25 Jahre Attac

Crowdfunding

Motto: Die Macht der Konzerne brechen

2. Juni 2023 (Mitteiliung aus dem aktuellen Newsletter von Attac Österreich) – „Warum nicht eine weltweite regierungsunabhängige Organisation namens ‚Aktion für eine Tobin-Steuer als Bürgerhilfe‘ (Action pour une taxe Tobin d‘aide aux citoyens – kurz: Attac) ins Leben rufen? Im Verein mit den Gewerkschaften und den zahlreichen Organisationen, die kulturelle, soziale oder ökologische Ziele verfolgen, könnte sie gegenüber den Regierungen als gigantische Pressure-Group der Zivilgesellschaft auftreten, mit dem Ziel, endlich wirksam eine weltweite Solidaritätssteuer durchzusetzen.“

Diese Schlussworte eines Artikels von Ignacio Ramonet in der Le Monde diplomatique vom Dezember 1997 führten am 3. Juni 1998 zur Gründung von Attac in Frankreich und in weiterer Folge zu einem nahezu weltumspannenden Netzwerk an eigenständigen Attac-Organisationen. (1) “Ignacio Ramonet hat den Zündfunken gelegt: Mit nur 0,1 Prozent Finanztransaktionssteuer können wir Sand ins Getriebe der Finanzmärkte streuen und Ungerechtigkeit sowie Hunger und Armut in der Welt bekämpfen“, erklärt Hanna Braun von Attac Österreich.

Attac-Forderungen und Alternativen werden aufgegriffen und umgesetzt

Egal ob es sich um Finanzmärkte, Steuerpolitik, Handelspolitik, Agrarpolitik oder Klimaschutz handelt: Viele Attac-Forderungen und Alternativen wurden nach Jahren von der Politik aufgegriffen und umgesetzt. Die weltweiten sozialen und globalisierungskritischen Bewegungen konnten zudem in den vergangenen 25 Jahren erfolgreich zentrale Projekte der neoliberalen Globalisierung stoppen: Die neoliberale Handels- und Investitionspolitik stockt – die WTO-Doha Entwicklungsrunde wurde nie beendet, das multilaterale Investitionsabkommen MAI und das EU-USA-Abkommen TTIP wurden gestoppt. Österreich ist das erste Land, in dem das Parlament der Regierung vorschreibt, das Mercosur-Abkommen abzulehnen.

„Grundlegende wirtschaftspolitische Veränderungen scheitern jedoch immer wieder an den realen Machtverhältnissen und den Profitinteressen von Konzernen. Eine der wichtigsten Aufgaben von Attac ist es, dazu ein Gegengewicht aufzubauen und die Macht der Konzerne zu brechen“, erklärt Braun.

Attac entwickelt Analysen laufend weiter

Heute, nach 25 Jahren, entwickelt das weltweite Attac Netzwerk seine Analysen und Forderungen laufend weiter: Der Kampf für globale Klimagerechtigkeit, ein solidarisches Welthandelssystem, ein gerechtes Steuer- und Finanzsystem, ein demokratisches und nachhaltiges Agrar- und Energiesystem, soziale Sicherheit, umfassende Demokratisierung oder eine grundlegende EU-Kritik zählen zu den Schwerpunkten.

„Ein gutes Leben für alle“ – das ist der Attac-Gegenentwurf zu nationalistischen Ansagen wie „Österreicher zuerst“ oder „America first“. Heute beziehen sich zahlreiche politische Akteure auf das Verständnis, dass Wirtschaft allen heute und in Zukunft lebenden Menschen – und nicht nur wenigen Superreichen – ein gutes Leben ermöglichen soll, erklärt Braun.

Einige Erfolge von Attac:

Die Notwendigkeit einer demokratischen Kontrolle der Finanzmärkte ist heute breit akzeptiert. Die Attac-Gründungsforderung, die Tobinsteuer, wurde schon 2013 als Finanztransaktionssteuer zwischen elf europäischen Ländern beschlossen. Dass es sie bis heute nicht gibt, liegt an der enormen Macht der Finanzakteure und deren Einfluss auf Regierungen. Durch Steuerskandale wie LuxLeaks, Paradise Papers oder Panama Papers wurde offensichtlich, was Attac schon seit der Gründung kritisiert: Das internationale Steuersystem ermöglicht Konzernen Steuertricks, welche die Allgemeinheit Milliarden kosten. Langjährige Attac-Alternativen wie die Gesamtkonzernsteuer oder eine Mindeststeuer für Konzerne werden international diskutiert, die aktuelle Umsetzung ist jedoch noch völlig unzureichend.

