Autor: Hubert Thurnhofer

Herbst Poesie

Ilse Aichinger (1921-2016)

Am 1. November hätte die Schriftstellerin ihren 100. Geburtstag gefeiert, am 11. November ist ihr fünfter Todestag. „Es gibt, gerade im frühen Herbst, Tage, an denen die Grenzen im Hinüberwechseln noch einmal sehr scharf werden“, schreibt sie in ihrer Novelle „Seegeister„, die auf hr2.de als Podcast abrufbar ist. Der Blogger Pirandello schreibt auf fischundfleisch: „Sie schrieb so, dass ihre eigene Sprache für sich eine höchste Intensität bekam und die Präzision des Instruments der Sprache allein durch Wortsetzung, durch Rythmik, durch Melodie und sorgfältige Auswahl erreicht wurde. Das ist ihr ‚Geheimnis‘ bzw. ihr Können und ihre Meisterschaft, die nie davon abhängig war, verbrecherische Ideologien auch nur beim Namen zu nennen, um sie dadurch deutlich zu machen. ILSE AICHINGER war für sich und durch sich deutlich genug. Sie erkannte auch mit den Jahren, dass die VERKNAPPUNG der Wortmengen als dringlichstes Gebot vor ihrer Schriftstellerklause standen, dass WAHRHEITEN darauf warteten, mit den knappsten zur Verfügung stehenden Wörtern beschrieben zu werden und sie erkannte zunehmend die Gefahr des KONFORMISMUS in der Tätigkeit des Schreibens selbst, als auch in der Objektivierung des Stilmittels SPRACHE AN SICH.“

Weiterlesen

Zur Lage der Nation 2021

Rede unseres Kandidaten am Nationalfeiertag, 26. Oktober 2021

Liebe Freunde, liebe Menschen unseres schönen Landes!

Welche Probleme bewegen uns heute? Sicher fällt allen sofort der Kurz-Skandal ein und an zweiter Stelle die neuesten Corona-Maßnahmen. Daraus folgt die zentrale Frage anlässlich des Nationalfeiertags: wie können wir diese Politik neutralisieren?


Rede zur Lage 2021

Weiterlesen

Kunst als politisches Statement

Im Jahr 2014 brachte der Galerist Hubert Thurnhofer erstmals die Politik in die Wiener Kunstszene – im Sinne der altgriechischen Agora (ἀγορά, vergleichbar dem Forum im alten Rom) wurde der Kunstraum zu einem Ort der Polis. Agora war der zentrale Fest-, Versammlungs- und Marktplatz jeder Stadt. Der Galerist organisierte und moderierte eine Podiumsdiskussion mit dem Autor des Buches „Das Ende des Geldes“, Franz Hörmann, und einem hochkarätigen Vertreter des Finanzsektors, dem Vorstand der Privatbank Schellhammer & Schatterer, Peter Böhler.

Weiterlesen

Ressler Otto Hans: Leherb

Das Leben von Helmut Leherb war eine surreale Hochschaubahn, sein Tod ein Selbstmord mit langem Anlauf. Die Erinnerungen von Lotte Profohs, aufgearbeitet von Otto Hans Ressler im Buch „Leherb. Tagträumer und Nachtwandlerin“, sind ein Lehrstück des Wiener Intrigantenstadls.


Leherb im Prater 2021

Foto: Wandbild von Leherb im Wiener Prater, weitere Werke des Künstlers finden Wien-Touristen im Donaupark.

Weiterlesen

Ressler Otto Hans: Der Mikl

Der „Provokateur“, der „schwer Fassbare“, wie ihn Die Presse in ihrem Nachruf beschrieb, war eine der prägenden Figuren der zeitgenössischen österreichischen Malerei. „Sich mit der Kunst einzulassen“, sagt er, „gibt’s nicht umsonst.“ „Mikl“ hat aus der Kunst die Kraft für ein ganzes Leben gezogen – und ist doch daran zugrunde gegangen. „Der Mikl“ ist keine […]

Weiterlesen

Musikverstehen leicht gemacht

Österreich ist weltberühmt als Land der Musik. Nicht nur wegen der Neujahrskonzerte! Viele Menschen spielen in einer Band, einem Orchester, oder singen in einem Chor. Manche können aber gar keine Noten lesen. Der Musiker Duncan Lorien hat eine Methode entwickelt, die Grundlagen der Musik einfach zu erklären. Gerd Pölzl und Gaby Strasky bringen diesen originellen Pädagogen (Bild Mitte) seit vielen Jahren nach Österreich zu Vorträgen und Seminaren


.Duncan Gerd und Gaby

Weiterlesen

Schluss mit der Inseratenkorruption!

