Heyden Ulrich: Mein Weg nach Russland

Erinnerungen eines Reporters

Erschienen 2024, Promedia

„Die Russen sind mir ans Herz gewachsen.“ (272) Das ist das Resümee des deutschen Journalisten Ulrich Heyden, der 1992 von Hamburg nach Kiew und dann nach Moskau übersiedelte. Bis 2022 konnte er als freier Journalist für mehrere deutsche Medien über die Runden kommen. Die letzte Vertragskündigung erhielt er 2022 vom einstmals linken Wochenmagazin „Der Freitag“.

Nach links tendierte schon der junge Ulrich in seiner frühen Jugend. Psychoanalytisch verkürzt könnte man das als Gegenreaktion gegen seinen rechten Vater Wilhelm abtun, der im zweiten Weltkrieg kämpfte. Mit seinen Erzählungen über Heldentaten der deutschen Wehrmacht hat er Ulrich schon in seiner Kindheit eingeschüchtert. Doch Ulrich entwickelte mehr als nur eine Abwehrreaktion gegen die Einstellungen des Vaters.

Weiterlesen

Blümel Gernot: Die Selbstsetzung des Menschen

18. August 2026 - KI Gemini über das Buch von Gernot Blümel, das diese Woche erscheint: Kerninhalte und Thesen des Buches: Blümel argumentiert, dass die größte Herausforderung durch Künstliche Intelligenz (KI) nicht in einer existenziellen Bedrohung (wie der Auslöschung der Menschheit) liegt. Die wahre Herausforderung ist eine tiefe Kränkung unseres Selbstverständnisses, weil die KI dem Menschen die exklusive Domäne der Vernunft streitig macht.

Foto CC BY 2.0: BMF/Wilke

Das Dilemma der Sinnstiftung: Da der Mensch nicht mehr das einzige vernunftbegabte Wesen ist, geraten die Fundamente von Demokratie und Menschenrechten ins Wanken. Blümel sieht zwei Wege, wie sich die Menschheit aus diesem Dilemma befreien kann: Die traditionelle Rückbesinnung: Der Mensch definiert sich wieder als Ebenbild Gottes (was der gläubige Christ Blümel zwar präferiert, in einer säkularen Welt aber für unwahrscheinlich hält). Die Selbstsetzung: Der Mensch setzt sich in einer säkularisierten Welt einfach selbst absolut – schlicht, weil er es will und kann. Dies sei der namensgebende, wahrscheinlichere, aber auch instabilere Weg.

Weiterlesen

Kriseova Eda: Vaclav Havel.

Dichter und Präsident

Rowohlt Verlag, Berlin 1991

„Eine Panne. Wir haben keinen Lebenslauf von dir“, sagt die Autorin des Buches unmittelbar nach Amtseinführung des Präsidenten Václav Havel. „Dann zieh dich für eine Weile zurück und schreib einen.“ So konnte nur ein Jahr nach dem Systemwechsel die erste autorisierte Biografie Havels erschien.

„Husák stürzte, und es erhob sich die Frage, wer wird Präsident. Ich weiß, dass ich nicht die erste war, die es Václav sagte, … ‚Olga [Havels Frau] ist auch dagegen‘, sagte er. ‚Sie hat gesagt, sie würde sich scheiden lassen.‘ … Ich habe mir das auch nicht so vorgestellt. Daß alles so schnell gehen und sich nicht anders entwickeln würde. Und ich erinnerte mich, wie mir Václav im Sommer die Lage der politischen Kräfte aufgezeichnet hatte und ihm dabei überhaupt nicht in den Sinn gekommen war, daß die Charta den Sieg davontragen könne. Und jetzt sah man überall in den Straßen Plakate ‚Havel auf die Burg‘- Die Menschenmassen skandierten es auf allen Plätzen.“ (S. 264)

Tschechoslowakei nach 1945

Weiterlesen