Blom Philipp: Der taumelnde Kontinent

Blom Der taumelnde Kontinent

Europa 1900 - 1914 (München 2009)

+ Breaking NEWS 28.2.2026 – Der 3. Weltkrieg hat begonnen. Philipp Blom hat zwei bemerkenswerte Bücher über die Vorkriegszeiten geschrieben: + Der taumelnde Kontinent. Europa 1900 – 1914 + Die zerissenen Jahre 1918 – 1938. Es wäre spannend, welches Buch Philipp Blom über Europa 2000 – 2025 schreiben würde. Der passende Titel dafür wäre jedenfalls: „Der baumelnde Kontinent“.

(Februar 2026) Bloms Erzählungen über die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts und die letzten Jahre vor dem Weltkrieg enden mit einem Zitat aus dem epochalen Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ (MoE): „War eigentlich Balkankrieg oder nicht? Irgendeine Intervention fand wohl statt; aber ob das Krieg war, er wußte es nicht genau. Es bewegten so viele Dinge die Menschheit. Der Höhenflugrekord war wieder gehoben worden; eine stolze Sache. Wenn er sich nicht irrte, stand er jetzt auf 3700 Meter, und der Mann hieß Jouhoux. Ein Negerboxer hatte den weißen Champion geschlagen und die Weltmeisterschaft erobert; Johnson hieß er. Der Präsident von Frankreich fuhr nach Rußland; man sprach von Gefährdung des Weltfriedens. Ein neuentdeckter Tenor verdiente in Südamerika Summen, die selbst in Nordamerika noch nie dagewesen waren. Ein fürchterliches Erdbeben hatte Japan heimgesucht; die armen Japaner. Mit einem Wort, es geschah viel, es war eine bewegte Zeit, die um Ende 1913 und Anfang 1914.“

Philipp Blom zitiert mehrfach aus Musils Roman, weil dieser in einer Zeit spielt, die so nicht existiert: im Jahr davor, als man nicht wusste, dass im Sommer 1914 der Weltkrieg ausbrechen würde. Heute meint jeder zu wissen, was damals jeder wissen hätte müssen. Philipp Blom wollte sich diesem Zwang entziehen und „versuchen, eine Periode aus sich selbst heraus zu erzählen und zu interpretieren, unter den Gesichtspunkten, die damals wichtig schienen, und nicht ausschließlich retrospektiv.“ (474)

SIEHE AUCH Blom: Die zerissenen Jahre, 1918 - 1938

Robert Musil ist das im MoE zweifellos gelungen: der Autor war selbst Offizier im 1. Weltkrieg und hat danach bis zu seinem Tod 1942 an seinem Lebenswerk geschrieben. Aus Sicht der 2020er Jahre ist es nicht mehr vorstellbar, mit welcher Disziplin sich Musil zwei Jahrzehnte auf dieses eine Jahr konzentriert hat, als wäre die Zeit für ihn still gestanden.

Blom schreibt immerhin über 15 abwechslungsreiche Jahre, die sich durch ein bis dahin nicht dagewesenes Tempo auszeichneten. So beginnt er seine Geschichten mit einem Autorennen im Jahr 1912, von dem ein junger Fotograf ein verzerrtes Bild aufgenommen hat. Es wurde später zum Kultfoto, weil es kein statisches Objekt sondern die Bewegung selbst eingefangen hat. Das Foto findet sich nicht zufällig auf dem Umschlag des Buches, in dem der Autor versucht hat, „eine Art Kameratechnik zu benutzen, wie sie auch der junge Jacques Lartigue hatte, als er seinen Photoapparat auf den Rennwagen Nummer sechs richtete.“ (15)

Der Kreis beginnt 1900 bei der Eröffnung der Weltausstellung von Paris, die technologisch im Zeichen des Dynamos steht, ästhetisch aber nur noch historistischen Abklatsch zu bieten hat, und endet wieder in Paris. Das Kapitel des Jahres 1914 lautet „Ein politischer Mord“, behandelt aber den Auslöser des 1. Weltkriegs nur am Rande. Im Zentrum steht der Mord an dem Herausgeber der Zeitung Le Figaro, Gaston Calmette, vollbracht von der Ehefrau des französischen Finanzministers Henriette Cailloux. Grund für dieses crime de passion: die Ex-Frau des Finanzministers spielte der Zeitung Liebesbriefe zu, die Le Figaro mit dem Ziel, den Finanzminister zu ruinieren, gehässig und genüsslich ausgeschlachtet hatte. Joseph Caillaux trat sofort von seinem Amt zurück und übernahm selbst die Verteidigung seiner Frau – mit Erfolg. Seine Strategie, meint Blom, „war denkbar einfach: Frauen sind schwache, emotionale Wesen, die von ihren Gefühlen schnell überwältigt werden, argumentierte er vor Gericht. […] Die Strategie ging auf. Henriette Caillaux wurde des Mordes nicht für schuldig befunden und verließ den Gerichtssaal am Arm ihres Mannes.“ (457)

