Jugendstudie und Demokratiebildung

Copilot Schüler Demokratie

3. Mai 2026 – Die Jugendstudie „Lebenswelten 2025“ zeigt eine sinkende Zufriedenheit mit der Demokratie: Während 2020 noch 70 % zufrieden waren, sind es 2025 nur noch 42 %. Gleichzeitig steigt das politische Interesse leicht auf 49 %. Die Mehrheit der Jugendlichen bekennt sich klar zu demokratischen Grundwerten – etwa zur Bedeutung von Wahlen (82 %) und Kompromissfähigkeit (81 %). Gleichzeitig äußern 56 % Zustimmung zu der Aussage, dass „eine starke Hand“ Ordnung schaffen sollte, was auf ambivalente Haltungen hinweist. Das Vertrauen in Institutionen ist unterschiedlich ausgeprägt: Während Wissenschaft und Bundesheer hohes Vertrauen genießen (je 77 %), liegt dieses bei Bundesregierung und Parlament nur bei 52 %, bei politischen Parteien sogar nur bei 38 %. 

Foto: Die schöne neue Welt von Copilot

Die Pädagogische Hochschule Niederösterreich veranstaltete passend dazu Ende April die Veranstaltung „Demokratiebildung als Zukunftsaufgabe aller Bildungseinrichtungen“. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie demokratische Kompetenzen nachhaltig gestärkt und im Bildungssystem verankert werden können.

Baden (pts032/30.04.2026) – Am 28. April 2026 war Bundesminister für Bildung Christoph Wiederkehr an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich (PH NÖ) in Baden zu Gast. Im Zentrum der Veranstaltung „Demokratiebildung als Zukunftsaufgabe aller Bildungseinrichtungen“ stand die Frage, wie demokratische Kompetenzen nachhaltig gestärkt und im Bildungssystem verankert werden können.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass Demokratie nicht erst in politischen Institutionen beginnt, sondern im täglichen Miteinander entsteht – im Zuhören, im respektvollen Dialog und in der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Gerade Bildungseinrichtungen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Sie sind Orte, an denen nicht nur Wissen vermittelt wird, sondern demokratisches Handeln erfahrbar wird und junge Menschen lernen, ihre Rolle in einer pluralistischen Gesellschaft aktiv zu gestalten.

Neben Bundesminister Christoph Wiederkehr nahmen auch Vertreter*innen der Stadtgemeinde Baden an der Veranstaltung teil. In Vertretung von Bürgermeisterin Carmen Jeitler-Cincelli war Gemeinderätin Judith Händler anwesend. Ebenso nahm Otto Wolkerstorfer, Leiter der Geschäftsgruppe Bildung und Abteilungsleiter Kindergärten, Schulen und Bildung, an der Veranstaltung teil. Damit wurde sichtbar, wie eng Bildung, Politik und regionale Verantwortung miteinander verbunden sind, wenn es um die Weiterentwicklung demokratischer Strukturen und gesellschaftlicher Teilhabe geht.

Das Fundament entsteht im Verborgenen

Paul Tarmann, Hochschulprofessor für Menschenrechtspädagogik, eröffnete die Veranstaltung mit einleitenden Worten und richtete den Blick auf die grundlegende Bedeutung der täglichen Bildungsarbeit. Er betonte: „Ein Haus ohne stabiles Fundament wird über kurz oder lang in sich zusammenstürzen.“ Mit Nachdruck verwies er auf die oft unsichtbare Dimension pädagogischer Arbeit: „Das Fundament zu legen ist etwas, was im Verborgenen geschieht – Tag ein Tag aus, in der täglichen Arbeit als Pädagoginnen und Pädagogen …“ Damit rückte er die kontinuierliche Arbeit im Bildungsalltag ins Zentrum und machte klar, dass Demokratiebildung kein punktuelles Ereignis ist, sondern ein langfristiger Prozess, der im täglichen Handeln verankert ist.

