ÖH Demo gegen UNI-Budget 2028 bis 2030

Am 22. Oktober demonstrieren Studierende und Universitätsbeschäftigte in Wien gegen die Unterfinanzierung der Universitäten und fordern mehr Geld für Bildung und Forschung.

„Alarmstufe Rot – #UnisRetten!“

Wann: Donnerstag, 22. Oktober 2026

15:00 Uhr: Beginn der Großdemonstration

Wo: TU Wien (Hauptgebäude Karlsplatz), Wien

+ Großdemo der ÖH wegen Einsparungen im Uni-Budget in Wien

Meinbezirk.at (19.10.2026)

+ Pressinformation der Österreichischen Hochschüler_innenschaft (ÖH)

Hintergrund ist das von der Bundesregierung angekündigte Universitätsbudget für die Jahre 2028 bis 2030. Mit rund 16 Milliarden Euro bleibt dieses nominell auf dem bisherigen Niveau. Um die gestiegenen Kosten auszugleichen, wären jedoch mindestens 18 Milliarden Euro notwendig. Damit fehlen den öffentlichen Universitäten rund zwei Milliarden Euro zum geschätzten Mindestbedarf.

Die ÖH warnt vor Verschlechterungen bei Lehrveranstaltungen, Betreuung und Beschäftigungsverhältnissen. Gemeinsam mit Studierenden, Lehrenden, Forschenden und Beschäftigten fordert sie eine ausreichende und langfristige Finanzierung der Hochschulen. Bis zum 31. Oktober kann die Bundesregierung das Budget noch nachbessern.

Im Rahmen des Mediengesprächs wird das ÖH-Vorsitzteam die zentralen Forderungen erläutern und für Interviews zur Verfügung stehen. Medienvertreter_innen sind herzlich eingeladen, am Mediengespräch und an der anschließenden Großdemonstration teilzunehmen.

Die REAKTION der Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner wird die Stimmung am 22. Oktober sicher nicht abkühlen: “Wir haben in einer sehr schwierigen budgetären Situation 16 Milliarden Euro für unsere Universitäten erreicht. Das ist deutlich mehr als noch im Juni beschlossen wurde. Mit der jetzigen Einigung halten wir das Universitätsbudget nominell stabil. Gleichzeitig nehmen wir die Warnungen der Universitäten ernst. Jetzt müssen wir die vorhandenen Mittel verantwortungsvoll einsetzen, klare Prioritäten setzen und notwendige Reformen angehen. Klar ist: Wir werden das Budget nicht auf dem Rücken von Studierenden oder Patient:innen konsolidieren.” (Details: Presseinformation des Bundesministeriums für Frauen, Wissenschaft und Forschung via APA / OTS 19.10.2026

+   Fragen und Antworten zum Budget: https://www.bmfwf.gv.at/unibudget

+ uniko ruft zu Protest gemeinsam mit ÖH am Donnerstag auf

Angesichts dieses Katastrophenbudgets rufen die Universitäten dazu auf, sich am kommenden Donnerstag, 22. Oktober, den Protesten der ÖH anzuschließen.

Presseinformation der Universitätenkonferenz (uniko) via APA / OTS 19.10.2026

+ Was der Budgetbeschluss der Bundesregierung für die Universitäten bedeutet

+ Erste absehbare Folgen der Einschnitte: Personalabbau, neues Center of Physics bleibt ohne Geräte, weniger Nutztierärzte, weniger EU-Förderungen, erste Absagen aus dem Ausland

Die Bundesregierung hat beschlossen, den Universitäten in der Leistungsvereinbarungsperiode 2028-30 16 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Diese Zahl ist aus Sicht der Universitätenkonferenz wie folgt zu lesen:

Die Sparbeiträge, die die Universitäten in der laufenden LV-Periode zur Konsolidierung des Bundeshaushalts bzw. zur Finanzierung des FTI-Pakts beigetragen haben, wurden ihnen nun strukturell abgezogen. Versprochen, auch öffentlich, war, dass diese Beiträge die Ausgangsbasis für die LV 28-30 nicht schmälern würden. Der Presseunterlage, die am vergangenen Samstag von der Regierung verteilt wurde, ist das Gegenteil zu entnehmen.

FTI-Pakt weggekürzt, Ärzte und IT:U künftig aus Uni-Budget, kein Wertausgleich

Die Finanzierung der IT:U (200 Millionen) und der Ärzt:innengehälter (270 Millionen) sind bei Abschluss der laufenden LV zu dem ursprünglich für die Universitäten vorgesehenen Budget extra hinzugekommen. Nunmehr sollen diese Ausgaben aus dem Universitätsbudget von 16 Milliarden Euro bezahlt werden.

