Verluste der Finanzindustrie

Finverlust 2023 03 15

15. März 2023 – „Mit der Risikoscheu im Zuge des Zusammenbruchs der kalifornischen Silicon Valley Bank haben die börsennotierten Finanzinstitute auf der ganzen Welt binnen zwei Tagen 465 Milliarden US-Dollar an Wert verloren, da Investoren von New York bis Tokio ihr Engagement im Sektor reduzierten. Die Verluste, die es zum Wochenstart an der Wall Street und in Europa gab, griffen am Dienstag auf Asien über“, berichtet fondsprofessionell.at

Aus wirtschaftsethischer Sicht wirft diese Kurzmitteilung zahlreiche Fragen auf: 

– Was ist ein „Wert“ aus finanzindustrieller Sicht? 

– Wenn „Risikoscheue“ 465 Milliarden Dollar verlieren, gewinnen dann automatisch die „Risikofreudigen“?

– Welche Auswirkungen haben diese irrealen Verluste auf die Realwirtschaft?

– Was hat die Irrealwirtschaft noch mit der Realwirtschaft zu tun?

– Was bedeuten die Begriffe „Zertifikate“, „Securities“, „Hedgefonds“ usw, die alle samt Sicherheit vortäuschen, in Wahrheit?

– Wie könnte ein alternatives Geld- und Währungssystem aussehen?

Bereits 2016 erschien in der Unternehmerzeitschrift a3eco der Artikel „Die Finanzindustrielle Revolution„, der den Unterschied zwischen Finanzindustrie und Finanzdienstleistung erklärt Einblicke in die Machenschaften der Finanzwelt gibt. Weitere Einblicke bietet der Essay „Popper, Soros, Heinen und der Markt“ aus dem Jahr 2014 und zahlreiche andere Artikel zu Wirtschaftsethik.

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Die Krönung der Landeskaiser

Liessmann 2014

13. März 2023 – Schlimm genug, dass sich die Häupter aller Bundesländer wie Landesfürsten gebärden, hat sie Konrad Paul Liessmann nun zu „Landeskaisern“ gekürt – der emeritierte Philosophieprofessor erklärt damit implizit sich selbst zum Kurfürsten.

Foto CC BY-SY 2.0, Konrad Paul Liessmann als Festredner zur 125-Jahr-Feier der SPÖ am 11. Jänner 2014 in Hainfeld.

NEWS zitiert den Kommentar „Kluge Warnschüsse“ von Konrad Paul Liessmann: „Die Einschätzung, in Kärnten wäre ein Debakel der SPÖ zu beobachten, teile ich nicht. Die Verluste sind zwar überraschend hoch, aber dass die SPÖ die bestimmende Kraft in Kärnten bleibt, steht außer Streit. Deshalb ist auch die österreichische Besonderheit der Landeskaiser nicht in Gefahr: In Tirol, Niederösterreich und jetzt in Kärnten wurden die Landeshauptleute zwar abgestraft, aber nicht so, dass sie nicht mit erheblichen Mehrheiten weiterregieren könnten. Ich halte das für kluge Warnschüsse des Wählers, die darauf aufmerksam machen, was sich an Lebensbedingungen verschlechtert hat.

Und wen als diejenigen, die Verantwortung tragen, soll man denn in die Verantwortung nehmen? Es ist auch beruhigend, dass sich die FPÖ kaum nennenswert steigern konnte, weil neben ihr noch eine andere Kraft imstande war, Proteststimmen zu binden. Mit dem Phänomen, dass auf regionaler Ebene neben den Parteizentralen auch regionale Kräfte eine Rolle spielen, werden wir uns vertraut machen müssen. Das halte ich im Sinn der demokratischen Partizipation für prinzipiell nicht negativ.“

Kommentar ethos.at: KPL, der von den Medien oft als einer der führenden Intellektuellen des Landes bezeichnet wird, hofiert die „Landeskaiser“. Wen führt ein führender Intellektueller eigentlich an – die Medien, die Politiker, die Menschen? Das ist eine andere Frage, hier geht es darum, dass KPL diesen Begriff  ohne jegliche ironische oder kritische Distanzierung, wohlgemerkt ohne Anführungszeichen verwendet. Geradezu huldigend verkündet er die Botschaft, dass die „Besonderheit der Landeskaiser nicht in Gefahr“ sei. Dass die bislang als „Landesfürsten“ bezeichneten Spitzen der Landesverwaltungen zu „Landeskaisern“ erhoben werden, ist kein oberflächlicher Kalauer mit dem Namen des Kärntner Landeshauptmannes. Das ist tiefe Unterwürfigkeit unter ein System, das demokratiepolitisch höchst bedenklich ist!

