Hasek Jaroslav: Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk

1. Oktober 2026 – Zu erwähnen ist an erster Stelle die kongeniale Übersetzerin Grete Reiner, ohne die den deutschsprachigen Lesern dieses Standardwerk der tschechischen Literatur wohl nie in dieser einzigartigen Qualität überliefert worden wäre. Wikipedia: Grete Reiner-Straschnow (geboren als Margarethe oder Margarette Stein 7. Dezember 1891 in Prag, Österreich-Ungarn; gestorben vor 10. März 1944 im KZ Auschwitz) war eine Übersetzerin und Herausgeberin.

Jaroslav Hašek (* 30. April 1883 in Prag, Österreich-Ungarn; † 3. Januar 1923 in Lipnice nad Sázavou, Tschechoslowakei) war ein tschechischer Schriftsteller, der vor allem durch seine literarische Figur des „braven Soldaten Švejk“ berühmt wurde.

Der dritte im Bunde Karel Vaněk (geboren 17. März 1887 in Černý Kostelec, Böhmen, Österreich-Ungarn; gestorben 18. Juli 1933 in Prag) war ein tschechischer Journalist und Schriftsteller, war mit Jaroslav Hašek befreundet. Als dieser 1923 während der Arbeit am mehrteiligen Roman Der brave Soldat Schwejk plötzlich starb, wurde Vaněk vom Verleger Synek beauftragt, den angefangenen vierten Teil fertigzustellen. Vaněks Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk in Russischer Gefangenschaft erschien 1923.

Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk Folge 01 mit Fritz Muliar in der Hauptrolle.

Dieses Kapitel und das Buch endet mit dem Absatz:

„Leutnant Dub, dem der schreckliche Fusel in den Kopf gestiegen war, klopfte mit dem Finger auf den Tisch und wandte sich aus heiterem Himmel an den Hauptmann Sagner: ‚Mit dem Bezirkshauptmann zusammen haben wir immer gesagt: Patriotismus, Pflichttreue, Selbstüberwindung, das sind die richtigen Waffen im Krieg. Ich erinnere mich gerade heute daran, wo unsere Armee in absehbarer Zeit die Grenzen überschreiten wird.“

Es passt in diese besoffene, verkehrte Zeit und zu diesem kurzen Einblick in einen der wohl wichtigsten Anti-Kriegsromane (neben Karl Kraus, „Die letzten Tage der Menschheit“), mit dem Anfang zu enden:

„Also sie ham uns den Ferdinand erschlagen“, sagte die Bedienerin zu Herrn Schwejk, der vor Jahren den Militärdienst quittiert hatte, nachdem er von der militärärztlichen Kommission endgültig für blöd erklärt worden war, und der sich nun durch den Verkauf von Hunden, häßlichen, schlechtrassigen Scheusälern, ernährte, deren Stammbäume er fälschte. Neben dieser Beschäftigung war er vom Rheumatismus heimgesucht und rieb sich gerade die Knie mit Opodeldok ein.

AUF  DEN  TOD  EINES  TSCHECHISCHEN  HUMORISTEN

Von Egon Erwin Kisch (aus seinem Tagebuch, Nr. 3/2023)

Die  Lokalreporter  haben  ihn  vorgestern  begraben.  Die  Literaturkritik  hat  ihm  kein  Wort  geweiht,  denn  er  war  kein  seriöser  Mensch. Bei  Gott,  das  war  er  nicht!  Noch  über  seinen  jungen  Tod  hinaus muß  man  über  ihn  lachen.

