Genie/Schley: Bösbuch

Das "Bösbuch. Neue Normalität Vol 1" erobert die Welt! Es stellt allerdings keinen globalistischen Anspruch, sondern einen universellen, denn es ist "das weltweit erste und einzige (nicht nur politisch) absolut korrekte Cartoonbuch! Völlig schnuppe, welcher Herkunft, Haut- oder Parteifarbe, Religionsabhängigkeit oder sexueller Irritation: Jeder jede jedes hat das Recht verarscht zu werden! Alles andere wäre Ausgrenzung!"

Jean Génie (Hans Christian Feichtinger) und Karsten Schley vereinen in dem Buch ihre Sichtweisen von Gott und der Welt; anders gesagt: vom Geist und dem Ort seiner Abwesenheit. Ein paar Ausschnitte exklusiv auf ethos.at

Chodorkowski Michail: Wie man einen Drachen tötet

Chodorkowski Drachen

Handbuch für angehende Revolutionäre. Aus dem russischen von Olaf Kühl.

Erschienen im Europa-Verlag, Februar 2023

- Auch wenn die Revolution nicht notwendiger Weise gewaltsam verlaufen muss, so müssen die Revolutionäre bereit zur Gewaltanwendung sein.

- Auch wenn die Revolutionäre die "Musterschüler" des alten Regimes beseitigen müssen (Lustration), so werden die neuen Herrscher mit großen Teilen des bestehenden Apparates weiter arbeiten müssen.

- Auch wenn die Revolutionäre die Macht in der Zentrale übernehmen und absichern müssen, so kann die Revolution nur durch konsequente Dezentralisierung und Einführung des Föderalismus gelingen.

Das sind die wichtigsten Grundthesen von Chodorkowski, der Putin und das System des Putinismus besser kennt, als alle Russlandexperten des Westens zusammen genommen. Chodorkowski, geboren 1963, hat als junger Komsomolze (Nachwuchskader der KPSdU) Persestrojka nicht nur mit erlebt sondern als einer der ersten Privatunternehmer mit gestaltet. Bereits 1990 gründete er seine Privatbank, gelangte bald in den Beraterstab von Jelzin wurde Vizeminister für Energie und konnte sich aus dieser Gemengelage 1995/96 über 45 Prozent des Mineralölkonzerns Jukos sichern, der ihn - lange vor Putin - zu einem der reichsten Männer Russlands machte.

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Rosegger Peter: Erdsegen

Vertrauliche Sonntagsbriefe eines Bauernknechtes

Ein Kulturroman

Hans Trautendorffer, "Wirtschaftlicher Redakteur der 'Kontinental-Post'" aus Wien hat in der Silvesternacht mit seinem Chef eine Wette abgeschlossen: er werde ein Jahr lang auf dem Land als Bauernknecht leben. An Sonntagen schreibt er Briefe an seinen Freund. Der Roman spielt auf dem Bergbauernhof "Adamshaus im Almgai" im Jahr 1897, während Wien fin de siècle zelebriert. (Ersterscheinung: 1900)

Karin Brandauer hat diesen Stoff 1986 verfilmt, das Drehbuch hat der kongeniale Autor Felix Mitterer geschrieben.

https://www.youtube.com/watch?v=-7xkvFTdSgk

Auszüge aus dem Roman von Peter Rosegger:

"Die Gegend ist eigentlich ganz verdammt. Die Waldberge an beiden Seiten steil und schwarz wie umgestülpte Riesenkohlenkörbe; die Schluchten so enge, daß eine Heufuhr und ein Dickschädel nicht füreinander können. ... Hoch oben bei den letzten Hütten, so wurde mir gesagt, hätten sie alleweil zu wenig Dienstleute, weil keiner bleiben wollte, der dort nicht festgewachsen ist wie Zerbenholz. Und sogar das Zerbenholz wartet sehnsüchtig auf Lawinen, um talwärts zu kommen und dort etwa durch einen Kunsttischler zu fein polierten Kommodeurs, Chiffonneurs und Sekretärs avancieren zu können."

