Ästhetik der Macht

Sradj Nadim 800

von Nadim Sradj, Regensburg

Der Begriff „Ästhetik“ soll hier im ursprünglichen Sinne als Empfindung, Wahrnehmung (Ästhesie), nicht im Zusammenhang mit Schönheit verstanden werden. Bekannter ist im Allgemeinen das Gegenteil hiervon, nämlich Anästhesie als Empfindungslosigkeit, Narkose. Die Komplexität und die irreguläre Dynamik der Macht erfordern eine breitere Basis der Erkenntnis. Hierzu können vier verschiedene Ansätze beitragen:

1. Die Subjekt-Objekt-Spaltung nach Descartes.

2. Die Dialektik der These-Antithese nach Hegel und Kojev.

3. Das Herrschaftswissen nach Max Scheler.

4. Die Pathologie der Macht, Orte der Wahr- und Falschnehmung.

Ad 1: In der Subjekt-Objekt-Spaltung agiert der Mächtige eindimensional und linear. Die Machtrichtung ist einseitig und in der Regel hierarchisch begründet. So z.B. Offizier und Soldat oder das Arzt-Patient-Verhältnis, wobei der Arzt, als der Wissende, Aktive, der Entscheidende, der Patient als der Unwissende, der Passive definiert wird. Er wird praktisch mit einem Tier gleichgesetzt, wenn Ergebnisse von Tierversuchen auf ihn übertragen werden.

Ad 2: Die Ausübung der Macht findet nicht im homogenen Raum, im Vakuum sondern im zwischenmenschlichen Spannungsverhältnis statt. Wo Macht ist, ist auch Gegenmacht. Wird die Machtausübung hoch dosiert, so entsteht eine rigide Beziehung zwischen Herr und Knecht. Das Bewusstsein des Stärkeren unterdrückt den Willen des Schwächeren. Die Eigendynamik der Macht schafft neue Konstellationen, in denen Stärke in Schwäche umschlagen kann. In diesem Zusammenhang kommt der Begriff der Freiheit ins Spiel. Durch die Aufklärung entsteht das Bewusstsein von Freiheit als geschichtlicher Prozess. Hegel definiert die Geschichte als „Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit“. Unter diesem Aspekt werden Revolutionen gerechtfertigt. Die Macht erscheint hier als kollektiv, nicht mehr individuell.

Ad 3: Das Herrschaftswissen deckt sich mit der Formel von Francis Bacon „Wissen ist Macht“. Der Philosoph Max Scheler unterscheidet drei Arten von Wissen: Erlösungswissen im religiösen Bereich, Kommunikations-wissen und Herrschaftswissen.

Heutzutage bestimmen sogenannte wissenschaftliche Erkenntnisse in weiten Teilen unser Leben und unser Verhalten. Damit ist eine neue Art der Machtausübung durch Experten und Technokraten auf der Grundlage von Statistiken und Messergebnissen entstanden. Hierbei ist zum Beispiel in der Augenheilkunde nur noch eine einzige Methode zur Erlangung wissenschaftlicher Erkenntnis zugelassen. Paul Feyerabend sprach von „Methodenzwang“. Der Methodenmonismus, d.h. das Zulassen einer einzigen Methode unter Ausschluss aller alternativen Forschungsmethoden und die Verrechtlichung der so gewonnenen einseitigen Ergebnisse führt zu einer Konstellation innerhalb der Forschung, die Feyerabend einmal als „Wissenschaftsmafia“ bezeichnet hat. In nahezu allen ophthalmologischen Fachzeitschriften wird den Autoren vorgeschrieben, nur ein einziges methodisches Muster anzuwenden (Statistik, Doppelblindstudie usw ). Alle anderen wissenschaftlichen Methoden werden nicht akzeptiert. Dies ist eine Manipulation von Erkenntnissen und Messdaten, die sich auch in anderen Bereichen wiederfinden lässt. Ein Beispiel hierfür ist die Abgasmanipulation bei VW, die wir nicht als ein Mittel zur Bereicherung sehen, sondern als einen Versuch, Umweltprobleme allein durch Technologie lösen zu wollen. Dieser Methodenmonismus ist von vorneherein zum Scheitern verurteilt.

