Film: Der Raxkönig

ServusTV Raxkönig

Von Sturschädeln und Visionären

2. Februar 2023 – Nach fast dreijähriger Planung ist gestern endlich bei Servus TV der Film über den Raxkönig Georg Hubmer gesendet worden! Der Film ist noch ca. eine Woche in der Mediathek von Servus TV zu sehen:

Vor über 180 Jahren errichtet Georg Hubmer, der Raxkönig, mitten in der Wildnis eine protestantische Enklave im katholischen Österreich. Doch als Pionier des Holzabbaus und wichtiger Hoflieferant hatte er den Kaiser auf seiner Seite.

Das Raxgebiet zwischen Niederösterreich und der Steiermark hat einen Monarchen vorzuweisen: den Raxkönig. Vor mehr als 180 Jahren lebte und wirkte Georg Hubmer hier als Pionier der Holzgewinnung und protestantischer Vorkämpfer. Aus einfachsten Verhältnissen stammend, gründet er mit seinem Bruder im Höllental den Ort Nasswald. Eine evangelische Enklave im tief katholischen Österreich, die viel Empörung auf sich zieht. Doch der Kaiser selbst stärkt Hubmer den Rücken: „Lasst meinen Raxkönig in Ruhe“, sagt er über einen seiner wichtigsten Holzlieferanten. Denn Hubmer schwemmt unter schwierigsten Bedingungen dringend gebrauchtes Holz aus dem Tal. Eine Dokumentation über einen Mann, der allen Hindernissen zum Trotz nie den Mut verlor – und Großes erreichte. 

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EMRK: zeitgemäß und effektiv

International or.at W 2022

Update 4. Juni 2025 + DiskussionsUNkultur in Österreich: Nachdem Kanzler Stocker vorige Woche gefordert hatte, die EMRK „neu auszuslegen“ um Abschiebungen von Ausländern zu erleichtern, meldet sich am 4.6. 25 der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ), weil er das Feld nicht „den Rechten“ überlassen will. SPÖ-Chef Vizekanzler Andreas Babler distanzierte sich umgehend. Der Grund: das sei Kaisers Privatmeinung. Eine Neos- und eine ÖVP-Ministerin flankieren des SPÖ-Chef und grinsen blöd. Damit Ende der Diskussion!

Kommentar ethos.at: Die Behauptung des ORF, Kaiser habe diese Diskussion „angestoßen“, ist falsch. Angestoßen hat diese Diskussion nämlich ethos.at am 27.1.23 mit einem Plädoyer von Prof. Hannes Tretter und Marion Wisinger und einer ausführlichen Replik darauf von ethos-CR HTH. Da der Österreichische Regierungsfunk aber grundsätzlich nicht recherchiert sondern nur auf Zuruf von Regierungsmitgliedern reagiert, kann er diese Tatsache natürlich nicht kennen! Man kann offenbar einem ORF-Redakteur nicht zumuten, ethos.at als Informationsquelle zu nutzen. Die Logik des Regierungsfunks: Mit dem Machtwort von Babler ist das Thema auch für den ORF beendet. Womit der ORF einmal mehr gegen seinen verfassungsmäßigen Auftrag verstößt. Und ein Grund mehr, warum ich keine „Haushaltsabgabe“ bezahle!

SIEHE AUCH: Die Bedenklichen Seiten unserer Verfassung (meinbezirk.at 12.10.2020)

+ TEIL 1: Wie die Europäische Menschenrechtskonvention Demokratie und Rechtsstaat schützt

Ein Plädoyer von Hannes Tretter und Marion Wisinger

27. Jänner 2023 – Publikation auf ethos.at mit Genehmigung der Zeitschrift INTERNATIONAL W/2022

+ TEIL 2:  EMRK pro und contra

Ein Plädoyer für eine sachliche, aber schonungslose Auseinandersetzung mit EMRK und allen anderen Gesetzen, sowie mit den Methoden der Gesetzgebung. Von Hubert Thurnhofer

Tretter/Wisinger: Einmal mehr stand angesichts einer zunehmenden Fluchtbewegung an Österreichs Grenzen nicht die Weigerung der Länder, die vereinbarte Aufnahmequote zu erfüllen, im Zentrum der politischen Debatten. Stattdessen nahm man die daraus resultierenden katastrophalen Lebensverhältnisse der geflüchteten Menschen zum Anlass, mediale Rundumschläge in Grundsatzfragen zu verteilen. Die jüngst aus der Nische eines parlamentarischen Klubs verlautbarte Forderung nach einer „Überarbeitung“ der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) 1950 des Europarats1 und einer Änderung des europäischen Asylrechts bedarf daher nicht nur einer fundierten juristischen Replik, sondern auch einer politischen Analyse. Welche Verwerfungen gehen der Inkaufnahme von unmenschlicher Behandlung, Folter und Tod voraus, was sind die Vorboten der Meinung, dass elementare Menschenrechte nicht mehr zeitgemäß wären?

Die Ursachenforschung bezog sich zunächst auf das eklatante Unverständnis der Bedeutung der EMRK, auch konstatierte man hinlänglich bekannte rechtspopulistische Ablenkungsmanöver angesichts der von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwalt eingeleiteten strafrechtlichen Untersuchungen. Doch über den Benefit medialer Ablenkung hinaus, verweisen Methode und wiederholte Praxis derart gravierender rechtspolitischer Ausrutscher auf Kosten der Menschenrechte auf eine besorgniserregende Entwicklung im gesamteuropäischen Kontext.

Die seit Jahrzehnten von rechtsextremen Parteien betriebene systematische Abwertung des internationalen Menschenrechtsschutzes konnte zunächst in den illiberalen Demokratien Europas Fuß fassen, um nun endgültig in den konservativen Parteien angekommen zu sein. Deren VorreiterInnen zögern nicht mehr, Verfassung und Rechtsstaat schädigende Politiken zu praktizieren, auch der Widerstand in den eigenen Reihen verläuft sich zusehends. Soweit ist dies seit dem Jahr 2000 in Österreich nichts Neues, doch die sprachlich zunehmende Kongruenz mit der Neuen Rechten und identitären Positionen lässt Schlimmes befürchten.

Die jüngsten Parolen des langjährigen Sozialsprechers und Klubobmanns, August Wöginger, der sich nach einem fulminanten Medienecho erst gar keine Mühe gab, diese weiter zu begründen, erregte nicht nur das Wohlwollen traditionell xenophober Komplizen, sondern auch den Beifall bürgerlicher Kreise. Dieses Phänomen ist zwar unter anderem der krisenbehafteten Zeit zuzuschreiben, doch sprechen Soziologen darüber hinaus von einer zunehmend rohen Bürgerlichkeit, deren „Jargon der tiefen Verachtung gegenüber schwachen Gruppen“ offenbar gesellschaftsfähig geworden ist. Radikalisierte christlich-soziale Parteien reagieren punktgenau auf soziale Anerkennungsfragen der Mittelschicht und befeuern diese bedenkenlos. Aus der erfolgreichen Taktik türkiser Mehrheitsbeschaffung ist eine mittlerweile mehrheitsfähige Haltung entstanden, die sich der Desavouierung der Demokratie und der Menschenrechte bedient. Die irrige Annahme, dass dies zukünftig zum Vorteil bei der Wählergunst gereichen würde, ist längst widerlegt. Was den in Umfragen absackenden Rechtskonservativen noch bleibt, ist ein weiterer Rechtsruck und die zweifelhafte Themenführerschaft durch Skandalisierung und Tabubrüche.

Die in diesem Zusammenhang ritualisierten Ermahnungen einer „christlichen“ Partei laufen ins Leere, da die allgemeine autoritäre Versuchung3 bereits weit fortgeschritten ist. Man versprach den Menschen die Wiederherstellung der Kontrolle und somit die Beendigung ihrer Existenzbedrohung durch die Ausgrenzung der „anderen“, dies ist auf weite Sicht irreversibel. Für den entsprechenden ideologischen Umbau der Volkspartei bedurfte es zudem einer Entdemokratisierung, dazu gehören „Message Control“, Durchgriffsrechte des Obmanns bei der Besetzung von Posten, intransparente Beraterzirkel, Ausgrenzung interner KritikerInnen und informelle Kommunikationswege. Bashing der Medien und der Justiz ist wiederholt Usus, denn diese könnten als demokratische Instanzen substantiellen Widerstand leisten. Aus dem Minderheitenprogramm des radikalisierten Konservativismus innerhalb der europäischen christlichen Parteien, deren Werte – Ordnung und Eigentum – mittlerweile als antiegalitär und illiberal zu verstehen sind, ist eine autoritären Tendenzen nicht abgeneigte Machtelite geworden.4 Die christliche Anbindung steht auch in Ländern wie Polen, Italien und Ungarn in keinem Widerspruch dazu.

Die menschenrechtlichen Verpflichtungen durch internationale Verträge im Verfassungsrang sind ein Stolperstein auf dem Weg zu einem Populismus auf Kosten der Menschlichkeit. Animositäten der Europäischen Union (EU) gegenüber gehören da zum Tagesgeschäft, auch hier wächst die Schnittmenge mit dem rechten Rand zusehends. Juristisch nicht haltbar ist jedenfalls die grobe Kontextualisierung, dass nämlich eine „Änderung“ der EMRK unmittelbare Auswirkungen auf das europäische Asylrecht haben könnte. Diese bereits von Innenminister Herbert Kickl mehrmals ins Spiel gebrachte Feindbild-Kombination, Flüchtlinge-EU-EMRK, fördert die allgemeine Unzufriedenheit mit der EU und stärkt nationalistische Denkweisen. Genau diese sind dafür verantwortlich, dass keine Fortschritte bei der solidarischen Umverteilung von Menschen auf der Flucht nach Europa gemacht werden.

Die EMRK als bindende Rechtsgrundlage ist das „menschenrechtliche Bollwerk gegen Diktatur, Unterdrückung, Willkür und Rechtlosigkeit, und hat die Entwicklung der Grundrechte und Rechtsstaatlichkeit im europäischen Raum maßgeblich bestimmt“.5Die Effektivität der unzähligen Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg6 evident, haben sie doch die Mitgliedstaaten angehalten, Menschenrechte umzusetzen. Seine Urteile bemühen sich stets um einen angemessenen Ausgleich zwischen menschenrechtlichen Ansprüchen und öffentlichen Interessen. Die vielzitierte „Spaltung der Gesellschaft“, findet hier eine klare Gegenstimme. Die Urteilsfindung beruht auf dem Prinzip der Nichtdiskriminierung, garantiert faire Verfahren und eine unabhängige Justiz, die Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft. Immer wieder behandelt der EGMR auch Fragen der Abschiebung von Menschen in Staaten, in denen ihnen eine unmenschliche Behandlung droht, wie Todesstrafe, Folter, unverhältnismäßige Freiheitsstrafen, aber auch durch das Auseinanderreißen von Familien. Ein Dorn im Auge derer, die die Menschenrechte von Randgruppen, Minderheiten, Verfolgten und Flüchtenden eliminieren möchten. In diesem Zusammenhang werden, wie die agitatorischen Beispiele Herbert Kickl 2015 und aktuell August Wöginger zeigen, die EMRK und der EGMR zu Sündenböcken für ein nicht funktionierendes europäisches Asylsystem gemacht, was sie aber nicht sind:

In ihrer Präambel nimmt die EMRK auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte 1948 Bezug, die u.a. bezweckt, „die universelle und wirksame Anerkennung und Einhaltung der in ihr aufgeführten Rechte zu gewährleisten““ und zwar „in der Erwägung, dass es das Ziel des Europarats ist, eine engere Verbindung zwischen seinen Mitgliedern herzustellen, und dass eines der Mittel zur Erreichung dieses Zieles die Wahrung und Fortentwicklung der Menschenrechte und Grundfreiheiten ist“, die „die Grundlage von Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bilden und die am besten durch eine wahrhaft demokratische politische Ordnung sowie durch ein gemeinsames Verständnis und eine gemeinsame Achtung der diesen Grundfreiheiten zugrunde liegenden Menschenrechte gesichert werden“ kann.7

