Warum Energiepreise 2025 steigen

Energiepreisentwicklung 2025

Von Christoph Weiß

Key Account Manager der OurPower Energiegenossenschaft SCE mbH

Zum Jahresende laufen verschiedene Unterstützungsmaßnahmen für Stromkund:innen aus, während die Netztarife gleichzeitig ansteigen. Für viele Kund:innen bedeutet dies einen Anstieg der Stromkosten. Warum die Kosten für Strom steigen und was man dagegen tun kann.

Preisschock! Kostenexplosion! Die Medien sind prall gefüllt mit Angstmachern und Expert:innen-Tipps. Nähern wir uns einem Desaster, mit dem wir schon vergangene Jahre konfrontiert waren: instabile Preise und unvorhersehbare Rechnungssummen? Was steckt hinter den Schlagzeilen? 

Zugegeben: Der Energiemarkt ist längst nicht mehr das, was er einmal war – und hinter dieser scheinbar mutlosen Floskel versteckt sich Positives: Denn wir als Bürger:innen haben mittlerweile mehr Möglichkeiten zur Unabhängigkeit und Regionalität, als Dir vielleicht bewusst ist.

Entwicklung von Energiekosten, Netzkosten und Energieabgaben

Unser gemeinsames Stromnetz erstreckt sich über ganz Europa. Trotzdem variieren die Strompreise von Staat zu Staat – und selbst innerhalb Österreichs gibt es ein deutliches Preis-Gefälle: im Osten sind die Stromkosten höher als im Westen.

Ganz ähnlich verhält es sich mit den zu erwartenden Kostenerhöhungen: östliche Bundesländer sind davon eher betroffen als westliche. Auf genau diese Kosten – Energiekosten, Netzkosten, Energieabgaben – werfen wir nun einen Blick:

Alle drei Teile Deiner Stromrechnung werden ab Jänner 2025 höher ausfallen.

Energiekosten

Die Marktlage bleibt nach heutigem Stand stabil. Gerade kannst Du zwar höhere Strompreise beobachten als noch vor wenigen Monaten, aber das ist eine typische saisonale Schwankung. – Richtung Sommer werden die Strompreise wieder sinken.

Das, was für Schlagzeilen sorgt, ist der Entfall der Strompreisbremse: Während der Energiekrise wurde damit Haushalten der Energiepreis auf 10 ct/kWh netto gedeckelt. Fast alles darüber war für uns im Börserl nicht spürbar.

Wenn die Strompreisbremse für 2025 nun nicht verlängert wird, bedeutet das, wieder den gesamten Energiepreis selbst zahlen zu müssen – und das kann bei bestehenden Verträgen von konventionellen Energielieferanten bis zu 18 ct/kWh netto (also bis zu 8 ct/kWh netto mehr) bedeuten.

Netzkosten

Energie allein reicht natürlich nicht. Es braucht ein starkes und zukunftsfähiges Stromnetz. Deshalb werden für 2025 auch die Netzkosten, die zum Ausbau und Erhalt des Stromnetzes benötigt werden, erhöht – im Osten Österreichs deutlicher als im Westen.

Beispielsweise beträgt die Steigerung der Netzkosten in Niederösterreich 32%, während sie in Vorarlberg bei 3% liegt. Wenn wir den österreichischen Schnitt betrachten, werden die Netzkosten um 23% erhöht, also um etwa 2 ct/kWh netto.

Energieabgaben

Zuletzt vervollständigen wir die Rechnung mit Energiesteuern und -abgaben, die auf der Abrechnung seit geraumer Zeit abgängig sind:

Die Elektrizitätsabgabe wird 2025 wieder in üblicher Höher mit 1,5 ct/kWh netto verrechnet werden. Bis Ende Dezember 2024 beträgt sie noch 0,1 ct/kWh netto.

Auch der Erneuerbaren-Förderbeitrag und die Erneuerbaren-Förderpauschale werden bald wieder beansprucht werden. Das letzte Mal waren sie im Jahr 2021 mit 47 EUR/Jahr netto und 1,32 ct/kWh netto auf Deiner Stromrechnung zu finden.