Ad 4: Erhöht man die Dosierung der Macht, so kann sie Zittern, Herzklopfen oder psychologische Wunden hervorrufen. In diesem Fall gilt das Prinzip „so wenig Macht wie möglich, so viel wie nötig“. Die Eigendynamik der Macht hebt das Prinzip der Gleichheit und Gleichwertigkeit auf (s. Abbildungen) und stellt eine neue Beziehung der Über- und Unterordnung her. Diese spannungsvolle Konstellation kann das Bewusstsein der Stärke in eine Position der Schwäche verwandeln. In der Schwäche geschieht es häufig, dass der Betroffene nach dem Verlust der Macht in einen Zustand der Autoaggression gerät und in die Krankheit verfällt. Macht kann zur Droge werden, ihr Verlust endet im Verfall.

Unter diesem Aspekt der Psychopathologie definieren wir die Macht als sublimen Ausdruck von Aggression.

Wenn es in der internationalen Politik um Fragen von Recht und Unrecht geht, so ist sie bei den Kategorien von Ethik und Moral im Stadium einseitiger Interessenvertretung stehen geblieben. In solchen Fällen weicht sie in die Jurisprudenz aus und endet im Legalismus formaler Strukturen, Paragraphen und Vorschriften. Die heutige Diskussion über die Ästhetik ist zeitweise diffus, undifferenziert, an Sensationen orientiert, teilweise verrückt und büßt dadurch an Glaubwürdigkeit ein. So konnte es geschehen, dass eine Journalistin es ablehnt, sich mit dem Thema „Ästhetik“ zu beschäftigen mit der Begründung, das sei ein Thema „für gelangweilte Hausfrauen und pensionierte Wissenschaftler“.

Die Ästhetik auf der Grundlage der Sinnesphysiologie und Sinnespathologie, die u.a. auf Ernst Mach und Helmholtz zurückzuführen ist, ist ein wesentlicher Schritt aus diesem Dilemma heraus in ein System der Erkenntnis.

Die wissenschaftliche Ästhetik hat eine eigene Erkenntnistheorie, nämlich die induktive Logik und eine eigene Methode, die experimentelle Methode (J. St. Mill 1843).

Das Ergebnis dieser Studie ist, dass die naturwissenschaftliche Ästhetik selbst eine Art von Macht darstellt, indem sie grenzüberschreitende Wirksamkeit und Geltung erlangt.

Die Ästhetik angewandt auf die Politik bringt uns zum Bewusstsein, dass die Pflanzen- und Tierwelt nicht als reine Gegenstände gesehen werden dürfen, sondern autonome lebendige Strukturen darstellen, die als solche Anerkennung und Würde verdienen. Was ist der Mensch ohne Pflanzen und Tiere? Wovon könnte er dann noch leben?

Der Klimawandel und die Umweltkatastrophen verdeutlichen, dass die Natur nicht nur eine Macht, sondern eine Allmacht darstellt, gegen die der Mensch letztlich hilflos ist. Die ästhetische Betrachtung der Politik sensibilisiert unsere Wahrnehmung von Signalen und Vorzeichen. Eine nachhaltige Weltästhetik nimmt die Idee des Weltethos auf, und es ist zu hoffen, dass auf diesem Wege der Weltfrieden Realität wird.

Literatur

Paul Feyerabend, Wider den Methodenzwang. Skizze einer anarchistischen Erkenntnistheorie, Frankfurt am Main, 1976

Alexander Kojev, Hegel. Kommentar zur Phänomenologie des Geistes, Frankfurt am Main, 1975

Nadim Sradj, Sinnesphysiologische Ästhetik und ihre Bedeutung für die Politik , Regensburg, 2020

Ders. Global Science – 10 Thesen zur Weltauffassung im 21. Jahrhundert, s. These 7 , Regensburg. 2011

Weiterlesen

findART.cc – Kunst will gefunden werden!

findArtCC screen

11. Jänner 2022 – Seit über zwei Jahrzehnten trägt Andreas Färber dazu bei, dass Künstler und ihre Werke, Ausstellungen und Termine gefunden werden. Das Portal findART.cc bietet Infos in den Rubriken Termine, Brachen, Kunstwerke, Künstler, Parnter und User. Abonnenten erhalten einmal wöchentlich einen Newsletter, eingeleitet meist mit Aphorismen bekannter Autoren, beispielsweise Karl Kraus: „Künstler ist nur einer, der aus der Lösung ein Rätsel machen kann.“

Viele Künstler und Galeristen haben schon Erfahrungen gemacht mit Anwaltskanzleien, deren Geschäftsmodell darin besteht, Webseiten-Betreiber aufgrund angeblicher Copyright-Verletzungen mit Klagen zu bedrohen. Gleichzeitig wird angekündigt, bei Bezahlung beachtlicher Summen (branchenüblich derzeit 700 Euro und mehr), von einer Klage Abstand zu nehmen.

