Kunstszene und Um:Druck 2014

Meine Rede zur Verleihung des Oskar Kokoschka Preises 2014, die ich nicht halten durfte!

28.2.2014

S.g. Damen und Herren,

ich möchte nicht versäumen, Ihnen und uns zur heutigen Entscheidung zu gratulieren. Mein Name ist Hubert Thurnhofer, ich bin ein Bürger dieses Landes. Es steht wohl außer Zweifel, nicht nur in diesem Kreise, dass wir es mit einem der genialsten Künstler des 20. Jahrhunderts zu tun haben, mit einem herausragenden Vertreter der Malerei, wenn wir heute schon den Geburtstag von Oskar Kokoschka feiern. Da liegt nichts näher, als jenen Mann mit dem Namen Kokoschka zu dekorieren, der schon von Jahrzehnten höchstpersönlich der Malerei den Totenschein ausgestellt hat.

(An dieser Stelle packte mich ein Muskelmann und ich beugte mich der GewaltEine Handvoll spendete Applaus – meinem Auftritt oder meinem Abgang sei dahingestellt.).

Es steht mir nicht zu, die künstlerischen Leistungen des Ausgezeichneten zu beurteilen, aber meine Meinung darf ich hoffentlich sagen. Meiner Meinung nach gibt es Bessere. Allein in Österreich kenne ich dutzende, ja hunderte Künstler und Künstlerinnen, die ausgezeichnet sind, aber nie ausgezeichnet werden. Da muss in einer Demokratie wohl die Frage erlaubt sein, wie solche Jury-Entscheidungen zustande kommen.

Bisherige Entscheidungen, egal ob Kokoschka-Preis oder Staatspreis – immer wenn Geld im Spiel ist und ein Geehrter nicht nur einen warmen Händedruck bekommt – wurden offenbar mit der Intention verliehen, der Welt zu beweisen welch tolle politische Kultur bei uns herrscht: die Kultur der Freunderlwirtschaft, der Gefälligkeiten und Selbstgefälligkeiten. Herr Minister, Frau Sektionschefin, vielleicht können Sie mir erklären, was Österreich der Welt beweisen will, wenn man Künstlern wie Yoko Ono oder Raymond Pettibon 20.000 Euro Steuergeld rüber schiebt. Mickrige 20.000 Euro – die merkt Yoko gar nicht, wenn sie ihre Kontoauszüge für die Tantiemen von Jonny prüft. Oder Pettibon, den in Österreich niemand kennt. Das hab ich empirisch evauliert!

Zwei Monate nach der Verleihung des Kokoschka-Preises an Pettibon hab ich in Graz 400 Kunstschaffenden die Frage gestellt, wer Pettibon kennt. Niemand, null Prozent! Und das bei einer Auswahl der steirischen Kulturelite bis hinauf zum „Kunstbischof“ Kapellari! Zur Aufklärung: Der Top Hammer Preis für ein Werk von Pettibon im Vorjahr betrug 1,15 Millionen Euro! Und da schiebt ihm die Republik Österreich noch mickrige 20.000 hinterher! Meine Damen und Herren, ein Pettibon, eine Yoko Ono können sich damit nicht einmal einen Flug mit dem Privatjet leisten, um sich die Prämie abzuholen.

Dagegen gibt es aber dutzende, ja hunderte Künstler und Künstlerinnen in Österreich, die ausgezeichnet sind, aber nie ausgezeichnet werden! Künstler, die mit so einem Preisgeld ein Jahr oder länger sorglos schaffen könnten! Aber eine abgehobene Jury mit dem weltweiten Horizont kann in solchen Tiefen offenbar nicht graben. Abschließend würde mich daher  von unserem neuen Minister nur  interessieren, ob er diese antisozialdemokratische Politik prolongieren wird, oder ob ihm einmal etwas Neues einfallen wird.

(Leider konnte ich mich an der Stelle nicht für die Aufmerksamkeit des Publikums bedanken.).

Hubert Thurnhofer

P.S. Der Oskar Kokoschka Preis 2014 ging übrigens an Peter Weibel.

