Initiative Bessere Verwaltung

SN 50 Ideen 2023 03 01

Update 19.5.2024 – Die Initiative Bessere Verwaltung hat eine Dokumentation des 2. Workshops „Politische Steuerung der Ressorts“ am 23.4.2024 publiziert. Lesenswert die Zusammenfassung von Prof Rudolf Wimmer, der sich seit vielen Jahren mit der Lernfähigkeit von Organisationen in der Wirtschaft wie auch in der öffentlichen Verwaltung beschäftigt. Aufgrund des EU-Beitritts haben die Aufgaben der Ministerin deutlich zugenommen. Die Initiative Bessere Verwaltung hat die einzelnen Bereiche und Problemstellungen analysiert:
– Aufgaben eines Ministers
– Zielkonflikte und Entweder-oder-Denken
– Führung eines Resorts
– Generalsekretäre und Staatssekretäre
– Besetzung von Positionen in der Verwaltung
– Zusammenarbeit zwischen Resorts
– Qualität der Verwaltung
– Rolle von Kabinetten
– Wissenschaftlicher Dienst für das Parlament

2. März 2023 – Die „Initiative Bessere Verwaltung“ bestehend aus 15 ExpertInnen ist Anfang März mit einer Vision an die Öffentlichkeit getreten, die lautet: „ein selbstbewusster und leistungsfähiger öffentlicher Dienst, der den Rechtsstaat schützt, hochwertige öffentliche Leistungen erbringt und die Zukunftsfähigkeit Österreichs vorausschauend absichert.“ Um dieses Ziel zu erreichen wurden 50 Vorschläge zu sieben Themenbereichen vorgelegt.

Download des Gesamtdokuments auf bessereverwaltung.at und Kurzfassung

1. Neuorganisation der Bundesministerien

2. Strategische Ausrichtung der Bundesverwaltung und Steuerung

3. Krisenmanagement und Krisenprävention

4. Transparenz und Antikorruption

5. Informationstechnologien

6. Partizipation

7. Europäisierung und Internationalisierung

Derzeit wird die „Initiative Bessere Verwaltung“ von folgenden Personen getragen: Peter Biegelbauer, Elisabeth Dearing, Michael Fälbl, Nikolaus Forgó, Wolfgang Gratz, Irmgard Griss, Shoura Hashemi-Zehetner, Clemens Jabloner, udith Kohlenberger, Christoph Konrath, Martin Kreutner, Manfred Matzka, Heinz Mayer, Oliver Scheiber, Thomas Wieser

ethos.at begrüßt die Initiative, vermisst jedoch den Bereich „Qualitätskontrolle in der Gesetzgebung„. Es ist beispielsweise zu wenig, parteipolitisch motivierte Postenbesetzungen nachträglich zu kritisieren, wenn man nicht evaluiert, ob die Objektivierungsgesetze geeignet sind Postenschacher zu verhindern. Außerdem ist rechtzeitig einzuschreiten, wenn die parteipolitische Absichten erkennbar sind, die Pficht zur Objektivierung durch andere Gesetze zu umgehen (z.B. Ernennung der Berater im Krisensicherheitsgesetz anstatt Ausschreibung). Die Qualität der Gesetzgebung (derzeit vorwiegend durch Gesetzesvorlagen der obersten Organe der Vollziehung anstatt vom Parlament initiiert, und somit in direkten Widerspruch zur Gewaltenteilung) ist ein fundamentaler Indikator dafür, ob die Bürger ihrer Verwaltung vertrauen.

Ergänzung 9. Juni 2023 – in einem Gastkommentar (derStandard.at) schreibt Thomas Wieser, Proponent der Initiative Bessereverwaltung.at: Für eine bessere Verwaltung braucht es

· in der Organisation der Bundesministerien eine Objektivierung der Änderungen von Zuständigkeiten,

· eine zwingende Verkleinerung der Kabinette,

· Objektivierungsmaßnahmen bei Beförderungen und Einstellungen,

· schriftliche Nachvollziehbarkeit von Anweisungen,

· eine deutliche Verbesserung bei Aus- und Weiterbildung,

· eine strategische Koordinationsstelle im Bundeskanzleramt, inklusive Ausbau strategischer Planungskapazitäten und entsprechenden -kompetenzen,

· krisenresistentere Strukturen, insbesondere auch im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie.

Essenziell sind weiters:

· Europäisierung: eine inhaltliche und personelle Einbindung in europäische Netzwerke, die Stärkung der Forschung zu europäischen Themen sowie (unabhängiger!) österreichischer Thinktanks (à la Bruegel, oder Stiftung Wissenschaft und Politik) und des öffentlichen Diskurses zu diesen Themen.

· Digitalisierung: Österreich ist nach guten Anfängen zurückgefallen. Unter anderem müssen materielle und immaterielle Investitionen in Ausbildung, Forschung, Wissenstransfer und Innovationsförderung in allen Bereichen der Digitalisierung deutlich ausgebaut werden. Die derzeit häufig heterogenen und selten abgestimmten Initiativen in unterschiedlichsten Verwaltungsbereichen sollten auf Regierungsebene koordiniert werden.

· Auslagerungen: Hier ist mehr Nachvollziehbarkeit notwendig, aber auch die tatsächliche Wahrnehmung der Eigentümerfunktion, eine Steuerung durch den Eigentümer, also den Staat, statt Eigenleben; Straffung nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

· Regeln für die Implementierung vereinbarter Reformen – die Schubladen sind voller nicht oder nur ansatzweise umgesetzter Vorhaben.

Podiumsdiskussion „Wie kann die Verwaltung besser werden?“

Wann: Mittwoch, 11. Oktober 2023, 18.00 Uhr

Wo: FH Campus Wien, Favoritenstraße 226, 1100 Wien, Festsaal (FHCW liegt direkt an der U1-Station Altes Landgut)

Am Podium werden Irmgard Griss, Judith Kohlenberger, Thomas Wieser und Wolfgang Gratz zum Thema diskutieren. Moderiert wird die Runde von Florian Gasser, Leiter des Österreich-Büros „Die Zeit“.

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Moscheen in Wien

Integrationsfonds Moscheen Wien

28. Februar 2023 – Die Autoren Heiko Heinisch, Imet Mehmedi und Zoltan Peter haben soeben den Forschungsbericht „Moscheen in Wien“ publiziert und die Frage gestellt: „Was hat sich seit der Veröffentlichung der Studie ‚Die Rolle der Moschee im Integrationsprozess‘ im Herbst 2017 verändert?“ Die 113 Seiten umfassende Studie ist als PDF auf der Seite des integrationsfonds.at abrufbar. ethos.at publiziert die Zusammenfassung des Berichtes:

ZUSAMMENFASSUNG

Die Studie „Die Rolle der Moschee im Integrationsprozess“ aus dem Jahr 2017 (Heinisch/Mehmedi et al.) wurde von der Frage geleitet, ob Moscheevereine bzw. die durch sie vermittelten Inhalte von Freitagspredigten die Integration ihrer Mitglieder in die Gesellschaft fördern oder ihr im Weg stehen. Die vorliegende Studie versteht sich als Follow-up. Sie folgte derselben Fragestellung und versuchte, dieselben Moscheen neuerlich einzubeziehen, um etwaige Veränderungen erfassen zu können. Dieses Vorhaben war bei 12 der 16 Moscheen aus dem Jahr 2017 erfolgreich. Zwei Moscheen der Vorgängerstudie hatten sich als zu klein für eine Beobachtung erwiesen, eine existierte nicht mehr und eine war aufgrund der Corona-Maßnahmen dauerhaft geschlossen.

Insgesamt wurden die Freitagspredigten bzw. adäquate Veranstaltungen in der schiitischen Moschee S01 an drei bis sechs Tagen in insgesamt 14 Wiener Moscheen aufgezeichnet, transkribiert, übersetzt und gemeinsam mit den Onlineauftritten der Vereine (Webseite, Facebook) ausgewertet. Die geplanten Interviews mit Imamen oder Vereinsvorständen konnten nicht durchgeführt werden, weil sämtliche Vereine nicht zu einem solchen bereit waren. Eine Moschee sagte ein bereits geplantes Interview kurzfristig wieder ab, die übrigen beantworteten die Bitte um ein Interview erst gar nicht.

Um die leitende Forschungsfrage beantworten zu können und im Rahmen einer qualitativen Erhebung ein möglichst repräsentatives Bild des Wiener Moscheefeldes zu gewährleisten, lag der Schwerpunkt der Erhebung bereits 2017 auf den großen und einflussreichen Moscheeverbänden (ATIB, Islamische Föderation, Türkische Föderation etc.) innerhalb der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ). Da diese Verbände kollektive religiöse und ethnische Identitäten und Moralvorstellungen thematisieren, tragen sie bei relativ vielen Menschen zur Herausbildung und Verfestigung eines bestimmten religiösen Habitus und eines bestimmten Lebensstiles der Gläubigen bewusst oder unbewusst bei. Damit tragen gerade diese Imame besondere Verantwortung für den Integrationsprozess ihrer Zuhörer/innen (siehe etwa Moussa 2020: 44 f.). Kleinere Moscheen, denen eine niedrigere Stellung im Feld zukommt, sind nicht Gegenstand der Untersuchung, daher wurden etwa als radikal und/oder salafistisch bekannte Moscheen nicht berücksichtigt.

Die Moscheen der erwähnten Verbände konnten allesamt neuerlich in die Studie einbezogen werden. Die Auswahl erfolgte 2017 nach abstrakten Kriterien: In einem ersten Schritt folgte sie der ethnischen Struktur der Moscheelandschaft: Es existieren kaum multiethnische Moscheen, was nicht heißt, dass einzelne Moscheen nicht auch von Menschen verschiedener Eth#nien besucht werden. Aber da in türkischen Moscheen auf Türkisch gepredigt wird, in bosnischen auf Bosnisch, in albanischen auf Albanisch, in arabischen auf Arabisch etc. sind die Inhalte der Predigten in der Regel nur für Menschen der jeweiligen ethnischen Gruppe verständlich.

Die türkischen Moscheen sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, in drei großen Verbänden und, im Vergleich dazu, einem etwas kleineren Verband organisiert:

• ATIB, der österreichische Ableger der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet

• Islamische Föderation, der österreichische Ableger der Millî-Görüş-Bewegung

• UIKZ, der österreichische Ableger der türkischen Süleymancılar

• Türkische Föderation, die den türkischen Grauen Wölfen nahesteht

Diese vier Verbände betreiben 35 der etwa 160 Moscheen in Wien, also 22 %. Weitere neun Moscheen gehören dem Verband bosniakisch-islamischer Vereine in Österreich (IZBA) an, zwei Vereine der albanischen Kultusgemeinde (ALKIG). Diese sechs Verbände stellen also gemeinsam 46 Moscheen, was etwa 29 % der Wiener Moscheen entspricht. Ihre Reichweite ist deutlich größer, da die Vereine dieser Verbände in der Regel über größere Beträume verfügen als andere Vereine, mit Ausnahme der Moschee Ar01, die jedoch einen Sonderfall darstellt (siehe Bericht Seite 32). Zudem sind die jeweiligen Verbände weitgehend homogen, was ihre religiöse und/oder politische Ausrichtung betrifft.

Aus diesen Kriterien ergab sich für die Studie 2017 die folgende Zusammensetzung:

Aus der Gruppe der türkischen Moscheen gingen ins#gesamt sechs Vereine in die Studie ein: zwei der ATIB, zwei der Islamischen Föderation und je einer der Union Islamischer Kulturzentren und der Türkischen Föderation. Hinzu kamen je zwei Moscheen aus der Gruppe der bosnischen, der albanischen und der arabischen Moscheen sowie eine pakistanische, eine deutschsprachige und zwei schiitische Moscheen zweier unter#schiedlicher schiitischer Strömungen.

Die türkischen, bosnischen und albanischen Moscheen sowie die arabische Moschee Ar01 und die schiitische Moschee S01 konnten auch diesmal wieder in die Studie aufgenommen werden. Die übrigen vier Moscheen der 2017er-Studie konnten für die vorliegende Studie, wie auf Seite 19 beschrieben, nicht untersucht werden. Stattdessen wurden eine andere arabische Moschee (Ar03) sowie eine afghanische Moschee (Af01) in die Studie aufgenommen.

Aus allen Gruppen wurden, wie schon 2017, die jeweils größten Moscheen und/oder jene am Hauptsitz des jeweiligen Verbandes ausgewählt. Mit dieser Auswahl wurde sichergestellt, dass jene Moscheen untersucht wurden, die über die größte Reichweite und somit über eine bestimmende Position verfügen.

Die Freitagsgebete werden nach wie vor fast ausschließlich von Männern besucht. Nur in der arabischsprachigen Moschee Ar01 werden eigene Räumlichkeiten für Frauen reserviert, um ihnen die Teilnahme zu ermöglichen. Ob in den übrigen Moscheen im Normalfall Frauenräumlichkeiten zur Verfügung stehen, war aufgrund der coronabedingten Begrenzung der Teilnehmer nicht überprüfbar. Während des Beobachtungszeitraums wurden keine Frauen bei den Freitagsgebeten angetroffen. Die Abwesenheit von Frauen wird in der Regel damit begründet, dass die Teilnahme am Freitagsgebet für Frauen, anders als für Männer, nicht obligatorisch sei.

Ethnisch sortiert

Das Feld der Moscheen ist in Wien nach wie vor weitgehend ethnisch sortiert, weil in erster Linie in der jeweiligen Sprache des Herkunftslandes gepredigt wird. Folglich erreichen die Predigten jene Moscheebesucher nicht, die die jeweilige Landessprache nicht beherrschen. Das bedeutet nicht, dass Moscheen an Freitagen nicht auch von Menschen anderer Ethnien

oder Landessprachen besucht werden, die am rituellen Gebet im Anschluss an die Predigt teilnehmen. Dem Inhalt der Predigt können sie in der Regel jedoch nicht folgen. Im Sample der untersuchten 14 Moscheen werden einzig in der Moschee Ar01 sämtliche Predigten auf Arabisch und vollständig in deutscher Übersetzung gehalten und auch zweisprachig als Video ins Internet gestellt.

In drei türkischen Moscheen (Ta01, Ta02 und Tf01) wurden einige Teile der Predigten auch auf Deutsch gehalten. Das ist eine positive Veränderung zur Erhebung von 2017, als nur in zwei von 16 Moscheen zumindest auch auf Deutsch gepredigt wurde. Bei der Mehrheit der Moscheen handelt es sich allerdings weiterhin um ethnisch und sprachlich geschlossene Räume.

Die Tendenz zu ethnischer Segregation wird in fünf der 14 Moscheen (Ta01, Ta02, Tf01, Ti02 und Bo01) durch offenen Nationalismus verstärkt. Nationalistische Tendenzen fanden sich zudem in der albanischen Moschee Al01, insgesamt also in mehr als einem Drittel der untersuchten Moscheen. Auch das stellt eine Verbesserung gegenüber 2017 dar, als sich Nationalismus noch in der Hälfte der untersuchten Moscheen manifestiert hat.

In fünf der untersuchten Moscheen ist eine explizite Überhöhung der islamischen Gemeinschaft (Umma) zu bemerken, die mit der Abwertung des Rests der Gesellschaft gegenüber dieser Gemeinschaft einhergeht (Ta02, Ti01, Ti02, Tu01 und Ar03). 2017 fand sich die Überhöhung der Umma ebenfalls in fünf Moscheen, allerdings in einem Sample von 16 Moscheen.

Wie schon in der Erhebung von 2017 wurde auch dies#mal in acht der untersuchten Moscheen mehr (Tf01, Ti02, Tu01, S01, Af01, Ar03) oder weniger (Ta01 und Ti01) ein ausgeprägt dichotomes Weltbild gepredigt, in dem die Welt in das Richtige, Muslimische auf der einen Seite und das Falsche, Nicht-Muslimische auf der anderen Seite eingeteilt wird. Oder anders gesagt: Die Welt wird streng in Muslime und alle anderen Menschen unterteilt. In vier dieser acht Moscheen, in denen das der Fall ist, werden andere dezidiert als Feinde bezeichnet. In sechs dieser acht Moscheen (Tf01, Ti02, S01, Bo01, Af01, Ar03) werden Nicht-Muslime, andere Lebensentwürfe, andere Religionen und/oder andere Weltanschauungen abgewertet. Auch diese Zahlen entsprechen jenen von 2017, allerdings in einem verkleinerten Sample.