Dieser Umstand läuft auf eine nominelle Kürzung des Universitätsbudgets in den Jahren 2028-2030 hinaus.

Kürzungsnotwendigkeit zwischen zehn und fünfzehn Prozent

Hinzu kommt, dass keinerlei Wertausgleich vorgesehen ist. Die Inflation beträgt auf Basis aktueller WIFO-Prognosen etwa zehn Prozent in den drei Jahren. Die Universitäten gehen also von einer Untergrenze von zehn Prozent Sparbedarf, im schlimmsten Fall von bis zu 15 Prozent Kürzungsnotwendigkeiten aus.

Etwaige Unschärfen in den Angaben sind darauf zurückzuführen, dass auch die uniko auf das Zahlenwerk aus den Ministerien angewiesen ist, und dass diese Informationen nicht immer verlässlich oder stimmig sind. So wurde den Universitäten z.B. bis Montagnachmittag nichts Schriftliches über den Budgetrahmen 2028-30 mitgeteilt, außer einer vagen und mit fragwürden Zahlen gespickten Presseunterlage.

Was bedeuten mindestens 10 Prozent Einsparungen?

Die Personalausgaben quer über alle Universitäten betragen knapp 70 Prozent. Der überwiegende Teil der Einsparungen wird daher zwangsläufig das Personal betreffen. Bei aktuell 68.000 Beschäftigten sind das bis zu 6800 Stellen. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass auch das Nicht-Nachbesetzen von Pensionierungen Auswirkungen hat – zwar für die, die bleiben. Sie müssen nämlich die Lücke füllen und die Arbeit der Pensionierten mitmachen. Treffen werden die Sparmaßnahmen vor allem den Nachwuchs, der nicht nachrücken, nicht verlängert oder nicht aufgenommen werden kann.

Auch beim Sachaufwand kann es zu dramatischen Einschnitten kommen: So wird das Center of Physics in Graz gerade neu errichtet, aber es wird das Geld fehlen, es mit modernem Forschungsgerät zu bestücken. Es wird ein schönes Haus ungenutzt bleiben müssen.

Welche Folgen der budgetären Einschnitte sind absehbar?

Die bevorstehenden Einschnitte werden sich bereits 2027 bemerkbar machen. Die Universitäten können kein Personal mehr aufnehmen in dem Wissen, dass dies Folgekosten für die Jahre danach produziert. Sie können auch Investitionen, die Folgekosten verursachen, nicht tätigen.

Folgende Konsequenzen sind absehbar:

+ Studiengänge werden geschlossen.

+ Gefragte – und daher teure – Wissenschafter:innen im Bereich Experimentalphysik und Quantenphysik können nicht wie geplant angeheuert werden.

+ Von ersten Absagen von Forscher:innen aus dem Ausland wird berichtet.

+ Geld für Geräte fehlt.

+ Absehbar ist ein Mangel an Nachwuchskräften für die Umsetzung der Industriestrategie der Bundesregierung.

+ Mit einem Nachwuchsmangel ist auch im Bereich der Kultur, der Blasmusik, generell der Orchestermusik sowie dem Lehramt zu rechnen.

+ Die Vetmed-Universität sieht sich gezwungen, Abstriche bei der Ausbildung im Nutztierbereich zu machen, das wird in der Landwirtschaft zu spüren sein.

+ Start-up-Systeme können nicht wie beabsichtigt unterstützt werden.

+ Das Einwerben von EU-Forschungsförderung wird nicht mehr wie derzeit erfolgen können, weil die Basisfinanzierung fehlt.

+ Die Exzellenzcluster stehen unter Druck.

+ Auch die Diskussion über digitale Souveränität wird ohne ausreichenden Nachwuchs und Forschungsmöglichkeiten obsolet.

+ Der Wissenschaftsstandort Österreich büßt insgesamt an Wettbewerbsfähigkeit ein.

Studienqualität: Mit weniger Geld die gleiche Menge an Studierenden ausbilden zu müssen, läuft zwangsläufig auf eine Verwässerung der Qualität und eine Verschlechterung der Betreuungsverhältnisse hinaus. Mit weniger Geld können die Universitäten einfach nicht dieselben Leistungen erbringen.

Hochschulstrategieprozess nutzen, um Effizienzen im Gesamtsystem zu heben

Die Universitäten fordern, dass der Hochschulstrategieprozess dazu genutzt wird, Effizienzen im gesamten Hochschulsystem zu heben. Die Rektorinnen und Rektoren sind für ihre einzelnen Häuser verantwortlich, aber Korrekturen im Gesamtsystem sind Aufgabe der Wissenschaftsministerin. Die uniko hat mehrfach Vorschläge auch dazu gemacht und fordert mit Nachdruck, dass diese auch gehört und in den Prozess aufgenommen werden.