FEEDBACK:

Von: Schurian Andrea [mailto:andrea.schurian@DerStandard.at]
Gesendet: Samstag, 01. März 2014 07:39
An: Hubert Thurnhofer
Cc: Kronsteiner Olga; Föderl-Schmid Alexandra; Bronner Oscar
Betreff: Re: Meine Rede zur Verleihung des Oskar Kokoschka Preises 2014, die ich nicht halten durfte!

inhaltlich ist es nicht so falsch argumentiert, wäre ein kontroversieller kda (Anmerkung: Kommentar der anderen), der sicher diskussion auslösen würde. aber ich habe keine ahnung, wer herr thurnhofer ist. kunsthaus in den ringstraßengalerien? nie gehört noch gesehen. kitsch? 

lga

NACHSATZ

…. wobei die behauptung, dass petibon  „unter kunstschsffenden“ unbekannt sei, ziemlicher unsinn ist.

Dr. Andrea Schurian

Ressortleiterin Kultur, Der Standard

Vordere Zollamtsstr. 13, 1030 Wien

Lieber Hubert,

ich finde deine „NICHT REDE“ sehr bemerkenswert.

LG Hansi Hubmer

Eva Rossmann via facebook: das hat was!!!!

Julia Pfefferminzblatt via facebook: Danke! Hab ich schon geteilt!!! Ja und Kunst in Österreich ist politisch! Siehe Arnulf Rainer…hat soagr ein Museum in Baden bekommen…ÖVP… Schlimm! Weil seine Werke gefallen mir nicht

Esther Esy Follmer via facebook: DANKE

Ursula Pfeiffer und Marina Sagl gefällt das.

Peter Rosegger via Mail: Hallo Hubert, gute Rede, schade, dass Du Sie keiner breiten Oeffentlichkeit vortragen konntest.

Anneliese Thurnhofer via Mail:Lieber Hubert ! Deine Rede, die du nicht halten durftest, ist dafür in den Augen der LESER SEHR GUT GELUNGEN !!! Meine Glückwünsche hast du jedenfalls. LG Anneliese

Joachim Schuller via Mail: Gratulation zur (leider) nicht gehaltenen Rede!

NACHSATZ 22.11.14: Das Belvedere bewirbt das Universal-Genie Weibel und dessen Ausstellung im 21er-Haus (17. Oktober 2014 bis 18. Jänner 2015) in einem Standard-Advertorial: „Der Medienkünstler, Schauspieler, Theoretiker, Musiker und Museumsleiter Peter Weibel, der in den 1960er- und 1970er-Jahren zu den österreichischen „Rebellen“ zählte, beschäftigt sich in seinem Schaffen mit Themen wie Mechanismen der Wahrnehmung und des Denkens, der Eigenwelt von Apparaten, der Krise des Bildes und des Museums oder der Repräsentation. Seine Arbeit ist eine scharfsinnige Analyse der Beziehung von Kunst, Politik und Ökonomie und den Bedingungen des Betriebssystems Kunst.“


Siehe auch:

Kadenz zur Preisverleihung

Eine Frage an Peter Weibel

Dekadenz der Preisverleiher

Provinzposse um den Kauf der Essl-Sammlung

25.3.14 Über 7.000 Werke will Essl der Republik um 86 Millionen Euro anbieten. Und sofort blustern sich die Museumsdirektoren des Landes auf. Andrea Schurian gibt in ihrem Kommentar treffend deren Position wieder: „Öffentlich-rechtliche Museen dürfen nicht den Geschmack eines Privatsammlers widerspiegeln, sei er auch noch so erlesen. Deren Direktoren agieren gemäß nachvollziehbarer Richtlinien; sie müssen in die Tiefe sammeln, sich dem Sperrigen, Randständigen widmen.“

Der Standard malt den Weltuntergang an die Wand: „Das Dorotheum und das Kinsky bieten pro Jahr rund 1000 Werke zeitgenössischer österreichischer Kunst an; bei 7000 Objekten wäre ein „dramatischer Wertverfall österreichischer Kunst“ die logische Konsequenz – laut Ressler „bis hin zur Vernichtung ganzer künstlerischer Existenzen“. Was Essl und sein Gutachter aber nicht erwähnen: Auch die Sammlung wäre nur mehr einen Bruchteil wert. Ressler warnt vor einem solchen Überangebot: „Das wäre eine Katastrophe für Österreich und die gesamte Kunstwelt, das darf nicht passieren.“ Er appelliert im Sinne seines Auftraggebers, die Sammlung „als geschlossenes Ganzes“ zu sehen: „Gäbe es die Sammlung Essl nicht, gäbe es keine Übersicht der österreichischen Kunstgeschichte der letzten sechzig Jahre.“ In diesem Sinne sei sie „nationales Kulturgut, das höchsten Schutz“ genießen müsse.“

