kunst- und Ausstellungsmanagement
– 20 Jahre Medien- und PR-Arbeit, u.a. zahlreiche Publikationen über Kunst
Wenn Sie, Herr Leopold, den künftigen Direktor nicht in eine Mission Impossible treiben wollen, sondern mit der Aufgabe betrauen die Sammlung im Geiste ihres Gründers fortzuführen, so sehe ich mich für diese Herausforderung bestens gewappnet und freue mich auf ein persönliches Gespräch.
Mag. Hubert Thurnhofer
Wien – Pyongyang: Juche!
UM:Druck 2/2010 – Juni
Erstmals in meinem Kritikerleben – sofern ich aufgrund meiner Kommentare im UM:Druck überhaupt den ehrenwerten Titel eines Kunstkritikers beanspruchen darf – schreibe ich über eine Ausstellung, die ich nicht besucht habe und auch sicher nicht besuchen werde. BLUMEN FÜR KIM IL SUNG – noch bis 5. September im Wiener MAK.
Vor zwei Jahren war ich in Riga zur Eröffnung einer Ausstellung, die dem Sozialistischen Realismus gewidmet war. Fast 20 Jahre nach dem Ende einer politischen Epoche hat diese Schau gezeigt, dass in der Kunst der Sowjetunion nicht alles ideologisch durchsetzt war, und dass viele Werke, die den Arbeiter- und Bauernstaat idealisiert haben, immer noch künstlerisch wertvoll sind, wenn man das ideologische Element von diesen Werken subtrahiert. So wird man vielleicht auch die aktuelle Kunst Nordkoreas in 100 Jahren, dann wenn die ganze Welt miteinander in harmonischer Eintracht leben wird, rückblickend als Teil eines Neobiedermeier interpretieren, das von Leipzig bis Pyongyang in unterschiedlichen Variationen zu Beginn des 21. Jahrhunderts vorherrschend war. Anders gesagt: die Bildinhalte dieser Ausstellung sind irrelevant.
Die zentrale Frage lautet: wozu zeigt uns Direktor Peter Noever Nordkoreakunst und erklärt uns dazu lapidar: „Zu sehen ist eine fremde Kultur, die durch die allumfassende Verehrung des 1994 verstorbenen „Ewigen Präsidenten“ Kim Il Sung und des derzeit regierenden Staatsoberhaupts, seines Sohnes Kim Jong Il bestimmt wird und von der Juche-Ideologie, einer spezifischen Interpretation des Sozialismus, geprägt ist. Kim Il Sung passte die traditionelle Marxismus- Leninismus-Lehre der koreanischen Situation an. Die so entstandene Juche-Ideologie legt den Historischen Materialismus als Voluntarismus aus und betont dabei die Eigenständigkeit in ideologischer, politischer, wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht. Der koreanische Nationalismus nimmt hierbei eine zentrale ideologische Stellung ein.“
Und die Frage ist auch: warum fällt unserer Ministerin für Kunst, die laut Medienberichten bei der Eröffnung war, dazu nichts, absolut überhaupt nichts ein? Genau vor einem Jahr habe ich an der Stelle darauf hingewiesen, dass sich Claudia Schmied als Kunstministerin ausschließlich mit Gratulationen und Kondulationen beschäftigt. Diese Politik hat sie konsequent fortgesetzt, hat in den vergangenen zwei Monaten Valie Export das Große Goldene Ehrenzeichen umgehängt, zum Tod von Luise Bourgeios kondoliert, Sabine Breitwieser zur neuen Aufgabe als MoMa-Chefkuratorin gratuliert und ganz nebenbei eine Ausstellung im Austria Cultural Forum in New York eröffnet. (Alles in ihren Pressedossiers nachzulesen.) Gut, die Direktion des Mumok hat sie neu besetzt und die Direktorin des Belvedere hat sie bis 2016 verlängert. Was wird sie wohl mit dem Vertrag von Noever machen? In guter nordkoreanischer Tradition wäre es angebracht, Noever auf Lebenszeit zu verpflichten. Aber das ist eine Nebenfront. An der Hauptfront – im kunstpolitischen Diskurs – herrscht Funkstille.
