Kultur des Scheiterns

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In Amerika gilt die Regel: es ist keine Schande hinzufallen, es ist eine Schande liegen zu bleiben. Können sich Europäer die amerikanischen Einstellung, in der Scheitern als Auszeichnung gesehen wird, aneignen?

Illustration: Ernst Zdrahal

9,2 Prozent beträgt die Selbstständigenquote in Österreich (EU-Schnitt: 13,2 Prozent) Das bedeutet aber: über 90 Prozent scheitern schon, bevor sie überhaupt versucht haben, etwas zu unternehmen. Sie scheitern nicht an einer konkreten Geschäftsidee, sie scheitern an der Vorstellung, dass ein Unternehmen überhaupt Teil ihrer Lebensplanung sein könnte und unterlassen es ganz einfach, über Gründung und die möglichen Folgen, das Scheitern, nachzudenken. Respekt verdienen daher jene, die ihre Idee verwirklichen, auch wenn sie damit scheitern. Umso mehr, wenn sie den Mut finden von ihren Fehlern zu erzählen und damit anderen die Chance geben, von Fehlern zu lernen. Denn man kann nicht nur von Best Practices sondern auch von den besten Fehlern lernen. 

Zu schnelles Wachstum

Der DiTech-Gründer Damian Izdebski hat Aufstieg und Fall seiner Firma deshalb in einem Buch mit dem bezeichnenden Titel „Meine besten Fehler“ verarbeitet. „Mir wurde unternehmerisches Denken und Handeln tatsächlich schon in die Wiege gelegt“, schreibt Izdebski, der 1976 im kommunistischen Polen als Sohn einer Unternehmerfamilie zur Welt kam, die zuerst im Obst- und Gemüsehandel und später im Computerhandel tätig war. Mit 16 kommt Damian nach Österreich und beginnt ohne Deutschkenntnisse eine Ausbildung an einer privaten Handelsschule. „Die Kosten dieser Ausbildung habe ich mir dadurch finanziert, dass ich zwei Jahre lang jeden Sonntag hinter der polnischen Kirche in Wien polnische Zeitungen verkauft habe.“ 1999, mit 23 Jahren, gründet er gemeinsam mit seiner Frau Aleksandra DiTech.

Zu später Markteintritt

Während für DiTech zu schnelles, fremdfinanziertes Wachstum zum Todesurteil wurde, verschlafen andere Unternehmer den Markteintritt. Gerald Rauecker, heute Fördercoach, war Gründer und Geschäftsführer von Gunytronic, einem Spezialisten für Sensortechnik. Über seinen „Schiffbruch“ sagt er offen: „Zuerst hatten wir keinen Proof of Concepts. Wir hatten ein Team von 90 Prozent Akademikern, die waren zu technik-orientiert. Alle Förderungen haben wir wieder in Forschungseinrichtungen investiert, wir haben eigene Simulationen betrieben, alle Steuerkästen selbst gebaut, alles selbst entwickelt.“

Die Technik war so innovativ, dass es dem Geschäftsführer leicht gefallen ist, Forschungsförderung und Venture Capital aufzutreiben. „2014 hat unser Sensor den Innovationspreis des Landes Oberösterreich gewonnen“, ist Rauecker stolz. Bitterer Nachsatz: „Allerdings nicht mehr für unser Unternehmen“. Gunytronic war zu dem Zeitpunkt schon in Konkurs. Der späte Vertriebsstart war ein entscheidender Fehler, ist Rauecker überzeugt und sieht auch die Förderungen heute in einem anderen Licht: „Hut ab vor dem FFG, in dessen Richtlinien steht, dass Projekte auch vom Scheitern bedroht sein können. Doch anderseits haben uns die FFG-Förderungen zu lange das Überleben gesichert, deshalb haben wir nicht rechtzeitig die Reißleine gezogen.“ Auch Venture-Capital war für Gunytronic nur ein Finanzierungsinstrument, gefehlt hat die Business-Unterstützung von Seiten der VC-Gesellschafter und Business Angels.

