Kunstszene und Um:Druck 2006

Nach Einstellung der „Wiener Kunsthefte“ hat ihr Chefredakteur Philipp Maurer mit der auf Druckgrafik spezialisierten Zeitung „Um:Druck“ begonnen. Hubert Thurnhofer als Präsident der IG-Galerien hat in jeder Ausgabe einen Kommentar über Kunst, Kunstpolitik oder die Kunstszene beigesteuert. Der erste Beitrag stammt vom September 2026.

Arbeitsunwillige Studenten - berufene Professoren?

Um:Druck, September 2006

Mit Erscheinen der ersten Ausgabe von UmDruck ist auch die zweite schwarz-blauorange Regierungsperiode schon wieder Geschichte - und es ist keineswegs voreilig, schon jetzt Geschichtsbücher mit dem Resümee zu verfassen, dass auch dieser Regierung die zeitgenössische bildende Kunst - mit Verlaub - scheißegal war. Fast nostalgisch erinnert man sich an den Kunst-ist-Chefsache-Kanzler Viktor Klima und seine an Platidüden unübertroffene Laudatio auf Alfred Hrdlicka anlässlich einer Ausstellungseröffnung im Wiener Künstlerhaus. Vom Schweigekanzler Wolfgang Schüssel bleiben jedoch nicht einmal Platidüden in Erinnerung. Über seinen Kunststaatssekretär wollen wir aber künftigen Generationen warnend ins Stammbuch schreiben: Traue keinem Politiker, der dir die Absetzbarkeit der Kunst verspricht.

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Wiener Kunsthefte 2005

Artikel von Hubert Thurnhofer, damals Vorsitzender der IG Galerien

Museumspolitik: Kassenschlager und Minenbomben

Wiener Kunsthefte, März 2005

Die Evaluierung der Bundesmuseen, fünf Jahre nach ihrer „Entlassung“ in die Vollrechtsfähigkeit, wurde von den Medien bereits ausreichend als Gefälligkeitsgutachten zum Preis von 100.000 Euro gewürdigt. Neben anonymen, aber den Häusern durchaus gewogenen Gutachtern hat das Marktforschungsinstitut FESSEL-GfK erhoben, wie bekannt und beliebt die Museen bei den Österreichern und Österreicherinnen sind. Schöne, rosarote Balkengrafiken dieser Umfrage bilden denn auch den Kern des vom bm:bwk publizierten Resümes: 27 von 47 Seiten klären uns auf über so wichtige Fragestellungen wie “Steht der heutige Museumsbesuch im Zusammenhang mit einem im Unterricht behandelten Thema?“, „Hat es dir hier im TMW / in der Albertina / im KHM gefallen?“, „Trifft die folgende Aussage zu: Die Leute, die hier im Museum arbeiten, sind freundlich und nett.“

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Wiener Kunsthefte 2004

Artikel von Hubert Thurnhofer, damals Vorsitzender der IG Galerien

Entweder Kult oder -ur

Wiener Kunsthefte, März 2004

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, hier mal über den österreichischen Tellerrand hinaus zu blicken und über meinen jüngsten Besuch der Finanzmetropole Frankfurt zu berichten. Dort nämlich hatte ich die Gelegenheit, das von Hollein dem Älteren geplante Museum Moderner Kunst (MMK) sowie die von Hollein dem Jüngeren geleitetete Schirn-Kunsthalle zu besuchen. Während im Schirn derzeit monumentale Arbeiten von Julian Schnabel hängen, hat das MMK einige von Warhols „Time Capsules“ – Reliquien aus den Umzugskartons des Künstlers – vor dem Publikum ausgebreitet.

Eigentlich wollte ich hier Zusammenhänge zwischen Finanzmetropolen und Kunstmetropolen herstellen, die kultischen Aspekte moderner Museumsarchitektur beleuchten, sowie die auf  Superstars reduzierte Museumspolitik hinterfragen, um schließlich vor dem Leser das brisante Resümee auszubreiten, dass zeitgenössische Museen in Wahrheit als architektonische Kultstätten den Sakralbau abgelöst haben, und die in diesen Sakralbauten ausgestellten Werke dementsprechend ausschließlich kanonisierte Reliquien des Kunstolymps sein müssen und somit diese Inszenierungen der Moderne absolut keinen Raum für einen Dialog mit der zeitgenössischen Kunst in ihrer Gesamtheit mehr übrig lassen

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