2026.03.12 Widerstand oder Toleranz?

Denkraum Widerstand

Europaforum mit Ines Knoll aus Anlass der Toleranzgespräche 2026

Veranstalter: Denk.Raum.Fresach & Club Carinthia

Termin: Dienstag, 12. März 2026, 18.30 bis 20 Uhr

Ort: BKS Bank Renngasse 6, 1010 Wien

Thema: Widerstand, ein Missverständnis – Über den Umgang mit Unrecht

Anmeldung: info@club-carinthia.at oder, Tel.: 0664 38 26 048.

Der Eintritt ist frei.

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2026.03.05 Auslaufmodell Neutralität?

Auslaufmodell

Buchpräsentation 5. März 2026, 18:30–20:00 Wien Museum, 1040 Wien, Karlsplatz 8

SIEHE AUCH:

+ Die Geburt der österreichischen Nation aus dem Geist der Neutralität

+ Demontage der Neutralität

Wir leben in einer Zeit des geopolitischen Umbruchs. Spätestens seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und der Bereitschaft Donald Trumps, das NATO-Bündnis seinen Gelüsten nach Grönland zu opfern, müssen alte Gewissheiten neu bewertet werden. Dies betrifft auch die österreichische Neutralität, die den prägendsten Faktor unseres Landes in der internationalen Ordnung der Post-Holocaust-Ära darstellt.

Franz Cede und Ralph Janik zählen zu Österreichs führenden Experten für globale Politik und internationales Recht. In ihrem neuen Buch “Auslaufmodell Neutralität?” untersuchen sie die Entwicklung der österreichischen Neutralität, von bei den Verhandlungen zum Staatsvertrag und über die Diskussionen anlässlich des EU-Beitritts bis zur aktuellen Debatte im Zeichen einer neuen Weltordnung.

Das Buch “Auslaufmodell Neutralität? Geschichte und Gegenwart eines österreichischen Mythos” erscheint beim Universitätsverlag Wagner.

Franz Cede, 1945 geboren, ist Diplomat und Politik- und Rechtswissenschaftler. Er promovierte an der Universität Innsbruck, wo er anschließend als Universitätsassistent am Institut für Politikwissenschaft und Öffentliches Recht tätig war. Nachdem er 1972 in den Staatsdienst des österreichischen Außenministeriums eintrat, war er im Völkerrechtsbüro, in Paris, Rabat/Marokko, Kinshasa/Kongo sowie in Los Angeles tätig. Von 1999 bis 2003 war er österreichischer Botschafter in der Russischen Föderation und von 2003 bis 2007 österreichischer Botschafter im Königreich Belgien und bei der NATO. Seit 2007 betätigt sich Franz Cede als Senior Advisor am Austria Institut für Europa- und Sicherheitspolitik (AIES).

Ralph Janik, 1985 geboren, promovierte in Rechtswissenschaften/internationalem Recht und ist Assistenzprofessor an der Sigmund Freud Privatuniversität, Lehrbeauftragter an der Universität Wien, der Andrassy Universität in Budapest und der Universität der Bundeswehr in München. Er betätigt sich als Mitglied der European Society of International Law, der Ars Iuris Vienna, dem Advisory Board des International Institute for Peace, dem Strategie- und Sicherheitspolitischen Beirats im Bundesministerium für Landesverteidigung sowie als Affiliated Researcher am Österreichischen Institut für Internationale Politik. Er bloggt, spricht in seinem Podcast über aktuelle politische Themen und tritt als Science Slammer in Erscheinung.

Update 5.3.2026, 21.15 Uhr 

Prof. C erzählt über die Geschichte der Neutralität, dass es vor der Einführung viele Gegner gegeben habe, u.a. auch Bruno Kreisky, doch in Moskau habe Raab alle Einwände abgewimmelt und unter dem Druck der Sowjetunion gesagt: so machen wir das jetzt.

HTH Wortmeldung: Ich wollte ursprünglich nur Fragen, wie sie die legendäre Aussage unseres ehemaligen Kanzlers Nehammer, dass uns die Neutralität von Sowjetunion aufgezwungen wurde, bewerten: als bsoffene G’schicht, als Geschichtsvergessenheit oder als Geschichtsfälschung. Aber nach den Ausführungen von Prof. Cede habe ich das Gefühl, dass wir uns bereits mitten in der Umdeutung unserer Geschichte befinden. Denn in den Memoiren von Bruno Kreisky habe ich eine ganz andere Darstellung gelesen. Demnach war die Neutralität eine Initiative aus Österreich und letztlich der Goldene Schlüssel für den Abzug der Sowjetunion. Schließlich war Kreisky bis zuletzt gegen den Beitritt Österreichs zur EU, weil er der Meinung war, das sei mit unserer Neutralität nicht vereinbar.

Prof Janik antwortet: Ich habe die Memoiren Kreiskys erworben und kenne alle Stellen zur Neutralität. Wir haben nicht gesagt, dass Kreisky gegen die Neutralität war, sondern nur, dass er den Begriff abgelehnt hat, weil auch die Neutralen (Schweiz, Schweden) Geschäfte mit Kriegsparteien gemacht haben.