So bringt mich Claudia Schmied in die Zwickmühle, das erste Mal in meinem Leben einer FPÖ-Kritik zustimmen zu müssen: „Es geht nicht um die Kunstwerke an sich, sondern darum, dass die Ausstellung ein menschenverachtendes Regime mit dessen Diktatoren Kim Il Sung und seinem Sohn Kim Jong Il verherrlicht. Die Demokratische Volksrepublik Korea ist der am stärksten abgeschirmte kommunistische Staat der Welt, deren Diktatoren Millionen von Menschen auf dem Gewissen haben. Es handelt sich hier um ein Land, in dem die Todesstrafe auf nicht weniger als 47 Straftaten steht; Exekutionen, Lager, öffentliche Hinrichtungen, Deportationen, Zwangsarbeit und Folter stehen auf der Tagesordnung. Im Zusammenhang mit dieser Ausstellung gibt es weder von der zuständigen Bundesministerin Claudia Schmied noch vom Direktor des MAK Peter Noever ein einziges kritisches Wort zum Leid der Menschen in Nordkorea. Im Gegenteil. Das Geleitwort zum Ausstellungskatalog ist positiv gehalten und die Verbrechen dieses Regimes bleiben unkommentiert. Dabei wäre es ihre Pflicht als Ministerin einer westlichen Demokratie deutliche Worte gegen die Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea zu finden“, so die Kultursprecherin der FPÖ, Heidemarie Unterreiner.
Amnesty International charakterisiert das Juche-Regime so: „Die diktatorisch vom Familienclan der Kims regierte „Demokratische Volksrepublik Korea“, in der Militär und Geheimdienst in allen Lebensbereichen enormen Einfluss besitzen, geht mit äußerster Brutalität gegen jede Andeutung von Opposition vor. … Nordkorea ist eines der Länder, in denen sämtliche Menschenrechte aufs gröbste verletzt werden. Und mit dem gegenwärtigen Konfrontationskurs der Weltgemeinschaft gegenüber verschärft sich die Lage für den Großteil der Bevölkerung weiter.“
Wenn eine Ausstellung den Besuchern die Möglichkeit geben soll, sich ernsthaft mit einer „fremden Kultur“ auseinander zu setzen, dann kann das Umfeld, dann können die Produktionsbedingungen dieser Kunst nicht einfach ausgeblendet werden. Wer das macht, tut das wider besseres Wissen. Dass ein Peter Noever, der in Bezug auf die österreichische Politik noch nie mit Kritik gespart hat, ausgerechnet einem der übelsten lebenden Diktatoren in den Arsch kriecht, ist eine einmalige Bereicherung der österreichischen Kultur- und Sittengeschichte.
Hubert Thurnhofer
Kunstmediator 2010 – Laudatio
17. Juni 2010 – Warum ging der Preis der IG Galerien für besondere Verdienste in der Vermittlung von Kunst in diesem Jahr an Johann Baugartner, den Leiter der hofgalerie im Bildungszentrum der Landwirtschaftskammer Steiermark?
Bei der jährlichen Auswahl des Kunstmediators stehen auch immer wieder Direktoren und Kuratoren von Museen zur Diskussion. Im Unterschied zu Direktoren und Kuratoren organisiert Baumgartner seine Ausstellungen nicht im Hauptjob, braucht in der Qualität seiner Arbeit aber keinen Vergleich zu scheuen. Im Gegenteil: immer mehr Museen reduzieren ihr Programm auf immer weniger Künstler. Man gewinnt sogar den Eindruck, dass sich die Direktoren einen Teil ihres Gehaltes dafür bezahlen lassen, dass sie wegschauen, gar nicht mehr hinschauen, was sich in der vielschichtigen Kunstszene tut, und auch nicht hineinschauen, welche Schätze sie in ihrem eigenen Museum heben könnten.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Albertina. Wofür ist die Albertina weltberühmt? Das wäre eine gute Frage für das Millionenquiz. Zur Auswahl stehen:
a) für den größten Direktor der Welt, b) für die größten Tiefspeicher der Welt, c) für das größte Terrassencafe der Welt, d) für die größte Druckgrafik-Sammlung der Welt.