Integrationsskala

– Analog zur Studie im Jahr 2017 konnte auch bei der aktuellen Erhebung keiner der untersuchten Moscheevereine auf der Stufe der Identifikation eingeordnet werden. Das liegt nicht unbedingt darin begründet, dass sich bis auf einen alle untersuchten Moscheevereine durch die Sprache der Predigten als ethnisch weitgehend homogene Räume präsentieren, sondern ist auch in der Logik von Vereinen begründet, die nicht oder nicht allein der Religionsausübung dienen, sondern zudem zur Pflege der eigenen Kultur ins Leben gerufen wurden, wie das nicht nur bei islamischen derFall ist.

– Eine Stufe darunter, auf jener der sozialen Integration, finden sich diesmal zwei Moscheen, Bo02 und Ar01, anstelle der nicht mehr existierenden Moschee D01 der 2017er-Studie. Über sie lässt sich sagen, dass sie die soziale Integration ihrer Mitglieder und Zuhörer/innen aktiv fördern. Das bedeutet für beide Moscheen eine Verbesserung. Ar01 stand vor vier Jahren noch auf der Stufe der kognitiven Integration, Bo02 war damals auf einer Zwischenstufe zwischen sozialer und kognitiver Integration angesiedelt. Die zwei Moscheen leisten einen aktiven Beitrag zur sozialen Integration ihrer Mitglieder und Zuhörer/innen. Sie begrüßen und fördern soziale Beziehungen über die Grenzen der eigenen Gruppe hinaus. Die Moschee Ar01 schnitt in allen untersuchten Kategorien als demokratiefreundlichste, offenste und toleranteste Moschee ab. Aber auch bei Bo02 war ein sozial offenes Verhältnis nach außen in den Predigten immer wieder deutlich sichtbar, bei zentralen sozialen Themen (gegenseitige Hilfe, Dankbarkeit etc.) wird hier kein Unterschied zwischen der religiösen Eigengruppe und Menschen anderen Glaubens gemacht.

Fünf Moscheen stehen auf der Stufe der kognitiven Integration oder Akzeptanz: Ta01, Ta02, Al02, Al01 und Ti01. Sie stehen der sozialen Integration ihrer Mitglieder mehr oder weniger neutral gegenüber. Staat und pluralistische Gesellschaft, Demokratie und Menschenrechte werden in diesen Moscheen als Grundlage des Zusammenlebens akzeptiert und befürwortet, die Aneignung von praktischem Wissen, Fertigkeiten und Kompetenzen für die soziale Interaktion über die Grenzen der eigenen Gruppe hinaus werden ebenso gefördert wie die Pflege sozialer Kontakte außerhalb der eigenen Gemeinschaft, zumindest an Arbeitsplatz und Schule (passive Interaktion). Darüber hinaus wird jedoch eine Trennung von religiöser oder ethnischer Eigengruppe und dem Rest der Gesellschaft aufrechterhalten, die auch im öffentlichen Raum bis zu einem gewissen Grad sichtbar bleiben soll. Die Verbundenheit mit Österreich und der Mehrheitsgesellschaft ist eher oberflächlicher Natur – es handelt sich dabei um keine Resonanz-, sondern bestenfalls um eine Toleranzbeziehung. Integration wird nicht aktiv gefördert, aber ebenso wenig aktiv behindert. Das tragende Element des Zusammenlebens äußerst sich weniger im Interesse an der Aufnahmegesellschaft, sondern vielmehr im Ertragen derselben (siehe Seite 25 f.). Allerdings muss hinzugefügt werden, dass drei der genannten Moscheen (Ta01, Ti01 und Al02) sichtbare Tendenzen in Richtung strukturelle Integration aufweisen, sich also zumindest punktuell als integrationshemmend erweisen. Bei dieser Gruppe lassen sich zwei unterschiedliche Haupttendenzen erkennen. In zwei der fünf Moscheen (Al02 und Ta02) wird die direkte politische Auseinandersetzung mit der Thematik des Zusammenlebens ausgespart, die Predigten befassen sich vorwiegend mit dem Thema Religion. In den übrigen drei Moscheen dieser Gruppe (Ta01, Al01 und Ti01) wird das Zusammenleben thematisiert und für eine friedliche Koexistenz der Kulturen, Traditionen und diversen sozialen Praktiken plädiert. Das Wertesystem der Eigengruppe wird in den Predigten dieser zweiten Gruppe oft als maßgeblich präsentiert, während das Wertesystem der umgebenden Gesellschaft, vor allem ihre Gesetze, als lediglich akzeptabel und tolerierbar dargestellt werden. Dabei ist die Tendenz erkennbar, eine eigene soziale Identität ins Zentrum zu stellen, was über einen längeren Zeit#raum hinweg einen eigenen Habitus, eine beständige Haltung, eine mehr auf einem pragmatischen Ertragen als auf kultureller Aufgeschlossenheit basierende Umgangsweise mit anderen Menschen und Kulturen hervorrufen kann. Das bedeutet zwar noch keine akute und bewusst unterstützte Abspaltung, sollte aber dennoch als Hinweis auf eine möglicherweise problematische Tendenz betrachtet werden.

Sogenannte „Parallelgesellschaften“ können mehr oder minder bewusst gefördert werden. Sie können aber auch einfach „passieren“, indem etwa trotz Bemühen der Individuen oder Gruppen der Anschluss an die Gesellschaft nicht oder nicht auf Anhieb gelingt, beispielsweise bedingt durch Sprache oder Alter, aber auch aufgrund mangelnder Strukturen, Unterstützungsmaßnahmen, Diskriminierung etc. seitens der Aufnahmegesellschaft. Eine Art ungewollte und von keiner Seite erwünschte „Zurückgeworfenheit“ in die eigene Community, in ein Umfeld, in dem der/die Einzelne scheinbar weniger Widerstände zu überwinden hat als außerhalb.

– Den sieben Moscheevereinen, die unter sozialer und kognitiver Integration eingeordnet wurden und die ein neutrales bis positives Verhältnis ihrer Mitglieder zur Integration aufweisen, steht jedoch die andere Hälfte der untersuchten Moscheen gegenüber, die sich durch ein negatives Verhältnis zur Integration ihrer Mitglieder auszeichnet und diese aktiv zu behindern versucht. Davon stehen sechs Moscheen auf der Stufe der strukturellen Integration oder Distanzierung und damit auf einer Stufe, die sich als Integrationshindernis für ihre Mitglieder und Besucher/innen erweisen kann: Tu01, Af01, Tf01, S01, Bo01 und Ti02. Die Moscheen Tu01 und Ti02 weisen darüber hinaus deutliche Tendenzen in Richtung Segregation auf. In den hier eingeordneten Moscheen finden wir eine starke Verbundenheit mit der religiösen und/oder ethnischen Eigengruppe, verbunden mit einem negativen Verhältnis zur sie umgebenden Gesellschaft. Gegenüber dem Staat und seinen Institutionen wird bestenfalls eine neutrale Haltung eingenommen. Das eigene Wertesystem und die aus diesem abgeleiteten Regeln werden deutlich sichtbar und zum Teil explizit über das Wertesystem der restlichen Gesellschaft erhoben. Damit verbunden ist die religiöse oder nationalistische Abgrenzung gegenüber allen anderen und die Abwertung anderer Lebensentwürfe.

Integration wird als Aneignung von Sprache und Techniken zur ökonomischen Integration bei weitgehender Distanzierung von der Mehrheitsgesellschaft verstanden. Integration im Sinne eines individuellen Ankommens in der Gesellschaft wird abgelehnt und entsprechend behindert. Stattdessen wird die Binnenintegration des/der Einzelnen in ethnisch oder religiös homogene parallelgesellschaftliche Strukturen angestrebt. In Summe erkennen diese sechs Moscheevereine die staatlichen Institutionen und Gesetze weitgehend an, doch das Sichtbarkeitsbedürfnis der Eigengruppe im öffentlichen Raum und das Bedürfnis, nach eigener religiöser Identität zu leben und als „Volksgruppe“ oder religiöse muslimische Gruppe mit eigenen, von der Mehrheit abweichenden Normen anerkannt zu werden, ist deutlich stärker ausgeprägt als beim vorherigen Typus. Das Bewusstsein, eine „eigene“ ethnische oder religiöse Identität bewahren zu müssen, um ein gelingendes Leben – besonders in einem „fremden“ Land – führen zu können, ist bei diesem Typus grundlegend. Eine Moschee weist darüber hinaus eindeutig fundamentalistische Tendenzen auf. Die Moschee Ar03, die dem Netzwerk der Muslimbruderschaft zugerechnet werden kann, steht daher am unteren Ende der Skala, auf der Stufe der Segregation. Sie strebt sowohl in theologischer als auch in sozialer und politischer Hinsicht eine Segregation der Muslime von der Gesellschaft an.

Hier wird ein ausgeprägtes dichotomes Weltbild gepredigt, in dem die gesamte Menschheit in Muslime und deren Feinde eingeteilt wird, verbunden mit einer expliziten Intoleranz gegenüber anderen Kulturen, Religionen, Lebensentwürfen und Werten. Die Demokratie, der österreichische Staat und die Gesellschaft werden grundsätzlich abgelehnt und als Gefahr für den Bestand der religiösen Eigengruppe betrachtet. In den Predigten wird Misstrauen und Feindschaft gegenüber der Mehrheitsgesellschaft gesät. Letztere wird als „moralisch verkommen“ abgewertet. Gleichzeitig wird die Überlegenheit des Islam gegenüber allen anderen Religionen/ Weltanschauungen und Gesellschaftsvorstellungen beschworen. Daraus resultierend wird die konsequente Abschottung von der übrigen Gesellschaft propagiert.

Entwicklung

Das Gesamtbild hat sich gegenüber 2017 leicht ins Positive verändert, was besonders durch die beobachteten Predigten in der Moschee Ar01, der größten Moschee Österreichs, ins Gewicht fällt. Wie schon 2017 finden sich aber auch 2020 die türkischen Moscheen mehrheitlich unter jenen Moscheen, die einer sozialen Integration ihrer Mitglieder negativ gegenüberstehen, auch wenn das Gesamtergebnis der türkischen Moscheen nach drei Jahren nun eine leicht positive Tendenz aufweist. Zwei der sechs türkischen Moscheen konnten sich auf der Integrationsskala leicht verbessern. Für drei und damit die Hälfte der untersuchten türkischen Moscheen (Tf01, Tu01 und Ti02) ist allerdings weiterhin zu konstatieren, dass sie in ihren Predigten Inhalte transportieren, die in Bezug auf die Integration ihrer Mitglieder und Besucher/innen als hinderlich interpretiert werden müssen; zwei weitere (Ta01 und Ti01) weisen Tendenzen in diese Richtung auf. Die Moschee Ta02 kann als einzige der sechs türkischen Moscheen als eine Moschee gewertet werden, die der Integration ihrer Mitglieder vorbehaltlos gegenübersteht. Positiv hervorzuheben ist, dass im Unterschied zu 2017 keiner der einbezogenen türkischen Moscheevereine unter Segregation eigestuft wurde. Die türkischen Moscheen sind für den Integrationsprozess von großer Bedeutung, ist doch die Gruppe der Türkischsprechenden unter den österreichischen Muslimen die größte.

Zudem stehen die hier untersuchten türkischen Moscheen, anders als etwa Af01 oder Ar01, nicht für sich allein, sondern repräsentativ für die großen Moscheeverbände, denen sie jeweils angehören. Diese wiederum dominieren die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) und bestimmen deren Profil und Politik maßgeblich. Mit Ümit Vural stellt der Verband der Islamischen Föderation den aktuellen Präsidenten der IGGÖ.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft

Die IGGÖ ist eine gesetzlich anerkannte Religionsgesellschaft, die für sich beansprucht, sämtliche Muslim/innen in Österreich zu vertreten. Damit nimmt sie nicht nur eine herausragende Stellung im Feld der islamischen Religion in Österreich ein, vielmehr dominiert sie dieses heterogene Feld und homogenisiert die Außendarstellung. Einerseits wirkt sie als Mittlerin in das soziale, mediale, aber auch in das politische Feld hinein und definiert hier, wie Islam und Muslime von der Gesellschaft verstanden und gesehen werden sollen. Andererseits kommt ihr durch die Stellung als gesetzlich anerkannte Religionsgesellschaft aber auch eine große feldinterne Macht zu. Sie legt fest, was islamisch ist und sie kann entscheiden, welche Vereine als Moscheen zugelassen werden und welche nicht. Eine religiöse Konkurrenz und Vielfalt kann auf diesem Feld kaum erwachsen.

Nach Erscheinen der ersten Wiener Moscheestudie im Jahr 2017 erstellte die IGGÖ einen internen Kriterienkatalog für Moscheen und Imame, „der verpflichtende Leitlinien, wie etwa das Bekenntnis zum demokratischen säkularen Rechtsstaat Österreich, zu Pluralismus und Menschenrechten“ enthielt und „umfassende Fortbildungsangebote für das Moscheepersonal“ vorsah. Auch eine Zertifizierung von Moscheen stand am Plan.

Moscheevereine, die die geforderten Kriterien nicht erfüllen, sollten zunächst beraten und bei groben Verletzungen der Regeln aufgelöst werden. Gedacht war auch daran, Zusammenfassungen der Freitagspredigten auf Deutsch anzubieten. Die hier vorgelegten Ergebnisse können zwar als Indiz dafür gewertet werden, dass in den letzten Jahren leichte Verbesserungen stattgefunden haben. Sie zeigen aber auch, dass es nach wie vor Moscheen gibt, in denen Inhalte verbreitet werden, die mit einem „Bekenntnis zum demokratischen, säkularen Rechtsstaat Österreich, zu Pluralismus und Menschenrechten“ nicht vereinbar sind. Es wäre zu eruieren, ob und inwieweit die IGGÖ negativen Auswüchsen entgegenwirkt, eine Aufgabe, zu der sie gemäß gesetzlichem Auftrag verpflichtet ist.

Als offizielle Vertretung der österreichischen Muslime trägt die IGGÖ Verantwortung nicht nur gegenüber ihren Mitgliedern und den Muslim/innen in Österreich, sondern auch gegenüber Politik und Gesellschaft. Verbesserungen sind möglich, wie eine der hier dargestellten Moscheen (Ar01) deutlich zeigt. Sie sollten sowohl von der IGGÖ als auch vom Staat, von seinen Behörden und darüber hinaus von der gesamten Gesellschaft angestrebt werden. Die dafür notwendige Zusammenarbeit setzt allerdings voraus, dass gegenseitiges Misstrauen abgebaut wird.

Die vorliegende Studie versucht, Wissen über die Wiener Moscheelandschaft zu produzieren und damit letztlich über einen Bereich, der einem großen Teil der Bevölkerung, aber auch den Medien und der Politik noch immer weitgehend unbekannt ist. Es liegt nicht zuletzt auch an der IGGÖ, dieses Feld transparenter zu gestalten und gemeinsam mit anderen gesellschaftlichen Kräften an notwendigen Verbesserungen zu arbeiten, um zu verhindern, dass Moscheen unter ihrer Obhut zu Orten der Segregation werden. Moscheen sollten vielmehr Orte des gelingenden Miteinanders sein. Positive Beispiele dafür finden sich in der vorliegenden Studie. Sie sind es, die in Zukunft deutlich mehr Aufmerksamkeit verdienen und stärker gefördert werden sollten, sowohl seitens der IGGÖ als auch seitens der Politik.

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IT-Welt im KI-Wahn

Künstliche Intelligenz ist in aller Munde, aber ihre Ergebnisse bleiben hinter allen Erwartungen

von René Pfeiffer, DeepSec GmbH

Wien (pts007/16.02.2023) – Wäre es nicht schön, wenn Computer aus allerlei unstrukturierten Datensammlungen ohne Mühe sinnvolle Ergebnisse auf alle Arten von Fragen geben könnten? Periodisch werden in der Informationstechnologie Algorithmen gefeiert, die Unglaubliches leisten. Momentan sind die Algorithmen der Künstlichen Intelligenz an der Reihe. Suchmaschinen rüsten KI nach. Das vermeintliche Produkt ist aber weit von echten kognitiven Leistungen entfernt. Es bleiben viele offene Fragen.