Zu große Ideen

Der Autor Ingo Niermann, der mit dem Buch „Minusvisionen. Unternehmer ohne Geld“ bekannt geworden ist, hat in „Umbauland“ zehn deutsche Visionen vorgelegt. „Aber die Ideen waren nicht nur to big to fail, sondern auch zu groß um mit ihnen anzufangen“, so Niermann. Beim Versuch trozt allem eine Idee selbst umzusetzen hat er sogar Mitstreiter gefunden, mit denen er die größte Pyramide der Welt errichten wollte. Eine kollektive Pyramide als Grabstätte für alle Menschen und Konfessionen dieser Welt.

„Wir bekamen keinen Gründungskredit sondern hatten die Idee, eine Kulturförderung ein bisschen zweckzuentfremden“, gesteht Niermann. Das Budget von 87.000 Euro hat ausgereicht um einen Standort zu suchen. In Dessau (Sachsen Anhalt) ist die Idee von Niermann auf fruchtbaren Boden gefallen. Sein Team hat damit viel Wind bei der Presse aufgewirbelt. Bis sie etwa die Hälfte der Stadtregierung von dem Projekt überzeugen konnten, war aber die Luft aus dem Projekt raus: „Wir waren eine Gruppe von Leuten, aber wir wussten alle nicht, was der nächste Schritt sein sollte. Viele haben es nur als Jux genommen, andere wollten die Pyramide bauen, hatten aber keine Ideen, wie wir an Geld kommen könnten. Irgendwann kamen Geldprobleme: Miete, Krankenkasse usw. Wir wollten nicht auf Sozialhilfe gehen, das hat unsrem Unternehmer-Ethos widersprochen. Irgendwann ist das Team kollabiert.“

Durch Konkurs gescheiter(t)

„Gehen Sie nicht in Konkurs!“ So das bittere Resümee von Friedrich Eibensteiner nach seiner Stigmatisierung, die der Gründer am eigenen Leib erleben musste. „Das Stigma klebt wie Schnittlauch zwischen den Zähnen. Du spürst ständig die Einstellung des Volkes: wer in Konkurs geht, ist ein Betrüger.“ Auch von seiner Standesvertretung, der Wirtschaftskammer, fühlte sich Eibensteiner im Konkursverfahren verlassen, dagegen fand er bei der Arbeiterkammer wertvolle Unterstützung. Seine Firma prelonic, die gedruckte elektronische Komponenten herstellte, hatte sieben Mitarbeiter, um die sich die AK gekümmert hat.

Als Blutsauger hat Eibensteiner den Masseverwalter erlebt: „Der Masseverwalter sucht nach Vermögenswerten und ist beteiligt an dem, was er als verwertbar lukriert. Der Geschäftsführer ist eine potenzielle Geldquelle, seine Frage lautet daher: was hat der Geschäftsführer falsch gemacht und womit kann ich ihn erpressen?“ Wenn ein Konkurs nicht abwendbar ist, so hat Eibensteiner drei Tipps für Geschäftsführer:

– Wenn Gefahr droht, machen Sie keine Schulden beim Finanzamt oder der Sozialversicherung. Geschäftsführer haften hier persönlich. Informieren Sie rechtzeitig, berücksichtigen Sie alle Fristen.

– Die 60-Tage-Frist bei Überschuldung bestimmt der Masseverwalter nachträglich, wer den Konkurs zu spät anmeldet ist haftbar.

– Erwarten Sie sich keine Hilfe!

