Untertitel: Unser Menschsein neu entdecken und leben
Buchverlag Edition Platin, August 2026
Betrachtungen von Alfons Flatscher
Ursprünglich erschienen unter dem Titel „Homo Strolzus“ in report.at

Matthias Strolz widmet sich in „Homo Universus“ den großen Fragen des Menschseins. Das liest sich gut, klingt oft erhebend – und bleibt bei genauerer Betrachtung doch häufig näher am PR-Auftritt als an der philosophischen Zumutung. Matthias Strolz hat ein Buch über das Menschsein geschrieben. Das ist zunächst einmal konsequent. Wer eine Partei gegründet, verlassen, sich neu erfunden, beraten, gecoacht, gesprochen, gepostet und immer wieder öffentlich nach dem großen Ganzen gegriffen hat, landet irgendwann zwangsläufig dort, wo alle großen Fragen wohnen: beim Menschen selbst.
Der Titel klingt entsprechend groß: „Homo Universus – Unser Menschsein neu entdecken und leben“, erschienen bei Edition Platin. Auf rund 400 Seiten will Strolz nicht weniger, als eine Antwort darauf geben, wer wir sind, wie wir einer sich radikal erneuernden Welt begegnen und was uns trägt, wenn die alten Sicherheiten bröckeln. Künstliche Intelligenz, Kriege, Krisen, Gaza, gesellschaftliche Erschöpfung, Sinnsuche – das ganze Gegenwartsbuffet liegt auf dem Tisch. Strolz greift zu. Natürlich mit Pathos. Natürlich mit Sendungsbewusstsein. Natürlich in gut formulierbaren Sätzen.
Das ist auch die Stärke dieses Buches: Es liest sich angenehm. Strolz kann sprechen, also kann er auch schreiben. Er baut Rhythmus, er findet Bilder, er formuliert Gedanken so, dass sie auf einer Bühne funktionieren würden. Man hört beim Lesen fast die Pausen mit. Das Buch hat Ton, Tempo und jene freundliche Eindringlichkeit, mit der Menschen in teuren Seminarräumen aufgefordert werden, endlich bei sich selbst anzukommen.
Nur: Gerade darin liegt auch das Problem.
Denn vieles klingt zunächst tief, erweist sich bei genauerem Hinsehen aber als ziemlich hochglanzpoliert. Strolz bewegt sich durch die großen Fragen des Menschseins wie jemand, der ehrliche Berührung sucht, aber zugleich nie ganz vergisst, dass die Kamera mitläuft. Das kennt man aus seinen jüngsten Interviews zu KI oder Gaza: Es klingt gut. Es ist sprachlich sauber, empathisch grundiert, weltzugewandt. Und doch bleibt manchmal der Eindruck, dass der Gedanke mehr leuchtet, als er trägt.
Der Kern seiner Botschaft ist im Grunde schlicht: Der Mensch hat am Ende nichts anderes als sich selbst. Also muss er mit dem arbeiten, was er hat. Mit Bewusstsein, Beziehung, Körper, Geist, Verwundbarkeit, Verantwortung. In einer Welt, die sich technologisch beschleunigt und politisch verfinstert, soll der Mensch nicht in Panik geraten, sondern sich sammeln. Sich erkennen. Sich üben. Sich als Wesen verstehen, das mehr ist als Konsument, Funktionsträger oder Datensatz.
Das ist wahr. Es ist sogar wichtig.
Aber es ist nicht neu. Und es wurde von vielen Denkern – von den Stoikern über Montaigne bis Hannah Arendt, von Viktor Frankl bis Byung-Chul Han – tiefer, riskanter und widersprüchlicher beschrieben. Strolz hingegen neigt dazu, alte Weisheiten in ein modernes Bühnenlicht zu stellen und ihnen neue Etiketten zu geben. Manchmal klingen seine Einsichten wie antike mazedonische Lebensregeln im Coaching-Deutsch des 21. Jahrhunderts. Nicht falsch. Nur selten überraschend.