[Anm. HTH: die Frage, ob uns die Neutralität aufgezwungen wurde – oder das Gegenteil der Fall ist – wurde von den Herrn Professoren nicht beantwortet. So werde ich mir auch die Zeit sparen, das Buch zu lesen, auch wenn laut Inhaltsverzeichnis wichtige Fragen zur Neutralität angesprochen wurden. Wenn der Untertitel aber die Neutralität bereits zu einem „österreichischen Mythos“ erklärt, dann ist die Schlagrichtung klar. Was ein anständiger Rechtsgelehrter einer österreichischen Uni ist, für den zählen Mythen sicher nicht zu den Narrativen, mit denen er sich ernsthaft wissenschaftlich beschäftigen will. Auch dann nicht, wenn er an einer Uni lehrt, die den Namen „Sigmund Freud“ trägt. Denn „die“ Wissenschaft, so wie sie all jene verstehen, die zwar an Unis lehren, aber sich selten mit Wissenschaftstheorie, deshalb auch selten mit den Grenzen unserer Erkenntnis beschäftigen, „die“ Wissenschaft dieser Kaste ist erklärter Maßen das Feld, in dem „Mythen“ keinen Platz haben. Mythen dienen hier bestenfalls dazu, sich als strahlender WISSENschaffer von denen abzugrenzen, die sich im Dunkeln des Halbwissens befinden. Nicht zuletzt ist auch das Fragezeichen im Titel nur noch Dekoration, denn aus juristischer Sicht sind sich C&J einig, dass die Neutralität ein Auslaufmodell ist.

Ich muss davon ausgehen, dass Cede (geb. 1945) aufgrund seines Alters über tieferes historisches Wissen verfügt als ich. Umso erschütternder ist es, wie leichtfertig er dem politischen Zeitgeist folgt und die Neutralität für obsolet erklärt. Wenn er konzediert, die Neutralität wurde von der EU „ausgehöhlt“ (Avocado-Theorem), so lässt er – und man muss ihm unterstellen: wider besseres Wissen – außer Acht, dass uns von allen Regierungspolitikern vor 1994 erzählt wurde, dass die Neutralität durch den EU-Beitritt nicht bedroht sei. Abgesehen natürlich von Bruno Kreisky, aber der war damals schon tot.]

2026.03.04 Zeit zum Leben

2026 BoD Zeit zum Leben 800

Die Anthologie der Anima Incognita Edition versammelt Beiträge von 28 Autoren und Autorinnen: Nina Altmüller, Franziska Bauer, Sophia Benedict, Mihail Bessarabin, Gerhard Blaboll, Ilse Viktoria Bösze, Renate Done, Hans Dama, Sidonia Gall, Andrea Glatzer, Bernhard Heinrich, Josef Helmreich, Sonja Henisch, Ingrid Karner, Ernst Karner, Maria Lehner, Eva Meloun, Traute Molik-Riemer, Eva Novotny, Jordi Rabasa-Boronat, Elisabeth Schawerda, Elisabeth Schöffl-Pöll, Ingrid Schramm, Michael Stradal, H. M. Magdalena Tschurlovits, Hubert Thurnhofer, Horst Weber, Peter Weingärtner.

BESTELLUNG direkt beim Verlag BoD + Natürlich auch auf amazon.de

BUCHPRÄSENTATION am 4. März 2026 um 18:00 Uhr

Galerie Contemplor

Kalvarienberggasse 46, 1170 Wien

Straßenbahn Linien 43 und 9 Station Elterleinplatz

Videolink: ZEIT ZUM LEBEN - ANTHOLOGIEPRÄSENTATION 

Vorwort

von Herausgeber Hubert Thurnhofer

Manche Menschen teilen ihr Leben in Arbeit und Freizeit. Das bedeutet oft, dass sie mit ihrem Job unglücklich sind, während sie ihr eigentliches Leben nur in der Freizeit verwirklichen können. Andere Menschen können erst in der Pension, frei von Sorgen um die Kinder und frei von allen anderen Verpflichtungen, ihr eigenes Leben beginnen. Die Jugend will das nicht mehr und fordert Work-Life-Balance, noch bevor sie je richtig gearbeitet hat. Für Jung und Alt stellt sich gleichermaßen die Frage: Wann haben wir Zeit zum Leben?

Ein Möbelhändler provozierte einmal mit dem Werbeslogan: „Wohnst du noch, oder lebst du schon?“ Das impliziert: Wohnraum ist nicht immer ein vorzüglicher Lebensraum. Wohnen und Leben können sehr unterschiedliche Sachverhalte sein. Früher sprachen die Menschen von Stadt- und Land-Bewohnern. Damit wurde nicht nur eine örtliche Abgrenzung geschaffen, sondern auch eine zeitliche. In der Stadt waren Zukunft und Fortschritt daheim, während am Land Traditionen der Vergangenheit weiter lebten.

Das Leben ist heute durchlässiger, ja sogar grenzenlos. Massentourismus öffnet uns die ganze Welt ebenso wie das Internet. Das Weltgeschehen dreht sich in noch nie dagewesener Geschwindigkeit um uns. Wir mussten lernen, schneller zu leben. Man muss heute in drei Tagen ganz Europa bereisen, um tausende Selfies von allen bekannten Sehenswürdigkeiten nach Hause zu bringen. Dafür wird man in Zukunft sogar zwei Leben brauchen: eines, um Millionen von Selfies zu produzieren, und ein zweites, um all das anzuschauen.

Aber haben wir deshalb gelernt, intensiver zu leben? Können wir in dieser Geschwindigkeit überhaupt noch etwas er-leben, Geist und Seele be-leben? Vieles bleibt an der Oberfläche, wovon Millionen von Selfies Zeugnis ablegen. Um beim Beispiel Tourismus zu bleiben: es ist besser ein Land zu erfahren, statt es zu überfliegen. Man könnte sagen: jeder Tag ist eine kleine Reise. Es liegt an uns, ob wir unsere täglichen Reisen erleben oder überfliegen, ob wir uns Zeit zum Leben nehmen, oder nur für tausende Augenblicke mit Selfiestick.