Moralisches Resümee

Friedrich Eibensteiner ist weiterhin Unternehmer, der Diplomingenieur kümmert er sich heute aber nur noch um die Entwicklung und Produktion gedruckter Elektronik, um Geschäftsführung und Finanzierung kümmert sich ein Partner. Ingo Niermann hatte für sein Pyramidenprojekt nie einen Plan B. Sein Scheitern sieht er positiv – und auch nicht als endgültig: „Ich würde sagen: wir sind mit System gescheitert. Man kann auch wirklich gezielt scheitern. Man kann sagen, ich weiß es schon vorher, dass wir scheitern, trotzdem ist es ein konstruktives Projekt. Mit der Pyramide ist unglaublich viel passiert. Und es kann ja noch was werden: etwas kann noch kommen, wenn die Menschen verstehen: wenigstens im Tod sind wir alle gleich, jeder bekommt einen gleich großen Stein.“ Gerald Rauecker ist als Fördercoach wieder erfolgreich. Er begleitet mit seinem Know-how Start-ups durch den Förderdschungel. Und um Damian Izdebski muss man sich wohl auch keine Sorgen machen. Er hat Techbold gegründet und spezialisiert sich nun auf Hardware-Reparaturen. Die Idee konnte er aus seinen DiTech-Erfahrungen ableiten: der Computerhändler hat rund 50.000 Reparaturen pro Jahr durchgeführt.

Alle diese Unternehmer haben bewiesen, dass sie schwimmen können und haben den Willen, nach ihrem Schiffbruch zu neuen Ufern aufzubrechen. Bedauerlich ist nur, dass 90 Prozent der Österreicher gar nicht daran denken, als Kapitän in See zu stechen, oder auch nur die Verantwortung über ihr eigenes Ruderboot zu übernehmen.

Damit sich das ändert, muss in Schulen und Universitäten neues Denken Einzug halten, das unternehmerisches Denken fördert! Heute sind die Jugendlichen geradezu getrieben von der Frage: was kann ich einmal werden, welchen Job kann ich bekommen? Darin steckt schon eine passive Grundhaltung. Jede Aussbildung, insbesondere Fachhochschulen und Wirtschaftsuniversitäten, müssten dem entgegenwirken mit der Frage: welche Ideen willst du in deinem Leben verwirklichen, was willst du künftig unternehmen?

Der Artikel ist in der Unternehmerzeitschrift a3eco 6/2016 erschienen

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Grundeinkommen: Neu über Arbeit nachdenken

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„Leistung muss angemessen entlohnt werden“, denken viele. Im Umkehrschluss gilt: Wer wenig leistet, hat keinen Anspruch auf hohe Entlohnung, folglich keinen Anspruch auf Wohlstand, bestenfalls auf Existenzminimum. Kausal verknüpft ist diese Prämisse mit der tradierten Überzeugung, dass messbare Leistungen als „Arbeit“ zu bezeichnen sind, „richtige Arbeit“ folglich nur „Lohnarbeit“ sein kann.

Was auch immer der Mensch in seiner Freizeit macht, hat somit nichts mit Arbeit zu tun. Das impliziert: Tätigkeiten, die nicht bezahlt werden, sind keine Arbeit. Nun aber droht mit Industrie 4.0 eine Welle der Massenarbeitslosigkeit. Ist das bedingungslose Grundeinkommen eine politisch und moralisch wünschenswerte Lösung für dieses Problem?

Dieser Artikel wurde im September 2018 vom Netzwerk Ethik auf ethik-heut.org publiziert.

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Die Argumente, die heute im Zusammenhang mit Industrie 4.0 bzw. Internet 4.0 vorgebracht werden, sind nicht neu. Schon 1985 haben Lieselotte Wohlgenannt und Herwig Büchele das Buch „Grundeinkommen ohne Arbeit“ veröffentlicht. Das aufkommende Computerzeitalter und die fortschreitende Automatisierung der Industrie gaben damals Anlass zu Befürchtungen, dass sich eine Zwei-Drittel-Gesellschaft formieren werde. Demnach werde die Arbeit immer weniger und ein Drittel der Menschen werde früher oder später ohne Arbeit bleiben. Ein Grundeinkommen ohne Arbeit, so die Autoren, sollte deshalb absehbare soziale Unruhen verhindern.