Was den Schutz dieser Fundamente der EMRK anbelangt, so ist dieser in Artikel 17 durchaus „streitbar“ angelegt. Er bestimmt, dass kein Staat, keine Gruppe oder eine Person das Recht hat, „eine Tätigkeit auszuüben oder eine Handlung vorzunehmen, die darauf abzielt, die in der Konvention festgelegten Rechte und Freiheiten abzuschaffen oder sie stärker einzuschränken, als es in der Konvention vorgesehen ist“.8 Wer dies dennoch tut, verwirkt seine Rechte. Der EGMR hat in seiner Judikatur zurecht sehr vorsichtig und zurückhaltend agiert, jedoch darauf geachtet, die der EMRK zugrundeliegenden Werte, die demokratischen Gesellschaften zu eigen sind, vor ihrer Zerstörung zu schützen. So sieht der EGMR den Zweck des Artikels 17 darin, Individuen oder Gruppen mit totalitären und menschenfeindlichen Zielen davon abzuhalten, die in der EMRK angeführten Prinzipien für die eigenen Interessen auszunützen. Zu diesen Werten und Prinzipien zählen

  • die Verurteilung und Abwehr totalitärer und anderer nicht-demokratischer politischer Systeme, die im Widerspruch zur Konvention stehen,

  • die Verurteilung der Leugnung des Holocaust sowie anderer Völkermorde und sonstiger Verbrechen gegen die Menschlichkeit,

  • Toleranz und sozialer Friede, die durch Hassrede nicht gefährdet werden dürfen,

  • Gerechtigkeit, verbunden mit politischer Stabilität.

Die nach der Präambel notwendige „Wahrung und Fortentwicklung der Menschenrechte und Grundfreiheiten“ hat in die Judikatur des EGMR Eingang gefunden und verhindert, dass die Rechte der EMRK nicht im historischen Verständnis des Jahres 1950, sondern aktuellen Rechtsschutzbedürfnissen angepasst ausgelegt werden, um ihnen zeitgemäße Effektivität zu verleihen.9 Im berühmt gewordenen Urteil Tyrer gegen das Vereinigte Königreich 197810 hat er betont, dass „die Konvention ein lebendiges Instrument ist, das im Lichte der heutigen Verhältnisse zu interpretieren ist“. Diese Weiterentwicklung der Konventionsrechte hat aber vorsichtig zu erfolgen und erlaubt keine „entfesselte“ Auslegung durch den EGMR, wie dessen früherer Präsident Lucius Wildhaber einst betonte,11 woran sich bis heute nichts geändert hat. Vor allem achtet der EGMR dabei Trends in den nationalen Rechtssetzungen und höchstgerichtlichen Entscheidungen.

Von maßgebender menschenrechtlicher und rechtsstaatlicher Bedeutung ist auch, dass die meisten Konventionsrechte12 zum Schutz der Rechte und Freiheiten anderer, aber auch öffentlicher Interessen eingeschränkt werden können, soweit dies gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig ist, u.a. aus Gründen der nationalen Sicherheit, der territorialen Unversehrtheit oder der öffentlichen Sicherheit, zur Aufrechterhaltung der Ordnung oder zur Verhütung von Straftaten, zum Schutz der Gesundheit oder der Moral und zur Wahrung der Autorität und Unparteilichkeit der Rechtsprechung. Dabei gilt, dass Eingriffe in diese Rechte verhältnismäßig zu sein haben, indem sie eine Mittel-Zweck-Relation wahren müssen.

Die Judikatur des EGMR hat im Lauf der Zeit sowohl für alle Mitgliedstaaten13 als auch nur Österreich betreffend zu erheblichen Verbesserungen und Aktualisierungen des Rechtsschutzes in Judikatur und Gesetzgebung beigetragen. Auf gesamteuropäischer Ebene seien u.a. hervorzuheben:

  • die Ableitung eines Rechts auf eine gesunde Umwelt aus dem Recht auf Leben und dem Recht auf Achtung des Privatlebens,

  • umfassende Rechtsschutzgarantien im Hinblick auf das Verbot von Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe, darunter auch das Verbot, Menschen an einen Staat auszuliefern oder in dorthin abzuschieben, wo ihm die Todesstrafe, Folter oder unmenschliche Behandlung droht,

  • die Anwendung des Verbots von Sklaverei auf moderne sklavereiähnliche Ausbeutungsverhältnisse und Menschenhandel,

  • die Ableitung eines Rechts auf Datenschutz aus dem Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens,14

  • die Anerkennung des Rechts auf sexuelle Selbstbestimmung von LGBTI-Personen, abgeleitet aus dem Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens und des Diskriminierungsverbots,

  • die Berücksichtigung der Achtung des Privat- und Familienlebens im Fall von Abschiebungen,

  • umfassender Schutz der Meinungs-, Medien- und Informationsfreiheit, u.a. durch den Dualismus öffentlich-rechtlicher und privater Rundfunk- und Fernsehanstalten,

  • Klärung des Verhältnisses des Rechts der Eltern, die Erziehung und den Unterricht entsprechend ihren eigenen religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen sicherzustellen, zugunsten des Rechts auf Bildung von Kindern und Jugendlichen,

  • Anerkennung eines individuellen Rechts auf freie und geheime Wahlen.

Im Hinblick auf Österreich sind vor allem hervorzuheben: Die Judikatur des EGMR samt mehrfachen Verurteilungen Österreichs zum Recht auf persönliche Freiheit sowie zum Recht auf ein faires Verfahren, die letztlich 2014 zur Einführung einer unabhängigen und umfassenden Verwaltungsgerichtsbarkeit (statt weisungsgebundener Verwaltungsbehörden) führte, was auch eine Änderung der Bundesverfassung erforderte. Sodann ein EGMR-Urteil aus 1993, das das Monopol des Österreichischen Rundfunks als konventionswidrig befand,15 womit erst der Weg für private Rundfunk- und TV-Betreiber geöffnet wurde. Ebenso wurden aufgrund der EGMR-Judikatur Anpassungen der asyl- und fremdenpolizeilichen Bestimmungen sowie der medizinischen Hilfeleistung in der Schubhaft im Fall von Misshandlungen durch die Polizei erforderlich. Aufgrund eines EGMR-Urteils wurde auch das Sorgerecht unverheirateter Väter für ihre Kinder wegen Verletzung des Diskriminierungsverbots reformiert. Ein dringender Anpassungsbedarf angesichts einiger Verurteilungen Österreichs16 besteht jedoch nach wie vor im Hinblick auf das Recht auf Zugang zu Informationen öffentlichen Interesses, dem bisher nicht nachgekommen wurde – der Entwurf eines „Informationsfreiheitsgesetzes“ aus 2019 schlummert seither zum Schutz des Amtsgeheimnisses im Parlament.

Dass es sich daher bei all den Attacken der letzten Zeit auf EMRK und EGMR um lediglich Rauch auslösende Nebelgranaten handelt, erweist sich auch darin, dass eine Änderung der EMRK und eine Beschränkung der Kompetenzen des EGMR nur im Rahmen des Europarats und der EU möglich wären, es sei denn, Österreich will sich aus beiden verabschieden. Hinzu kommt, dass nach Artikel 52 Absatz 3 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union 2000 deren Rechte die gleiche Bedeutung und Tragweite wie die entsprechenden Rechte der EMRK haben, wobei das Recht der EU auch einen weiter gehenden Schutz gewähren darf, womit die EMRK den Mindeststandard an menschenrechtlichen Gewährleistungen der EU vorgibt.

Alle Angriffe auf EMRK und EGMR aus Gründen der Flucht- und Migrationsbewegungen erweisen sich angesichts dessen als pure politische Agitation, ausgelöst durch eine Rat- und Ideenlosigkeit, wie diese Herausforderungen gelöst werden könnten. Hinzu kommt, dass es der Unfähigkeit bzw. dem Unwillen zahlreicher EU-Staaten zuzuschreiben ist, gemeinsame eine faire Asyl- und Flüchtlingspolitik mit entsprechenden Aufnahmequoten zu entwickeln und rechtlich in Übereinstimmung mit der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) und der EMRK umzusetzen. Erste Ansätze und Ideen dazu gibt es schon, auch im Rahmen der EU, ohne dass derzeit Chancen auf eine Umsetzung sichtbar sind.17

Das Fazit? Es braucht nicht nur ein klares Bekenntnis der österreichischen Politik zu EMRK und EGMR als Fundamente von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten, sondern auch die Bereitschaft aller politischer Parteien an einem Strang zu ziehen, was die Wahrung und Stärkung dieser Fundamente anbelangt. Nur auf dieser Basis kann es auch gelingen, auf europäischer Ebene sowohl zu einer menschenrechtskonformen als auch zu einer die EU-Staaten fair ausgewogen belastenden Bewältigung der anhaltenden Migrations- und Fluchtbewegungen zu gelangen.

___________

Hannes Tretter, ao. Univ.Prof. i.R. für Grund- und Menschenrechte an der Universität Wien, Vorstandsvorsitzender des Wiener Forums für Demokratie und Menschenrechte und Direktor der Straniak Academy für Democracy and Human Rights.
E-Mail: hannes.tretter@univie.ac.at

Marion Wisinger, Historikerin und Autorin, Vorstandsvorsitzende des Wiener Forums für Demokratie und Menschenrechte, Vizepräsidentin des Österreichischen PEN-Club und Beauftragte des Writers-in-Prison-Komitees. Chefredakteurin des Liga-Magazins der Österreichischen Liga für Menschenrechte.
E-Mail: marion.wisinger@humanrights.at

——————————— Anmerkungen —————————————–

1 Nicht der Europäischen Union, was immer wieder verwechselt wird.

2 Heitmeyer, In der Krise wächst das Autoritäre, ZeitOnline, 13.04.2020

3 Heitmeyer, Autoritäre Versuchungen. Signaturen der Bedrohung 1, edition suhrkamp, 2018.

4 Strobl, Radikalisierter Konservatismus. Eine Analyse, Suhrkamp, 2021.

5 Tretter, Menschenrechte – Ein Fall für die EU, Der Standard, 01.11.2010.

6 Nicht zu verwechseln mit dem Europäischen Gerichtshof der EU (EuGH) in Luxemburg, der für die Charta der Grundrechte der EU 2000 zuständig ist.

7 Die Präambel ist nach Artikel 31 des Wiener Übereinkommens über das Recht der Verträge 1969, dem Österreich 1980 beigetreten ist, zur Auslegung der EMRK heranzuziehen.

8 Vgl. den ganz ähnlichen Artikel 54 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union 2000 über das Verbot des Missbrauchs ihrer Rechte.

9 Siehe dazu schon Berka, Die Europäische Menschenrechtskonvention und die österreichische Grundrechtstradition, ÖJZ 1979, 363 und 428.

10 Verbot körperlicher Züchtigungen in englischen Schulen.

11 Wildhaber, Erfahrungen mit der Europäischen Menschenrechtskonvention, Schweizerischer Juristenverein, Heft 3/1979, 304.

12 Ausgenommen sind vor allem das Verbot der Todesstrafe, das Verbot der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe sowie das Verbot von Sklaverei und Leibeigenschaft.

13 Nach dem kürzlichen Austritt Russlands aus dem Europarat umfasst dieser nun 46 Mitgliedstaaten, die die EMRK ratifiziert haben, darunter alle EU-Staaten.