Pointe am Rande: „Am 31. Juli, drei Tage nach dem Freispruch, erschütterte ein weiterer Mord das Land. Jean Jaurès, der Präsident der Sozialistischen Partei, der große Redner und einer der wichtigsten Verteidiger von Hauptmann Dreyfus, wurde im Café du Croissant in Paris von einem Nationalisten erschossen. […] Wieder überschlugen sich die Zeitungen mit Neuigkeiten, und in der allgemeinen Erregung über den Mord an Jaurès blieb nur sehr wenig Platz für einige kurze Nachrichten über den Tod eines Erzherzogs im weit entfernten Sarajevo.“ (459)

Die Rolle der Frauen, die in diesen Jahren beginnen, für die Gleichberechtigung und für das Wahlrecht zu kämpfen, ist eines der wiederkehrenden Themen des Buches. Während die Suffragetten – trotz großer Demonstrationen und skandalöser, medienwirksamer Aktionen – politisch keinen Erfolg hatten (erst 1918 erhielten Frauen über 30 das Wahlrecht in Großbritannien), waren die Frauenrechte in Frankreich kein großes Thema. „Trotz oder wegen spektakulärer Persönlichkeiten blieb die feministische Agitation politisch fast ohne jeden Einfluß.“ (271). Blom zählt auf: „Marie Curie hatte zwei Nobelpreise bekommen, Sarah Bernhard war ein international gefeierter Star auf der Bühne und später auch im Film, die Bildhauerin Camille Claudel hatte ein Ansehen als Künstlerin, das mit dem ihres Mentors und vormaligen Liebhabers Auguste Rodin vergleichbar war.“ (270f) In diese Reihe von Heldinnen passt auch Henriette Cailloux, deren Tat von geradezu biblischer Größe war, gestrickt nach dem Muster der Ermordung Holfernes’ durch Judit.

Indessen zählten Dekadenz und Hysterie der Frauen zu den wichtigsten Problemen in der Praxis von Sigmund Freud. Diese Symptome wurden von Freud ausschließlich auf der persönlichen Ebene (Unterbewusstsein, Kindheit, Sexualität) behandelt. Probleme aufgrund der systemischen Diskriminierung der Frauen blieben in der Berggasse 19 draußen vor der Tür. Die institutionelle Frauenfeindlichkeit war „normal“, ebenso wie Antisemitismus, Rassismus (in anderer Bedeutung als heute, da der Begriff „Rasse“ wissenschaftlich alltäglich war, bevor er nationalsozialistisch verwendet und deformiert wurde). Dazu kam das Streben nach dem Übermenschen verbunden mit politischen Utopien oder esoterischen Vorstellungen. All diese „Normalitäten“ wurden junktimiert mit Ideen der Eugenik, die Anhänger unter den bekanntesten (und bis heute anerkannten) Intellektuellen und Politikern der Zeit gefunden haben.

Blom „fotografiert“ zahlreiche Porträts, die diesen Phänomenen ihr Gesicht verleihen. Dazu kommen einige Bewegungsstudien und manche Schnappschüsse. Nur ein Porträt ist überbelichtet: „Als wohlhabende und intelligente Frau mußte Eugenie Schwarzwald einige der Männer um sich herum verunsichern. Besonders der bekennende Frauenhasser Karl Kraus hatte es auf sie abgesehen und spottete in seiner Zeitschrift Die Fackel unermüdlich über sie.“ (247) „Karl Kraus stichelte fast in jeder Ausgabe seiner Fackel gegen Frauen, die sich vergaßen und glaubten, Künstlerinnen zu sein.“ (282) Offensichtlich hat Blom die falsche Blende gewählt und Kraus in das grelle Licht der political correctness unserer Zeit gestellt. Hilde Schmölzer hat in ihrem Buch „Frauen um Karl Kraus“ (2015) darauf hingewiesen, dass er auch „Lobeshymnen“ auf manche Frauen veröffentlicht hat. Wichtiger als diese waren aber zahlreiche gute, freundschaftliche und respektvolle Beziehungen zu Frauen.

Kameratechnik bedeutet für den Fotografen ebenso wie für den Historiker: der Standpunkt bestimmt Perspektive und Bildausschnitt. Ebenso wichtig für das Ergebnis des Bildes sind Belichtungszeit und Blende. Die Bedeutung der Blende wird von Laien oft unterschätzt. Schärfe und Tiefe eines Bildes hängen von der Blende ab. Die Photographie dieser Zeit war schwarz-weiß; erst seit der Farbfotografie wissen wir, wie stark die Lichtverhältnisse die Darstellung eines Bildes verändern können.

Wie auch immer, ein Foto konnte noch vor 50 Jahren als Abbild der Wirklichkeit betrachtet werden. Die Sammlung eines Photoalbums konnte die persönliche Geschichte eines Menschen erzählen. Das von Blom zusammengestellte Fotoalbum wurde mit Fotos des Fin de Siècle (ein klischeebehafteter Begriff, den Blom nicht verwendet) gestaltet. Die einzelnen Aufnahmen erzählen Geschichten. Ihre Zusammenstellung – nolens volens with the knowledge of hindsight – verdichten die Geschichten zu Geschichte. Damit ist Blom nahe am Geschichtsverständnis, das Robert Musil im Kapitel 83 des MoE „Seinesgleichen geschieht oder warum erfindet man nicht Geschichte?“ implizit und Egon Friedell in seiner „Kulturgeschichte der Neuzeit“ explizit vertritt: Geschichte ist Dichtung.

