Erinnerungen. Verlegt bei Kindler 2001
Der „Malerfürst“ Ernst Fuchs (13.2.1930 – 9.11.2015) hatte viele Frauen. Man darf darüber spekulieren, ob er mehr Kinder als Frauen hatte, oder umgekehrt. Verbürgt sind, gemäß Zeittafel seines Buches (S 438 f), folgende Kinder: „1947 Hochzeit mit Gertrude Baschnegger. Aus dieser Ehe gehen zwei Söhne hervor, Elias und Daniel Friedemann … 1951 Mia Williams bekommt von Ernst Fuchs die Tochter Lucretia. [„Wie unbeschreiblich schön war doch der Anfang unserer Liebe gewesen. … Mia war mädchenhaft, dabei gutbürgerlich gekleidet, schon fast eine Dame. (S 137)] 1952 dritter Sohn Michael wird geboren, das erste Kind mit seiner zweien Ehefrau Geri Krongold … 1961 Hochzeit mit Eva-Christina Postl in Wien. 1962 Geburt des Sohnes Emanuel. Aus der Ehe gehen noch drei weitere Kinder hervor: Angelika, Tillmann und Marie. … Geburt des Sohnes Michael, Ernst Fuchs‘ Sohn mit Stefanie Messnner. Aus dieser Verbindung gehen vier weitere Kinder hervor: Georg (*1979), Baruch (*1982), Adam (*1988) und Deborah (*1989). 1989 Geburt von Moritz, dem ersten Sohn mit Uta Saabel. Aus dieser Verbindung geht später auch der Sohn Julian hervor.“ In Summe demnach 15 Kinder.

Wikipedia: Ernst Fuchs 2007 + Moses-Brunnen in Wiener Neustadt, 1997
In den Erinnerungen kommen die ersten zwei Kinder nur am Rande vor: „Während wir in Paris ein schrecklich kümmerliches Dasein fristeten, nahm sich Else Stowasser [die Mutter von Friedensreich Hundertwasser] meiner ersten Frau Trude und unsere Kinder Elias und Daniel an.“ (128) Mia lernt er in Wien kennen und trifft sie später wieder in Paris. „Mia wurde schwanger, der Himmel unserer Liebe schwarz und wolkenschwer. Jetzt hieß es Ruhe bewahren…“ (143) Seine Zweite Frau, die Amerikanerine Geri, lernt er in Paris kennen. Bei der Geburt ihres Sohnes stirbt sie beinahe und flieht danach aus Paris. Fuchs folgt ihr nach Amerika, gemeinsam mit dem kleinen Michael, bis er Geri schließlich in Los Angeles findet. Sie nimmt das Baby zu sich und lässt Ernst wieder sitzen.
Nach mehreren Erleuchtungserlebnissen kehrt Fuchs nach Paris zurück; am Rande erfährt der Leser, dass dort das Baby von Mia bereits existiert. Mehr kann man über ein Wesen in der Stadt der Existenzialisten nicht sagen, denn dass Mia mit Kind auf ihn gewartet hätte, oder gar von einem neuerlichen Aufflackern seiner alten Gefühle war nirgends die Rede. Über einen Umweg nach Wien (auch dort haben keine Kinder auf ihn gewartet, wenn man der Chronologie der Ereignisse folgt) geht er zur Vertiefung seiner Erleuchtungen nach Israel, wo er ein halbes Jahr in einem Benediktiner Kloster unter kommt und ein Altarprojekt beginnt.
Die rein quantitative Präsenz seiner Familie hinterlässt den Eindruck, die einzige Frau, die für Fuchs so wichtig war, dass er ihr mehrere Kapitel seines Buches gewidmet hat, ist ihm davon gelaufen; Mia widmet er immerhin manch nostalgishe Erinnerungen; alle anderen waren ihm egal. Was soll man dazu sagen? Man kann einen spirituellen Menschen unmöglich so unmöglich machen, werden Anhänger von Ernst Fuchs sagen. Aber man muss, muss ein Moralphilosoph antworten. Dieser Moralphilosoph will aber nicht moralinsauer darüber urteilen, ob ein großer Künstler seiner Verantwortung als Vater nachgekommen ist. Das können nur seine Frauen (verheirater oder nicht) beurteilen.
Um Ernst Fuchs gerecht zu werden, muss man Peter Paul fragen. (Das ist sein Taufname, den er 1939 als Neunjähriger gewählt hat. Nicht in Verehrung für Rubens, sondern im damaligen Bewusstsein „ich bin Rubens“.) Die Erinnerungen von Fuchs kann man in drei Teile gliedern.