Auch heute sehen sowohl Gewerkschafter als auch Neoliberale das Grundeinkommen nur als Einkommenssicherung für den Fall der Arbeitslosigkeit. Paradoxerweise bewertet der Gewerkschaftsflügel das Grundeinkommen negativ, weil er die Arbeit mittlerweile als Menschenrecht des Arbeitnehmers sieht, während der neoliberale Wirtschaftsflügel offenbar dem durch Roboter ersetzten Arbeitslosen eine Grundsicherung zugesteht. Denn nur so können die immer weniger Besserverdiener und Spitzenverdiener ihren Reichtum ungestört genießen.

Wertvolle Leistungen in der Gesellschaft werden nicht bezahlt

An der Stelle ist die scheinbar banale Frage zu stellen: Was ist Arbeit? „Der Unterschied zwischen höherer und einfacher Arbeit beruht zum Teil auf bloßen Illusionen, oder wenigstens Unterschieden, die längst aufgehört haben real zu sein.“ Das Zitat findet sich in „Das Kapital“ von Karl Marx, das 1867 erschienen ist.

Die Lektüre dieses Buches ist objektiv – nicht nur dialektisch – betrachtet eine anstrengende Arbeit. Auch ohne Entlohnung eine lohnende Lektüre! Doch aus Sicht eines Gewerkschafters heute war das ein reines Privatvergnügen und keine Arbeit. So wie auch die 20-jährigen Studien, die Karl Marx als Vorarbeit für das Kapital für nötig erachtet hat, finanziert durch Zuwendungen seines Kampfgenossen Friedrich Engels und eine erkleckliche Erbschaft.

Ohne Zweifel haben Gewerkschafter in den vergangenen 150 Jahren für die Befreiung der Arbeiterklasse mehr getan, als Marx, Engels und Lenin. Doch wenn heute gewerkschaftlich organisierte Flugzeugpiloten oder Lokomotivführer mit Streiks das Leben hunderttausender unbeteiligter Menschen lahmlegen, so muss die Frage erlaubt sein, was das mit „Arbeitskampf“ zu tun hat. Indessen können zehn Prozent der Bevölkerung von ihren prekären Jobs nicht mehr leben. Das Präkariat hat offenbar keine Gewerkschaft und die Gewerkschaft die Zeichen der Zeit verschlafen.

Piloten und Lokführer sind ein beliebtes Beispiel für das traditionelle System, das die Höhe des Lohns mit Leistung und Verantwortung argumentiert. Ganzheitlich betrachtet ist die Diskrepanz der Gehälter zwischen Vorständen einer Fluggesellschaft, ihren Piloten und Mitarbeitern der Gepäckabfertigung nicht mit „Leistung“ argumentierbar.

Das Grundeinkommen könnte die Einkommensschere wieder schließen. Während die Arbeiter, die täglich tausende Koffer aus- und umladen, für einen Schandlohn arbeiten, während im gleichen Unternehmen Spitzengehälter mit Bonuszahlungen aufgefettet werden (nicht aufgrund der erbrachten Leistungen, sondern aufgrund der standesüblichen Verträge) – wenn das BGE nur diese Unsitte beseitigen würde, wäre es schon ein Erfolg.

Viele Menschen erbringen gesellschaftlich wichtige und wertvolle Leistungen, die nie bezahlt werden – und in diesem Sinne „wertlos“ sind: Kinderbetreuung, Jugendarbeit, Altenpflege, freiwillige Feuerwehr, Rettung, aber auch im kreativen Bereich überwiegt die unbezahlte Arbeit. Von 100 Künstlern kann vielleicht einer von seiner Arbeit leben, alle anderen müssen sich Nebenjobs suchen oder vegetieren am Existenzminimum.

Das bestehende Sozialsystem ist nicht zukunftsfähig

Im amtlichen Sozialbericht steht, dass 44 Prozent der österreichischen Bevölkerung ab 15 Jahren Freiwilligenarbeit leisten. Wenn man den Begriff Arbeit so weit fasst, kann man sagen: Jeder arbeitet, auch wer keinen Job hat, denn keiner will untätig herumhängen! Das aktive Vereinsleben ist ein Indikator dafür. Die Leistungen der Freiwilligen stehen außer Frage, aber der Staat verhindert, dass aus diesen Leistungen ein Anspruch auf Entgelt erwachsen könnte. Mit dem Grundeinkommen wäre dieser Anspruch abgegolten.

