Sloterdijk Peter: Der Kontinent ohne Eigenschaften

Sloterdijk Kontinent Cover

Lesezeichen im Buch Europa, Suhrkamp 2024

Der Suhrkamp-Verlag schreibt über das jüngste Buch des Philosophen: „Über Europa sind viele Bonmots und Untergangsdiagnosen im Umlauf. Man wisse nicht, unter welcher Nummer man Europa erreichen könne, seine Bewohner seien dekadent, der Halbkontinent, der einst den »Rest der Welt« kolonisierte, sei nun seinerseits in den Rest geraten etc.

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Doch wie im Fall Mark Twains erweisen sich Nachrichten vom Ableben der »Alten Welt« regelmäßig als stark übertrieben. Gleichwohl sind sich die Europäer ihrer Eigenschaften nicht mehr sicher: »Sie wissen nicht, woher sie kommen, erst recht nicht, wohin die Reise geht.« Um Orientierung zu stiften, blättert Peter Sloterdijk im Buch Europa einige Lesezeichen auf, etwa das des Kulturphilosophen Eugen Rosenstock-Huessy, der die »Autobiografie des westlichen Menschen« als Sequenz politischer Revolutionen erzählte. Sloterdijk öffnet auch das »Buch der Geständnisse«, aus dem sich ein bezeichnender Geist der Selbstkritik erklärt. Und er zitiert aus dem »Buch der Ausdehnungen«, das Europas Missionen im Zeitalter der nautischen Globalisierung illustriert.

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Petrowsky Martin: Ein Loch im Sand

Petrowsky Martin Essays

Essays und Glossen über das Denken unserer Zeit

Der Autor, geboren 1942 in Wien, ist seit 2002 Geschäftsführer der Erika Mitterer Gesellschaft und Schriftleiter der Kulturzeitschrift „Der literarische Zaunkönig“, sowie Herausgeber der Bücher seiner Mutter Erika Mitterer. 2020 erschien der vorliegende Sammelband im Verlag PROverbis; über diesen schreibt Peter Marboe:

Dieses Buch ist ein Glücksfall.

Den einen oder anderen Kommentar hat man ja – ziemlich regelmäßig im Literarischen Zaunkönig – gelesen und in Erinnerung. Aber dass man Martin G. Petrowskys Essays jetzt gesammelt vor sich sehen kann, dass alle noch vorhanden waren, dass der Autor sie nach Themenkreisen zusammengestellt hat und ein Verlag bereit war, dieses Konvolut als Buch zu publizieren, ist jedenfalls kein alltägliches Unterfangen, sondern viel mehr: ein Glücksfall eben.

Cover-Bild von Eva Meloun

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Wohlmeyer Heinrich: Globales Schafe Scheren

Wohlmeye Heinrich

Gegen die Politik de Niedergangs, 2006

Es ist der Wunsch aller Schafe, nicht geschoren zu werden. Karl Kraus

Warum wehren sie sich dann nicht? Heinrich Wohlmeyer

Weil sie nur folgen gelernt haben. Hubert thurnhofer

4. Jänner 2025 - Der Autor ist ein Mann der Tat. Die Liste seiner Funktionen und Positionen, die er im Laufe eines langen Lebens inne hatte, wird nur übertroffen von der Liste an Titeln, die er erworben, und Ehrentiteln, die ihm verliehen wurden. Als Autor folgt er seinem Erfolgsrezept als Manager: „I. Sehen, II. Urteilen, III. Handeln. Es ist schwer, Breite und Tiefe von Wohlmeyers Analysen und Urteilen, wiederzugeben. Deshalb beschränkt sich ethos.at mit „The Best of…“ - immer in Hinblick darauf, dass diese Zeilen vor rund 20 Jahren geschrieben wurden.

Foto: Dr. Wohlmeyer mit dem Bild "Das letzte Abendmahl" von Albert Hoffmann im Kunstraum, 2016

SIEHE AUCH: Vorhalt an die Bundesregierung vom November 2021

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Hudson Michael: Der Sektor

Hudson Sektor

Warum die globale Finanzwirtschaft uns zerstört

Killing the Host. How Financial Parasites and Debt Destroy the Global Economy, 2015

Auszüge aus dem Vorwort für die deutsche Ausgabe

„Der Erste Weltkrieg und seine Nachwirkungen zeigen, wie kurzsichtig die Vorstellung ist, eine strenge Sparpolitik können Output für den Export ‚freisetzen‘. John Maynard Keynes war derjenige, der die gängige Vermengung des fiskalischen Problems (wie viel inländische Währung kann ein Staat besteuern?) mit dem Transfer-Problem am verständlichsten erklärte: Wie viel Fremdwährung kann bezahlt werden?

Alle Hyperinflationen (außer Simbabwe) sind eine Folge des Bestrebens, eine höhere Summe an Auslandsschulden zurückzuzahlen, als die entsprechende Volkswirtschaft an Devisen zu erwirtschaften vermag. Ein strenger Sparkurs der öffentlichen Hand kann dieses Transferproblem nicht lösen, weil Austerität und Schuldendeflation Produktionskapazitäten zerstören und Arbeitnehmer dazu bewegen, auf der Suche nach Arbeit ins Ausland abzuwandern. Die Umlenkung von Einkommen weg von der inländischen Produktion hin zur Befriedigung von Gläubigern gleicht dem ‚therapeutischen‘ Vorgehen eines mittelalterlichen Quacksalbers, der seine Patienten umso häufiger zur Ader lässt, je kränker sie werden.