Geschichte der Algorithmen

Die ersten Expertinnen und Experten, die sich mit Algorithmen zur Nachbildung menschlicher Gedankengänge beschäftigt haben, stammten aus den Bereichen der Mathematik und Philosophie. Man wollte analytisches Denken aus dem Teilgebiet der Logik formalisieren und in Modellen beschreiben. In den 1950er Jahren kam die Implementation der Algorithmen auf den damals aufkommenden Computern dazu. Mangels Speicherplatz und Rechenleistung mussten komplexe Umsetzungen auf moderne Hardware warten, die erst in jüngster Vergangenheit die Komplexität in erträglichen Zeitspannen berechnen kann.

Die Frustration über die Diskrepanz zwischen Erwartungen und tatsächlicher Umsetzung führte in den 1980er Jahren zum sogenannten „KI-Winter“, in dem Budgets für Projekte in diesem Bereich stark gekürzt wurden. Liest man heutige Schlagzeilen, so erscheinen alle Probleme gelöst und die Antworten der Algorithmen suggerieren Treffsicherheit in allen Lebenslagen. Dem ist nicht so. Hohe Erwartungen werden geschürt, und Wunschdenken bestimmt den Weg.

Sprachsimulationen sind keine Künstliche Intelligenz

Die Generative Pre-trained Transformer (GPT)-Algorithmenfamilie hat für viele sich überstürzende Meldungen gesorgt. Die Versionen GPT-1, GPT-2 und GPT-3 sind Sprachmodelle, die menschliche Kommunikation nachahmen. Im Kern der Modelle befinden sich einerseits die zugrundeliegenden mathematischen Algorithmen und die zum Training verwendeten Textvorlagen. Die Versionen unterscheiden sich in Anzahl der Parameter (bei GPT-3 sind es 175 Milliarden Variablen) und dem Korpus des Trainingsinhalts, welche bei den GPT Versionen stetig gestiegen sind. ChatGPT wird gerade gefeiert, weil es sehr gut formulieren kann. Die gelieferten Antworten entstehen aber ohne jegliche Kognition, d.h. der Code denkt nicht beim Generieren einer Antwort. Er ist lediglich ein Modell zur Erzeugung von flüssig lesbaren Texten. Das soll den Aufwand hinter dem Modell nicht kleinreden, aber es ist wichtig zu wissen, dass ChatGPT keine Texte aus eigenen Gedanken erzeugen kann. Es verlässt sich auf die Inhalte der „gelernten“ Vorlagen, welche auch letztlich die Ausrichtung der Antworten wesentlich bestimmen. Aussagen oder Fakten, die nicht im gelernten Textkorpus enthalten sind, kann der Algorithmus nicht liefern.

Der Begriff Künstliche Intelligenz (KI) ist daher irreführend. Sie ist ein Forschungsgebiet der Mathematik, und die Definition und das Messen von natürlicher Intelligenz beim Menschen ist nicht klar definiert. Es existieren Tests sowie Metriken, dennoch gibt es die Eigenschaft Intelligenz in verschiedenen Repräsentationen. Die unscharfe Vorlage der Beurteilung von Intelligenz beim Menschen nun bei Computern anzuwenden enthält per Definition große Unschärfe. Algorithmen der Künstlichen Intelligenz müsste man beispielsweise daher eigentlich mit Problemstellungen aus der Philosophie testen, und nicht nur mit auswendig gelernten Formeln, Bildvorlagen oder Telefonbüchern, plakativ gesprochen. Abgesehen davon enthalten viele Produkte, die sich mit Künstlicher Intelligenz bewerben, ganz normale, wenn auch komplexe, statistische Analysen (bekannt unter dem Begriff Machine Learning), die auch gute Auswertungen liefern können.

Magische Lösungen für Informationssicherheit

Mit dem Eingangs beschriebenen Hintergrund werden gelegentlich Sicherheitsprodukte für die Informationssicherheit angeboten, die sich mit dem Prädikat „KI“ schmücken. Häufig wird damit eine Sammlung von Methoden zur automatischen Auswertung von sicherheitsrelevanten Parametern beworben, die mit einer Kombination aus gelernten Datensätzen und vorgegebenen Analysen eine Einschätzung über richtig und falsch abgibt. Automatisierte Auswertung von vielen Daten ist eine Stärke von KI- und Machine Learning-Algorithmen. Man kann sie auch sehr gut für die Analyse von Zugriffsmustern, Netzwerkverkehr oder als Basis für eine tiefer gehende Untersuchung verwenden. Dabei darf man nie vergessen, dass die Applikationen keine kognitive Leistung bei der Auswertung erbringen. Sie bilden entweder etwas nach, was sie während der Trainingsphase gelernt haben, oder reagieren auf Muster, die erkannt wurden. Der Kontext entgeht dem Algorithmus, wenn dieser nicht explizit bei der Eingabe als Regelsatz mitgeliefert wird.

Die speziellen Fragestellungen in der Informationssicherheit leben von Querverbindungen und Zusammenhängen. Meist sind die Ursachen für Sicherheitsvorfälle in der Verschränkung zwischen verschiedener Teilbereichen zu finden. In bestimmten Situationen sind diese für Menschen leichter zu erkennen als für Maschinen. Man darf sicher daher nie in Sicherheit wiegen. Selbst bei einem Erfolgsfaktor von 90 %, 99 % oder 99,9 % bleibt noch genügend Spielraum für erfolgreiche Attacken.

KI und Suchmaschinen sind die letzten Kunden für Big Data

Kernfeature von KI-Algorithmen sind jene Daten, welche für das Training verwendet wurden. Der Aufwand dafür ist beträchtlich. GPT-3 hatte als Eingabe die Ergebnisse des Common-Crawl-Projekts, welches öffentliche Webseiten abfragt. Die Menge ist schwer zu beschreiben, weil die Texte beim Lernprozess zu sogenannten Tokens reduziert werden, welche dann im Sprachmodell Verwendung finden. Zusätzlich wurden ausgewählte Texte aus dem Web, die komplette Wikipedia und zwei Selektionen von im Internet publizierten Büchern für die Lernphase verwendet. Damit ist das Sprachmodell auf diese Vorlagen eingeschränkt. Die schiere Menge an Daten ist natürlich zu groß, um diese Beschränkung bei wenigen Konversationen zu bemerken. Die Euphorie über ChatGPT zeigt dies sehr deutlich. Die Datenmenge zeigt auch, dass Sprachmodelle wie GPT-3 und speziell deren Nachfolger ohne massive Rechenleistung und Speicherplatz nur mit den entsprechenden Ressourcen betrieben werden können. Diese Algorithmen sind daher ein sehr zugkräftiges Mittel, um Cloud Plattformen zu bewerben. Am anderen Ende passiert ohne Datenverbindung zur Implementation der Algorithmen und ihren Trainingsdaten nichts.

Rechtliche Konsequenzen von Algorithmen

Gemäß einer Befragung von Unternehmen in der Finanzbranche durch das World Economic Forum setzen 85 % der Unternehmen Algorithmen aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz und von Machine Learning in mindestens einem Anwendungsbereich ein. Der im Januar 2020 publizierte Bericht stellt eine Stimmungslage dar. Es drängt sich die Frage auf was die befragten Firmen mit den Ergebnissen der Algorithmen planen. In bestimmten Bereichen wird die maschinell erstellte Aussage wohl direkt weitergereicht und entscheidet über Anfragen von Kunden. Bei Produkten im Bereich der IT-Sicherheit entscheiden Systeme dann automatisch, ob ein digitaler Angriff vorliegt oder nicht. Wenn alles korrekt entschieden wurde, dann gibt es keine kritische Hinterfragung. Was passiert aber mit den falschen Entscheidungen? In der britischen Komödienserie Little Britain aus dem Jahre 2004 wurde das später geflügelte Wort „computer says no“ in einem Sketch verwendet. Wenn die Entscheidung eines Algorithmus ernsthafte Konsequenzen hat, dann stellt sich die Frage nach der Verantwortung. Seit langem werden Internetsuchmaschinen beispielsweise für medizinische Selbstdiagnosen verwendet. Nun besteht die Möglichkeit dasselbe durch einen Dialog mit einem Gesprächssimulator durchzuführen. Die Folgen bei Fehlleistungen könnten schwerwiegend sein. Der Fortschritt bei computergesteuerten Sprachmodellen darf nicht dazu führen, dass dadurch die Verantwortung für potentiell falsche Aussagen ins Nichts delegiert werden könnte.

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NEIN zur Beteiligung Österreichs am NATO-Krieg

SeBÖ Nein zu Panzern

Selbstbestimmtes Österreich hat folgenden AUFRUF publiziert, den ethos.at unterstützt:

NEIN zur Ausbildung ukrainischer Panzersoldaten in Österreich!

27. Februar 2023 – Österreichs Regierende sind gerade dabei, die Neutralität völlig zu demontieren. Österreich ist bereits am Ukraine-Krieg beteiligt. Durch Österreich wird schweres NATO-Kriegsgerät transportiert, das österreichische Bundesheer bildet NATO-Soldaten aus, und auch finanziell ist Österreich durch seine Mitgliedschaft in der EU Unterstützer von Waffenlieferungen und damit Kriegspartei.

Grundlage dafür sind die EU-Beistandspflicht und die Einführung einer sogenannten „Sicherheitsdoktrin“. Überdies machen unsere Politiker kein Geheimnis aus ihrer Parteinahme für die NATO.

Nun sollen auch ukrainische Panzerschützen und Panzerfahrer in Österreich ausgebildet werden. Damit wäre eine neue Qualität erreicht. Die bisher nur indirekte Teilnahme Österreichs droht immer konkreter zu werden. Österreich macht sich am Ukraine-Krieg mitschuldig. Durch das Agieren unserer Politiker wird Kriegsleid verlängert und eine friedliche Lösung des Konflikts weiterhin verhindert. Und die österreichische Neutralität steht vor ihrem endgültigen Aus.

Die Neutralität Österreichs darf nicht bloß auf dem Papier existieren. Wir verlangen eine effektive Durchsetzung der Neutralität in ihrem vollen Umfang. Wir verlangen eine Rückkehr an den Verhandlungstisch und eine österreichische Politik, die ehrlich den Frieden unterstützt, anstatt Partei für eine Seite zu nehmen.

Ich sage „NEIN“ zur Beteiligung Österreichs am NATO-Krieg. Ich sage „NEIN“ zur Ausbildung ukrainischer Panzersoldaten in Österreich. Ich sage „NEIN“ zur Demontage der Neutralität durch die EU-Beistandspflicht, und ich unterzeichne hier dagegen, dass Österreich zur Kriegspartei wird:

AUFRUF

Ein Tagebuch der EU-Militarisierung schreibt die Solidarwerkstatt.at seit Jänner 2023

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UNESCO in der Bürokratiekrise

sRADJ unantastbar 800

Orientierung in der heutigen Welt – die UNESCO in der Bürokratiekrise

von Dr. Nadim Sradj, Repräsentant der Union Arabischer Medizinern Europa (ARABMED), bei der UNO in New York

Regensburg, Februar 2023 – Etablierte Institutionen haben viele Vorteile, nämlich langwierige Erfahrungen und Erlebnisse, aber auch Nachteile, wie die Versteifung und Alterung der ausführenden Organe, die sich im Laufe der Zeit zur Gerontokratie (Herrschaft der Alten) entwickeln. Wir beobachten zurzeit eine Kluft zwischen dem Bewusstseinswandel der Menschen und einem Bewusstseinsstillstand der Institutionen, vergleichbar mit der geistigen Situation der Kurie in der katholischen Kirche, die Papst Franciscus als „spirituelle Alzheimer“ bezeichnet hat.

Diese Diskrepanz in der geistigen und moralischen Entwicklung birgt die Gefahr der Isolation solcher Institutionen weg von der Gesellschaft. Im Laufe der Zeit entwickelt sich daraus eine Art institutionelles Eigenleben, das mit dem Leben von Soldaten in den Kasernen vergleichbar ist. Im weiteren Verlauf kann dieser Vorgang zur Entfremdung und auch zu anachronistischen (unzeitgemäßen) Verhaltensweisen führen.

Um aus dieser Krise wieder herauszukommen, bietet sich die Ästhetik auf sinnesphysiologischer und sinnespathologischer Grundlage an. Durch sie ist man in der Lage, die Signale der Zeit und des Zeitgeistes wahrzunehmen und darauf adäquat im Sinne einer rationalen Reiz-Reaktions-Beziehung zu reagieren. Des Weiteren öffnet uns die Ästhetik die Augen für die kreative Wahrnehmung des Schönen und für seine Bedeutung im menschlichen Zusammenleben.

Die Ästhetik ist das Instrument der aufmerksamen Empfindung und der kritischen Beurteilung von Handlungen und ihren Ergebnissen. Dabei steht nicht das partikulare Interesse, das Profitdenken, sondern die Erkenntnis von Werten und von der Nachhaltigkeit menschlicher Entscheidungen auch in Bezug auf die Umwelt im Mittelpunkt. Das bedeutet: Erhalt sowohl der Güter des Weltkulturerbes, als Symbol der nationalen Identität eines Volkes, als auch die Verantwortung für Tiere und Pflanzen, d.h. für die Natur als unteilbare lebendige Einheit zu übernehmen. Denn auch Tiere und Pflanzen und die intakte Natur haben eine Würde, die vom Menschen und seinen Institutionen respektiert und verteidigt werden muss.

Solange jedoch Tiere juristisch gesehen als „Sachen“ betrachtet und entsprechend behandelt werden und solange der Raubbau an den natürlichen Ressourcen (Regenwald, Fracking usw.) fortgesetzt wird, ist dies nicht der Fall. Hier ist ein Umdenken weg von der Anthropo-Zentrik hin zum Bio-zentrischen zwingend erforderlich. Das große Erdbeben von 2023 in Syrien und der Türkei ist ein Signal der ungeheuerlichen Naturgewalt, das den Satz Kants „Der menschliche Verstand schreibt der Natur ihre Gesetze vor“ eindeutig widerlegt.

Sradj Menschliche Trennung

Menschliche Trennung des natürlich Untrennbaren (Himmel und Erde in den drei Religionen)

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Grenzenloses Wachstum?

Screen Fresach

Wien (pte029/23.02.2023) – 50 Jahre nach dem „Club of Rome“-Report „Die Grenzen des Wachstums“ befassen sich die Europäischen Toleranzgespräche 2023 in Fresach mit dem Thema. Anlässlich der Programmvorstellung im Club Carinthia Wien standen die unterschiedlichen Definitionen für den Begriff Wachstum im Mittelpunkt.

Autor und Blogger Dietmar Krug verglich die Wachstumsthematik mit der immer wieder aufflammenden Debatte über ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Jedes kritische Hinterfragen eines solchen Dogmas stößt auf taube Ohren. „Tabu-Themen gab es aber schon immer. Jahrhunderte lang war es der Gottesbegriff“, erklärte Krug. Nach 1945 waren es Begriffe wie Demokratie und Wirtschaftswunder – und das aus gutem Grund: „Das Wunder beruhte auf Wachstum.“

Zur Frage, ob es gutes oder schlechtes Wachstum gäbe, meinte die evangelische Theologin Barbara Rauchwarter: „Ich fand Wachstum bei Pflanzen immer wunderbar, auch zum Zuschauen. Die Bindung an Materielles habe ich aber nie nachvollziehen können.“ Rauchwarter berichtete von ihrer Kindheit im kriegszerstörten Hamburg der vierziger Jahre. „Wenn plötzlich alles weg sein kann, verstehe ich nicht, das man so an diesen Dingen hängt. Dann wird alles relativ“, so die Autorin des Büchleins „Genug für alle – Biblische Ökonomie“ (Wieser-Verlag).

