Appell für den Frieden

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Ein Appell von Klaus Moegling auf change.org

gerichtet an die deutsche Bundesregierung, an Mitglieder des Deutschen Bundestags und die interessierte Öffentlichkeit (Der gleiche Text wird im österreichischen Friedensappell an die österreichische Regierung gerichtet)

BUCHTIPP: Michael Wolffsohn: Zum Weltfrieden

Stand 12. Jänner 2023: 1976 Unterzeichner

Stand 23. März 2023: 6809 Unterzeichner

Endstand 5. Dezember 2023 (Petition abgeschlossen): Diese Petition hat 16.421 Unterschriften erreicht

Klaus Moegling ist auch Mitunterzeichner des „Manifest für den Frieden„, das es mit vereinter Frauenpowervon Alice Schwarzer und Sahra Wagenknecht innerhalb weniger Tage auf über 177.000 Unterzeichner gebracht hat.

Text: Die weltweiten Kriege und die ständig beschleunigte Hochrüstung stehen der Bewältigung der ökologischen Krise entgegen.

Die Arsenale der Atommächte und die über 400 Nuklearreaktoren weltweit sowie die ökologischen Kipp-Punkte der Klima- und anderer ökologischer Katastrophen sowie die internationale Rivalität sind eine ständig zunehmende Gefahr für die Zukunft der Menschheit.

Eine Zukunft der Menschheit wird es nur geben, wenn diese eine friedliche wird. Hierbei geht es sowohl um innergesellschaftlichen und zwischenstaatlichen Frieden als auch um den Frieden mit der Natur.

Dies erfordert eine internationale Kooperation statt Rivalität und Feindschaft.

Wir warnen, angesichts der Warnungen aus Scharm El Scheich, vor einem erneuten Zeitverlust, den sich die Menschheit nicht mehr leisten kann.

Die laut SIPRI offiziellen 2100 Jahresmilliarden (in US-$) Weltrüstungsausgaben bedingen einerseits eine Belastung der Ökosphäre mit Verbrennungsabgasen, andererseits eine Ressourcenvernichtung in ebenso existenziell schädlichem Umfang, wodurch u.a. Ressourcen für soziale Programme sowie Bildung und die Bekämpfung von Hungersnöten fehlen. 

Der Vertrag zur Deutschen Einheit (2+4-Vertrag) erlegt den USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und Deutschland die Aufgabe auf, sich für eine Weltfriedensordnung einzusetzen, welche die Sicherheitsinteressen aller Staaten berücksichtigt. Dies ist der Schlüssel zur Überwindung der Rivalität.

– Wir fordern daher von der Bundesregierung im Sinne des 2+4-Vertrags, dass sie sich umgehend und mit dem nötigen diplomatischen Einsatz für eine vom UN-Generalsekretariat getragene hochrangige Verhandlungsinitiative zur Beendigung des eskalierenden Kriegs in der Ukraine einsetzt. Das gegenseitige Töten und auch die massive Umweltzerstörung durch den Krieg sind nicht länger von der internationalen Gemeinschaft der Völker hinnehmbar!

– Wir fordern eine konsequente Ökologiepolitik und eine Abkehr vom unkritischen Wachstumsdenken, um mit einem ganzheitlichen Ansatz die existenzielle Bedrohung der Zukunft des Lebens auf der Erde abzuwenden. Dementsprechend müssen auch die durch Militär bedingten Emissionen eines Staates im Inland und Ausland seiner nationalen CO2-Klimabilanz zugerechnet werden. Wir fordern die Bundesregierung auf, sich bei internationalen Klimaverhandlungen dafür einzusetzen, dass es keine Herausnahme der militärisch bedingten Umweltverschmutzung bei internationalen Klimaverhandlungen mehr geben wird.

– Wir fordern eine über die UN koordinierte internationale Abrüstung statt Aufrüstung. Insbesondere fordern wir ein Ende der Nuklearrüstung, welche die Menschheit nach der Aufkündigung der nuklearen Abrüstungsverträge und gegenseitigen Vernichtungsdrohungen in ihrer Existenz gefährdet. Daher fordern wir auch den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zum Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen.

Es muss jetzt endlich die Zeit der wirkungsvollen diplomatischen Initiativen und zivilgesellschaftlicher Aktivitäten im internationalen Rahmen kommen!

Frieden entsteht nicht durch mehr Krieg! Kriege enden nicht im Frieden! Nur eine Politik, die ehrlich alle Gefahrenpotentiale zeitnah angeht, kann die Zukunftsgefährdungen abwenden. Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie sich hier eindeutig positioniert und konsequent im Rahmen internationaler Absprachen handelt!