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Anders Günther: Die Antiquiertheit des Menschen

Anders G Vita

Einer der Pioniere im Kampf gegen die Atombombe und gegen Atomkraftwerke ist der Philosoph Günther Anders (1902-1992). Die Atombombe ist das zentrale Thema seines Buches "Die Antiquiertheit des Menschen". Der erste Teil, erschienen 1956, handelt "Über die Seele im Zeitalter der Zweiten Industriellen Revolution". Der zweite Teil besteht aus Essays, Analysen, Diagnosen und Prognosen, die Anders nach dem II. Weltkrieg sukzessive bis zum Erscheinungsdatum 1979 geschrieben hat. Hier einige Zitate aus dem Teil II mit dem Titel: "Über die Zerstörung des Lebens im Zeitalter der Dritten Industriellen Revolution", eine "Anthropologie im Zeitalter der Technokratie".

Vita (c) Internationale Günther Anders Gesellschaft, Nationalbibliothek Wien

Siehe auch: Der Begriff der Geschichte bei Günther Anders
Diplomarbeit von Philippe Armand Rene Mosshammer, Download als pdf auf dem Server der UNI Wien

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Vermes Timur: Er ist wieder da

Es gehört zum Zeitgeist 2023, vielmehr zum Ungeist unserer Zeit, dass hochrangige Politiker ihre politischen Feinde mit Hitler vergleichen. Zum Programm der Vergangenheitsbewältigung, das gescheitert ist und als Vergangenheitsbewältigungskult weiter lebt, gehört, Hitler als größten Bösewicht der Geschichte und die Nazidiktatur als Unrechtsstaat zu charakterisieren. Diese Charakteristik erhebt die Nazidiktatur nolens volens zur einmaligen Ausnahmeerscheinung in der Geschichte der Menschheit, das Mantra, "es darf nie wieder passieren", somit zu einer leeren Floskel, weil ja die Einmaligkeit bereits in der Geschichtsschreibung außer Frage gestellt wurde. In diesem Kontext stellt sich die Frage, ob man Hitler mit menschlichem Antlitz darstellen darf. Der Journalist Timur Vermes hat dies in seinem ersten Roman, der 2012 sofort zu einem Bestseller geworden ist, getan. Mit gefinkelten literarischen Kunstgriffen ist ihm ein großer Wurf gelungen. Ist es ein Buch über den totalen Wahnsinn oder über einen ganz normalen Spinner? Eine Persiflage oder eine Hommage?

(Folgender Text ist erstmals im Februar 2016 auf thurnhofer.cc erschienen.) Ein Buch über Adolf Hitler, der 2011 wie vom Himmel gefallen wieder in Berlin auftaucht und eine Blitz-Karriere hinlegt. Im Medienzeitalter passend als Showmaster, der den Führer mimt (so die Sicht der Produktionsfirma Flashlight), als von der Vorsehung Auserwählter um im zweiten Anlauf den Endsieg zu erringen (so die Sicht von ihm, Adolf Hitler). „Er ist wieder da“, das Romandebüt des gelernten Historikers, Politologen und Journalisten, Timur Vermes, hat – man kann es nicht anders sagen – wie eine Bombe eingeschlagen.

Wikipedia: „Insgesamt wurden bis August 2015 über 2.000.000 deutsche Exemplare sowie über 300.000 Hörbücher verkauft. Die Auslandsrechte wurden an über 41 Länder vergeben und seit Herbst 2014 liefen die Dreharbeiten für die Verfilmung. … Er ist wieder da wurde 2015 unter der Regie von David Wnendt verfilmt, die Rolle Hitlers spielt Oliver Masucci.“

„Hitler, Adolf“ erzählt in der Ich-Form, der Autor findet den richtigen Sprachduktus, der für jede Menge Verwechslungen, Slapstick-Szenen und Kalauer geeignet ist. Aber der Autor überspannt den Bogen nie, verzerrt Hitler nie ins Groteske. Auch die Charaktere und Soziolekte der übrigen Figuren wirken authentisch. Die Menschen und Szenen sind glaubwürdig aus dem Leben, insbesondere aus der Medienwelt gegriffen. Timur Vermes geht sogar noch einen Schritt weiter: er zeichnet Adolf Hitler mit menschlichem Antlitz, der durchaus empathische Züge hat, wenn er sich den Sorgen seines Volkes, insbesondere seiner Mitarbeiter im Filmstudio widmet.