Hannes Swoboda, Präsident des Kuratoriums der Europäischen Toleranzgespräche und des Club Of Rome Austria, versteht Wachstum hingegen als einfachen Begriff: Etwas wird mehr. „Das Problem, vor dem wir stehen ist jedoch, dass nicht nur jene mehr haben wollen, die wenig haben, sondern auch die, die bereits viel haben. Darum pochen wir immer wieder auf die Frage einer gerechten Verteilung. Ohne Umverteilung, global gesehen, wird es nicht gehen“, erklärte Swoboda.

Der frühere SPÖ-Politiker verwies dabei auch auf die externen Effekte, die als Resultat ständigen Wachstums Probleme verursachten, etwa zunehmende Abgase und Verschmutzung von Böden und Flüssen. „Das Wohlbefinden bestimmter Leute muss wachsen. Anders kommen wir nicht zu einer anderen Ökonomie. In dieser neuen Ökonomie kann aber nicht jeder in dem Ausmaß wachsen wie bisher. Das würde eine Explosion bedeuten und die Welt könnte, so wie sie ist, nicht mehr existieren.“

Eine interessante Perspektive brachte Klimaschutz-Ökonomin Angela Köppl vom WIFO ein. Sie meinte, dass die Lösung von Verteilungskonflikten auch ohne Wachstum möglich sei, sofern alternative Wege zur Finanzierung von bestehenden Sozialsystemen gefunden werden. „Wachstum wird grundsätzlich mit Wohlstand gleichgesetzt. Aufgabe der Wirtschaft sei es, den langfristigen Wohlstand zu sichern und das Wohl der Menschen im Auge zu haben. Langfristiger Wohlstand ist allerdings nur mit einer intakten Umwelt möglich“, erinnerte Köppl.

Aus Sicht von Barbara Rauchwarter spielt die Gier des Menschen eine zentrale Rolle. Die biblische Wirtschaft versuche Armut von Grund auf zu vermeiden, in dem sie etwa Schulden verpönt und Zinsen verbietet. Bis in die Neuzeit herauf hätten sich die Menschen daran gehalten. Das heutige Geldsystem habe hingegen schon fast religiösen Charakter. Auf dem Dollarschein ist „In God We Trust“ zu lesen. Auf der Rückseite stehe „one“ – was impliziert, dass es mehr davon gibt. „Inwieweit steuert also die Gier das Wachstum?“ so die rhetorische Frage.

Das Europaforum „Wachstum Für und Wider“ – eine Vorschau auf die Europäischen Toleranzgespräche vom 24. bis 27. Mai 2023 im Kärntner Bergdorf Fresach – kann im Livestream nachgeschaut werden.

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Die Diskussion auf YouTube.

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Denkaufgaben zum Klimawandel

WolkeKreuz

19. Februar 2023 – Die Diskussion über den Klimawandel ist schon mehr als 20 Jahre alt. Ob der Klimawandel „existiert“ oder nur eine Idee (oder nur eine Illusion) ist – das ist unerheblich. Fakt ist: das Phänomen Klimawandel manifestiert sich heute mehr denn je in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik und hat damit massive Auswirkungen auf alle unsere Lebensbereiche.

Ein Philosoph, der beobachtet, dass die Auseinandersetzungen über den Klimawandel (ähnlich wie jüngst die Auseinandersetzungen über Corona) in der Art eines Glaubenskrieges geführt werden, muss daher die Frage stellen, welche Ausssagen wahr oder falsch sind. Das beginnt mit Analysen der Aussage-Sätze (Hypothesen, Theorien, Axiome, Prämissen, Prognosen, Spekulationen, Behauptungen, Vermutungen, Forderungen usw) und der Feststellung, ob diese überhaupt „wahrheitsfähig“ sind, d.h. verifiziert oder falsifiziert werden können.

Anstelle langer sprachphilosophischer und erkenntniskritischer Ausführungen hier zur Einübung für jeden Leser drei Sätze, die den Klima-Glaubenskrieg derzeit dominieren:

– Der Klimawandel ist vom Menschen gemacht.

– Treibhausgase sind die Ursache für den Klimawandel.

– Die Erderwärmung hat seit der Industriellen Revolution um 1,1 Grad zugenommen.

AUFGABE: Bestimme Inhalte und Formen dieser Sätze und beurteile, ob sie falsifizierbar sind.

Dieser Artikel liefert keine philosophische Abhandlung, sondern lediglich Puzzle-Stücke, die dazu geeignet sind, Argumente und Fakten für eine offene Diskussion zu liefern, um den Klima-Glaubenskrieg zu beenden und eine Diskussion mit Fakten und falsifizierbaren Theorien zu führen.

Am 16.2.23 bringt DerStandard.at Auszüge aus einer Rede von George Soros „vor dem Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz.“

„Lassen Sie mich mit einer kühnen Aussage beginnen: Während zwei politische Regierungsformen um die Vorherrschaft in der Welt kämpfen, droht unsere Zivilisation wegen des unaufhaltsam fortschreitenden Klimawandels zu kollabieren. Das ist eine sehr verkürzende Aussage, aber ich glaube, dass sie den aktuellen Stand der Dinge treffend wiedergibt. (…) Das Abschmelzen des grönländischen Eisschilds würde die Meere um sieben Meter ansteigen lassen. Das stellt eine Bedrohung für das Überleben unserer Zivilisation dar. Die Botschaft ist klar: Menschliche Beeinflussungen haben ein zuvor stabiles System zerstört, und es bedarf menschlichen Erfindergeistes, sowohl auf lokaler als auch auf internationaler Ebene, um es wieder in Ordnung zu bringen. Gegenwärtig sind praktisch alle Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels auf Schadensbegrenzung und Anpassung ausgerichtet. Sie sind notwendig, aber nicht ausreichend. (…)“

AUFGABE: Die Grundfläche von Grönland beträgt 2,16 Millionen Quadratkilometer. Die Oberfläche aller Ozeane beträgt 362 Millionen Quadratkilometer. Wie hoch muss der Eisberg über Grönland sein, damit nach seinem Abschmelzen der Meeresspiegel um 7 Meter ansteigt?

Antworten erbeten an office at ethos at

Am 28.2.23 berichtet der ORF.at ausführlich über das Wetter im bald auslaufenden Winter 2022/23, den „sechstwärmsten Winter der Messgeschichte. … Gar 2,8 Grad war es heuer wärmer als im Mittel der Jahre 1961 bis 1990, die noch weniger von der Klimakrise beeinflusst waren.“ Weiters heißt es: „Das Bild des heurigen Winters von weißen Kunstschneestreifen und daneben grünen Wiesen werde in Zukunft langfristig immer häufiger werden, sagt der Klimaforscher Olefs. Besonders extreme Jahre wie heuer seien ein Resultat der Überlagerung von natürlichen Schwankungen mit dem menschengemachten Klimawandel, und der verstärke sich mit jeder weiteren Tonne an emittierten Treibhausgasen.“

AUFGABE: Erkläre was ein Treibhaus ist und welche Ähnlichkeiten die Erdatmosphäre mit einem Treibhaus hat.

20.3.23: NABU (Naturschutzbund Deutschland) liefert Begriffserklärungen zu „Negative Emissionstechnologien“. Dahinter verbergen sich Abkürzungenwie CCS, CCU, DAC u.a.

Bei CCS Carbon Capture and Storage soll CO2 direkt an den Emissionsstellen ausgefiltert und anschließend am Meeresgrund gespeichert werden. Frage: Wie lange Pipelines müssen an die Meeresgründe gelegt werden und was machen die Techniker, damit das C02 nicht wieder aufsteigt?

Bei CCU Carbon Capture and Utilization soll das abgeschiedene CO2 wiederverwertet werden, beispielsweise für E-Fuel. Frage: Wie hoch ist der Energieaufwand (und damit der CO2-Verbrauch), damit man CO2 für E-Fuels gewinnt, die dann angeblich C02-neutral sind?

Bei DAC Direct Air Capture wird CO2 direkt aus der Luft gefiltert. Frage: Wie groß (und CO2-aufwändig in der Errichtung) muss eine DAC-Anlage sein, und wie viel Luft muss man mit welchem Energie-Aufwand in diese Anlage pumpen, damit man aus einem Kubikmeter Luft 440 ppm C02 ausfiltern kann, um diese dann „wirtschaftlich“ wieder zu verwerten oder aufwändig zu lagern?

20. März 2023 – Ganz Österreich radelt für Klima und Gesundheit
Bei „Österreich radelt“ 2022 sammelten über 36.000 radbegeisterte Teilnehmer:innen in mehr als 600 Betrieben, 600 Gemeinden, 250 Vereinen und 130 Bildungseinrichtungen über 29 Millionen Radkilometer. Somit wurden durch Radfahrten, die potentielle Autofahrten ersetzt haben, über 5.000 Tonnen CO2 eingespart und die Gesundheit der Teilnehmer:innen gefördert.

Aufgabe: Was ist das originellste Fahrzeug (ausgenommen alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren), auf dem sich Ministerin Gewessler und Minister Rauch bei dieser Gelegenheit ganz zufällig, unverkrampft und natürlich abbilden lassen?

25. Juli 2023 – Michael Bloss, Member of European Parliament, zwitschert am 19.7.23: „Das wird der heißeste Monat seit 120 000 Jahren! Wir sind tief drinnen in der Klimakrise. Das bedeutet gewaltige Schäden und gewaltige Kosten für Mensch und Natur. “ Schon Anfang Juli verkündetet ORF „Dienstag war weltweit der heißeste Tag der Messgeschichte„.

Aufgabe: Finde heraus, woher Paleoklimatologen ganz genau wissen, was am 19. Juli 117.977 vC los war. Und zwar vom Weinviertel bis Wyoming auf jedem Quadratmeter dieses Planeten. Und: erkläre, wie man den „weltweit heißesten Tag“ misst. 

27. September 2023 – Polarlichter in Mitteleuropa – haben mit den jüngsten Sonnenstürmen zu tun. Und: was könnte die Sonne mit dem Klimawandel zu tun haben? Reality4U2 gibt Hinweise auf fischundfleisch.com

2026

„Zahlen der NASA zeigen, dass das Eis in der Antarktis in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist: Jährlich verliert der Kontinent rund 135 Milliarden Tonnen Eismasse. Das geschmolzene Eis fließt dann in den Ozean – und trägt zum Anstieg des Meeresspiegels bei.“ (ORF.at 15.4.2026)

Aufgabe: Berechne die Oberfläche aller Ozeane unseres Planeten. Rechne aus, wie viele Kubikmeter 135 Mrd Tonnen Eismasse im geschmolzenen Zustand einnehmen. Ziehe das Volumen ab, das verdunstet und berechne dann, um wie viele Meter der weltweite Meeresspiegel am 15. Mai 2026 gestiegen ist.

Fortsetzung folgt!

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Kärnten-Quiz

Baustelle Bild Anastas Kamburov

Angsichts der Wahlen in Kärnten am 5. März 2023, bei dem die Sozialistische Partei ihre Spitzenposition vertreidigen will, sei an folgendes Zitat eines bekannten Österreichers erinnert, der es wissen muss:  „Über die Frage, warum die Sozialistische Partei Österreichs in Kärnten eine so überragende politische Stellung eingenommen hat: Einer der Hauptgründe war, daß vielen Kärntnern das Wort sozialistisch keinen Schauder über den Rücken laufen ließ; da sie sich in großer Zahl dem Nationalsozialismus angeschlossen hatten, war das Wort Sozialismus kein Tabu mehr für sie, und deshalb haben sie sich nach dem Krieg ohne Einschränkung und in großer Zahl für die Sozialistische Partei entschieden.“

ethos.at verlost drei Bücher „Baustelle Parlament“ für die richtige Antwort an office at ethos.at

Bild: Anastas Kamburov, „Kokoschka in Pöchlarn“, Buch: Hubert Thurnhofer, siehe Inhalt

Das Gewinnspiel läuft bis 5. März 2023 unter Ausschluss des Rechtsweges.

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Pellets: Science & Evidence

screen easac

Pro & Contra Holzbiomasse aus Sicht verschiedener Wissenschafter

Pellets. Kapitel 5 +++ Wissenschafter sind Menschen wie du und ich. Manche wollen nur ihrer Arbeit nachgehen – im Idealfall der Forschung und Lehre, im Realfall auch der Bewältigung ständig wachsender Bürokratie – manche aber wollen darüber hinaus etwas bewirken. Viele von ihnen schreiben dann Briefe an einen Politiker. Um die Wirkung zu erhöhen, unterzeichnen oft hunderte Wissenschafter einen Brief, den sie an dutzende Spitzenpolitiker senden und gleichzeitig den Medien zuspielen. Ob die Inhalte dieser Briefe damit wissenschaftlicher oder bedeutender werden, darf bezweifelt werden. Doch offenbar herrscht ein weit verbreiteter Glaube, dass ein Brief mit 100 Unterschriften unglaublichen Einfluss ausübt – einen mächtigen Impact hat, um es mit einem englischen Terminus zu formulieren, der zwar nichts anderes bedeutet, aber in der Scientific Community viel bedeutender klingt.

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Seit einigen Jahren engagieren sich zahlreiche Wissenschafter für oder gegen die Verwendung von Biomasse zur Energie-Erzeugung. Ohne konkreten Adressaten, gleichsam an die ganze Menschheit gerichtet, blieb das Paper „Science Fundamentals of Forest Biomass Carbon Accounting“, publiziert auf NAUFRP.org im November 2019 und signiert von 100 Wissenschaftern. Hinter dem sperrigen Akronym verbirgt sich eine Vereinigung von 80 amerikanischen Forsthochschulen und Universitäten, the National Association of University Forest Resources Programs. Auf der Webseite dieser Organisation staatlicher Universitäten werden Partnerschaften mit Interessenverbänden aus der Wirtschaft offengelegt, darunter American Forest and Paper Association, Forest Landowners Association, National Alliance of Forest Owners, aber auch National Association of State Foresters.

Im Folgenden vier Grundlagen mit welchen die Wissenschafter den Politikern objektive und glaubwürdige Entscheidungen ermöglichen wollen. (Dieses und weitere Dokumente auf Deutsch in Übersetzungen des Autors.)

Gundsätze der Vereinigung amerikanischer Forsthochschulen

„Grundlage 1: […] Die langfristigen Vorteile der Energie aus Waldbiomasse sind in der Wissenschaftsliteratur allgemein bekannt. So heißt es im vierten Bewertungsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen: ‚Langfristig wird eine nachhaltige Strategie der Waldbewirtschaftung, die darauf abzielt, die Kohlenstoffspeicher in den Wäldern zu erhalten oder zu erhöhen und gleichzeitig einen jährlichen nachhaltigen Ertrag an Holz, Fasern oder Energie aus dem Wald zu erzielen, den größten nachhaltigen Beitrag zur CO2 Verminderung leisten.‘ In den meisten Debatten über den Kohlenstoffvorteil der Energie aus Waldbiomasse geht es darum, die Zeitspanne der Vorteile zu messen, und nicht darum, ob sie überhaupt existieren.

Grundlage 2: Bei der Messung des Kohlenstoffvorteils von Energie aus Waldbiomasse müssen die kumulativen Kohlenstoff-Emissionen langfristig berücksichtigt werden. Die wirksamsten Maßnahmen zur CO2-Verminderung sind jene, die die Kohlenstoff-Ansammlung in der Atmosphäre im Laufe der Zeit reduzieren. Energie aus Waldbiomasse führt im Laufe der Zeit im Vergleich zu fossilen Brennstoffen zu einem signifikanten Nettorückgang der gesamten Kohlenstoff-Akkumulation in der Atmosphäre. Vergleiche zwischen Emissionen aus Waldbiomasse und aus fossilen Brennstoffen zum Zeitpunkt der Verbrennung und für kurze Zeit danach berücksichtigen die langfristige Kohlenstoff-Ansammlung in der Atmosphäre nicht. Sie entstellen oder ignorieren die vergleichbaren Kohlenstoffauswirkungen über einen längeren Zeitraum.