14 Vgl. den eigenständigen Artikel 8 der Charta der Grundrechte der EU 2000.

15 Österreich war einer der letzten europäischen Staaten, die zu dieser Zeit noch nicht auf das duale System öffentlich-rechtlicher und privater Rundfunk- und Fernsehanstalten umgestiegen waren.

16 Siehe zB den Skandal um die Verlustgeschäfte der Hypo Alpe-Adria und die Verweigerung des Zugangs zu relevanten Informationen.

17 Siehe Tretter, Eine Alternative zur „Festung Europa“?, International V/2021, 28. Vgl. dazu auch Tretter, Massenzustrom-Richtlinie: Besser spät als nie, Die Presse, Rechtspanorama, 21.03.2022.

Im EU-Kontext siehe zB die Gemeinsame Mitteilung an das Europäische Parlament und den Rat, „Auf dem Weg zu einer umfassenden Strategie mit Afrika“, JOIN(2020) 4 final, 09.03.2020; den Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Bewältigung von Krisensituationen höherer Gewalt im Bereich Migration und Asyl, COM(2020) 613 final, 23.09.2020; sowie den European Union Emergency Trust Fund for Africa (EUTF), https://euagenda.eu/upload/publications/factsheet-eutf-en.pdf

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Sexualpädagogik auf dem Prüfstand

Gundacker Wahre Liebe

und: die Ambivalenz der Verhandlungsmoral

Vortrag von Josef Grundacker

Herzlichen Dank, dass ich in diesem Rahmen über das wichtige Thema Sexualpädagogik zu euch sprechen darf. Ich werde heute ein paar Auszüge aus meinem, im Frühjahr erschienen Buch „Prinzipien wahrer Liebe und Sexualität“ zitieren und auf ein paar Themen tiefer eingehen. Ich möchte Euch um Eure ganze Aufmerksamkeit bitten, denn ich werde manche Aussagen machen und zu Schlussfolgerungen kommen, die vielleicht überraschend, neu und daher widersprüchlich erscheinen.

Im Buch stelle ich die Sexualpädagogik auf dem Prüfstand

– Wahrheit und Lüge der Sexualpädagogik

– Das Konzept der Sexualpädagogik ist das Problem

– Wieviel Aufklärung braucht ein Kind?

– Missverständnis von Liebe und Sexualität

– „Intimate Citizenship“ – eine Anleitung zur Lüge

Die christliche Sexualmoral auf dem Prüfstand

– Drei Säulen christlich-religiöser Sexualmoral

Erziehung zur wahren Liebe

– Die Notwendigkeit der Charakterbildung

– Die Bedeutung der Sexualität

– Sexualität und Bindung

– Drei Säulen der Bildung Herz + Hirn + Hand

Ich weiß, es ist keine leichte Lektüre, aber für mich das spannendste Thema überhaupt

Nun zum Thema meines Vortrages: die Ambivalenz der Verhandlungsmoral

Buchzitat: Die Welt ist voll von enttäuschten Liebesbeziehungen und schlechtem Sex – schlecht im wahrsten Sinne des Wortes – moralisch schlecht, weil man andere betrügt und verletzt, und qualitativ schlecht, weil es unbefriedigend ist und die Partner immer hungrig nach „Besserem“ zurücklässt.

Die Kernfrage ist daher, wo finden wir zufriedenstellende Antworten auf unsere Beziehungsscherben und enttäuschenden sexuellen Erfahrungen? Finden wir Antworten in der emanzipatorischen Sexualpädagogik? Oder in der derzeit diskutierten christlichen Sexualethik? – nicht wirklich!

Die Sexualpädagogik der Vielfalt und das Unterrichtsprinzip der Erziehung zur Gleichstellung von Frauen und Männern sind eine komplizierte Erscheinung, die man nicht einfach bejahen oder verneinen kann. Wahrheit und Lüge sind in ihnen in einer unheimlichen Weise vermengt. Die Sexualpädagogik und die verschiedensten Gender-Theorien vermitteln die Botschaft: „Sex ist das Gute“, „Sex ist befreiend“, „erlaubt ist was Spaß macht“ – Natürlich werden diese Botschaften gerne gehört!

Für bürgerliche, konservative und christliche Kreise stehen die Gender-Vorstellungen hingegen für eine Auflösung moralisch ethischer Standards und einem Verlust der Moral. Sie tun sich aber auch sehr schwer damit umzugehen, da dieses Thema so stark schambesetzt ist. Die unausgesprochene Botschaft wie sie in der katholischen Moraltheologie durchkommt ist: „Sex ist pfui!“ – zumindest bestimmte Neigungen und wenn sie nicht der Fortpflanzung dienen.

Was ist die Antwort der Sexualpädagogen und Psychologen auf unsere Beziehungsscherben und enttäuschenden sexuellen Erfahrungen? Sie haben keine Antwort! Sie sagen daher: „Sex ist positiv“ – es gibt keinen schlechten Sex. „Du bist OK und Ich bin OK“! Und die Antwort von christlicher Seite? – darüber rede ich heute nicht!

Mir wurde in der letzten Zeit erneut bewusst, dass über das Thema Sexualität und Liebe extrem viel Unsicherheit, Missverständnis und Verwirrung herrscht. Wenn ich die Argumente der Sozialwissenschaftler und Sexualpädagogen betrachte, so scheint es mir, dass unter ihnen nur äußerst wenige sind, die über unser Thema Liebe und Sexualität, wirklich von Innen kommende Überlegungen anstellen können.

Deshalb habe ich heute auch einige, wahrscheinlich unangenehme Fragen an die Sexualpädagogen, an unsere Soziologen, Psychologen, Theologen, Politiker, Künstler und alle die sich mit dem Thema befassen. Die Diskussion über Liebe und Sexualität wird nämlich sehr oberflächlich, nur als eine Frage des Rechts diskutiert. Und kaum jemanden von den Experten scheint aufzufallen, dass Liebe und Sexualität viel mehr ist als ein Menschenrecht. Wenn Liebe nur ein Recht ist, dann habe ich einen Anspruch darauf. Wenn aber Liebe und Sexualität unser Leben und Gesundheit schlechthin bestimmen, dann kann man nicht so oberflächlich über Sexualität reden, denn dann trage ich maßgeblich dazu bei wie sich mein Leben und meine Gesundheit entwickeln.

Ich will heute die Standards zur Sexualaufklärung, die von Sexualexperten der WHO und der BZgA erarbeitet und herausgegeben wurden, einer eingehenden inhaltlichen Prüfung unterziehen. Dazu sehen wir uns das pädagogische Konzept der modernen Sexualpädagogik genauer an.

Die Standards zur Sexualaufklärung geben Auskunft darüber, was Kinder und Jugendliche der verschiedenen Altersstufen wissen und verstehen sollten…

Kinder und Jugendliche erwerben in der Adoleszenz schrittweise Wissen über den menschlichen Körper, über intime Beziehungen (Erfahrungen) und Sexualität, und sie entwickeln dazu entsprechende Vorstellungen, Haltungen und Fähigkeiten. (S. 10)

Was ist daran falsch?

Wissen – Erfahrung – Haltung

Rezept – praktische Übung – Ergebnis

Was stimmt trotzdem nicht?

Das Grundkonzept der Sexualpädagogik ist falsch!

Anders ausgedrückt, die sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hängt vom Wissen über menschlichen Körper und sexueller Erfahrung mit intimen Beziehungen ab, und daraus entwickeln sie entsprechende Vorstellungen, Haltungen zu Sexualität und Fähigkeiten, also Kompetenzen.

Was ist, wenn ein Kind oder Jugendlicher enttäuschende und schamverletzende Erfahrungen macht? Welche Haltung wird der junge Mensch dann entwickeln? Oder, wenn ein junger Mann oder eme Frau mit ihren sexuellen Reizen jemanden verführen? Welche Schlüsse wird er/sie daraus ziehen? – „Oh, das geht aber leicht jemanden zu verführen! Nächstes Mal will ich es noch besser machen!“

Wenn ich mich und meinen Körper geringschätze, dann ist es mir egal mit wem ich ins nächste Bett springe, die einzige Bedingung ist, dass er/sie mich nicht ansteckt. Schätze ich mich und meinen Körper, dann ist es mir nicht egal, denn dann werde ich Ausschau halten nach jemanden, der mich wirklich liebt, dem ich vertrauen kann und der mich als Mensch schätzt.

TABELLE Sexualpädagogik: 

Sexualpädagogik 1

Der Grund für diese falschen Annahmen und diese verkehrte Logik ist, Sexualpädagogen verstehen die Kraft und Macht des Wortes und der Liebe nicht. Ein und dasselbe Wort kann

– einmal wahrhaftig, ein andermal lügnerisch
– einmal faszinierend, ein andermal trügerisch sein,

– kann einmal Frieden stiften, ein andermal einen Krieg entfachen.

Dass Sexualität wenig mit Wissen zu tun hat, beweisen die vielen hochgebildeten und berühmten Menschen dieser Welt und die Rosenkriege, die sie führen. Sexualpädagogen wollen vielfach gar nicht wahrhaben, dass Liebe und Sexualität ein zweischneidiges Schwert sind. Einerseits ist wahre, aufrichtige und gebende Liebe die größte Quelle des Glücks, wenn aber eine unaufrichtige Haltung dahintersteht und Sex zur Waffe wird, verbrennt und zerstört sie alle Beziehungen. Warum haben sich die heutigen Sozialwissenschaften in einem so verkehrten Denken verrannt? Die heutige SP geht von einem rein materialistisch/rationalen Menschenbild aus.

„Sexualität ist eine Lebensenergie, die alle von Geburt an begleitet, ‚belustigt‘, beschäftigt und speist“, heißt es in „Ganz schön intim“ Sexualerziehung für 6–12-Jährige, Unterrichtsmaterialien. Die Wörter „speisen“ und „belustigen“ sind ein klarer Hinweis darauf, dass Sexualität als Konsum- und Genussartikel betrachtet wird. Alle Menschen werden, laut Sexualpädagogik als „sexuelle Wesen“ als Triebwesen geboren, die ihr „sexuelles Potenzial“ entwickeln sollen. (angelehnt an das Phasenmodell der psychosexuellen Entwicklung – Sigmund Freud). Dabei ist wichtig zu verstehen, dass wir für unsere Triebe nicht verantwortlich sind.

Sexuelle Gesundheit? Sexuelle Rechte?

Wenn wir Menschen nur ein sexuelles Wesen sind, und Sexualität ein Konsumgut, ist es logisch, dass die sexuelle Gesundheit von der Erfüllung der sexuellen Rechte abhängt. Um mein „sexuelles Lustpotential“ entwickeln zu können, muss ich natürlich selbst bestimmen, denn nur ich selbst weiß was mir schmeckt und ich kann entscheiden, wer und was mir beim Sex gefällt, und Spaß macht.

Wenn Sexualität mehr als ein Trieb ist, und jeder Mensch für sein Leben, seine Gesundheit und die Beziehung zu seinem Nächsten verantwortlich ist, dann kann ich nicht mehr tun, was ich will; dann muss ich Rücksicht auf meine Umgebung nehmen. Wenn ich für mein Leben verantwortlich bin, bedeutet dies, dass ich auch für meine Gedanken und Emotionen verantwortlich bin, denn damit kann ich andere verletzen, beleidigen und betrügen.

Nicht an den sexuellen Rechten, sondern an der Erfüllung unserer menschlichen Verantwortung hängt unser Leben, unsere Gesundheit und unsere Zukunft!

Damit komme ich zum fragwürdigsten Teil in den Standards der Sexualpädagogik.

Sozial- und Sexualwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler plädieren, unter dem Schlagwort: „intimate citizenship“ für die Etablierung einer Verhandlungsmoral als gültige Sexualmoral der Gegenwart.