Um solche Angriffe, die Erpresserversuchen ähneln, abzuwehren, hat findART.cc-Geschäftsführer Andreas Färber einen deutlichen Hinweis im Impressum veröffentlicht:

„Die Europäische Kommission stellt eine Plattform zur Online-Streitbeilegung (OS) bereit.  Keine Abmahnung ohne vorherigen Kontakt: Falls Bedenken bestehen, daß Inhalte dieser Webseite gegen Urheberrechte oder Datenschutz verstoßen, bitte ich um Info per Email. Derartige Inhalte werden ggf. umgehend entfernt. Kostenforderungen ohne vorhergehende Kontaktaufnahme werden wir im Sinne der Schadensminderungspflicht (§ 254 Abs. 2 BGB) als unbegründet zurückweisen.

Nach § 254 Absatz 2 Satz 1 BGB [Bürgerliches Gesetzbuch] kann ein Mitverschulden auch darin bestehen, daß der Geschädigte es unterlässt, den Schädiger auf die Gefahr eines ungewöhnlich hohen Schadens aufmerksam zu machen, den Schaden abzuwenden oder ihn zu mindern. Man spricht insoweit von Schadensminderungspflicht bzw. von Schadensabwendungspflicht.“

Weiterlesen

2,9 Millionen Euro von der KPÖ Steiermark für Soziales

Elke Kahr KPÖ 800

Mitteilung der KPÖ Steiermark, 31. Dezember 2022

„San eh olle Politiker gleich“? Viele, aber nicht alle! Weil abgehobene Politikergehälter zu abgehobener Politik führen, gibt es bei der KPÖ eine Gehaltsobergrenze, die sich an einem Facharbeiter-Lohn orientiert. Die Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr behält sich von ihrem Polit-Gehalt (7.921 Euro netto) monatlich nur 2.000 Euro. Die restlichen 5.921 Euro kommen Menschen in Notlagen zugute. Seit 2005 hat sie auf diesem Weg 1.007.833,40 Euro von ihrem Gehalt weitergegeben. „Helfen statt Reden“ eben.

Die Mandatar:innen der KPÖ Steiermark haben seit 1998, als mit Ernest Kaltenegger erstmals ein Kommunist in den Grazer Stadtsenat einzog, insgesamt bereits 2.914.681,31 Euro von ihren Polit-Bezügen abgegeben. 23.959 Steirer:innen in Notlagen konnten wir damit bereits unterstützen. Allein im Jahr 2022 waren es 291.138,34 Euro, die 2.226 Menschen zugutekamen.

Dabei geht es um viel mehr als die finanzielle Unterstützung allein, so Elke Kahr: „Der Hauptteil unserer Arbeit besteht darin, den Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen. Unsere Büros sind für alle offen, die Rat und Hilfe brauchen. Es geht nicht um Almosen, sondern darum, den Menschen wieder Mut zu machen und Hoffnung zu geben – gerade in schwierigen Zeiten wie diesen. Viele, denen wir helfen, haben ein zu geringes Einkommen oder eine zu geringe Pension. In Graz versuchen wir, mit vielen sozialen Maßnahmen gegenzusteuern, darunter die Ausweitung der Sozialcard auf Berufstätige mit geringen Einkommen. Am dringendsten wäre aber das Einfrieren der Mieten und Energiekosten durch die Bundesregierung.

In unseren Sozialsprechstunden erfahren wir aus erster Hand, wo die Probleme in dieser Gesellschaft liegen. Dass in einem vermeintlich reichen Land wie Österreich jede fünfte Person an bzw. unter der Armutsschwelle leben muss, während die Superreichen selbst in diesen Krisenjahren noch reicher werden, ist ein Skandal. Und wir werden nicht müde werden, auf diese strukturellen Missstände hinzuweisen und daran zu arbeiten, diese Zustände zu überwinden. Es reicht aber nicht, die Leute auf eine bessere Welt zu vertrösten. Darum möchten wir schon im Hier und Heute zeigen, dass es auch anders geht, und uneigennützig für die Menschen da sein. Die Gehaltsweitergabe aller unserer KPÖ-Mandatar:innen ist ein Weg, wie wir konkret helfen können.