Vor allem Galeristen plädieren dagegen, dass der Staat die Sammlung Essl als Ganzes übernimmt: Lieber sollte er das Ankaufsbudget der Museen erhöhen. … Die Leiterin des Museums der Moderne in Salzburg, Sabine Breitwieser, rät ebenfalls zur Vorsicht: Fachleute der Museen müssten unbedingt beurteilen, ob die Sammlung überhaupt von öffentlichem Interesse sei“, schreibt Die Presse.

Und Markus Mittringer postet auf facebook: „ad herr essl sorgt sich um die marktwerte: mir jedenfalls ist keine überlieferung bekannt, nach der herr essl je zum marktwert gekauft hätte. eher sehr weit darunter. weil: könne der künstler es sich denn leisten, nicht „dabei“ zu sein? soviel auch zum „ad“ selbstloses soziales engagement.“

Eine typische österreichische Provinzposse! Wenn der österreichische Kunstmarkt zusammenbricht, passiert weltweit gar nix. Welche Existenzen sollen denn da zusammenbrechen? Die Anzahl der Künstler, die ImKinsky und im Dorotheum gehandelt werden, wird immer kleiner. Jene, die noch übrig sind, haben schon ausgesorgt. Kurz, was in Österreich passiert, ist schlicht und ergreifend irrelevant für den internationalen Kunstmarkt, der auf etwa 50 Milliarden Euro geschätzt wird.

Aber es ist richtig, dass ein Notverkauf oder die Verwertung über einen Masseverwalter eine enorme Wertvernichtung wäre. Deshalb MUSS die Republik kaufen, UND: sukzessive die Sammlung verwerten.

Resümee: Was um 86 Millionen angeboten wird, kann man in schlechten Zeiten auch um 70 Millionen bekommen! Allein die 100 Toplose sukzessive auf Auktionen platziert, und zwar nicht in der Hauptstadt der Kunstprovinz Österreich, sondern in New York und London, spielen diesen Betrag in fünf Jahren wieder ein! Und aus dem Rest kann man auch noch genug verkaufen. Daraus könnte man einen Fonds für den Ankauf zeitgenössischer österreichischer Kunst speisen! Also bitte, Herr Minister, kaufen!!

Feedback via Facebook:

Robert Hofer Der Herr Essl sen. sollte als bekennendes Opus Dei Mitglied seine Sammlung der Erzdiözese Wien verkaufen, die schwimmt in mehr als einer Mrd. Euro cash, könnte sich wieder als Mäzen zeitgenössicher Kunst hervortun und diese Aktion würde schließlich den Staatshaushalt nicht belasten!

ERGÄNZUNG 29.3.14

Filetierung bringt Gewinn„, schreibt Olga Kronsteiner in Der Standard und zitiert Das Format: „In der aktuellen Ausgabe von Format ist nun von einem Abschlag in der Höhe von 15 Prozent und damit etwa 70 Millionen Euro die Rede.“ – Diese Summe kommt mir irgendwie bekannt vor 😉 Kronsteiner weiter: „Daraus könnte bei einer Insolvenz wiederum ein juristisches Problem resultieren. Denn die Republik muss zum Verkehrswert kaufen, andernfalls wäre das ein „nachteiliges Rechtsgeschäft für die Gläubiger“, wie ein Experte zitiert wird. Dem pflichtet gleichlautend („juristisch heikel“) auch Maria Fekter (VP-Kultursprecherin) bei.“ Die Gefahr sehe ich als sehr gering an. Würde ein Masseverwalter diese Sammlung verwerten, wäre das erzielbare Ergebnis noch weit unter dem Buchwert. Ein Beispiel dafür zitiere ich in meinem Buch „Die Kunstmarkt-Formel“, das im November erscheint.

