SPÖ Kulturpolitik am Bettelstab
Die „Österreichische Gesellschaft für Kulturpolitik“ mit Sitz in der Löwelstraße 18, für all jene, die nicht in Wien zu hause sind: das ist der Sitz der SPÖ-Zentrale, schrieb mir am 11. November 2015 gender-gerecht: „Sehr geehrte/r Frau/Herr Thurnhofer,
… Wir haben für November und Dezember 2015 wieder ein sehr schönes Programm entwickelt, zu dem wir sehr herzlich einladen dürfen: …“
Einer der schönen Programmpunkte ist eine Tagung zum Thema „Braucht es eine Repolitisierung der Kulturpolitik?“
Zunächst meine ich, es braucht eine Repolitisierung der Politik. Die Flüchtlingskrise hat in einem erschütternden Ausmaß offenbart, dass in der österreichischen Politik nur noch Bürokraten sitzen, die entweder nach dem Florianiprinzip oder nach dem Motto „Furschrift is Furschrift“ agieren, anstatt politische Entscheidungen zu treffen und umzusetzen.
Danach beantwortet sich die Frage „Braucht es eine Repolitisierung der Kulturpolitik?“ von selbst. Die penetrante Politiklosigkeit der Politik, die nur noch der Systemerhaltung dient und weder Zukunftsvision noch Gegenwartsbewältigung bietet, hat ausgedient, und zwar in allen Bereichen, ob Kultur oder Soziales, Innen oder Außen, Wirtschaft oder Wissenschaft.
Um zu verstehen worum es geht, möchte ich einen SP-Kronzeugen zitieren, der mehrere Systemveränderungen miterlebt hat: Julius Tandler, Arzt und sozialdemokratischer Politiker (1869-1936)
„Welchen Aufwand übrigens die Staaten für völlig lebensunwerte Politik leisten müssen, ist zum Beispiel daraus zu ersehen, daß die 30.000 Vollidioten Österreichs diesem Staat zwei Milliarden Euro kosten. Bei der Kenntnis solcher Zahlen gewinnt das Problem der Vernichtung lebensunwerter Politik an Aktualität und Bedeutung. Gewiß, es sind ethische, es sind humanitäre oder fälschlich humanitäre Gründe, welche dagegen sprechen, aber schließlich und endlich wird auch die Idee, daß man lebensunwerte Politik opfern müsse, um lebenswerte zu erhalten, immer mehr und mehr ins Volksbewußtsein dringen.“
Frei zitiert nach https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Tandler
Für alle Vollidioten, die es nicht bemerkt haben: dieses Zitat ist verfremdet und reine Satire.
Um „die kulturpolitische Debatte zu beleben“ und „ein lebendiges Forum zu sein“, sowie „eine dynamische Plattform“ bieten zu können, ruft der Verein zu Spenden auf: „Natürlich lebt ein Verein, wie die Österreichische Gesellschaft für Kulturpolitik, im Besonderen von der finanziellen Unterstützung der Mitglieder (sic!). … Aus diesem Grund erlauben wir uns einen Erlagschein mitzuschicken.“ Dieses Originalzitat ist möglicher Weise keine Satire. Nach Neunerhaus, Vinzirast und Wiener Tafel ist der Schnorrbrief der „Österreichischen Gesellschaft für Kulturpolitik“ der vierte an diesem 11.11.2015, der mich daran erinnert, dass Geben seliger denn Nehmen ist.
Kleiner Tipp an NAbg Elisabeth Hakel, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Kulturpolitik: klopfen Sie mal bei der Wiener SPÖ an, die dafür sorgt, dass Häupls segensreiche Politik mit einem Budget von 100 Millionen Euro jährlich* propagandistisch bis in den letzten verstaubten Winkel dieser Stadt eindringt. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Bürgermeister, der in Promillen denkt, Verständnis dafür aufbringt, einen Promillsatz seines Propagandabudgets in die Kultur zu stecken. Und vielleicht könnte der Bürgermeister auch dadurch ein Signal setzen, dass er die Säule der Wiener Kulturpolitik, den herausragenden aber völlig glanzlosen Kulturstadtrat, ersetzt durch eine herausragende, aber leuchtende Straßenlaterne.
* Quelle: von keiner Seite dementierte Aussage von Vizekanzler Reinhold Mitterlehner über die Höhe des Wiener Werbebudgts im ORF-Sommergespräch 2015
Why is Modern Art so Bad?
A video about why so much modern art is just so bad, with artist Robert Florczak.
For two millennia, great artists set the standard for beauty. Now those standards are gone. Modern art is a competition between the ugly and the twisted; the most shocking wins. What happened? How did the beautiful come to be reviled and bad taste come to be celebrated? Renowned artist Robert Florczak explains the history and the mystery behind this change and how it can be stopped and even reversed.
See Video on youtube.com
Dazu ein Diskurs meiner facebook-Freunde:
Ingeborg Knaipp Die Impressionisten sind als Verursacher oder gar Schuldige an dieser Entwicklung freizusprechen, schließlich war der 300 Jahre zuvor wirkende Velazquez der größte aller Impressionisten. Ich sehe die Ursachen im Politischen: man hat die dem Schönen weniger zugeneigten unteren Klassen mit einem Wahlrecht ausgestattet, das sie schließlich in die Lage brachte, mit ihren naturgegebenen absoluten Mehrheiten nicht nur zu regieren, sondern auch ihre Geschmäcker wie einen wuchernden Schimmelpilz über die gesamte Kultur zu breiten. Schließlich wurde eben auch die Kultur „mit Demokratie durchflutet“, was noch dazu für die Regierung den schönen Nebeneffekt hatte, den Resten des Bürgertums (die Aristokratie war von moderner Kultur oder Kulturpolitik ohnehin nie affiziert) so richtig eine vor den Latz zu knallen. Man hatte, heißa! das „Ideologieressort“ (Ursula Pasterk) inne und ließ sein Team arbeiten. Als besonders antibürgerlich (wenn auch nicht antifaschistisch) arbeitender Protektionskünstler und Virtuos des Ekelhaften, Belanglosen und Niedrigen sei hier Otto Mühl genannt, das Emblem einer Kulturpolitik, die angetreten war, in Komplizenschaft mit Verbrechern und von ihnen gegängelten Neurotikern und ausgebeuteten psychisch Kranken buchstäblich die Pforten der Hölle zu öffnen.