21.10.2021 – #aufstehn fordert: Schluss mit der Inseratenkorruption – für eine neue Medienförderung! Die Inseratenaffäre rund um Ex-Kanzler Sebastian Kurz und die Tageszeitung “Österreich” hat gezeigt, wie PolitikerInnen versuchen, mit Steuergeld Berichterstattung zu manipulieren: Ministerien und andere öffentliche Stellen schalten Inserate in Medien. Problematisch wird es dann, wenn sich PolitikerInnen als Gegengeschäft für Inserate positive Berichterstattung erwarten. Steuergeld in Form von Inseraten darf nicht länger für persönliche und parteipolitische Zwecke missbraucht werden.


screen aufstehn Inserate

Weiterlesen

Was ist Geld? Eine philosophische Antwort

Eine bahnbrechende Frage kann Menschen aus der Bahn werfen, Schwellenängste auslösen und folglich zu Entgleisungen führen. Ein typisches Beispiel dafür ist die Reaktion auf die Frage, was Geld aus philosophischer Sicht sei: „Auf so einen Blödsinn können nur Philosophen oder Linke kommen“, kommentierte ein Leser des gleichnamigen Blogs auf fischundfleisch.com


GDefinition

Spenden an ethos.at sind herzlichst willkommen!

SIEHE AUCH: Gott und Geld

Weiterlesen

Musil Robert: Der Mann ohne Eigenschaften

Warum ist „Der Mann ohne Eigenschaften (MoE) ein Roman und doch kein Roman? Ein Roman im konventionellen Sinn erzählt Geschichten. Die Geschichte hat immer einen bestimmten nachvollziehbaren und nacherzählbaren Ablauf, egal ob es sich dabei um Erlebnisse und Tätigkeiten handelt, oder um Naturschilderungen. So gesehen könnte man die Geschichte des MoE in Kürze zusammenfassen:

Der erste Teil des Romans, „eine Art Einleitung“, dient der Beschreibung von Zeit („Es war ein schöner Augusttag des Jahres 1913“, MoE 9) und Ort der Handlung (d.i. „Kakanien“, MoE 31), woraus aber „bemerkenswerter Weise nichts hervorgeht“ (MoE 9). Außerdem wird schon hier Ulrich, die Hauptfigur des Romans, charakterisiert als MoE. Ulrich beschließt, „sich ein Jahr Urlaub von seinem Leben zu nehmen, um eine angemessene Anwendung seiner Fähigkeiten zu suchen“ (MoE 47). Die briefliche Ermahnung seines Vaters, der sich um Ulrichs Zukunft Sorgen macht, leitet über zum zweiten Teil, in welchem „seinesgleichen geschieht“ (MoE 81).

Die Handlung des zweiten Teils kreist um den „Ausschuß zur Fassung eines leitenden Beschlusses in bezug auf das Siebzigjährige Regierungs-Jubiläum seiner Majestät“ (MoE 296), in der Folge kurz Parallelaktion genannt, weil dieses Jubiläum des „Friedenskaisers“ im gleichen Jahr stattfmden soll, wie das bloß Dreißigjährige Jubiläum Kaiser Wilhelm II. Ulrich wird durch die Protektion seines Vaters (um es vornehm zu sagen) von Graf Leinsdorf zum Ehrensekretär dieser Aktion ernannt.

Weiterlesen

Ransmayr Christoph: Der Lauf der Zeit

James Cox (1723-1800), der wohl berühmteste Uhrmacher des 18. Jahrhunderts, hat ein Produktions- und Handelsimperium mit bis zu 1.000 Mitarbeitern aufgebaut und neben Uhren auch Automaten produziert und an alle Herrscher der damaligen Welt verkauft. Auch an den Kaiser von China, Qianlong (1711-1799). Dies inspirierte Christoph Ransmayr zu seinem Roman „Cox oder: Der Lauf der […]

Weiterlesen