Auch der Steuerbetrug von Vermögenden steht heute auf der politischen Agenda. Der automatische Informationsaustausch zwischen Steuerbehörden ist seit 2016 Realität – leider jedoch noch immer mit zahlreichen Schlupflöchern. Gleiches gilt für öffentliche Register über die wahren Eigentümer*innen hinter Briefkastenfirmen. Sie wurden in der EU mittlerweile ansatzweise umgesetzt. 2015 wurde das Bankgeheimnis in Österreich abgeschafft und damit eine jahrelange Forderung von Attac Österreich erfüllt.

Die Notwendigkeit einer völlig anderen europäischen EU-Wirtschafts- und Steuerpolitik wird heute breit geteilt, ebenso wie die dringend erforderliche umfassende Demokratisierung der EU.

Attac Österreich wurde am 6. November 2000 gegründet.

Seit der Gründung durch eine einige Aktivist*innen hat sich Attac zu einer wichtigen Akteurin der österreichischen Zivilgesellschaft entwickelt, die politische Landschaft verändert und mitgestaltet. Mit Kampagnen, Aktionen und Bildungsveranstaltungen gelingt es, die angebliche Alternativlosigkeit der neoliberalen Globalisierung in Frage zu stellen und auf ihre negativen Folgen für die große Mehrheit der Menschen und die Umwelt hinzuweisen.

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Ehrlichkeit

Margariten

Essay vom 8. September 2016. Gesternabend haben zwei junge Damen mit Migrationshintergrund – sicher keine „Oligarchenbräute“, sondern fleißige, in Österreich studierende und arbeitende Russinnen – auf der Rolltreppe vor dem Kunstraum in den Ringstrassen Galerien eine Geldbörse mit 3.000 Euro (in Worten: dreitausend) gefunden. Und umgehend bei der Polizei abgegeben. So sind unsere neuen Österreicherinnen: vorbildlich ehrlich!

Wäre ich noch Mitglied der katholischen Kirche würde ich wohl sagen: „Danke, lieber Gott, dass du nicht mich dieser Prüfung unterzogen hast!“ Da ich aber den Katholen den Rücken zugewandt habe, jedoch immer noch ein bekennender Moralist bin, muss ich mich hier der Frage stellen: was hätte ich in dem Fall getan? Und ich muss euch beichten: ich wäre damit nicht sofort zur Polizei marschiert!

Der Vollständigkeit halber ist hier zu ergänzen: außer Geld und Brieftasche gab es bei diesem Fund keine Karten, weder Visit- noch Kreditkarten, die eine eindeutige Zuordnung zu einem Eigentümer ermöglicht hätten.

Als Pragmatiker hätte ich mich gefragt: wer verliert versehentlich 3.000 Euro? Ein Sandler, dem das Börsl durch seine löchrigen Sakko-Taschen gefallen ist? Oder einer, der so nebenbei mal 3.000 Euro für eine kleine Schweinerei verjubelt – vielleicht 200 Meter weiter im Casino in der Kärntnerstraße? (Andere Etablissements in der näheren Umgebung fallen mir gerade nicht ein.)

Ich hätte mich auch gefragt, ob 3.000 Euro für den Betroffenen ein großer Verlust sind? So groß, wie für mich drei Euro, die mir versehentlich auf den Boden fallen? So groß wie für mich 30 Euro, die ich abrunde, wenn ein Bild 1.030 Euro kostet, oder so groß wie für mich 300 Euro, die ich am Bankomat vergessen habe, weil ich gleichzeitig mit einer Freundin telefoniert habe. Das tut zwar weh, aber ich hab meine Lektion dabei gelernt: Mann oh Mann, du bist nicht multitasking-fähig.

Also ich sag es gerade heraus: nach reiflicher Überlegung hätte ich das Geld eingesteckt.

Wäre dieses Verhalten vereinbar mit dem kategorischen Imperativ, der für mich die höchste moralische Instanz darstellt? Handle stets nach derjenigen Maxime von der du wollen kannst, dass sie zu einem allgemeinen Gesetze werde! Könnte ich wollen, dass mein Handeln (nämlich einen Fund einfach einzusacken) zu einem allgemeinen Gesetze werde? Schlimm wäre es bestellt um unsere Moral!