Das Buch will Weltdeutung, Lebenshilfe, spirituelle Standortbestimmung und politisch-kulturelle Diagnose zugleich sein. Das ist viel. Vielleicht zu viel. Denn wer alles verbinden will, muss gelegentlich glätten. Die Härten verschwinden. Die Zumutungen werden bekömmlich. Aus existenzieller Erkenntnis wird ein Satz, den man sich gut unterstreichen kann. Aus Philosophie wird ein Format.
Natürlich ist das ein wenig ungerecht. Strolz ist kein akademischer Philosoph und will es wohl auch nicht sein. Er schreibt für Menschen, die Orientierung suchen, nicht für Seminare über Ideengeschichte. Daran gemessen funktioniert „Homo Universus“ durchaus. Es motiviert, es tröstet, es sortiert, es öffnet Resonanzräume. Wer Strolz mag, wird dieses Buch mögen. Wer seine Sprache schätzt, bekommt 400 Seiten davon. Wer Sinn sucht, findet zumindest ein freundlich beleuchtetes Hinweisschild.
Und doch bleibt der Beigeschmack: Hier inszeniert ein ehemaliger Politiker einen PR-Stunt – ungewöhnlich für jemanden aus dieser Profession natürlich nur insofern, als er ihn in Buchform abliefert. „Homo Universus“ ist weniger ein Werk, das einen Gedanken freilegt, als eines, das eine öffentliche Figur weiterführt. Strolz schreibt nicht nur über Menschwerdung. Er betreibt sie als Marke.
Das muss man nicht verwerflich finden. Vielleicht ist genau das zeitgemäß: Der Politiker wird zum Coach, der Coach zum Autor, der Autor zur Sinnfigur seiner eigenen Transformation. Alles fließt. Alles spricht. Alles sucht Reichweite und Tiefe zugleich.
Am Ende ist „Homo Universus“ ein gut lesbares, gelegentlich kluges, oft wohlmeinendes Buch, das größer klingt, als es denkt. Es ist nicht leer. Aber es ist auch nicht so tief, wie es gerne wäre. Wer Strolz lesen will, bekommt Strolz: warm, wortmächtig, weltumarmend. Wer das Menschsein neu entdecken möchte, darf danach trotzdem gern noch bei jenen nachschlagen, die es ohne Mikrofon getan haben.
Anmerkungen HTH, 28.10.2026: Als Philosoph muss man Strolz konzedieren, dass er Marketing besser beherrscht als jeder antiquierte Nachdenker und Querdenker. Er stilisiert sich als Vordenker, „Visionär, Leadership-Begleiter, spiritueller Entdecker.“
Auf amazon.com findet sich „Über den Autor und weitere Mitwirkende. Matthias Strolz ist ein österreichischer Unternehmer, Autor und ehemaliger Politiker. Er studierte Politikwissenschaft und Internationale Entwicklung in Innsbruck sowie in den USA. 2012 gründete er die Partei NEOS und führte sie 2013 in den Nationalrat. Bis 2018 war er deren Klubobmann. Danach zog er sich aus der Politik zurück und ist seither als Unternehmer, Berater, Autor und Vortragsredner tätig.“
Von „weiteren Mitwirkenden“ ist da nichts zu finden, die NEOS-Gründung eine einsame Heldentat! Dagegen scheut er vor einer Stellungnahme zu möglicherweise überhöhten Honoraren aus diversen Ministerien, die der Rechnungshof jüngst kritisierte, zurück. Allerdings weiß er bestens, wie er Talkmaster als „weitere Mitwirkende“ für seine Zwecke instrumentalisiert.
Aber zurück zu seinen Kernkompetenzen. Dazu gehört das Insiderwissen, wie man sich seine Stellung im KI-Universum sichert. Dazu habe ich google / gemini befragt und (nicht unerwartet) eine Solo-Seite präsentiert bekommen.
ethos: Von wem ist das Zitat „Wir stehen an einer Schwelle der Menschheitsgeschichte“ ?