Unterm Strich: Wirft nun ein typischer Haushalt Ende 2025 einen Blick auf seine Stromrechnungen, bedeutet das ein Plus von

+ bis zu 280 EUR brutto durch den Wegfall der Strompreisbremse

+ durchschnittlich 70 EUR brutto höhere Netzkosten

+ und 180 EUR brutto höhere Energiesteuern und -abgaben

als noch im Jahr 2024 beobachtet werden konnte.

Ausblick

Wir befinden uns am Ende einer jahrelangen Energiekrise mit unerwarteten Wendungen. Viele Bürger:innen wurden mit hohen Nachzahlungen überrascht und hatten kaum Chancen darauf zu reagieren. Dabei bleibt nicht nur zu hoffen, dass es sich um ein Jahrhundertereignis handelte: Wir sollten die Gelegenheit nutzen, um uns abzusichern.

Wir möchten nochmal hervorheben: Ein Blick auf Deine aktuelle Stromrechnung lohnt sich – vor allem, wenn Du nicht weißt, von wem Du Deinen Strom beziehst.

Wenn der Energiemarkt wieder einmal verrücktspielen sollte, ist es umso wichtiger, dass wir als Bürger:innen unsere Möglichkeiten nutzen und gemeinsam für stabile und faire Strompreise sorgen – möglichst unabhängig von Gaslieferanten und Energiekonzernen.

Diese Möglichkeit gibt es: Der OurPower-Marktplatz setzt sich genau dafür ein. Wir alle kennen kleine Ökostrom-Erzeuger:innen in unserem Umfeld. Schließen wir uns noch heute zusammen und knüpfen wir langfristige Strombeziehungen ohne Preisschock und Kostenexplosion. 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag. Wir haben es in der Hand:

Über OurPower

OurPower wurde 2018 von 19 Pionier:innen gegründet. Seitdem haben wir gemeinsam mit unseren Partner:innen und der Community eine einzigartige digitale Plattform, den OurPower-Marktplatz, aufgebaut. Der Marktplatz bietet Menschen seit mittlerweile vier Jahren die Möglichkeit, Strom selbstbestimmt miteinander zu teilen und ihre Energieversorgung in die eigenen Hände zu nehmen. Transparenz ist uns dabei besonders wichtig – bei OurPower weißt Du immer genau, von wem Dein Strom kommt und an wen Dein Geld fließt. Als Genossenschaft fördern wir dadurch die regionale Wirtschaft. In unserer Community schaffen wir langfristige, stabile Beziehungen, von denen alle profitieren. Und das Beste: Als Mitglied bestimmst Du demokratisch mit, wie OurPower sich entwickelt und hast die Möglichkeit, aktiv an der Gestaltung unseres Marktplatzes mitzuwirken.

Unser Ziel ist es, durch digitale und soziale Innovationen die Energiewende zu beschleunigen. Das Kapital unserer Mitglieder nutzen wir, um den OurPower-Marktplatz weiterzuentwickeln und unsere Community zu vergrößern – denn je mehr wir sind, desto wirksamer wird unsere Arbeit.

UPDATE 16. Dezember 2024 – E-Control teilt mit: „Die Netzentgelte für Strom werden sich mit Jänner 2025 größtenteils erhöhen, was vor allem auf gestiegene Investitionen sowie reduzierte Abgabemengen zurückzuführen ist. Das hat die Regulierungskommission der E-Control entsprechend beschlossen. Im Österreichschnitt ergeben sich ab 2025 um etwa 19% höhere Stromnetzentgelte für Industrie, Haushalt und Gewerbe. Für Haushalte steigen die Entgelte mit im Schnitt 23% deutlicher an, da die Mengenrückgänge in diesem Segment stärker wirken. „Während im Vorjahr bundesweit in Summe noch Gesamtkosten in Höhe von rund 2,5 Mrd. Euro durch die Systemnutzungsentgelte aufgebracht werden mussten, so sind dies im laufenden Jahr bereits 3,0 Mrd. Euro, welche durch die Netzentgelte zu finanzieren sind. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh beträgt die Netzkostenerhöhung rund 73 Euro pro Jahr bzw. 6,10 Euro pro Monat.“, rechnet der Vorstand der E-Control, Alfons Haber, vor.“ Details siehe Pressemitteilung der E-Control