INHALT (SIEHE AUCH: Der KI-Fall Blom)
Einleitung
1900: Jungfrau und Dynamo
1901: Wachablösung
1902: Oedipus Rex
1903: Ein seltsames Leuchten
1904: Seine Majestät und Mister Morel
1905: Der Sturm bricht los
1906: „Dreadnought“ und die neue Angst
1907: Träume und Visionen
1908: Neue Frauen
1909: Der Kult der Maschine
1910: „Das menschliche Wesen veränderte sich“
1911: Paläste für das Volk
1912: Übermenschen – Untermenschen
1913: Wagners Wahn
1914: Ein politischer Mord
Bibliographie
Anmerkungen

Scheidler Fabian: Friedenstüchtig

Scheidler BuchCover

Wie wir aufhören können, unsere Feinde selbst zu schaffen

Wien (ProMedia) 2025

https://fabian-scheidler.de/friedenstuechtig/

10. Dezember 2025 - Buchbesprechung von Franz Sölkner, Thal, bei Graz, am 

Zu allen Zeiten war Geschichte ein heftig umkämpftes Feld der politischen Auseinandersetzung. Das gilt vor allem für die Fragen von Krieg und Frieden. Eine der Methoden, sie für die Aufrechterhaltung und Ausweitung von Herrschaft nutzbar zu machen, besteht darin, historische Ereignisse oberflächlich zu analysieren, sie aus ihren größeren Zusammenhängen zu lösen, ein konkretes Datum ihres Beginns zu benennen und eine einseitige Schuldzuweisung an "die Anderen" vorzunehmen. Davon war auch die transatlantische Politik und die ihr dienliche Berichterstattung der Leitmedien bei den zahlreichen Gewalteskalationen der letzten Jahrzehnte geprägt. So als wären sie, wie ein Erdbeben, völlig unvorhersehbar gewesen, habe demnach der "Krieg gegen den Terror" am 11. Sept. 2001 mit den Al Kaida-Anschlägen in New York, der Krieg in der Ukraine am 24. Feb. 2022 mit dem Angriff Russlands und der genozidale Krieg Israels gegen Gaza am 7. Okt. 2023 mit dem Überfall der Hamas auf südisraelische Dörfer, begonnen. Alle Reaktionen des globalen Westens seien, so versucht man den Menschen weiszumachen, zu unserer eigenen Sicherheit einem politisch notwendigen Sachzwang geschuldet.

In ihrem 1983 erschienen Antikriegsbuch über die vergeblichen Warnungen der trojanische Seherin Kassandra, hat Christa Wolf deutlich gemacht, dass es notwendig ist, Kriege in den Zeiten der Vorkriege zu verhindern. Und: Dass es dabei unerlässlich ist, die Kriegstreiber der eigenen Seite kritisch in den Blick zu nehmen. Ganz im Sinne dieser Mahnung umreißt der Untertitel des Buches riedenstüchtig das Vorhaben treffend: Es ist eine von kapitalistischen, technokratischen und imperialen Dominanzinteressen getriebene, kurzsichtige Verantwortungslosigkeit der transatlantischen Politik, die die drei beispielhaft analysierten Völkerrechtsverbrechen mitverursacht hat. Schon mit seinen früheren Büchern "Das Ende der Megamaschine. Geschichte einer scheiternden Zivilisation" (2015) und "Der Stoff, aus dem wir sind: Warum wir Natur und Gesellschaft neu denken müssen" (2024) hat Scheidler bewiesen, dass er in der Lage ist, komplexe historische Entwicklungen tiefgründig zu analysieren und sie in einer verständlichen Sprache einem großen Kreis von Leser*innen nahezubringen. Das tut auch das vorliegende Buch.

Das allen drei Kriegen vorausgehende Versagen des Westens wird mit zahlreichen Fakten überzeugend belegt: Die neokoloniale Missachtung der Interessen des globalen Südens, der Sicherheitsinteressen Russlands und des Freiheitsstrebens der jahrzehntelang unterjochten Palästinenser*innen. Nur scheinbar aus dem Rahmen des Buches fällt der vierte, im Detail thematisierte Krieg, jener gegen das die Covid-Pandemie auslösende SARS-CoV-2-Virus. Die Ursachen werden aber in ihrer strukturellen Vergleichbarkeit erkennbar. Hier ist es der seit langem geführte Krieg gegen die Natur. Scheidler sieht ihn hinter den beiden häufig genannten Erklärungsversuchen gegeben. Einmal als Folge einer rücksichtslosen "Ausbeutung und Zerstörung großer Naturräume". Diese habe die Sicherheitsdistanz der Lebensräume der Tier- zur Menschenwelt eingeschränkt und die Übertragung des Virus von den Fledermäusen auf die Menschen ermöglicht. Die zweite in der Diskussion stehende Ursache sieht das Buch in der Erforschung neuer biologischer Waffen, näherhin in der "Manipulation von Mikroorganismen", die aus einem Labor freigesetzt wurden. Um der Haftung der Forscher und ihrer Auftraggeber zu entgehen, wurde versucht, diese Erklärung sehr gezielt als "Verschwörungstheorie" zu unterdrücken, weshalb Scheidler die Labor-Variante auch für überzeugender hält.