Der Kern dieser Moral besteht darin, dass die Inhalte in gegenseitigem Einverständnis von mündigen, gleichwertigen, gleichberechtigten und gleich starken Beteiligten ausgehandelt werden. – so die genaue Definition. Und genau damit beginnt die Problematik, denn in so vielen Beziehungen sind die Partner weder „mündig“ noch aufrichtig, sondern oft unaufrichtig und aufdringlich. Zu viele Menschen haben ausgeprägte Charakterdefizite und schwindeln sich durchs Leben. Dazu kommt, dass es Jugendlichen oft gar nicht um Sex geht, sondern um Anerkennung, dazu zu gehören und oft einfach auch nur anzugeben.

Manche mögen jetzt einwenden, „wenn beide nur billigen Sex haben wollen, dann ist das doch ihre Sache – oder?“ Ja stimmt, das ist ihre Sache, aber was ist der Preis dafür? Der Preis für billigen Sex ist eigene Gesundheit, dann die finanziellen Kosten für die Gesellschaft. Einen AIDS-Erkrankten kann man nicht mehr gesund bezeichnen und die Kosten für Therapien und Forschung verschlingen astronomische Summen. Da ist aber noch nicht einberechnet die immensen Enttäuschungen und der Verlust an Vertrauen in den Menschen und der Verlust seiner Würde. Und man weiß heute, dass durch unverbindlichen, billigen Sex, die Beziehungs- und Bindungsfähigkeit stark beeinträchtigt werden kann.

Die Verhandlungsmoral ist schon deshalb ambivalent und muss ins Leere gehen, da sie einen Reifegrad der Jugendlichen voraussetzt, der in der Pubertätsphase nicht vorhanden sein kann.

Was brauchen Kinder? Was ist alters- bzw. entwicklungsgerecht? Sexualpädagogen sagen, Sexualaufklärung muss „altersgerecht“ bzw. „entwicklungsgerecht“ sein. Aber was ist entwicklungsgerecht und von welcher Perspektive aus gedacht? Denn die primäre Frage ist nicht, wie viel Kinder über Sexualität wissen sollten, sondern was sie für ihre Entwicklung brauchen!

Ich nehme nun die Matrix der Sexualaufklärung als Grundlage und da liest man Erstaunliches, was Kinder wissen sollten: Da liest man, dass bereits 0 – 4-jährige informiert werden sollen über frühkindliche Masturbation und wie sie das Vergnügen und Lust, den eigenen Körper zu berühren, „verbessern“ können.

In diesem Sinne geht es dann weiter. 6 – 9-jährige, also Volksschüler, sollen informiert werden über: körperliche Veränderungen, Menstruation, Ejakulation, (also wie sie perfekt masturbieren). Entscheidungen über Elternschaft und Schwangerschaft, Unfruchtbarkeit, Adoption, Grundbegriffe und verschiedene Methoden der Empfängnisverhütung. Ich frage sie; kann ein Kind solche Entscheidungen über Elternschaft und Schwangerschaft überhaupt treffen?

Zu diesen Inhalten aus den Standards zur Sexualaufklärung passt die Empfehlung des einflussreichen Sexualpädagogen Uwe Sielert, der Autor vom Buch „Lisa und Jan“, der meinte: „Wissensvermittlung, die nicht an Erfahrung anknüpfen kann, bleibt unverständlich. …. So müssen Mädchen etwas bewusster und öfter ermuntert werden, sich die Klitoris zu streicheln, um sich selbst Lust machen zu können.“

Diese zwei Beispiele sind genug für heute und ich wende mich der Frage zu, was brauchen Kinder, was ist entwicklungsgerecht?

Der bekannte deutsche Psychoanalytiker Dr. Hans-Joachim Maaz stellt fest: Die für die Gehirnentwicklung des Kindes und damit für dessen spätere Persönlichkeitsstrukturen verantwortliche frühe Beziehungsqualität muss man aus der Sicht des Kindes beurteilen. Die Fragen zur Beziehungsqualität aus kindlicher Perspektive lauten:

Bin ich gewollt? Ist mein Leben erwünscht? Bin ich existenzberechtigt?

Bin ich wirklich geliebt? Werden meine normalen Bedürfnisse erkannt und ausreichend bestätigt und erfüllt?

Werde ich gefördert, ermutigt und unterstützt und hilfreich gefordert? Oder kümmert sich keiner um mich, oder werde ich sogar eingeschüchtert, geängstigt, abgewertet.

Wenn man dies in umgekehrter Reihenfolge liest, dann wollen Kinder hilfreich gefordert, unterstützt, ermutigt, gefördert und geliebt werden. Sie wollen, dass man sich um sie kümmert, sie nicht einschüchtert, sondern ihnen vertraut, nicht ängstigt, sondern ermutigt, nicht abgewertet, sondern wertschätzt. Keine Rede von sexueller Lustbefriedigung.

Die Entwicklungspsychologie und Bindungsforschung haben festgestellt: Kinder brauchen zuerst eine sichere Bindung. Oder wie es Gordon Neufeld in seinem Buch „Unsere Kinder brauchen uns“ ausdrückt, – „Die Beziehung zum Kind ist heilig!“ Überlegen Sie einmal: Wenn ich diese innere Haltung habe, werde ich niemals ein Kind abwerten, einschüchtern, geschweige denn missbrauchen.

Ich möchte mich nun der Lösung für unsere Beziehungsscherben und enttäuschenden sexuellen Erfahrungen zuwenden und über die Prinzipien wahrer Liebe und Sexualität reden. Ich hoffe damit auch einen positiven Beitrag zur Pädagogik allgemein und zur Sexualpädagogik im Besonderen zu leisten.

Prinzipien Wahrer Liebe und Sexualität

Zuerst die Frage an Euch, was denkt ihr ist Liebe überhaupt? Ist Liebe ein Gefühl? Ist Liebe ein Genussmittel wie eine Schokolade? Der Duden beschreibt Liebe als „starkes Gefühl des Hingezogenseins, im Gefühl begründete Zuneigung zu einem [nahestehenden] Menschen“. Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch hat in seinem Tagebuch 1966-1971 (Surkamp 1972) die Fragen aufgestellt: Lieben Sie jemand? Und woraus schließen Sie das? – Für Max Frisch, und wahrscheinlich für sehr viele Menschen lautet die Antwort auf diese Frage: „Weiß ich nicht, in meinem Herzen ist Chaos!“

Kann ich Liebe sehen? Der kleine Prinz meint; „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“. Wenn aber im Herzen Chaos ist, dann sehe ich im Anderen meistens auch nur das Chaos, nämlich seine Schwächen und was nicht liebenswert ist. Ist das nicht eine mehr oder weniger starke Neigung in uns Menschen, dass wir zuerst die Fehler und Defizite im anderen sehen und rasch kritisieren?

Wir denken alle in Bildern und machen uns immer zuerst eine Vorstellung von dem, was wir tun wollen! Das gilt auch für unsere Beziehungen. Wir träumen von der großen Liebe und werden ständig mit den Grausamkeiten der Welt konfrontiert.

Damit komme ich zurück zu Max Frisch und seiner Frage: Lieben Sie jemand? Und woraus schließen Sie das? Anders gesagt, wie weiß ich, dass der andere mich wirklich liebt? Diese Frage stellen sich sehr, sehr viele Menschen, Jung und Alt, gebildet und ungebildet, arm und reich.

Zu diesem Thema habe ich nun eine Gedankenübung: Denkt an einen Menschen, den ihr sehr schätzt und dem ihr vertraut. Beschreibt für euch diese Beziehung. Wie gut ist die Kommunikation. Wie reagiert ihr auf diesen Menschen. Werdet ihr, wenn ihr euch trefft, beginnen von euch und euren Qualitäten zu reden oder fragen, wie geht es dir?

Nun denkt an einen Menschen, der körperlich attraktiv und sexuell begehrenswert ist, dem ihr aber nicht vertrauen könnt. Beschreibt diese Beziehung? Wie gut ist die Kommunikation? Fühlt ihr Zuneigung oder eher Vorsicht und Distanz? Wie reagiert ihr, wenn ihr trotzdem eine Beziehung eingehen wollt? Ihr werdet versuchen, ihn von euren Qualitäten zu überzeugen um dann einen guten Preis ausverhandeln, und wenn das nicht funktioniert ihn manipulieren zu beginnen! Dies ist aber dann nicht Liebe, dies ist ein Handel!! Das heißt, sehe ich im anderen ein Objekt, um meine Lust zu befriedigen, werde ich versuchen ihn von meinen Vorzügen zu überzeugen. Und der andere wird dann rasch das Gefühl haben, dass wir ihm seine Zeit stehlen. Wir degradieren unsere Sexualität zu einer Handelsware.

Die Schlussfolgerung: Wenn ich den anderen wirklich wertschätze, in ihm das Gute und Besondere sehe, werde ich ihn auch entsprechend behandeln. Ich werde ihm meine Zeit und Aufmerksamkeit schenken. Nicht ich stehe im Mittelpunkt des Interesses, sondern der andere. Das ist wahre Liebe! Alles andere ist nämlich keine Liebe, auch wenn es Menschen behaupten. Es entsteht kein Austausch, keine tiefere Kommunikation, kein Vertrauen – es ist nur eine momentane Lustbefriedigung und dann wieder Funkstille! Und deshalb sind unverbindliche sexuelle Kontakte immer unbefriedigend.

Was bedeutet dies nun für die Sexualpädagogik?

Wenn Liebe geben und den anderen beschenken bedeutet, dann ist sexuelle Liebe die tiefste Form der Liebe und des Schenkens. Und aus dieser Liebe kann das größte Geschenk ein neues Leben entstehen. Aus diesem Grund sind die Ehe und Segnung so wertvoll.

Schlussfolgerung für die Bildung allgemein und die Sexualpädagogik im Besonderen. Wir müssen die Kinder lehren zu geben, zu lieben, anderen Freude bereiten. Wir müssen die Kinder lehren, dass ihre Sexualität etwas ganz Besonderes ist, ein Geschenk, das dazu da ist, einen ganz besonderen anderen zu beschenken. Diese Haltung und dieses Bewusstsein sollen den Kern der Sexualpädagogik bilden.

In anderen Worten, wir müssen den Kindern die Sprache der Liebe lehren.

Damit möchte ich enden. Das nächste Mal möchte ich gerne über die Urgesetze der Liebe reden. Wenn Euch mein Referat heute gefallen hat, erzählt es bitte weiter und jede Kritik könnt ihr mir jetzt vorbringen. Danke

Josef Gundacker wurde 1955 in Niederösterreich geboren, er ist verheiratet mit Lilly (vorm. Skruzny), sie haben 5 Kinder. Er absolvierte eine Ausbildung zum Elektromechaniker bei Siemens Wien, er ist seit 1975 Mitglied der Internationalen Vereinigungsbewegung und absolvierte 1984 – 1988 Bildungs- und Missionsaufenthalt in den USA. 2007 gründete er das Familienforum Österreich. Er brachte die „True Family Values“ nach Österreich und organisierte von 2006 – 2011 den jährlichen True Family Award. Sein philosophisches Interesse wurde durch die Vereinigungsphilosophie geweckt, er absolvierte Kurse und Ausbildungen über Entwicklungsphilosophie und Bindungsforschung nach Gordon Neufeld und „Marriage & Family Enrichment“ – Unification Theological Seminary. Sein besonderes Anliegen gilt der Stärkung der Familie, der Rolle der Eltern und der Charakterbildung. Sein Lebensmotto lautet: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar!“ Antoine de Saint-Exupéry. 2022 ist sein Buch „Prinzipien wahrer Liebe und Sexualität“ erschienen.

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Gesetzgebung braucht Qualitätskontrolle!