UPDATE 9. Jänner 2025 – EKBSG ist nicht verfassungswidrig. Der VfGH hat sowohl den Antrag der Burgenländischen Landesregierung als auch mehrere – die Beitragspflicht bis 30.6.2023 betreffende – Beschwerden von Stromerzeugern als unbegründet abgewiesen. Das Bundesgesetz über den Energiekrisenbeitrag-Strom (EKBSG) ist nicht verfassungswidrig. […] Es liegt, so der VfGH, im rechtspolitischen Gestaltungsspielraum des Gesetzgebers, als Reaktion auf eine massive Störung des Strommarktes für einen begrenzten Zeitraum eine Abgabe auf die Überschusserlöse von Stromerzeugern zu erheben. (Pessemitteilung vfgh.gv.at 9.1.2025)

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Gelenkte Demokratie

Die Klaviatur der Unterdrückung

Analyse des Vorgehens zur Entmachtung der politischen Opposition in gelenkten Demokratien

von zensurio.net (29. Oktober 2024)

und als Video auf youtube

Brutale Festnahmen, nächtliche Hausdurchsuchungen, gewaltsames Niederschlagen von Protesten, inhaftierte Journalisten und Oppositionelle, die plötzlich spurlos verschwinden. So oder so ähnlich mag man sich einen Unterdrückungsstaat vorstellen. Der Nachteil von direkter Gewalt ist jedoch, dass sie bei den meisten Menschen Ablehnungs- und Widerstandsgefühle auslöst. Zur Stabilisierung eines illegitimen Herrschaftssystems, das nicht nur langlebig, sondern vor allem auch kostengünstig sein soll, sind daher filigranere Methoden der Massenkontrolle vonnöten. Effizient ist illegitime Herrschaft dann, wenn sie Zustimmung für sich organisieren kann. Könnte genau das der Zweck von modernen repräsentativen Demokratien sein?

Rainer Mausfeld spricht von Herrschaftstechniken, die „seit dem Beginn des vergangenen Jahrhunderts unter wesentlicher Beteiligung der Sozialwissenschaften und der Psychologie entwickelt wurden [und] darauf angelegt [sind], dass sie unser psychisches Immunsystem gegen Manipulation unterlaufen, indem sie natürliche psychische Mechanismen ausnutzen, durch die Menschen zu einer freiwilligen Unterwerfung und stillschweigender Zustimmung gebracht werden können.“ Dabei fände eine „weitgehende Ersetzung traditioneller roher Gewaltformen durch Formen kaum noch bemerkbarer Gewalt [statt], wobei jedoch bei Bedarf jederzeit zu Repressionsmaßnahmen gegriffen werden kann.“

SIEHE AUCH: Prof. Rainer Mausfeld definiert Demokratie.

Bildung parasitärer Machteliten verhindern!

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Mehr dazu: zenurio.net (3. April 2025)

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Private Medienförderung

MFF Jury

Vier Medien erhalten die ersten Förderungen des Media Forward Fund

6. Dezember 2024 (Pressemitteilung von Loebell Nordberg) – Je zwei Medien aus der Schweiz und Österreich erhalten jeweils bis zu 400.000 Euro – Fokus liegt auf neuen Methoden, gemeinwohlorientierte Vertriebskanäle zu vergrößern – neue Bewerbungen ab März 2025 möglich

Im Juli ist der Media Forward Fund (MFF) gestartet, um den gemeinwohlorientierten Journalismus und die Demokratie in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu stärken – nun stehen die ersten Förderpartner des ersten Calls aus dem DACH-Raum fest. Vier Medien, davon zwei aus der Schweiz und zwei aus Österreich, wurde von der unabhängigen Jury eine Förderung von jeweils bis zu 400.000 Euro zuerkannt. Die Medien wollen mit vier unterschiedlichen gemeinwohlorientierten Ansätzen neue Wege gehen, ihre Vertriebskanäle zu vergrößern, um mehr Nutzerinnen und Nutzer für ein Abo oder eine Mitgliedschaft zu gewinnen. Insgesamt wurden von der Jury im ersten Call Fördermittel von 1,5 Millionen Euro zuerkannt.