1. Ereignisse (Chronologie, Geschichten im traditionellen Sinne von Memoiren).
2. Erlebnisse (insbesondere seine inneren Entwicklungen, seine Visionen und ästhetischen Betrachtungen).
3. Erfahrungen (insbesondere die zahlreichen Fahrten ins Ausland, damit verbundene Lebenserfahrungen und im traditionellen Sinne: Berufserfahrungen).
EREIGNISSE
„Als ich acht Jahre alt war, marschierte Hitler in Wien ein. Das Haus, in dem wir wohnten, jubelte dem Retter zu. Mir aber wurde auf demütigendste Weise klargemacht, daß ich der Sohn eines Juden war.“ (39)
„Wir sind einander Kindheit. Mitten im Krieg hatten wir die Träume von höchster Kunst. Elfjährig waren wir die Besten in der Klasse der Verstoßenen. Erich Brauer war im Judenstern gefangen, ich im Kloster zum heiligen Joseph in der Rückertgasse in Ottakring. Zeugnisse unserer Kunst wurden zwischen den Schulen ausgetauscht.“ (49)

Wikipedia: 1972 erwarb er die Otto-Wagner-Villa, die heute als Ernst-Fuchs-Museum genutzt wird
„Meine ersten Lebensjahre waren vom schwelenden Antisemitismus, der Judenfeindlichkeit im allgemeinen, nicht betroffen. War ich doch weder beschnitten noch katholisch getauft; in keiner der beiden noch in anderer Religion erzogen. […hingegen] war er [der Vater Sigmund Fuchs] bereit, seine Herkunft zu leugnen oder darin etwas Negatives zu sehen; was übrigens gar nicht selten unter den assimilierten Wiener Juden vorkam. […] Übertriebene Frömmigkeit sah man allgemein als ‚meschugge‘ an. Dieser Bereich war den Kaftanjuden vorbehalten. Man hielt sie auf Distanz.“ (74 ff)
„In Düsseldorf [1942] gab es keine Nazis. Seltsam, ‚das Reich‘ hatte ‚die Schnauze voll‘. Trotz aller Bombardements war es eine Art Himmel für mich. … Wir wurden mehrere Male verschüttet und ausgebombt. Trotzdem war es eine schöne Zeit für mich. Im Gegensatz zu Wien hatte ich im ‚Reich‘ nicht unter schikanösen antisemitischen Angriffen zu leiden.“ (228)
„Der sowjetische Major, der bei uns [1945] einquartiert war, pflegte auf mürrische Art die kulturelle Überlegenheit der Sowjetmacht zu bekunden. […] Welch ein Kontrast, die freundlichen, an allem interessierten, ja beflissenen Amerikaner zu sehen!“ (245)
„Was von Wien ausging und später von Johann Muschik ‚Wiener Schule‘ genannt wurde, war schon in den frühen fünfziger Jahren ein brisantes Saatgut. Die Gruppe der Surrealisten und Phantasten war sich ihrer revolutionären Rolle gegenüber der gegenstandslosen Kunst bewußt. Wir wurden zum Sammelpunkt des Widerstandes. Und das sind wir bis heute geblieben. So ist es kein Zufall, daß ich 1950 Salvador Dalí als Protektor meiner Kunst kennen- und schätzengelernt habe.“ (176)
In einem halben Jahrhundert hat Paris viele Phasen der Veränderung durchgemacht. Die Stadt ist reicher geworden, gerade dort, wo sie am ärmlichsten erschien – im Quartier Latin.“ (177)
„Kaum daß ich zwei Wochen in Wien ertragen hätte. Im Vergleich zu Paris, Turin oder Venedig war Wien zu Beginn der fünfziger Jahre immer noch ein finsterer Trümmerhaufen.“ (196)
„Die Sommer, die ich Ende der fünfziger Jahre mit Erich Brauer in Israel verbrachte, sie waren noch friedlich, nicht politisch verhetzt. […] Erich fand in Israel eine wunderbare, eine schöne Frau: Neomi.“ (258)

[Anm. HTH: 1994 malte Ernst Fuchs das Porträt von Josef von Ferenczy, den legendären Medienzaren, Strippenzieher und Brückenbauer. Als adeliges Kind am 14. April 1919 in Kecskemét geboren, 1944 von den Nazis interniert, ergriff er 1951 die Flucht vor den Kommunisten. Völlig mittellos gelangte er über Wien nach München, wo er eine einzigartige Medienkarriere und in hohem Alter einen ebenso tragischen Absturz erlebte. Bereits 1957 gründete Ferenczy seine erste Medienagentur, die Ferenczy-Presseagentur (FPA). Tragisch war der frühe Tod seiner beiden Söhne, beide starben im Alter von 52 Jahren, Csaba 1993 und Andreas 1996. In der Nachfolgefrage war er daher auf Kooperationspartner angewiesen, wobei er bei der Auswahl keine gute Hand hatte, sodass 2001 seine Firma Ferenczy Medienhaus GmbH & Co KG Insolvenz anmelden musste. Sein Privatvermögen wurde veräußert, ihm blieb nur noch das Wohnrecht in seiner Villa in Grünwald, wo Ferencz am 29. Mai 2011 starb.
