Über Aufklärung als Demokratieprinzip

Ein Briefwechsel mit Erich Wohlmann vom 16. September 2022

Sehr geehrter Herr Magister Thurnhofer!

Falls es nicht zu indiskret ist, würde mich als Ihr Unterstützer interessieren, wie viele Unterstützungserklärungen Ihnen gefehlt haben. Mir ist dabei völlig klar, wie schwer es ist, 6.000 Unterstützungserklärungen zu sammeln.

Ich selbst bin offensichtlich einer der ganz wenigen Wähler in Österreich, der sich ohne fremden Anstoß selbst informiert und dann entsprechend aktiv wird. Aus meiner Sicht ist das Bedauerliche an der österr. Wahlbevölkerung: die überwiegend große Passivität bzw. Ignoranz und das Denken und Handeln in eingefahrenen herkömmlichen Bahnen. Aber so ist es halt, die Leute sind so.

Ein typisches Beispiel ist auch das Abschneiden der Liste Roland Düringer bei der NR-Wahl 2017. Dieses Angebot an den unzufriedenen Protest-/Nichtwähler war m. E. durchaus originell und gut, wurde aber mit ca. 1% Wahlerfolg kaum angenommen.

Mit freundlichen Grüßen, Erich Wohlmann

 GrossGlockner800

 S.g. Herr Wohlmann,

herzlichen Dank für Ihre Mail und Ihre Unterstützungserklärung! Leider haben wir zu wenige Unterstützungserklärungen bekommen, allerdings auch zu wenig finanzielle Mittel für entsprechende Bewerbung. Dazu kam die Unterdrückung aller Infos durch die Leitmedien, insbesondere den ORF. Details siehe: EV gg ORF: „Die Klage war wegen Unzulässigkeit zurückzuweisen“.

Tatsächlich habe ich auf die Wirkkraft von Argumenten gehofft, aber wie Sie richtig bemerkt haben, gibt es nur wenige aufgeklärte Bürger, die sich eine eigene Meinung bilden, und: dann auch eine Entscheidung treffen und entsprechend handeln.

Meine erste phänomenologische Problemanalyse finden Sie in der Rubrik Transparenz.

Herzlichst, Hubert Thurnhofer

 

Sehr geehrter Herr Thurnhofer,

herzlichen Dank für Ihre freundliche Antwort!

Ich bin 60 Jahre alt und verfolge Politik seit ca. 50 Jahren, seit der Kreisky-Ära der 70er Jahre. Da ergibt sich natürlich eine gewisse Beobachtungserfahrung, auch hinsichtlich des Wahlvolks. Mein Eindruck liegt sehr nahe bei diesem bekannten Zitat:

"Psychologie der Massen, 2. Kapitel: Unmittelbare Triebkräfte der Anschauungen der Massen

§ 2 Die Täuschungen · Ihre Wichtigkeit · Man findet sie in Anfängen jeder Kultur · Soziale Notwendigkeit der Täuschungen · Die Massen ziehen sie stets den Wahrheiten vor ... Seit der Morgenröte der Kultur sind die Völker immer dem Einfluß von Täuschungen ausgesetzt gewesen. Den Schöpfern von Täuschungen haben sie die meisten Tempel, Bildwerke und Altäre errichtet. ... Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären versucht, stets ihr Opfer."  Gustave Le Bon (1841 -1931, französischer Psychologe und Soziologe)

In diesem Sinne sehe ich die Erfolgsaussichten i. a. äußerst schlecht, der Masse ein aufgeklärtes Angebot zu machen.

Immerhin haben es nun doch sechs andere Kandidaten geschafft, gegen den amtierenden Bundespräsidenten bei der Wahl anzutreten. Ich sehe das als etwas Gutes und Erfreuliches. Trotzdem wird VdB mit großer Wahrscheinlichkeit als BP wiedergewählt werden. Das ist eine demokratische Mehrheitsentscheidung.

Ihnen, lieber Herr Thurnhofer, danke ich sehr herzlich für Ihre bisherigen Bemühungen und Ihren Einsatz. Sie haben sich idealistisch einer leider äußerst undankbaren Sache gewidmet.

Beste Grüße! Erich Wohlmann