Warum ist "Der Mann ohne Eigenschaften" (MoE) ein Roman und doch kein Roman? Ein Roman im konventionellen Sinn erzählt Geschichten. Die Geschichte hat immer einen bestimmten nachvollziehbaren und nacherzählbaren Ablauf, egal ob es sich dabei um Erlebnisse und Tätigkeiten handelt, oder um Naturschilderungen. So gesehen könnte man die Geschichte des MoE in Kürze zusammenfassen:
Der erste Teil des Romans, "eine Art Einleitung", dient der Beschreibung von Zeit ("Es war ein schöner Augusttag des Jahres 1913", MoE 9) und Ort der Handlung (d.i. "Kakanien", MoE 31), woraus aber "bemerkenswerter Weise nichts hervorgeht" (MoE 9). Außerdem wird schon hier Ulrich, die Hauptfigur des Romans, charakterisiert als MoE. Ulrich beschließt, "sich ein Jahr Urlaub von seinem Leben zu nehmen, um eine angemessene Anwendung seiner Fähigkeiten zu suchen" (MoE 47). Die briefliche Ermahnung seines Vaters, der sich um Ulrichs Zukunft Sorgen macht, leitet über zum zweiten Teil, in welchem "seinesgleichen geschieht" (MoE 81).
Die Handlung des zweiten Teils kreist um den "Ausschuß zur Fassung eines leitenden Beschlusses in bezug auf das Siebzigjährige Regierungs-Jubiläum seiner Majestät" (MoE 296), in der Folge kurz Parallelaktion genannt, weil dieses Jubiläum des "Friedenskaisers" im gleichen Jahr stattfmden soll, wie das bloß Dreißigjährige Jubiläum Kaiser Wilhelm II. Ulrich wird durch die Protektion seines Vaters (um es vornehm zu sagen) von Graf Leinsdorf zum Ehrensekretär dieser Aktion ernannt.