Schon 1923 hatte die „Frankfurter Schule“ begonnen, nach einem neuen „Revolutionären Subjekt“ zu suchen, da die Arbeiterschaft sich während der kurzlebigen Räteregimes als „unzuverlässig“ erwiesen hatte. Sie fand es in den Intellektuellen, den Künstlern, den Ausländern, den Schwulen, den Behinderten und anderen Gruppen, die außerhalb oder an den Rändern der Gesellschaft standen. Nach dem Krieg ging es – mit amerikanischer Unterstützung – richtig los mit der Demontage der als bürgerlich beschimpften Kultur. Unverständlich bleibt mir, warum die Siegermächte des Weltkriegs sich auf denselben Pfad begaben, schließlich waren sie es gewesen, die den Deutschen die „Reeducation“ gebracht hatten, aber doch keine Veranlassung hatten, sich selbst unter dieses Regime zu begeben. Wahrscheinlich hat der Schuldkult, der zur gnadenlosen Verhäßlichung und Verdummung der Kultur führte, aber etwas mit der kolonialen Vergangenheit dieser Länder zu tun. Mit diesen Kunstwerken ist es so wie mit den alternativen Schuhen, die hinten niedriger sind als vorn: man zeigt, indem man sie trägt, an, daß man am liebsten im Boden versinken möchte, und man duldet jede Blasphemie, jeden Unsinn, wenn er nur von einem Angehörigen eines ehemals unterdrückten Volkes kommt, wie z.B. diese Madonna mit dem Elefantendung.
Hubert Thurnhofer @ amerikanische Unterstützung: Warum hält sich dann in den USA bis heute die – vorwiegend schöne – Popart als dominante Kunstrichtung?
Ingeborg KnaippIch habe keine Ahnung, was in USA derzeit dominant ist. Dort gibt es grundsätzlich viel mehr Möglichkeiten, sich künstlerisch auszudrücken, als in Mittel- und Westeuropa.
Eva Meindl Danke für das Teilen. Ich hab sehr gelacht. Es ist immer wieder schön Kleingeistern dabei zuzuhören wie sie versuchen etwas zu erklären, das sie nicht verstehen können, weil sie nun mal Kleingeister sind. Der Versuch Kunst rational zu bewerten ist ja schon im Ansatz zum Scheitern verdammt. Denn selbst wenn das möglich wäre – was es nicht sein kann – könnten wir die Kunst trotzdem immer nur in einem soziohistorischen Kontext bewerten. Und abgesehen davon ist das als ob man Musik bewerten wollen würde. Natürlich könnten ein Klassik und ein Metal Fan streiten was sich besser anhört. Bringt nur wenig.
Ingeborg Knaipp Hab mir jetzt die Website von Robert Florczak angeschaut. Sowohl die Website selbst als auch die Kunstwerke sind, um es ganz offen zu sagen, ein fürchterlicher Kitsch.
Herbie Fisch Man kann es spätestens seit den alten Griechen immer und immer wieder verfolgen. Bevor es mit einer Zivilisation bergab geht, geht es mit der Kunst vergab.
Knigge für Kunstraum-Besucher
23.1.2016 – Der Artikel „Kunst als Währung“ hat auf facebook Wellen geschlagen. Geteilt von der Galeristin Christine Sandpeck meldeten sich zahlreiche Kunstfreunde und Kunstraumfreunde.
Christine Sandpeck – AB SOFORT gibt’s im Kunstraum NIX MEHR KOSTENLOS!
– Ein Glas Wein bei einer Vernissage kostet ab sofort eine freiwillige Spende von 2 Euro.
– Ein Brötchen bei einer Vernissage kostet ab sofort eine freiwillige Spende von 2 Euro.
– Ein Gespräch mit dem Galeristen gibt’s nur noch nach dem Kauf und der Lektüre des Buches „Die Kunstmarkt-Formel“.
DANKE, lieber Herr Hubert Thurnhofer, dass auch Sie der „Gratiskultur“ ade sagen!
Mit Augenzwinkern sollte ich mir jetzt überlegen, zu welchem Thema ich ein Buch schreibe oder schreiben lasse!
Hubert Thurnhofer Liebe Christiane Sandpeck, einen Vorschlag für ein wichtiges Buch hätte ich: KNIGGE FÜR GALERIEBESUCHER
Do Laura Heneis – Buch schreiben – also ich kann dazu Barbara Huber empfehlen wenn du hilfe benötigst.
Kurt Waldhütter – also bei uns passen die freiwilligen Spenden immer, liegt ja auch am wellfeeling…
Christiane Sandpeck – Ja, mache ich auch. Wir sagen schon bei der Begrüßungsrede, was es gibt und dass Essen und Trinken gegen Spende in den bereitgestellten Sektkübel zu haben ist. Ich bediene, sobald es „klingelt“ geht das Glas bzw der Teller zum Gast und ich bedanke mich für die Spende.
Bei Vernissagen gibt es zur Begrüßung für jeden Gast schon vor dem Eingang, ein Glas Sekt, als Willkommenstrunk.
Es hat sich in den 3 Jahren gut eingespielt!