„Mit dem Phänomen, dass auf regionaler Ebene neben den Parteizentralen auch regionale Kräfte eine Rolle spielen, werden wir uns vertraut machen müssen“, so KPL. Wie bitte? Wir werden uns mit direkter Demokratie, mit basisdemokratischen Bewegungen vertraut machen müssen – nach 100 Jahren demokratischer Verfassung, die den „Landesfürsten“ neben den Bundes-Ministern die Position „oberste Organe der Vollziehung“ (Artikel 19 B-VG) zuweist! Wenn ein belesener Mensch wie KPL unsere Verfassung nicht kennt, die prinzipiellen Unterschiede zwischen rechtskonformer Leitung der Verwaltung und der üblichen, aber illegitimen Selbstermächtigung der „Landesfürsten“ ignoriert oder oder nicht verstanden hat, dann darf man sich nicht wundern, dass die Demokratie in unserem Lande von den Herrschaften unseres Landes (und dazu zählt auch ein einflussreicher Universitätsprofessor, der offensichtlich zum „Partei-Adel“ der SPÖ zählt) systematisch in die Sackgasse geführt wird.

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Covid, ein Dichter und zwei Schweine

Menas Brüssel2017

Corona Vergangenheitsbewältigung / Corona History

11. März 2023 – „Polizei hat Schwein gehabt. Die Polizei in Ingelheim (Rheinland-Pfalz) half, ein entlaufenes Schwein einzufangen. Die Beamten leiteten das Tier mithilfe eines quergestellten Streifenwagens auf einen Feldweg, wo es sein Besitzer mit einem Lasso einfing. Eine Personalienaufnahme des Schweins sei nicht möglich gewesen, meldete die Polizei am Freitag. Denn Wutzchen (rund 200 Kilogramm) sei mit der Festnahme nicht einverstanden gewesen“, melden die Salzburger Nachrichten heute, Samstag.

Ein Geburtstagsgeschenk vom Feinsten an den Chefredakteur von ethos.at, der heute seinen 60er feiert und nichts mehr liebt als den totalen Nonsense getarnt als Nachricht. Doch was hat das mit dem Titel dieses Beitrags zu tun? Corona Vergangenheitsbewältigung! Dies lässt sich nur über einen dialektischen Umweg erklären.

Foto CC BY-SA 4.0: Robert Menasse in der Hauptstadt Europas

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Da läuft ein Schwein.“ Mit diesem Satz beginnt der Roman „Die Hauptstadt“ mit dem Robert Menasse 2017 den Deutschen Buchpreis gewonnen hat, der den Anspruch erhebt, den besten deutschsprachigen Roman des Jahres auszuzeichnen. Eine große Auszeichnung für jeden Autor, für Menasse ein Routineereignis, denn er hat bislang 38 Auszeichnungen erhalten. Aber das ist eine andere Geschichte.

Hier geht es darum, dass „Die Hauptstadt“ nicht nur einen banalen Anfang hat – gemessen an „Don Juan“ der so beginnt: „Die Schönheit und Weisheit des Zölibats verstand ich zum ersten Mal, als Christa Chili-Schoten zwischen den Händen zerrieb, mich danach masturbierte und schließlich wünschte, dass ich sie – um es mit ihren Worten zu sagen – in den Arsch ficke“. Hier geht es darum, dass dieser Roman insgesamt ziemlich schwach ausgefallen ist – gemessen an der epochalen „Vertreibung aus der Hölle“. Menasse kann man nur an Menasse messen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Hier geht es darum, dass ethos.at eine Buchkritik über „Die Hauptstadt“ publiziert hat und den Autor darüber am 3.11.21 informierte. die Mail endet mit dem Hinweis: „Betreiber der Seite ist ‚Unser Kandidat 2022‘, ein Verein i.G, der einen Kandidaten aus dem Volk für die Wahl zum Bundespräsidenten 2022 unterstützen wird. Sein Name ist: Hubert Thurnhofer. Die Wahl der Domain ist kein Zufall, denn es geht darum, Moral und Ethik wieder in der Politik zu verankern. Wir möchten Sie bitten, sich Zeit zu nehmen, UNSERE Webseite anzusehen, zu lesen und zu teilen. Wir freuen uns, wenn Sie unseren Newsletter abonnieren!“