ERGÄNZUNG 2.4.14

Warum die Sammlung gekauft werden sollte“ – erläutert Peter Huemer in einem Gastkommentar der PRESSE.

ERGÄNZUNG 3.4.14

Staat kauft Sammlung Essl nicht – berichtet die PRESSE: „Seine Sammlung will Essl, nachdem sie der Bund nicht kaufen will, derzeit auch niemanden anderen anbieten. „Wir konnten Baumax durch andere Maßnahmen rekapitalisieren. Und nächstes Jahr fallen die Verluste weg.“ Doch woher kommen die Mittel, das Museum fortzuführen und die Sammlung zu erhalten? Essl: „In der Sammlung Essl Kunstverwaltung sind ohnehin Vermögenswerte da, die jedenfalls die Finanzierung für die nächsten Jahre sicher gestellt haben. Das war bisher auch der Fall. Wir hatten ja keinen Bedarf, die Sammlung extern zu subventionieren“.“

Kunstmediator 2014: Atelier an der Donau

Zum zehnten Mal verlieh die IG Galerien heuer den Kunstmediator. Der Award für besondere Verdienste in der Vermittlung von Kunst ging dieses Jahr an den Kunstverein Atelier an der Donau (AADD) für die jährliche Ausrichtung eines internationalen Künstlersymposiums mit je 30 Teilnehmern und -innen in Pöchlarn. Der Preis wurde am 11. September im Rahmen einer Sonderschau des AADD im Kunstraum verliehen. Die Preisstatue selbst, wie jedes Jahr ein Unikat des Künstlers Franz Wieser, überreichte Hilde Kuchler (Kunstmediatorin 2013) an Prinzessin Anita von Hohenberg, die Präsidentin des Vereins. “

In seiner Laudatio verwies Hubert Thurnhofer, Vorsitzender der IG Galerien, darauf, dass Kunst in der sogenannten Provinz keineswegs provinziell sei: „Ganz im Gegenteil. Die sogenannten Top 100 Künstler im Ranking der Zeitschrift Gewinn sind ein provinzielles Spiel mit Namen, wobei vorwiegend solche aus Wien kursieren. Das ist kein Wunder, weil auch die Jury sich vorwiegend aus Wiener Galeristen zusammensetzt. Im Gegensatz zu dieser Szene, die mit der angeblichen Bekanntheit der Künstler die Preise in die Höhe treibt, schafft das Atelier an der Donau echte Bekanntschaften. Das Atelier an der Donau bietet ein Forum, bei dem sich nicht nur internationale Künstler miteinander vernetzen, sondern jeder Besucher die anwesenden Künstler und Künstlerinnen persönlich kennen lernen kann. Seit 2006 konnten die Besucher bereits 279 Künstler in Pöchlarn kennen lernen. Ich finde, die Top 279 von Pöchlarn haben mindestens genauso viel Aufmerksamkeit verdient wie die Top 100 von Wien.“

Nicht nur herausragende Persönlichkeiten (u.a. Willy Puchner, Johanna Penz), sondern auch schon mehrere Organisationen wurden von der IG Galerien ausgezeichnet. Die Wiener Linien, die Kunstzeitung, Hilde Kuchler mit ihrem Familienbetrieb. Aber diesmal stand stärker als je das Team im Mittelpunkt des Awards. Ein Team, das sich um den Künstler Atanas Kolev und den Unternehmer Gerhard Maller formiert hat und ehrenamtlich Jahr für Jahr zum Gelingen des mittlerweile größten europäischen Künstlersymposiums beiträgt. Dieses Team hat gezeigt, dass zeitgenössische Kunst überall ein interessiertes Publikum finden kann, wenn man eine offene Stätte der Begnung schafft.

Gemäß dem Motto „Europa kommt nach Pöchlarn, Pöchlarn geht nach Europa“ treffen sich in der Geburtsstadt von Oskar Kokoschka seit 2006 Jahr für Jahr internationale Künstler aus den Bereichen Malerei, Grafik und Bildhauerei. Es gab auch schon Experimente mit Multimedia. In diesem Jahr (von 1. bis 13. September) war die vierte Sparte der analogen Photographie gewidmet.