Gudrun Brueckl-Reiter – Ich finde ja sowieso, dass Essen bei der Betrachtung von Kunst eher störend ist. Ein Glaserl Wein, Sekt oder Wasser und ein bisschen Knabbergebäck reicht völlig. Allerdings glaube ich nicht, dass eine derartige Umfrage fiktive Angaben bei den Ausgaben herausfordert „….. denn wer grundsätzlich gern was kaufen würde, aber aus finanziellen Gründen nicht kann, der würde sicher in so einer Umfrage seinem Wunschdenken Ausdruck verleihen und mindestens 1.000-5.000 Euro ankreuzen…..“ (Zitat Thurnhofer) – also ich wäre da meinen finanziellen Möglichkeiten entsprechend ehrlich. Und eigentlich finde ich 60 Prozent mit 1000 – 5000 € pro Jahr durchaus annehmbar in einer Zeit des angesagten Sparens. UND: irgendwann sind die Räume einfach voll ……. es lebt leider nicht jeder Kunstliebhaber in einem Palast oder verfügt über ein Depot ……. „wink“-Emoticon
Hubert Thurnhofer – Ein Unternehmen, umso mehr ein solidarisches Unternehmen wie der Kunstraum – nebenbei bemerkt das einzige rein privat finanzierte internationale Kunst- und Kulturzentrum Wiens – besteht aus Geben UND Nehmen und kann auf Dauer nicht als Einbahnstraße existieren.
Karl Rieder – Lieber Herr Thurnhofer, jetzt hab ich es schon zu oft gelesen „… das einzige rein privat finanzierte … “ um nicht nun doch einmal reagieren zu müssen … die ATELIERgalerie3A, die natürlich mit der Zentrumslage und der Größe des Kunstraums bei weitem nicht mithalten kann, ist seit nun über 25 Jahren (!) ebenfalls rein privat finanziert … mit lieben Grüßen!
Hubert Thurnhofer – Verzeihung für „das einzige“!
Hubert Thurnhofer – Da ich aber in 20 Jahren Kulturarbeit mehr geleistet habe als dutzende hochbezahlte Kulturbürokraten in Stadt und Land zusammengenommen, der Kunstraum aber keinen einzigen Cent öffentlicher Förderungen bekommen hat, hab ich einen gewissen Nachholbedarf, darauf hinzuweisen.
Joe Leitner >>> Ich denke, ein paar Gläschen in Ehren wird auch der Herr Magister Hubert Thurnhofer nach wie vor besonders erkannten und bekannten Kunstinteressierten nicht verwehren. Aber gleich ganze Flaschen gratis für irrgendwelche dahergelaufenen Kulturflaschen, – für nix und wieder nix, – da würde ich auch VOLL & GANZ diese derartig abweisen, ignorieren oder zur Spendenkasse bitten, usw. !!! ***gg***
Hannelore Brandstetter – Ich finde es völlig korrekt um Spenden zu bitten
Ingeborg Knaipp – Ich hab schon das letztemal gespendet/bezahlt, aber ein Buch möchte ich nicht kaufen müssen, um mit der Galeristin sprechen zu dürfen. Das macht aber nichts, ich finde gewiß andere Gesprächspartner. Ich bin nämlich nicht auf den Mund gefallen. „glasses“-Emoticon
Christiane Sandpeck – Keine Angst, die Welt braucht kein Papierwerk von C.S.!
Hubert Thurnhofer @Ingeborg Knaipp ja, ja, „nicht auf den Mund gefallen“, überall mitreden, aber sich vorher informieren, vielleicht sogar ein Buch kaufen und lesen, wo kommen wir da hin?
Kurt Waldhütter – also bei uns darf man weiterhin essen und trinken…„wink“-Emoticon
Christiane Sandpeck – Als begeisterte Köchin gibt es bei Vernissagen und fast allen Kulturveranstaltungen ein feines Buffet, mit Qualitätsprodukten vom Radatz, Felber und dem Gemüsehändler meines Vertrauens am Meiselmarkt . Der Wein kommt von ausgewählten Winzern. Der Kaffee von der Rösterei „Alt Wien“ aus der Schleifmühlgasse. Denn wir biete unseren Gästen das an, was wir selber essen und trinken…
Ich will die „Gratiskultur“ auch deswegen nicht, weil so manche Gäste die Lebensmittel ohne Wertschätzung in sich reinschaufeln und dem Künstler, der Künstlerin wenig Beachtung schenken!!!
Außerdem, wer daheim ein Bier trinken will, muss zuerst auch dieses im Supermarkt kaufen, heim tragen und aus dem Kühlschrank nehmen.
Kurt Waldhütter – also bei uns passen die freiwilligen Spenden immer, liegt ja auch am wellfeeling…
Christiane Sandpeck – Ja, mache ich auch. Wir sagen schon bei der Begrüßungsrede, was es gibt und dass Essen und Trinken gegen Spende in den bereitgestellten Sektkübel zu haben ist. Ich bediene, sobald es „klingelt“ geht das Glas bzw der Teller zum Gast und ich bedanke mich für die Spende.
Bei Vernissagen gibt es zur Begrüßung für jeden Gast schon vor dem Eingang, ein Glas Sekt, als Willkommenstrunk.
Es hat sich in den 3 Jahren gut eingespielt!
Lisa Gruener – Geh, beim Hubert Thurnhofer Kost der Wein auch nur Wasser
Hubert Thurnhofer – Kann mir dieses Statement jemand übersetzen?
Lisa Gruener – Hubert Thurnhofer ich glaub da hat mir die Autokorrektur ein Ei gelegt. Ich weiss aber nimmer was ich schreiben wollt …
Ursula Pfeiffer – Ich finde es auch furchtbar, wie sich gewisse Vernissagenbesucher, die von einem gewissen Kunstverteiler kommen, benehmen. Gott sei Dank finden „meine“ Veranstaltungen üblicherweise dort statt, wo Getränke ohnehin etwas kosten und zum Essen gibt es meistens nichts. Und wenn, hüte ich mich davor, das auf die Einladung zu schreiben.
Christiane Sandpeck – Die waren nur 1x bei uns und sind gleich wieder abgezogen …
Es kommen aber auch BesucherInnen, vom „gewissen Kunstverteiler“ die gezielt Werke kaufen. Unterschätzen würde ich den Kunstverteiler als eines von vielen Marketinginstrumenten nicht!