Im Roman startet Hitler seine TV-Karriere mit einem Auftritt in der Sendung des Comedian Ali Wizgür: „Aufgrund genetischer Vermischung paarte sich hier welsches, ja asiatisches Aussehen mit tadellosem, wenn auch in schwer erträglichen Dialekt gefärbtem Deutsch. Diese Mischung gerade schien es, die jenem Wizgür seine Funktion ermöglichte. Sie entsprach in etwa der jener weißen Schauspieler, die sich in den USA schwarz schminkten, um Rollen als Darsteller für dümmliche Neger zu erhalten.“ (S. 150, O-Ton Hitler). Seine erste Ansprache löst eine heftige Kontroverse im Produktionsteam aus, doch die Quote gibt ihm recht. Bald bekommt Hitler eine eigene Sendung, in der er Missstände, insbesondere bei den parlamentarischen Parteien, schonungslos anprangert. Dass er auch die Schlappschwänze der NSDAP-Parteizentrale in Köpenick vorführt, bringt Hitler die höchste Anerkennung in der Medienindustrie, den Grimmepreis, aber auch eine Tracht Prügel von rechten Recken, die ihn krankenhausreif schlagen.

Die literarische Qualität des Romans ist überragend. Somit bleibt nur die moralische Frage offen: darf man Hitler ein menschliches, allzu menschliches Antlitz geben? Anders als der Film von Dani Levy, „Mein Führer“, der 1945 spielt und klar als Persiflage auf Hitler und den Nazismus angelegt ist, ist der Roman von Vermes keine Persiflage auf „meenen Führa“ (so die Wortwahl von „Fräulein Krömeier“, der dem „Führer“ zugeteilten Sekretärin), sondern in Wahrheit eine Persiflage auf den aktuellen Zustand unserer Gesellschaft im Allgemeinen und der Medienwelt im Besonderen.

Dass ausgerechnet ein Hitler dieser Welt den Spiegel vorhält und dabei gut eingespielte Mechanismen und Seilschaften entlarvt, und zwar glaubwürdig entlarvt, das ist die tiefere Wahrheit dieses Romans. Oder vielleicht doch die infame Doppelbödigkeit des Buches! Denn Hitler kommt hier nicht monströs, nicht grotesk, sondern tatsächlich menschlich rüber. Das ist ein Bruch mit der bisherigen Form der Vergangenheitsbewältigung, den viele als Affront oder Verharmlosung sehen werden.

Man kann darin allerdings aber auch einen moralischen Appell des Autors sehen: warten wir nicht darauf, bis uns ein neuer Hitler mit seiner Wahrheit von den Übeln dieser Welt zu befreien verspricht. Ziehen wir – nachdem alle Gräueltaten der Nazis detailliert dokumentiert, aufgearbeitet und von der Mehrheit der Deutschen bewältigt sind – einen Schlussstrich unter die Vergangenheitsbewältigung und beginnen wir „Babyboomer“ endlich mit der Zukunftsbewältigung! Und die kann nicht gelingen, wenn sich alles um die Frage dreht, ob es in Deutschland einen neuen Hitler geben kann, und wie der wohl auftreten wird. Die zentrale Frage zur Bewältigung der Zukunft lautet: wann werden wir endlich lernen zu durchschauen, welche Systemzwänge und Ideologien unser Denken heute dominieren und welche (demokratisch nicht legitimierten) Kräfte die Systemzwänge und die wachsende Anzahl von Systemmängeln schon längst für sich instrumentalisieren um uns alle zu manipulieren.

