Attac fordert umfassende Wirtschaftsbildung statt einseitiges Finanztraining
20.4.2026 - (Presseinformation ATTAC) - Ein neuer Attac-Bericht zeigt anhand konkreter Beispiele, wie Banken und Finanzdienstleister unter dem Schlagwort „Finanzbildung“ immer stärker in die schulische Sphäre drängen. Sie produzieren vermehrt Unterrichtsmaterialien und bieten außerschulische Angebote an – mit einseitigen Inhalten und klaren Geschäftsinteressen.
Finanzindustrie dominiert „Finanzbildung“ (Attac Studie)

Im Rahmen der staatlichen Finanzbildungsstrategie erreichen Banken und Finanzlobbys mehr Menschen als öffentliche und gemeinnützige Anbieter. Einzelne Großbanken sind dabei die zentralen Player. Auch in Schulen zeigt sich der Einfluss: Unterrichtsmaterialien mit Logos von Banken und Werbung für Finanzprodukte zur frühen Kund*innenbindung sind längst Realität – selbst bei Volksschulkindern.
Einflussnahme auf den Lehrplan – Lobbying für eigenes Schulfach
Gleichzeitig reden profitorientierte Akteure und ihre Lobbys das Niveau der schulischen Wirtschaftsbildung schlecht. Sie nehmen bereits Einfluss auf den Lehrplan und lobbyieren für ein eigenes Unterrichtsfach Wirtschaft, dessen Inhalte sie mitprägen wollen. Auch im Bereich Wirtschaftspädagogik auf universitärer Ebene steigt der Einfluss der Bankenlobbys. Dabei widersprechen die Fakten ihrer fortwährenden Kritik: Im internationalen Vergleich schneiden Österreichs Schüler*innen bei Finanzwissen überdurchschnittlich gut ab.
Kinder und Jugendliche brauchen zweifelsohne Wissen über Geld und Wirtschaft, das an den alltäglichen Fragen, Erfahrungen und Lebensrealitäten anknüpft. Attac kritisiert jedoch, dass die dominante Finanzbildungs-Agenda der Banken gesellschaftliche Probleme individualisiert: Überschuldung, Alters- oder Frauenarmut werden vor allem als Folge falscher persönlicher Entscheidungen dargestellt – statt als Ergebnis politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen.
Attac: Klare Grenzen für profitorientierte Akteure
Attac fordert ein Verbot von profitorientierten Bildungsangeboten in Schulen. Gewinnorientierte Akteure sollten zudem keinen Einfluss auf Bildungsinhalte nehmen. „Die Politik muss den wachsenden Einfluss der Banken und ihrer Lobbys auf unsere Schulbildung stoppen. Eine umfassende Wirtschaftsbildung muss die Fähigkeit vermitteln, wirtschaftliches Handeln in soziale, politische und ökologische Kontexte einzubetten und Wirtschaft wie Gesellschaft demokratisch mitzugestalten“, erklärt der Autor des Berichts, Mario Taschwer von Attac Österreich.