Update 10. Juli 2025 – „Bürgermeisterin Elke Kahr tritt wieder an. Für die KPÖ Graz war heute der Tag der Entscheidung. Bei einer Bezirkskonferenz gab Bürgermeisterin Elke Kahr bekannt, dass sie bei der Gemeinderatswahl in Graz im nächsten Jahr wieder für die KPÖ ins Rennen gehen wird“, berichtet ORF.at (10.7.25)

Weiterlesen

Energiewende Deutschland: Pellets quo vadis?

Pellets. Kapitel 4 + + + Der Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg. So könnte man die Energiewende Deutschlands in einem Satz zusammenfassen. Endgültiger könnte ein Ausstieg gar nicht sein, hätte die deutsche Rechtschreibreform, die so alt ist wie der Atomausstieg, „endgültiger, am endgültigsten“ als neuen Komparativ und Superlativ kanonisiert. Aktuell sind in Deutschland noch sechs AKW am Netz. Bis Ende 2021 werden Grohnde, Grundremmingen und Brokdorf abschaltet, die drei jüngsten Reaktoren, Isar 2, Emsland und Neckarwestheim sollen spätestens Ende 2022 vom Netz gehen.

UPDATE 4.5.2023: Pellets Verbot in Deutschland

Lediglich sechs Jahrzehnte hat die Atomenergie in Deutschland Haushalte beleuchtet und die Wirtschafts-Lokomotive angetrieben. Die Regierung Rot-Grün unter Gerhard Schröder und Joschka Fischer besiegelte im Jahr 2000 mit den Kraftwerkbetreibern den Atom-Ausstieg und hat 2002 das Atomgesetz entsprechend novelliert. Danach durften keine neuen AKW mehr gebaut werden und die Regellaufzeit wurde auf 32 Jahre ab Inbetriebnahme limitiert. Damit sollten spätestens 2021 alle AKW abgestellt sein. Im Herbst 2010 haben Kanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Guido Westerwelle die Laufzeiten der bestehenden 17 AKW um acht bis vierzehn Jahre verlängert. Und dann kam der 11. März 2011 mit dem Tsunami von Fukushima, auf den ein politischer Tsunami in Deutschland folgte. Schneller als die Verlängerungen in Kraft treten konnten wurde das endgültige Aus für Atomenergie in Deutschland beschlossen.

+ Wie viel ist Dir kritischer, unabhängiger Journalismus wert?

+ Wie viel ist Dir das Engagement von ethos.at für eine offene Demokratie wert? 

Bitte um Dein Feedback via SPENDE

ÖKO-Institut-Studie 1982

Als „Erfinder“ der Energiewende sieht sich das Freiburger ÖKO-Institut, das bereits 1982 eine Studie mit dem Titel „Energieversorgung der Bundesrepublik ohne Kernenergie und Erdöl“ vorgelegt hat. Zwar hat der Club of Rome schon 1972 auf die „Grenzen des Wachstums“ im Allgemeinen und die Grenzen der Rohstoffvorräte im Besonderen hingewiesen, doch das ÖKO-Institut hat erstmals Konzepte entwickelt, wonach die wichtigsten fossilen Rohstoffe Erdöl und Erdgas bis 2030 komplett ersetzt werden sollten.

Die damalige Prognose: „Der bei dieser Entwicklung notwendige Einsatz von Kohle wäre in den nächsten Jahrzehnten ungefähr gleichbleibend und würde sich vom heutigen Verbrauch nicht nennenswert unterscheiden. Die Bundesrepublik könnte sich bis zum Jahr 2030 in der Energieversorgung so gut wie völlig von Importen unabhängig machen und ihren Primärenergiebedarf etwa je zur Hälfte aus heimischer Kohle und sich erneuernden Energiequellen decken.“ Sehr optimistisch waren die Autoren bei der Annahme, dass „mit heute einsetzbaren Techniken bis zum Jahre 2030 Senkungen des spezifischen Endenergieverbrauchs“ möglich wären: bei Raumheizungen um 70%, Autos 60%, Industrielle Prozesswärmeeinsatz 30%, elektrische Haushaltsgeräte 65%, elektrische Antriebe 30%.

Weiterlesen

Anna Jeller Buchhandlung feiert 75er

Anna Jeller Buchhandlung

Die Anna Jeller Buchhandlung in der Margaretenstraße 35, 1040 Wien, feiert 2022/23 ihr 75-jähriges Jubiläum. Es ist großartig, dass in der „Vorstadt“ noch private Buchhandlungen überleben können! Ethos.at gratuliert. Hier der Jahresrückblick, den die Inhaberin auf facebook publiziert hat:

Liebe Leserinnen und Leser, Kundinnen und Kunden, liebe Freunde des Hauses,

zum Jahresende zieht man unweigerlich Bilanz und lässt das Vergangene nochmals Revue passieren.