Das geplante Krisensicherheitsgesetz B-KSG…

23. Jänner 2023 … ist ein weiterer Grund, über die Qualität der österreichischen Gesetzgebung grundsätzlich nachzudenken. (Inhalt und Stellungnahmen gegen das B-KSG siehe: „Teuer und infeffizient„). auf Krisen vorbereitet zu sein, sollte eigentlich zum Grundgerüst jedes Politikers, jedes Beamten und natürlich auch jedes Staatsbürgers gehören. Diese Vorbereitung ist eine Frage der Einstellung bzw der Haltung, somit ein Thema, das jeder Mensch auf moralischer und ethischer Basis lösen kann. Die Regierung unterwirft das Problem mit dem B-KSG dem Gesetz und enthebt es damit automatisch der persönlichen Verantwortung der Politiker, Beamten und Staatsbürger. Philosophisch betrachtet ist dies ein weiterer Akt, das Moralitätsprinzip auszuhebeln durch das Legalitätsprinzip.

Politisch betrachtet ist des B-KSG in der aktuellen Fassung ein Beweis dafür, dass die herrschenden Parteien – egal ob in Regierung oder Opposition – nicht die geringsten moralischen Hemmungen haben, ihre eigenen Interessen durch Schaffung neuer Pfründe , die sie umgehend gesetzlich verankern, durchzusetzen. Wenn man schon ein Problem isoliert und somit abgehoben, statt ganzeitlich betrachtet, und dafür eine eigene Infrastruktur mit entsprechendem Personal braucht, so sollte es reichen, dieses Personal nach den vorhanden Ausschreibungs-Gesetzen zu rekrutieren. Nein! Diese Gesetze könnten ja dazu führen, dass sich parteifreie Persönlichkeiten unseres Landes bewerben. Dies Möglichkeit müssen die Herrschaften der Parteien, deren Einheits-Programm nur noch auf Erhaltung und Ausbau ihrer Pfründe beruht, ausschließen. Und das durch ein eigenes Gesetz, das dem Objektivierungsgesetz direkt widerspricht.

Im Fall B-KSG formuliert man den Paragrafen 5. (2) B-KSG, der in geradezu lächerlicher Weise zu verschleiern sucht, dass die beiden Regierungsparteien vor ihrem absehbaren Exitus noch mindestens fünf Jahre je einen ihrer eigenen Ärsche auf einem weichen und sicheren Sessel im Staatsapparat postieren. Genau hier, in einer derartig verlotterten Gesetzgebung, liegen die Wurzeln dafür begraben, dass die Menschen „zu Recht“ der Meinung sind, dass Politik eine schmutziges Geschäft ist. Dieser Paragraf ist keine einmalige Entgleisung, sondern typisch für die Gesetzeslokomotive, die seit Jahrzehnten auf Schiene ist. Bei ähnlichen Bestimmungen über die Ernennung der Volksanwälte wurden die damit geschaffenen Parteien-Pfründe sogar in Verfassungsrang gehoben (B-VG Artikel 148g)

Die Herrschaften dieses Landes berufen sich gerne darauf, dass sie ausschließlich auf Basis des Gesetzes handeln, und das verstehen sie als Legalitätsprinzip. Nur durch Ausklammerung des Moralitätsprinzips, das die Gesetze nicht nur betrachtet und hinnimmt wie sie sind, sondern auch die moralisch zweifelhaften Absichten des Gesetzgebers berücksichtigt, kann man diese Form von Legalitätsprinzip für die Ultima Ratio unserer Politik halten. Im Buch Moral 4.0 wurde diese Form der Politik so charakterisiert: Das Legalitätsprinzip überlagert das Moralitätsprinzip, und zwar total.

Dass die Parteien und ihre Spitzenkader so und nicht anders handeln, kann einen gelernten Österreicher nicht mehr wundern. Dass jedoch vom intellektuellen Überbau dagegen nicht der geringste Widerstand zu bemerken ist, muss einen naiven Bürger dieses Landes, der gemäß Grundgesetz an die Freiheit der Wissenschaften glaubt, beunruhigen.

– Wo sind die Rechtsprofessoren, die in Frage stellen, dass Gesetze fast nur noch nach einem „Ministerialentwurf“ den Weg ins Parlament finden?

– Wie tief wurde die Basis unserer Verfassung (Parlament = Gesetzgebung), die noch jeder Gymnasiast in der Unterstufe als Basiswissen lernen muss, von der Realverfassung unseres Landes verschüttet?

– Wie lange können Rechtsprofessoren bei der sukzessiven Demontage unserer Demokratie durch Gesetze wie das B-KSG noch zuschauen?

– Warum schaffen Rechtsprofessoren keine Qualitätsststandards für die Gesetzgebung?

– Welche Maßnahmen empfehlen Rechtsprofessoren, um bei der Gesetzgebung bzw. bei jedem einzelnen Gesetz zu gewährleisten, dass der Artikel 1 B-VG beachtet wird?

ethos.at hat zehn Rechtsprofessoren und Professorinnen aus Wien, Graz und Salzburg diese Fragen gestellt und ist gespannt auf die Antworten!

NACHSATZ: Geantwortet haben lediglich zwei von zehn, die übrigen haben sich entschuldigt, weil sie „keine Zeit“ für eine Antwort hätten, oder gar nicht geantwortet. Dazu ein Zitat aus Moral 4.0: „Verantwortungslosigkeit beginnt mit der Antwortlosigkeit.“

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Axe Drax Not Trees

biofuelwatch axe drax

Pellets. Kapitel 2 – „Großbritannien hat 2022 erstmals seit 1978 mehr Strom exportiert als importiert“, berichtet die Nachrichtenagentur pressetext.com am 19.1.23. Im Frühjahr 2021 hat Hubert Thurnhofer über die Stromversorgung in Großbritannien recherchiert, insbesondere die umstrittene Umrüstung des Kraftwerkes Drax von Kohle auf Pellets. Der folgende Artikel war geplant als Kapitel 2 des Buches „Pellets“, das nie in Druck gegangen ist.

„Obwohl das Kraftwerk Drax die Kohleverbrennung auslaufen lässt, ist es immer noch der größte Kohlendioxidemittent in Großbritannien und verbrennt mehr Holz als jedes andere Kraftwerk der Welt. Als Gegenleistung für die Verwüstung von Wäldern und die Befeuerung des Klimawandels erhält Drax massive Subventionen, nachdem es vor Jahren hätte geschlossen werden sollen. Im Jahr 2020 kassierte Drax 2,27 Millionen Pfund an Subventionen für die Verbrennung von Biomasse – jeden Tag! Indessen wurden die Subventionen für wirklich erneuerbare und kohlenstoffarme Onshore-Wind- und Solarenergie in ganz UK gekürzt. Der Biomasse-Strom von Drax wird eingerechnet in das gesetzliche Ziel von UK, im Jahr 2020 15 Prozent unserer gesamten Energie aus erneuerbaren Energiequellen zu erzeugen“, schreibt biofuelwatch.org.uk im April 2021 und fordert: „Für Wälder, Gemeinden und das Klima ist es höchste Zeit: #AxeDrax!

Biofuelwatch beschäftigt sich laut eigener Angaben nicht nur mit Information sondern auch mit Campaigning. Hauptthemen sind Klima und Umwelt, insbesondere die Bekämpfung von „Auswirkungen der industriellen Bioenergie in großem Maßstab“. Almuth Ernsting, Leiterin des Büros in UK, ist eine langjährige Kämpferin gegen die Verwendung von Biomasse zur Energiegewinnung. Schon 2013 veröffentlichte sie den Artikel „Biomass: The Chain of Destruction“ (theecologist.org), wo sie die Gleichung für ihre Kampfansage an Drax formuliert hat: „Biomasse-Strom im Vereinigten Königreich = Abholzung alter Sumpfwälder + Bulldozing von Land der Ureinwohner + benachteiligte britische Gemeinden, denen die Hauptlast der giftigen Abgase aufgebürdet wird.“

In ihrer laufenden Kampagne bringt Ernsting konkrete Zahlen: „Seit 2015 verbrennt Drax jedes Jahr mehr Holz, als Großbritannien jedes Jahr produziert. Im Jahr 2020 verbrannte Drax 7,37 Millionen Tonnen Pellets aus mindestens 14 Millionen Tonnen grünem Holz. Zum Vergleich: Die jährliche Holzproduktion in Großbritannien betrug 2019 nur 11,1 Millionen Tonnen. […] 63 Prozent der von Drax verbrannten Pellets wurden aus dem Südosten der USA importiert. Zusätzlich zu diesen 4,68 Millionen Tonnen verbrannte Drax 1,23 Millionen Tonnen aus Kanada und 836.542 Tonnen aus den baltischen Staaten sowie kleinere Mengen aus Portugal, Brasilien, Weißrussland und Russland.“ Als Quellen nennt Ernsting die Agentur Forest Research, sowie den Geschäftsbericht 2020 von Drax. Es lohnt sich, diesen Bericht im Detail zu analysieren.

Auf Forest Research beruft sich auch Will Gardiner, CEO der Drax Group, in seinem Bericht an die Aktionäre: „Im Südosten der USA, der Quelle für den größten Teil unserer Biomasse, hat die gestiegene Nachfrage nach Holzfasern direkt zu einem erhöhten Wachstum und Schutz der Wälder beigetragen. Die Vorräte sind seit 1950 um über 90 Prozent gestiegen, Jahr für Jahr wird mehr Kohlenstoff gespeichert, obwohl die Ernten zugenommen haben. Unser forstwirtschaftlicher Auftrag basiert auf den neuesten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen von Forest Research, der wichtigsten Organisation des Vereinigten Königreichs für Forstwissenschaft.“

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DDr.Haditsch: 3-Jahres-Rückblick

3. Jänner 2023 – DDr. Martin Haditsch, Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, zieht Bilanz über drei Jahre Corona-Herrschaft. Über die Intention seiner drei Videos schreibt er: „Ihr Lieben, mir ist bewusst dass dieser Dreiteiler großteils kritische und nicht wirklich erfreuliche Informationen enthält. Ich will damit aber niemanden ‚runterziehen‘, ganz im Gegenteil: ich hoffe so sehr, dass wir aus dem Wissen um diese Aspekte unsere gemeinsame Basis definieren können und im Wissen: Gemeinsam sind wir stark! zuversichtlich einen positiven Umbau der Gesellschaft in Angriff und so auch mitgestalten können. Ich will (auch weiterhin) an unsere gemeinsame unüberwindbare Kraft des Guten glauben. In aufrichtiger Verbundenheit mit Euch allen und wieder einmal ein ganz ehrliches und tiefes ‚Dankeschön‘ für all die lieben Kommentare, die Herzen, die Umarmungen, die Unterstützungsbekundungen . . . viel mehr als man erwarten darf und ich vermutlich auch verdiene. Aber ich gebs zu: Ich freue mich so sehr darüber! MH“

3-Jahres-Rückblick Teil 2

3-Jahres-Rückblick Teil 3

Siehe auch : Hauptsache GEIMPFT von Elisabeth Kulman

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White in vs Black out

Black out White in

15. jänner 2023 – „Die Frage ist nicht, ob ein Blackout kommt, sondern wann er kommt“. Dies offenbarte Klaudia Tanner der Welt via Welt.de kurz vor Neujahr. ethos.at hat im 1. Wochenrückblick darüber berichtet. ethos.at will aber nicht nur berichten, sondern auch Beiträge zur Verbesserung unserer Welt liefern. Wir rufen daher auf, Ideen gegen einen Black out zu entwickeln. Ob Notfallpläne oder konstruktive Vorschläge, damit es gar nicht so weit kommt – sende Deinen Beitrag an office at ethos.at!

Österreich hat sich eine bessere Politik verdient – und: bessere Politiker.

