Familienbetriebe fordern Wirtschaftsbildung

Offener Brief an die Österreichische Bundesregierung vom 27.08.2026

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
sehr geehrter Herr Vizekanzler, sehr geehrter Herr Bildungsminister,
sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung,
sehr geehrte Abgeordnete zum Nationalrat!

Unsere Kinder lernen für eine Welt, in der sie tagtäglich finanzielle Entscheidungen zu treffen haben. Doch wirtschaftliches Grundverständnis wird in unseren Schulen bis heute nicht systematisch vermittelt. Niemand verlangt, dass Jugendliche zu Börsenprofis werden.

Aber jeder junge Mensch sollte verstehen, wie die wirtschaftliche Welt funktioniert, in der er später leben und arbeiten wird.

  • Wie gehe ich mit meinem Einkommen um?
  • Was kostet ein Kredit wirklich bzw. was bedeutet Zinseszins?
  • Wie erkenne ich finanzielle Risiken?
  • Wie funktionieren Steuern und Sozialversicherung?
  • Warum entscheiden wirtschaftspolitische Weichenstellungen über Wohlstand?
  • u.v.m.

Das ist kein Spezialwissen, es gehört zur Allgemeinbildung!

Diese Bildungslücke können und dürfen wir uns nicht länger leisten!

Ein von der INITIATIVE ÖSTERREICH 2040 – der Interessenvertretung der Familienbetriebe beauftragtes Gutachten von Univ.-Prof. Dr. Georg Hans Neuweg zeigt den Handlungsbedarf deutlich:

Der Staat schreibt Wirtschaftsbildung seit Jahren in Lehrpläne und Unterrichtsprinzipien, ohne ausreichend sicherzustellen, dass sie fachlich qualifiziert vermittelt wird – und ohne regelmäßig zu überprüfen, was bei unseren Kindern tatsächlich ankommt.

Prof. Dr. Neuweg kommt bei der Lehrkräfteausbildung zu einem alarmierenden Befund: Je nach Entwicklungsverbund entfallen nur 25 bis maximal 50 Prozent der einschlägigen Fachinhalte auf Ökonomik und ihre Didaktik.

Seine Schlussfolgerung: Lehrkräfte erteilen, sofern sie sich nicht konsequent fortbilden, „über beträchtliche Strecken de facto fachfremden Unterricht“.

Würden wir akzeptieren, dass Mathematik oder Englisch über beträchtliche Strecken fachfremd unterrichtet werden? Warum akzeptieren wir es bei einem Wissen, das über finanzielle Selbstbestimmung, berufliche Chancen und wirtschaftliche Mündigkeit entscheidet?

Auch darf wirtschaftliche Bildung nicht vom Elternhaus abhängen. Wer zu Hause über Geld, Vorsorge, Arbeit und Unternehmertum sprechen kann, startet mit einem massiven Vorsprung ins Leben. Wer diese Möglichkeit nicht hat, muss dieses Wissen in der Schule vermittelt bekommen.

Nur dadurch haben die künftigen Generationen die gleiche Chance!

Die Debatte darüber, ob Wirtschaft ein eigenes Schulfach braucht, darf nicht länger vom eigentlichen Problem ablenken: Wirtschaftsbildung muss endlich verbindlich, systematisch und qualifiziert unterrichtet werden.

Prof. Dr. Neuweg stellt klar fest, dass die derzeitige Verbindung von Wirtschaft und Geografie fachlich wenig überzeugend ist. Die künftige Ausbildung muss politisch neutral sein und zu „abwägenden multiperspektivischen Urteilen“ befähigen. Es geht darum, junge Menschen in die Lage zu versetzen, zu verstehen, zu urteilen und selbstbestimmt zu handeln.

Das Gutachten zeigt weiters deutlich:

75 % der Schülerinnen und Schüler und 71 % der Eltern
befürworten ein Unterrichtsfach „Wirtschafts- und Finanzbildung“.

Deshalb fordern wir Familienunternehmen:

Ein Schulfach Wirtschaft muss verbindlich, systematisch und qualitätsgesichert in die Schule. Spätestens ab der Sekundarstufe I für Jugendliche ab 10 Jahren braucht es klare Kompetenzziele, ausreichend verbindliche Unterrichtszeit, dafür fachlich qualifizierte Lehrkräfte und eine regelmäßige, transparente Kompetenzmessung.

Österreich diskutiert über Pensionen, Fachkräftemangel, Wettbewerbsfähigkeit, Staatsverschuldung und die Zukunft unseres Wirtschaftsstandortes. Dann müssen wir auch sicherstellen, dass die nächste Generation versteht, wie Wirtschaft funktioniert.

Die Bundesregierung hat jetzt die Chance, eine Bildungslücke zu schließen, die wir uns als Wirtschaftsstandort und als Gesellschaft nicht länger leisten können. Aus einem Unterrichtsprinzip muss ein überprüfbares Bildungsversprechen werden.

Machen wir Wirtschaftswissen endlich zu Allgemeinwissen.

Wir ersuchen um Ihre geschätzte Rückmeldung zu diesem Thema und freuen uns auf den Austausch mit Ihnen.

Unterzeichnet: Thomas Pertdolt und Richard Mauerlechner

Familienbetriebe – Initiative für Österreich GmbH