Grundlage 3: Ein genauer Vergleich der Kohlenstoff-Auswirkungen von Energie aus Waldbiomasse mit denen anderer Energiequellen erfordert die Verwendung konsistenter Zeitrahmen. Der häufigste Zeitrahmen für die Messung der Auswirkungen von Treibhausgasen beträgt 100 Jahre, wie die weit verbreitete Nutzung von 100-Jahres Potenzialen der globalen Erwärmung zeigt. Dieser Zeitrahmen ermöglicht eine genauere Erfassung der kumulativen Emissionen als kürzere Intervalle. […]

Grundlage 4: Wirtschaftliche Faktoren beeinflussen die CO2-Auswirkungen der Energie aus Waldbiomasse. Die Forschung zeigt, dass die Nachfrage nach Holz dazu beiträgt, den Wald zu erhalten und Anreize für Investitionen in neue und produktivere Wälder schafft, die alle erhebliche Kohlenstoffvorteile haben. Dies gilt insbesondere dann, wenn Grundbesitzer in Erwartung der künftigen Marktnachfrage investieren. Ebenso beeinflussen Holzmärkte sowohl die Verfügbarkeit von Holz als auch die Art von Holz, das für Energie aus Biomasse verwendet wird. So werden große Bäume, die besser für höherwertige Produkte geeignet sind, in der Regel nicht für Energie genutzt. Die Frage, wie Grundbesitzer auf die Märkte reagieren, ist von wesentlicher Bedeutung, um die langfristigen CO2-Auswirkungen der Energiegewinnung aus Waldbiomasse vollständig zu berechnen. Wenn die Auswirkungen der Märkte und Investitionen auf den CO2-Ausstoß nicht berücksichtigt werden, kann dies die Charakterisierung der Kohlenstoffauswirkungen aus der Biomasse-Energie verzerren. […]“

EASAC über CO2-Bilanz: Kohle besser als Biomasse

Besonders engagiert kämpft Professor Michael Norton, Direktor des Umwelt-Programms der EASAC, gegen den zunehmenden Verbrauch von Biomasse zur Energiegewinnung. European Academies’ Science Advisory Council vereinigt nationale Akademien der Wissenschaften der EU-Länder, sowie aus der Schweiz, Norwegen und Großbritannien. Am 22. August 2019 erschien unter Federführung von Professor Norton das EASAC-Paper „Serious mismatches continue between science and policy in forest bioenergy„.

Schon einleitend wird die Marschrichtung gegen die herrschende Klima-Politik vorgegeben: „Dieser Überblick, der auf den jüngsten Arbeiten der europäischen Akademien der Wissenschaften basiert, stellt fest, dass die derzeitige Politik unfähig ist anzuerkennen, dass die Beseitigung der Kohlenstoffspeicher in Wäldern für die Bioenergienutzung zu einem initialen Anstieg der Emissionen führt. […] Die Dauer des Anstiegs der CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre hängt in hohem Maße von den Rohstoffen ab, und wir plädieren dafür, dass Vorschriften ausdrücklich Vorkommen mit kurzen Tilgungszeiten (english: payback periods) verlangen. Darüber hinaus beschreiben wir das derzeitige Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen zur Berechnung von Klimaveränderungen, das es erlaubt, importierte Biomasse zum Zeitpunkt der Verbrennung als Null-Emissionen zu behandeln, und drängen auf eine Überarbeitung, um das Risiko zu beseitigen, Anreize für den Import von Biomasse zu schaffen, die zu negativen Klimaauswirkungen führen. […] Das Konzept der ‚Kohlenstoffneutralität‘ ist eine grobe Falschdarstellung der CO2-Bilanz der Atmosphäre, da es die Laufzeit des Photosynthese-Prozesses ignoriert, die mehrere Jahrzehnte dauert, bis Bäume zur Reife gelangen. Darauf wurde wiederholt hingewiesen.“

Konkret wird auf acht Publikationen verwiesen, die von Co-Autoren dieser Dokumentation stammen. „Wie auch immer, wir konzentrieren uns in dieser Untersuchung auf die zentrale Frage, ob die industrielle Nutzung von Waldbiomasse positive oder negative Auswirkungen auf den Klimaschutz hat und ob dies in der Politik der erneuerbaren Energien angemessen anerkannt wird.“ Trotz diesem rhetorischen Bekenntnis zur Ausgewogenheit bleiben die folgenden sieben Punkte auf die negativen Auswirkungen fokussiert:

„1. Holzbiomasse enthält weniger Energie als Kohle, so dass die CO2-Emissionen für die gleiche Energieleistung höher sind (Holzpellets 9.6–12.2 GJ/m3; Kohle 18.4–23.8 GJ/m3; IEABioenergy, 2017). In Kombination mit dem Energiebedarf, der sich aus diffusen Quellen und Zwischenbehandlungen (Trocknen und Pelletieren) zusammensetzt, führt der Ersatz fossiler Brennstoffe bei der Stromerzeugung zu einem signifikanten Anstieg der CO2-Emissionen pro kWh. Der Nettoeffekt durch die Umstellung auf Biomasse besteht in der Regel darin, die Emissionen zu erhöhen und damit die CO2-Werte in der Atmosphäre zu erhöhen. Dies ist der umgekehrte Effekt zu den ursprünglichen Zielen der EU-Direktive RED, die Treibhausgas-Emissionen zu verringern.

2. Biomasse wird als erneuerbar behandelt, da davon ausgegangen wird, dass das emittierte CO2 wieder absorbiert wird. Die Verbrennung von Waldbiomasse überträgt jedoch den Kohlenstoff aus dem Waldbestand innerhalb weniger Minuten in die Atmosphäre, und zwischen dieser initialen Freisetzung und der Wiederherstellung der Kohlenstoffspeicher durch Nachwachsen des Waldes gibt es eine ‚Tilgungszeit‘ für Kohlenstoff. Die Amortisationszeit kann einige Jahren betragen, wenn forstwirtschaftliche Rückstände den Rohstoff liefern. Wenn jedoch zusätzliche Bäume geerntet werden, hängen die Amortisationszeiten von den Arten und Bedingungen des Nachwachsens ab, die Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte dauern können. Gemäß einiger Szenarien kann der im ursprünglichen Waldbestand vorhandene Kohlenstoff nie zurückgewonnen werden. Das bedeutet, dass das Konzept der CO2-Neutralität sowohl unsicher als auch stark zeit- und kontextabhängig ist.

3. […] Das Übereinkommen von Paris verpflichtet sich, ‚die Bemühungen fortzusetzen, den Temperaturanstieg weiterhin auf 1,5° C zu begrenzen‘. Angesichts der Tatsache, dass der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen davon ausgeht, dass die durchschnittlichen Oberflächentemperaturen zwischen 2030 und 2052 aufgrund der aktuellen Trends voraussichtlich 1,5° C überschreiten werden, erhöhen Amortisationszeiten von Jahrzehnten das Risiko, die Ziele des Pariser Abkommens zu überschreiten.

4. Die Bewertung der Nettoeffekte des Umstiegs von Kohle auf Waldbiomasse erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Kohlenstoffflüsse entlang des gesamten Lebenszyklus (einschließlich Verbrennungsemissionen) im Bioenergieszenario mit Kohlenstoffflüssen verglichen werden, wenn keine erhöhte Ernte für Bioenergie vorliegt (ein Referenz- oder kontrafaktisches Szenario). Diese Analysen sollten die Verringerung des Kohlenstoffspeichers der geernteten Wälder umfassen. Viele dieser Studien haben gezeigt, dass nur Rückstände aus der traditionellen Forstwirtschaft (d. h. Reste nach Verwendung für Holz, Pappe, Papier usw.) oder natürlich schnell verrottendes Holz infolge des Waldsterbens durch Krankheiten oder Feuer eine Amortisationszeit von nur wenigen Jahren haben. Im Gegensatz dazu erhöht die zunehmende Waldernte von Stammholz (ob Ausdünnung oder Kahlschlag) die atmosphärischen CO2-Werte für Jahrzehnte bis Jahrhunderte, abhängig von den kontrafaktischen Szenarien.

5. Selbst die kürzesten Amortisationszeiten sind ungünstig im Vergleich mit denen von Solar- und Windenergie, die innerhalb von Monaten bis zu einigen Jahren Netto-CO2-Emissionseinsparungen bringen. Biomasse ist daher relativ unwirksam bei der Verringerung der CO2-Emissionen; dennoch wird sie in Verordnungen gleich behandelt, und umfasst in einigen EU-Ländern den größten Teil der Subventionen für erneuerbare Energien.

6. Nachhaltigkeitskriterien in den RED-Vorschriften inkludieren Bedingungen, dass Biomasse einen vorgegebenen Prozentsatz von Treibhausgasemissionen im Vergleich zu fossilen Brennstoffen erreichen sollte. Dies kann leicht falsch interpretiert werden, in dem Sinne, dass der Wechsel von Kohle zu Holz automatisch als Klimavorteil gilt. […] Es wird selten darauf hingewiesen, dass sich diese Angaben lediglich auf die Emissionen entlang der Lieferkette beschränken (Fällung, Transport, Trocknung, Pelletierung, Schifffahrt), was geringere Emissionen als die Verbrennung von Kohle verursacht, doch die Kohlenstoff-Emissionen bei der Verbrennung des Holzes werden dabei ignoriert.

7. Die Berechnungsvorschriften der UNFCCC [Anm: Unated Nations Framework Convention on Climate Change], die es einem Einfuhrland erlauben, Emissionen aus Biomasse als Null zu zählen, basieren auf der Annahme, dass die Verringerung der forstwirtschaftlichen Biomasse in den LULUCF-Statistiken des Ausfuhrlandes berücksichtigt wird. [Anm: Land Use, Land-Use Change and Forestry, LULUCF, erfasst in der CO2-Bilanz alle Hölzer am Ort, wo sie gefällt werden.] Da die Umsetzung und Überprüfung dieser Statistiken von Land zu Land sehr unterschiedlich ist, fehlt es bei der Abstimmung zwischen der Verringerung des Kohlenstoffbestands und den Emissionen am Verbrennungsort an Transparenz. Die Emissionsberichterstattung kann daher höchst irreführend sein, da das Einfuhrland die Biomasse-Emissionen als Null und als Verringerung seines nationalen Emissionsinventars erfassen wird, auch wenn der Nettoeffekt beim Wechsel von Kohle auf Biomassepellets für Jahrzehnte darin bestehen könnte, die CO2-Werte in der Atmosphäre zu erhöhen.“

Nur wenige Wochen nach Publikation dieses Papers wird EASAC wieder aktiv und fordert „internationale Maßnahmen zur Einschränkung klimaschädlicher Bioenergieprogramme für Wälder“. Der Artikel stellt die rhetorische Frage „Forest biomass used for bioenergy – good or bad for the climate?“ und liefert Antworten, die sich weitgehend mit dem oben zitierten Paper decken. Man muss ergänzen: Die Forderungen gehen auch von den selben Fragestellungen aus, so dass keine neuen Antworten zu erwarten waren. Zwei Monate später folgt die Aussendung „Leading Scientists Warn: Wood Pellets Threat to Climate – ‚No Silver Pellet‚“ mit dem dramatischen Einstieg: „Die Verbrennung von Waldbiomasse für Strom und Wärme wird als intelligente Möglichkeit für Europa angepriesen, um seine Klimaziele zu erreichen. Aber vor allem Holzpellets setzen mehr Kohlenstoff frei als Kohle pro erzeugter Stromeinheit“, und der Beweis wird sogleich am Silbertablett serviert: „wie eine Reihe von Berichten des Wissenschaftsbeirats der Europäischen Akademien (EASAC) zeigt.“

Zuletzt hat EASAC den neuesten JRC-Report gelobt, denn er trage zur „Schärfung der Argumente für kürzere Amortisationszeiten“ bei. EASAC-Mastermind Michael Norton kommentiert persönlich: „JRC zeigt, wie die Milliarden an öffentlichen Subventionen zur Konversion von Biomasse die Kohlenstoffemissionen über viele Jahrzehnte verschlechtern. Wir müssen der Wissenschaft mehr Aufmerksamkeit schenken und sicherstellen, dass sich die öffentlichen Subventionen auf kohlenstoffarme Energietechnologien konzentrieren, die den Klimawandel tatsächlich abschwächen.“

JRC-Studie will Debatte über Biomasse entgiften

In der zitierten Studie steht wörtlich: „Dieser Bericht enthält Einschränkungen in Bezug auf Fragen der Nachhaltigkeit. […] Von allen Facetten der Nachhaltigkeit von Bioenergie aus Wäldern konzentrieren wir uns auf die beiden Themen Klimawandel und Gesundheit der Ökosysteme. Daher klammern wir viele andere Aspekte aus, die eine umfassendere Nachhaltigkeit der Bioenergie charakterisieren, wie die Rolle der Bioenergie bei der Stabilisierung des Stromnetzes; Energiesicherheit; Entwicklung des ländlichen Raums, Einkommen und Beschäftigung; andere Umweltauswirkungen wie Luftverschmutzung; andere Klimaverschärfer, die nicht relevant für die Treibhausgase sind.“

Im Januar 2021 legte das Joint Research Center (JRC) die viel zitierte Untersuchung „The use of woody biomass for energy production in the EU“ vor. Auf 180 Seiten bemühen sich die Autoren, Pro und Contra auszuleuchten. Dies eröffnet allen Seiten die Chance, genau jene Argumente herauszugreifen, welche die eigene Position verstärken, und andere unter den Tisch fallen zu lassen. Dieses Kapitel kann nur eine kleine Auswahl aus dem umfangreichen Werk bringen und soll dem Ansinnen der Studienautoren entsprechen, „die Debatte über die Nachhaltigkeit der holzbasierten Bioenergie zu entgiften.“

JRC ist das offizielle Forschungscenter der EU mit folgenden Aufgaben: „Wissen schaffen, managen und erklären um die Politik mit unabhängiger Evidenz zu versorgen; […] neu auftretende Probleme antizipieren, die auf EU-Ebene angegangen werden müssen; Know-how Transfer unter EU-Ländern, der Wissenschaft und internationalen Partnern; […] Euratom-finanzierte Forschung über nukleare Sicherheit um zum Übergang zu einer CO2-freien Wirtschaft beizutragen.“ In die vorliegende Studie sind auch Daten des ENFIN (the European National Forest Inventory Network) eingeflossen.

Als Service für Nicht-Experten liefert die Studie Basis-Informationen darüber, was eigentlich ein Wald ist (Flächen, größer als 0,5 Hektar mit Bäumen über fünf Meter Höhe und einem Kronendach über 10 Prozent) und definiert die folgenden Begriffe:

Einschlag (fellings) – das Volumen aller gefällten, lebenden oder toten Bäume aller Durchmesser, inklusive Rinde, während einer vorgegebenen Periode.

Entnahmen (removals) – das Volumen aller lebenden oder toten Bäume, die aus dem Wald entfernt wurden, inklusive Nicht-Stammholz wie Stümpfe und Äste, Schadholz und natürliche Verluste (Feuer).

Schadholzverwertung (salvage loggings) – Aufarbeitung aller Waldschäden infolge von Naturkatastrophen.

Rundholz (roundwood) – Holz, inklusive Äste, Wurzeln, Stümpfe und Rinde, das gespalten als Brennholz oder zur Herstellung von Holzkohle verwendet wird; Synonyme: Primärholz, oder primäre Holzbiomasse.

Brennholz (fuelwood) – Rundholz als Brennstoff zum Kochen, Heizen oder zur Stromerzeugung hergestellt aus Stämmen, Zweigen und anderen Teilen der Bäume; außerdem Hackschnitzel und Holzpellets.

Industrielles Rundholz (indstrial roundwood) – Rundholz zur Verarbeitung von Sägeholz, Furnierholz, Zellstoff.

Primärholz (primary wood auch: primary woody biomass) – Holzbiomasse, die direkt aus dem Wald kommt.

Sekundärholz, meist: Sekundäre Holzbiomasse (secondary wood, secondary woody biomass) – Nebenprodukte der Holzverarbeitung wie Sägespäne, Hackschnitzel oder Schwarzlauge, die bei der Erzeugung von Zellulose entsteht, sowie Rinde und Post-Consumer-Holz.