In den Anhängen wird u.a. der Verfall der Grünen zur Kriegspartei und der Neutralitätspolitik Österreichs nachgezeichnet. Aktuell versuchen die westlichen Eliten über Feindbildproduktionen und Angstmache im Volk eine gigantische Aufrüstung durchzusetzen. Als Ausweg aus den aktuellen und weiteren global drohenden, noch wesentlich größeren Zerstörungen ist eine neue Friedenstüchtigkeit gefordert. Sowohl gegenüber der Natur, als auch gegenüber geopolitischen Gegnern, liegt diese in einem fundamentalen Wechsel vom Dominanzstreben hin zum rechtzeitigen Interessensausgleich durch eine gemeinsame, auch ökologisch gedachte Sicherheitspolitik. Dazu braucht es die Schaffung von Friedensbewegungen als global einflussreiche Akteure. Menschen, die gemeinsam mit anderen einer friedenstüchtigen Politik durch eigene Aktivitäten Dampf verleihen wollen, werden das Buch mit großem Gewinn lesen.

Zum Schluss seien noch zwei Wünsche vermerkt: Eine der politisch größten Herausforderungen für die europäischen Gesellschaften besteht in den durch die Migrationskrise ausgelösten autoritär nationalistischen Entwicklungen. Auch diese Zusammenhänge auf ihre, von Europa selbst produzierten Hintergründe, wie etwa die neokoloniale Ausbeutung und Schuldknechtschaft des globalen Südens, hin zu untersuchen, wäre eine spannender Anwendungsfall für unsere zukünftige "Friedenstüchtigkeit". Und: Die hinter den Kriegspolitiken gegen Natur und Mensch stehenden Interessen großer Kapitalfraktionen werden zwar mehrmals in allgemeinen Formulierungen angesprochen und ab Seite 99 in einer Kritik der Konzerne kurz konkretisiert, eine umfassendere Benennung von Ross und Reiter des vor sich gehenden Höllenritts würde das entworfene Panorama noch plausibler erscheinen lassen. Diese relativen Leerstellen sollte in hoffentlich kommenden, erweiterten Auflagen behoben werden.

Portisch Hugo, Russland und wir

Hugo Portisch Rund um die Burg

Eine Beziehung mit Geschichte und Zukunft

Erschienen im Dezember 2020 im Ecowin-Verlag

Foto: wikipedia CC BY-SA 3.0

Vorbemerkung HTH: Hugo Portisch (1927 – 2021) ist nur wenige Monate nach Erscheinen seines letzten Buches verstorben. Den Krieg zwischen Ukraine und Russland hat Portisch nicht mehr erlebt. Wahrscheinlich hätte er sich gewundert, dass dieser Konflikt seither „im Westen“ reflexartig als „russischer Angriffskrieg“ bezeichnet wird (naturgemäß von allen namhaften Politikern sowie deren Hofberichterstattern, aber auch zuletzt nicht wirklich plausibel in einem Rechnungshofbericht über die verlustreichen Veranlagungen der Österreichischen Nationalbank!)

Man kann sicher sein, dass Portisch als Journalist der alten Schule die Kriegspropaganda im eigenen Land und in der EU kritisch analysiert hätte. Dass Europa eine lange Geschichte mit Russland verbindet, diese Tatsache wird seit 2022 unter den Tisch gekehrt, wenn nicht gar als Irrtum infolge russischer Täuschungsmanöver abgetan. Dass mit Russland eine Beziehung möglich sei und diese sogar eine Zukunft haben könnte, mit dieser Behauptung würde an europäischen Universitäten jeder Professor der Politologe im Jahr 2025 seine Lehrbefugnis verlieren.

VERLAGSINFORMATION:

Von russischen Geistlichen, die China durch eine List zur Überlassung Sibiriens an Russland bewegten, bis zur Stellung als Ordnungsmacht im Nahen Osten: Die Geschichte der östlichsten europäischen Nation ist ebenso spannend wie kompliziert. Hugo Portisch beschäftigt sich seit Langem mit der russischen Mentalität und dem Verhältnis zwischen europäischer Union und Russland. In »Russland und wir« schildert er seine persönlichen Erfahrungen und stellt die oft turbulente Vergangenheit des flächenmäßig größten Landes der Erde dar:

- Russland gehört zu Europa: Das Gemeinsame überwiegt und muss gefördert werden

- Die bewegte Geschichte Russlands: Von den Kosaken bis zu Vladimir Putin

- Sibirien: Kolonialpolitik auf russische Art

- Die EU und Russland: Wie beide Seiten von einer engeren Zusammenarbeit profitieren

Schwierige internationale Beziehungen:Zwischen Ukraine-Krieg und Handelsabkommen

Russland unter Vladimir Putin macht es seinen europäischen Nachbarn nicht immer einfach, vertrauensvolle, freundschaftliche Beziehungen zu pflegen. Militärische Aktionen wie die Annexion der Krim und die berechtigten Zweifel an der persönlichen Freiheit russischer Bürger belasten das Verhältnis. Dennoch sieht Portisch keine Alternative zu einer Kooperation, besonders um sich als Handelsmacht gemeinsam gegen die Volksrepublik China zu behaupten.