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Ubuntu: Die afrikanische Kultur des Wir

Ubuntu netzwerk ethik

12. Jänner 2023 – “Ich bin, weil du bist”, lautet eine Kernaussage der afrikanischen Philosophie und Lebenskunst Ubuntu. Sie setzt dem Mythos der Individualität die Idee der Freiheit in Verbundenheit entgegen. Faszinierend, wie sich die universelle Weisheit in den verschiedenen Kulturen zeigt.

Geseko von Lüpke stellt Ubuntu in der aktuellen Ausgabe von ethik-heute.org vor.

„Ubuntu meint, dass der einzelne Mensch nur durch seine Teilhabe am Ganzen über sich hinauswachsen kann.“ Ich und andere sind kein Gegensatz, sondern bedingen einander und das soll im täglichen Leben, in allen Handlungen ausgedrückt werden. Im Unterschied zum europäischen „Ich denke, daher bin ich“, entspricht das afrikanische Ubuntu dem Zulu-Sprichwort: Ich bin (…), weil Du bist.

Der Autor verweist auch auf die Schattenseiten unserer Zeit, in der Ubuntu trivialisiert und kommerzialisiert wird: „Das Wort findet sich auch als Leerformel in Politikerreden, wird zur Marke und zum Werbeträger, wird als Name für Konsumprodukte, Computerprogramme und Versicherungsunternehmen missbraucht und trivialisiert. Südafrikas kritische Jugend wendet sich vom verbindenden Mythos ab und glaubt kaum daran, dass sich das Ideal eines gerechten und gemeinschaftlichen Lebens mit der globalisierten Wachstumswelt verbinden lässt. Der Verlust von Ubuntu wird überall beklagt.“

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Ästhetik der Macht

Sradj Nadim 800

von Nadim Sradj, Regensburg

Der Begriff „Ästhetik“ soll hier im ursprünglichen Sinne als Empfindung, Wahrnehmung (Ästhesie), nicht im Zusammenhang mit Schönheit verstanden werden. Bekannter ist im Allgemeinen das Gegenteil hiervon, nämlich Anästhesie als Empfindungslosigkeit, Narkose. Die Komplexität und die irreguläre Dynamik der Macht erfordern eine breitere Basis der Erkenntnis. Hierzu können vier verschiedene Ansätze beitragen:

1. Die Subjekt-Objekt-Spaltung nach Descartes.

2. Die Dialektik der These-Antithese nach Hegel und Kojev.

3. Das Herrschaftswissen nach Max Scheler.

4. Die Pathologie der Macht, Orte der Wahr- und Falschnehmung.

Ad 1: In der Subjekt-Objekt-Spaltung agiert der Mächtige eindimensional und linear. Die Machtrichtung ist einseitig und in der Regel hierarchisch begründet. So z.B. Offizier und Soldat oder das Arzt-Patient-Verhältnis, wobei der Arzt, als der Wissende, Aktive, der Entscheidende, der Patient als der Unwissende, der Passive definiert wird. Er wird praktisch mit einem Tier gleichgesetzt, wenn Ergebnisse von Tierversuchen auf ihn übertragen werden.

Ad 2: Die Ausübung der Macht findet nicht im homogenen Raum, im Vakuum sondern im zwischenmenschlichen Spannungsverhältnis statt. Wo Macht ist, ist auch Gegenmacht. Wird die Machtausübung hoch dosiert, so entsteht eine rigide Beziehung zwischen Herr und Knecht. Das Bewusstsein des Stärkeren unterdrückt den Willen des Schwächeren. Die Eigendynamik der Macht schafft neue Konstellationen, in denen Stärke in Schwäche umschlagen kann. In diesem Zusammenhang kommt der Begriff der Freiheit ins Spiel. Durch die Aufklärung entsteht das Bewusstsein von Freiheit als geschichtlicher Prozess. Hegel definiert die Geschichte als „Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit“. Unter diesem Aspekt werden Revolutionen gerechtfertigt. Die Macht erscheint hier als kollektiv, nicht mehr individuell.

Ad 3: Das Herrschaftswissen deckt sich mit der Formel von Francis Bacon „Wissen ist Macht“. Der Philosoph Max Scheler unterscheidet drei Arten von Wissen: Erlösungswissen im religiösen Bereich, Kommunikations-wissen und Herrschaftswissen.