Das Kapitel „Woody biomass for energy“ verweist auf die Komplexität des Themas: „Wälder bieten eine breite Palette von Dienstleistungen für das Ökosystem, wie Kohlenstoffspeicherung und -absonderung, Bereitstellung von Lebensraum, Wasserregulierung (Qualität, Quantität, Durchfluss), Regulierung der Luftqualität, Kontrolle der Bodenerosion, Erholung, Holz und Nichtholzprodukte.“

Die gesamte Waldfläche der EU hat sich seit 1990 stetig ausgedehnt und umfasste im Jahr 2020 in den 27 EU-Ländern 159 Millionen Hektar, das sind 39,8 Prozent der gesamten Landfläche. Davon sind 17 Millionen Hektar – vorwiegend in den mediterranen Ländern – Niederwald (coppice forests). Der Ausgangspunkt im Jahr 1990 lag bei rund 141 Millionen Hektar. Die Untersuchungen ergeben einen jährlichen Brutto-Zuwachs von 1.099 Millionen m3 und ein natürliches Absterben von 134 Millionen, somit verbleiben 965 Millionen m3. Die Erklärung im Original: „The average NAI of the total above ground biomass in FAWS, which means adding the net annual increment of OWC was some 965 Mm3“.

Der Poet H.C. Artmann, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, hätte wahrscheinlich gedichtet: „Die Wissenschaft und ihre Liebe zur Akronymie“, wenn er diese Zeile gelesen hätte. Hier ganz prosaisch die Übersetzungen: Net Annual Increment (NAI) ist der Nettojahreszuwachs; Forest Available for Wood Supply (FAWS) ist der für die Holzversorgung verfügbare Wald; Other Wood Components (OWC) – andere Holzkomponenten sind Baumspitzen und Äste. Zusammengefasst und auf Deutsch: Der durchschnittliche Nettozuwachs der gesamten oberirdischen Biomasse des für die Holzverarbeitung verfügbaren Waldes inklusive Ästen und Baumwipfel beträgt etwa 965 Millionen Kubikmeter pro Jahr.

Pellets Forest Stemwood

Figure 4. Increment, fellings and removals in the EU forest area available for wood supply; average values in Mm3/yr for the period 2004-2013. Source: Camia et al. 2018

Dazu die Autoren: „Nach Auswertung der von Eurostat gemeldeten Holzentnahmen [Removals] mit allometrischen Modellen sowie von Ergebnissen der Fachliteratur schätzten wir, dass in den betrachteten zehn Jahren durchschnittlich 610 Millionen m3 pro Jahr gefällt wurden, von denen 486 Millionen m3 verwertet wurden, während 124 Millionen m3, d. h. 20 Prozent, als Holzrückstände im Wald zurückgelassen wurden. Die Entnahmen umfassen 421 Millionen m3 Stammholz (87%) und 65 Millionen m3 Restholz (13%).“

Es scheint, dass die Autoren der Studie von dem positiven Ergebnis überrascht waren, offensichtlich ist, dass sie daraus keine positiven Zukunftsaussichten und entsprechende Empfehlungen an die Regierungen der EU ableiten wollten. Im Gegenteil, die Politiker werden aufgefordert, diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen: „Wie bereits erwähnt, basiert diese Übersicht auf veröffentlichten Quellen. Es ist jedoch wichtig, daran zu erinnern, dass die Statistiken über Entnahmen und Einschläge hohen Unsicherheiten unterliegen.“

Dementsprechend ambivalent sind die Schlussfolgerungen: „Die Daten deuten auf eine zunehmende Gesamtnutzung von Holzbiomasse und eine zunehmende Nutzung von Holzbiomasse für den Energieverbrauch in der EU hin, obwohl sich der Anstieg des Energieverbrauchs seit 2013 verlangsamt hat. Primärholz (Holzbiomasse, die direkt aus Wäldern oder außerhalb von Wäldern entnommen wird, ohne weitere Behandlungen oder Umwandlungen) macht mindestens 37 Prozent des EU-Holzes für den Energieeinsatz aus. Wir schätzten, dass etwa 47 Prozent dieses Primärholzes aus Stammholz bestehen, während die restlichen 53 Prozent andere Holzbestandteile sind. Es kann davon ausgegangen werden, dass mindestens die Hälfte des für Bioenergie in der EU entnommenen Stammholzs direkt aus Niederwald [coppice forests] stammt. Sekundärholz macht etwa 49 Prozent des EU-Holzes für den Energieeinsatz aus. Die restlichen 14 Prozent des Input-Mix sind in den gemeldeten Statistiken nicht kategorisiert und können daher weder primär noch sekundär direkt zugeordnet werden. Unsere Analyse zeigt jedoch eindeutig, dass die Kategorie des nicht kategorisierten Holzes, das für Energie verwendet wird, eher aus Primärholz besteht als aus Sekundärholz.“

Eindeutig oder eher? Ist es der eindeutige Auftrag des Joint Research Center, „die Politik mit unabhängiger Evidenz zu versorgen“ oder doch eher „neu auftretende Probleme zu antizipieren, die auf EU-Ebene angegangen werden müssen“? Vielleicht können folgende Zitate aus dem Executive Summary zur Beantwortung dieser Frage beitragen.

„Die Neufassung der Richtlinie über erneuerbare Energien (Richtlinie 2018/2001, bekannt als RED II), die von den Mitgliedstaaten bis Juni 2021 umgesetzt werden soll, stärkt die EU-Nachhaltigkeitskriterien für Bioenergie, indem sie ihren Anwendungsbereich auf feste Biomasse und Biogas ausdehnt, die in großflächigen Heiz-/Kühl- und Elektrizitätsanlagen verwendet werden. RED II enthält Mindestgrenzwerte für Treibhausgas-Emissionen von Biokraftstoffen, Biomasse in Wärme und Strom, sowie Mindest-Effizienzkriterien für Anlagen, die nur Biostrom produzieren.“

„Die EU-Gesetzgebung fokussiert die Definition von ökologisch nachhaltiger Bioenergie auf die Erhaltung der biologischen Vielfalt und die Eindämmung des Klimawandels, da Bioenergie an der Schnittstelle von zwei der wichtigsten Umweltkrisen des 21. Jahrhunderts steht: Biodiversität und Klimakatastrophen. Holzbasierte Bioenergie hat das Potenzial, einen Teil der Lösung für beide Krisen zu liefern, aber nur, wenn Biomasse nachhaltig erzeugt (und effizient genutzt) wird. Dies ist besonders wichtig, wenn man bedenkt, dass die Waldökosysteme in Europa im Allgemeinen nicht in gutem Zustand sind.“

„In unserer quantitativen Analyse betrachten wir holzbasierte Bioenergie als Teil der breiteren Waldbioökonomie, also im Kontext einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung und der wachsenden Nachfrage Holz-Produkten und die Produktion von Bioenergie, obwohl zu beachten ist, dass Marktkräfte und wirtschaftliche oder sozioökonomische Faktoren nicht Teil dieser Analyse sind. […] Die Ergebnisse dieser Analyse zeigen eine zunehmende Gesamtnutzung von Holzbiomasse in der EU in den letzten zwei Jahrzehnten (etwa 20 Prozent seit 2000), mit Ausnahme eines deutlichen Tiefstands, der nach der Finanzkrise von 2008 festgestellt wurde. In ähnlicher Weise hat die Teilmenge der Holzbiomasse, die für den spezifischen Zweck der Energie verwendet wird, bis 2013 einen zunehmenden Trend verfolgt (etwa 87 Prozent von 2000-2013), danach hat sich das Wachstum verlangsamt.“

„Nach unserer Analyse basiert die Bionergie-Erzeugung auf Holzbasis zu einem großen Teil auf sekundärer Holzbiomasse (waldbasierte Industrienebenprodukte und wiederverwertetes Post-Consumer-Holz), das fast die Hälfte des gemeldeten Holzverbrauchs ausmacht (49 Prozent). [Anm: EASAC Defintion von Post-Consumer-Holz: Altholz aus Transport (Paletten), Privathaushalten, sowie Altholz, das beim Bau oder Abbruch von Gebäuden oder aus Tiefbauarbeiten entsteht, geeignet für die Verwendung als Brennstoff oder zur Herstellung von Holzpellets und Spanplatten.] Primäre Holzbiomasse (Stammholz, Baumkronen, Äste usw., die aus Wäldern geerntet werden) machen mindestens 37 Prozent des EU-Inputmixes von Holz für die Energieerzeugung aus. Die restlichen 14 Prozent sind in den gemeldeten Statistiken nicht kategorisiert, d. h. sie werden weder als primäre noch als sekundäre Quelle klassifiziert. Basierend auf unserer Analyse der Holzbiomasse-Verläufe ist die Quelle eher Primärholz. Holzpellets-Importe spielen in der EU nach dem Brexit eine untergeordnete Rolle.“

„Was die politischen Folgerungen unserer Ergebnisse betrifft, so berücksichtigen wir zunächst die geltenden Klima- und Energiegesetze und die Verflechtungen zwischen diesen, da es immer noch Missverständnisse in der wissenschaftlichen Literatur und in der öffentlichen Debatte gibt. Die Neufassung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II-Direktive 2018/2001) geht von Nullemissionen zum Zeitpunkt der Biomasse-Verbrennung aus. Bioenergie wird im Energiesektor nicht ausgewiesen, da diese Emissionen bereits im LULUCF-Sektor (Verordnung 2018/841) als Veränderung der Kohlenstoffvorräte gezählt werden. Daher ist es falsch zu sagen, dass Bioenergie innerhalb des umfassenderen EU-Klima- und Energierahmens als „kohlenstoffneutral“ angenommen wird. Die CO2-Auswirkungen einer Änderung der Bewirtschaftung oder des Holzkonsums im Vergleich zu einem historischen Zeitraum werden im LULUCF-Sektor in Abhängigkeit zum FRL vollständig gezählt.“ [Anm: FRL: Forest Refence Level ist ein Richtwert des UNFCCC zur Bewertung der Emissionen und der Entwicklung des Kohlenstoffspeichers im Wald aufgrund von Entwaldungen, Waldschädigungen und Entnahmen aus nachhaltiger Bewirtschaftung.]

Abschließend erklären die Autoren der JRC-Studie: „Dieser Bericht und die künftigen Forschungsrichtlinien verweisen auf den Fokus zur Erweiterung der Evidenzbasis, die den Entscheidungsträgern zur Verfügung stehen soll. Unterschiede in ethischen Werten in Bezug auf die Interaktion zwischen Mensch und Natur spielen eindeutig eine Rolle bei der Definition dessen, was ’nachhaltig‘ bedeutet. Wir sind der Meinung, dass diese Werteunterschiede auch innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft ausdrücklich anerkannt und diskutiert werden sollten, um die Debatte über die Nachhaltigkeit der holzbasierten Bioenergie zu entgiften.“

Der Südosten der USA

Auf die EU-Richlinie RED II haben auch die Autoren einer Studie reagiert, die mit dem epischen Titel „Expansion of US wood pellet industry points to positive trends but the need for continued monitoring“ am 29. Oktober 2020 im Wissenschaftsjournal Nature veröffentlicht wurde. Die Studie von vier US-Wissenschaftern und Francisco X. Aguilar, Leiter der Abteilung für Forstwirtschaft an der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften, hatte zum Ziel, jene Gebiete im Südosten der USA zu untersuchen, die als Rohstoffquelle dienen, um die RED-Ziele der EU zu erreichen. Konkret geht es um die Waldgebiete der küstennahen Staaten Alabama, Florida, Georgia, Louisiana, Mississippi, North Carolina, South Carolina und Virginia, die in 123 Beschaffungs-Gebiete für Holzpellets-Fabriken gegliedert wurden und aus 38.000 Waldinventarflächen bestehen.

„Unsere Ergebnisse zeigen eine Zunahme an oberirdischen und unterirdischen Kohlenstoff bei lebenden Bäumen in den Beschaffungsgebieten der Holzpelletmühlen mit großer Produktionskapazität und einen umgekehrten Trend in Böden im Südosten der USA.“

„Wir fanden mehr Kohlenstoffspeicher in lebenden Bäumen, aber eine geringe Anzahl von stehenden toten Bäumen, was mit der Produktion von großen Holzpelletmühlen in Zusammenhang steht. Im Südosten der US-Küsten – wo die US-Pelletsexporte in die EU ihren Ausgang haben – gab es mit jedem Jahr der Pelletsproduktion weniger lebende und wachsende Bäume und weniger Kohlenstoff in den Böden als im Rest der östlichen USA, der den heimischen Markt beliefert. Bei Überlappung der Beschaffungsbereiche der Fabriken zeigten sich erkennbare Zuwächse bei ausgewählten Kohlenstoffspeichern. Diese Trends spiegelt wahrscheinlich eine intensivere Landbewirtschaftung wider. Die lokalisierten Auswirkungen auf den Wald im Zusammenhang mit der Holzpelletsindustrie sollten weiterhin überwacht werden.“

„Es ist wichtig zu beachten, dass die Nationalen Aktionspläne der EU (RED) nicht auf Wälder einer bestimmten Region abzielen, sondern auf die Versorgung mit US-Holzpellets, die sich organisch aufgrund von kosten- und wettbewerbsorientierten Produktionsvorteilen entwickelt haben. Vor der EU-Einführung von RED im Jahr 2009 betrug die jährliche Produktionskapazität für Holzpellets entlang der Küste des Südostens der USA nicht mehr als 0,3 Millionen Tonnen, aber bis 2017 war sie auf 7,3 Millionen Tonnen angewachsen. Nach jüngsten Schätzungen beläuft sich die jährliche Produktionskapazität in dieser Region auf 9,0 Millionen Tonnen.“

Es klingt nach exzessiver Ausbeutung, wenn man nachrechnet, dass die Pelletproduktion in knapp zehn Jahren um das 30-Fache gestiegen ist. Doch ein Vergleich mit Österreich, das ungefähr gleich groß ist wie South Carolina, zeigt, dass noch Potenzial nach oben ist. In der Alpenrepublik wurden im Jahr 2020 ausschließlich aus Sekundärholz 1,5 Millionen Tonnen Pellets erzeugt. Die Gesamtfläche der acht Staaten aus dem Südosten der USA ist 12,5 mal so groß wie Österreich, und im subtropischen Klima wachsen die Bäume deutlich schneller als im kontinentalen Klima der Alpenrepublik.

EU und MPWG für Nachhaltigkeit

Dass eine intensive Forstwirtschaft nicht der Grund für exzessive Ausbeutung sein muss, sondern umgekehrt, zur Bewahrung der Wälder beitragen kann, das erklärt ein anderer Wissenschafter, der umstrittene Rechtsprofessor Blake Hudson, in dem bereits zitierten Paper „To keep forests intact, we must use them„:

„Der Süden der USA produziert mehr Industrieholz als jedes andere einzelne Land. Das Gebiet ist mit fast 20 Prozent des Gesamtverbrauchs die größte Import-Quelle der EU für Holzbioenergie. Holzbioenergie macht 2,7 Prozent des im Süden der USA geernteten Holzes aus und ergänzt die Primärwald-Produkte wie Sägeholz, Papier und die weiterverarbeitende Industrien für Baustoffe, Möbel und Papier. Im Süden der USA befinden sich 86 Prozent der Wälder in Privatbesitz. Die Grundbesitzer erwarten wirtschaftliche Erträge, und für den Fall, dass Märkte für Forstprodukte wegbrechen, wird es wahrscheinlicher, dass sie Waldflächen in landwirtschaftliche, industrielle, gewerbliche oder private Nutzungen umwandeln. Dies würde nicht nur zu neuen Emissionen in die Atmosphäre führen, sondern auch zum Verlust einer massiven Kohlenstoffsenke, die in Zukunft der Atmosphäre Kohlenstoff entziehen kann. Tatsächlich geht der US Forest Service davon aus, dass bis zu 13 Prozent der südlichen US-Wälder in den nächsten 50 Jahren vor allem durch Urbanisierung verloren gehen könnten. Die Märkte haben in der Vergangenheit eine entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung der US-Wälder gespielt und werden in Zukunft noch wichtiger sein, um die Entwaldung zu vermeiden.“

Nicht nur die EU, auch die USA haben strenge Forstgesetze, die einen Raubbau verhindern. So wie die USA sind Kanada, Mexiko, Argentinien, Chile, Uruguay, Russland, China, Japan, Korea, Australien und Neuseeland Mitglieder der Montreal Process Working Group (MPWG), die 1994 gegründet wurde, um Standards zur Bewahrung der Wälder und ihrer nachhaltigen Bewirtschaftung zu entwickeln, sowie ihre Einhaltung zu kontrollieren. In diesen zwölf Mitgliedsstaaten befinden sich 90 Prozent der gemäßigten und borealen Wälder der Welt, sowie einige tropische Wälder. Insgesamt decken diese Länder 60 Prozent des weltweiten Waldbestandes ab.