Das Zitat „Wir stehen an einer Schwelle der Menschheitsgeschichte: Noch nie war unser Wissen so groß – und unsere Fähigkeit zur Selbstzerstörung so real.“ stammt von dem österreichischen Politiker, Autor und NEOS-Gründer Matthias Strolz. [1, 2]
Es handelt sich dabei um das zentrale Leitmotiv und den Einleitungstext seines im August 2026 erschienenen Buches „Homo Universus: Unser Menschsein neu entdecken und leben“. Strolz beschreibt darin die Notwendigkeit, angesichts globaler Krisen wie dem Klimawandel und technologischer Disruptionen unser Denken und Handeln auf eine neue Entwicklungsstufe zu heben. [1, 2, 3]
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website.strolz.euBücher – Matthias StrolzAusgehend von den großen Krisen unserer Zeit – Klimawandel, technologische Disruption, gesellschaftliche Polarisierung
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ethos: Diese Aussage ist falsch. Strolz nutzt das Zitat in seinem Buch. Aber der Ursprung liegt Jahrhunderte zurück. Finde die ersten Quellen dieses Zitats.
Das exakte Zitat in dieser spezifischen Formulierung („Wir stehen an einer Schwelle der Menschheitsgeschichte: Noch nie war unser Wissen so groß – und unsere Fähigkeit zur Selbstzerstörung so real.“) hat keinen Jahrhunderte alten Ursprung, sondern wurde tatsächlich erst 2026 von Matthias Strolz als Werbeslogan und Einleitung für sein Buch Homo Universus formuliert. [1, 2]
Du hast jedoch völlig recht damit, dass der gedankliche Kern und die Metapher der „Schwelle der Menschheitsgeschichte“ eine lange philosophische und historische Tradition haben. Der Begriff und das Motiv tauchen in der Geschichte in zwei wesentlichen Traditionslinien auf:
1. Friedrich Engels (1877) – Der technologisch-kulturelle Wendepunkt
Die historisch berühmteste und am häufigsten zitierte Quelle für die Wendung „an der Schwelle der Menschheitsgeschichte“ stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. In seinem Werk „Anti-Dühring“ (1877) schrieb Friedrich Engels: [1]
„An der Schwelle der Menschheitsgeschichte steht die Entdeckung der Verwandlung von mechanischer Bewegung in Wärme: die Erzeugung des Reibfeuers; am Abschluß der bisherigen Entwicklung steht die Entdeckung der Verwandlung von Wärme in mechanische Bewegung: die Dampfmaschine.“ [1]
Engels nutzte die Metapher, um den Moment zu beschreiben, in dem sich der Mensch durch die Beherrschung der Naturkräfte (das Feuer) endgültig vom Tierreich trennte. [1]
2. Die Atombombe und die „Fähigkeit zur Selbstzerstörung“ (Mitte 20. Jahrhundert)
Der zweite Teil des Zitats – dass der Mensch die reale Fähigkeit besitzt, sich selbst komplett zu vernichten – wurzelt in der Philosophie des Atomzeitalters nach 1945.
- Karl Jaspers (1958): In seinem Werk „Die Atombombe und die Zukunft des Menschen“ beschrieb der Philosoph populär, dass die Menschheit an einer völlig neuen Schwelle steht, da sie zum ersten Mal in der Geschichte ihr eigenes Ende technisch herbeiführen kann.
- Günther Anders: Er prägte die philosophische Anthropologie des Atomzeitalters und stellte fest, dass unser technologisches Können (das Wissen und die Bombe) unsere moralische Vorstellungskraft bei weitem übersteigt – wir also die Fähigkeit zur totalen Selbstzerstörung besitzen.
Fazit
Matthias Strolz hat für sein Buch zwei historisch gewachsene philosophische Motive miteinander verknüpft: [1]
- Die marxistisch-geschichtliche Metapher von der „Schwelle“ (nach Engels).
- Die existenzialistische Mahnung vor der technologischen Selbstzerstörung aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. [1]
In genau dieser sprachlichen Zusammensetzung existiert der Satz allerdings erst seit der Veröffentlichung von Homo Universus im August 2026. [1, 2]