Weniger sperrig formuliert, hier die Antwort auf die eingangs gestellte Frage: „Er ist wieder da“ ist ein Buch über den ganz normalen Wahnsinn unserer Gesellschaft im 21. Jahrhundert und eine Persiflage auf die weitgehende Kritikunfähigkeit der heutigen Medien, die sich dem totalen Diktat der Quote unterworfen haben; Ergänzung 2023: und den Herrschaften unserer Regierungen, denen sie aus der Hand fressen, weil sie von diesen ausgesprochen gut gefüttert werden.

Timur Vermes

Er ist wieder da

Gundacker Josef: Prinzipien wahrer Liebe und Sexualität

Gundacker Wahre Liebe

Diese Publikation soll ein Weckruf sein und die Augen öffnen für die falschen Prämissen und irreführenden Botschaften der Sexualpädagogik der Vielfalt. Sie will aber auch dazu anregen, über die Notwendigkeit einer Charakterbildung nachzudenken. Sie ist daher auch als ein Plädoyer für Charakterbildung und den Werten des Wahren, Guten und Schönen gedacht.

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Stangl Manfred: Ästhetik der Ganzheit

Stangl Ästhetik falter.shop

Es ist unmöglich in die Fußstapfen von Egon Friedell zu treten, der mit seiner "Kulturgeschichte der Neuzeit" ein epochales Werk geschaffen hat. Diese Intention hatte Manfred Stangl nie, das Unmögliche ist ihm trotzdem gelungen. Sein Buch "Ästhetik der Ganzheit" könnte auch den Titel "Kulturgeschichte der Moderne" tragen.

Moderne / Postmoderne / Hochpostmoderne charakterisiert Stangl schon in der Einleitung: "Die Regel herrscht derzeit, keine zu befolgen - Neuheit, Originalität, Außerodentliches und artifizielle Form gelten als Kunst. ... Harmonie, Schönheit, Ordnung gelten als erzkonservative Werte, Fortschritt heißt das Gute, selbst wenn er Mensch und Natur zerstört." (25) Unter "Hochpostmoderne" versteht Stangl den "ziemlich weit verbreiteten Stand der Anti-Ästhetik, die sich schon im Unwillen zeigt, den Begriff 'Ästhetik' gelten lassen zu wollen (wozu auch, wenn nichts Verbindliches existiert außer das 'stets neue Schaffen' der KünstlerInnen und das persönliche Geschmacksurteil?)". (197)

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Seywald Wilfried (Hg): Wandel

Fotodienst Fresach2022

Wie kommt das Neue ins System?

(pts006/13.01.2023) - Die Europäischen Toleranzgespräche (ETG) im Kärntner Bergdorf Fresach stellten sich im Vorjahr 2022 der Frage "WANDEL – Wie kommt das Neue ins System?" Eine Reihe von Diskussionsbeiträgen liegt nun auch in gedruckter Form vor. Das Lesebuch des Denk.Raum.Fresach ist ab sofort online auf Books on Demand bestellbar.

(c) fotodienst. Podiumsdiskussion zum Thema "Gelobtes Land, Geschlossene Gesellschaft" am 2. Juni in Fresach. Vlnr: Martin Klemenjak, Fresach-Präsident Hannes Swoboda, Moderator Peter Fritz (ORF), Politologin Sieglinde Rosenberger, Literaturwissenschafter Wolfgang Müller-Funk und Hauptstadt-Autor Robert Menasse.

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Thurnhofer Hubert: Pellets

Alfred Melchert GRETA und das KLIMA

Klimawandel, Energiewende und der Wald

Drei Monate recherchierte der Autor im Frühjahr 2021 im Auftrag von proPellets das Campaigning internationaler NGOs gegen die energetische Nutzung von Biomasse, insbesondere Holzpellets, zur Energiegewinnung. Im Juli hat er dazu das Manuskript "Pellets. Klimawandel, Energiewende und der Wald" vorgelegt, das als Buch erscheinen sollte; proPellets hat das Manuskript jedoch schubladisiert. 2022 hat der Autor bereits Kapitel 1 und 3 auf ethos.at veröffentlicht. Im Jahr 2023 folgen die weiteren Kapitel. Das Manuskript ist nach wie vor aktuell, da in der EU seit September eine Richtlinie diskutiert wird, wonach Holz nicht mehr zur Energiegewinnung verwendet werden soll. Die österreichische Holzwirtschaft läuft dagegen Sturm. Ein erstes Stimmungsbild zeichnet kaernten.orf.at am 14. September 2022.

