Parlamentarier Reihe 6

Was sagt der Sitzplan im Parlament über die Rolle der jeweiligen Parlamentarier?

Es ist mit Sicherheit kein Zufall, dass Hinterbänkler auf der letzten Bankreihe sitzen müssen, ebenso wie es zu den ungeschriebenen Gesetzen gehört, dass sich die Klubobleute und andere Spitzen der Parteien in den vordersten Reihen platzieren. Das ist aber nicht so vorgeschrieben, das Gesetz ist neutral. Ausnahme von der ungeschriebenen Regel der Hinterbank ist Klaus Fürlinger (ÖVP), der bereits seit 2017 im Nationalrat sitzt und sogar Obmann des Justizausschusses ist.

Gemäß § 9 der Geschäftsordnung des Nationalrates gilt: „Jeder Abgeordnete, dessen Wahlschein in der Parlamentsdirektion hinterlegt ist, hat für die Dauer der jeweiligen Gesetzgebungsperiode so lange Sitz und Stimme im Nationalrat, als nicht seine Mitgliedschaft aus einem der im § 2 genannten Gründe erloschen ist.“

Welche Signale durch die Sitzordnung ausgeschickt werden, zeigt die Strafversetzung von Veit Dengler, nachdem ihn die NEOS aus der Partei ausgeschlossen hatten. Er hätte symbolisch zwei Sitze weiter rücken können – in der letzten Reihe sind genug Plätze frei. Stattdessen musste er die ÖVP-Hinterbänkler überspringen, um nun im Block der FPÖ-Mandatare sein Dasein zu fristen.

Dieser Teil der Reflexionen über Abgeordnete, insbesondere fachliche und ethische Qualifikation, behandelt Volksvertreter aus der letzten Reihe. Was das zu bedeuten hat, wollen wir hier erforschen. Die Wahl der Abgeordnete erfolgt ungeordnet, aber nicht willkürlich.

ÜBERBLICK über die Sitzordnung im Plenarsaal

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Kategorischer Imperativ der Gesetzgebung

6. September 2026 - Mitteilung der Parlamentsdirektion (13.7.2026 via APA / OTS) - "135 Gesetzesbeschlüsse hat der Nationalrat in der Tagung 2025/2026 gefasst. Er ist dafür zu 53 Plenarsitzungen mit einer Dauer von über 258 Stunden zusammengetreten. 27,4 % der Gesetzesbeschlüsse fielen einstimmig. Dazu kommen 4 Staatsverträge und 56 Entschließungen mit politischen Anliegen an die Regierung. Die Beschlüsse gehen zum zweiten Mal in Folge wieder vermehrt auf Regierungsvorlagen zurück."

Nach selektiver Untersuchung der Selbstportraits der Abgeordneten lässt sich feststellen: Keine einzige Nationalratsabgeordnete und kein einziger Repräsentant des Volkes ist bislang auf die Idee gekommen, folgendes Statement abzugeben:

„Ich will mich im Nationalrat für eine bessere Gesetzgebung einsetzen. Mir liegt ein schlanker Staat am Herzen. So einen Staat können wir nur aufbauen, wenn wir Gesetze abbauen! Die verbleibenden Gesetze müssen schlanker werden. Ich will dazu beitragen, die Qualität der Gesetzgebung insgesamt merklich zu heben.“

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Parlamentarische Fehlbesetzungen

3. September 2026 - Parlamentarier haben Null Interesse an Gesetzgebung. Das klingt nach einem Vorurteil. ethos.at diese Aussage untersucht und gelangte zu dem Urteil: Parlamentarier haben Null Interesse an Gesetzgebung.  

Auf parlament.gv.at findet man neben Kurzbiografien aller Abgeordneten auch Portraitvideos, die alle mit der Beantwortung des Satzes „ich bin Mitglied des Nationalrats, weil…“ beginnen und mit einem Statement über „ein Thema, das Ihnen im Nationalrat besonders am Herzen liegt“ enden.

Resümee nach zwanzig zufällig und vier gezielt ausgewählten Selbstdarstellungen: Keine einzige Nationalratsabgeordnete und kein einziger Repräsentant des Volkes ist auf die Idee gekommen, darauf folgendermaßen zu antworten: Ich will mich im Nationalrat für eine bessere Gesetzgebung einsetzen. Mir liegt ein schlanker Staat am Herzen. So einen Staat können wir nur aufbauen, wenn wir Gesetze abbauen! Die verbleibenden Gesetze müssen verständlich und widerspruchsfrei werden. Ich will dazu beitragen, die Qualität der Gesetzgebung insgesamt merklich zu heben.“ So eine Aussage, schlimmer noch, so eine Einstellung existiert nicht, bei keinem und leider auch keiner der 183 Nationalratsabgeordneten.

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