Text und Bild von Reinhard Fuchs, 2026
Kosmische Neugeburt – Der digitale Kern
In diesem Bild verschmelzen Mythos und technofuturistisches Horrorszenario. Die Venus-Gestalt (Sandro Botticelli, 1478, als Huldigung an die Liebe) steigt aus einer geologischen Spalte auf. Sie ist konfrontiert mit einer gewaltigen, explosiven Umgestaltung, wo eine dunkle Masse mit unserer Erde kollidiert. Es öffnet sich ein Platinen-Kern als digitaler Schrottplatz unserer Zeit. Das Werk stellt die zeitlose kosmische Ordnung der Natur dar, die auf die zerstörerische Dynamik des menschlichen Anthropozäns trifft (Zeitalter, in dem der Mensch zu einem bedeutenden Einfluss auf die biologischen und atmosphärischen Prozesse der Erde geworden ist). Alles mündet schlussendlich in eine futuristische, digitale Umwandlung.

Ausschnitt des Bildes „Kosmische Neugeburt“, 100 x 140 cm, von Reinhard Fuchs
Kernelemente & Symbolik
Die Göttin Venus symbolisiert Schönheit, Liebe und den Ursprung des Lebens. Sie landet in Zypern auf einer Jakobsmuschel – ein historisches Symbol der Wallfahrt –, trifft jedoch auf eine von kriegerischen Konflikten gezeichnete Gegenwart. Umschlungen von einem Patronengurt mit abgefeuerten Hülsen und einer fußlosen Puppe wird sie zur Schmerzensfigur – ein Hinweis für die Verletzlichkeit des Menschen im Krieg.
Fossilien (die Ewigkeit der Natur) und Symbole (Spielzeug): Versteinerte Turmschnecken, ein ca. 155 Millionen Jahre alter Ammonit sowie verschiedene Mineralien (Malachit, Bergkristall, Jaspis) stehen als physische Zeugen der Erdgeschichte. Diese symbolisieren die zeitlose Ewigkeit der Natur und stehen der menschlichen Zerstörungskraft gegenüber (z.B. kleines Bombenflugzeug, rotes Teufelchen, kaputte Minifiguren).
Der Platinen-Kern: Die Erde – der grüne Himmelskörper – zeigt im Kern eine Platine. Sie steht für das digitale Zeitalter und für die Verschmelzung von organischer Materie und digitalem Schrott.
Makrokosmos (kosmische Ordnung): Das Universum existiert in einem ewigen Wechselspiel aus Ordnung und Zerfall. Während wir die Dynamik von Mikro- und Makrokosmos auf der Erde als etwas Einzigartiges wahrnehmen, sind sie im Unendlichen nur Fragmente eines weitaus größeren Multiversums. Selbst die vermeintliche Stille des Alls ist von kolossalen Umbrüchen geprägt: So befindet sich unsere Milchstraße aktuell in einem Jahrmilliarden dauernden Prozess, bei dem sie derzeit wieder eine Zwerggalaxie (Canis-Major) vereinnahmt. Im Bild ist dieser kosmische Kannibalismus dargestellt: Die Haare der Venus sind mit der darüber existierenden Milchstraße verbunden. Die Darstellung von Mandalas im unteren Teil des Bildes, der sitzende grüne Unhold und die vom kosmischen Strudel mitgerissene Figur im oberen Teil unterstreichen die globale Disharmonie. – Die Natur strebt aber stets nach Ausgleich – das eigentliche Chaos bringt erst der Mensch in die Welt.
Physische Präsenz & Haptik
Durch den pastosen Farbauftrag und das Einarbeiten realer Objekte (Patronenhülsen, Fossilien, Mineralien etc.) soll die Spannung zwischen Natur, Krieg und Technik greifbar gemacht werden.
Während der Mensch Chaos stiften kann, ist er im Multiversum nur ein Fragment, – und die Natur holt sich ihr Gleichgewicht letztlich immer zurück.
Am Dienstag, 17. November 2026 um 18:00 Uhr eröffnet die Ausstellung CHAOS & KOSMOS
in der Galerie Contemplor, 1170 Wien
Reinhard Fuchs wird mit 20 weiteren Künstlern und Künstlerinnen dabei sein.