Heutzutage bestimmen sogenannte wissenschaftliche Erkenntnisse in weiten Teilen unser Leben und unser Verhalten. Damit ist eine neue Art der Machtausübung durch Experten und Technokraten auf der Grundlage von Statistiken und Messergebnissen entstanden. Hierbei ist zum Beispiel in der Augenheilkunde nur noch eine einzige Methode zur Erlangung wissenschaftlicher Erkenntnis zugelassen. Paul Feyerabend sprach von „Methodenzwang“. Der Methodenmonismus, d.h. das Zulassen einer einzigen Methode unter Ausschluss aller alternativen Forschungsmethoden und die Verrechtlichung der so gewonnenen einseitigen Ergebnisse führt zu einer Konstellation innerhalb der Forschung, die Feyerabend einmal als „Wissenschaftsmafia“ bezeichnet hat. In nahezu allen ophthalmologischen Fachzeitschriften wird den Autoren vorgeschrieben, nur ein einziges methodisches Muster anzuwenden (Statistik, Doppelblindstudie usw ). Alle anderen wissenschaftlichen Methoden werden nicht akzeptiert. Dies ist eine Manipulation von Erkenntnissen und Messdaten, die sich auch in anderen Bereichen wiederfinden lässt. Ein Beispiel hierfür ist die Abgasmanipulation bei VW, die wir nicht als ein Mittel zur Bereicherung sehen, sondern als einen Versuch, Umweltprobleme allein durch Technologie lösen zu wollen. Dieser Methodenmonismus ist von vorneherein zum Scheitern verurteilt.

Ad 4: Erhöht man die Dosierung der Macht, so kann sie Zittern, Herzklopfen oder psychologische Wunden hervorrufen. In diesem Fall gilt das Prinzip „so wenig Macht wie möglich, so viel wie nötig“. Die Eigendynamik der Macht hebt das Prinzip der Gleichheit und Gleichwertigkeit auf (s. Abbildungen) und stellt eine neue Beziehung der Über- und Unterordnung her. Diese spannungsvolle Konstellation kann das Bewusstsein der Stärke in eine Position der Schwäche verwandeln. In der Schwäche geschieht es häufig, dass der Betroffene nach dem Verlust der Macht in einen Zustand der Autoaggression gerät und in die Krankheit verfällt. Macht kann zur Droge werden, ihr Verlust endet im Verfall.

Unter diesem Aspekt der Psychopathologie definieren wir die Macht als sublimen Ausdruck von Aggression.

Wenn es in der internationalen Politik um Fragen von Recht und Unrecht geht, so ist sie bei den Kategorien von Ethik und Moral im Stadium einseitiger Interessenvertretung stehen geblieben. In solchen Fällen weicht sie in die Jurisprudenz aus und endet im Legalismus formaler Strukturen, Paragraphen und Vorschriften. Die heutige Diskussion über die Ästhetik ist zeitweise diffus, undifferenziert, an Sensationen orientiert, teilweise verrückt und büßt dadurch an Glaubwürdigkeit ein. So konnte es geschehen, dass eine Journalistin es ablehnt, sich mit dem Thema „Ästhetik“ zu beschäftigen mit der Begründung, das sei ein Thema „für gelangweilte Hausfrauen und pensionierte Wissenschaftler“.

Die Ästhetik auf der Grundlage der Sinnesphysiologie und Sinnespathologie, die u.a. auf Ernst Mach und Helmholtz zurückzuführen ist, ist ein wesentlicher Schritt aus diesem Dilemma heraus in ein System der Erkenntnis.

Die wissenschaftliche Ästhetik hat eine eigene Erkenntnistheorie, nämlich die induktive Logik und eine eigene Methode, die experimentelle Methode (J. St. Mill 1843).

Das Ergebnis dieser Studie ist, dass die naturwissenschaftliche Ästhetik selbst eine Art von Macht darstellt, indem sie grenzüberschreitende Wirksamkeit und Geltung erlangt.

Die Ästhetik angewandt auf die Politik bringt uns zum Bewusstsein, dass die Pflanzen- und Tierwelt nicht als reine Gegenstände gesehen werden dürfen, sondern autonome lebendige Strukturen darstellen, die als solche Anerkennung und Würde verdienen. Was ist der Mensch ohne Pflanzen und Tiere? Wovon könnte er dann noch leben?

Der Klimawandel und die Umweltkatastrophen verdeutlichen, dass die Natur nicht nur eine Macht, sondern eine Allmacht darstellt, gegen die der Mensch letztlich hilflos ist. Die ästhetische Betrachtung der Politik sensibilisiert unsere Wahrnehmung von Signalen und Vorzeichen. Eine nachhaltige Weltästhetik nimmt die Idee des Weltethos auf, und es ist zu hoffen, dass auf diesem Wege der Weltfrieden Realität wird.

Literatur

Paul Feyerabend, Wider den Methodenzwang. Skizze einer anarchistischen Erkenntnistheorie, Frankfurt am Main, 1976

Alexander Kojev, Hegel. Kommentar zur Phänomenologie des Geistes, Frankfurt am Main, 1975

Nadim Sradj, Sinnesphysiologische Ästhetik und ihre Bedeutung für die Politik , Regensburg, 2020

Ders. Global Science – 10 Thesen zur Weltauffassung im 21. Jahrhundert, s. These 7 , Regensburg. 2011

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