Ein zweites Indiz für die selbstverständliche Leistungsbereitschaft aller Menschen sind die Pensionisten. Es gibt keinen Rentner, der sich über Langeweile beschweren würde.

In Zusammenhang mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen ist es notwendig, über Verteilungsgerechtigkeit zu sprechen. Und die beginnt bei den Löhnen und der Beseitigung der sozial unverträglichen Lohnschere. Verteilungsgerechtigkeit bedeutet auch Umverteilung. Die übliche Form der Umverteilung läuft über das Steuersystem und über die Einrichtungen des Sozialstaates. Wenn Gewerkschafter ausgerechnet durch das Grundeinkommen den Sozialstaat in Gefahr sehen, so ist das absurd. Die Frage ist, ob der bisherige Sozialstaat fortgesetzt werden kann.

Die Frage nach der Finanzierbarkeit des BGE gehört zum Hauptargument der Kritiker. Doch diese Frage stellt sich auch ständig in Bezug auf das bestehende Sozialsystem. Insbesondere zum Problem der Überalterung (bei gleichzeitig zu erwartender höherer Arbeitslosigkeit) hat das bestehende Sozialsystem keine Antworten!

Für Deutschland hat der Ökonom Thomas Straubhaar, Autor des Buches „Radikal gerecht“, ausgerechnet, dass die gesamten Sozialleistungen des Landes (888 Milliarden Euro), umverteilt auf alle Bewohner, rund 1.000 Euro Grundeinkommen pro Kopf ermöglichen würden. Die Gegner – in dem Fall gehen die Linke Sahra Wagenknecht und der Neoliberale FAZ-Redakteur Rainer Hank Hand in Hand – meinen:

Entweder es kommt zu wenig heraus oder es überfordert den Staat. Tatsache ist: Auch Straubhaar gerät bei Detailfragen zur Finanzierung ins Schwimmen. Sicher ist, dass ein wesentlicher Faktor berücksichtigt werden muss: das Geld- und Währungssystem. Anders gesagt: das Grundeinkommen kann sich nur durchsetzen gemeinsam mit der Einführung eines parallelen Währungssystems.

Jenseits der ökonomischen Fragen müssen die moralischen Implikationen diskutiert werden: Beim Grundeinkommen geht es um mehr als die künftige Finanzierung des Sozialstaates und um mehr als die Ruhigstellung benachteiligter Gesellschaftsschichten. Es geht um die Würde des Menschen. Durch das bedingungslose Grundeinkommenwird diese Würde erstmals in der Geschichte einlösbar. Das Grundeinkommen setzt eine neue Währung voraus, und die heißt: Vertrauen.

Ideen zur Realisierung des Grundeinkommens

Mit der Einführung des Grundeinkommens sollte jeder Bürgerseine eigene Steuererklärung abgeben. Und hier wird es wirklich revolutionär: Die Steuern würden auf jede Form von Gewinn erhoben – bei Firmen ebenso wie bei Privatpersonen. Ob man bei einem privaten Unternehmen oder einer öffentlichen Institution arbeiter, man erhält keinen „Lohn“, sondern einen Gewinnanteil, den man entsprechend versteuert.

Mit Gewinnsteuern refinanziert der Staat nicht nur das Grundeinkommen, sondern auch seine Mitarbeiter, Infrastrukturkosten und internationale Verpflichtungen. Und Privatpersonen, also mündige, selbstständige Bürger, finanzieren sich mit ihrem gerechten Gewinnanteilen den Luxus, den sie sich jenseits des Grundeinkommens gönnen wollen.

Es wird keine Lohnnebenkosten mehr geben, denn Gesundheit wird im Grundeinkommen abgedeckt. Und Renten fallen weg. Wer in der Rente mehr als das Grundeinkommen haben will, muss selbst ansparen.