Schlussbemerkungen des Galeristen:
Wer meint, 2 Euro spenden zu müssen widerspreche dem Prinzip der Freiwilligkeit, dem erkläre ich hier die Logik der Freiwilligkeit: Wer nicht FREIWILLIG spendet, der bekommt ZWANGSWEISE nix!
Bitte zu respektieren, dass der Galerist Antialkoholiker ist. Das heißt nicht, dass er nix mehr trinkt, sondern dass er keine Alkoholiker mehr in der Galerie sehen will.
auf facebook am 25./26. Januar 2016, nachdem Ursula Pfeiffer eine Mail von A.K. veröffentlicht hat. A.K. alleine hat in den vergangen Jahren mindestens fünf Kisten Wein bei Vernissagen des Kunstraums geleert. Der Kunstraum-Knigge schlägt Wellen!
Kunst als Währung
19. Jänner 2016 – Die Umfrage unter Freunden und Kunden der Galerie zu Jahresbeginn 2016 (durchgeführt mit SurveyMonkey) endete mit der Frage:
Wieviel investieren Sie jährlich in Ankäufe von Kunstwerken?
Die Wahl-Möglichkeiten war erstens: Null.
Danach folgten
1.000-5.000 Euro (60,47 Prozent)
5.000-10.000 Euro (2,33 Prozent)
10.000-50.000 Euro (4,65 Prozent)
Mehr als 50.000 Euro (0,00 Prozent)
Die letzte Option liegt offenbar außerhalb der Reichweite des Kunstraum-Publikums. Null Personen wollen oder können mehr als 50.000 Euro jährlich für Kunst ausgeben. Dagegen können oder wollen 32,56 Prozent aller Kunstraumfreunde exakt Null Euro für Kunst auszugeben!
Um das zu verstehen: 33 Prozent der (zum Teil regelmäßigen) Besucher des Kunstraums haben nicht die geringste Absicht Kunst zu kaufen. Auch wenn ich davon ausgehe, dass die meisten dieser Kunstfreunde selbst Kunstschaffende sind, so bin ich der Meinung, dass auch Kunstschaffende bereit sein sollten, mindestens 1.000 Euro pro Jahr in Kunst-Ankäufe zu investieren. Es ist ja nicht immer notwendig in cash mit dem schnöden Euro zu zahlen. Gerade KünstlerInnen hätten die Möglichkeit, Kunstwerke mit Kunstwerken zu zahlen. Das nennt man Bartergeschäft.
Im Kapitel „Kunst als Währung“ heißt es dazu: „Die Krise des Kunstmarktes beginnt schon beim Kunstproduzenten. Viel wird über Kunst als Anlage bzw. als Investment diskutiert. Besser wäre es über Kunst als Währung zu diskutieren, als alternative Währung zu Geld. Wer die letzten fünf Jahre nicht völlig verschlafen hat, dürfte mittlerweile wissen, dass Geld von den Banken aus Luft geschaffen wird und nur noch deshalb in der heutigen Form in Umlauf ist, weil immer noch die Mehrheit darauf vertraut. Blind vertraut. Die Vertrauensbasis wird aber zunehmend dünner. Für die Sehenden eröffnet die Kunst ungeahnte Möglichkeiten, denn genauso wie Geld kann man Kunst aus Luft schaffen, ausgerüstet lediglich mit Ideen und Kreativität. Und das völlig legal!“ (Die Kunstmarkt-Formel, S. 123)
Künstler, die mit der Einstellung in eine Galerie gehen, dass sie sicher nix kaufen, weil sie ja selber Produzenten sind und nicht kaufen sondern ver-kaufen wollen, sind wie Schriftsteller, die keine Bücher kaufen, weil sie ja selbst welche schreiben.
Ich gestehe, dass ich bewusst die kompromisslose Antwort Null Euro (nicht 0-1.000) zur Wahl gestellt habe, weil ich die gnadenlose Wahrheit kennen wollte. 0-1.000 hätte ja immer noch viele Interpretationen zugelassen. Aber Null komma Josef, dieser Wahrheit muss ein Galerist einmal in die Augen schauen. Das heißt, dass 33 Prozent der Galeriebesucher der Meinung sind, es gibt im Kunstraum gar nix, kein Buch, kein Geschenk für gute Freunde, was weniger als 1.000 Euro kostet. Das ist kein Armutszeugnis, sondern eine Weltanschauung, denn wer grundsätzlich gern was kaufen würde, aber aus finanziellen Gründen nicht kann, der würde sicher in so einer Umfrage seinem Wunschdenken Ausdruck verleihen und mindestens 1.000-5.000 Euro ankreuzen, um sich nicht als IGNORANT zu outen. So allerdings impliziert die gnadenlose Wahrheit: ein Drittel der Galeriebesucher verwechselt den Kunstraum mit der Caritas oder den Galeristen mit Rockefeller oder beides.
Diese Wahrheit wollte ich einmal kompromisslos vor mir sehen, um Konsequenzen zu ziehen. Und die Konsequenz – all jenen ins Stammbuch geschrieben, die mit der Absicht in den Kunstraum kommen nie und nimmer einen Euro für Kunst oder das Gelingen von Kunst oder den Betrieb eines der schönsten Räume für Kunst auszugeben: AB SOFORT gibt’s im Kunstraum NIX MEHR KOSTENLOS!
– Ein Glas Wein bei einer Vernissage kostet ab sofort eine freiwillige Spende von 2 Euro.
– Ein Brötchen bei einer Vernissage kostet ab sofort eine freiwillige Spende von 2 Euro.
– Ein Gespräch mit dem Galeristen gibt’s nur noch nach dem Kauf und der Lektüre des Buches „Die Kunstmarkt-Formel“.
Ein Unternehmen, umso mehr ein solidarisches Unternehmen wie der Kunstraum – nebenbei bemerkt das einzige rein privat finanzierte internationale Kunst- und Kulturzentrum Wiens – besteht aus Geben UND Nehmen und kann auf Dauer nicht als Einbahnstraße existieren. ADIOS EL GORRISTA!