Vom Sparprogramm zur Perspektivlosigkeit: Diktat zum Universitätsbudget demontiert Österreichs Zukunft

Presseinformation der Konferenz der Senatsvorsitzenden der österreichischen Universitäten (via APA / OTS 19.10.2026)

Die Senatsvorsitzendenkonferenz der österreichischen Universitäten (SVK) äußert starke Kritik an der Einigung der Regierung zu den Einsparungen im Universitätsbudget. Die Deckelung des Universitätsbudgets auf 16 Milliarden Euro entspricht de facto einer enormen Kürzung, die den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Österreich nachhaltig beschädigt, Nachwuchsforscher:innen aus dem System drängt und die soziale Selektion an den Hochschulen massiv forciert.

Mit großer Sorge blicken die Senate der österreichischen Universitäten auf die aktuellen budgetären Weichenstellungen der Regierungsspitze. Die in Aussicht gestellte Summe reicht angesichts der anhaltenden Inflation und gestiegener Betriebskosten bei weitem nicht aus, um den laufenden Betrieb, geschweige denn eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Hochschulen zu sichern. Was politisch als Investition verkauft wird, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als drastisches Sparpaket auf dem Rücken von Bildung, Wissenschaft und Kunst.

Drohender Personalabbau trifft insbesondere den wissenschaftlichen Nachwuchs

Die Konsequenzen dieser beschlossenen Unterfinanzierung sind fatal und werden die Universitäten zu schmerzhaften Strukturmaßnahmen zwingen. Es ist mit einem spürbaren Personalabbau zu rechnen. Besonders dramatisch: Treffen wird es vor allem jene, die die Zukunft unserer Forschungslandschaft tragen – die Nachwuchsforscher:innen. Prekarisierung statt Perspektive, Abwanderung statt Exzellenz: Österreich droht einen irreparablen Brain Drain zu erleiden, weil jungen Talenten die finanzielle Basis entzogen wird.

Eine zutiefst sozial ungerechte Maßnahme mit fatalen Folgen

Gleichzeitig schränken die drohenden Kürzungen die Weiterentwicklung von Curricula, das bisherige Lehrangebot und die Betreuungsverhältnisse in besonderem Maße ein. Dies ist eine zutiefst sozial ungerechte Maßnahme, die die soziale Durchlässigkeit an den Universitäten untergräbt. Es trifft jene Studierende am härtesten, die ohnehin unter schwierigeren Rahmenbedingungen studieren, insbesondere Studierende aus bildungsfernen Schichten. Längere Studienzeiten und mangelnde Unterstützung bauen unüberwindbare Hürden auf. Das Fundament der Chancengleichheit wird hier mutwillig eingerissen. Bildung darf kein Privileg werden, doch diese Budgetpolitik steuert genau darauf zu.

Gefährdung des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorts

Den Universitäten ist klar, dass auch sie einen Beitrag zur Budgetsanierung des Landes leisten müssen. Doch diese Einigung über das Universitätsbudget gefährdet nicht nur eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Universitäten, sondern die Zukunft Österreichs. Jeder Euro, der nicht in die Bildung, Forschung und Entwicklung von Zukunftsperspektiven investiert wird, ist ein enormer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Rückschritt. Ohne eine vitale, angemessen finanzierte Universitätslandschaft verliert Österreich im internationalen Wettbewerb den Anschluss. Innovationen bleiben aus, der Wirtschaftsstandort büßt an Attraktivität ein.

Die Senatsvorsitzendenkonferenz fordert die Bundesregierung daher nachdrücklich auf, diese kurzsichtige Budgetpolitik zu überdenken. Es braucht eine Nachbesserung, die den realen Bedarf der Universitäten abbildet. Investitionen in Wissenschaft und Bildung sind keine Almosen – sie sind das Fundament, auf dem die Zukunft Österreichs gebaut ist.

