Kunstszene und Um:Druck 2012
Kadenz zur Preisverleihung
UmDruck 1/2012
Vor zwei Jahren hab ich an der Stelle über die Dekadenz der Preisverleiher geschrieben, die den Oskar Kokoschka Preis unter Ausschluss der Öffentlichkeit an Raymond Pettibon verliehen haben. In diesem Jahr hat die Jury unter Vorsitz von Gerald Bast, Rektor der Universität für Angewandte Kunst, vor der Verleihung offenbar ein paar Nachhilfestunden in PR genommen, und siehe, die breite Öffentlichkeit durfte via Massenmedien die Geehrte bejubeln.
Die Lernfähigkeit der Jury in Sachen PR beweist der ORFonline-Bericht über das After-Award-Happening der Ono in Krems: „Eine der berühmtesten Künstlerinnen der Welt hat Österreich in den letzten zwei Tagen die Ehre gegeben: Yoko Ono. An der Seite von John Lennon wurde sie weltbekannt. Aus dem Schatten ihres verstorbenen Ehemannes ist sie allerdings schon längst herausgetreten.“ Mit Yoko Ono spielt der Kokoschka-Preis nun ganz oben in der PR-Liga mit, in einer Liga des Sekt-Dosen-Produzenten, der Paris Hilton in Ischgl einfliegen lässt, und des Einkaufszentrumsbesitzers, der Pamela Anderson und ihre Autogrammkarten dem Publikum der Lugner-City serviert. „Umringt von zahlreichen Journalisten, Fotografen und Kunstbegeisterten kalligrafierte Yoko Ono sieben weiße Leinwände mit japanischen Schriftzeichen. Dieses überdimensionale Kunstwerk der Witwe John Lennons wird künftig in der Ausstellung „Wunder“ in der Kunsthalle zu sehen sein“, berichtet der ORFonline.