Stangl Manfred: Ästhetik der Ganzheit
Es ist unmöglich in die Fußstapfen von Egon Friedell zu treten, der mit seiner "Kulturgeschichte der Neuzeit" ein epochales Werk geschaffen hat. Diese Intention hatte Manfred Stangl nie, das Unmögliche ist ihm trotzdem gelungen. Sein Buch "Ästhetik der Ganzheit" könnte auch den Titel "Kulturgeschichte der Moderne" tragen.
Moderne / Postmoderne / Hochpostmoderne charakterisiert Stangl schon in der Einleitung: "Die Regel herrscht derzeit, keine zu befolgen - Neuheit, Originalität, Außerodentliches und artifizielle Form gelten als Kunst. ... Harmonie, Schönheit, Ordnung gelten als erzkonservative Werte, Fortschritt heißt das Gute, selbst wenn er Mensch und Natur zerstört." (25) Unter "Hochpostmoderne" versteht Stangl den "ziemlich weit verbreiteten Stand der Anti-Ästhetik, die sich schon im Unwillen zeigt, den Begriff 'Ästhetik' gelten lassen zu wollen (wozu auch, wenn nichts Verbindliches existiert außer das 'stets neue Schaffen' der KünstlerInnen und das persönliche Geschmacksurteil?)". (197)