Doch es gibt nicht nur die EU und die Mitgliedsländer der MPWG. Es gibt auch eine bittere Tatsache: „Seit der Jahrtausendwende hat die Welt jährlich rund fünf Millionen Hektar Wald verloren, 95 Prozent davon in den Tropen; fast die Hälfte aller Entwaldungen findet in Brasilien und Indonesien statt. Drei Viertel davon wird von der Landwirtschaft getrieben. Die Rindfleisch-Erzeugung ist für 41 Prozent der Entwaldung verantwortlich; Palmöl und Sojabohnen machen weitere 18 Prozent aus; weitere 13 Prozent des Holzeinschlages gehen an die Industrie, vor allem für die Papier-Erzeugung.“ Diese Zahlen publizierte Hannah Ritchie im Februar 2021 auf ourworldindata.org in dem Artikel „Cutting down forests: what are the drivers of deforestation?

Die Umweltwissenschafterin konzentriert sich auf zwei Probleme: „Wenn wir die Entwaldung bewältigen wollen, müssen wir zwei Schlüsselfragen verstehen: wo verlieren wir Wälder und was sind die treibenden Kräfte?“ Brasilien und Indonesien haben zusammen die Hälfte des Waldverlustes zu verantworten. „Die Ausweitung der Weideflächen für die Rindfleisch-Erzeugung, die Anbauflächen für Soja und Palmöl sowie die zunehmende Umstellung des Primärwaldes auf Baumplantagen für Papier und Zellstoff waren die Haupttreiber. Die Ausweitung von Weideland hatte auch erhebliche Auswirkungen auf die Landnutzung außerhalb Brasiliens, etwa ein Fünftel der Entwaldung entfiel auf Lateinamerika. Die Ausweitung der landwirtschaftlichen Flächen in Afrika machte rund 17,5 Prozent der Entwaldung aus.“

An erster Stelle der treibenden Kräfte ist die Ausweitung von Weideland für die Rinderzucht. Jährlich 2,1 Millionen Hektar Tropenwald fallen diesem Wachstumsmarkt vorwiegend in Brasilien zum Opfer. Palmöl, in geringem Ausmaß auch Sonnenblumen, Raps und Sesam sind Verursacher für 18 Prozent der Entwaldung, vorwiegend in Indonesien, aber auch in Malaysia. In Lateinamerika expandiert der Anbau von Soyabohnen. „Während viele Menschen sofort an Lebensmittel wie Tofu oder Sojamilch denken, wird der größte Teil der weltweiten Sojabohnenproduktion als Futter für Vieh oder Biokraftstoffe verwendet. Nur 6 Prozent werden für direkte menschliche Nahrung verwendet.“ Neben Rindern und Öl ist der Bedarf an Holzprodukten die dritte treibende Kraft für die Zerstörung von Tropenwäldern, wobei die Autorin die Waldbewirtschaftung in Nordamerika explizit ausnimmt.

Zur ökonomischen Einordnung der Biomasse-Energie abschließend einige Zahlen der Internationalen Energie Agentur (IEA), die für das Jahr 2021 globale Energie-Investitionen in Höhe von 1,9 Billionen Dollar erwartet, das ist eine Zunahme von 10 Prozent nach dem Einbruch im Corona-Jahr 2020. Die weltweite Energienachfrage werde 2021 um 4,6 Prozent steigen und damit den Rückgang um 4 Prozent im Jahr davor laut Schätzungen der IEA mehr als ausgleichen. Strom nimmt weiterhin den größten Anteil an den gesamten Investitionen ein, angeführt von hohen Ausgaben für erneuerbare Energien. Laufende Investitionen in bestehende Kraftwerke sollen 2021 um rund 5 Prozent auf über 820 Milliarden Dollar steigen, für Neuanlagen (davon 70 Prozent Erneuerbare) sind 530 Milliarden Dollar geplant. Den Rest machen Investitionen in Netze und Speicher aus. „Dank rascher technologischer Verbesserungen und Kostensenkungen führt ein Dollar, der heute für den Einsatz von Wind- und Photovoltaik (PV) ausgegeben wird, zu viermal mehr Strom als ein Dollar, der vor zehn Jahren für dieselben Technologien ausgegeben wurde“, so der Report „World Energy Investment 2021„.

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Peter Rosegger: der Dichter der Naturschönheit und des Mitgefühls

Peter Rosegger 800

Von Manfred Stangl

Wie gern verachtet man noch immer Peter Rosegger (1843-1918). Wie hurtig wird ihm das Mäntelchen des Naturpoeten ohne Tiefgang umgeworfen, oder er gar zum verdächtigen Blut und Boden- jedenfalls Heimatdichter herabgewürdigt. Und das ohne dem Begriff Heimat nur ansatzweise neutral gegenübertreten zu wollen. Meist kennen die Rosegger-Verhöhner kein einziges seiner Bücher. Vom Überblick seiner Werke ganz zu schweigen. Was dann nämlich an Weltfreundschaft, an Natur- und Tierliebe und an Menschenglaube zum Vorschein käme würde all die heutigen Propheten des Negativen (die Modernedichter) durch Charme und Wohlklang foltern. Den potenziellen Rosegger-Lesern aber erschlösse sich eine stimmungsvolle Welt, in der Sinn und Schönheit zugegen sind. Und alles trotz der unmittelbaren Nähe zu gesellschaftskritischen Aussagen über menschliche Not und karger bäuerlicher Realität. Dem verkitschten Rosegger Bild – dessen Rahmen wohl die Nazis vorgeätzt hatten – würde schnell eine Not-Aufnahme in die Ahnengalerie des Weltschriftstellertums folgen. Und Leser und Autorenschaft könnten sich an diesen Romanen erfreuen und sich an ihnen seelisch bereichern.

In Weltgift etwa wird Roseggers sozialkritische Seite deutlich sichtbar. Ein von wohl narzisstischem Hass und Depression angekränkelter Unternehmersohn will nicht mehr in der Firma des Vaters arbeiten… er verschmäht die Konventionen, das falsche, diplomatische Getue seines Vaters mit den Kunden… Hadrian möchte etwas erleben, sehnt sich nach intensivem Lebensgefühl. Und er möchte Bedeutendes leisten. Die Gelegenheit bietet sich, als der Vater nach einem bissigen Streit ihn enterbt, Hadrian aber mit dem Pflichtanteil sich leicht das heruntergekommene Schloss Finkenstein kaufen kann, wo er im großen und modernen Stile Landwirtschaft zu betreiben beabsichtigt.

Nach dem schmählichen Scheitern des agrikulturellen Abenteuers kauft er ein kümmerliches Gebäude abseits des Lindwurmhofs. Der Lindwurmbauer benötigt Geld, zwei seiner Söhne schickte er in die Stadt zum Studieren. Der eine Philosoph, der andere Arzt – beide ohne „passende“ Posten – tauchen in kurzem Abstand wieder am heruntergekommenen elterlichen Hof auf; dramatische Diskussionen stören den Frieden der Abgeschiedenheit.

„Barmherzigkeit“, rief der erregte Doktor (der Philosophie) und schlug die Hände zusammen. Barmherzigkeit sei ein Krebsschaden. Sie päppele die Kranken und Krüppel auf, wodurch das Menschengeschlecht immer mehr herabkomme. Die Geduld sei ein Unding, weil sie der Unzulänglichkeit Vorschub leiste. Alle sogenannten Wohltätigkeitsorganisationen seien von Übel, weil sie den Menschen beugen nach etwas das nicht der Mühe wert ist. Das sogenannte allgemeine Menschenrecht sei eine Torheit, weil nur der ein Recht habe, der etwas leistet. Der Starke sei im Recht, und der allein, und sein Recht und seine Pflicht sei, die Schwachen auszurotten und sich nur mit Starken zu verbinden. So sei es, und er hätte da was gesagt, das jeder Gebildete längst wisse. – Bei dieser Preisrede auf die Kraft hatte er sich in so eine nervöse Aufregung hineingeredet, dass seine Hände zitterten. Wie ein Gifthauch schauerte es durch den ganzen jungen Menschen.

Weitere Streitgespräche folgen. Der Religionsfeind Nietzsche und der große Versöhner Tolstoi stehen in ihren Ideen auf dem Bauernhof einander schroff gegenüber. Rosegger fasst die menschenverachtende Ideologie Nietzsches, der auch heute von Linken wie Rechten geschätzt wird, erschreckend klar zusammen. Was auf Nietzsches Größenphantasien folgte, darf als bekannt, wenn auch nicht aufgearbeitet, vorausgesetzt werden. Doch es ist Rosegger, der als Naivling verspottet wird, als Waldbauernbub und Romantiker – gar als reaktionärer Ideologe. Dabei lugen in seinen Büchern stets fruchtbare Erde und das Grün des Lebens aus den Schutthaufen und dem Grau der Städte, die gerade zu seiner Zeit das Land und die Bauern gierig verschlingen. Die Industrie frisst die Bauernhöfe, die Wälder, verdaut die Knechte und spuckt Proletariat und Heimatlose aus. Und naiv ist Rosegger nie: Er bekennt sich allerdings selbst in den schlimmsten Zeiten zu einer Literatur, die erbaut, die nicht Mistkübel des Schriftstellers ist, der dem Leser hochtrabend übergestülpt wird, sondern zu Wachstum und moralischer Anleitung der Leute dient. Die Schichten aus Staub, Ziegeln und Asphalt, die dazumal schon die Seelen der Menschen erstickten, klopft er ab, lässt sie im frischen Wind in den Hochtälern erschauern, in der Sonne über den Smognebeln leuchten. In „Erdsegen“, wo ein Journalist aufgrund einer Wette die Schreibstube mit der Einschicht tauscht, unterweist er den Leser in ehrliche bäuerliche Arbeit, berichtet von Anstrengung, Mut, Zuversicht, Aufrichtigkeit, Anstand und Liebe. Und das in derart liebevoll humorvollem Ton – der aber edler Würde und Schönheit weicht, wo Witz nur der Distanz zum Leben diente –, dass der moderne Leser nur so ins Staunen und Schwärmen gerät (wenn er denn dazu überhaupt noch fähig ist). Dergestalt liebevolle Beschreibung der Protagonisten, deren Schwächen und gar Eitelkeiten, ohne diese jedoch zum notwendig narzisstischen Wesen der Handelnden zu erklären, erscheint mir einmalig.

Selbst wo die Protagonisten schwerlich liebevoll zu schildern sind, wie in „Weltgift“, gibt Rosegger nicht billig-eitler Verachtung derselben nach. Wenn auch so etwas wie Hoffnungslosigkeit und Bitterkeit mit dem entwurzelten Stadtmenschen durchscheint, was in der Bemerkung gipfelt, „dass ein Mensch, dessen Seele von Weltgift zerfressen ist, nicht in die ländliche Natur zurückkehren kann und soll.

Bemerkenswert auch eine Stelle in „Das ewige Licht“, in der der Protagonist über den vermeintlichen Wohlstand eines durch einen Großindustriellen aufgekauften Ortes Torwald spricht, wo ein Armenhaus errichtet werden soll, für die auf den Straßen Lungernden – mit hübschen Giebelchen und Erkern, auf dass Armut sich nett ansehen lasse.

Im vielgescholtenen Buch „Waldheimat“ findet der offenherzige Leser keine verkitschte Sicht auf Natur und Landleben, wie sie Rosegger gern angedichtet wird. Der Tod ist steter Begleiter der ärmlichen aber doch meist zufriedenen Landbevölkerung. Was Rosegger vollbringt, ist, den Bauern und andern Landbewohnern, die heute eher aus dem Heimatmuseum bekannt sind – Pecher, Ameiser, Kohlenbrenner, Kräuterer – eine Stimme zu verleihen, Identität und Persönlichkeit. Die Menschen aus den abgelegenen Provinzen holt er somit ins Blickfeld, ins Bewusstsein der Stadtmenschen: eine vornehme Aufgabe, würde ich meinen. Dass später andere Schriftsteller, Franz Innerhofer beispielweise, eine weitere Schicht der Landbevölkerung literarisch erschließen, nämlich die Knechte und Mägde, deren Leben sich sicherlich extrem mühevoll gestaltete, (was aber ist zu den Knechten oder verarmten Bauern zu sagen, die jeweils zu Dutzenden in Kellerlöchern in der Stadt hausten, wo sie als Industrieproletariat bis aufs Blut ausgebeutet wurden – was Rosegger in Weltgift ja ebenfalls thematisiert) stellt die logische Fortsetzung in der Literaturgeschichte dar: Keine der Sichtweisen ist die richtigere.

Allerdings haben bei Innerhofer Depression, Trübsinn, Kälte und Distanz die Oberhand gewonnen – vielleicht zurecht – aber die modernistische Sicht der Dinge ist aus ganzheitlicher Haltung zumindest hinterfragbar. Was Rosegger vermag, gelingt modernen Dichtern nimmermehr. Das sage ich voller Überzeugung eingedenk einer Stelle aus „Erdsegen“, in der er die allgewaltige Natur dem Protagonisten das Numinose unendlich mal eindringlicher predigen und vor allem begreifen lässt, als jemals von einer Kanzel gehört.

„Jakob der Letzte“ ist wohl die bitterste Abrechnung mit dem Ausverkauf des Bauernstandes. Zu Roseggers Zeiten grassierte ein seuchenartiges Bauernsterben – in der Steiermark (inklusive Untersteiermark) sind zwischen 1860 und 1890 etwa 50.000 Bauernhöfe aufgegeben worden, in Roseggers engerer Heimat betraf dies etwa ein Drittel aller Höfe. Durch den Freihandel und die dadurch gestiegenen Importe verfielen die Agrarpreise. Die dramatischen Folgen bildeten die Basis für Industrialisierung und Proletarisierung, was er speziell in jenem 1887 erschienen Roman darlegte. Bei diesem aus dem eigenen Herzblut geronnenen Thema fehlt selbst einem Peter Rosegger die Kraft für die Aussöhnung. Ein Bauernhof nach dem andern wird aufgekauft, Legenden bilden sich um den Reichtum, der so rasch erworben ist und leicht wie Papierscheine gegen die Mühe und oftmals Plage des harten Bauernlebens eintauschbar scheint. Doch die Realität erwies sich als eine grausame. Das Geld war in der teuren Stadt rasch aufgezehrt, die Bauerntöchter gingen in den „Herrendienst“. Mühten sich von aller früh bis in die Nacht ab, und aßen, was vom Herrentisch übrigblieb. Die Knechte schufteten in Walzwerken und anderen Fabriken, hofften auf die Befreiung durch den Sieg übers Kapital, denn der Lohn war zu schmal, um bloß ein wenig durchzuatmen. Der Wirt, der sein Gasthaus ebenfalls verkauft hatte, um in der Stadt eine kleine Schenke zu eröffnen, stellte bald fest, dass den Stadtleuten das Ausgeschenkte nicht mundete – und ging Straßenkehren. Ein Leben ohne eigenen Grund und Boden, ohne den Hof, der den Kindern Heimat bot, Arbeit, die im Dienste Reicher verrichtet wurde – das kränkte die Landbevölkerung zutiefst und etliche gingen nicht nur seelisch, sondern auch körperlich zugrunde. „Derlei und anderlei war von den Ausgewanderten zu erfahren. Der Jakob wollte nichts davon hören. In Altenmoos, wie war das anders gewesen, wie könnte es noch so sein! Kein Herr und kein Sklave, keiner reich und keiner arm, war Altenmooser Art. Nun, sie sollen liegen, wie sie sich gebettet hatten. Selbst getan, selber gelitten. Wem nicht zu raten, dem ist auch nicht zu helfen! Ach, was nutzen die guten Sprichwörter! Das Weltgift haben sie getrunken. Dem Jakob blutete das Herz.“

Erstaunlich Aktuelles liest sich in diesen Romanen. Wer kennt nicht das Dilemma, dass auf auspendelnde und arbeitsemigrierte Landbevölkerung das Sperren des Wirtshauses folgt. Dass Kommunikation durch geschlossene Postämter und ausdünnenden öffentlichen Verkehr weiter zerstört wird (bei allen Lippenbekenntnissen der wahlkämpfenden Politiker, die ja nun allesamt den Klimawandel zu stoppen auf ihre Wetterfahnen „branden“ und klimaschonende Alternativen auf Schiene zu bringen versprechen). Trotz aller Beteuerungen, den ländlichen Raum zu stärken, geschieht genau das Gegenteil. Und da wundern sich Regierungen und Sozialpolitiker über die Hoffnungslosigkeit und den Zorn der Dörfler, der sich wohl auch wahltechnisch niederschlägt.