Damit bei Einführung des BGE nicht alle Betriebe und Ämter still stehen, kann in einer Übergangsphase ein solidarischer Grunddienst verordnet werden. Alle Unternehmen und Organisationen können zuerst 30 Stunden pro Woche beantragen. Diese Übergangsphase muss limitiert werden und sollte nach Zwischenstufen von 20 und 10 Stunden pro Woche idealer Weise nach einem Jahr beendet werden.

Ich bin neugierig, wie viele Vorstände nach der Übergangsphase höchst persönlich am Wochenende mit dem Staubsauger und Reinigungswagen durch ihre Bürohäuser laufen werden, weil keiner mehr bereit ist, diesen Job für sie zu bisherigen Konditionen zu erledigen. Spätestens dann müssen hochbezahlte Manager darüber nachdenken, wie hoch ein gerechter Gewinnanteil für jene sein soll, die dafür sorgen, dass alle Mitarbeiter in einem sauberen Ambiente arbeiten können.

Die Einführung des Grundeinkommens ist ein Systemwechsel. Jeder weiß, dass eine große Veränderung kommen muss, nur die Systemerhalter – egal ob in Regierung oder Opposition – wollen das nicht glauben.

Es könnte nach Einführung des Grundeinkommens zwei Wirtschaftskreisläufe geben: einen gewinnorientierten wie bisher, aber mit höherer Verteilungsgerechtigkeit. Und einen gemeinnützigen wie bisher, aber mit wesentlich mehr Privatinitiativen und damit besseren Dienstleistungen als durch die staatlichen Versorgungs-Organisationen, die natürlich weiterhin ihren Aufgaben (aber mit schlankerer Verwaltung) nachkommen werden.

Wer das für grundsätzlich nicht machbar hält, der sollte sich die Frage stellen: Warum sollte ausgerechnet im 21 Jahrhundert das Ende aller Systemwechsel – also die Endzeit – eingetreten sein?

Ergänzung 18.1.2022 – Am 19.04.2021 hat dier Wirktschaftskammer Österreich (WKÖ) ihre Position zumBGE in aller Kürze zusammengefasst: „unnötig, unfinanzierbar und schädlich“. Natürlich darf in dem Pamphlet das Argument nicht fehlen: „Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist nicht finanzierbar“. Sehr glaubwürdig in einer Zeit, in der das Finanzministerium 39 Milliarden über Nacht aus dem Ärmel schüttelt, um die Corona-Agenda zu finanzieren – wieviele Milliarden haben allein die bislang 130 Millionen Corona-Tests gekostet? Das Pamphlet liefert mir einen weiteren Grund, warum ich als Zwangsmitglied der WKO keine Beiträge mehr an diese Organisation zahle. Deshalb habe ich bereits am 25.5.2021 gesagt: WKO-Mitgliedsbeitrag: Es reicht!

Ergänzung 28.5.2024 – Langzeitstudie zu bedingungslosem Grundeinkommen endet. Tagesschau.de (27.05.2024) berichtet: „Nach drei Jahren endet eine großangelegte Studie zum bedingungslosen Grundeinkommen in Deutschland. In dieser Zeit haben die Teilnehmenden jeden Monat 1.200 Euro bekommen. Was macht das mit ihnen?“

Netzwerk Grundeinkommen

Mit der Gründung des österreichischen Netzwerkes Grundeinkommen am und sozialer Zusammenhalt – B.I.E.N. Austria 21. Oktober 2002 soll ein Diskussionsforum eingerichtet werden, um über offene Fragen und kontroversielle Aspekteins Gespräch zu kommen und entsprechende Forschung anzuregen; eine Lobby etabliert werden, die die Idee Grundeinkommen der konkreten Umsetzung näher bringen soll; ein Ort der Vernetzung mit anderen nationalen und internationalen Grundeinkommens-Netzwerken (v.a. mit BIEN – Basic Income Earth Network) geschaffen werden.

