Pressekonferenz mit BM Hattmannsdorfer und APG Vorstand Christiner zu Netzausbau und Stromkostensenkung am Beispiel der Deutschlandleitung
Datum: Freitag, 26. Juni 2026; 11:45 Uhr
Ort: Pressezentrum des BMWET, 5. Stock (Zugang über Tor 2/“Sozialministerium“); Stubenring 1, 1010 Wien
Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer
Gerhard Christiner, technischer Vorstand und Vorstandssprecher Austrian Power Grid (APG)
Der Netzausbau ist eine zentrale Voraussetzung für die Zukunft des Standorts Österreich. Er entscheidet darüber, ob Industrie transformieren kann, ob neue Investitionen ins Land kommen und ob Österreich im internationalen Wettbewerb bestehen kann. Günstiger Strom muss auch nach Österreich gelangen können. Eine stärkere Integration in den europäischen Strommarkt – insbesondere durch die Deutschlandleitung – ist daher ein zentraler Bestandteil eines zukunftsfitten Stromsystems. Über die aktuellen Entwicklungen und Vorhaben informieren Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und APG Vorstand Gerhard Christiner.
Veranstalter bitten unbedingt um eine vorherige Anmeldung via E-Mail unter presseabteilung@bmwet.gv.at.
Presseinfo des BMWET vom 26.6.2026
Netzausbau wirkt: Deutschlandleitung kann Strom-Mehrkosten um bis zu 375 Millionen Euro senken
Mit der neuen Deutschlandleitung wird das Umspannwerk St. Peter erweitert, eine 220 KV-Infrastruktur durch eine 380 KV-Leitung mit vier 380-kV-Systemen ersetzt. Dadurch erhöht sich die Kapazität von 800 Megawatt (MW) auf rund 6.000 MW. Berechnung der Austrian Power Grid im Auftrag des Energieministeriums: Im Winterhalbjahr 2025/26 hätte die neue 380-kV-Leitung die Mehrkosten durch den Preisunterschied zu Deutschland um 240 bis 375 Millionen Euro gesenkt – bei rund 100 Millionen Euro Investition.
[Anmerkung ethos.at: es könnte sein, dass diese Milchmädchenrechnung nicht aufgeht, denn Österreich hat selbst bereits Überkapazitäten von Windrädern, die oft still stehen. Anders gesagt: wenn DE billige Überkapazitäten hat, dann bläst auch in Ö mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr Wind, als die Netze brauchen.]
„Unser Ziel ist es den Strompreisunterschied zu Deutschland zu beenden – allein im vergangenen Winter waren es 21 Euro pro Megawattstunde. Mit der Deutschlandleitung holen wir günstigen Strom aus Deutschland nach Österreich und senken so die Strompreise für Haushalte und Betriebe. Dafür investieren wir jetzt 100 Millionen Euro und sparen damit 375 Millionen Euro an Stromkosten – ein guter Business Case für Haushalte und Betriebe.
So beseitigen wir den Preisunterschied zwischen Deutschland und Österreich Schritt für Schritt.
Damit haben wir einen Paradigmenwechsel in der Energiepolitik eingeleitet und die Umsetzung für Strom der sicher, sauber und leistbar ist konsequent vorangetrieben. Deshalb haben wir nach der Strommarktreform das EABG beschlossen und starten jetzt mit der neuen Deutschlandleitung in eine neue Phase der Netzinfrastrukturplanung, um die Strompreise weiter zu senken. Dieser Kurs zahlt sich aus: Im April war Strom um 10,2 Prozent günstiger als im Vorjahr und hat die Inflation gedämpft“, so Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer.
„Das österreichische Stromsystem ist eng mit dem europäischen Markt verbunden. Reichen die Leitungskapazitäten nicht aus, kommt günstiger Strom aus dem Norden nur begrenzt bei den Kundinnen und Kunden an. Die Deutschlandleitung erhöht die Importkapazität, bindet unsere Speicherkraftwerke besser ein und dämpft Preisspitzen. Jeder Euro in den Netzausbau zahlt sich für Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit aus“, so APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner.