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Mit Vorsicht zu genießen: Wikipedia

Screen Wikipedia

Update 14.11.2025 – „Mit der Enthüllung der kunstvoll schimmernden Ehrentafel des Metallbildhauers Toni Amort ehrte die Schützengesellschaft Hötting einen Mann, der seit Jahrzehnten das kulturelle und menschliche Leben Innsbrucks bereichert. Bernd Stracke, gebürtiger Grazer und seit 1975 Wahl-Innsbrucker, war Journalist, Dichter, Übersetzer und Weggefährte vieler. Ob in der Redaktion, im Gerichtssaal oder im Gasthaus nebenan – er begegnet Menschen stets mit Offenheit und Witz“, berichtet unsertirol24.at (14.11.25)

Teil 1: Vorgeschichte + Finanzierung + Struktur

von Bernd Stracke

Am 15. Jänner 2021 ist Wikipedia 20 Jahre alt geworden. Das Schachtelwort setzt sich aus „Wiki“, das hawaiische Wort für „schnell“ und einer Verkürzung des Wortes „Encyclopedia“ (englisch für Lexikon) zusammen. Das Online-Lexikon liegt auf dem 13. Platz der am häufigsten aufgerufenen Webseiten der Welt. Von der Größe her rangiert Wikipedia laut Onlinedienst Alexa hinter Google, Youtube, Facebook und der chinesischen Suchmaschine Baidu an fünfter Stelle. Dutzende Millionen Einträge in 305 Sprachen stehen kostenlos zur Verfügung und werden pro Stunde eine Million Mal angeklickt. Menschen in den reicheren Industriestaaten schlagen im Schnitt pro Monat neunmal bei Wiki nach, die „gigantischste Stalkingmaschine der Welt“ („Schwarzbuch Wikipedia“, Herausgeber Dr. Andreas Mäckler, Zeitgeist-Verlag Höhr-Grenzhausen, 2020) ist aus dem modernen Leben nicht mehr wegzudenken. Klassische Enzyklopädien wie Brockhaus, Meyer oder die altehrwürdige Encyclopedia Britannica können da längst nicht mehr mithalten. Der Mega-Umfang dieser gefährlichen geistigen Machtzusammenballung ist kaum vorstellbar, das Ausmaß des versuchten und vollzogenen Monopolmissbrauchs wird nach Ansicht kritischer Geister sträflich unterschätzt. Mit dem vorliegenden GENIUS-Lesestück liegt Teil 1 einer kritischen Trilogie vor.

Das von 200 „Administratoren“ mit Texten, Fotos, Tabellen und Grafiken gefütterte deutsch(sprachig)e Wiki wird täglich vier Millionen Mal aufgerufen und liegt in Österreich auf Rang 6 (Deutschland Rang 7, Schweiz Rang 4) der meistbesuchten Webseiten. 2020 waren in der deutschen Wiki 748 067 Biografien gelistet, darunter 690 „relevante“ Pornodarsteller (78,8 Prozent davon weiblich) und 267 „relevante“ Forstwissenschaftler. Die Zahl der Wikipedia-Aufrufe ist eines, das Niveau der Wikinutzer ein anderes. Tief blicken lässt, dass das Publikum laut Wiki-Eigenmessung seit Beginn der Aufzeichnungen vor sechs Jahren täglich 977 Mal nach der Religionsparodie „Fliegendes Spaghettimonster“ suchte, während „Jesus Christus“ auf nur 896 tägliche Aufrufe kam (Quelle: pageviews.org).

Wenig schmeichelhafte Vorgeschichte

In schmeichelhaften Biografien ist zu lesen, dass der US-Südstaatler Jimmy Wales, Jahrgang 1966, Sohn eines Gemischtwarenhändlers, „schon kurz nach dem Studium an den Finanzmärkten genug Geld für ein sorgenfreies Leben gemacht“ habe. Der Politologe und Publizist Hermann Ploppa charakterisiert den späteren Wiki-Chef hingegen als einen mehrfach gescheiterten Glücksritter, der sich an der Chicagoer Börse vergeblich als Spekulant versuchte, später eine Hartporno-Suchmaschine namens Bomis betrieben habe, mit der er ebenfalls Schiffbruch erlitt, und der schließlich auf die Idee eines durch Werbung gegenfinanzierten Online-Lexikons namens Nupedia gekommen sei. Das Projekt sei zäh gelaufen, bis er Larry Sanger als Partner anheuerte, der die Eingebung hatte, Leser selbst die Lexikoneinträge redigieren zu lassen. Daraufhin feuerte Wales seinen Kompagnon und feierte sich fortan selbst als genialer Wiki-Erfinder.

Mittlerweile als einer der einflussreichsten Menschen in der Kategorie „Wissenschaftler und Denker“ mit dem „Time 100 Award“ ausgezeichnet (2006) und vom Weltwirtschaftsforum in die elitäre Riege der „Young Global Leader“ aufgenommen (2007), nennt Wales seine Wikipedia allerdings nicht „Lexikon“, sondern „Projekt“.

Wales sei zudem, so steht heute in seinem eigenen – hauptsächlich von einem Anonymus namens „Bonzo“ sowie weiteren 190 Autoren gebastelten – deutschen Wiki-Eintrag, ein begeisterter Hobbykoch, der in dritter Ehe mit Kate Garvey in London lebt und dort seit 2012 als unentgeltlicher Berater der britischen Regierung wirkt, für die er „neue Wege zu mehr Transparenz politischer Entscheidungsfindung und mehr Bürgerbeteiligung bei Gesetzgebungsvorhaben entwickeln“ soll. Im Vatikan ist Wales als Fan der Friedensenzyklika „Pacem in terris“ in der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften nicht ganz unbekannt. Seit Anfang 2016 ist er Boardmitglied in der potenten britischen Guardian Media Group. Zudem ist Wales mehrfacher Ehrendoktor und Träger zahlreicher Auszeichnungen. Er sieht sich weniger als Lexikon-Autor denn vielmehr als „eine Art konstitutioneller Monarch wie die Königin von England, der sich bitten lässt, in Fällen, in denen sich die Community nicht einigen kann, zu entscheiden“. Nicht als Monarch, sondern als „wohlwollender Diktator“ werde Wales mitunter bezeichnet, schreibt Michael Brückner in seinem Buch „Die Akte Wikipedia – falsche Informationen und Propaganda in der Online-Enzyklopädie“ (Kopp-Verlag, 2014).

Noch brisanter, aber nur schwer an relativ versteckter Stelle im Internet zu finden: Wales sitzt in Gesellschaft von hochrangigen Geheimdienstlern, darunter dem früheren CIA-Direktor Michael Hayden, auch im Beirat von Newsguard (mehr davon in Teil 3). Wales‘ Lieblingsbuch ist der „Atlas Shrugged“ von Ayn Rand, eine Art Bibel für freies Unternehmertum, und er bezeichnet sich als Friedrich-von-Hayek-Anhänger.

Kürzlich zeigte sich Wales in der NZZ selbst unzufrieden über den nur zehn- bis 15prozentigen Frauenanteil bei den Wikipedianern. Das emanzipatorische Defizit fiel zuletzt dem Wiener Branchenblatt „Extradienst“ auf, das in seiner April-Ausgabe über interne frauenfeindliche Diskussionen und Löschungen zu berichten wusste, ganz nach dem Muster des Schicksals der kanadischen Laser-Physikerin Donna Strickland, deren Eintrag wegen „mangelnder Relevanz“ gelöscht worden sei – kurz bevor sie 2018 den Nobelpreis erhielt. Der typische Wiki-Autor sei eben „ein weißer westlicher Mann mittleren Alters“. Wiki werde „von einer eingefleischten anonymen Möchtegern-Community beherrscht“, die schlicht „Fakten verdreht“. Außerdem würden, so die Journalistin Hanka Paetow, „selbsternannte Besserwisser Inhalte nach Gutsherrenmanier ramponieren“. Den niedrigen Frauenanteil bei den Wiki-Biografien (16 Prozent) soll ein Projekt namens „Woman in Red“ – übrigens unter Teilnahme der WU Wien – steigern helfen.

Wales‘ einst geschasster Ex-Partner Sanger gründete seinerseits das weniger spektakuläre englische Online-Lexikon Citizendium https://en.citizendium.org/ und zeigte später die Wikimedia-Foundation wegen Verbreitung von Kinderpornografie auf Wikimedia Commons beim FBI an. Konkret nannte Sanger die Commons-Kategorien Pedophilia und deren Unterkategorie Lolicon Lolicon als Beispiele für in den USA illegale Darstellungen. Namentlich angeschwärzt wurde der Wikimedia-Foundation-Vizechef Eric Möller, der die Vorwürfe zurückweist.

Sanger kann sich heute mit seinem einstigen geistigen „Kind“ immer weniger identifizieren. In Fox News meinte er kürzlich: „Die Wiki-Hauptseiten für Sozialismus und Kommunismus enthalten keine Diskussion über die von deren Regimen begangenen Verbrechen, bei denen zig Millionen Menschen ermordet wurden und verhungerten.“ Wikipedia betreibe demnach „keine Bildung, sondern Propaganda“ und habe sich „immer mehr zum Spielplatz der Linken entwickelt, die gnadenlos rechte oder neutrale Einträge zensieren und ihnen eine linke Schlagseite verpassen.“

Mehrere Milliarden Dollar wert

Wikipedia-Betreiberin ist die als gemeinnützig deklarierte – und auch unter Mithilfe einer jährlich groß inszenierten Spendenkampagne finanzierte – Non-Profit-Organisation „Wikimedia Foundation“ (WMF) mit Sitz in San Francisco. In vielen Ländern gibt es zudem unabhängige Wikimedia-Vereine, die mit der Stiftung zusammenarbeiten, die Wikipedia jedoch nicht betreiben; im deutschen Sprachraum sind dies die 2004 gegründete Wikimedia Deutschland (WMDE), die 2006 in der Schweiz online gegangene Wikimedia CH (WMCH) sowie die zwei Jahre später entstandene Wikimedia Österreich (WMAT). Letztere ist laut ihrer Homepage nicht nur mit der Caritas Österreich (!) verpartnert, sondern auch mit der „Cooperation Open Government Data Österreich“ und damit über das Bundeskanzleramt, die Städte Wien, Linz, Salzburg sowie Graz direkt mit dem Steuerzahler verbunden. Die genannten öffentlichen Stellen gründeten 2011 gemeinsam die „Cooperation Open Government Data Österreich“ („Cooperation OGD Österreich“, https://www.data.gv.at/infos/cooperation-ogd-oesterreich/ ), die – gemäß ihrem „Leitbild und Vision 2019 basierend auf der Salzburger Erklärung vom 29. 10. 2018“ – aktiv an der Kooperation OGD D-A-CH-LI und anderen internationalen Netzwerken teilnimmt. Es gelte, „mittels politischem Schulterschluss eine gemeinsame, zukunftsweisende Strategie zu entwickeln.“ Wikimedia Österreich selbst unterhält übrigens drei weitere Web-Projekte: die NGO-Wissensdatenbank „OpenDataPortal Österreich“, den österreichischen Heimatbücherkatalog „RegiowikiAT“ und die bundesweite Gemeinde-Info-Plattform „WikiDaheim“.

Bei Wikipedia sitzen, wie die FAZ vermutet, absolute Spendenprofis, die „das Spiel mit dem schlechten Gewissen längst perfektioniert haben“. An jedem Wort im Betteltext werde gefeilt. Finale Formulierung und sogar die Balkenfarbe würden aufwendig darauf geprüft, wie sie bei der Zielgruppe ankommen. Alles müsse passen, immerhin sähen bis zu zehn Millionen Menschen täglich das Banner auf der deutschen Wikipedia-Seite.

