EREIGNISSE
„Als ich acht Jahre alt war, marschierte Hitler in Wien ein. Das Haus, in dem wir wohnten, jubelte dem Retter zu. Mir aber wurde auf demütigendste Weise klargemacht, daß ich der Sohn eines Juden war.“ (39)
„Wir sind einander Kindheit. Mitten im Krieg hatten wir die Träume von höchster Kunst. Elfjährig waren wir die Besten in der Klasse der Verstoßenen. Erich Brauer war im Judenstern gefangen, ich im Kloster zum heiligen Joseph in der Rückertgasse in Ottakring. Zeugnisse unserer Kunst wurden zwischen den Schulen ausgetauscht.“ (49)

Wikipedia: 1972 erwarb er die Otto-Wagner-Villa, die heute als Ernst-Fuchs-Museum genutzt wird
„Meine ersten Lebensjahre waren vom schwelenden Antisemitismus, der Judenfeindlichkeit im allgemeinen, nicht betroffen. War ich doch weder beschnitten noch katholisch getauft; in keiner der beiden noch in anderer Religion erzogen. […hingegen] war er [der Vater Sigmund Fuchs] bereit, seine Herkunft zu leugnen oder darin etwas Negatives zu sehen; was übrigens gar nicht selten unter den assimilierten Wiener Juden vorkam. […] Übertriebene Frömmigkeit sah man allgemein als ‚meschugge‘ an. Dieser Bereich war den Kaftanjuden vorbehalten. Man hielt sie auf Distanz.“ (74 ff)
„In Düsseldorf [1942] gab es keine Nazis. Seltsam, ‚das Reich‘ hatte ‚die Schnauze voll‘. Trotz aller Bombardements war es eine Art Himmel für mich. … Wir wurden mehrere Male verschüttet und ausgebombt. Trotzdem war es eine schöne Zeit für mich. Im Gegensatz zu Wien hatte ich im ‚Reich‘ nicht unter schikanösen antisemitischen Angriffen zu leiden.“ (228)
„Der sowjetische Major, der bei uns [1945] einquartiert war, pflegte auf mürrische Art die kulturelle Überlegenheit der Sowjetmacht zu bekunden. […] Welch ein Kontrast, die freundlichen, an allem interessierten, ja beflissenen Amerikaner zu sehen!“ (245)
„Was von Wien ausging und später von Johann Muschik ‚Wiener Schule‘ genannt wurde, war schon in den frühen fünfziger Jahren ein brisantes Saatgut. Die Gruppe der Surrealisten und Phantasten war sich ihrer revolutionären Rolle gegenüber der gegenstandslosen Kunst bewußt. Wir wurden zum Sammelpunkt des Widerstandes. Und das sind wir bis heute geblieben. So ist es kein Zufall, daß ich 1950 Salvador Dalí als Protektor meiner Kunst kennen- und schätzengelernt habe.“ (176)
In einem halben Jahrhundert hat Paris viele Phasen der Veränderung durchgemacht. Die Stadt ist reicher geworden, gerade dort, wo sie am ärmlichsten erschien – im Quartier Latin.“ (177)
„Kaum daß ich zwei Wochen in Wien ertragen hätte. Im Vergleich zu Paris, Turin oder Venedig war Wien zu Beginn der fünfziger Jahre immer noch ein finsterer Trümmerhaufen.“ (196)
„Die Sommer, die ich Ende der fünfziger Jahre mit Erich Brauer in Israel verbrachte, sie waren noch friedlich, nicht politisch verhetzt. […] Erich fand in Israel eine wunderbare, eine schöne Frau: Neomi.“ (258)

[Anm. HTH: 1994 malte Ernst Fuchs das Porträt von Josef von Ferenczy, den legendären Medienzaren, Strippenzieher und Brückenbauer. Als adeliges Kind am 14. April 1919 in Kecskemét geboren, 1944 von den Nazis interniert, ergriff er 1951 die Flucht vor den Kommunisten. Völlig mittellos gelangte er über Wien nach München, wo er eine einzigartige Medienkarriere und in hohem Alter einen ebenso tragischen Absturz erlebte. Bereits 1957 gründete Ferenczy seine erste Medienagentur, die Ferenczy-Presseagentur (FPA). Tragisch war der frühe Tod seiner beiden Söhne, beide starben im Alter von 52 Jahren, Csaba 1993 und Andreas 1996. In der Nachfolgefrage war er daher auf Kooperationspartner angewiesen, wobei er bei der Auswahl keine gute Hand hatte, sodass 2001 seine Firma Ferenczy Medienhaus GmbH & Co KG Insolvenz anmelden musste. Sein Privatvermögen wurde veräußert, ihm blieb nur noch das Wohnrecht in seiner Villa in Grünwald, wo Ferencz am 29. Mai 2011 starb.
Das Porträt, das Ernst Fuchs von Ferenczy 1994 gemalt hat (Öl auf Leinwand, 64×80 cm), gelangte über ein deutsches Auktionshaus in die Hände eines österreichischen Sammlers.
„Ferenczy. Die Erfindung des Medienmanagements“ nannte Peter Glotz sein Buch über Ferenczy, das 1998 im Bertelsmann-Verlag erschienen ist.]