Eine aktuelle Berechnung der Austrian Power Grid (APG) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus belegt den wirtschaftlichen Nutzen des Netzausbaus: Wäre die neue 380-kV-Deutschlandleitung im Winterhalbjahr 2025/26 bereits in Betrieb gewesen, hätte sie die Mehrkosten der heimischen Stromkundinnen und -kunden um 240 bis 375 Millionen Euro gesenkt. Diesem Einsparpotenzial steht eine Investition von rund 100 Millionen Euro gegenüber. Die Leitung verbindet das Umspannwerk St. Peter am Hart in Oberösterreich mit dem deutschen Netz und geht ab April 2027 schrittweise in Betrieb.
Deutschlandleitung
Konkret ersetzen wir bestehende 220-kV-Infrastruktur durch eine leistungsfähige 380-kV-Lösung. Der österreichische Anteil umfasst rund 2,5 Kilometer 380-kV-Leitung sowie den Ausbau des Umspannwerks St. Peter am Hart in Oberösterreich. Die Investition liegt bei rund 100 Millionen Euro. Projektpartner auf deutscher Seite ist TenneT, die Inbetriebnahme ist für 2027 geplant.
Und die Leitung wirkt in beide Richtungen: Sie bringt Windstrom aus dem Norden zu unseren Speicherkraftwerken in den Alpen – und sie lässt unseren gespeicherten Strom dann fließen, wenn Wind und Sonne fehlen. So stärkt sie unsere Flexibilität und den Wert unserer heimischen Wasserkraft.
Fehlende Netze koppeln Österreich vom günstigeren Strompreis ab
Österreich und Deutschland bilden einen eng verbundenen Strommarkt. Reichen die Leitungskapazitäten nicht aus, fließt günstiger Strom aus Deutschland nur begrenzt nach Österreich. Dann entstehen Preisunterschiede. Im Winterhalbjahr 2025/26 lag der österreichische Großhandelspreis im Schnitt bei rund 118 Euro pro Megawattstunde und damit rund 21 Euro über dem deutschen Niveau von rund 97 Euro. In 93 Prozent der Stunden war Österreich preislich von Deutschland abgekoppelt. Allein dieser Preisunterschied verursachte im Winterhalbjahr rund 600 Millionen Euro Mehrkosten. Besonders stark wirkte der Effekt im Jänner, in einer Phase mit wenig Wind und Sonne.
Gezielter Netzausbau bringt den größten Nutzen
Die Deutschlandleitung ersetzt bestehende 220-kV-Infrastruktur durch eine leistungsfähige 380-kV-Verbindung. Sie erhöht die Importmöglichkeiten, bindet die heimischen Speicherkraftwerke besser ein und dämpft Preisspitzen. Daraus zieht Energieminister Hattmannsdorfer eine klare Linie für die weitere Planung: Beim Netzentwicklungsplan ÖNIP 2.0 sollen jene Projekte Vorrang erhalten, die den größten Effekt für leistbare Preise, Versorgungssicherheit und Standortqualität bringen. Das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) bündelt dafür die Verfahren nach dem Grundsatz: eine Behörde, ein Verfahren, ein Bescheid.
Zahlen, Daten und Fakten
Preisunterschied AT–DE: Im Winterhalbjahr 2025/26 lag Österreich mit rund 118 Euro pro Megawattstunde über Deutschland mit rund 97 Euro – eine Differenz von rund 21 Euro pro Megawattstunde.
Entkopplung: In 93 Prozent der Stunden war Österreich preislich von Deutschland abgekoppelt.
Mehrkosten: Der Preisunterschied verursachte im Winterhalbjahr rund 600 Millionen Euro Mehrkosten (Annahme: rund 28,8 Terawattstunden Verbrauch).
Einsparpotenzial: Mit der Deutschlandleitung wären 240 Millionen Euro (pessimistisches Szenario, minus 40 Prozent) bis 375 Millionen Euro (optimistisches Szenario, minus 60 Prozent) davon vermeidbar gewesen.
Investition: Die Deutschlandleitung kostet rund 100 Millionen Euro.
Projektumfang: 2,5 Kilometer 380-kV-Leitung und ein 380-kV-Umspannwerk in St. Peter am Hart (Oberösterreich), Projektpartner ist TenneT (Deutschland).
Inbetriebnahme: schrittweise von April bis Dezember 2027.
Zusätzlicher Nutzen: weniger kostspieliger Redispatch und mehr nutzbare erneuerbare Energie.