Das Porträt, das Ernst Fuchs von Ferenczy 1994 gemalt hat (Öl auf Leinwand, 64×80 cm), gelangte über ein deutsches Auktionshaus in die Hände eines österreichischen Sammlers.
„Ferenczy. Die Erfindung des Medienmanagements“ nannte Peter Glotz sein Buch über Ferenczy, das 1998 im Bertelsmann-Verlag erschienen ist.]
ERLEBNISSE
„Die Masse verursacht die Vereinzelung des Künstlers und sein seltsames Hervortreten aus der Gesellschaft. Sie bringt auch das schwer zu bewertende Lob seines Werkes hervor, das über Generationen hin wirksam bleibt.“ (58)
„Der Philosoph mag sich immer wieder fragen: Wie kann das eine ohne das andere sein, wie kann das Immaterielle doch Etwas sein? Eine Antwort ist nur im Glauben an den Geist zu finden. Glaube aber gründet in der Vision, die allzu oft als Gegenwelt in Erscheinung tritt.“ (59)
„Meine Mutter war immer bei mir und der beste Spielgefährte, … Und wenn ich es später bewußt bedachte, wußte ich immer, erkannte es mit tiefer Freude, daß Gott mir keine bessere Mutter hätte finden können … Mein Vater hingegen war der Held, der alles wußte und erklären konnte, wonach ich ihn fragte. Er hatte die englische Sprache erlernt und lehrte mich, sie zu sprechen, schon in ganz jungen Jahren.“ (71) So verschiedenartig sie waren, sowenig sie zueinander paßten (wie ich viel später, als mein Vater 1939 nach Shanghai emigrierte, begriffen habe), für mich waren sie eine Person; alle ihre gegenseitigen Spannungen fühlte ich in mir“ (72)
„Ich war stolz, als Jude zu gelten, auch wenn ich darunter zu leiden hatte. Nie habe ich meine Abstammung verleugnet.“ (83)
„Als ich 1942 getauft werden sollte und Taufunterricht in der Pfarre St. Thekla erhielt, verstand ich Jesu Wesen und Leben als eminent jüdisch und war begeistert von allem, was ich über ihn hörte und lernte.“ (84)
„Mir wurde schon 1946 klar, daß ich geborener Symbolist war. Mein Interesse an Experimenten war übergroß. Technisch wie formal gab es nichts, was ich an Einflüssen nicht in mich aufgenommen und durchgemacht hätte. […] Mein Lehrer Albert Paris Gütersloh nahm dies schmunzelnd zur Kenntnis.“ (112 f)
„…meine Moral bestand in dem Bekenntnis, gefallen zu wollen, wirken zu wollen und meine Kunst auch zu verkaufen. […] Haben denn die Künstler aller Epochen nicht davon gelebt, Aufträge anzunehmen und Wünsche zu erfüllen? […] Dieser Dünkel der Moderne brachte die Kultur Europas zu Fall. Wie falsch ist doch das moralisierende Getue der Kunstgelehrten! Es strotzt vor unfreiwilliger Komik.“ (119)
„Nie wieder sollte eine Frau die Macht haben, mich zu verstoßen. Immer mußte ich auch eine andere haben, um mich vor dem Schlimmsten, dem Verlust der Geliebten, zu bewahren. Wie blöde, wie krankhaft und sinnlos war diese prophylaktische Haltung.“ (139)
„Die Rollen, die wir spielen, sind schon geschrieben. Nicht vorher, nicht nachher, sie sind da durch unser Sein im ewigen Jetzt“. (145)
„Jedes Bild ist eine Sphinx. Das Leben zu beschreiben in Erinnerung an das Einst, ist sehr verschieden vom Bilderschauen, Bildermachen, Tempelbauen. Und weil alle Künste so unvereinbar scheinen und doch dem Menschsein dienen, gilt all mein Streben und Leben dem Erschaffen des Gesamtkunstwerkes, dem Zeugnis ästhetischen Erlebens im All-Sein.“ (145)
