Von Herbert Friesacher
18. Juni 2026 – Eine Hiroshima-Überlebende, eine Zeitzeugin und Nobelpreis-Empfängerin sprach in Österreich und präsentierte ihre Doku in Wien: Prädikat: Extrem berührend❣️
Setsuko Thurlow, 94 Jahre alt, ist eine der weltweit profiliertesten und bewegendsten Stimmen unter den Hibakusha (den Überlebenden der Atombombenabwürfe). Der Dokumentarfilm „The Vow from Hiroshima“ (Regie: Susan Strickler) mit Europapremiere am 17.Juni in Wien, zeichnet ihr außergewöhnliches Leben und ihren jahrzehntelangen, unermüdlichen Kampf für die nukleare Abrüstung nach.

Im Foto von rechts nach links: Ruiko Friesacher, Yuko Gulda (Gründerin von Genbaku-No-Hi), Heather Wokusch, Setsuko Thurlow
Hier sind die wichtigsten Hintergründe zu ihr und dem Film:
Das traumatische Ereignis und „Das Versprechen“
Setsuko Thurlow war gerade einmal 13 Jahre alt, als am 6. August 1945 die Atombombe über ihrer Heimatstadt Hiroshima abgeworfen wurde. Sie befand sich zu diesem Zeitpunkt in einem militärischen Hauptquartier, wo sie als Schülerin für den Dekodierungsdienst eingeteilt war.
Während sie wie durch ein Wunder lebend aus den brennenden Trümmern des kollabierten Gebäudes gerettet wurde, verbrannten 27 ihrer Mitschülerinnen und unzählige Familienmitglieder bei lebendigem Leibe. Inmitten dieses Schreckens gab sie ihren sterbenden Freundinnen ein Versprechen (the vow): Dass ihr Tod nicht umsonst gewesen sein soll und dass kein Mensch jemals wieder ein solches Leid erfahren darf. Dieses Versprechen wurde zum Kompass ihres gesamten weiteren Lebens.
Jahrzehnte des Aktivismus bis zum Nobelpreis
Nach dem Krieg zog sie nach Nordamerika, heiratete den Kanadier Jim Thurlow und ließ sich in Toronto nieder, wo sie als Sozialarbeiterin tätig war. Ihren Aktivismus verlor sie jedoch nie aus den Augen.
Über Jahrzehnte hinweg reiste sie um die Welt, um vor Diplomaten, Politikern und der Jugend über die humanitären Folgen von Atomwaffen zu sprechen. Sie wurde zu einer der tragenden Figuren von ICAN (der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen). Der historische Höhepunkt ihrer Arbeit war das Jahr 2017: Sie durfte in Oslo die offizielle Nobelpreis-Rede stellvertretend für die Kampagne halten, als ICAN mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.
Der Dokumentarfilm: „The Vow from Hiroshima“
Der Film (erschienen 2020) nähert sich ihrer Geschichte auf eine sehr persönliche Weise. Er dokumentiert nicht nur ihren politischen Weg bis zur Verabschiedung des UN-Atomwaffenverbotsvertrags (TPNW), sondern stellt auch eine besondere Generationenbrücke dar.
Die Erzählperspektive: Die Dokumentation wird maßgeblich durch die wachsende Freundschaft zwischen Setsuko Thurlow und der New Yorker Filmemacherin Mitchie Takeuchi getragen.
Der Film zeigt eindringlich, wie aus tiefem, persönlichem Trauma eine weltverändernde, friedliche Kraft werden kann, und bricht das oft politisch-abstrakte Thema nuklearer Aufrüstung auf das Schicksal des Einzelnen herunter.