Am 22. September war die Eröffnung des Lucas Museum of Narrative Art in Los Angeles. „Über eine Milliarde US-Dollar haben ‚Star Wars‘-Schöpfer George Lucas und seine Frau Mellody Hobson in das Projekt investiert. Das Museum, das architektonisch an ein UFO erinnert, vereint ‚hohe‘ und populäre Kunst: Frida Kahlo trifft auf die Jedi-Ritter“, so ORF.at (22.9.2026)

Weiteres schreibt der ORF: „Schwammiger Begriff der erzählenden Kunst: Mit seinem Museum will Lucas die Grenzen zwischen Popkultur und Hochkultur aufheben und unter dem Begriff ‚Narrative Art‘ – erzählende Kunst – ein bewusst breites Spektrum vereinen: ‚Narrative Kunst wird geschaffen, um Geschichten in Bildern zu erzählen‘, heißt es in der Museumskonzeption. Gemälde von Frida Kahlo und Fotografien von Gordon Parks hängen neben Comics von Frank Miller; Stummfilme laufen in einem der zwei Kinos. Es gibt ein Pikachu aus ‚Pokemon‘, Kunst aus Fantasy-Welten von ‚Der Herr der Ringe‘ bis ‚Conan der Barbar‘ sowie eine ganze Galerie mit Grafik- und Comicbuchbildern.
Was genau ‚erzählende Kunst‘ ist, bleibt das Museum allerdings schuldig. Der Begriff ‚narrativ‘ sei zwar ein Modewort, als Gattung kunsthistorisch aber nicht etabliert und die Grenze zu nicht narrativer Kunst kaum zu ziehen, bemängelten etwa die ‚New York Times‘ und die deutsche Zeitung ‚Zeit‘.“
Statt bei NY Times und ZEIT abzuschreiben, anstelle seines Fehlurteil über den „schwammigen Begriff der erzählenden Kunst“ hätte ORF auch eigene Recherchen durchführen können. Auf thurnhofer.cc findet sich schon 2009 und im Buch „Die Kunstmarkt-Formel“ 2014 die Unterscheidung zwischen narrativer und poetischer Kunst – und zwar im Sinne von Lucas „fächerübergreifend“ von Musik über Literatur bis zur bildenden Kunst. KI-Gemini informiert richtig:
Der Kunstexperte und Galerist Hubert Thurnhofer unterscheidet in seiner Kunsttheorie grundlegend zwischen zwei kompositorischen Ansätzen: dem narrativen und dem poetischen Ansatz. Diese Unterscheidung wendet er sowohl auf die Literatur als auch auf die bildende Kunst an. [1]
Hier ist die Erklärung der beiden Konzepte nach Thurnhofer im direkten Vergleich:
| Kriterium | Narrativer Ansatz | Poetischer Ansatz |
| Kernziel | Will eine Geschichte erzählen. | Will die Essenz der Dinge direkt erfassen (ohne Umweg über eine Erzählung). |
| Sprache / Ausdruck | Nutzt eine zugängliche, fortlaufende Struktur (z. B. Erzählung, Novelle, Roman). | Nutzt eine stark idiomatische Sprache bzw. stark verdichtete Zeichen und Symbole. |
| Rezeption (Betrachter/Leser) | Ist meist leichter zugänglich, da der Mensch dem gewohnten Fluss einer Narration folgen kann. | Erfordert Zeit und die Bereitschaft, komplexe Idiome und Codes zu entschlüsseln. |
| Verbreitung heute | Dominiert die moderne Literatur und weite Teile der Kunst. | Ist in der modernen Literatur selten geworden; in der bildenden Kunst jedoch noch weiter verbreitet. |
Die Kerngedanken im Detail
- Der narrative Künstler baut ein „mentales Storyboard“ auf. Er bettet seine Figuren oder Bildelemente in einen zeitlichen oder logischen Ablauf ein. Die Kunst dient hier als Medium, um ein Ereignis oder eine Entwicklung zu transportieren.
- Der poetische Künstler verzichtet auf den erzählerischen Rahmen. Ihm geht es um die unmittelbare Wirkung von Stimmungen, Begriffen oder Abstraktionen. Thurnhofer weist darauf hin, dass die Entschlüsselung poetischer Werke in unserer schnelllebigen Zeit seltener Liebhaber findet, da sie ein intensiveres Verweilen und Nachdenken voraussetzt.
Mehr über diese kunsttheoretischen Essays und Ausstellungsanalysen lässt sich direkt auf der Plattform des Autors unter Hubert Thurnhofer (thurnhofer.cc) nachlesen.

Narrative Kunst von Ulrich Gansert, 9 / 11 (nine eleven), Mischtechnik auf Leinwand