2022 war wohl für viele von uns ein anstrengendes und auch unangenehmes Jahr, weil wir schon von den Vorjahren ermattet waren und es immer noch sind.

An der Buchhandlung sind unsere neuen Lebensrealitäten natürlich auch nicht spurlos vorübergegangen. Wir haben deutlich gespürt, dass unsichere Zeiten auf uns zukommen und viele Gewissheiten einfach wegbrechen. Soweit, so schlecht.

Trotzdem gab es für die Buchhandlung auch Anlass zur Freude. Sie ist heuer 75 geworden !

Wir haben den ersten September still und leise, auch in Gedanken an den Vorbesitzer Karl M. Halosar, begangen und nicht gefeiert, weil wir heuer einfach nicht in Feierlaune waren. Da die Buchhandlung aber ein ganzes Jahr lang 75 ist, werden wir das Feiern auf irgendwann 2023 verschieben. Versprochen!

Ich bedanke mich bei allen wilden Leserinnen und Lesern für ihre und eure Treue und gehe mit Zuversicht ins neue Jahr, denn neue Zeiten erfordern neue Ideen und Beweglichkeit und ich empfinde das als spannend und reizvoll.

Ergebenst

Anna Jeller

Weiterlesen

Die deutsche Lust an Menschen-Experimenten

DE DW Afrika

27. Dezember 2022 – Wer Christian Drosten für einen redlichen Wissenschafter hält und Karl Lauterbach für einen lauteren Politiker, der kann nicht bei Trost sein. Oder er ist Deutscher. Zwei Deutsche, die für die Exekution des größten Menschheitsexperiments – die Covid-Impfungen – mit verantwortlich sind, und in Deutschland bis heute nicht nur auf freiem Fuß, sondern in ehrenwerten Positionen sind – das muss man leider als „typsich deutsch“ bezeichnen. Typisch deutsch 2022 bedeutet: man begeht Verbrechen nicht an anderen Menschen und Völlkern, sondern bevorzugt an der eigenen Bevölkerung. Die Wiedergutmachung ist somit Teil des Verbrechens.

Diesen Schluss erlaubt ein umfangreicher Artikel eines deutschen Leitmediums über „Robert Koch und die Verbrechen von Ärzten in Afrika„, erschienen auf deutschlandfunk.de: „Zu Kolonialzeiten war es üblich, dass Forscher skrupellos mit Afrikanern experimentierten, allen voran die Deutschen. Auch Robert Koch zwang kranke Menschen in Konzentrationslager und testete an ihnen neue Gegenmittel. Die Gräueltaten der kolonialen Tropenmedizin wirken bis heute.

Diese Methoden wirken nicht nur bis heute, sie sind bis heute üblich, wie der Artikel nachweist. „Jahrelang standen die Verbrechen der NS-Zeit im Vordergrund. Erst jetzt dringen die Gräuel in den ehemaligen Kolonien allmählich ins Bewusstsein der Täter. Für Edda Bonhomme und Chernoh Bah geht es bei der Aufarbeitung um Gerechtigkeit und Wissen. Die Geschichte des medizinischen und wissenschaftlichen Fortschritts ist nicht frei von Problemen und fortwährenden Experimenten. Um sicherzugehen, dass sich diese Erfahrungen nicht wiederholen, müssen wir wissen, was damals passiert ist“, so der Artikel abschließend. Parallelen zu den weltweiten Covid-Impfkapagnen zieht der Artikel, der vor genau zwei Jahren erschienen ist, natürlich keine. Solche Parallelen zu erkennen, liegt in der Urteilskraft der Leser. Wir sollten nicht wieder Jahrzehnte warten, bis wir die heutige Gegenwart als Vergangenheit bewältigen. Wir sollten mit Vergangenheitsbewältigungen aller Art in Zukunft in der Gegenwart beginnen.

P.S. Ist wohl ein Zufall, wenn Drosten exakt zwei Jahre nach dem Bericht über Robert Koch das Ende der Corona-Pandemie erklärt, wie ZDF berichtet. 

Ergänzung 12. Jänner 2023: Drosten rudert wortreich zurück, wie ORF.at brerichtet.