MFF_Jury (v.l.n.r.) Yves Daccord, Evelyn Hemmer, Eva Schulz, Maria Exner, Lucy Kueng

Unter den ersten vier Förderpartnern des MFF sind zwei investigative Redaktionen; bei einem Medium liegt der thematische Fokus auf der „underserved community“ von Menschen mit Behinderung:

Das Schweizer Investigativmedium Reflekt aus Bern, das seit mehr als fünf Jahren regelmäßig Missstände aufdeckt und damit gesellschaftlichen Impact erzielt, wird mit 300.000 Euro gefördert. Reflekt möchte seine Vertriebskanäle (Funnel) verbreitern, indem sie gemeinsam mit reichweitenstarken Hosts ihre investigativen Recherchen in Social Videos zugänglich machen. Die so gewonnenen Nutzerinnen und Nutzer sollen dann über ein Crowdfunding zu zahlenden Unterstützern werden.

Das österreichische werbefreie Investigativmedium Dossier aus Wien, das seit mehr als zwölf Jahren über Korruption, Ausbeutung und Machtmissbrauch berichtet, wird mit 390.000 Euro gefördert. Dossier möchte seinen Funnel zur Mitgliedschaft vergrößern, indem investigative Recherchen auf die Theaterbühne gebracht werden.

Das österreichische Medienhaus andererseits aus Wien, bei dem Menschen mit und ohne Behinderungen seit zwei Jahren in einer inklusiven und Community-basierten Redaktion für ein Print-Magazin, zwei Newsletter und investigative Recherchen schreiben, wird mit 400.000 Euro gefördert. Andererseits möchte seine Vertriebskanäle zum Abo durch einen themenspezifischen Newsletter für die „underserved community“ der Menschen mit Behinderung vergrößern.

Mit dem Schweizer Lokalmedium Tsüri aus Zürich, das seit zehn Jahren für eine überwiegend junge Zielgruppe berichtet, geht der MFF eine Kooperation mit einem finanziellen Beitrag von 400.000 Euro ein. Damit soll in Workshops und Prototypen herausgefunden werden, wie ein hyperlokales Nischenthema den Vertriebskanal zur Mitgliedschaft vergrößern kann.

„Aus 136 Bewerbungen unterstützt der Media Forward Fund vier vielversprechende Projekte, die allesamt wertvolle Erkenntnisse bringen werden, wie der gemeinwohlorientierte Journalismus durch zusätzliche Vertriebskanäle tragfähiger finanziert werden kann“, sagt Martin Kotynek, Gründungsgeschäftsführer des Media Forward Fund: „Mit unserem finanziellen Beitrag sowie zusätzlich mit Coaching, Capacity Building und Ausbildung können die vier Medien ihre Geschäftsmodelle zum Wachstum bringen, um so ihre finanzielle und damit ihre inhaltliche Unabhängigkeit zu stärken.“

Die nächste Förderrunde beginnt im März 2025. Die Ausschreibung wird von Info-Sessions und Schulungen begleitet. Bewerber:innen, die von der Jury keine Förderzusage erhalten haben, erhalten auf Wunsch die Möglichkeit eines Feedbackgesprächs. Eine erneute Bewerbung ist möglich.