Ergebnisse der Kunstraum Umfrage
21. 1. 2016 – der Kunstraum in den Ringstrassen Galerien, eine der Top 10 Galerien Wiens und das einzige rein privat finanzierte Kulturzentrum im ersten Bezirk, hat zu Jahresbeginn eine Umfrage durchgeführt. Neben überwältigend vielen positiven Stimmen war auch der Net Promoter Score (NPS) mit +49 Prozent bemerkenswert hoch. Die Zahl der Promotoren beträgt sogar 68 Prozent!
Der Net Promoter Score wird durch die Differenz zwischen Promotoren und Detraktoren ermittelt. Die Befragten antworten dabei auf die Frage „Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie das Unternehmen (in dem Fall konkret: den Kunstraum in den Ringstrassen Galerien) einem Freund oder Kollegen weiterempfehlen werden?“ Die Beantwortung erfolgt auf einer Skala von 0 (unwahrscheinlich) bis 10 (höchst wahrscheinlich). Promotoren sind Kunden, die mit 9 oder 10 antworten, Detraktoren mit 0 bis 6. Indifferente wählen 7 oder 8. Der Net-Promoter-Score wird nach der einfachen Formel berechnet:
NPS = Promotoren (%) − Detraktoren (%)
Der Wertebereich des NPS liegt somit zwischen minus 100% und plus 100%.
Das Ergebnis der ersten Frage „Welche Veranstaltungen im Kunstraum interessieren Sie besonders?“ bestätigt die Philosophie der offenen Türen. Mehrfachnennungen möglich:
– Vernissagen: 80,70%
– Spontaner (informeller) Besuch: 45,61%
– Diskussions-Veranstaltungen: 35,09%
– Literatur-Veranstaltungen: 36,84%
– Konzerte: 31,58%
In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Kunstraum als beliebte Eventlocation mit einmaligem Ambiente und bester Verkehrsanbindung etabliert. Rund 50 Veranstaltungen jährlich finden hier statt, neben Ausstellungseröffnungen vorwiegend Kulturevents, aber auch kontroverse Podiumsdiskussionen.
Die Galerie eröffnete 1994 und ist seit 1997 in den Ringstrassen Galerien, dem exquisiten Shopping Center neben der Oper von Wien, vertreten. Das Programm war von Anfang an international ausgerichtet, zunächst auf russische Kunst spezialisiert. In 25 Jahren hat sich das Programm weiter entwickelt, gezeigt werden derzeit rund 50 Prozent österreichische und 50 Prozent internationale Kunst. Eine Überraschung dieser Befragung war, dass das Hauptinteresse aber doch an österreichischer Kunst besteht (77,19%). Natürlich waren auch bei der Frage „Welche KünstlerInnen im Kunstraum interessieren Sie besonders?“ Mehrfachnennungen möglich.
Eine Anmerkung entspricht dem Tenor der subjektiven Antworten auf diese Frage: „Nationalität ist nachrangig, Qualität vorrangig!“
Die Antworten (Mehrfachnennung möglich) auf die Frage „Welche Techniken (Medien) interessieren Sie besonders?“ zeigen, dass sich die Interessen des Kunstraum-Publikums mit dem Programm der Galerie zu 100 Prozent decken.
Sensationell und zu 100 Prozent positiv waren die Antworten auf die völlig offene Frage „Was ist Ihre persönliche Meinung über Kunst, den Kunstraum, Künstler und das Management des Kunstraums?“ Hier ein Auszug:
– Eine einzigartige Institution in der österreichischen Kunstszene!
– Kunst, die den Anspruch hat, gesehen zu werden, braucht Raum und ein straffes Management – Der Kunstraum und sein engagierter Manager Hubert Thurnhofer unterstützen Sie dabei, Ihre Bilder für die Welt sichtbar zu machen. Lieben Gruß Wolfgang Franek
– Tolles Ambiente und Management sehr sehr aktiv und engagiert um eine möglichst breite Bandbreite anzubieten.
– Als bildende Künstlerin kann ich den Kunstraum mit ausgewählter Kunst durch den Galeristen Herrn Mag. Hubert Thurnhofer nur bestens empfehlen.
– Tolle Location und interessante KunstlerInnen. Großes Engagement der Galerie für die Kunstschaffenden. Danke für Ihren Einsatz für die Kunst in diesen unruhigen Zeiten. Bitte weiter so!
– Kunst muss mich berühren; Thurnhofer hat hohe Kompetenz, das breite Spektrum ist die Stärke des Kunstraum.
– Tolles Raumkonzept, gute Qualität und Auswahl der Programme.
Alle Antworten auf diese Frage siehe kunstsammler.at.
Zuletzt eine kritische Stimme: „Es wäre schön wenn sie auch Kunst mit einem sozialem Anliegen zeigen würden….“ Diese Forderung kann ich nur indirekt erfüllen. Bei einer der zahlreichen Diskussionen im Kunstraum war Christian Felber, der Autor des Buches „Gemeinwohlwirtschaft“. Im Anschluss an die Diskussion fragte er: „Neben Ihrer Kunst sind Sie also auch sozial engagiert?“ Ich musste darauf erwidern: „Nein, nicht neben der Kunst. Die Galerie IST ein Sozialprojekt.“ Mit Sicherheit ein Projekt der Gemeinwohlwirtschaft, schon lange, bevor Felber sein lesenswertes Buch geschrieben hat.
An der Stelle will ich nicht unerwähnt lassen, dass die Ergebnisse auf die letzte Frage „Wieviel investieren Sie jährlich in Ankäufe von Kunstwerken?“ ernüchternd sind. Bei rein betriebswirtschaftlicher Betrachtung müsste die Galerie sofort zusperren! Allerdings ist eine Galerie kein Geschäft für „reine Betriebswirte“.
Was ist Kunst?
Meyers Konversationslexikon aus dem Jahre 1888 gibt Auskunft
Kunst (von Können),
im weitesten Sinn des Wortes jede zur Fertigkeit erhobene Fähigkeit sinnlicher Darstellung eines (bedingt oder unbedingt) wertvollen Gehalts, sei es um seiner selbst, sei es um eines anderen Zweckes willen.
