2025.11.27 Zeitkapsel im Volkskunde Museum

Im Zuge der umfassenden Sanierungs- und Umbauarbeiten des Volkskundemuseum Wien wird am 27. November 2025 eine Zeitkapsel im Innenraum des historischen Gartenpalais Schönborn in der Laudongasse eingemauert. Mit dieser symbolischen Geste möchte das Museum gemeinsam mit Vertreter:innen des Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), der Silberpfeil-Architekten und der Europäischen Kommission einen Moment der Gegenwart für kommende Generationen bewahren.

WANN: Donnerstag, 27. November 2025 um 14 Uhr

WO: Baustelle des Volkskundemuseum Wien, Laudongasse 15-19, 1080 Wien

Zeitkapsel

Pressevertreter:innen sind herzlich eingeladen, an der Veranstaltung und einem anschließenden Rundgang über die Baustelle teilzunehmen.

Update 14.8.2026 – Digitale Sammlung wächst

Unter sammlung.volkskundemuseum.at sind nun mehr als 23.000 digitalisierte Objekte aus der umfangreichen kulturhistorischen Sammlung des Volkskundemuseum Wien für die breite Öffentlichkeit zugänglich. Das 1895 begründete Volkskundemuseum Wien beherbergt in seinen Depots eine der größten mitteleuropäischen ethnografischen Sammlungen mit rund 162.000 Objekten, 277.000 Fotografien, 152.000 Büchern und etwa 570 Laufmetern Archivmaterial.

Tausende Objekte können online erkundet werden. Das Spektrum reicht von Alltagsgegenständen, Fotografien und Textilien über

Bibliotheksbestände, Publikationen und Eigenverlage bis hin zu Archivalien und Dokumenten. Ein Highlight sind die über einhundert 3D-Modelle, die eine detailgetreue Erkundung der Objekte von allen Seiten ermöglichen. In der digitalen Sammlung können Nutzer:innen die Bestände in ihrem wissenschaftlichen Kontext recherchieren, erforschen und neu entdecken.

Kulturelles Erbe 2.0

Die Online Sammlung Plus des Volkskundemuseum Wien ist weit mehr als ein Online-Katalog: Sie ist ein integraler Bestandteil der kuratorischen Arbeit und zeigt beispielhaft, wie Museen ihre Sammlungen nachhaltig digital erschließen und sichtbar machen können.

Das Portal schafft einen zeitgemäßen Zugang zum kulturellen Erbe und eröffnet neue Möglichkeiten für Forschung, Lehre, Vermittlung und interessierte Nutzer:innen. Das Volkskundemuseum Wien versteht sich als dynamischer Ort des Forschens und Entdeckens und hat mit der Online Sammlung Plus die Grundlage für künftige digitale Ausstellungen und thematische Online-Kurationen geschaffen.

Neu in der Online Sammlung Plus

Ende April wurde das zweite durch die Förderschiene Kulturerbe Digital des Bundesministeriums für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMWKMS) geförderte Digitalisierungsprojekt abgeschlossen. Insgesamt wurden 3.954 Datensätze in der Online Sammlung Plus veröffentlicht. 
Die Erweiterung umfasste in den letzten Monaten unter anderem folgende Konvolute:

Bierkrugdeckelmedaillons aus Porzellan und Glas

Die Bierkrüge mit Porzellandeckeln waren bis ins das frühe 20. Jahrhundert fester Bestandteil der Gasthauskultur. Die vielfältigen Darstellungen auf den Deckeln dienten nicht nur der Wiedererkennung des eigenen Gefäßes, sondern spiegelten auch die persönlichen Vorlieben, den Beruf und den gesellschaftlichen Status ihrer Besitzer wider. Einige dieser Motive sind problematisch, da sie rassistische oder sexistische Darstellungen enthalten und wurden dahingehend gekennzeichnet.

„Samtene Revolution“ in Prag und Bratislava 1989

Das 161 Fotografien umfassende Konvolut der sogenannten Samtenen Revolution dokumentiert die Proteste, die im November und Dezember 1989 in der Tschechoslowakei stattfanden. Bei den umfangreichen, überwiegend friedlichen Demonstrationen forderten tausende Menschen das Ende des Sozialismus. Die Proteste waren entscheidend für die darauffolgenden politischen Umbrüche. Die Bilder sind nicht nur historisch relevant, sondern gerade in Zeiten, in denen Demokratie gefährdet ist, ein wichtiges Zeichen.

Dias 1.001-2.000

Als Fortsetzung der Digitalisierung der Dia-Inventarnummern 1 bis 1.000 im Rahmen des vorangegangenen, durch die Förderschiene „Kulturerbe digital“ geförderten Projekts (2023–2025) wurde nun die Digitalisierung und Inventarisierung weiterer 977 Dias fortgesetzt. Damit sind alle frühen Glasdiapositive digital zugänglich. Dies bietet eine gute Grundlage für weitere sammlungsgeschichtliche und objektspezifische Forschung und Erschließung.

Cartes de Visite und Cartes de Cabinet

Das 1.239 Fotografien umfassende Konvolut der vor allem zwischen 1860 und 1915 populären Cartes de Visite (CdV) und Cartes de Cabinet (CdC) bietet Einblicke in die zeitgenössische (westliche) Fotografie und den Zeitgeist des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Sammlung des Volkskundemuseum Wien umfasst sowohl regionale als auch internationale CdV und CdC, auf denen insbesondere Porträts und Landschaftsaufnahmen, aber auch Reproduktionen von Zeichnungen bzw. Gemälden abgebildet sind. Einige der Fotoobjekte beinhalten stereotypisierende und aus heutiger Sicht problematische Zuschreibungen und Darstellungen.

Glossar der Online Sammlung Plus

Im Rahmen des Projekts wurden weitere Maßnahmen zur kritischen Kontextualisierung der Bestände der Online Sammlung Plus umgesetzt. Durch die Implementierung eines Glossars werden heute als problematisch erkannte und großteils abwertende Begriffe, die heute bewusst nicht mehr verwendet werden, in deren Entstehungs- und Gebrauchsgeschichte verortet. Denn Begriffe dienen nicht nur der Beschreibung, sondern sie spiegeln Hierarchien wider und beeinflussen Handeln und Denken. Die ausgewählten Begriffe werden direkt beim Auftreten in originalen Textstellen von Objekten, Publikationen und Archivalien ausgezeichnet und mit einem Glossareintrag verlinkt. Im Rahmen des Projekts wurden Glossareinträge zu 33 Begriffen ausgearbeitet. Der Prozess der Kontextualisierung versteht sich als nicht abgeschlossen und das Glossar wird in Zukunft erweitert werden.

Technische Umsetzung

Realisiert wurde das Projekt auf Basis von Visual Library, der etablierten Plattform für die nachhaltige Erschließung und Präsentation digitaler Sammlungen. Die Lösung vereint normierte Metadaten, leistungsfähige Such- und Filterfunktionen sowie eine barrierearme Benutzeroberfläche. Gleichzeitig erfüllt sie die Anforderungen an eine langfristige digitale Archivierung und gewährleistet durch standardisierte Schnittstellen die Vernetzung mit nationalen und internationalen Kulturportalen (Kulturpool und Europeana).