Projekte & Jurybegründung: Über die Förderpartner:innen

Reflekt

Um zukünftig vermehrt jüngere Zielgruppen mit den Ergebnissen ihrer Recherchen zu erreichen, möchte das Investigativmedium Reflekt mit der Förderung des MFF verstärkt auf die Produktion von investigativem Video-Content für Social Media in Kooperation mit reichweitenstarken Hosts setzen. Mit dem vielbeachteten „Kein Freund und Helfer“-Video hat Reflekt dafür bereits einen erfolgreichen Proof-of-Concept geliefert. Das übergeordnete Ziel des Investigativmediums ist es dabei, seine Community und damit auch seine zahlenden Mitglieder durch eine höhere Reichweite in den sozialen Medien und zusätzlich über ein Crowdfunding mindestens zu verdoppeln.

Die Jury war beeindruckt „von der Kombination aus investigativer Arbeit mit hoher Relevanz und der originellen Übersetzung von Recherchen in Social Videos“. Sie interessierte sich besonders dafür, „wie künftig Host-Strategien effektiv genutzt werden können, um auch ein jüngeres Publikum mit Investigativjournalismus zu erreichen.“

Dossier

Das Investigativmedium Dossier aus Österreich hat als erfolgreiches Proof-of-Concept das Theaterstück „Aufstieg und Fall des Herrn René Benko“ in Kooperation mit dem Wiener Volkstheater vorgelegt. Basierend darauf möchte Dossier die Vermittlung seiner investigativjournalistischen Arbeitsweise und einzelner Rechercheergebnisse auf der Theaterbühne im Sinne des Slow Journalism für ein vielfältiges Publikum ausweiten. Mit drei verschiedenen Live-Journalismus-Formaten sollen so zusätzliche zahlende Mitglieder gewonnen und auch weitere Einnahmequellen erschlossen werden.

„Indem Dossier seine journalistische Arbeit auf die Bühne und damit in die analoge Welt zurückbringt, geht es neue Wege, um mit seinem Publikum in direkten Kontakt zu treten und eine tiefere Auseinandersetzung mit den Ergebnissen seiner Recherchen und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft anzuregen“, urteilt die Jury: „Bewähren sich die Live-Journalismus-Formate, könnte ein völlig neues journalistisches Genre mit immersivem Charakter für die Branche entstehen und sich als neues, gemeinwohlorientiertes Erlösmodell etablieren“.

Medienhaus andererseits

Um die Perspektive von Menschen mit Behinderungen im Journalismus sichtbarer zu machen, recherchieren und schreiben Menschen mit Behinderungen in der Redaktion des inklusiven und Community-basierten Medienhauses andererseits. Neben einem Printmagazin und zwei Newslettern veröffentlicht Andererseits auch investigative Recherchen in Kooperation mit großen Partnermedien. Mit der Förderung des MFF will Andererseits die Zahl der zahlenden Abonnentinnen und Abonnenten verdreifachen. Dafür sind im Förderzeitraum Relaunches der Newsletter und die Entwicklung zusätzlicher Social-Media-Formate geplant. Mit Nutzendenbefragungen soll eine solide Datenbasis aufgebaut werden, um den allgemeinen Erkenntnisgewinn zur unabhängigen, Community-basierten Finanzierung für barrierefreien und diversen Journalismus voranzutreiben.

Die Jury bewertete vor allem „das eingereichte Vorhabendesign, das von einer hochprofessionellen Arbeitsweise der Organisation und stark ausgeprägten Nutzendenzentrierung zeugt“, besonders positiv: „Im Gegensatz zu vielen anderen Medien ist Andererseits erfolgreich darin, echten und glaubwürdigen inklusiven Journalismus unter qualitätsjournalistischen Ansprüchen zu machen, auch wenn dieser zeit- und damit kostenintensiver ist“, lautet die Begründung der Jury. „Damit erfüllt das Projekt nicht nur eine wichtige Vorreiterfunktion, sondern hat auch das Potenzial, Lösungen für eine inklusivere Weiterentwicklung des journalistischen Sektors zu bieten“.