Dieselbe setzt daher jedesmal eine spezifische Anlage (Talent, Genie) und deren durch Übung zur vollen Beherrschung sowohl des Gehalts, welcher, als des sinnlichen Stoffes, in welche er dargestellt werden soll, gelangte Entwicklung voraus; jenes macht die theoretische, dieses die technische Kenntnis, die Ausübung selbst die Technik der K. aus.
Die (angeborene oder erworbene) Leichtigkeit der Darstellung, welche dieselbe (als höchsten Grad beim künstlerischen Genie) wie eine ohne Bewußtsein spielend vollzogene erscheinen läßt, unterscheidet die „heitere“ K. von der „ernsten“ Arbeit, welche die Anstrengung merken läßt; die (mehr oder minder lebhafte) Anschaulichkeit der Darstellung unterscheidet die K. von der Wissenschaft, welche begrifflich (abstrakt) darstellt.
Der nur bedingte Wert des dargestellten Gehalts (des Nützlichen und Angenehmen) begründet den Unterschied der niederen (relativen) von der höheren (absoluten) K., bei welcher der Wert des Dargestellten (der Idee des Wahren, des Guten, des Schönen) unbedingt ist, der Umstand, ob die Darstellung Selbstzweck oder Mittel ist, jenen der freien (selbständigen) oder unfreien (dienenden) K.
Siehe auch: HERAUSRAGENDE KUNST – Kommentar auf fischundfleisch.com
Valentin Oman und das Kunstranking
15.3.2016 – Nach dem Museum Moderner Kunst Kärnten zeigt nun bis 24. April 2016 das Wiener Künstlerhaus die erste Retrospektive und erste Museums-Ausstellung des Künstlers Valentin Oman, der 1935 in St. Stefan / Steben bei Villach/Beljak geboren wurde.
„Valentin Oman zählt zu den renommiertesten österreichischen Künstlerpersönlichkeiten“, so der erste, informative Satz des Ausstellungs-Folders. Wenn Oman so renommiert ist, warum scheint er dann nicht im Ranking der hundert angeblich wichtigsten österreichischen Künstler auf? Entweder ist die Ausstellungswerbung falsch, oder mit dem Ranking, das die Zeitschriften „GEWINN“ und „trend“ (vormals „Format) unabhängig von einander aber mit ziemlich gleichem Ergebnis durchführen, stimmt was nicht. Meine Meinung hab ich erstmals 2009 publiziert: „Das System Madoff im GEWINN Kunstbarometer“.
Der Kurator der Ausstellung, Michael Karrer, antwortet auf die Frage, warum Valentin Oman nicht auf der Liste der Top 100 Künstler Österreichs zu finden ist: „Ich habe mich ein Jahrzehnt mit Kunstrankings beschäftigt, mittlerweile hasse ich das Thema. Es gibt eine Korrelation zwischen Ausstellungspräsenz und Management des Künstlers. Künstler die in Museen ausgestellt werden, finden im Ranking stärkere Berücksichtigung. Valentin Oman ist ein introvertierter Künstler, dem es nicht wichtig ist seine Erfolge sichtbar zu machen. Er freut sich nicht auf einen öffentlichen Auftritt, sondern wäre lieber in seinem Atelier.“
Ich selbst wurde erstmals in meinem Galeristen-Leben in diesem Jahr eingeladen beim trend-Kunstranking mitzuspielen. Ich habe der trend-Kunstredakteurin Michaela Knapp mitgeteilt, dass ich bei dieser Art des Rankings gravierende methodische Mängel sehe. Ich bin gespannt, ob der trend in seiner Kunstausgabe meine Einwände publizieren wird. Und ich bin auch gespannt, ob der Kärntner Künstler Valentin Oman, der mit rund 80 öffentlichen Aufträgen insbesondere im Süden Österreichs sichtbare Zeichen gesetzt hat, von der Wien-lastigen Jury wenigstens in diesem Jahr wahrgenommen und gewürdigt wird.
18.3.2016 – Salzburger Nachrichten berichten von der Eröffnung im Künstlerhaus, Wien.
16.11.2016 – Der Standard berichtet über die Ausstellung im MMK
29.4.2016 – Medienkritischer Nachsatz: Ich finde es skurril, dass der ORF am Kulturmontag (21.3.2016) Peter Sloterdijk eine 4-Minuten Film und ein 11-Minuten-Interview widmet, selbstverständlich mit dem Hinweis dass Sloterdijk „der Superstar unter den Philosophen“ sei. „Superstar“ ist wohl die unabdingbare Legitimation, um für einen langweiligen Beitrag extra nach Deutschland zu fliegen. In der gleichen Sendung wurde die Ausstellung von Oman, die sogar der ORF-Kulturchef Martin Traxl ein paar Tage vorher höchst persönlich eröffnet hat, nicht mit einem einzigen Wort erwähnt. Ist das die Objektivität, die wir immer fordern? Wenn sich ein Kulturchef schon für die Eröffnung hergibt (oder vielleicht sogar bezahlen lässt, ich weiß es nicht), dann wird er mit Sicherheit darüber nicht in seiner eigenen Sendung berichten. Zumindest dann nicht, wenn es nicht um einen „Superstar“, sondern um einen Kärntner Provinzkünstler geht. Hatte der doch schon in der Exotensendung „Heimat fremde Heimat“ im Jänner seinen Auftritt.
Nachrufe auf das Essl-Museum
Jetzt überstürzen sich die Gazetten mit Nachrufen auf den großen Sammler. Doch Essl hat sein Spiel gespielt. Auch wenn er seine christliche Ethik gerne zur Sprache gebracht hat, sein Ego als Sammler war letztlich immer größer als die christliche Nächstenliebe (jedenfalls haben das sehr viele Künstler so erlebt).
des Landes, an dem zeitgenössischer Kunst zu begegnen ist: Nach Generali Foundation und Bawag Contemporary hört die langlebigste private Institution für Gegenwartskunst auf, die Bundeshauptstadt bzw. ihre Umgebung zu bespielen. Die „TBA 21“ dürfte bald folgen“, schreibt der KURIER-Kunstkritiker Michael Huber am 5.4.2016.
