Kunstszene und Um:Druck 2010

Bewerbung für die Stellung eines Diskont-Direktors

UM:Druck 3/2010 (September)

Sehr geehrter Herr Diethard Leopold!

Laut APA  haben Sie die Ausschreibung des museologischen Leiters des Leopold Museum "auf unbestimmte Zeit" verschoben. Sie werden in einem Artikel vom 25. August mit folgender Aussage zitiert:

"Wir können nicht ausschreiben, solange die finanzielle Situation des Museums seitens des Bundes nicht zufriedenstellend geklärt ist. Wir bekommen seit einigen Jahren keine entsprechende Inflationsabgeltung mehr und machen trotz sparsamer Gebarung ein Defizit. Nun hat mein Vater als Direktor sehr wenig verdient, etwa 5.000 Euro brutto. Für diese Summe bekommt man keine qualifizierte Person. ... Zukunft als zentrales Jugendstil-Museum ... Ohne Museumsschließungen und -zusammenlegungen zu befürworten: Im Oberen Belvedere hängen einige Werke Klimts und Kokoschkas, die sehr gut zu uns passen würden - denn was hat ein Barockbau mit Expressionismus zu tun? Auch Schieles 'Der Tod und das Mädchen' wäre bei uns richtig. All das kann man aber nicht mit einem Diskont-Direktor machen. Und ein anderer kostet eben Geld."

Da keine Ausschreibung vorliegt, möchte ich mich gerne auf Basis Ihrer Aussage um die Stellung eines Diskont-Direktors des Leopold-Museums bewerben. Das Gehalt von 5.000 brutto monatlich ergibt Lohnkosten von ca. 100.000 Euro pro Jahr. Ich biete Ihnen an, für 8.500 Euro monatlich auf Honorarnasis den Job zu übernehmen. Das Museum spart damit die Kosten für Abfindung und Pensionsvorsorge.

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Kunstszene und Um:Druck 2009

UM:Druck, Dezember 2009

4.1.2010 - Anlässlich der Wahl von Petja Dimitrova zur Vorsitzenden der IG Bildende Kunst erklärte die Künstler-Vertretung in einem Rundmail am 25. November: „Es geht unter anderem darum, gegen Prekarisierung - von nicht nur künstlerischen Arbeits- und Lebensbereichen - aufzutreten. Hierzu zählt beispielsweise die Solidarität mit der aktuellen Bildungsprotestbewegung. In diesem Zusammenhang schließt sich die IG Bildende Kunst der Forderung nach freier Bildung für alle an und tritt für ein bedingungsloses Grundeinkommen sowie gegen die Ökonomisierung von Bildung und Kunst ein.“

Wie der Zufall so spielt, habe ich Ende September Sozialminister Hundstorfer genau zu dem Thema interviewt (siehe Die Bunte Zeitung Nr 5/2009)  Seine Position zum Grundeinkommen war erwartungsgemäß festbetoniert: „das ist in diesem Land politisch, mit den jetzigen Verhältnissen sicher nicht umsetzbar“ und „ich glaube, dass wir in Österreich dafür einerseits die finanziellen Mittel nicht haben und anderseits auch nicht den gesellschaftlichen Konsens.“ Einen Konsens zu leugnen, ohne einen Konsens gesucht zu haben, ist nicht gerade visionär.

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Kunstszene und Um:Druck 2008

Zehn PR-Schmähs die immer ziehen

UM:Druck, Dezember 2008

PR-Schmäh Nummer 1

Schenke einem Museum, mit dessen Direktorin du schon seit ihren Salzburger Zeiten engstens verbandelt bist, Arbeiten von Künstlern, die du zufällig als Galerist vertrittst. Kritisiere prophylaktisch die potenziellen Kritiker, denn „hier wird man für Schenkungen ja eher kritisiert, aber ich bin auf alle Attacken vorbereitet“, und lass die Medien an deiner Wohltätigkeit teilhaben.

PR-Schmäh Nummer 2

Übernimm für dein Museum eine Sammlung mit 500 Werken als Dauerleihgabe und erkläre der Welt, dass es dir gelungen ist, „die bisher bestehende Lücke der internationalen klassischen Moderne“ in Österreich zu schließen. Verkaufe dem Publikum die Sammlung unter der Etikette „von Manet bis Picasso“ und erwähne den Kern der Sammlung – die russische Avantgarde - nur in einem Nebensatz, denn wer kennt schon Filonow? Für den einfachen PR-Fuzzi heißt das: Schreibe nur die Namen in den Titel deiner Presseinfo, von denen du sicher sein kannst, dass sie jeder Volltrottel kennt!

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