Tsüri

Das digitale Stadtmagazin Tsüri bedient mit dem „Züri Briefing“, einem täglichen Newsletter mit wichtigen Nachrichten zur Stadt, eine überwiegend junge Zielgruppe in Zürich. In Zukunft wird Tsüri auch regelmäßig mit einem neuen hyperlokalen Newsletter über ein relevantes Nischenthema berichten, konkret über die Wohnkrise in der Stadt. Damit soll die Anzahl der zahlenden Mitglieder aufgrund der hohen lokalen Relevanz des Themas mehr als verdoppelt werden. Der MFF wird Tsüri bei diesem Vorhaben als Kooperationspartner im Rahmen von Aus- und Weiterbildungsworkshops zum Thema hyperlokaler Journalismus unterstützen. Insbesondere soll auch der Wissenstransfer der Erkenntnisse in die Community des gemeinwohlorientierten Journalismus rund um den Fund im DACH-Raum forciert werden.

„Tsüri steht schon bisher beispiellos für finanziell nachhaltigen und profitablen Lokaljournalismus, der auf einem authentischen und glaubwürdigen Narrativ basiert“, heißt es in der Jury-Begründung. „Sich in Zukunft einem zusätzlichen hyperlokalen Thema zu widmen, um zusätzliche Mitglieder zu gewinnen, ist ein spannendes Experiment, das bisher nur wenige gewagt haben“.

So lief die erste Bewerbungsphase

Die Förderpartner:innen des ersten Calls wurden in einem fünfstufigen Prozess ermittelt: Von 136 Bewerber:innen mit einem Förderbedarf von 40 Millionen Euro waren 52 zu Einzelgesprächen eingeladen worden. Daraus wurden aufgrund der Eignungs- und Vergabekriterien, nach einer Prüfung der Förderfähigkeit und nach zahlreichen Erstgesprächen 26 Kandidat:innen mit einem Förderbedarf von neun Millionen Euro zur Antragstellung zugelassen. Die zehn Finalist:innen – drei aus Deutschland, zwei aus Österreich und fünf aus der Schweiz – präsentierten schließlich Ende November in Berlin ihre Konzepte vor der fünfköpfigen MFF-Jury. Auch ein Expert Council aus 14 Fachleuten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hatte im Vorfeld das Fund Management bei der Prüfung der Anträge für die Jury beraten.

So arbeitet der MFF

Der Media Forward Fund steht für gemeinwohlorientierte Medien und Projekte nach der Ideenphase offen, sobald ein Proof-of-Concept und ein erster Beleg für den Product-/Market-Fit vorhanden sind. Förderfähig sind insbesondere Medien, die Lücken in der lokalen und überregionalen Berichterstattung füllen. Besonderes Augenmerk liegt auf Zielgruppen, die bisher wenig Zugang zu Journalismus haben.

Bei gemeinnützigen Medien mit bis zu 30 Vollzeit-Mitarbeiter:innen im gesamten Unternehmen leistet der Fund Organisationsförderung in der Höhe von in der Regel bis zu 400.000 Euro pro Förderpartner. Gemeinwohlorientierte For-Profit-Medien können Projektförderung beantragen, die je nach Größe des Mediums im Verhältnis 50:50 co-finanziert wird. Zusätzlich zur finanziellen Förderung bietet der Fund organisatorische Begleitung und „Capacity Building“, etwa zu Medienrecht oder zur Geschäftsmodellentwicklung.

Für die Fördermittelvergabe wurden Kriterien in den Bereichen Transformation, Nutzerzentrierung, Vielfalt, Unabhängigkeit und Qualität definiert. Es sollen gemeinwohlorientierte Medien gefördert werden, welche die Medienlandschaft und deren Rolle in der Gesellschaft nachhaltig stärken. Zu den Anforderungen an die Förderberechtigten zählen unter anderem auch die Akzeptanz des Presserats und ein funktionierendes Fehlermanagement. Bestimmte Kriterien bringen Zusatzpunkte, wie beispielsweise die Berichterstattung für „underserved communities“, also etwa für migrantische Gruppen oder für ländliche Regionen.

Mit eigenen Repräsentantinnen in der Romandie und im Osten Deutschlands will der Fund den Besonderheiten dieser Regionen, wie zum Beispiel der Mehrsprachigkeit der Schweizer Medienlandschaft, stärker gerecht werden.