„Die Bundeshauptstadt… zu bespielen“ – diese Wortwahl zeigt, dass Kunst als private Spielwiese von Unternehmern oder Unternehmen zur Behübschung des Headquarters oder der Corporate Identity gesehen wird. Solange das aus der Portokasse machbar ist, läuft es gut. Wenn die Quersubventionierung nicht mehr möglich ist, dann soll der Staat einspringen, meint Huber:
„Die Kulturpolitik wäscht ihre Hände in Unschuld: Staatlichen Häusern wird zwar stets verordnet, auf privates Engagement zu bauen – im Härtefall bleibt Kunst aber Privatvergnügen. Den Schritt, Sammler auch als Kulturträger ernst zu nehmen, hat Österreich nie vollzogen. Obwohl viele öffentliche Museen heute ohne sie ziemlich leer wären.“
„Die Bundeshauptstadt… zu bespielen“ – diese Wortwahl übersieht, dass es in Österreich keinen nennenswerten Kunstmarkt gibt, in dem Kunstinvestment als Businessmodell funktioniert. Sogar ein Wirtschaftskapazunder wie Herbert W. Liaunig betreibt sein Museum wie einen Rosengarten – ohne jegliche Absicht, daraus einen Return on Investment zu erzielen oder gar einen Gewinn abzuschöpfen. Er leistet sich zwar den Rosengarten, aber ein laufender Museumsbetrieb ist offenbar wirtschaftlich nicht darstellbar. Zumindest nicht in Österreich.
Wenn die Politik gefordert ist, dann nicht als Ersatz für private Subventionsgeber, sondern als Gesetzgeber, der Rahmenbedingungen schafft, in dem Kunstkauf attraktiver wird. Nicht durch Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 13 Prozent, sondern durch die Möglichkeit, Kunstwerke steuerlich abzusetzen.
Und die Museen, ob Privatmuseen oder staatliche Museen, sollten – im eigenen Interesse – einmal darüber nachdenken, wie sie den Kunstmarkt beleben könnten.
– Sicher nicht dadurch, dass sie so tun, als müssten sie der Welt beweisen, dass sie in der internationalen Liga mitspielen können und mehr Geld für den internationalen Leih-Zirkus ausgeben als für Ankäufe.
– Sicher nicht dadurch, dass sie ihren Wahrnehmungshorizont prinzipiell nicht proaktiv erweitern.
Damit meine ich, dass Museum fast immer nur zeigen, was andere Museen bereits kanonisiert oder mindestens approbiert haben, und fast nie das, was thematisch, ästhetisch und qualitativ zu einer konkreten Ausstellung passen würde (z.B. Jeff Koons im Naturhistorischen Museum).
Olga Kronsteiner (derStandard.at) schreibt: „Theoretisch würden Karlheinz und Agnes Essl 2017 das 45-jährige Gründungsjubiläum ihrer Sammlung zelebrieren, … Praktisch muss eine etwaige Jubiläumsschau kommendes Jahr ausgelagert werden. Denn wie Karlheinz Essl im Rahmen einer Pressekonferenz am Dienstag verlautbarte, wird das Museum nach knapp 17 Jahren mit 1. Juli 2016 seine Pforten schließen. … 2015 hat das Land Niederösterreich etwa 460.000 Euro zugeschossen. In etwa dieser Größenordnung war auch eine Subvention für 2016 geplant, wie Kulturabteilungsleiter Hermann Dikowitsch auf Anfrage bestätigt. Laut einer Aussendung des Essl-Museums wäre dies jedoch an die Bedingung geknüpft gewesen, dass auch der Bund einen wesentlichen Beitrag leistet. Die von Essl und Haselsteiner einträchtig geforderte Zusage dafür blieb aus.“
Ein gewisser Carlos Columnos postet auf derStandard.at:
„Stimmt das, dass nun übergangsmäßig Flüchtlinge untergebracht werden sollen? Im Text steht nämlich gar nichts darüber…“
In der Logik des Starkults schlage ich vor das Museum Ai Wei Wei zu übergeben. Der hat sicher eine Idee für ein Kunstprojekt mit Flüchtlingen. (Siehe salzburg.com)
In der Logik der christlichen Ethik, die Essl immer gepredigt hat, schlage ich vor, das Museum für Kooperationen mit Galerien und Kunstvereinen zu öffnen. Durch solche Kooperationen könnte zwar kein laufender Betrieb mit 40 Angestellten finanziert werden, aber das Museum immer wieder für Einzelprojekte geöffnet werden.
KJK Buchpräsentation: Ibidum
Karen Kuttner Jandl hat Anfang 2017 ihr erstes Buch vorgestellt: Ibidum
Nicht weniger als „Die Bibel des Aufstandes gegen das Establishment“, so die Autorin.
Jandls Tochter liest Ibidum – ibidum – dubistdum – sieistdum – esmerkelt –
am Donnerstag, 30. März 2017 um 19:00 Uhr
im Kunstraum der Ringstrassen Galerien
1010 Wien, Kärntnerring 11-13 / 144
Karen Kuttner Jandl: „Wie werde ich ein Weltklasse-Künstler in 11 Tagen?“
Die Autorin liest aus ihrem noch unveröffnetlichten Manuskript.
Eine Weltpremiere am Dienstag, 24. Mai 2015, Beginn 19.00 Uhr
im Kunstraum popup 122, Kärntnerring 11-13 (Obergeschoß), 1010 Wien
Tun sie es heimlich? Schämen Sie sich dafür? Werden Sie deswegen von ihrer Frau sexuell vernachlässigt und mehrmals am Tag als Schwuchtel beschimpft? Allein schon deswegen wagen Sie es nicht, sich zu outen. Sich dazu zu bekennen, dass Sie zu jenen gehören, die sich nächtens in ihre Keller oder andere Rückzugsgebiete einsperren – von den Nachbarn mit Argusaugen beobachtet – hinter vorgehaltenen Händen und Vorhängen als Bombenbastler oder Kinderschänder tituliert, um sich ihr dort lustvoll hinzugeben – der Malerei.