Siehe auch Kommentare auf fischundfleisch

Weiterlesen

Wir wollen einen Covid-Untersuchungs-Ausschuss

change org Untersuchungsausschuss

Marcus Franz hat diese Petition auf change.org gestartet

Wir wissen aus zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten und internationalen Vergleichen, dass viele Maßnahmen während der Pandemie überzogen, falsch, grundrechtseinschränkend und/oder gesundheitsgefährdend waren. Es ist daher Zeit, sämtliche Maßnahmen einer Evaluierung zu unterziehen, um zukünftig im Falle einer neuerlichen Pandemie besser gerüstet zu sein, weil wir aus den Fehlern lernen können.

Foto / Screenshot: Petition, Status 16. Dezember 2022

Stand 8. Jänner 2023: 35.995 haben unterschrieben

Der Covid-Massnahmen-Untersuchungsausschuss (CMU) wird vom Rechnungshof zusammengestellt und die Mitglieder des Ausschusses müssen jeweils aus dem Bereich des Justizwesens, der National- und der Gesundheitsökonomie, der Public Health/Epidemiologie, der Inneren Medizin, der Intensivmedizin, der Allgemeinmedizin, der Pflege, der Lehrerschaft, der Kinderbetreuung, der Psychologie und der Soziologie kommen und dürfen keiner der aktuell in Parlament und Regierung vertretenen Partei angehören und in den letzten 3 Jahren keine politische Funktion innegehabt haben.

Die Auswahl erfolgt nach Bewerbung beim Rechnungshof durch die Präsidentin und zwei Stellvertreter. Für die Tätigkeit des Ausschusses wird es eine Aufwandsentschädigung, aber keine sonstigen materiellen Zuwendungen geben. Die Ausschuss-Mitglieder (CMU-Mitglieder) erhalten im Namen des Rechnungshofs das Recht, während der Pandemie verantwortliche Personen (Politik, Kammern, Gecko, Ministerien) zu Gesprächen einzuladen, die Geladenen müssen dem Folge leisten. Den CMU Mitgliedern wird Einblick in die Finanzgebarung betreffend die Masken- und Impfstoff-Bestellung, COFAG und sämtliche anderen notwendigen Unterlagen gewährt.

Weiterlesen

Schuld vs Verantwortung

Auszug aus dem Buch MORAL 4.0 – ISBN 9783744890977ISBN 9783744890977

Jeder Mensch kennt die Situation, dass er – oft unbegründet oder unbegründbar – an Schuldgefühlen leidet. Das häufig anzutreffende individuelle Schuldbewusstsein ist kein Beweis, dass Schuld in Folge der sogenannten Erbsünde immer schon auf uns lastet, sondern nur dafür, dass 2000 Jahre christlich-theologischer Indoktrination deutliche Spuren in den Köpfen der Menschen Europas hinterlassen haben. Auf die Perpetuierung dieses Schuldbewusstseins haben sich die Kirchen spezialisiert, die keine Lösung der Probleme im Diesseits anbieten, sondern nur eine Erlösung im Jenseits. Dass Kirchen mit der Caritas und anderen sozialen Einrichtungen Erste Hilfe leisten, ist zwar gut, aber auch nur eine moderne Form, das Schuldbewusstsein zu beruhigen. Caritas ist im Prinzip Mitleid mit den Schwächsten eingebettet in eine öffentliche Institution, den Anforderungen unserer Zeit entsprechend als Unternehmen konzipiert.

Wenn Dir ethos.at wertvolle Informationen liefert, bitte um deine Bewertung via Spende!

Auf eine andere Form von Heilsversprechen, nämlich die Heilung des Schuldbewusstseins, hat sich die Psychoanalyse spezialisiert, wobei auch die Psychoanalyse – ich erlaube mir die Simplifizierung – den anderen (bevorzugter Weise den Eltern) die Schuld zuweist. Dabei dient die Ebene des Unterbewussten vorzüglich als Lagerstätte der Schuldgefühle. Psychotherapeuten bemühen sich, diese Gefühle auf die Ebene des Bewusstseins zu heben, damit der Patient sie dem Verursacher zurückgeben kann. Die Schuldzuweisung ist ein Muster, das seit Adam und Eva besteht. „Brauchen“ wir demnach immer einen Schuldigen? Anders gefragt: gehört es zum Wesen des Menschen und zur Aufrechterhaltung der Gemeinschaft, dass wir Schuldige haben? Die Antwort ist eindeutig: JA!