Denn der Wiki-Betrieb kostet natürlich etwas: Server müssen bereitgestellt und die Gehälter hunderter Stiftungsangestellter finanziert werden. Offenbar wird aber auch den angeblich unentgeltlich tätigen Autoren so einiges bezahlt, sofern sie danach fragen. Flugticket, Tankfüllung und das Abendessen obendrauf seien möglich und durchaus nicht an Landesgrenzen gebunden, weiß ein Insider. Es gehe sogar noch weiter: Das Unternehmen verleihe auch teure Technik, Laptops, Kameras und sogar Drohnen – inklusive Kostenübernahme für die Aufstiegsgenehmigung der Luftvehikel und die dazugehörige Versicherung.

Zudem betreibt die Wikimedia Foundation weitere „Tochter-Websites“ wie die Mediensammlung Wikimedia Commons, die Wissensdatenbank Wikidata, die Lernplattform Wikiversity, das Wörterbuch Wiktionary, die Lehrbuchsammlung Wikibooks, die Nachrichtenplattform Wikinews, die Zitatensammlung Wikiquote, die Quellensammlung Wikisource, der Reiseführer Wikivoyage und die Softwarekiste Mediawiki.

Big Wiki-Spender Google, Adobe, Apple, Amazon

Die herbeigeschnorrten Kleinspenden mögen eine angenehme Nebenerscheinung sein, das große Geld bringen sie wohl nicht. Das kommt von anderswo her: Zu den größten Spendern gehört der Netzgigant Google, genauer gesagt die Brin Wojcicki Foundation von Google-Mitbegründer Sergey Brin. Alles andere als knausrig sind aber auch Adobe, Apple, Amazon, Cisco, Hewlett Packard, Oracle, Netflix sowie Salesforce – also fast die gesamte Tech-Branche. Sie alle profitieren umgekehrt – eine Hand wäscht die andere – massiv von den kostenlos zur Verfügung gestellten Daten. So nutzte die Google-Schwesterfirma Jigsaw bei der Entwicklung eines Moderationstools gegen Hasskommentare („Perspective“) unter anderem 115.000 Wiki-Diskussionsbeiträge. Die Chefin der Google-Tochter Youtube, Susan Wojcicki, verriet Pläne, künftig auf „verschwörungstheoretische“ Videos mit Textauszügen aus Wikipedia kontern zu wollen. Suchte man in Google nach dem Pariser Musée d’Orsay, erschien noch vor kurzem im rechten Teil der Ergebnisseite ein Knowledge Panel, eine Info-Box mit Hintergrundinfos, deren Auszüge zum Teil aus der Wikipedia extrahiert und zuweilen mit ihr sogar identisch sind. Auch Amazons „Sprachassistentin“ Alexa benützt Wiki-Content. Wohl nur rein zufällig durfte sich ihrerseits die Wikimedia Endowment über eine Amazon-Millionenspende freuen. Der Journalist Michael Johnston errechnete, dass Wikipedia 2,3 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr erzielen könnte, wenn die Plattform kommerziell betrieben würde. Pro Monat ließen sich durch digitale Anzeigen mühelos 160 Millionen Dollar einspielen. Eine offene Wiki-Werbefinanzierung könnte aber als Verrat an den Wiki-Idealen gewertet werden und wäre der Community wohl kaum zu vermitteln.

Die zwei Plattformen Facebook und Twitter liebt Wales übrigens nicht, denn sie seien „Junk Food für das Gehirn“, würden Nutzer süchtig machen und dazu verleiten, sich oberflächlich zu verhalten: „Ein Like ersetzt keine normale menschliche Interaktion“, so der Enzyklopädie-Gründer. Für das Wiki-Schwarzbuch grub Herausgeber Andreas Mäckler übrigens ein Wales-Zitat aus, wonach die Wiki-Foundation in den USA bereits 2008 „mehrere Milliarden Dollar wert“ war.

Mäckler stellt in seinem Wiki-Schwarzbuch auch fest, dass in Wikipedia „Rechtsgerichtete“ stets als solche benannt und kategorisiert werden, „Linksgerichtete“ hingegen selten bis gar nicht. Lassen sich im Universum der veröffentlichten Meinung Zitate finden, die eine Person kritisch sehen oder skeptisch beurteilen, schlägt der Meinungshammer erbarmungslos zu: Dem Wiki-Opfer kann mit Hilfe dieser Zitate das Mäntelchen „umstritten“ umgehängt werden. Ein weiteres von Wiki angewendetes Instrument: Einzelne Aspekte – Werke, Äußerungen oder Verfehlungen – werden betont und erhalten übergroßes Gewicht. Bei anderen hingegen werden „dunkle Flecken“ vertuscht, wie man es auch bei der klassischen „antifaschistischen“ „Anprangerungsliteratur“ kennt: So intendiert Wikipedia wohl eine negative Punzierung des Leopold Stocker Verlages (z. B. scheinen in den „Kategorien“ die Schlagworte „Völkische Bewegung“ und „Neue Rechte“ auf), beim PapyRossa Verlag hingegen unterbleibt eine abwertende „linke“ Markierung (dort scheinen unter den „Kategorien“ lediglich die neutralen Begriffe „Buchverlag“, „Verlag“ und „Gegründet 1990“ auf).

Im Wiki-Eintrag über das sicher nicht rechtslastige „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS) ist auch kein Sterbenswörtchen über seinen seltsamen Konnex zum „Ibiza-Video“ zu lesen. Klickt man in die kritische Internetplattform „Unzensuriert“ hinein, erfährt man, dass dieses „politische Schönheitszentrum“ in jüngster Vergangenheit „immer wieder im Umfeld des sogenannten ,Ibiza-Videos‘ medial erwähnt und sogar als möglicher Käufer des Videos genannt wurde. Auch erfährt man aus Wikipedia nicht, dass die (mittlerweile aus dem österreichischen Parlament geflogene) „Liste Jetzt“ des Ex-Grünen Peter Pilz, früher bekanntlich Mitglied der trotzkistischen Gruppe Revolutionärer Marxisten, kurz vor der Nationalratswahl 2019 das „Schönheitszentrum“ zu einem „Diskurs“ eingeladen hatte. Die „ideologischen Dienstleistungen“ wurden so ausgelobt: „Das ZPS ist eine Sturmtruppe zur Errichtung moralischer Schönheit, politischer Poesie und menschlicher Großgesinntheit. Grundüberzeugung ist, dass die Lehren des Holocaust durch die Wiederholung politischer Teilnahmslosigkeit, Flüchtlingsabwehr und Feigheit annulliert werden und dass Deutschland aus der Geschichte nicht nur lernen, sondern auch handeln muss.“ Die genannte Berliner Kanzlei fungierte übrigens auch als Vertreter des verhafteten und verurteilten Drogendealers und nach Österreich ausgelieferten mutmaßlichen Lauschfallen-Mittäters Julian Hessenthaler rechtsfreundlich gegen Medien.

Für die „Politur“ des Netz-Images hat sich der Begriff „Online Reputation Management“ (ORM) eingebürgert, die Beeinflussung und/oder Observierung des Rufs von Einzelpersonen, Organisationen oder Marken. Mittels professioneller Suchmaschinenoptimierung (SEO) lassen sich auf den ersten Seiten der Suchmaschinen schlechte Nachrichten von guten verdrängen – und umgekehrt. Da Wikipedia-Einträge wie durch Zauberhand stets ganz nach vorne rutschen, können sie nicht nur über Leben und Tod von Unternehmen, sondern auch über Karrieren und Karriereknicks von Wissenschaftlern, Politikern und Autoren entscheiden. Selbst professionellen (und in der Regel nicht ganz billigen) ORM-Firmen gelingt es meist nicht, Rufmorden erfolgreich und nachhaltig gegenzusteuern.

Korruption und Schutzgeld?

Zum Glück nicht in Mitteleuropa, sondern bis dato nur in Brexit-Land tauchten im Wikipedia-Umfeld die hässlichen Begriffe Korruption und Schutzgeld auf, aber immerhin: Im Wiki-Schwarzbuch berichtet Hermann Ploppa über eine sich im Inselreich „immer deutlicher äußernde zunehmende Korruption“. Wikimedia Großbritannien habe die Konten von 381 Nutzern sperren müssen, die mittelständische Unternehmen und Prominente unter Druck gesetzt hätten, ihnen Schutzgeld zu zahlen, andernfalls die Firmen und ihre Produkte oder die Reputation der Prominenten in Wiki-Artikeln systematisch schlechtgemacht würden. Der Betreiber des Kartenspiels „Cards against humanity“ begriff daraufhin offenbar rasch, wo der Hebel anzusetzen ist: Er spendete 70.000 Dollar an die Wiki-Foundation – und durfte fortan die Seite über sein Produkt ungestört in seinem Sinn redigieren. Auch auf höherer Ebene rissen seltsame Bräuche ein: Ein Mitarbeiter der Boeing-Flugzeugwerke, Jeff Finlayson, habe, so Ploppa, jahrelang Artikel über Boeing geschrieben und redigiert. Und der Einfachheit halber auch gleich jene über das Konkurrenzunternehmen McDonell-Douglas. Jenseits des Atlantiks überwies die Stanton Foundation, eine von Frank Stanton, einem langjährigen Präsidenten des Columbia Broadcasting System, gegründete Privatstiftung – selbstverständlich unverbindlich – 4,75 Millionen Dollar auf das Konto der Wiki-Foundation, worauf im Gegenzug ein angeheuerter Redakteur nach Belieben Wiki-Artikel mit außen- und sicherheitspolitischen Themen im Sinne des Council of Foreign Relations umschreiben durfte. Derlei Usancen wären in Mitteleuropa, wo man so etwas wie Korruption überhaupt nicht kennt, und speziell in Österreich, wo die Korruptionsstaatsanwaltschaft praktisch arbeitslos ist, natürlich absolut undenkbar.

Unübersichtliche Hierarchie

In der für Außenstehende unübersichtlichen Hierarchie steht eine „Bürokraten“ genannte Elite an der Pyramidenspitze. Darunter amtieren „Administratoren“, „Sichter“, „Benutzeroberflächenbearbeiter“, „Zurücksetzer“, „Oversighter“, „Checkuser-Berechtigte“ sowie Schiedsgerichtsmitglieder, „Stewards“, „Bots“, „CAPTCHA-Ausgenommene“ und „OTRS-Mitglieder“. Angemeldete Nutzer mit Benutzerkonto dürfen alle Artikel bearbeiten, müssen aber auf Freischaltung der Bearbeitung warten. Nicht angemeldete Nutzer und Leser dürfen lesen und einige Artikel bearbeiten, müssen aber ebenfalls auf Freischaltung der Bearbeitung warten. Das Verfassen der nach Wiki-Muster aufgebauten Artikel nennt sich Wikifizieren, die Autoren müssen sich an Benimmregeln, genannt Wikiquette, halten.