Wenn man nur die Medienberichte der vergangenen fünf Jahre kennt, müsste man auf a) tippen. Geht man heute durch die Albertina, so findet man ein paar kleine Räume, wo Grafiken hängen, nicht die Originale, sondern Faksimiles. Damit vermittelt man dem Publikum: davon könnten wir euch noch mehr zeigen, wenn wir wollten – aber wir wollen nicht. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht immer eine Blockbuster Show, und da zeigt uns Albrecht der Große in der Regel Picasso, Picasso und nochmals Picasso. So war die Ausstellung „Picassos Spätjahre“ zwar auch mit Druckgrafiken bestückt, aber offenbar war unter den 280 Picasso-Grafiken im Besitz der Albertina keine einzige dabei, die dieser Show würdig gewesen wäre. Zuletzt ließ sich Schröder dafür feiern, dass er „erstmals“ die Klassische Moderne nach Österreich gebracht habe und zwar mit der Sammlung Batliner. Dem Publikum wurde die Sammlung unter dem Titel „Von Monet bis Picasso“ verkauft. Dass in dieser Ausstellung auch herausragende Werke der russischen Avantgarde, darunter Pawel Filonow, zu finden waren, wurde in keinem einzigen Pressebericht erwähnt und folglich auch von keinem einzigen Kritiker bemerkt. Aber wer kennt schon Filonow? In Österreich niemand. Würde man diese Frage bei einem Vortrag in Moskau stellen, würden natürlich 99 Prozent der Besucher die Hand heben.
Mit ihrer Ausstellungspolitik weckt die Albertina leider nicht das Interesse neuer Publikumsschichten, sondern sie leistet einen großen Beitrag zur Verblödung des Publikums. In zweierlei Hinsicht: 1) Das Museum tut so, als hätten Künstler, die nicht jeder kennt, keinerlei Bedeutung. 2) Das Museum lenkt die Aufmerksamkeit des Publikums auf immer weniger Namen, die auf dem Kunstmarkt dadurch immer teurer werden, so dass beim breiten Publikum der Eindruck entstehen muss: Kunst kann sich ein Normalverdiener nie im Leben leisten.
Bei der Sammlung Batliner, die sich nun als „Dauerleihgabe“ in der Albertina findet, stellt sich auch die Frage, wozu braucht Österreich diese Sammlung? Die Frage klingt banausenhaft, ist aber berechtigt, denn die Archivierung so einer Sammlung ist ja nicht kostenlos, aber am Ende vielleicht umsonst. Denn jederzeit kann der Stifter oder einer seiner Erben kommen und dem Museum erklären: so, das wars, die Leihgabe ist eine Leihgabe und die Dauer ist nun abgelaufen. Somit verschleudert die Albertina beachtliche Summen für Versicherungen, Transporte, Lagerung und hat kein Geld mehr für Ankäufe. Ankäufe, die die Jahrhunderte alte Sammlung würdig fortsetzen könnten, wie z.B. die größte Druckgrafik der Welt, das 40 Meter lange „Tagebuch“ von Herwig Zens. Ein Zens in der Albertina wäre natürlich eine Aufwertung für Zens, aber auch für die zeitgenössische Druckgrafik, und nicht zuletzt für die Albertina, vorausgesetzt man würde die Fortsetzung der einzigartigen Tradition des Museums als Aufgabe eines Museumsdirektors sehen.
Diese kleine Abschweifungen in die Welt der Museen erklären am besten, warum Johann Baumgartner für seine Arbeit in der hofgalerie den Preis des Kunstmediators verdient: er ist ein Ausstellungskurator, der hinschaut, der jedes Jahr Angebote von hunderten Künstlern und Künstlergruppen prüft und bei der Auswahl immer wieder ein unglaubliches Gespür für Qualität beweist. Baumgartner hat einen Ausstellungraum übernommen und seit sieben Jahren weiterentwickelt. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass jemand diese Arbeit auf diesem Niveau – neben seinem Hauptberuf in der Erwachsenenbildung – konsequent durchzieht. Es ist alles andere als selbstverständlich, immer wieder diesen Raum zu verteidigen und so der Kunst eine Oase zu sichern. Eine Oase, in der Jahr für Jahr 50.000 Besucher zur Kunst finden, viele davon, die sich sonst nicht regelmäßig oder gar nicht mit Kunst beschäftigen würden.
Dekadenz der Preisverleiher
Um:Druck 1/2010
28.3.2010 Wenn Österreich seinen angeblich wichtigsten und höchst-dotierten Preis für bildende Kunst zu vergeben hat, so passiert dies neuerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Schlappe 20.000 Euro durfte der US-Künstler Raymond Pettibon am 1. März – dem Geburtstag von Oskar Kokoschka – mit nach Hause nehmen, und wir erfahren lediglich in einer Randbemerkung der Presse-Redakteurin Almuth Spiegler: „Haben mich die doch tatsächlich nicht zur Kokoschka-Preisverleihung eingeladen…“. Im Standard sucht man vergeblich nach einer Information, nicht einmal ein Nebensatz ist über den Kokoschka-Preis zu finden. War offenbar auch nicht eingeladen! Die Kunstzeitung hat dem Preisträger immerhin eine ganze Spalte gewidmet: „Die Juroren haben den Ex-Mathematiklehrer offenbar ohne Kontroverse durchgewunken“, schreibt Dorothee Baer-Bogenschütz.