Ein Sachbuch, das von der jahrzehntelangen journalistischen Erfahrung seines Autors profitiert: Mit großer Expertise erklärt Hugo Portisch die komplizierten historischen Verstrickungen und stellt die Notwendigkeit eines Dialogs zwischen EU und Russland dar!

Bezemek Christoph (Hg): Die Schönheit und Eleganz …

Manz Verfassungspoesie

… der österreichischen Bundesverfassung

ISBN: 978-3-214-26540-3

Verlag: MANZ Verlag Wien, Erscheinungsjahr: 2025

+ Die Verfassung neu erzählt: MANZ veröffentlicht literarischen Kommentar zur Schönheit der österreichischen Bundesverfassung

+ 21 literarische Stimmen und 21 juristische Perspektiven begeben sich auf eine interpretatorische Reise durch ausgewählte Bestimmungen der Verfassung und regen zum Nachdenken an.

ethos.at Resümee in einem Satz: Man lernt in dem vorliegenden Buch über Stärken und Schwächen, Mängel und Ausschweifungen der Österreichischen Bundesverfassung fast nichts, dafür umso mehr über die Juristerei.

DETAILS SIEHE: B-VG BVG Verfassung: Schönheit und Eleganz?

9. Dezember 2025 (Mitteilung des Manz-Verlages) - Bundespräsident Alexander Van der Bellen beschrieb die österreichische Verfassung vor ein paar Jahren als „schön und elegant“. Mit der gleichen Feststellung nimmt der soeben beim MANZ Verlag erschienene literarische Kommentar seinen Ausgangspunkt. Das Werk „Die Schönheit und Eleganz der österreichischen Bundesverfassung“ bringt zwei Zugänge zusammen, die normalerweise getrennt nebeneinanderstehen – die verfassungsrechtliche Analyse und die literarische Interpretation – und bietet so einen gänzlich neuen Blick auf das normative Fundament der Republik Österreich.

Nach einer fundierten Einleitung durch den Herausgeber interpretieren 21 namhafte Schriftsteller:innen im Duett mit 21 renommierten Juristinnen und Juristen ausgewählte Bestimmungen der Bundesverfassung. Die einzelnen Bestimmungen werden dadurch in paarweisen Beiträgen sowohl aus verfassungsrechtlicher als auch aus sprachlich-literarischer Perspektive beleuchtet. Das Buch behandelt grundlegende Prinzipien und Rechte, wie etwa die Rechtsstaatlichkeit, den Gleichheitssatz oder die Eigentumsfreiheit, und ermöglicht es, Themen des Verfassungsrechts abseits juristischer Dogmatik auch als gesellschaftliche und sprachliche Fragen zu lesen. Die Beiträge verbinden literarische Ausdruckskraft mit juristischer Präzision und schaffen dabei Raum für Fantasie, Humor und kritische Reflexion.

Die Literat:innen:

Anna Baar, Franzobel, Laura Freudenthaler, Valerie Fritsch, Natascha Gangl, Karl-Markus Gauß, Sabine Gruber, Maja Haderlap, Elias Hirschl, Vea Kaiser, Gertraud Klemm, Elke Laznia, Robert Schindel, Ferdinand Schmalz, Stefan Schmitzer, Clemens J. Setz, Cordula Simon, Thomas Stangl, Dirk Stermann, Marlene Streeruwitz, Daniel Wisser.

Die Jurist:innen:

Wilhelm Bergthaler, Maria Bertel, Peter Bußjäger, Harald Eberhard, Anna Gamper, Christoph Herbst, Michael Holoubek, Clemens Jabloner, András Jakab, Benjamin Kneihs, Georg Kodek, Barbara Leitl-Staudinger, Matthias Lukan, Michael Mayrhofer, Katharina Pabel, Jürgen Pirker, Karl Stöger, Harald Stolzlechner, Stefan Storr, Ewald Wiederin, Bernd Wieser.

Das Buch:

Christoph Bezemek (Hrsg): Die Schönheit und Eleganz der österreichischen Bundesverfassung. MANZ Verlag Wien. Broschiert, 360 Seiten. € 48,00. ISBN: 978-3-214-26540-3.

Über MANZ:

Der Verlag MANZ ist ein führender Fachverlag für juristische Inhalte mit einer über 175-jährigen Tradition. Seit seiner Gründung im Jahr 1849 hat MANZ kontinuierlich innovative Lösungen für die Rechtsbranche entwickelt und setzt dabei auf die Kombination von erstklassigen Inhalten und modernster Technologie. Mit dem neuen KI-Tool für die Rechtsrecherche MANZ Genjus KI setzt MANZ seine Tradition der Pionierarbeit fort und gestaltet aktiv die Zukunft der Branche mit.

Wiederkehr Christoph: Schule schaffen

Schule schaffen Wiederkehr

Schulangst – Notenfrust – Bürokratie

Wie gelingt es, dass Kinder wieder gerne in die Schule gehen?

220 Seiten Erscheinungsdatum: 02.09.2024

Information des Goldegg-Verlages: Was wäre wenn... 

Kinder in die Schule gehen, ohne Angst zu haben?