„Die Schriften des Waldschulmeisters“, Roseggers erster Roman, wuchert voll schwellender Naturbeschreibungen. Erdmann, ein vielgereister Lehrer, flieht vor Stadtekel und Schicksalsschlägen in die Einsamkeit eines Bergbauerndorfes. Von dort treibt ihn seine Sehnsucht immer wieder und steiler in die Berge, „ins Licht.“ Die Naturbeschreibungen Roseggers erreichen mystische Tiefen. Die verpestete Stadtluft wird der reinen Luft der Bergwälder entgegengestellt. Liest man heute das Buch „Der Biophilia Effekt“ von Clemens G. Arvay (2o15!) erahnt man, dass sich sehr wenig an der Dringlichkeit und Bedeutung Roseggers Geschichte geändert hat. Man erkennt den Einfluss Adalbert Stifters auf den „Waldpoeten“. Doch die saftige Lebendigkeit seiner prallen Naturbeschreibungen, vor allem eben im „Waldschulmeister“, wirkt wie ein archaischer Berg-Urwald gegen Alleen am Stadtrand und eine bunte Blütenwiese Stifters.

Die konkrete Sehnsucht des Waldschulmeisters erfüllt sich wohl nicht, aber in der Schönheit der Sprache Roseggers ist ein Pfad durch die kahlen Gebirge der Hochhäuser und Aktienkurse gehauen. Die lebendige Fülle, die wie ein gesunder Trunk aus seinen Sätzen quillt, die Quelle sind und Fluss immerfort bereit in einen Ozean der Stille und Schönheit zu strömen, sind ein heilendes Geschenk an uns unvoreingenommene Leser.

„Die irdische Wahrheit ist ernst genug, aber sie verträgt es recht gut, vom Sonnenschein der Poesie beleuchtet zu werden, ohne dass sie unwahr wird. Die Welt ist reich an Niedertracht, und sie ist reich an Größe und Schönheit. Nur darauf kommt es an, was wir Poeten liegen lassen oder auflesen“, heißt es im Vorwort des Erzählbands „Sonnenschein“ im Sommer 19o1, als Einführung in Roseggers ästhetisches Credo.

Rosegger schrieb unglaublich viel. Zum Teil beruht die Anzahl seiner Romane und Novellen auf den Umstand, den „Heimgarten“ herausgegeben zu haben. Eine Literaturzeitschrift bezahlt durch den Leykam-Verlag, in dem alle seine Bücher erstmals als Fortsetzungsgeschichten abgedruckt wurden. Da der Heimgarten monatlich erschien, forderte dies den Vielschreiber zusätzlich. Ausgaben des Heimgartens sind heute gebunden erhältlich, wie auch Tagebücher Roseggers, die aufschlussreich wirken. Sein literarisches Schaffen ist für mich allerdings so gewaltig, dass ich wenig Lust verspüre, es auf sein (untadelhaftes) Leben herunterzubrechen. Ein großer Makel würde dem Dichter anhaften, der ihm angeblich den Literaturnobelpreis 1913 gekostet hätte. Zu einer Einweihung einer Heinrich Heine Statue irgendwo in Deutschland hätte Rosegger einen Lobgesang verfassen sollen. Er lehnte das ab, was man ihm als antisemitische Haltung interpretierte. Auch ich würde dem Modernisten Heine, der meiner Meinung nach wesentlich die Ästhetik der Moderne mitkreierte (und damit letztlich die modernen Konflikte mitheraufbeschwor), kein Loblied singen wollen – wenngleich er natürlich (vor allem während seiner Zeit als Romantiker) Beachtliches schrieb. Den Nobelpreis erhielt Rabindranath Tagore für Gitanjali: ach, wären alle Literaturnobelpreisträger derart große Seelen, wie Tagore. Rosegger wird vorgeworfen „konservativer Utopist“ zu sein. Nun, er hat wenigsten Utopien. Und diese sind nach 15o Jahren der Zerstörung und Verschmutzung der Umwelt und Mitwelt höchst bedeutsame. Seltsam zumal, dass er gar als reaktionär gilt, während nicht wenige der 68iger vom Leben auf dem Land schwärmten, Landkommunen gründeten, die menschenentwürdigende Stadt hinter sich zu bringen, und Autoren wie Gary Snyder, Jack Kerouac, Henry D. Thoreau, Alan Ginsberg, Hermann Hesse Würdigung als geistige Mentoren der Hippies zukam. Jegliche Bewegung, die den Wert der Natur anerkennt, an vorderster Stelle die Grünen, müsste Peter-Rosegger-Häuser einrichten, in denen Liebe zur Natur und Herzensbildung gelehrt wird.

Dass die Neue Rechte ihn zu vereinnahmen trachtet, was ja bereits in den unsäglichen Zeiten des Nationalsozialismus geschah, sollte uns umso mehr zur Wachsamkeit gemahnen. Überlässt ihn die hochnäsige und naseweise Literaturwelt den rechten Ideologen, wird seine kraftvolle, lebensnotwendige und zeitgemäße Literatur instrumentalisiert werden, um die Bedürfnisse der Menschen nach Schönheit, Natur, Einfachheit, Reinheit (im Sinne von Kraft, Licht und Echtheit – nicht von steriler und asexuellerer Reinlichkeit) für ihre finsteren Ziele zu missbrauchen.

Lesenswert als Ergänzung finde ich den Eintrag über ihn in Wikipedia. Dort widerfährt ihm Gerechtigkeit, was seine politischen Absichten betrifft. U.a. wird dargestellt, dass Rosegger von der deutschnationalen Presse als „Judenknecht“ beschimpft wurde. Ein faires sekundarliterarisches Werk liegt mit: „Man kommt sich vor wie in der Wüste“, vor, in dem Christian Teissl 2018, anlässlich des Hundersten Todesjahrs des Dichters, mit der Mär aufräumt, Rosegger hätte sich im ersten Weltkrieg als Scharfmacher betätigt. Auch weitere der fiesesten Vorurteile werden kundig ausgeräumt.

Rosegger vermag mittels seines Humors, seiner geistreichen Einfälle mit wenigen Sätzen einen Leser in die Erzählung hineinzuziehen. Jedes seiner Werke sprüht vor Witz und heiterer innerer Wärme. Die Schönheit Roseggers Sprache kann nicht geleugnet werden, weil er angeblich keine Lösungen für die Probleme der heutigen Zeit anzubieten hätte. Die hat die heutige Zeit ja auch nicht. Vielmehr wachsen in seinen Büchern Bäume, Gräser, Bergwiesen, Älpler so üppig, dass des Dichters Sprache vermag unser oftmals leeres Inneres zu erfüllen. Rossegers Werk ist Lebensmittel für die Seele. Nach Sinn, Schönheit und Natur dürstende Menschen finden darin die Kraft, sich den aktuellen akuten Nöten der Moderne zu stellen, und vielleicht gar manches zu lösen.

Wir leben in einer drolligen Zeit. Da behaupten Sekundärliteraten, wie müßig es sei, heute Poesie zu verfassen, da diese abgehoben und hehr daherkomme, aber erst der Dichter der Abgründe der menschlichen Seele könne so richtig die Tiefen des Menschseins begreifen. So sei endlich zeitgenössische Poesie am Zenit moderner Literatur angelangt (als hätte es Baudelaire nie gegeben, der selbiges von wegen Abgründen schon vor 15o Jahren vollbracht hat – der übrigens zu seiner Zeit völlig ignoriert wurde). Andere wollen an jeglicher Form ganzheitlicher Kunst den Gestank des fauligen Kellernazitums wittern; wieder andere meinen ein Buch von Peter Rosegger zu empfehlen wäre eine Qual, die man Freunden nicht antun dürfe.

Letzteres äußerte Marlene Streeruwitz in einer Beilage der Kleinen Zeitung zum Rosegger-Gedenkjahr (2o18), wobei das witzigste an der ganzen Sache ist, dass sie Peter-Rosegger Preisträgerin ist. Auch eine weitere honorige Preisträgerin empfiehlt den Namenspatron des eingeheimsten Preisgeldes besser nicht weiter, stattdessen ein sekundärliterarisches Werk über ihn. Nicht einmal „Erdsegen“ kann sie empfehlen. Sicher las sie das Buch nie. Sie würde über den warmen Humor, die Menschenliebe, den mitfühlenden Umgang mit den Protagonisten, die Selbstironie nur so staunen. Und endlich bedeutende Literatur zu lesen bekommen.

Marlene Streeruwitz wiederum schimpft den „Idylle verherrlichenden“ Dichter auch gleich einen Antisemiten. Was ich nicht begreif ist, warum sie den Peter Rosegger Preis angenommen hat. Verabscheue ich jemanden dermaßen, wie es in den wenigen kühlen Zeilen der Zeitgeistautorin herauskommt, lehne ich doch alles von ihm ab – jedenfalls einen Preis in seinem Namen. Nun, wir leben in einer ulkigen und verqueren Zeit. Die Menschen sind zerfressen von Selbsthass und Dauer-Zweifel: vielleicht erklärt dies das Paradoxon Streeruwitzischer Schizophrenie.

Wenigstens ahnt Alfred Kolleritsch die Ehrlichkeit in Roseggers Sprache. Eine „Lichtungen“-Autorin schmiert hingegen Elfriede Jelinek Honig ums Maul, die sie zur „echten, richtigen“ Literaturpreisträgerin erklärt.

Nun, für mich ist Jelinek das keinesfalls. Wie schon so oft von mir geschrieben (und immer wieder gern wiederholt), stellt für mich Jelinek den Typus eines Autors dar, der nicht Literatur als „Kafkas Axt“ verwendet, um „das gefrorene Meer in uns aufzuhacken“, sondern scharrend und kratzend den Schnee am Eis zusammenschiebt, um daraus ein Iglu zu bauen, in dem es sich ziemlich behaglich wohnen lässt (ist man selbst bloß unterkühlt genug).

Die Krux an solchen Schneewörtern ist, dass sie nicht rein und weiß auf den Wiesen liegen oder gewichtig und ehrlich die Äste der Bäume biegen, sondern wie so fast alles in der Großstadt, schmutzig und brachial den Zeitgeist mehr beschwören als bloßstellen. Im Hamsterrad zu rasen bringt nicht mehr an Erkenntnis, sondern wiederholt die larmoyante Litanei von der Trostlosigkeit des Daseins. Typisch modern halt – und 2oo Jahre alt, wie wir ja durch die Beschwerde Schlegels wissen. Den Mut sich den Abgründen wirklich zu stellen, haben die Modernen und Postmodernen selten. Sie projizieren lieber alles Schlechte in die Welt hinaus, finden in sich nicht den wunden Punkt – hier zu schürfen könnte heilen, dadurch das Schöne und Positive reaktivieren. Und dann könnten das Wundervolle sowie Wachstum die Welt verändern. Negativ-Kitsch Marke Jelinek und Streeruwitz (die beide auch ihre achtenswerten Seiten haben, denn ihr politisches Engagement ist wichtig), hilft der Welt nicht wirklich. Die immerwährende Hoffnungslosigkeit in der Sprache schuf einen Duktus der Destruktion, welcher als heute gültige Literatursprache nur die Formulierung des Hässlichen, Bösen, Niederträchtigen erlaubt; damit den Menschen präkonfiguriert – nach dem Motto: der Mensch ist voller Abgründe, Niedertracht und Bosheit. Ja – das kann er auch sein, aber er kann ebenfalls mitfühlend, liebend und ehrlich sein. Es liegt ein fataler Irrtum in der Annahme einer prinzipiellen Bösartigkeit der Menschen. Natürlich scheint der moderne Narzissmus und die Eitelkeit und Dummheit vieler den Skeptikern rechtzugeben.

Allein: Bis zu den Abgründen ist nicht tief genug. Unter den Abgründen, den Schichten aus Schutt, Torf, Plastik und dem Asphalt der Zivilisation liegen die Wurzeln. Erst einmal gilt es, eigenen Narzissmus aufzuarbeiten, um die Mechanismen wirklich zu durchschauen anstatt Betonblöcke in die Sätze zu gießen und Aluminiumsprache zu verbreiten. Und zweitens sind wir Autoren und Autorinnen schon selbst schuld an der Misere, wo in der Nachfolge der Aufklärung erst Gott, dann das Gute und Wahre, dann das Gute im Menschen und schließlich in der Postmoderne gleich der Mensch selbst abgeschafft wurde. Mittäter ist die Wissenschaft, die den Menschen zu einem seelenlosen funkenden Haufen aus elektrischen und neuronalen Impulsen zusammenschmolz.

Eines scheint sicher: Peter Rosegger würde heute den in seinem Namen gestifteten Preis nicht bekommen. Sowenig wie Christine Busta ihren, da zu schöne Metaphern und zu grüne Baumwörter in ihren Gedichten funkeln, während gegenwärtig nur 5o Schattierung von Grau erlaubt sind.

Warum glauben wir nicht an die schöne Hälfte der Wahrheit? An das Wundervolle, Verzückende, Beseligende? Lasst uns wenigstens ans Wunderbare glauben, es feiern und zelebrieren, es schreiben, beten und dichten – wenn dieses die Welt schon nicht erfüllt. Stellen wir Literaten und Dichter doch einen Gegenentwurf in die Welt. Einen der Schönheit, der Naturliebe, der Freude und Glückseligkeit. Verachten wir nicht die Welt, wie es die christliche Philosophie tat, welche das Heil im Jenseits suchte. Seien wir nicht die zeitgeistigen Vollstrecker einstiger freudloser Religion, indem wir die Welt weiter zum Jammertal erklären. Schaffen wir eine Bergsprache, eine Pflaumensprache – schreiben wir Granatapfelwörter, fabrizieren wir Granatsätze, tiefrot und mysteriös und klar und schön zugleich. Windsätze, Erdsegen, Wasserwörter, Bergwerke, Singsilben tun der Welt Not – nicht Grauschleier, Frankensteinwörter und Nebelhorn. Von den Machenschaften der Mächtigen zu warnen – ja: das soll hohe Aufgabe der Literatur sein (bleiben); bloß wer seiner Verhöhner las wirklich Peter Rosegger und erkennt im Verfasser von „Weltgift“ oder „Jakob der Letzte“ den Mahner und Propheten, der die Misere einer hochtechnisierten, die Natur und ihre Wesen zerstörende Welt vorausahnte? Und das im Versuch, nicht dem Leser den Schuttkübel des eigenen Weltschmerzes überzustülpen (was ihm den Ruf eines idealisierenden Romantikers einbrachte – von den Glasscherbenschreibern). Eine Ulli Olvedi ist für mich legitime Nachfolgerin Peter Roseggers, die ans Wertvolle, ans Suchende, an das Entwicklungswillige im Menschen appelliert, nicht an dessen allseits bekannte Fähigkeit zum Abgrund. Nach 2oo Jahren Moderne, nach zwei Weltkriegen seit ihrem Anbruch und einer Erde, die sich bald einmal der Menschen entledigen könnte, wenn wir unseren Technikglauben und Fortschrittswahn nicht endlich zähmen, wäre es höchst an der Zeit, Wolkenwörter, Waldsätze, Wildkatzen und Blumenbouquettexte der instrumentalisierten Welt mit ihrem Zeitgeist der Flüchtigkeit und Oberflächlichkeit entgegenzuschreiben.

In: Manfred Stangl: „Ästhetik der Ganzheit“ edition sonne und mond 2o2o

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