Über die Mitglieder der Jury

Yves Daccord, Schweizer Journalist und Fernsehproduzent, ehemaliger Generaldirektor des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, internationaler Stratege im Non-Profit-Bereich, Influencer und Changemaker. Yves Daccord gründete und leitet das Edgelands Institute, das erste Pop-Up-Institut der Harvard University. Der ausgebildete Journalist war bis vor kurzem Vorsitzender des Verwaltungsrats jener Mediengruppe, zu der die führende Lokalzeitung „Le Temps“ in der Romandie und das neu geschaffene lokale Digitalmedium „Heidi.News“ gehören.

Maria Exner leitet als Intendantin Publix, das neue Haus für Journalismus & Öffentlichkeit in Berlin, das vor wenigen Wochen eröffnet wurde. Die gebürtige Dresdnerin war zuvor Co-Chefredakteurin des „ZEIT-Magazins“ und Stellvertretende Chefredakteurin von „Zeit Online“, wo sie unter anderem journalistische Dialogformate wie „Deutschland spricht“ entwickelt hat.

Lucy Kueng, Professorin und Senior Visiting Research Associate am Reuters Institute for the Study of Journalism an der Oxford University und Verwaltungsratsmitglied der „Neuen Zürcher Zeitung“. Als Expertin für Strategie, Innovation und Führung berät sie führende Medienhäuser bei Strategie und Umsetzung der digitalen Transformation, darunter BBC, CNN, NPR, NRK, SVT und Schibsted.

Evelyn Hemmer, Innovationsmanagerin mit langjähriger Erfahrung in der Medienförderung. Derzeit setzt sie als Chief Operating Officer ihre Erfahrungen im Start-Up „Hashtag Media“ ein, das innovativen Digitaljournalismus vorrangig auf Social Media produziert. Zuvor hat die Österreicherin seit deren Gründung die „Wiener Medieninitiative“ der Wirtschaftsagentur der Stadt Wien aufgebaut und dort mehr als 200 Mediengründungen und -projekte begleitet.

Eva Schulz, Politikjournalistin mit umfangreicher Erfahrung im Bereich Bewegtbild- und Audiojournalismus, Gründerin des Videoformats „Deutschland3000“. Ihr Podcast „Deutschland3000 – ’ne gute Stunde mit Eva Schulz“ (NDR) ist mit mehr als 15 Millionen Abrufen einer der erfolgreichsten deutschen Interviewpodcasts. Als Reporterin war sie zuletzt in Thüringen, Sachsen und Brandenburg für die neue ZDF-Dokureihe „Deutschland, warum bist du so?“ unterwegs.

Über den Media Forward Fund

Der erste länderübergreifende Fund für Journalismusförderung in Deutschland, Österreich und der Schweiz setzt sich dafür ein, dass es mehr unabhängige Qualitätsmedien mit tragfähigen Geschäftsmodellen gibt, die starke, vertrauenswürdige Inhalte publizieren und sich langfristig nachhaltig finanzieren. Damit soll die Vielfalt im gemeinwohlorientierten Journalismus und damit die Demokratie gestärkt werden.

Der Media Forward Fund wurde auf Initiative der Schöpflin Stiftung, Stiftung Mercator Schweiz, Volkart Stiftung, Rudolf Augstein Stiftung, ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, Allianz Foundation, Stiftung für Medienvielfalt, ERSTE Stiftung, DATUM STIFTUNG für Journalismus und Demokratie, der MacArthur Foundation (USA) sowie des Impact Investors Karma Capital Group, und Publix – Haus für Journalismus & Öffentlichkeit im Juli 2024 als gemeinnütziger Fund gegründet und ist bis dato mit neun Millionen Euro dotiert. Die Entwicklung des Funds wurde von der Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien mit einer Projektförderung unterstützt. Der erste Fördercall startete im Juli 2024. In Zukunft sollen pro Jahr drei Calls umgesetzt werden. Die Förderungen belaufen sich auf in der Regel bis zu 400.000 Euro pro Medium.

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