Nun ist es durchaus verzichtbar, dass jeder Preisträger fünf Wochen lang durch die gesamte Presse „gewaltzt“ wird, aber angesichts dieser geradezu systematischen Nichterwähung liegt doch der Verdacht einer Vertuschungskampagne nahe. Wer recherchiert, warum ausgerechnet Pettibon den Kokoschka-Preis erhalten hat, der findet zwar eine lange Liste von Juroren, aber nur eine sehr dürftige Begründung: „Seine Arbeiten weisen motivisch wiederkehrende Merkmale, neu kontextualisiert und kombiniert, aus Religiosität, Sport oder Darstellungen von Jesus oder Stalin, auf. Auch sind Erhabenes (Jesus) und Banal-Alltägliches (Sportelemente) miteinander kombiniert.“ Punkt. Mehr ist nicht zu finden, weil es einfach keine ausführlichere Begründung gibt. Da stellt sich die Frage, welche Motivation die „unabhängige“ Jury eigentlich antreibt? Und welche geheimen Kräfte treffen eine Vorauswahl, aus der die Jury ihre Auswahl trifft?
Mangels Begründung kann man nur Vermutungen anstellen. Und ich vermute, dass sich ein Gerald Bast, ein Hans Hollein, ein Stephan Schmidt-Wulffen oder ein Albrecht Schröder einfach nicht mit Kleinigkeiten wie 20.000 Euro Preisgeld anpatzen wollen und dieses Sümmchen daher einem internationalem Player zuspielen, der seinerseits genug internationale Player im Rücken hat, die den Juroren in ihrer Karriere noch irgendwann einmal nützlich sein könnten. So hat man sich sauber immunisiert, wenn sich ein dahergelaufener österreichischer Künstler (oder Galerist) über die getroffene Wahl aufblustern sollte, hat man doch einen internationalen, unantastbaren Star gewählt – was immer der mit Österreich und mit Kokoschka zu tun hat.
Unter den zehn Juroren gab es auch eine Jurorin, Brigitte Kowanz. Kowanz selbst hat erst im Vorjahr den tatsächlich wichtigsten und höchst dotierten Preis der Republik, nämlich den Großen Österreichischen Staatspreis – und mit den Lorbeeren auch gleich 30.000 Euro aus dem Staatssäckel – erhalten. Schon damals war klar, dass Österreichs Staatspreise nach dem Motto „nur nix riskieren“ verliehen werden. Hier kommen von vornherein nur quasi kanonisierte Künstler/innen überhaupt in die engere Auswahl.
Haben die JurorInnen wirklich keine andere Wahl, als hoch dotierte Preise generös an finanziell abgesicherte KünstlerInnen zu verjubeln? Brigitte Kowanz als Professorin der Universität für angewandte Kunst, die zusätzlich regelmäßig öffentliche Aufträge erhält, mag künstlerisch außer Streit stehen, genauso wie Pettibon. Aber außer Streit darf nicht stehen, dass Ignoranz gepaart mit Selbstgefälligkeit zur Grundlage jeglicher Jurorentätigkeit wird. Es kann nicht sein, dass ein paar Juroren, die für ihre Arbeit wahrscheinlich auch ein anständiges Honorar kriegen, nicht einmal eine einzige graue Hirnzelle in Bewegung setzen um im gesamten Spektrum der österreichischen Kunstszene zu recherchieren, wer denn überhaupt einen Preis verdienen würde und wer von den verdienstvollen Künstlern so einen Preis auch deshalb verdienen würde, weil er/sie bislang unverdienter Maßen zu wenig mit der eigenen Kunst verdient hat.
Offiziell vergibt „die österreichische Regierung“ die hier genannten Preise. So also fallen politische Entscheidung in unserem Lande: die Politiker putzen sich am Beirat ab, und der Beirat braucht sich nirgends abzuputzen, weil er sich gar nicht mehr anpatzt! Dass es auch anders geht, beweist der Deutsche Georg Büchner Preis.
Hubert Thurnhofer