Überraschender Weise hat der vielbeschäftigte Großschriftsteller am 13.12.21 geantwortet: „vielen Dank für Ihre Mail, den Link zum ethos-Portal und den link zu der erfreulich schmeichelhaften Rezension meines Hauptstadt-Romans. Ihre Initiative und Ihr Engagement interessieren mich natürlich, und ich werde mit Neugier Ihre Aktivitäten verfolgen. Ich danke im voraus für die Zusendung der Newsletter. Was die nächste Bundespräsidentenwahl betrifft, muss ich Ihnen allerdings doch Folgendes gestehen: im Falle dass Van der Bellen nochmals kandidiert, bin ich der Meinung, dass er wiedergewählt werden sollte. Ich finde, dass er die Sache gut macht und Moral und Ethik mit seiner politischen Funktion vereint. Herzliche Grüße und meine besten Wünsche, Robert Menasse“.

Darauf antwortete ethos.at: „Danke, Herr Menasse, für Ihr Feedback! Wir freuen uns, dass unsere Aktivitäten Ihre Neugierde geweckt haben. Wenn Sie das Beste für Van der Bellen wollen, dann geben Sie ihm die Chance, seinen Lebensabend in der freien Natur anstatt in den verstaubten Amtsräumen der Hofburg zu verbringen. Wenn Sie das Beste für unser Land wollen, insbesondere für die Demokratie unseres Landes, dann hoffen wir letztlich doch auf Ihre Unterstützung von Unserem Kandidaten 2022!“

Nur wenige Stunden später kam die Antwort von Menasse: „ich habe mir jetzt angeschaut, was bei der Bestellung des Newsletters aufgepoppt ist. Der Videoclip „Starke Immunkräfte können Corona besiegen“ hat sofort meine unschuldige Neugier zerstört. Man kann ja über alles diskutieren, aber die überprüfbaren Fakten müssen stimmen. Falsche Informationen sind keine Meinung. Die Schließung der Bundesgärten in Wien war keine Entscheidung von Bürgermeister Ludwig, sondern – wie der Name ‚Bundesgärten‘ eigentlich deutlich ausdrückt – der Bundesregierung, konkret der zuständigen türkisen Ministerin, die vor der Wiener Wahl den Zorn der Bevölkerung gegen ‚die Roten‘ aufstacheln wollte. ‚Unser Kandidat‘ ist da ziemlich naiv hereingefallen. Ludwig hingegen hat protestiert und durchgesetzt, dass die Schließung der Bundesgärten und Parks nicht noch einmal vorkommt.

Zweitens: man kann wirklich viel für sein Immunsystem tun. Aber es ist gemeingefährlich, den Menschen zu sagen, dass ein bissl Sport in der frischen Luft vor der Corona-Infektion und ihren Konsequenzen schützt. Ein Freund von mir, vierzig Jahre alt und Marathonläufer, ist an Covid gestorben. Seither halte ich Menschen, die zu Demonstrationen gegen die Impfung zusammen mit Nazis aufrufen, – gelinde gesagt – für verantwortungslos und verblendet.

In den letzten eineinhalb Jahren sind drei Menschen in meinem näheren Bekanntenkreis an Covid gestorben. AN und nicht MIT! Zu Moral und Ethik gehört auch ein seriöser Umgang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Unser Langläufer repräsentiert dieses ethische Minimum nicht. Ich wünsche ihm alles Gute für sein Immunsystem, und bestelle den Newsletter hiermit gleich wieder ab. Meine besten Wünsche, Robert Menasse“.