Vor  allem:  Jaroslav  Hasek  war  beinahe  immer  betrunken.  Der Rausch  löste  seine  Zunge,  und  er  begann  in  den  Schankstuben  den Leuten  verschiedene  Dinge  zu  erzählen.  Dabei  blieb  sein  feistes Gesicht,  das  eine  frappante  Ähnlichkeit  mit  dem  Balzacs  hatte, immer  ganz  ernst,  nur  seine  Schweinsäuglein  schienen  ironisch  zu blinzeln  —  aber  das  konnte  auch  Täuschung  sein.  Er  erzählte  das Unwahrscheinlichste,  die  Einwände  seiner  Zuhörer  widerlegte  er, und  dann  nahm  er  ein  Briefpapier,  schrieb  alles  nieder  und  trug  die Geschichte  in  die  nächstgelegene  Redaktion,  das  Honorar  zu  vertrinken.  Bekam  er  —  mit  Hinweis  auf  seine  Vorschüsse  —  keins,  so pumpte  er  den  Redaktionsdiener  Sefrna  an  und  schrieb  dann  für die  politischen  Gegner  oder  die  journalistische  Konkurrenz  ein Feuilleton,  daß  die  Mitarbeiter  des  „Ceske  slovo“  genötigt  seien, sich  vom  Redaktionsdiener  Sefma  Geld  auszupumpen.  Oder  er verdingte  sich  als  Arbeiter  und  lud  vor  dem  Redaktionslokal  Eis  ab. Dabei  hielt  er  Reden,  bis  sich  Leute  ansammelten  und  die  Redaktion ihn  hinaufholen  lassen  mußte.  Reden  hielt  er  überhaupt  gern.  Seine Partei  hieß  „Partei  des  gemäßigten  Fortschrittes  in  den  Grenzen  des gesetzmäßig  Erlaubten“,  und  er  hielt  für  sie  über  tausend  Wählerversammlungen  ab.  Am  Schluß  einer  jeden  sammelte  er  für  den Wahlfonds,  über  dessen  Zweck  er  jeden  Zweifel  ausschloß.  Er versoff  ihn  an  Ort  und  Stelle.

Seine  tausend  begangenen  und  geschriebenen  Streiche  aufzuzählen  ist  so  unmöglich  wie  bei  Mark  Twain.  Aber  eine  Figur  hat  er geschaffen,  die  geradezu  von  historischer  Bedeutung  ist:  den  „guten Soldaten  Schwejk“,  den  tschechischen  Soldaten,  der  als  dumm  gilt und  so  folgsam  ist,  daß  er  den  ganzen  Dienstbetrieb  vernichtet.  In seiner  aktiven  Resistenz  steckt  er  als  Wachposten  das  Pulvermagazin  in  Brand  (daß  er  nicht  rauchen  dürfe,  wurde  ihm  vom  Wachkommandanten  nicht  eingeschärft)  und  verwehrt  mit  geladenem Gewehr  der  Feuerwehr  die  Einfahrt.  Vom  Leutnant  geschickt,  eine Flasche  Klostemeuburger  Weins  zu  holen,  setzt  er  sich  in  die  Eisenbahn  und  fährt  nach  Klosterneuburg.  An  diesen  Soldaten  Schwejk, der  im  Frieden  von  Hasek  geschaffen  wurde,  mußte  die  österreichisch-ungarische  Monarchie  zugrunde  gehen.  Im  Weltkrieg  wird Schwejk  verhaftet,  als  er  vor  dem  Plakat  der  Kriegserklärung Rumäniens  (1916,  als  es  schon  in  ganz  Prag  nur  noch  Defätisten gab!)  in  Hochrufe  auf  den  Kaiser  Franz  Joseph  ausbricht.  Die Passanten  lachen,  aber  der  Festgenommene  (als  HÖhner  Festgenommene)  muß  freigelassen  werden  —  er  hat’s  in  aller  Unschuld ernst  gemeint.  So  macht  er’s  von  Tag  zu  Tag,  stiftet  immer  größere Verwirrung  und  trägt  (mehr  als  viele  heroische  Gesten  offener Hochverräter)  zur  Vernichtung  der  Staaten  bei.  Diese  Gestalt  ist echt  und  ewig,  wenn  sie  auch  im  Inhalt  den  Politikern,  in  der  Form den  Literarhistorikern  mit  niederen  und  höheren  Weiten  nicht gefallen  mag.  Und  ihr  lustiger  Schöpfer  wird  zu  Grabe  getragen,  wie der  junge  Werther  —  Handwerker  trugen  ihn,  kein  Geistlicher  hat ihn  begleitet.