Kinder statt mit Leistungsdruck zu kämpfen, ihrer natürlichen Wissbegierde nachgehen dürften?

Lehrerinnen und Lehrer ihren Unterricht flexibel an den Bedürfnissen der Kinder ausrichten könnten?

Eltern entspannt an der Entwicklung ihrer Kinder teilhaben könnten, statt selbst Schulaufgaben zu machen?

Schule einfach wieder Spaß macht?

Was in vielen Fällen utopisch klingt, wäre möglich, wenn alle Beteiligten es wollen und aktiv dazu beitragen, dass eine Vision wahr werden kann: Schule, die Spaß macht. In der Realität scheitern viel zu viele gute Ideen an einer unbeweglichen Bürokratie, einzementierten politischen Dogmen, starren Weltbildern und mangelndes Aufeinander-Zugehen.

Es herrscht vielerorts eine Fehlersuch-Mentalität, Schwächen rücken statt der zu unterstützenden Stärken in den Fokus, reale Probleme und Sorgen werden unter den Teppich gekehrt und heiße Eisen erst gar nicht angefasst. Statt der Bedürfnisse der Kinder steht eine überbordende Bürokratie und eine Politik des Gegeneinanders im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Der Rotstift regiert, Leistungs- und Notendruck und teure Nachhilfestunde tragen ihr Übriges dazu bei, um aus der Begeisterung für alles Neue lästige Schulpflicht werden zu lassen. So mündet Engagement in Frustration, aus Freude, Neugier und natürlichem Lernwillen wird gelangweilte Resignation.

Kinder, Lehrerinnen und Lehrer und Eltern leiden unter Stress, Schulangst, Burn-out und Zukunftssorgen. Dass es auch anders geht, zeigen viele Positiv-Beispiele.

In diesem Buch findet der Bildungsexperte und Spitzenpolitiker, Christoph Wiederkehr, deutliche Worte zum Ist-Zustand und kritisiert hart, aber sachlich und fair, was in der Schulpolitik schiefläuft. In einem mutmachenden Ausblick greift er inspirierende Ideen auf, streicht eine Vielzahl an Möglichkeiten hervor, wie Schule sein könnte und wie es gemeinsam zu schaffen ist, die Schule auf ein neues Level zu heben. – Damit Schule wieder Spaß macht!

Nehammer Karl: Sich selbst treu bleiben

Nehammer Treue

15. Oktober 2025 - Was ist Demokratie? Diese wichtige Frage beantwortet Ex-Kanzler Karl Nehammer in seinem ersten (!) Buch: „Demokratie heißt, Verantwortung zu übernehmen, anstatt sich wegzuducken, und dem Rad in die Speichen zu greifen, anstatt es in die falsche Richtung laufen zu lassen.“ ethos.at ist gespannt, welche Wendung das Rad der Geschichte aufgrund dieser Erkenntnis nehmen wird.

Um dieser abstrusen Behauptung Gewicht zu verleihen, hat der ecoWing Verlag dem Exkanzler ein Buch abgerungen. „Sich selbst treu bleiben“, ist der Titel und der Verlag promotet es mit dem Slogan „Ein Plädoyer für den Wert der Demokratie.“ 

„Als Nehammer 2021 mitten im Lockdown Bundeskanzler wurde, stand er vor einer der schwierigsten politischen Amtszeiten der jüngeren Geschichte. Sein Rückblick bietet nicht nur spannende Einblicke in politische Entscheidungsprozesse, sondern auch eine eindringliche Mahnung: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit – sie muss aktiv gelebt und verteidigt werden“, so die ecowing-Werbeabteilung.

Zur Erinnerung: Nehammer verdient den Titel „Totengräber der Demokratie“. Er ist am Sonntag vor der endgültigen Demontage der Demokratie durch das Impfpflichtgesetz an die Öffentlichkeit getreten, um den Österreichern und Österreicherinnen zu erklären, wie das Parlament am Donnerstag (20. Jänner 2022) abstimmen wird. Mehr als 100.000 Stellungnahmen aus dem Volk wurden sowohl von der Regierung als auch von der Mehrheit der Parlamentarier ignoriert. 

Zur Erinnerung: Nehammer betrieb aktiv Verrat an der Österreichischen Neutralität mit seiner besoffenen Aussage, die Neutralität "wurde uns aufgezwungen von den Sowjetkommunisten als Preis dafür, dass wir die Freiheit wieder erlangen konnten 1955". ethos’ offener Brief an den Bundeskanzler blieb natürlich unbeantwortet.

Zur Erinnerung: Kurz vor Torschluss der Türkis-Grünen Regierung hat Kanzler Nehammer das „Krisensicherheitsgesetz“ durchgeboxt. Wer den Text des Gesetzes kennt, weiß, dass damit heute und in Zukunft keine einzige Krise vermieden werden kann – ja nicht einmal zur Früherkennung einer Krise wird es beitragen. Dafür wurden aber wieder einige Posten geschaffen, die umgehend mit Freunden der Regierungsparteien besetzt wurden. Postenschacher, what else? (Dass Postenschacher nicht erlaubt ist, wissen ÖVP-Politker ja erst, seit dem Fall Wöginger, der mit Diversion endete.)