Für die SVK:

Stefan Krammer, Universität Wien

Edith Gößnitzer, Universität Graz

Annette Mütze, Technische Universität Graz

Andreas Spiegl, Akademie der bildenden Künste Wien

Birgit Willinger, Medizinische Universität Wien

+ Die Universitätspolitik der Bundesregierung: „Danke, wir haben verstanden.“

+ Hochschulstrategie 2040 versus Unibudget 2028 – 2030. Das Ende einer Partnerschaft

Presseinformation des Verbandes des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals der österreichischen Universitäten (ULV) via APA / OTS 19.10.2026

Mit dem Titel „Zukunft braucht Demokratie“ hat Ministerin Holzleitner die Hochschulstrategie 2040 heuer ausgerufen und auch Vertreter:innen des Personals junger Generationen zur Mitarbeit eingeladen. Im Sommer hat sie eine massive Änderung des Arbeitsrechts an den Universitäten versprochen und geblieben ist nur eine kleine Gesetzesänderung zur Berücksichtigung von Karenzzeiten bei befristeten Verträgen – übrigens eine jahrelange Forderung der Gewerkschaft und des ULV – mittels einer Mini-Novelle des Universitätsgesetzes (derzeit in Begutachtung). Der Paukenschlag von gestern jedoch bestätigt die schlimmsten Befürchtungen, dass nämlich die Universitäten kein fortgesetzt angepasstes Budget für die Jahre 2028 bis 2030 erhalten werden, denn nichts Anderes bedeutet die Entscheidung der Regierung, wenn sie die Finanzierung der Unis „nominell“, somit ohne Berücksichtigung von Preissteigerungen, umsetzen will.

Der ULV weist in der Beurteilung dieser Situation auf personalrelevante Argumente hin, die bisher nur als Randnotizen in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurden:

Bei den Gehaltsverhandlungen für 2026 hat sich die gewerkschaftliche Vertretung freiwillig bereit erklärt, einen maßgeblichen Anteil der Finanzierung des Pakts für Forschung, Technologie und Innovation mitzutragen, indem einer deutlich unter der Inflationsrate liegenden Gehaltsanpassung zugestimmt wurde. Zusätzlich war es dem Sog des Gehaltsabschlusses für den öffentlichen Dienst zu verdanken, dass auch die Gehälter für 2027 – deutlicher als damals vorhersehbar – unter der Inflationsrate liegen werden.

Seit gestern wissen wir, dass dieser vermeintlich verantwortungsvolle sozialpartnerschaftliche Zugang falsch war, denn die Regierung anerkennt und respektiert ihn nicht. Finanzminister Marterbauer ist offensichtlich nicht einmal imstande gewesen unseren sozialpartnerschaftlichen Zugang zu bemerken, wenn er zum wiederholten Mal so tut, als hätten die Universitäten in den letzten Jahren rekordverdächtige Spitzenbudgets erhalten und müssten jetzt endlich anfangen zu sparen. Sie und die gesamte Bundesregierung verdienen unser Vertrauen nicht mehr! Sie und die gesamte Bundesregierung wissen ganz genau, wie es um die Arbeitsplätze für das gesamte Uni-Personal bestellt ist:

Unzulässige Arbeitszeitüberschreitungen nicht nur, aber hier im Besonderen bei Teilzeitverträgen, Befristungsquoten bis über 80%, fehlende Karriereperspektiven, intransparente Personalstrukturen, seit über 25 Jahren erodierte Mitbestimmungsmöglichkeiten – und das alles verpackt in ein antiquiertes Kuriensystem mit atemberaubend hierarchischem Gefälle.

Mit Ihrer verfehlten Budgetpolitik machen Sie den letzten Rest dessen kaputt, was an den Unis noch funktioniert und es ist Ihren Versäumnissen zuzuschreiben, dass die aufgezählten Baustellen noch immer nicht saniert sind. Schadensbegrenzung und Korrekturen ließen sich nämlich mit mehr Einsatz im legistischen Bereich, mit professionell geführten Verhandlungen zu den Leistungsvereinbarungen und Wahrnehmung der Kontroll- und Aufsichtsrechte bewerkstelligen.

Selbst die Gehälter der Rektor:innen liegen in Ihrem Einflussbereich, weil sie mit den Universitätsräten verhandelt werden.

Aus unserer Sicht ergeben sich folgende Konsequenzen für das Personal und die Arbeit in den Personalvertretungen:

+ Das Netzwerk der Personalvertreter:innen wird straffer und effizienter werden müssen.

+ Die Rechte der Arbeitnehmer:innen werden deutlicher als bisher in den Fokus rücken.

+ Freiwillige, unbezahlte Mehrarbeit darf es nicht mehr geben.

+ Maßstab unserer Arbeitsleistung sind das Gesetz und die vertraglich festgelegten Dienstpflichten.

+ Wir werden die Zusammenarbeit mit den Vertreter:innen der Studierenden intensivieren.

+ Internationale Kooperationen können nur im Rahmen der budgetären Bedeckbarkeit unterstützt werden.

+ Protestmaßnahmen und Medienarbeit werden intensiviert.

+ Wir bestehen auf eine Kurskorrektur.