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Alte Meister – Neue Meister

Alte Meister – Neue Meister

2 Komödien in einer Collage

Von Hubert Bernhard

Die Leute gehen ja nur in das Museum, weil ihnen gesagt worden ist, daß es ein Kulturmensch aufzusuchen hat, nicht aus Interesse, die Leute haben kein Interesse an der Kunst, jedenfalls neunundneunzig Prozent der Menschheit hat kein Interesse an Kunst (S. 13).

Und in Galerien gehen diese Kulturmenschen nur, um bei Vernissagen ihre primitivsten Bedürfnisse zu befriedigen. Auf Kosten des Galeristen Wein trinken. Ja nicht einmal zivilisiertes Trinken kann man bei Vernissagen beobachten. Spätestens nach einer Stunde stehen nur noch Flaschen herum, leere Flaschen auf den Tischen und volle Flaschen in der ganzen Galerie, und vor der Galerie und bis auf die Straße! Der Galerist kann sich gegen die Niederträchtigkeit der Säufer und Landstreicher, die seine Galerie mit absoluter Regelmäßigkeit heimsuchen, nicht wehren. Also kann sich der Galerist nur rächen und schenkt nur den billigsten Fusel aus, was diese Säufer und Landstreicher naturgemäß niemals bemerken, weil sie schon in einem Zustand in die Galerie kommen, der ihnen gar nicht ermöglicht noch irgend etwas zu bemerken. Erst Tage oder Wochen nach einer Vernissage kommen wieder nüchterne Leute, sogenante Kulturmenschen, in die Galerie.

Die Russen sind voll Bewunderung. Die Polen betrachten alles mit Hochmut. Die Deutschen schauen im Kunsthistorischen Museum die ganze Zeit in den Katalog, während sie durch die Säle gehen, und kaum auf die an den Wänden hängenden Originale,

sie folgen dem Katalog und kriechen, während sie durch das Museum gehen, immer tiefer in den Katalog hinein, so lange, bis sie auf der letzten Katalogseite angelangt und also wieder aus dem Museum draußen sind.

Österreicher, insbesondere Wiener, gehen nur wenige ins Kunsthistorische Museum, wenn ich von den Tausenden von Schulklassen absehe, die jedes Jahre ihren Pflichtbesuch im Kunsthistorischen Musem absolvieren. Die Schulklassen werden von ihren Lehrern oder Lehrerinnen durch das Museum geführt, was auf die Schüler eine verheerende Wirkung ausübt, denn die Lehrer würgen bei diesen Besuchen im Kunsthistorischen Museum jede Empfinsamkeit in diesen Schülern der Malerei und ihren Schöpfern gegenüber mit ihrer schulmeisterlichen Beschränktheit ab.

… Es gibt keinen billigeren Kunstgeschmack, als den der Lehrer. (S. 49ff) Und es gibt keinen teureren Kunstgeschmack als den der Superreichen und Halbsuperreichen aus Amerika, China und Russland, die den Kunstmarkt leer kaufen, wie es heißt. Diese Superreichen und Halbsuperreichen zahlen Unsummen für die gefragtesten Künstler, die zu gewissen Zeiten, wenn es Mode ist, ganz einfach bis zu einer welterregenden Ungeheuerlichkeit aufgeblasen werden (S. 72). Scheinbar zahlen sie ein Vermögen, in Wahreit aber nur Peanuts. Bei ihren kriminellen Börsengeschäften und Finanztransaktionen stopfen sich die amerikanischen und chinesischen und russischen Finanzhaie ihre unersättlichen Riesenmäuler mit Peanuts voll und kaufen sich damit die teuersten Bilder, die sie in den korruptesten und verrottetsten Auktionshäusern in London und New York finden können. Den teuersten Kunstgeschmack jedoch haben die reichen Österreicher mit ihrem ordinären Reichtum, der seit Generationen, von Generation zu Generation immer kleiner wird, während deren Allüren von Generation zu Generation immer größer werden. Diese provinziellen Reichen mit ihren mikrigen Besitztümern befriedigen ihre Allüren in den Wiener Auktionshäusern, wo sie sich bei jeder Versteigerung hineinsteigern um die bedeutungslostesten und wertlostesten Bilder, die sie sich in Wahrheit schon längst nicht mehr leisten können, zu ersteigern. Diese Großgrundsbesitzer, Industriellen, Notare und Sektionsleiter schleppen ihren Provinzmief wie die Pest seit Generationen nach Wien.

