Kunst und Kultur sind kein Luxus

Kunst ist für viele Politiker nicht mehr als ein schönes Mascherl, die wenigsten Politiker haben sich wirklich mit Kunst beschäftigt. Wenn, dann zeigen sie sich mit prominenten KünstlerInnen, SchauspielerInnen und MusikerInnen vor laufender Kamera. Oder sie tragen salbungsvolle Eröffungsreden vor, die Ghostwriter geschrieben haben. 

Hubert Thurnhofer im Lager seiner Sammlung, Langenwang. Bild: Sergej Manzerew, "Stier, 140x100 cm

Unser Kandidat lebt seit dreißig Jahren in der Kunst und mit Kunstschaffenden. Er hat erlebt, dass Kunst nur in den seltensten Fällen ein Luxusgut ist. Für die Kulturschaffenden ist Kunst eine Lebensnotwendigkeit, aber nur selten ihre wirtschaftliche Lebensgrundlage. Seine Galerie - der Kunstraum in den Ringstrassen Galerien (in der Nähe der Wiener Oper) - konnte in 22 Jahren (1997 bis 2019) von 50 auf 200 Quadratmeter expandieren und war zuletzt das beliebteste private Veranstaltungszentrum Wiens. 

Die Ausstellungen und Events der vergangenen zehn Jahre finden sich auf kunstsammler.at - das Portal liefert auch den größten Überblick über Österreichs Sammler zeitgenössischer Kunst. Während viele Experten die Eröffnung der Galerie in einem Shoppingcenter mit Skepsis betrachteten, haben Publikum und Kunstschaffende das einzigartige Ambiente, mit großer Begeisterung aufgenommen. Die Zahl der Veranstaltungen hat jährlich zugenommen, zuletz haben hier 150 Veranstaltungen statt gefunden.

Hubert Thurnhofer war 1989 bis 1994 Deutsch-Lektor an der Moskauer Linguistik-Universität und hat in dieser Zeit enge Kontakte zur Moskauer Kunstszene geknüpft. In dieser Zeit hat in Kooperation mit Kulturvereinen in Oberösterreich und in der Steiermark seine ersten Ausstellungen organisiert. Ab 1994 hat er dieses Projekt auf kommerzielle Beine gestellt - ohne Eigenkapital, aber mit dem Willen, für weniger bekannte Künstler Raum und Publicity zu schaffen. Die Volatilität des Kunstmarktes ermöglichtkeinem Galeristen, nur vom Verkauf der Kunst zu leben. So hat Thurnhofer daneben als Journalist und später als Kommunikationsberater Geld verdient, mit dem er teilweise seine Galerie subventioniert hat. Öffentliche Förderungen hat er mehrfach beantragt, wurden aber immer abgelehnt.

Kooperation stand im Geschäftsmodell der Galerie immer über Gewinnmaximierung. So konnte der Galerist den Kunstraum mehrmals der Künstlergruppe arteMIX anvertrauen, die für je einen Monat die Galerie mit eigenen Programm autonom betrieben hat. In der Zeit konnte der Galerist sich seinen Buch-Projekten "Moral 4.0" und "Baustelle Parlament" widmen.

Ende 2019 wurde der Mietvertrag in den Ringstrassen Galerien nicht mehr verlängert - ein Glück wie sich nach dem Ausbruch von Corona zeigte. So ist der Galerist mit seiner eigenen Kunstsammlung, die auf ca 500 Werke angewachsen ist, nach Langenwang übersiedelt.

Kunst und Kultur sind für unseren Kandidaten kein Luxus, sondern ein Lebensmittel. Die Errichtung von Bilderregalen gehört dazu ebenso wie die Auswahl von Kunstwerken für eine Ausstellung, die Betreuung der Künstler (fallweise auch psychologisch), die Hängung einer Ausstellung, die Vorbereitung und Durchführung von Events, sowie die Reinigung danach, und nicht zuletzt die Vermittlung der Kunst durch Promotion und Verkauf der Werke. 

Siehe auch: Profession: Gallerist - Artikel in artpoint

Siehe auch: Der Galerist als Philosoph. Rede von Wilfried Seywald am 11.3.2013