RÜCKBLICK
Zuletzt präsentierte der Wirtschaftsminister mit APG am 7. April 2026:
APG-Netzentwicklungsplan bis 2035: 9 Milliarden Euro für Österreichs Zukunft – Tempo beim Netzausbau entscheidend
EABG als Schlüssel für schnellere Verfahren und mehr Investitionen
„Der Netzausbau entscheidet, ob Investitionen und Arbeitsplätze zu uns kommen – oder in andere Länder abwandern. Ohne leistungsfähige Netze gibt es keine leistbare Energie, keine industrielle Transformation und keinen wettbewerbsfähigen Standort. Rund 90.000 Beschäftigungsverhältnisse werden gesichert oder geschaffen, gleichzeitig entstehen fiskalische Effekte von rund 2,8 Milliarden Euro. Der Netzausbau ist damit ein zentrales Konjunkturprogramm für Österreich“, betont Wolfgang Hattmannsdorfer bei der heutigen Präsentation des Netzentwicklungsplans durch die Austrian Power Grid (APG).
Der aktuelle Netzentwicklungsplan zeigt den konkreten Ausbaupfad für Österreichs Strominfrastruktur. In den kommenden zehn Jahren sollen rund 9 Milliarden Euro in den Um- und Ausbau des Netzes investiert werden. Damit wird die Grundlage geschaffen, um Versorgungssicherheit, leistbare Energie und wirtschaftliches Wachstum langfristig abzusichern.
Netze als Grundlage für Standort, Digitalisierung und Souveränität
Der Netzausbau ist eine zentrale Voraussetzung für die Zukunft des Standorts Österreich. Er entscheidet darüber, ob Industrie transformieren kann, ob neue Investitionen ins Land kommen und ob Österreich im internationalen Wettbewerb bestehen kann.
Für ein zukunftsfittes Stromnetz braucht es drei zentrale Voraussetzungen:
1. Ausreichende Kapazitäten für steigende Nachfrage
Die Notwendigkeit des Ausbaus wird durch die aktuelle Marktentwicklung deutlich unterstrichen. Derzeit liegen Netzzugangsanfragen von über 10.000 Megawatt aus Wind- und Photovoltaikprojekten vor, zusätzlich haben Rechenzentren einen Bedarf von rund 2.500 Megawatt angemeldet.
„Die Nachfrage zeigt klar: Investitionen folgen der Infrastruktur. Für die Industrie ist entscheidend, dass Strom in ausreichender Menge und zu einem günstigen Preis verfügbar ist. Kapazitätsstarke Leitungen sichern günstige Strompreise. Umspannwerke sind wie große Steckdosen, an die sich Industriebetriebe anschließen können. Der Netzausbau ist daher die Voraussetzung für industrielle Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit“, erklärt Gerhard Christiner, Vorstandssprecher der APG.
2. Leistungsfähige Ost-West-Übertragung
Für ein funktionierendes Energiesystem muss Strom effizient durch ganz Österreich transportiert werden können. Insbesondere die Verbindung zwischen Ost und West ist entscheidend, um erneuerbare Energie optimal zu nutzen und Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
3. Stärkere internationale Anbindung
Günstiger Strom muss auch nach Österreich gelangen können. Eine stärkere Integration in den europäischen Strommarkt – insbesondere durch die Deutschlandleitung – ist daher ein zentraler Bestandteil eines zukunftsfitten Stromsystems.
Konkrete Projekte sichern Transformation
Der Netzentwicklungsplan umfasst eine Vielzahl konkreter Projekte im ganzen Land. Dazu zählen unter anderem der Ausbau im Zentralraum Oberösterreich als Grundlage für die industrielle Transformation – etwa im Bereich klimaneutraler Stahlproduktion –, die Deutschlandleitung zur stärkeren Integration in den europäischen Strommarkt sowie große Netzausbaucluster im Osten Österreichs zur Integration erneuerbarer Energien.
Das größte Projekt, das sich derzeit in Planung befindet, ist der Ausbau der 380-kV-Leitung in Kärnten. Derzeit findet die Detailplanung der Trasse statt, bei der in einem intensiven Stakeholder-Prozess alle wesentlichen Akteure – u.a. Bürgerinnen und Bürger, Gemeinden, Bundesländer, Sozialpartner – eingebunden sind.