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Hudson Michael: Finanzimperialismus

Hudson Finanzimperialismus

Die USA und ihre Strategie des globalen Kapitalismus

Stuttgart 2017 (London 2016)

(16.12.2024) Das im Westen gängige Narrativ seit dem Ende des 2. Weltkriegs lautet: die Großmächte US und SU (und ihre Alliierten) haben Nazideutschland besiegt; danach haben sich US und SU Europa aufgeteilt. Die USA und Westeuropa bildeten fortan den „Westen“, militärisch gestützt von der NATO, die Sowjetunion und ihre Satelliten den „Ostblock“ mit dem Warschauer Pakt als Militärbündnis. Es gilt: hier Demokratie = Freiheit = Kapitalismus, dort Diktatur = Unterdrückung = Kommunismus. Bis zum Tod Stalins 1953 war die Gleichung des Ostblocks weitgehend richtig. Die Gleichung des Westens war nie wahr, sondern immer eine Täuschung der Europäer (und des Rests der Welt) durch die Amerikaner. Da „der Westen“ bis 1989 in den meisten Bereichen besser da stand als „der Ostblock“, konnte sich die die US-Lüge so tief verwurzeln, dass sie bis heute vom Großteil der EU-Bürger als Wahrheit angesehen wird.

Wahr ist jedoch: die USA haben bereits nach dem 1. Weltkrieg ein System von Täuschungen, Doppelmoral und Abhängigkeiten zum Auf- und Ausbau ihrer imperialen Machtinteressen errichtet; und zwar mit Methoden der Planwirtschaft, die jene der Sowjetunion in den Schatten stellen. Zu diesem Schluss gelangt man bei der Lektüre des Buches „Finanzimperialismus“ von Michael Hudson.

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Spengler Oswald: Der Untergang des Abendlandes

Oswald Spengler Untergang UdA

Vorwort zur 33. - 47. Auflage (Neubearbeitung)

Alle Zitate aus Projekt Gutenberg + Seitenangaben folgen der Ausgabe des Anaconda Verlags, München 2021

Am Schlusse einer Arbeit, die vom ersten kurzen Entwurf bis zur endgültigen Fassung eines Gesamtwerks von ganz unvorhergesehenem Umfang zehn Lebensjahre umfaßt, ziemt sich wohl ein Rückblick auf das, was ich gewollt und erreicht, wie ich es aufgefunden habe und wie ich heute dazu stehe.

In der Einleitung zur Ausgabe von 1918 – einem Fragment nach außen und innen – hatte ich gesagt, daß hier nach meiner Überzeugung die unwiderlegliche Formulierung eines Gedankens vorliege, den man nicht mehr bestreiten werde, sobald er einmal ausgesprochen sei. Ich hätte sagen sollen: sobald er verstanden sei. Denn dazu bedarf es, wie ich mehr und mehr einsehe, nicht nur in diesem Falle, sondern in der Geschichte des Denkens überhaupt einer neuen Generation, die mit der Anlage dazu geboren ist.

SIEHE AUCH: Philosophische Praxis

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Breit Konrad: Objektiv

Breit Konrad

Konfession statt Profession im Journalismus

(Information des Verlags ars vobiscum) - In “OBJEKTIV – Konfession statt Profession im Journalismus” setzt sich Dr. Konrad Breit kritisch mit der Rolle der Medien in der heutigen Gesellschaft auseinander. Anhand von Gesprächen mit österreichischen Journalisten und persönlichen Beobachtungen während der Corona-Pandemie beleuchtet er die Herausforderungen, vor denen der Journalismus steht.

Das Buch hinterfragt, wie unabhängig und objektiv die Berichterstattung in Krisenzeiten wirklich ist und zeigt auf, wie wichtig es ist, Medieninhalte bewusst und kritisch zu konsumieren. Mit seinen fundierten Analysen und praktischen Beispielen bietet es wertvolle Impulse für alle, die sich intensiver mit der Medienlandschaft auseinandersetzen möchten.

Das Buch besteht aus 3 Teilen. 8 Exkurse zu Spezialthemen reichern das Buch an:

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Scianna Bastian Matteo: Sonderzug nach Moskau

Geschichte der deutschen Russlandpolitik seit 1990

(C.H. Beck Verlagsinformation) - Seit dem 24. Februar 2022 steht die deutsche Russlandpolitik vor einem Scherbenhaufen. Ihre Strategien sind gescheitert. Ihre Grundüberzeugungen erschüttert. In Deutschland und international wird heftig über sie gestritten. War sie von Anfang an verfehlt? Wie weit reichte der Einfluss Russlands und seiner Netzwerke? Befand sich die Bundesrepublik auf einem Sonderweg? Bastian Matteo Scianna hat bislang unzugängliche Archivbestände ausgewertet und legt die erste wissenschaftlich fundierte Aufarbeitung zu einem der umstrittensten Themen der deutschen Zeitgeschichte vor.