Der Rest des Gesetzes zwingt Beamte aller Ministerien zu jeder Menge an sinnlosen Sitzungen, ist somit einzig und allein ein Beitrag zur Aufblähung der Bürokratie. Ausnahmsweise waren ALLE damaligen Oppositionsparteien GEGEN dieses Gesetz. NACH der NR-Wahl hätten SPÖ+FPÖ+Neos eine Mehrheit gehabt, es umgehend in der ersten Nationalratssitzung abzuschaffen. Haben sie aber nicht. Warum nicht? Wer den Mut hat, radikal über Demokratie nachzudenken, wird imstande sein, daraus seine Schlüsse zu ziehen.

ecoWing Verlag: „Das Buch ist aber vor allem auch eine Auseinandersetzung mit den großen Zukunftsfragen und ein Appell, die Demokratie als Grundlage für eine stabile und nicht radikalisierte Gesellschaft zu bewahren.“ Was ethos.at seit Jahren aufdeckt, wird hier bestätigt: Stillstand (Neudeutsch: „Stabilität“) ist das einzige politische Ziel der Altparteien, in denen Flachwurzler, die mit Sicherheit kein Problem an den Wurzeln (das bedeutet radikal) anpacken, sondern mit ihrem Reformgeschwätz die Gesellschaft täuschen. Die Tragödie unserer Zeit: der Großteil der Gesellschaft lässt sich von Politik-Darstellern wie Nehammer & Co immer noch täuschen und halten diese für alternativlos. Resümee: Die Nibelungentreue hat einen neuen Namen: Nehammertreue.

Update 18.10.25 – Walter Hämmerle (KleineZeitung.at 15.10.25) findet bemerkenswert, „was der Ex-Kanzler auslässt. So wird Sebastian Kurz erst auf Seite 76 zum ersten Mal erwähnt – und dann nur noch einmal ganz zum Schluss. Kein Wort zum persönlichen Verhältnis der beiden. Man darf das als stille Abgrenzung verstehen. Auch das turbulente Innenleben von Türkis-Grün findet keinen Niederschlag – und nichts zu seiner eigenen stilprägenden Rolle als Innenminister zu Beginn der Pandemie.“ Hämmerle enthüllt auch, dass der Journalist Peter Pelinka in Wahrheit das Buch geschrieben hat. Nehammer selbst hat besseres zu tun, denn er ist seit einem halben Jahr Vize-Direktor bei der Europäischen Investitionsbank. Ein beliebter Posten für abgehalfterte ÖVP-Apparatschiki. Vor ihm hatte bereits Wilhelm Molterer (2011-2015) diese Position inne.

Update der Kleinen Zeitung am 21.10.25: „Si tacuisses, philosophus mansisses. Warum sich der frühere Bundeskanzler und Ex-ÖVP-Chef bemüßigt fühlte, ein Buch über sein politisches Wirken zu verfassen (= von einem Ghostwriter verfassen zu lassen), lässt sich küchenpsychologisch wohl nur mit einem überdurchschnittlich ausgeprägten narzisstischen Persönlichkeitszug erklären.“

ecoWing Verlag hat wahrlich schon bessere Bücher mit besseren Autoren produziert, u.a.:

+ Hochreiter Sepp: Was kann künstliche Intelligenz?

+ Burow Patrick: Inside Strafjustiz

+ Spatzenegger Bernd: Die Energielüge

Orthofer Peter: So schaut’s aus in Österreich

Orthofer Peter

23. September 2025 - Peter Orthofer, 1940 geboren in Berlin, studierte Philosophie und Germanistik in Graz und hat danach dutzende Bücher und Kabarett-Programme geschrieben. Er wurde damit so berühmt, dass ihm die Stadt Wien ein Ehrengrab gespendet hat. 2008 ist er gestorben, eines seiner letzten Werke ist 2004 erschienen: „So schaut’s aus in Österreich“. (Mit Karikaturen von Erich Eibl).

Der Vier-Parteien-Staat war damals noch einigermaßen in Ordnung, auch wenn gegen die Regeln der Realverfassung ÖVP-Schüssel als Dritter bei der Nationalratswahl vom Zweiten (FPÖ-Haider) zum Kanzler gekürt worden war. Orthofer serviert dem Leser „Eine Runde Staatsbürgerkunde“ und beweist, trotz vieler treffender Bonmots, dass auch ein scharfer politischer Beobachter bei grundlegenden Sachverhalten komplett daneben liegen kann.

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Mayer Thomas: Wahrheitssuche im Ukraine-Krieg

Thomas Mayer: Wahrheitssuche im Ukraine-Krieg – Um was es wirklich geht

Oktober 2023, kartoniert, 600 Seiten, durchgehend farbig bebildert, Print-ISBN 978-3-89060-863-1, E-Book-ISBN 978-3-89060-483-1

(Verlagsinformation, siehe Webseite des Autors) Die Informationen, die im Buch stehen, fehlen in der Öffentlichkeit. Weil sie fehlen, werden die Deutschen mit 800 Milliarden Euro verschuldet, um Deutschland kriegstauglich zu machen. Weil sie fehlen, wird die Bevölkerung verarmt. Weil sie fehlen, sterben jeden Tag Menschen in der Ukraine elendiglich und unsinnig. Weil sie fehlen, will die EU das Elend verlängern.

