Die Zukunft der Personenbetreuung

Der Fachverband Personenberatung und Personenbetreuung der Wirtschaftskammer Österreich hat nach 2024 zum zweiten Mal den „DAHEIM BETREUT AWARD“ ausgeschrieben und verleiht die Auszeichnungen an je zwei Gewinner aus jedem Bundesland am 3. April 2025 in Wien. Zur Vorstellung des Projekts, bei dem rund 500 Bewerbungen eingereicht wurden, kamen:

+ Toni Faber, Dompfarrer zu St. Stephan (wird bei der Award Verleihung die Festansprache halten)

+ Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes

+ Karin Hamminger, Vorsitzende der „Daheim Betreut Award“ Jury

+ Andreas Herz, Obmann des Fachverbands Personenberatung und Personenbetreuung in der Wirtschaftskammer Österreich

Moderation: Stefan Ratzenberger

Award Personenbetreuer 2025

Karin Hamminger führte die Bedeutung des "DAHEIM BETREUT AWARDs" aus und erläuterte die Arbeit der Jury, die aus über 500 Bewerbungen 19 Gewinner:innen nominierte (pro Bundesland zwei Personen; mit der Ausnahme Vorarlberg, da hier drei Gewinner:innen ausgezeichnet werden).  "Die Sichtbarkeit der Personenbetreuerinnen und Personenbetreuer in der öffentlichen Wahrnehmung werde dank des 'DAHEIM BETREUT AWARDs' deutlich gesteigert und das Verständnis für diese wertvolle Arbeit geschärft", führt Karin Hamminger aus.

Der Dompfarrer zu St. Stephan, Toni Faber, verwies auf die ethische Verpflichtung der Betreuung der Nächsten, die in unserer schnelllebigen Welt stark eingebüßt hat, aber aufgrund der immer älter werden Generationen eine so sehr wichtige Arbeit an und für die Gesellschaft darstellt. "Wir müssen uns des Umstandes bewusst sein, dass die alten Betreuungszyklen des Mehrgenerationenhaushalts nicht mehr existieren. Immer mehr Menschen leben in Single-Haushalten. Diese große Herausforderung wird nicht nur im urbanen, sondern auch ruralem Umfeld auf uns zukommen", so Dompfarrer Toni Faber.

Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes, sieht in der 24-Stunden-Betreuung ein "Betreuungsmodell der Zukunft", weil es nicht nur das Gesundheits- und Pflegesystem finanziell und strukturell entlaste, sondern vor allem die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen und Familien besser berücksichtige: "Pflege und Betreuung in den eigenen vier Wänden bedeutet für viele Menschen Lebensqualität. Unser gemeinsames Ziel muss sein, dass jeder Mensch - und wir sprechen hier nicht nur von älteren Menschen - so betreut bzw. gepflegt wird, wie und wo er bzw. sie es möchte."

Sie verlangt daher dringend verbesserte Rahmenbedingungen: "24-Stunden-Pflege darf kein Luxus sein. Die Politik ist gefordert, die Einkommensgrenzen für Förderungen von 2.500 EUR auf mindestens 3.500 EUR anzuheben, jährlich zu valorisieren und die Förderung von 800 Euro auf 1500 zu erhöhen."

"Mit dem 'DAHEIM BETREUT AWARD' bekommt diese unverzichtbare, aber zu oft unsichtbare Stütze unserer Gesellschaft verdiente Aufmerksamkeit und notwendige Relevanz in der breiten Öffentlichkeit", betont Korosec.

"In den vergangenen Jahren konnte die Wirtschaftskammer Österreich wichtige und wesentliche Weichen für die Zukunft und für die Erleichterung der Arbeit der Personenbetreuerinnen und Personenbetreuer im Interesse aller zu betreuenden Personen und deren Angehörigen stellen", führt Fachverbandsobmann Andreas Herz aus; und weiter: "Es bedarf einer überparteilichen und zielführenden Strategie für die Personenbetreuung in Österreich - denn der Bedarf wird durch die demographische Entwicklung vorgezeigt." Über die Webseite daheimbetreut.at bietet die WKO Infos für Pflegkräfte in 12 Sprachen.

HINTERGRUND

Empathie, Geduld, Flexibilität, Vertrauenswürdigkeit, Einfühlungsvermögen, Teamarbeit, Verlässlichkeit und Selbstfürsorge sind nur einige, aber so sehr entscheidende Attribute, um verlässliche Betreuung und Unterstützung für Menschen in meist fordernden Lebenssituationen zu gewährleisten. Diese Attribute beschreiben jene Frauen und Männer, die die stetig steigende Zahl der zu betreuenden Menschen in Österreich in der umgangssprachlichen "24-Stunden-Pflege" umsorgen.

Korrekt werden sie "Personenbetreuer:innen" genannt; sind selbstständig erwerbstätig, stammen zumeist aus osteuropäischen EU-Ländern und erfüllen jene Tätigkeiten der Obsorge im Familienverbund, die ebendieser nicht ausüben kann.

Die Betätigungsfelder reichen von punktueller, respektive temporärer Unterstützung bis hin zu umfassenden Betreuungsleistungen über längere Zeiträume und Betreuungszyklen. Die Personenbetreuer:innen decken flexibel und maßgeschneidert ein breites Spektrum von Anforderungen und Bedürfnissen ab.

Derzeit arbeiten knapp 57.000 Personenbetreuer:innen in Österreich; um rund fünf Prozent weniger, als noch im Jahr 2020. Damals waren es noch mehr als 60.000 Personenbetreuer:innen. Für das Jahr 2030 wird mit einem Bedarf von bis zu 80.000 Personenbetreuer:innen zu rechnen sein. Der stete Abwärtstrend und der damit verbundene Rückgang der zur Verfügung stehenden Personenbetreuer:innen stellt eine große Herausforderung für die zu betreuenden Personen in Österreich dar, da die demographische Entwicklung deutlich zeigt, dass ein Zuwachs an Personenbetreuer:innen dringend von Nöten ist.