Bis zum „Held der Wikipedia Erster Klasse“

Ebenso kindisch wie die Hierarchie nehmen sich die Belohnungsorden in „Wikilandia“ aus: Die „Mentoren-Plaketten“, welche die Nachwuchs-Ausbildner für die Betreuung ihrer „Mentees“ (also einer Art „Azubis“) erhalten, gibt es in den Stufen Bronze (10), Silber (25), Gold (50), Platin (100), Smaragd (250), Rubin (500) und Saphirblau (750). Für die höchsterreichbare pädagogische Stufe (1000) winkt – Symbol muss wohl Symbol sein – als allerbegehrteste Trophäe die „Mentorenplakette in Blattgrün“. Während die Zahlen der Bronze- und Silberträger noch in die Hunderte gehen, listet die Wiki-Ehrentafel nur 4 Smaragd-, 3 Rubin-, einen Saphir- und keinen einzigen Blattgrünträger auf. Allerdings wird an Benutzer, die sich in besonderer Weise um das Mentorenprogramm verdient machen, der „Order of Mentoring“ vergeben. Die Vergabe dieser – bisher an neun Personen verliehenen – Auszeichnung „folgt nicht quantitativen Maßstäben“. So winkte dem treuen Schreiber „Hardenacke“ für 15 ehrenamtliche Wiki-Jahre der „Wikiläumsverdienstorden in Rubin“. Je neun Wikipedianer tragen stolz den „Aton-Orden“ und den „Karl-August-von-Cohausen-Orden“ (Pate stand wohl der gleichnamige deutsche Berufsoffizier und provinzialrömische Archäologe) vor sich her. Ersterer wird verliehen für herausragende Leistungen in Ägyptologie, letzterer für herausragende Leistungen in römischer Militärgeschichte. Bisher sechs Wiki-Mitarbeiter verdienten sich den „En-hedu-ana“-Orden. Für Nicht-Alt-Orientalistiker: Namenspatin En-hedu-ana war die Tochter von Sargon von Akkad und bekleidete das Amt der Hohepriesterin des Mondgottes Nanna in der südmesopotamischen Stadt Ur. Der unermüdliche Wiki-Benutzer „WolfgangRieger“ wiederum erhielt für „in den klassischen Altertumswissenschaften erbrachte Leistungen“ den „Böckh-Mommsen-Orden“, offensichtlich benannt nach dem Fachbuch „Grundbegriffe Des Antiken Münzwesens Nach Böckh, Mommsen, Hultsch, Gräße Und Andern“. Aber damit nicht genug: WolfgangRieger wurde zudem sogar noch zum „Held der Wikipedia Erster Klasse“ geadelt.

Scherz muss sein

Wie alle Medienprojekte, an denen Menschen mitarbeiten, ist auch Wikipedia nicht frei von Fehlern. Dass erst nach Jahren korrigiert wurde, dass der Rhein nicht 1320 Kilometer, sondern nur 1230 Kilometer lang ist, gehört wohl zu den lässicheren lexikalischen Sünden.

Wenn es einem Scherzbold gelingt, Wikipedia hereinzulegen, kann das schon peinlich werden: Als Karl-Theodor zu Guttenberg 2009 deutscher Wirtschaftsminister wurde, erlaubte sich ein Amateur-User, zu den vielen in seinem Eintrag aufgelisteten Vornamen Karl-Theodor, Maria Nikolaus, Johann, Jacob, Philipp, Franz Joseph, Sylvester, Freiherr von und zu Guttenberg in Wiki – frei erfunden – den Namen Wilhelm einzufügen. Fast alle Medien von Bild bis Spiegel übernahmen die Ente. Besonders Spiegel online wurde übrigens mehrfach beim Abschreiben von Wiki erwischt, was durch die Übernahme der Beistrichfehler dokumentiert wurde.

Ethnische und ethnoreligiöse Diskretion in der deutschen Wiki

Anders als andere Wikipedien geht die deutsche Enzyklopädie mit der ethnischen bzw. ethno-religiösen Herkunft von Persönlichkeiten höchst diskret um. Der kürzlich verstorbene Schauspieler Charles Sidney Grodin (eigentlich Charles Grodinski) ist unter folgenden deutschen Kategorien gelistet: Theaterschauspieler, Theaterregisseur, Filmschauspieler, Autor, Literatur (Englisch und US), Drama, Sachliteratur, Pseudonym und US-Amerikaner. Kein Wort über seine Herkunft.

In der englischen Wikipedia stößt man hingegen gleich im ersten Absatz auf die Wurzeln des Stars: „Grodin was born in Pittsburgh, Pennsylvania, to Orthodox Jewish parents“ (Grodin wurde in Pittsburgh, Pennsylvanien von orthodoxden jüdischen Eltern geboren). Zusätzlich findet man ihn detailreich gleich in mehreren „Kategorien“, wie sie der deutschen Wiki fremd sind: „Jüdischer amerikanischer männlicher Schauspieler“, „Jüdischer amerikanischer Autor“, „Jüdischer Theaterdirektor“ und „Jüdisch-amerikanischer männlicher Komödiant“.

Auch die spanische Wiki macht kein Geheimnis daraus, dass Grodins Eltern „júdios ortodoxos“ (orthodoxe Juden) waren und man geht dort noch in weitere genealogische Details: „Su abuelo materno había sido un ruso judío inmigrante que provenía de una larga línea de rabinos“ (sein Großvater mütterlicherseits war ein eingewanderter russischer Jude, der einer langen Linie von Rabbinern entspross). Die spanische Wiki verfügt über ein eigenes Verzeichnis „Judíos de Estados Unidos“ (US-Juden), in dem auch Grodin zu finden ist.

Aus der portugiesischen Wiki erfährt man noch mehr Details: „Grodin era filho de pais judeus ortodoxos Lena e Theodore Grodin. Seu avô materno foi um imigrante judeu da Rússia, descendente de uma longa linhagem de rabinos.“ (Grodin war Sohn der orthodoxen Juden Lena und Theodore Grodin sowie mütterlicherseits Enkel eines aus Russland eingewanderten Sprosses aus einer langen Ahnenreihe von Rabbinern). Weiters steht zu lesen, dass er „Tem um irmão mais velho, Jack“, einen älteren Bruder namens Jack, hatte. Auch die portugiesische Wikipedia führt eine separate Liste der US-Juden, in der Grodin aufscheint.

Selbst in der russischen Wikipedia wird Grodins Ethnie nicht verschwiegen: „семья евреев ортодоксальных“ (orthodoxe jüdische Familie).

Bei der französischen Wikipedia war man bei GENIUS-Redaktionsschluss noch mit der Eintragsaktualisierung befasst. Man konnte den Hinweis lesen: „…Es handelt sich um einen Eintrag über eine kürzlich verstorbene Person und er ist noch nicht eingerichtet…“

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Appell für den Frieden

Appell für den Frieden screen

Ein Appell von Klaus Moegling auf change.org

gerichtet an die deutsche Bundesregierung, an Mitglieder des Deutschen Bundestags und die interessierte Öffentlichkeit (Der gleiche Text wird im österreichischen Friedensappell an die österreichische Regierung gerichtet)

BUCHTIPP: Michael Wolffsohn: Zum Weltfrieden

Stand 12. Jänner 2023: 1976 Unterzeichner

Stand 23. März 2023: 6809 Unterzeichner

Endstand 5. Dezember 2023 (Petition abgeschlossen): Diese Petition hat 16.421 Unterschriften erreicht

Klaus Moegling ist auch Mitunterzeichner des „Manifest für den Frieden„, das es mit vereinter Frauenpowervon Alice Schwarzer und Sahra Wagenknecht innerhalb weniger Tage auf über 177.000 Unterzeichner gebracht hat.

Text: Die weltweiten Kriege und die ständig beschleunigte Hochrüstung stehen der Bewältigung der ökologischen Krise entgegen.

Die Arsenale der Atommächte und die über 400 Nuklearreaktoren weltweit sowie die ökologischen Kipp-Punkte der Klima- und anderer ökologischer Katastrophen sowie die internationale Rivalität sind eine ständig zunehmende Gefahr für die Zukunft der Menschheit.

Eine Zukunft der Menschheit wird es nur geben, wenn diese eine friedliche wird. Hierbei geht es sowohl um innergesellschaftlichen und zwischenstaatlichen Frieden als auch um den Frieden mit der Natur.

Dies erfordert eine internationale Kooperation statt Rivalität und Feindschaft.

Wir warnen, angesichts der Warnungen aus Scharm El Scheich, vor einem erneuten Zeitverlust, den sich die Menschheit nicht mehr leisten kann.

Die laut SIPRI offiziellen 2100 Jahresmilliarden (in US-$) Weltrüstungsausgaben bedingen einerseits eine Belastung der Ökosphäre mit Verbrennungsabgasen, andererseits eine Ressourcenvernichtung in ebenso existenziell schädlichem Umfang, wodurch u.a. Ressourcen für soziale Programme sowie Bildung und die Bekämpfung von Hungersnöten fehlen. 

Der Vertrag zur Deutschen Einheit (2+4-Vertrag) erlegt den USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und Deutschland die Aufgabe auf, sich für eine Weltfriedensordnung einzusetzen, welche die Sicherheitsinteressen aller Staaten berücksichtigt. Dies ist der Schlüssel zur Überwindung der Rivalität.

– Wir fordern daher von der Bundesregierung im Sinne des 2+4-Vertrags, dass sie sich umgehend und mit dem nötigen diplomatischen Einsatz für eine vom UN-Generalsekretariat getragene hochrangige Verhandlungsinitiative zur Beendigung des eskalierenden Kriegs in der Ukraine einsetzt. Das gegenseitige Töten und auch die massive Umweltzerstörung durch den Krieg sind nicht länger von der internationalen Gemeinschaft der Völker hinnehmbar!

– Wir fordern eine konsequente Ökologiepolitik und eine Abkehr vom unkritischen Wachstumsdenken, um mit einem ganzheitlichen Ansatz die existenzielle Bedrohung der Zukunft des Lebens auf der Erde abzuwenden. Dementsprechend müssen auch die durch Militär bedingten Emissionen eines Staates im Inland und Ausland seiner nationalen CO2-Klimabilanz zugerechnet werden. Wir fordern die Bundesregierung auf, sich bei internationalen Klimaverhandlungen dafür einzusetzen, dass es keine Herausnahme der militärisch bedingten Umweltverschmutzung bei internationalen Klimaverhandlungen mehr geben wird.

– Wir fordern eine über die UN koordinierte internationale Abrüstung statt Aufrüstung. Insbesondere fordern wir ein Ende der Nuklearrüstung, welche die Menschheit nach der Aufkündigung der nuklearen Abrüstungsverträge und gegenseitigen Vernichtungsdrohungen in ihrer Existenz gefährdet. Daher fordern wir auch den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zum Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen.

Es muss jetzt endlich die Zeit der wirkungsvollen diplomatischen Initiativen und zivilgesellschaftlicher Aktivitäten im internationalen Rahmen kommen!

Frieden entsteht nicht durch mehr Krieg! Kriege enden nicht im Frieden! Nur eine Politik, die ehrlich alle Gefahrenpotentiale zeitnah angeht, kann die Zukunftsgefährdungen abwenden. Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie sich hier eindeutig positioniert und konsequent im Rahmen internationaler Absprachen handelt!

Appell für den Frieden – YouTube

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Ubuntu: Die afrikanische Kultur des Wir

Ubuntu netzwerk ethik

12. Jänner 2023 – “Ich bin, weil du bist”, lautet eine Kernaussage der afrikanischen Philosophie und Lebenskunst Ubuntu. Sie setzt dem Mythos der Individualität die Idee der Freiheit in Verbundenheit entgegen. Faszinierend, wie sich die universelle Weisheit in den verschiedenen Kulturen zeigt.

Geseko von Lüpke stellt Ubuntu in der aktuellen Ausgabe von ethik-heute.org vor.

„Ubuntu meint, dass der einzelne Mensch nur durch seine Teilhabe am Ganzen über sich hinauswachsen kann.“ Ich und andere sind kein Gegensatz, sondern bedingen einander und das soll im täglichen Leben, in allen Handlungen ausgedrückt werden. Im Unterschied zum europäischen „Ich denke, daher bin ich“, entspricht das afrikanische Ubuntu dem Zulu-Sprichwort: Ich bin (…), weil Du bist.

Der Autor verweist auch auf die Schattenseiten unserer Zeit, in der Ubuntu trivialisiert und kommerzialisiert wird: „Das Wort findet sich auch als Leerformel in Politikerreden, wird zur Marke und zum Werbeträger, wird als Name für Konsumprodukte, Computerprogramme und Versicherungsunternehmen missbraucht und trivialisiert. Südafrikas kritische Jugend wendet sich vom verbindenden Mythos ab und glaubt kaum daran, dass sich das Ideal eines gerechten und gemeinschaftlichen Lebens mit der globalisierten Wachstumswelt verbinden lässt. Der Verlust von Ubuntu wird überall beklagt.“

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