Trotzdem hätte ich es getan und folgendes gemacht: Ich hätte die 3.000 Euro behalten und drei KünstlerInnen, die dringend Geld benötigen – da brauch ich nicht lange zu suchen – um jeweils 1.000 Euro ein Bild abgekauft. Ja, ehrlich gesagt, so ein Schlitzohr bin ich! Nicht einmal geschenkt hätte ich ihnen das Geld, sondern auch noch einen persönlichen Vorteil raus geschlagen.

Nun bleibt das für mich zwar nur ein hypothetischer Fall, aber die moralische Verantwortung für die Entscheidung, die ich getroffen hätte, bleibt die gleiche. Ich halte es tatsächlich für moralisch vertretbar, 3.000 anonyme Euro (das ist der springende Punkt: der Fund kann nicht eindeutig, ja sogar eindeutig nicht einer Person legitimer Weise zugeschrieben werden) einzustecken um damit etwas Gutes zu tun.

Schade also, dass es nur ein Gedankenexperiment geblieben ist. Aber wäre ich tatsächlich der glückliche Finder gewesen, ich hätte euch nichts davon erzählt. Ehrlich nicht!

SIEHE AUCH: story.one

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SINTEF: Vogelschutz bei Windrädern

SINTEF Windrad Vogelschutz

Neues Hightech-System verhindert Kollisionen durch Drehzahlregelung

(pte021/31.05.2023) – Mit dem Konzept SKARV wollen Experten des Forschungszentrums SINTEF den tausendfachen Tod von Vögeln durch Kollisionen mit Flügeln von Windenergieanlagen verhindern. SKARV ist die norwegische Übersetzung der Vogelart Kormoran und ein Akronym für „Slippe Fugle Kollisjoner med Aktiv Regulering av Vindturbiner“ („Verhinderung von Kollisionen mit Vögeln durch aktive Steuerung von Windkraftanlagen“). Es handelt sich um ein Steuerungssystem, das beim Anflug von Vögeln die Drehzahl der Rotoren erhöht, reduziert oder sie sogar stoppt, sodass die Tiere gefahrlos passieren können.

Foto: SINTEF

Die Entwickler haben mithilfe von Computersimulationen überprüft, ob das SKARV-Konzept funktioniert. Ergebnis: Der Vogelflug muss in einem Bereich von 100 bis 200 Metern von der Turbine entfernt erfasst werden, um die Stelle zu errechnen, an der das jeweilige Tier die Turbine voraussichtlich passiert. SKARV funktioniert, wenn sich die Flugbahn mindestens fünf Sekunden vor dem Eintreffen der Vögel berechnen lässt, um die Turbinendrehzahl zu verändern. Nähern sich ganze Vogelschwärme oder mache Tiere wilde Flugbewegungen, die nicht erfasst werden können, wie Fledermäuse es tun, legt SKARV die Mühlen still.

Windkraftanlagen arbeiten in der Regel mit variablen und kontrollierbaren Drehzahlen, um die aus dem Wind gewonnene Leistung zu maximieren. Das Konzept von SKARV lässt sich auf neue und bestehende Windparks übertragen, sagen die Wissenschaftler. Dazu gehören ein Vogelverfolgungssystem und eine spezielle Software, die sowohl die Flugbahn des Vogels als auch die nötige Änderung der Rotordrehzahl abschätzt, um das Kollisionsrisiko zu minimieren. Die daraus resultierenden Drehzahlstörungen können in die Standard-Turbinensteuerung eingebracht werden.

Ein Vogel, der sich einer Windenergieanlage nähert, kann die sich schnell bewegenden Flügel kaum erkennen, ähnlich wie der schnelle Flügelschlag von Kolibris praktisch unsichtbar ist. Zudem neigen einige Vogelarten dazu, während des Fluges seitlich und nach unten zu schauen, um nach Nahrung oder Partnern zu suchen, was für sie wichtiger ist, als im vermeintlich offenen Luftraum nach vorne zu schauen. Dabei können sie keine Objekte sehen, die sich in ihrer Flugrichtung befinden, und werden anfälliger für Kollisionen.

Quelle: SINTEC

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