Parlamentarische Fehlbesetzungen

MMst. Mag. (FH) Maria Neumann, Berufliche Tätigkeit: Unternehmerin, Spartenobfrau Gewerbe&Handwerk der WKW

+ Ich bin Mitglied des Nationalrats, weil … „mich die Wiener Wirtschaft entsandt hat um unternehmerische Realität in die Politik zu bringen.“

+ Ein Thema, das Ihnen im Nationalrat besonders am Herzen liegt? „Wertschätzender Umgang miteinander. Man kann über jedes Thema unterschiedlicher Meinung sein, solang’s höflich und mit Respekt ist.“

Beruflicher Werdegang: Selbständig – Maßschneiderei für Damen- und Herrenmode seit 1993, Kommerzialrätin 2024 + Bildungsweg: Studiengang Marketing & Sales FH Wien (Mag.FH) 2003-2007, Meisterklasse für Herrenkleidermacher HBLA Michelbeuern 1992-1993, Meisterklasse für Damenkleidermacher HBLA Michelbeuern 1991-1992. Höhere Lehranstalt für Mode und Bekleidungstechnik 1090 Wien 1984-1989, Gymnasium Wien XXII 1980-1984

Die Unternehmerin hat Ende 2025 ihre Funktion als Landesspartenobfrau der Wiener Wirtschaftskammer zurückgelegt, die sie seit 2014 inne hatte. Spät und offenbar getrieben von den Skandalen der Wirtschaftskammer (überhöhte Funktionärsentschädigungen und dazu noch die selbstherrlichen Machenschaften des WKW-Präsidenten Ruck).

Im Parlament vertritt sie Österreich seit 2018. Widersprüchlich sind die beiden amtlichen Angaben:

Mitglied des Wirtschaftsparlaments der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) seit 2014

Mitglied des Wirtschaftsparlaments der Wirtschaftskammer 2010-12/2025

Urteil auf ethischer Grundlage: Alle Funktionen bei der Wirtschaftskammer und anderen Kammern sind aus ethischer Sicht unvereinbar mit einem Nationalratsmandat. Die Wirtschaftskammer vertritt explizit Unternehmerinteressen, eine Nationalratsabgeordnete ist beauftragt, die Interessen des Volkes zu vertreten; was immer „das Volk“ sein soll, es ist jedenfalls mehr als die Klasse der Unternehmer.

Die Parteien spielen – gemäß geltender Verfassung – die dominante Rolle in unserer Demokratie. So ist eine Parteienfunktion legitim – aber warum müssen es so viele sein? Wie findet Neumann daneben Zeit für ihre Maßschneiderei? Auch wenn es moralisch betrachtet sympathisch ist, dass eine Politikerin ein vom Aussterben bedrohtes Handwerk betreibt, so ist es ethisch betrachtet unvereinbar mit dem Beruf der Volksvertretung. [Anm. HTH: Unterschied zwischen Moral und Ethik werden im Buch „Moral 4.0“ erklärt.] Als Mitglied des Unvereinbarkeitsausschusses sollte sie darüber nachdenken.