ABGE Akademie

Die ABGE Akademie ist eine Grundeinkommensbewegung, die sich auf zwei Beine stützt. Diese sind Grundeinkommen mit und ohne Geld. Geld ist ein instabiles Mittel für ein gesichertes Grundeinkommen, denn, sollte es einen Geldcrash geben, nutzt ein Grundeinkommen mit Geld wenig, um die Grundbedürfnisse der Menschen zu sichern. Die Akademie forscht deshalb nach Sinnwirtschaft, wo nicht das Wachstum und die Vollbeschäftigung im Vordergrund stehen, sondern die Aufgabe, den Menschen von sinnfreier Arbeit zu befreien. Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit sind uns in Wirtschaftsfragen ein wichtiges Anliegen, um ein BGE zu realisieren.

„Unser Ziel ist es, denn Lebensstandard zu steigern, die Lebensqualität zu verbessern und wir wollen dazu Mittel zur Sicherung des BGE für die Bevölkerung erforschen“, so die Initiatoren der ABGE Akademie. Im Bundesvorstand der Organisation, die im August 2019 gegründet wurde, sind folgende Personen vertreten: Karl Dittrich, Miklos Szabo, Arno Sommer, Michael G. Purner. Hier das Programm im Detail.

Generation Grundeinkommen füreinander.jetzt

Die Generation Grundeinkommen aus Wien (füreinander.jetzt) hat ihr 5-Jahr-Jubiläum am 21. Jänner 2022 gefeiert. in Zeiten wie diesen online, das Video ist auf youtube abrufbar. Die Generation Grundeinkommen unter Leitung von Helmo Pape hat eine Studie vorgelegt, die zeigt, dass das BGE mit einem innovativen Steuermodell leicht finanzierbar ist. Hier Infomaterial der Gruppe zum Downlaod

+ Finanziert sich Österreich richtig? Ein Erklär-Video der Generation Grundeinkommen

ARGE Grundeinkommen

Die ARGE Grundeinkommen aus Linz hat ebenfalls ein Steuermodell entwickelt, dass einen Weg zur Finanzierung des Grundeinkommens aufzeigt. Das „Linzer Modell“ hat Paul J. Ettl in dem Buch zusammengefasst: Überlegungen zum Grundeinkommen. BGE für ALLE? Auch für mich? Texte + Grafiken + Videos über das „Linzer Modell“.

Das GRUNDEINKOMMEN

Leitung Paul Ettl, Autor des Linzer Modells zur möglichen Finanzierung des Grundeinkommens. Präsmissen: Grundeinkommen ist 

allgemein: alle BürgerInnen, alle BewohnerInnen des betreffenden Landes müssen tatsächlich in den Genuss dieser Leistung kommen;

existenzsichernd: die zur Verfügung gestellte Summe soll ein bescheidenes, aber dem Standard der Gesellschaft entsprechendes Leben, die Teilhabe an allem, was in dieser Gesellschaft zu einem normalen Leben gehört, ermöglichen;

personenbezogen: jede Frau, jeder Mann, jedes Kind hat ein Recht auf Grundeinkommen. Nur so können Kontrollen im persönlichen Bereich vermieden werden und die Freiheit persönlicher Entscheidungen gewahrt bleiben;

bedingungslos soll das von uns geforderte Grundeinkommen deshalb sein, weil wir in einem Grundeinkommen ein BürgerInnenrecht sehen, das nicht von Bedingungen (Arbeitszwang Verpflichtung zu gemeinnütziger Tätigkeit geschlechter-rollenkonformes Verhalten etc) abhängig gemacht werden kann.

Die Arbeitsgruppe aus Linz hat bereits vier Bücher publiziert.

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unmasked: fake or no fake

fake or no fake

17. Oktober 2021 – Morawa, die größte Buchhandlung Wiens, präsentiert im Eingangsbereich, so wie jede Buchhandlung, die Bestseller der Saison und führt den interessierten Leser mit den üblichen Kategorien zum Objekt seines Interesses: Kochbuch, Reisebuch, Zeitschriften usw. Wer geistig höher hinaus will, muss in den ersten Stock, wo der Weg von der Kunst über die Philosophie direkt zur Politik führt. Dazwischen aber hat sich eine neue Welt aufgetan: „fake or no fake„.