Am 14.12.21 antwortet ethos.at aber darauf hat Menasse nicht mehr reagiert. Vorweg ein Dokumentarfoto: Frühling 2020 in Wien.

Park Wien gesperrt

„wir bedauern, dass Corona zu Todesfällen in Ihrem Freundeskreis geführt hat! Tatsache ist, dass Kinderspielplätze der Stadt Wien und nicht nur Bundesgärten beim 1. Lockdown abgesperrt wurden. Tatsache ist, dass den WienerInnen mit Strafen gedroht wurde, wenn Sie ‚grundlos‘ mit der Straßenbahn ins Grüne fahren wollten.

Wir bedauern aber auch Ihre emotionale Diktion, es sei „gemeingefährlich“ daran zu erinnern, dass jede Corona-Infektion auf jede Person unterschiedliche Auswirkungen hat. In 80 Prozent der Fälle hat eine Covid19-Infektion bekanntlich kaum oder gar keine Auswirkungen. Man darf daraus wohl den Schluss ziehen, dass diese Tatsache mit persönlichen Immunkräften zusammenhängt, auch wenn der Begriff „Immunkraft“ scheinbar nicht so eindeutig definiert ist wie „Coronavirus“.

Wie Sie wissen, darf man Maßnahmen zur Bekämpfung von Corona nicht mit Maßnahmen der nationalsozialistischen Diktatur vergleichen. Das wäre wäre Wiederbetätigung wegen Verharmlosung der Naziverbrechen. Man sollte aber auch darüber nachdenken, was es rechtlich bedeutet, Demonstranten, die gegen die drohende Impfpflicht auf die Straße gehen, pauschal als Nazis zu diffamieren. Wir überlassen Ihnen die rechtliche Beurteilung.

Das ethische Urteil des Autors von „Moral 4.0“ darf ich Ihnen jedoch mitteilen: Wer Demonstranten, die von ihrem demokratischen Grundrecht Gebrauch machen, pauschal als „verantwortungslos und verblendet“ aburteilt, bedient sich der tiefsten intellektuellen Schubladen. „Nazis … gemeingefährlich … verantwortungslos und verblendet“ – das ist ein Vokabular, das einen intellektuellen Diskurs unmöglich macht. Ja nicht einmal eine Polemik kann man auf diesem Niveau führen.

Falls Sie Ihre Ausführungen mit einigen – amtlichen Zahlen – abgleichen wollen, empfehle ich den Artikel Corona. What else?

Aktuell: Aufruf zur Stellungnahme gegen das geplante Impfpflichtgesetz

NACHSATZ HTH: 2022 erhielt Robert Menasse den Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch. Dieser Preis wird jährlich vom Renner Institut verliehen, das ist die politische Akademie der SPÖ. Die im Nationalrat vertretenen Parteien erhalten jährlich insgesamt 10,5 Millionen Euro für ihre Parteiakademien. Schon 2015 hatte ich erstmals mit Menasse via facebook Kontakt. Mit Hinweis auf seine beachtliche Anzahl an staatlichen Preisen, stellte ich ihm die Frage: was versteht man eigentlich unter Staatskünstler? Die Antwort kam prompt: „Ich weiß es nicht. Aber ich kann mir vorstellen, was Sie darunter verstehen.“ 

Coronaregime Wien

ERGÄNZUNG: Auch DE beginnt mit der Corona Vergangenheitsbewältigung. Da der SPIEGEL das Magazin ist, das in seiner Geschichte die meisten Lügengeschichten in Deutschland verbreitet hat (im Unterschied zur Bildzeitung, die einfach nur Skandale aufbauscht), ist zu befürchten, dass die nunmehrige Einsicht keine Aussicht auf Gegenwartsbewältigung und schon gar kein Beitrag zur Zukunftsbewältigung sein wird.

11.03.2023, 07.45 Uhr • aus DER SPIEGEL 11/2023 – Wir Coronaversager – Eine Kolumne von Alexander Neubacher: „Inzwischen wissen wir, dass viele Pandemiemaßnahmen unsinnig, überzogen, rechtswidrig waren. Kein Ruhmesblatt, auch nicht für uns Medien.“

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