Alle Projekte sorgen dafür, dass Strom künftig effizient, planbar und genau dort verfügbar ist, wo er gebraucht wird – in der Industrie, in den Regionen und bei neuen Investitionen.
Netzausbau als Motor für Wachstum und Beschäftigung
Die wirtschaftliche Bedeutung des Netzausbaus geht weit über den Energiesektor hinaus. Die geplanten Investitionen lösen eine breite Dynamik aus: Rund 90.000 Beschäftigungsverhältnisse werden gesichert oder geschaffen, gleichzeitig entstehen fiskalische Effekte von rund 2,8 Milliarden Euro. Insgesamt belaufen sich die Wertschöpfungseffekte auf 6,57 Milliarden Euro. Der Multiplikator liegt mit 1,93 weit höher als der Schnitt von 1,47. Das bedeutet, dass jeder investierte Euro weitere Wertschöpfungseffekte bei den direkten Auftraggebern von 93 Cent in der heimischen Wirtschaft erzeugt.
Der Netzausbau wirkt damit direkt als Konjunkturprogramm für Österreich – von der Bauwirtschaft über die Industrie bis hin zu Planung und Technologie. Ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung bleibt im Land und stärkt nachhaltig den Wirtschaftsstandort.
„Unsere Investitionen sind ein zentraler Wirtschaftsmotor: Sie sichern Beschäftigung, stärken die heimische Wertschöpfung und schaffen die Grundlage für eine erfolgreiche Energiewende“, ergänzt Marcus Karger, Finanzvorstand der APG.
EABG als Schlüssel für schnelleren Ausbau
Damit Strominfrastrukturprojekte rasch umgesetzt werden können, braucht es die richtigen politischen Rahmenbedingungen. Die Bundesregierung hat dazu den Gesetzesentwurf für das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) vorgelegt. Ziel ist es, Genehmigungsverfahren deutlich zu beschleunigen, Zuständigkeiten zu bündeln und Planungssicherheit zu schaffen.
Für den Beschluss im Nationalrat ist jedoch eine Zweidrittelmehrheit erforderlich, wodurch auch Stimmen der Opposition notwendig sind.
„Das EABG ist der Schlüssel, damit der Netzausbau in Österreich endlich Fahrt aufnimmt. Zu lange Verfahren bremsen Investitionen und gefährden unsere industrielle Entwicklung. Wenn wir wollen, dass Betriebe bei uns produzieren und investieren, dann müssen wir die Infrastruktur rechtzeitig bereitstellen – genau dafür braucht es jetzt rasch dieses Gesetz. Ich appelliere an alle Parteien, hier gemeinsam Verantwortung zu übernehmen“, so Wolfgang Hattmannsdorfer.
Weitere Infos zum Netzentwicklungsplan:Netzentwicklungsplan 2025 – Österreich braucht Strom
Über Austrian Power Grid (APG)
Als unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber verantwortet Austrian Power Grid (APG) die sichere Stromversorgung Österreichs. Mit unserer leistungsstarken und digitalen Strominfrastruktur, sowie der Anwendung von State-of-the-art-Technologien integrieren wir die erneuerbaren Energien und reduzieren somit die Importabhängigkeit, sind Plattform für den Strommarkt, schaffen Zugang zu preisgünstigem Strom und bilden so die Basis für einen versorgungssicheren sowie zukunftsfähigen Wirtschafts- und Lebensstandort. Das APG-Netz erstreckt sich auf einer Trassenlänge von etwa 3.500 km, welches das Unternehmen mit einem Team von rund 1.000 Spezialistinnen und Spezialisten betreibt, instand hält und laufend den steigenden Anforderungen der Elektrifizierung von Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie anpasst. Über die Steuerzentrale in Wien wird ein Großteil der insgesamt 67 Umspannwerke, die in ganz Österreich verteilt sind, remote betrieben. Auch 2025 lag die Versorgungssicherheit, dank der engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bei 99,99 Prozent und somit im weltweiten Spitzenfeld. Unsere Investitionen in Höhe von 680 Millionen Euro 2026 (2025:595 Mio., 2024: 440 Mio., 2023: 490 Mio. Euro) sind Wirtschaftsmotor und wesentlicher Baustein für die Erreichung der Energieziele Österreichs. Insgesamt wird APG bis 2034 rund 9 Milliarden Euro in den Netzaus- und Umbau investieren.