Der Begriff der Schuld ist weitgehend negativ (im Sinne von moralisch schlecht) bewertet. Nicht nur in Folge von Religion und Psychoanalyse, auch im Rechtswesen: der Schuldige wird bestraft, nur der Unschuldige wird frei gesprochen. In diesem Sinne ist gut, wer unschuldig ist. Nur eine positive Besetzung kennt das Wort: die Ent-Schuldigung. Womit das Ein-Geständnis einer Schuld (meist ein lässliches Vergehen oder ein einfaches Missgeschick) einher geht. Wie auch immer, der Common Sense kennt Schuld als negativen Begriff.

Auch wenn sich der Universalgelehrte Norbert Bischof „von der philosophischen Ethik allenfalls kritische Einwände und vor allem lohnende Fragestellungen“ erwartet, „aber nicht die Kompetenz, darauf auch belastbare Antworten zu geben“, [Norbert Bischof, Moral. Ihre Natur, ihre Dynamik und ihr Schatten, Wien Köln Weimar, 2012, S. 89] kennt die Philosophie eine Antwort zur Lösung, ja sogar zur Auflösung des Schuldproblems: das philosophische Synonym für Schuld, das diesen negativen Begriff vollständig ersetzen kann – nein, schon längst ersetzt hat, ist die Verantwortung!

Persönlicher Tipp: diese Aussage kannst du jederzeit nachprüfen: ersetze in jedem Satz, den du findest oder erfindest, und in dem der Begriff „Schuld“ vorkommt, diesen durch das Wort „Verantwortung“ und prüfe, ob der Sinn 1:1 erhalten bleibt. Wenn du einen Satz findest, auf den das nicht zutrifft, stehe ich in deiner Schuld (=übernehme ich die Verantwortung) und zahl dir den Preis für dieses Buch zurück.

In der positiven Bewertung des Begriffes Verantwortung berufe ich mich zunächst auf den Common Sense. Natürlich gibt es Menschen, die sich vor ihrer Verantwortung drücken wollen. Beispielsweise geschiedene Väter, die ihre Alimente nicht zahlen können oder wollen. Aber auch sie sind sich, das bezweifle ich nicht, im positiven Sinne ihrer Verantwortung bewusst – und wahrscheinlich drückt sie gleichzeitig das Schuldbewusstsein.

Die Umwertung der Schuld zur Verantwortung ist kein Etikettenschwindel, Schuld und Verantwortung sind keine Synonyme, die rein formal austauschbar sind. Um es nochmals zu betonen: es geht dabei um die gleichen Phänomene, aber um völlig unterschiedliche Werte und Weltanschauungen, die damit verknüpft sind. Die Bedeutung der Umwertung dieser Werte wird deutlich, wenn wir diese Begriffe „auseinanderdividieren“ und nach den moralischen Kriterien gut versus schlecht bewerten:

gut

schuldlos

verantwortungsvoll 

unschuldig

verantwortlich

schlecht

schuldhaft

verantwortungslos

schuldig

unverantwortlich

Verantwortung  Schuld

Wer ist schuld? Diese Frage quält nicht nur Menschen, die einen Psychiater aufsuchen. Diese Frage steht auch immer dann im Mittelpunkt der Kontroversen, wenn die Verursacher eines politischen Konfliktes gesucht werden. Sowohl für die psychologische als auch die politologische Ursachenforschung gilt: Niemand ist schuld, aber jeder trägt Verantwortung. Der Schuldbegriff ist antiquiert und gehört somit ins Antiquariat der Moralbegriffe. Im Unterschied zu Nietzsche ist diese Umwertung der Schuld zur Verantwortung kein Etikettenschwindel. Hier geht es darum, ein Phänomen, das zu den konstituierenden Werten unserer Zivilisation zählt – die Verantwortung – von seinem negativen Image und seinen negativen Auswirkungen zu befreien.

Noch ein wichtiger Unterschied: Schuld ist ihrem Wesen nach passiv (schuldig sein), Verantwortung ist aktiv (Verantwortung muss man übernehmen).

Aus der Logik der Umwertung der Schuld in Verantwortung folgt auch die Notwendigkeit zur Umwertung von Tod und Teufel – die mal einzeln, mal in Personalunion das religiöse Denken ebenso stark beeinflussen wie Gott der Gerechte und Gott die Liebe. Damit gehe ich nicht so weit wie Nietzsche, der die Lüge zur besseren Wahrheit macht. Wenn wir Luzifer ganz einfach wertfrei und wertneutral als Licht der Erkenntnis interpretieren, dann entspricht das Spannungsfeld Luzifer versus Gott exakt dem Kampf zwischen Wissenschaft und Kirche, den die Zivilisation seit Ausbruch des Christentums erlebt hat und immer noch erlebt.