Bildung als Motor der Demokratie

Vizerektorin Edda Polz knüpfte daran an und vertiefte die Perspektive auf die Rolle der Bildung. In ihrem Beitrag stellte sie klar: „Demokratiebildung … ist nicht etwas, das bezeugt, verankert wird, wie etwa in einem Reisepass.“ Mit einem prägnanten Leitsatz brachte sie die Bedeutung von Bildung auf den Punkt: „Education is the engine of democracy.“ Sie betonte, dass Bildungseinrichtungen Räume schaffen müssen, in denen demokratische Werte nicht nur vermittelt, sondern gelebt werden – als Teil der täglichen Praxis, als Haltung und als zentrale Aufgabe pädagogischer Arbeit.

Bildung als Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen

Im Zentrum der Veranstaltung stand die Keynote von Christoph Wiederkehr, der die Diskussion in einen größeren gesellschaftlichen Kontext stellte. Er machte deutlich, dass demokratische Systeme von aktiver Beteiligung leben und verwies auf aktuelle Entwicklungen im Bildungssystem. Besonders eindrücklich formulierte er die zentrale Chance, die in der jungen Generation liegt: „Schülerinnen und Schüler wollen mehr mitreden, sie wollen gehört werden, sie wollen sich einbringen, und das ist die wichtige Ressource, an der wir anknüpfen können …“ .

Er betonte, dass es Aufgabe des Bildungssystems sei, diese Bereitschaft aufzugreifen und jungen Menschen echte Beteiligungsmöglichkeiten zu eröffnen. Bildung müsse dabei weit über reine Wissensvermittlung hinausgehen und insbesondere kritisches Denken sowie die Fähigkeit zur gesellschaftlichen Mitgestaltung fördern. Mit Nachdruck formulierte der Minister seine zentrale bildungspolitische Botschaft: „Die beste Antwort darauf, auf diese Entwicklung, ist aus meiner Sicht Bildung, Bildung und noch mal Bildung.“ Seine Ausführungen machten deutlich, dass Demokratiebildung eine zentrale Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit demokratischer Gesellschaften darstellt.

Forschung und Praxis im Austausch

Im Anschluss präsentierten Lehrende und Forschende der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich ausgewählte Projekte und aktuelle Forschungsperspektiven zur Demokratiebildung. Die Beiträge zeigten eindrucksvoll die Bandbreite der Zugänge und machten sichtbar, wie Demokratiebildung in unterschiedlichen Bildungsbereichen konkret umgesetzt wird. Die anschließende Podiumsdiskussion sowie eine offene Fragerunde boten Raum für vertiefende Gespräche und fachlichen Austausch. Dabei wurde deutlich, wie wichtig der Dialog zwischen Wissenschaft, pädagogischer Praxis und Bildungspolitik für die Weiterentwicklung demokratischer Bildung ist.

Vielfältige Perspektiven aus Forschung und Lehre

Ein zentrales Merkmal der Veranstaltung war die sichtbare Expertise der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich selbst. Lehrende und Forschende brachten ihre Perspektiven ein und zeigten, wie breit und fundiert Demokratiebildung in Forschung und Lehre verankert ist. Trotz unterschiedlicher Zugänge und Perspektiven wurde ein klarer roter Faden erkennbar: Demokratiebildung als verbindendes Element, das sich konsequent durch Forschung und Lehre der Institution zieht. Gerade diese Verbindung aus inhaltlicher Klarheit und Vielfalt prägte die Qualität der Veranstaltung.

Ein klares Signal für die Zukunft

Damit wurde sichtbar, dass die Pädagogische Hochschule Niederösterreich zentrale Zukunftsthemen aus Forschung und Lehre heraus in die Praxis überführt. Die Veranstaltung setzte ein klares Zeichen für die Bedeutung der Demokratiebildung und unterstrich die Rolle der PH NÖ als prägende Stimme im Bildungsbereich.

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Solschenizyn, Dugin und der Westen

Alexandr Dugin FB

Dr. Everett Piper April 14 at 2:50 PM via FB ad Alexander Solschenizyn

Alexander Solzhenitsyn gave the most controversial speech *against* Western Civilization at Harvard in 1978.

As a survivor of the Russian Gulags, they expected him to praise the West. Instead, he made a jarring accusation:

The West is a dying civilization. If it doesn’t change its ways, it is doomed to collapse.

In fact, he said this has been the case for 500 years, when the West made a crucial mistake:

„How did the West decline from its triumphal march to its present debility?