Bilder: Alfred Melchert, Watching Greta und Bleeding Greta

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Jonas Hans: Das Prinzip Verantwortung

Vor über genau 40 Jahren hat der Philosoph Hans Jonas eine Zukunftsethik entwickelt, die den möglichen Bedrohungen der Menschheit durch die Technik gerecht werden soll. Der Titel des Werkes ist Programm: „Das Prinzip Verantwortung“. Jonas geht von folgender Beobachtung aus: „Die moderne Technik hat Handlungen von so neuer Größenordnung, mit so neuartigen Objekten und so neuartigen Folgen eingeführt, dass der Rahmen früherer Ethik sie nicht mehr fassen kann."

„Die Kluft zwischen Kraft des Vorherwissens und Macht des Tuns erzeugt ein neues ethisches Problem. (…) Keine frühere Ethik hatte die globale Bedingung menschlichen Lebens und die ferne Zukunft, ja Existenz der Gattung zu berücksichtigen.“

Aus diesen Befunden leitet Jonas einen neuen kategorischen Imperativ ab. „Handle so, daß die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“ Einfacher gesagt: bei allem, was du planst und tust, behalte die Zukunft, insbesondere die Zukunft deiner Nachkommen, im Auge. Wir müssen heute die Verantwortung für die Zukunft übernehmen, auch wenn uns die Zukunft für unser heutiges Handeln nicht zur Verantwortung ziehen kann. Jonas schreibt, für seinen Stil ziemlich pathetisch: „Durch die Art und die schiere Größe ihrer Schneeball-Effekte treibt technologische Macht uns vorwärts zu Zielen einer Art, die früher das Reservat von Utopien war.“

Jonas setzt sich in weiterer Folge intensiv mit dem Kommunismus auseinander, jener Utopie, an der ein westlicher Intellektueller seiner Zeit offenbar nicht vorbei konnte. Dabei geht er insbesondere auf die Grundsätze und Überlegungen von Ernst Bloch ein, dessen Buch „Prinzip Hoffung“ auf der marxistischen Utopie basiert. So ist das Prinzip Verantwortung auch als Antithese zum Prinzip Hoffnung zu verstehen.

Die Forderung nach Fernprognosen, bei denen all jenen höhere Aufmerksamkeit zu widmen ist, die negative Ergebnisse vorhersehen, als jene, die positiv prognostizieren, ist auch in unserer Zeit und auf unsere Zukunft anwendbar. Denn nur so kann eine Verantwortung für die Zukunft wahr genommen werden, indem man negative Entwicklungen so weit wie möglich ausschließt.

40 Jahre nach den Bedrohungsszenarien, die Hans Jonas bei seinen Untersuchungen maßgeblich geprägt haben, nämlich der Kommunismus und die Atombombe, insbesondere die Atombombe in den Händen der Kommunisten, haben sich die Bedrohungsszenarien nicht nur verschoben, sondern auch vervielfacht. Die Technik an sich scheint der Mensch wieder fest im Griff zu haben. Sogar Roboter, die uns buchstäblich Arbeit abnehmen, sind und bleiben von Menschen gesteuert, auch dann wenn sie mit „selbstlernenden“ Algorithmen „gefüttert“ werden. Geblieben sind die Bedrohungen durch das Tempo der Veränderung, die Dichte der Vernetzung sowie den Verlust der Verantwortung.

Siehe auch Kommentar auf fischundfleisch am 14.1.2020: Türkis-Grün will „aus Verantwortung für Österreich“ regieren. Das zumindest ist der Titel des Regierungsprogramms, das bis 2024 halten soll. Es ist ein Gebot der Höflichkeit (auch wenn Höflichkeit nicht „in“ ist) die Absichten eines Menschen Ernst zu nehmen. Das gilt auch für die Absicht einer Regierung.

Siehe auch: Schuld vs Verantwortung, Auszug aus dem Buch "Moral 4.0".