„In den ersten Jahren in Paris hatte ich jede Verantwortung von mir gewiesen, doch mein Gewissen konnte ich nicht beschwichtigen: Die Freiheit, die ich suchte, wurde mir zum Gefängnis.“ (191)
„Die Wiener Krankheiten: Neid und Bosheit. Nirgendwo, in keiner Stadt der Welt, habe ich da, wo das Künstlervolk sich traf, soviel Eifersucht, Haß und Neid getroffen wie in der Wiener Bohème. Was das anging, war vor allem Kalifornien geradezu ein Paradies.“ (346f)
ERFAHRUNGEN
„Die Pariser Jahre standen unter dem Unstern einer maßlos unglücklichen Liebe: meiner Liebe zu Geri Krongold. Dieses leidvolle, peinigende Verhältnis dauerte sechs Jahre. Ihretwegen verließ ich meine Maiblume Mia. Und immer wieder versuchte ich, mich durch andere Liebschaften aus dieser unglücklichen Beziehung zu lösen. Ein Teufelskreis, den ich nicht durchbrechen konnte.“ (155)
„Auf Einladung von Michell Vian hin, in die ich verliebt war, verbrachte ich den Sommer des Jahres 1950 in St. Tropez, das damals noch ein unbekanntes Fischerdorf war.“ (157)
„Turin ist eine faszinierende Stadt. Sie kommt mir vor, als hätte Giorgio de Chirico sie erfunden, indem er an Nietzsches Delirium dachte. Über den internationalen Art Club kam 1950 in der Turiner ‚Galleria Nuova Bussola‘ eine Ausstellung zustande, in der auch Bilder von mir gezeigt wurden. Es wurde einiges verkauft, und auch die Presse nahm die Gruppenausstellung gut auf, wie schon meine Ausstellung im Jahr zuvor in der ‚Galerie du Siècle‘ in Paris.“ (158)
„In Turin lebte auch der Textilhändler und Kleiderfabrikant Franco Vallora. Er war eine Künstlernatur und spielte vorzüglich Geige. Ich malte sein Porträt. Er kleidete mich ein;“ (161)
„Im heiligen Jahr 1950 wurde Papst Pius XII. von den Schweizer Gardisten auf dem Tragestuhl hoch über die Menge getragen. Unter den Tausenden Menschen auf dem Petersplatz standen Mia und ich. Ganz benommen sahen wir dem Schauspiel zu. Das war ein Jubel, unbeschreiblich! […] Die Verkündigung des Dogmas von der lieblichen Aufnahme Mariae in den Himmel macht auf mich einen starken Eindruck. Das neue Dogma brachte der Christenheit etwas in Vergessenheit Geratenes in Erinnerung: die Auferstehung des Fleisches! Existentialismus, Kommunismus, Materialismus in allen Varianten hielten weltweit das Geistesleben des Menschen gefangen.“ (171)
„Auch in der Chronologie meines Lebensweges als Künstler war das Jahr 1950 von großer Bedeutung, denn damals hatte ich meine erste große Ausstellung in Wien. Die Buchhandlung ‚Cosmos‘ in der Wollzeile war der Schauplatz dieses entscheidenden Ereignisses.“ (173)
„Der Existentialismus war eine Seuche, eine Krankheit, der sich kaum einer entziehen konnte. […] Unsere kleine Gruppe, die Saint-Germain-des-Prés und Montparnasse ihren Stempel aufprägte, war für schaulustige Touristen und sonstige Outsider das Vorzeigesymptom des Existentialismus – obwohl wir uns kaum als dessen legitimen Auswuchs sahen.“ (219)
„Die damals jedem Kunstfreund bekannten Namen sagen der nachgeborenen Generation nichts, jedenfalls nicht das, was ihre damalige Glorie ausmachte.“ (221)
USA 1955-57: „Mein ‚Kalifornischer Sommer‘ sollte der wichtigste Abschnitt in meinem Leben werden. Die Ahnung vom Überschreiten einer Grenze sollte sich dabei auf manigfache Weise erfüllen.“ (283)