Diese Lodenmantelträger (original: Die Lehrer) sind die Handlanger des Staates – und wo es sich wie bei diesem österreichischen Staat heute um einen geistig und moralisch total verkrüppelten handelt, um einen der nichts alsVerrohung und Verrottung und das gemeingefährliche Chaos lehrt, sind naturgemäß auch die REICHEN (original: Lehrer) geistig und moralisch verkrüppelt und verroht und verrotet und chaotisch. Dieser katholische Staat hat keinen Kunstverstand und also haben auch die REICHEN (original: Lehrer) dieses Staates keinen oder haben keinen zu haben, das ist das Deprimierende. (S. 53)

Die Reichen sind Handlanger der Herrschenden und die Künstler sind ihre Speichellecker. Es gibt nichs Widerlicheres für mich, als die gemalte Herrschaft. Herrschaftsmalerei, sonst nichts (63), egal wohin man schaut, dieser schauerliche Dürer, dieser Nürnberger Zieselierkünstler (62), … El Greco hat niemals auch nur eine einzige Hand malen können, El Grecos Hände schauen immer aus wie schmutzige nasse Waschlappen (304), … Veronese, schön, aber der gute Mann hat kein natürliches Gesicht malen können (44). … Klimt… reinster Massenhysterie erzeugender Kitsch, … heute kostet selbst ein schwaches Klimtkitschgemälde mehrere Millionen Pfund (225). … Picasso, in seiner Jugend ein Alter Meister, wurde mit jedem Jahr seines Lebens infantiler, bis zur absolut unheilbaren infantilen Degenerierung, bis zur perzeptiven Deprivation.

Zdrahal, der Wiener Künstler-künstler, Apologet von Velazquez, Rembrand, Vermeer und jedem Alten Meister, der ihm unter die Finger kommt, jedes seiner Originale ist ja eigentlich an sich schon eine Fälschung (118), dieser Velazquez-Rembrand-Vermeer-Verschnittkünstler schreckt nicht einmal davor zurück Klimtkitschgemälde zu entlüften um sie vom Habsburger Mief, der unaufhörlich aus der Kaiserkruft und dem Kunsthistorischen Museum und sogar aus dem Belvedere bis in alle Fugen der Secession kriecht, zu befreien. Den größten Mist aber machen die österreichischen Bildhauer, die österreichischen Bildhauer machen den größten Mist und ernten dafür die größte Anerkennung (219). Nein, nein, die Künstler und sind es die wichtigsten und sozusagen die größten, sind nichts als kitschig und peinlich und lächerlich (127).

Nachsatz: Ich kann euch versichern, jeder, der solche Texte schreibt, ist völlig aggressionsfrei – danach naturgemäß.

Die Kunstmarkt-Formel

Das Buch, das dem UVK-Verlag zu heiß geworden ist – ab Ende November im Buchhandel!

UmDruck 2014

Im August 2013 beauftragte mich der Münchner UVK-Verlag mit einem Sachbuch über den Kunstmarkt. Im März 2014 war das Buch fertig. Und im August dieses Jahres wurde der Vertrag wieder aufgelöst. „Schließlich verwenden Sie wiederholt das geistige Eigentum anderer Autoren“, so der Lektor des Verlags.

Tatsächlich habe ich zahlreiche Medien zitiert, ebenso relativ ausführlich das Buch „Collecting Contemporary“ von Adam Lindemann, ein Interviewband mit gewichtigen Playern der internationalen Kunstszene. Alle Zitate wurden mit exakter Quellenangabe übernommen und dienen ausschließlich dazu, typische Denkweisen von Vertretern des Kunst-Establishments authentisch wiederzugeben, aber auch kritisch zu hinterfragen. Ebenso hahbe ich Zeitungen und Zeitschriften zitiert: nicht weil ich unfähig wäre, den Inhalt eines Artikels mit eigenen Worten wieder zu geben, sondern weil er Duktus und Themenselektion der Medien in Wechselbeziehung zu den Mechanismen des Kunstmarktes stellen wollte.