…the mistake must be at the root, at the very foundation of thought in modern times. I refer to the prevailing Western view of the world which was born in the Renaissance…

SIEHE AUCH: Dugin vs Schwab

I refer to humanism — the proclaimed autonomy of man from any higher force above him.“

Solzhenitsyn said humanism made man autonomous from God, Truth, and objective morality.

If all morality is subjective, then man has nothing to live nor die for. Naturally, he loses his courage, embraces materialism, and grows effeminate to modern evils.

So, what is the solution?

A return to belief in a transcendental morality under God:

„If, as claimed by humanism, man were born only to be happy, he would not be born to die. Since his body is doomed to death, his task on earth evidently must be more spiritual…

The fulfillment of a permanent, earnest duty so that one’s life journey may become above all an experience of moral growth: to leave life a better human being than one started it.“

All cultures live, or die, based on their respect of the True, Good, and Beautiful.

To save the West, Solzhenitsyn says start with beautifying your soul, for that is both how you live well, and begin to make civilization itself beautiful again.

Source: Athenaeum Book Club

Herbert Friesacher via FB ad Alexander Solschenizyn & Alexandr Dugin

Ich möchte hier zwei Alexander gegenüberstellen. Einer, der schon lange gestorben ist, der andere der lebt und wirkt: Solschenizyn und Dugin. Es erfordert Mut, diese beiden Denker nebeneinander zu stellen, da sie in der öffentlichen Wahrnehmung oft völlig unterschiedlich bewertet werden: Solschenizyn als der moralische Kompass gegen den Totalitarismus und Dugin als der strategische Vordenker einer neuen russischen Welt.

​Unter der Oberfläche gibt es jedoch tiefe philosophische und spirituelle Schnittmengen, die sie als „Brüder im Geiste“ erscheinen lassen.

Foto: Alexandr Dugin via facebook

​Welche sind die Ähnlichkeiten in ihrem Denken:

1. Die Kritik am „gottlosen Westen“

​Beide Autoren sehen den Westen nicht nur als politischen Gegner, sondern als ein spirituelles Vakuum.

​Solschenizyn: In seiner berühmten Harvard-Rede (1978) schockierte er seine Gastgeber, indem er nicht den Kommunismus, sondern den westlichen Materialismus angriff. Er prangerte den „anthropozentrischen Humanismus“ an – die Idee, dass der Mensch das Maß aller Dinge sei und kein Gott über ihm stehe.

​Dugin: Er führt diesen Gedanken radikal weiter. Für ihn ist der heutige Westen die Endstufe des Liberalismus, die er als „Satanismus“ oder puren Nihilismus bezeichnet. Er sieht im Westen eine Kraft, die alle traditionellen Identitäten (Gott, Nation, Familie, Geschlecht) auflöst.

2. Die Ablehnung des linearen Fortschrittsglaubens:

​Sowohl Solschenizyn als auch Dugin lehnen die westliche Vorstellung ab, dass sich die Menschheit linear zu einer globalen, einheitlichen Zivilisation hinentwickeln müsse.

​Beide betonen, dass Russland kein Teil der westlichen Zivilisation ist, sondern ein eigener Kulturkreis (Eurasien bei Dugin, das „Heilige Russland“ bei Solschenizyn).

​Sie lehnen den Gedanken ab, dass westliche Werte wie die parlamentarische Demokratie universell gültig seien. Solschenizyn forderte für Russland eine organische Entwicklung aus der eigenen Tradition heraus, nicht den Import westlicher Institutionen.

3. Die Rolle der Orthodoxie und des Leidens:

​Das Christentum ist bei beiden kein bloßes Hobby, sondern das Fundament ihrer Ontologie.

​Solschenizyn glaubte, dass Russland nur durch Reue und innere moralische Erneuerung gerettet werden kann. Sein Werk ist durchdrungen von der Idee, dass das Leiden die Seele reinigt.

Obwohl sie in der Diagnose des „westlichen Verfalls“ übereinstimmen, unterscheiden sie sich in der Methode:

​Solschenizyn war ein Skeptiker gegenüber Macht. Er warnte davor, dass Russland den gleichen imperialen Fehlern verfällt wie die Sowjetunion. Er wollte ein „Einsammeln“ der russischen Kräfte im Inneren.

