Wenn Widerstand zur Phrase verkommt

25. Mai 2026 - Die „Fresacher Charta zu Widerstand und Verantwortung“ ruft uns in Erinnerung „wie viele Grundrechte es Bürgers in unserem Land vorerst – leider – nur auf dem Papier gelten. Völlig illusorisch ist zum Beispiel das Recht auf freie Meinungsäußerung: Zehntausenden von Bürgern wird es nur deshalb unmöglich gemacht, in ihrem Fach zu arbeiten, weil sie Ansichten vertreten, die sich von den offiziellen Ansichten unterscheiden. Zudem werden sie häufig Objekt vielfältiger Diskriminierung und Schikanen seitens der Behörden und gesellschaftlicher Organisationen; jedweder Möglichkeit der Verteidigung beraubt, werden sie praktisch zu Opfern einer Apartheid. Hunderttausenden anderer Bürger wird die Freiheit von Furcht verweigert, weil sie gezwungen sind, in der ständigen Gefahr zu leben, Arbeits- und andere Möglichkeiten zu verlieren, falls sie ihre Meinung äußern.“

Chartisten 77

- Nicht zufällig werden sich bei diesen Worten viele Leser an die Zeit der Corona-Herrschaft erinnern.

- Nicht zufällig haben diese Worte nicht das Geringste mit der „Fresacher Charta“ zu tun,

denn dieser fehlt die Brisanz, mehr noch: jegliche politische Bedeutung. Form und Inhalt sind identisch: oberflächlich, abgeflacht, flach. Kein einziges Problem des 21. Jahrhunderts wird beim Namen genannt; umso weniger die systematische Demontage unserer Demokratien in der EU, die man heute nur noch als EudSSR bezeichnen kann. Mafiose Deals mit Big Pharma? Milliarden für fremde Kriege? Aufrüstung zum Krieg mit Milliardenschulden, die zu Sondervermögen umgedeutet werden? Diese Fragen existieren im Kuhdorf Fresach nicht, sodass in der Kärntner Idylle gegen konkrete politische Missstände sicher kein Widerstand aufkommen kann.

Dem entgegen steht die Charta 77, aus der das einleitende Zitat entnommen wurde. Dieser legendäre Akt des Widerstandes hat nicht nur jenen politische Probleme gebracht, die dieses Memorandum geschrieben und unterzeichnet haben, sondern auch jenen, die sich nicht gegen den Inhalt ausgesprochen haben. (Im Roman „Ende der Großen Ferien“ hat Pavel Kohout diese Thematik aufgegriffen.)

Dass sich die Autoren der „Fresacher Charta“ überhaupt anmaßen, auf den Spuren der Magna Charta“ (1215) und der Charta 77 (1977) zu wandeln, ist Ausdruck unserer Zeit, in der jeder aufgeblasene Ballon zum Medienstar werden kann und will. Der erste Absatz der „Fresacher“ spricht für sich. Eine politische oder gar sprachphilosophische Analyse erübrigt sich.

„Wert und Würde des Menschen in seiner Freiheit und Gleichwertigkeit sind in zahlreichen historischen Dokumenten verankert, werden jedoch durch politische Motive und wirtschaftliche Interessen immer wieder in Frage gestellt und in ihrem Bestand gefährdet. Gleiches gilt für den Frieden, für die Sicherheit in all ihren Ausprägugngen, für die Demokratie sowie für Natur und Umwelt.“

Das Fresacher Larifari in voller Länge könnte der Apotheker beim nächsten Villacher Fasching auf die Apothekerwaage legen. Dort ließe sich das Gewicht dieses Papiers zumindest in Milligramm bemessen.