Dieses Buch ist eine sorgfältig recherchierte und umfassende Tatsachensammlung zum Ukraine-Krieg. Mit eigenen Vermutungen hält sich der Autor zurück. Die bloßen Vorgänge sind dramatisch genug. Wie ist der Konflikt historisch entstanden? Mit welchen Weichenstellungen wurde auf den Krieg hingesteuert? Um was geht es wirklich? Wie haben die Ukraine, die USA, die NATO und Russland die Eskalations-Spirale angetrieben?

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Fetz Bernhard: Ernst Jandl

Jandl Wallenstein Verlag

Zum hundertsten Geburtstag von Ernst Jandl am 1. August 2025 ist die „Biografie einer Stimme“ im Wallenstein Verlag erschienen. Hier die Verlagsinformation:

Ernst Jandl ist einer der großen Sprachkünstler des 20. Jahrhunderts. Als Vortragskünstler wurde der Dichter zum Popstar. Die Geschichte einer Stimme zwischen Autorität und Befreiung

Im Titel von Ernst Jandls epochemachendem Gedichtband »Laut und Luise« von 1966 ist die biografische Geschichte mit der Poetik des Autors verbunden: Im Namen der Mutter Luise klingt als Gegenpol zum Lauten das Leise an; und damit die Stimme des Autors, der der Poesie mit seinen Laut- und Sprechgedichten völlig neue Bedeutungshorizonte erschloss.

Die Beschreibung unbekannter autobiografischer Fragmente aus dem Nachlass verfolgt die Emanzipation einer Stimme im Kontext der internationalen Avantgarden. In die individuelle Stimme sind die Stimmen aus Krieg und Nachkrieg eingeschrieben. Die Texte evozieren alltägliche, obszöne oder dialektal geprägte Sprechweisen und Tonlagen. Stets präsent sind die religiösen Stimmen aus Kindheitstagen. Das Buch von Bernhard Fetz zeigt, wie die technische Verfremdung und die Drangsalierung der Stimme in den Hörspielen in einem existentiellen und medienhistorischen Zusammenhang stehen. Es geht den künstlerischen Einflüssen nach, von Gertrude Stein über John Cage bis zur Rap-Musik, und es erzählt die Geschichte eines historisch gewordenen Auftritts von Jandl in der Londoner Royal Albert Hall 1965. »I`m doing it / with my / VOICE«: Im Wechselspiel von Musik, Schrift und Stimme werden die vielfachen intermedialen Bezüge der Werk-Biografie deutlich.

Bernhard Fetz ist Direktor des Literaturarchivs, des Literaturmuseums, der Sammlung für Plansprachen und des Esperantomuseums der Österreichischen Nationalbibliothek und Dozent am Institut für Germanistik der Universität Wien; Kurator von Ausstellungen.

Ringel Erwin: Die österreichische Seele

Zehn Reden über Medizin, Politik, Kunst und Religion

29. Mai 2025 - Im Jahr 1984 waren die Buchläden voll mit dem gleichnamigen Bestseller von George Orwell. Viele seiner düsteren Zukunftsvisionen aus dem Jahr 1948 schienen weit weg zu sein, real nur hinter dem Eisernen Vorhang. Neusprech und allgegenwärtige Kontrolle sind aber spätestens 2020 im lange gepriesenen „Westen“ tiefer in unseren Alltag eingedrungen, als sich das Orwell vorstellen konnte. Der Große Bruder tritt als treuer, digitaler Hund in Erscheinung, der uns immer und überall begleitet. Sein Name ist nicht Hundi sondern „Handy“. Damit sind wir für amazon, facebook, google und Co rund um die Uhr erreichbar; TV, konkret ORF – Österreichischer Regierungsfunk – erledigt den Rest, zumindest auf der Insel der Seligen.

Ob das allgegenwärtige Handy die Menschen gescheiter, freier oder gar glücklicher gemacht hat, darf bezweifelt werden. Die Menschen leben jedenfalls länger, als je zuvor – zumindest im Westen. Ob es damit zusammenhängt, dass sie sich weniger oft selbst umbringen? Die KI Copilot weiß: im Jahr 2022 gab es einen temporären Anstieg von 16 % im Vergleich zum Vorjahr, insgesamt beträgt der Rückgang gegenüber 1986 jedoch rund 40%. Im Jahr 2023 starben in Österreich 1.212 Personen durch Suizid, was einer standardisierten Suizidrate von 14 pro 100.000 Einwohner:innen entspricht. Mehr als drei Viertel der Suizidtoten sind Männer.

Ob sich Erwin Ringel über diese Entwicklung freuen würde? Im Jahr 1984 erschien sein legendäres Buch „Die österreichische Seele“, eine Sammlung von zehn Reden über Medizin, Politik, Kunst und Religion. Der Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, Tiefenpsychologe, Psychotherapeut (Individualpsychologe nach Alfred Adler) gründete 1948 das erste Selbstmordverhütungszentrums Europas in Wien. 1953 beschrieb er das Präsuizidale Syndrom. Das Buch beginnt mit

“Eine neue Rede über Österreich“

in der Ringel auf die Rede über Österreich von Anton Wildgans aus dem Jahr 1929 Bezug nahm.

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