​Dugin hingegen denkt expansiv. Seine Philosophie ist untrennbar mit Geopolitik verknüpft. Während Solschenizyn den Fokus auf die individuelle moralische Entscheidung legte, denkt Dugin in großen historischen Blöcken und Machtkämpfen.

In ihrer Rolle als „Warner“ sprechen sie dieselbe Sprache. Sie sehen sich beide als Verteidiger einer vertikalen Weltordnung (Gott – Mensch – Natur) gegen eine horizontale Welt (Konsum – Individualismus – Beliebigkeit).

​Solschenizyn lieferte das moralische Fundament für die Kritik an der Moderne; Dugin hat daraus eine politische Ideologie geformt, die heute die russische Staatshaltung massiv beeinflusst. Dass Dugin heute oft als „unbequemer“ oder gar „gefährlicher“ (antirussische Ansicht) gilt, liegt wohl daran, dass er die christliche Ethik Solschenizyns mit politischen Zielen des heutigen Russlands in Verbindung bringt.

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Finanzindustrie manipuliert Schüler

attac Finanzbildung

Attac fordert umfassende Wirtschaftsbildung statt einseitiges Finanztraining

20.4.2026 – (Presseinformation ATTAC) – Ein neuer Attac-Bericht zeigt anhand konkreter Beispiele, wie Banken und Finanzdienstleister unter dem Schlagwort „Finanzbildung“ immer stärker in die schulische Sphäre drängen. Sie produzieren vermehrt Unterrichtsmaterialien und bieten außerschulische Angebote an – mit einseitigen Inhalten und klaren Geschäftsinteressen.

Finanzindustrie dominiert „Finanzbildung“ (Attac Studie)

Im Rahmen der staatlichen Finanzbildungsstrategie erreichen Banken und Finanzlobbys mehr Menschen als öffentliche und gemeinnützige Anbieter. Einzelne Großbanken sind dabei die zentralen Player. Auch in Schulen zeigt sich der Einfluss: Unterrichtsmaterialien mit Logos von Banken und Werbung für Finanzprodukte zur frühen Kund*innenbindung sind längst Realität – selbst bei Volksschulkindern.

 Einflussnahme auf den Lehrplan – Lobbying für eigenes Schulfach

Gleichzeitig reden profitorientierte Akteure und ihre Lobbys das Niveau der schulischen Wirtschaftsbildung schlecht. Sie nehmen bereits Einfluss auf den Lehrplan und lobbyieren für ein eigenes Unterrichtsfach Wirtschaft, dessen Inhalte sie mitprägen wollen. Auch im Bereich Wirtschaftspädagogik auf universitärer Ebene steigt der Einfluss der Bankenlobbys. Dabei widersprechen die Fakten ihrer fortwährenden Kritik: Im internationalen Vergleich schneiden Österreichs Schüler*innen bei Finanzwissen überdurchschnittlich gut ab.

Kinder und Jugendliche brauchen zweifelsohne Wissen über Geld und Wirtschaft, das an den alltäglichen Fragen, Erfahrungen und Lebensrealitäten anknüpft. Attac kritisiert jedoch, dass die dominante Finanzbildungs-Agenda der Banken gesellschaftliche Probleme individualisiert: Überschuldung, Alters- oder Frauenarmut werden vor allem als Folge falscher persönlicher Entscheidungen dargestellt – statt als Ergebnis politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen.

Attac: Klare Grenzen für profitorientierte Akteure

Attac fordert ein Verbot von profitorientierten Bildungsangeboten in Schulen. Gewinnorientierte Akteure sollten zudem keinen Einfluss auf Bildungsinhalte nehmen. „Die Politik muss den wachsenden Einfluss der Banken und ihrer Lobbys auf unsere Schulbildung stoppen. Eine umfassende Wirtschaftsbildung muss die Fähigkeit vermitteln, wirtschaftliches Handeln in soziale, politische und ökologische Kontexte einzubetten und Wirtschaft wie Gesellschaft demokratisch mitzugestalten“, erklärt der Autor des Berichts, Mario Taschwer von Attac Österreich.

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