„Mit einer schriftlichen Empfehlung an den Mäzen des New Yorker Balletts Lincoln Kirstein ausgestattet, erlangte ich – was meine Schwiegereltern in höchstes Erstaunen versetzte – eine Börse von fast dreihundert Dollar monatlich. Davon konnte ich mit Frau und Kind leben. […] ‚Take it easy!‘ war das beherrschende Motto. Keine existentialistische Schwärze, sondern fatalistische Heiterkeit war en vogue.“ (287)
„Bald danach landeten wir [mit dem Baby, auf der Suche nach Geri] in Phonix, Arizona. Die kurze Zwischenlandung wirkte auf mich wie der Besuch eines anderen Planeten. Der klare, tiefblaue Himmel, Weltraumstille, trockene Luft …“ (291)
„Unterdessen wuchs mein amerikanischer Freundeskreis zu einer Fangemeinde heran. Ich hatte wieder zu malen begonnen: Miniaturgemälde von einzigartiger Rein- und Feinheit, die allseits Bewunderung erregten.“ (304)
„Es sprach sich herum. Ich wurde in alle magischen Zirkel eingeladen. Es gehörte zu den Gepflogenheiten in Los Angeles, Mystisches zu besprechen – denn, wie gesagt, es war dem Existentialismus nicht gelungen, ins neue Heilige Land Kalifornien vorzudringen.“ (315)
„Aus Paris erreichten mich positive Nachrichten. Madame Metzger hatte einiges Geld von meinen Schuldnern einfordern können und sandte es mir, so daß meine Heimkehr nahe bevorstand.“ (333)
„So kam der Tag heran, an dem ich in Richtung Quebec aufbrach, um mich auf der ‚Arosa Star‘ einzuschiffen. Kanada, das ich für einen Tag und einige Stunden sah, machte mir einen riesigen, menschenleeren Eindruck. […] Diese Dimensionen kosmischer Art, die dem nordamerikanischen Kontinent eigen sind, waren hier noch stärker zu spüren.“ (335)
„Die Galerien des Quartier Latin [in Paris] hatten sich allesamt einer Art Neodadaismus verschrieben; was da geboten wurde, war in meinen Augen keine Kunst. Vor allem war es die Galerie ‚Iris Clair‘, die sehr geschickt Künstler kreierte. Ihr bestes Zugpferd war Yves Klein. […] Eine Farce jagte die andere, und das ging noch eine Weile so, bis ‚Pop-art‘ aus Amerika Paris eroberte.“ (338 f)
„Kurz darauf fuhr ich nach Wien – in eine freies Wien, denn während meiner Abwesenheit hatte Österreich den Staatsvertrag unterzeichnet, und die Besatzungsmächte waren abgezogen. Ein Aufschwung folgte, der wieder einmal alles veränderte.“ (342)
„Fred Adlmüller wußte, daß er mir mit der Bezahlung seines Porträts die Reise nach Israel finanzierte. So machte ich mich 1957 auf in das ‚wahre‘ heilige Land. Erste Station des Schiffes war Brindisi.“ (348)

„Damals war ich 28 bis 29 Jahre alt und dachte keineswegs daran, meine zweifelhaften Erfolge [Auftrag für ein großformatiges Altarbild in der Rosenkranzkirche, Wien] als entscheidenden Durchbruch zu bewerten. Meine gesamte Situation veränderte sich aber mit ungeheurer Geschwindigkeit.“ (394) „Die Bilder der Rosenkranzkirche waren von Anfang an heftig umstritten – vor allem schieden sich die Geister im Bereich des Klerus.“ (393)
„Nun sollte Eva-Christina mich immer begleiten. Auf meine erste Reise, die mich kurz zum Besuch der Biennale 1960 nach Venedig führte, wo Hundertwassers Gesamtwerk im österreich-Pavillon gezeigt wurde, durfte sie mich aber noch nicht begleiten.“ (402)
„Eva-Christina wurde im Spätsommer 1961 meine Frau und brachte, kaum daß das neue Jahr begonnen hatte, unseren Sohn Emanuel zur Welt. Wien sollte unser Hauptquartier werden.“ (407)
[Anm. HTH: für die kommenden 40 Jahre im Leben und Schaffen von Ernst Fuchs bleiben dem Autor genau 40 Seiten.]