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Offenbar will sich Morawa das Geschäft mit viel geächteten aber trotzdem erfolgreichen Verschwörungstheorien nicht entgehen lassen, ebenso wenig wie mit populären Werken, die üblicher Weise den „Grenzwissenschaften“ zugeordnet werden. Immerhin erfreulich: solange eine Buchhandlung was verdient, wird sie nicht zum Zensor. Skurril jedoch ist die Schubladisierung zweier Corona-Standardwerke ausgewiesener Wissenschafter unter „fake or no fake“: Wolfgang Wodarg, „Falsche Pandemien“, sowie Sucharit Bhakdi/Karina Reiss „Corona Unmasked“.

Das Buch von Bhakdi/Reiss bringt einem Leser, der seit März 2020 ein Coronatagebuch führt, nicht viel Neues. Aber alle Geimpften, die nach der zweiten Injektion immer noch glauben, damit zum „Ende der Pandemie“ beigetragen zu haben, die nach dem Start der Propaganda für die „Booster-Impfung“ immer noch glauben, diese Maßnahmen seien „wissenschaftlich begründet“, die nach tausenden Impftoten immer noch glauben, das Covid-Virus sei gefährlicher als die Covid-Impfungen – für all jene ist dieses Buch eine Pflichtlektüre. Einfach verständlich, wissenschaftlich fundiert und geeignet, mit Fakten jenen die Augen zu öffnen, die seit Ausbruch der Corona-Herrschaft blind den Politikern geglaubt haben.

„Das Buch erhebt weder den Anspruch auf Vollständigkeit noch darauf, die einzige Wahrheit zu verkünden. Es ist unser Bestreben, Dinge aufzuzeigen, die insbesondere in den Mainstream-Medien unerwähnt bleiben, aber für die Beurteilung der Sachlage unbedingt bekannt sein müssen“, schreiben die Autoren im Vorwort. Sie beschäftigen sich mit der Herkunft des Virus und dem PCR-Test, der „alles finden kann, selbst wenn so gut wie gar nichts da ist“, was auch erklärt, warum die Grippe vom Radar verschwunden ist – weil der wertlose PCR-Test auch bei Schnupfen, Husten, Heiserkeit Corona-Partikel findet. Wer bislang einen grippalen Infekt hatte, hat heute Covid.

Weitere Kapitel beschäftigen sich mit der Chronik der Krise, dem angeblichen Notstand in den Krankenhäusern, der Sinnlosigkeit der Maßnahmen, dem Maskenwahn, dem Mythos der asymptomatischen Virusverbreiter, dem Impfrausch und natürlich auch mit den Mutationen. Am Ende steht ein Plädoyer der Autoren:

„Es wird höchste Zeit, unsere Ängste hinter uns zu lassen. Es wird höchste zeit, dass wir diese verfehlte Politik nicht länger hinnehmen. Es wird höchste Zeit, unsere Freiheit und Menschwürde zurückzufordern. Es wird höchste Zeit, den Wahnsinn zu beenden. Es wird höchste Zeit, dass wir wieder anfangen zu leben.“

Nachsatz: Nachdem Sucharit Bhakdi, der in Deutschland für dieBasis-Partei kandidiert hat, wegen einer Israel-kritischen Aussage umgehend als „Antisemit“ diffamiert wurde, hat der österreichische Goldegg-Verlag, der bislang gut an den Werken des Wissenschafters verdient hat, seinen Vertrag mit Bhakdi gekündigt. (Siehe Bericht der Berliner Zeitung vom 16.7.2021) So ersparen sich die Buchhandlungen künftig die Zensur, weil diese schmutzige Arbeit der Verlag übernommen hat.

Siehe auch Kommentare dazu auf fischundfleisch.com, Portal für Meinungsfreiheit

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