Weiterlesen

EU – Western Balkans Summit 2022 in Tirana

UPF EU Western Balkan 2022

Vienna, Austria—Former Western Balkan heads of state, high-level officials and Balkans experts were the panelists at a one-day conference at the Diplomatic Academy of Vienna – Vienna School of International Studies. The Balkan Leadership Conference of November 11, 2022, titled „Western Balkan Countries and EU Relations – Challenges and Perspectives,” was held jointly by the Europe-Middle East branch of UPF and the Podgorica Club of former heads of state of the Balkan Peninsula.

The approximately 150 participants included representatives from 17 embassies, scholars, and NGO representatives. This event followed two UPF conferences on Western Balkan peace and security held in April and June of this year, co-sponsored by the Podgorica Club and the government of Kosovo, respectively.

In the context of the war in Ukraine and its impact on Western Balkan peace and security, respected statesmen from the region, as well as Austrian politicians and diplomats, offered their perspectives on the state of relations between the Western Balkans and the European Union.

Opening Panel

Ambassador Emil Brix, director of the Diplomatic Academy in Vienna, stated that as a result of the Ukraine war, we now tend to speak more urgently about the European security architecture and about making sure that the Western Balkans do not become front states in an ideological war between good and evil. Ambassador Brix thanked the participants for coming to the Diplomatic Academy in Vienna. He praised the Podgorica Club for taking ownership of the situation in the region, and assured them of his continued support.

In recorded welcoming remarks, Dr. Wolfgang Petritsch, the president of the Austrian Institute for International Affairs, described the new situation that has arisen in Europe as a result of the Ukraine war and all the ripple effects in the region and beyond. He suggested that the Western Balkan nations should be included first in an accelerated process of accession to the European Union and encouraged all states that are already members of the EU to use their expertise and contribute to this process wisely. He concluded by saying that this conference in Vienna was taking place at the right time.

Dr. Katsumi Otsuka, Chair UPF Europe and Middle East, greeted everyone on behalf of UPF and expressed his gratitude that the conference could be held at such a distinguished place in Vienna. “The hope of all ages has been to experience peace and prosperity”, he said. However, especially during the past 25 years we have experienced how difficult it is to realize this. The Ukrainian war in particular has shown us that there is still a long way to go.

Session 1:

The EU and NATO – European Security Architecture and the Position of the Western Balkans in Light of the Russian Aggression against Ukraine

Speaker: Dr. Werner Fasslabend, President, Austrian Institute for European and Security Policy

H.E. Alfred Moisiu, president of Albania (2002-2007),

H.E. Stjepan Mesić, president of Croatia (2000- 2010),

H.E. Mladen Ivanić, President of Bosnia Herzegovina (2015-2017)

Hon. Goran Svilanović, Serbian minister of foreign affairs (2000-2004)

H.E. Enver Hoxhaj, the deputy prime minister of Kosovo (2017-2019)

Session 2:

Western Balkans and the EU Accession Process Fatigue – Results, Responsibilities and Next Steps

H.E. Filip Vujanović, the president of the Podgorica Club and the president of Montenegro (2003-2018)

H.E. Rexhep Meidani, president of Albania (1997-2002)

Dr. Valentin Inzko, the high representative for Bosnia-Herzegovina (2009-2021) in a video message

H.E. Zlatko Lagumdžija, the deputy prime minister of Bosnia-Herzegovina (2001-2002)

Hon. Lukas Mandl, a member of the European Parliament from Austria

Dr. Michael Balcomb, a senior advisor to UPF for Europe and the Middle East

Session 3:

Youth, Peace and Security in Western Balkans – Moving Forward with the Energy and Optimism of the Next Generation

Slobodan Martinović, advisor to the former president of Montenegr

Aleksandar Savović, the chief of cabinet of former President Mladen Ivanić of Bosnia-Herzegovina

Lirjetë Avdiu-Vejsa, the chairwoman of the K Cultural Association, Vienna

Kirsty Rancier from Canada, the youth focal point for the United Nations Office on Drugs and Crime

Bogdan Pammer from Austria, the president of IAYSP for Europe and the Middle East

Luka Čekić, an expert on the Western Balkans at the International Institute for Peace

Contact:

Peter Haider, Universal Peace Federation Austria

+43 650 2588846

info@weltfriede.at

https://www.upf.org/associations/iapp + http://www.weltfriede.at

Weiterlesen