Oder tun Sie es bereits öffentlich und wagten den Schritt ins Rampenlicht und gehören damit zu jenen, die gefühlte 36 Stunden am Tag auf diversen Trödelmärkten abhängen, um ihre großartigen Kunstwerke an den Käufer zu bringen? Märthyrerhaft ertragen Sie dort jene schmerzhaften Wortsalven, die Sie als arbeitsscheue, frustrierte, offensichtlich erfolglose und underfuckte Hausfrauenkünstlerin durchlöchern.
Oder sind Sie schon viel weiter? Und für Sie ist das Zitat von Beuys „Jeder Mensch ist ein Künstler“ keine Pipifax-Theorie, sondern gelebte und leidenschaftliche Praxis. Und das nicht nur, weil der Beruf des Künstlers laut einer Onlinebefragung noch vor dem Piloten und dem Polizisten für die österreichische Frau zu den heißesten Einnahmequellen zählt.
Bevor Sie auch nur einen Strich auf die Leinwand setzen, seien Sie gewarnt: das mit der Kunst ist so eine Sache…
Ein Bild von Karen wurde auch für das Kunstprojekt „Show You Are Not Afraid“ von art und Mikael Mikael ausgewählt. Karen schreibt dazu: „I’m afraid und ich habe null Bock darauf, so zu tun, als sei ich es nicht. Deswegen löste ich ‚Show You Are Not Afraid‘ von der Folie und klebte den Rest auf das Bild. ‚Show You Are Not Afraid‘ sind für mich leere Worte…“
Der Kunstmessereigen – eine Parabel
16.2.2017 – Wie bei Schnitzlers Reigen stellt sich beim Wiener Kunstmessereigen die Frage: welche Galerie legt sich mit welchem Veranstalter ins Bett?
Der Wiener Kunstmessereigen beginnt heuer mit der ART VIENNA am 23. Februar im Leopold Museum, wo bislang die ART AUSTRIA residierte. Diese ist nolens volens ins Palais Liechtenstein übersiedelt, wo sie von 24. bis 26. März ihre Pforten öffnet. Und dazwischen läuft von 4. bis 12. März die WIKAM im Palais Ferstel & Palais Niederösterreich, die bislang im Frühjahr im Künstlerhaus residierte, das aber nun renoviert wird.
Jeder gelernte Österreicher kennt das Qualtinger-Dictum „Simmering-Kapfenberg – des is Brutalität.“ Fußball anno dazumal war aber gar nichts gegen den Kunstmessereigen in Wien, der vergleichbar ist mit einem Match von gleichzeitig drei Mannschaften auf einem Fußballfeld, die den Ball auf ein einziges Tor spielen, in dem drei Tormänner stehen.
Für jene, denen intime Kenntnisse der Wiener Kunstszene fehlen, hier die Interpretation: die Fußballspieler sind die Galeristen, die Tormänner sind die Messeveranstalter. Das Tor ist der Zugang zum Kunstmarkt! Und hinter dem Tor sporadisch ein paar Schauer auf den Tribünen des Stadions, die sich über das Tohuwabohu auf dem Fußballfeld amüsieren.
Und sowohl die potenten, als auch die potenziellen Kunden bleiben zuhause.
Siehe auch: Kunstmessen 2015 – Heiß umkämpfter Herbst
NACHSATZ 11.3.2017 – Nicht nur die Messe-Veranstalter, auch die Galeristen kämpfen um jeden Kunden – und in logischer Folge auch oft gegeneinander. Sogar jene, die sich im Galerienverband zusammengeschlossen hat.
So schreibt Hans Knoll am 10.3.2017 auf facebook:
„Durch die Wiener Galerienszene geht ein Riss, der glücklicherweise wieder kleiner wird. Nach zahlreichen Austritten aus dem Galerienverband vor etwa 15 Monaten gibt es eine changierende Gruppe derer, die sich als die besseren Galerien bezeichnen, und die deutlich größere Gruppe jüngerer und älterer Mitglieder im Verband. Inzwischen hat der Verband einige Erfolge verzeichnet und wieder mehr Mitglieder.
Trotzdem war ich gestern Abend überrascht, als ich bei einem Vernissagenbesuch von der Kollegin Christine König ohne Angaben von Gründen aus ihrer Galerie geworfen wurde.
Christine König war im Vorstand des Verbandes als es zu den vielen Austritten kam, gerade vor meiner Zeit als Vorsitzender. Wir haben eine lange gemeinsame Geschichte: König wollte in den frühen 90er Jahren meine Galerie-Partnerin werden, was ich abgelehnt habe. Vor etwa 8 Jahren wollte sie mir ihre Galerie verkaufen – was ich ebenfalls abgelehnt habe. Und vor einigen Jahren habe ich von ihr Fotografien gekauft, für die sie nach dem Kaufabschluss zusätzlich mehr Geld forderte – was ich ebenfalls abgelehnt habe.
Es ist also der Rauswurf wohl eher persönlichen Gründen zuzuschreiben.“
Silvia Graser antwortet: „Ich habe bereits vor 20 Jahren nicht begriffen wieso teils Mafiamethoden angewendet werden mussten um Erfolg langfristiger absichern zu können ? Und es gibt eine große Anzahl menschlich schwieriger Elite Galerien ! Gerade die sollten Kollegen wie Hans es einer ist wertfrei behandeln lernen ! Soviel unnötiger Energieverlust bevor auch nur irgendwas beim Kunden, Sammler angekommen ist. Was sind das für Ängste, die Kollegen einander nicht verstehen lassen ? Wie berechtigt sind sie werklich ? So schade und bescheuert !!“