Der Lektor Rainer Berger meinte dazu: „Ein juristisches Risiko liegt nicht nur bei der knapp neunseitigen (Anm.: wurde in der Schlussredaktion deutlich gekürzt) Lindemann-Zitation, sondern auch bei kürzeren Auszügen aus Zeitungen (etwa der FAZ, der Süddeutschen oder der Zeit). Zum juristischen Streitfall kommt es dann, wenn diese direkten Zitate von Dritten (z.B. dem Rechte innehabenden Verlag oder darauf spezialisierten Rechtsanwaltskanzleien) bemerkt werden.“

Ich dachte bislang, zu einem juristischen Problem könnten Zitate werden, wenn diese nicht korrekt übernommen werden. Dass Zitate schon deshalb zum Streitfall werden können, weil sie ‚bemerkt‘ werden, ist für mich eine Neuheit. Ein Jurist des Taschenverlages hat mir telefonsich die Korrektheit meiner Zitierweise bestätigt, wollte dies jedoch nicht schriftlich machen. Ich muss daher zur Kenntnis nehmen, dass Verlage aus Angst vor klagswütigen Juristen und im vorauseilenden Gehorsam gegenüber der ‚herrschenden Meinung‘ kritische Inhalte nicht mehr zum Druck frei geben.

Das Buch besteht aus drei phänomenologisch-analytischen Kapiteln

sowie den empirischen und medienkritischen Kapiteln

Klaus Albrecht Schröder sagte bei den Wiener Vorlesungen am 4. Juni 2014: „Man kann das Ökonomische nicht vom Ästhetischen trennen. … Relevanz bemisst sich am Preis. Damit kann man die Diskussion, auch in die ästhetische, einsteigen. … Es gibt Künstler, nicht unbedeutende, die sagen die besten Künstler sind die teuersten, die zweitbesten sind die zweitteuersten, usw…“

Dazu darf ich aus der Kunstmarkt-Formel zitieren: „Ich bin seit über 20 Jahren in der Kunstszene tätig und war offen gestanden immer der Meinung, dass Preis und Wert nicht viel miteinander zu tun haben. Mittlerweile habe ich meine Meinung revidiert und bin zu der Überzeugung gelangt: Preis und Wert haben überhaupt nichts miteinander zu tun!

Der Chefredakteur der Kunstzeitung, Karlheinz Schmid, schreibt im Leitartikel der Ausgabe September 2014: „Längst ist das Vertrauen in die Sache selbst, die Kunst nämlich, massiv geschwunden, … Es geht im Wesentlichen um das aufkeimende Misstrauen gegenüber Experten-Meinungen, Preis-Bildungen und Branchen-Usancen, die letztlich keine sind, weil vor allem der Kunstmarkt immer mehr zu einer Grauzone mutiert, in der auch ausgewiesene Kenner keinen Durchblick haben. Ein Desaster. … Von den Schiedsrichtern im Sport könnten die Gerichtsrichter was lernen, wenn das Procedere im Kunstbetrieb verhandelt wird.“

Auch darüber hab ich schon im März geschrieben: „Jeder, der dieses Buch gelesen hat, sollte danach die Regeln des Kunstmarktes genauso gut kennen wie ein Fußballer die Regeln des Fußballspiels. Der Documenta-Erfinder  Arnold Bode behauptete vor vierzig Jahren, das Kunstpublikum sei ’nicht so gebildet wie zum Beispiel die Fußballer auf dem Fußballplatz‘. Das gilt bis heute! … Eines lässt sich jedenfalls eindeutig sagen: beim Fußball kennt jeder seinen Platz – auf dem Feld und auf den Zuschauerrängen. Und auf allen Ebenen – vom Hobby-Turnier bis zur Champions League – gelten die gleichen Regeln. Indessen wird niemand daran zweifeln, dass die Regionalliga meilenweit von der Champions League entfernt ist – nicht nur geografisch, sondern vor allem auch qualitativ.“

Karlheinz Schmid hat das Manuskript meines Buches übrigens seit Juli vorliegen.