Bastian Matteo Scianna hatte Zugang zu unbekanntem Archivmaterial aus dem In- und Ausland, unter anderem zu den Akten des Kanzleramts unter Helmut Kohl, zu den Protokollen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion oder Gesprächsmitschriften aus britischen und amerikanischen Quellen. Seine grundlegende Analyse zeigt, dass die Geschichte viel komplexer ist als manchmal dargestellt. Die deutsch-russischen Beziehungen waren besonders und genossen einen hohen Stellenwert. Es fuhr daher ein Sonderzug nach Moskau. Doch stand die Bundesrepublik in Europa keineswegs allein und war nicht nur "blind und naiv", wie manche Kritiker behaupten. Andere Länder glaubten ebenfalls an «Wandel durch Handel» und wollten mit Russland zusammenarbeiten: Die "Utopie der Verflechtung" war keinesfalls ausschließlich Made in Germany. Auch andernorts folgte man internationalen Interessen und erkannte zugleich die Grenzen des eigenen Einflusses auf die Entscheidungen des Kremls. Dass Deutschland heute so stark in der Kritik steht, ist trotzdem teilweise gerechtfertigt: Denn man hatte keinen Plan B und keine Strategie für den Ernstfall. Die Bundeswehr verkümmerte. Die Ukraine wurde nicht aufgerüstet. Dialog, Entspannung und Einbindung waren noble Versuche, die aber ohne eine glaubwürdige Abschreckungspolitik in der Luft hingen und am Ende zusammen mit energiepolitischen Irrwegen die Sicherheit Europas gefährdeten.

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Z wie Zensurio

Zensurio

Zensur wurde in Österreich bereits 1867 mit dem Staatsgrundgesetz abgeschafft. Wer heute noch Massenmedien liest, kann sicher sein, dass deren Gleichschaltung nicht durch Zensur, sondern durch Selbstzensur passiert. In Österreich agiert die Zensur nicht durch Verbotsmechanismen, sondern durch Belohnungsmechanismen, wie ethos.at am Beispiel der „Qualitätsjournalismusförderung“ aufgezeigt hat.

Die Plattform Zensurio.net steht natürlich für das Gegenteil von Zensur. Das Logo verweist auf Zorro, den Rächer der Armen (die keine Zeit zum Lesen finden). Aber auch die Assoziation mit Zenturio, dem Vorkämpfer und Anführer einer Hundertschaft, ist naheliegend. Eine eigene Seite widmet der Herausgeber lesenswerten Büchern. Und weil die meisten Menschen schon aufgegeben haben, selbst Bücher zu lesen, nimmt ihnen Zenturio einen Teil der Arbeit ab, und liefert frei Haus Kurzfassungen – als Vorleser einer hoffentlich schnell wachsenden Schar von Nachlesern.

Der Herausgeber merkt an: „Im Folgenden gebe ich die für mich interessantesten Aussagen aus diesem Werk in eigener Formulierung wieder. Diese Zusammenfassung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit oder Repräsentation des Autors. Sie spiegelt auch nicht zwingend meine Meinung wieder. Ich gebe zu den jeweiligen Angaben die Seitenzahl an, auf der entsprechende Informationen im Buch zu finden sind. Ob die getroffenen Aussagen wahr sind, bleibt der eigenen Recherche überantwortet.“

Bisher erschienen (Stand 15.10.2024)

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Mühlbauer / Lakitsch: Kritische Friedensforschung

Josef Mühlbauer, Maximilian Lakitsch (Hg.)

Kritische Friedensforschung. Konzepte, Analysen & Diagnosen

Mit Beiträgen u. a. von Dieter Segert, Claudia Brunner, Roy Casagranda, Werner Wintersteiner, Gerhard Senft und Mohssen Massarat

Mandelbaum Verlag, 2024

https://www.youtube.com/watch?v=YauLrbzAkwU

(Verlagsinformation) - Die militärische Invasion der Ukraine durch Russland zu Beginn des Jahres 2022 sowie die Covid-19-Pandemie haben gesellschaftliche und politische Dynamiken in Gang gebracht und zu zahlreichen Verwerfungen geführt. Gewissheiten wurden erschüttert, Grenzen und Zuordnungen verschoben. Vor diesem Hintergrund diskutiert dieser Band politische, soziale, und ökologische Prozesse und Phänomene aus der Sicht der kritischen Friedensforschung. Diese wirft einen Blick unter die Oberfläche des Offensichtlichen und beschreibt dahinterliegende Machtverhältnisse und unbewusste Aspekte.

Der Band versammelt Texte mit unterschiedlichen Schwerpunkten: wissenschaftliche Aufsätze, aber auch Essays, kürzere Abhandlungen sowie ein Interview zu einem breiten Themenspektrum: von militärischen Interventionen und religiösen Akteur:innen über den Zusammenhang von Klimakrise und Krieg bis hin zur Friedensrelevanz von Kunst und Popkultur.