Was ist Geld? Eine philosophische Antwort

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Eine bahnbrechende Frage kann Menschen aus der Bahn werfen, Schwellenängste auslösen und folglich zu Entgleisungen führen. Ein typisches Beispiel dafür ist die Reaktion auf die Frage, was Geld aus philosophischer Sicht sei: „Auf so einen Blödsinn können nur Philosophen oder Linke kommen“, kommentierte ein Leser des gleichnamigen Blogs auf fischundfleisch.com

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SIEHE AUCH: Gott und Geld

Vorab drei Zitate aus der Literatur:

Friedrich August von Hayek: "Das Geld ist eines der großartigsten Werkzeuge der Freiheit, die der Mensch erfunden hat."

Karl Marx zitiert Shakespeare um das Wesen des Geldes zu erklären: „Shakespeare hebt an dem Geld besonders 2 Eigenschaften heraus: 1. Es ist die sichtbare Gottheit, die Verwandlung aller menschlichen und natürlichen Eigenschaften in ihr Gegenteil, die allgemeine Verwechslung und Verkehrung der Dinge; es verbrüdert Unmöglichkeiten; 2. Es ist die allgemeine Hure, der allgemeine Kuppler der Menschen und Völker. Die Verkehrung und Verwechslung aller menschlichen und natürlichen Qualitäten, die Verbrüderung der Unmöglichkeiten – die göttliche Kraft –des Geldes liegt in seinem Wesen als dem entfremdeten, entäußernden und sich veräußernden Gattungswesen der Menschen. Es ist das entäußerte Vermögen der Menschheit. Was ich qua Mensch nicht vermag, was also alle meine individuellen Wesenskräfte nicht vermögen, das vermag ich durch das Geld. Das Geld macht also jede dieser Wesenskräfte zu etwas, was sie an sich nicht ist, d. h. zu ihrem Gegenteil.“

Wer die Geschichte und das Wesen des Geldes verstehen will, muss Christina von Brauns Kulturgeschichte des Geldes mit dem Titel "Der Preis des Geldes" (erschienen 2012) lesen. Über die Opferlogik des Geldes schreibt sie: „Das Wort 'Geld' leitet sich ab vom germanischen Wort 'gelt', Götteropfer. Es hängt zusammen mit 'gelten', das soviel wie zurückzahlen, zahlen, kosten, wert sein, vergelten, entschädigen, aber auch zerschneiden bedeutet.“ Laut von Braun ist im christlichen Abendland die Opferlogik des Geldes am stärksten ausgeprägt. „Das Opfermahl als Gemeinschaft konstituierender Ritus findet später im Heiligen Abendmahl der christlichen Kirche ebenso seinen Ausdruck wie in der Gilde, die ihren Namen vom Begriff des 'Geldes' ableitet und 'Opfergemeinschaft' bedeutet.“

Die philosophische Antwort

Nicht erst seit Erfindung des Papiergeldes oder seit dem Ende des Goldstandards kam das Vertrauen in die Welt der Geldwirtschaft. Schon in der Substitution der Tieropfer durch Geldopfer steckt das Vertrauen, dass Gott dies als gleichwertig akzeptiert. Grundsätzlich jede Substitution einer Ware durch Geld setzt Vertrauen voraus, dass ich für dieses Geld später oder woanders eine gleichwertige Ware oder Leistung bekomme. Je länger eine Währung besteht, umso stärker festigt sich der Mythos, dass Geld nicht nur ein praktisches Tauschmittel, nicht nur ein Zwischenschein, sondern auch ein Mittel zur langfristigen Aufbewahrung von Werten sei. Auch tausende Geldentwertungen seit Erfindung des Geldes konnten diesen Mythos nicht zerstören, und er blüht bei jeder Diskussion über die mögliche Abschaffung des Bargeldes wieder auf.

Im Begriff Schuldgeld (Franz Hörmann, Das Ende des Geldes, 2011) ist, so wie im Begriff Schuldbewusstsein und im Begriff Schuld an sich, die negative Seite des Phänomens festgehalten. Der positive Name für Schuld ist Kredit, er impliziert Credo, also einen positiven Glauben, das Vertrauen des Gläubigers, dass der Kreditnehmer mit dem Geld effizient arbeitet, die Hoffnung, dass er es zurückbekommen wird. Wie von Braun nachweist, geht es in der Geschichte des Geldes aus philosophischer Sicht immer um Glauben - aus historischer Sicht um Beglaubigung.

Geld ist dem Wesen nach tatsächlich Kredit, aber nicht nur im negativen Sinne von Schuld, sondern auch im positiven Sinn von Vertrauen. Jedes Geld, egal in welcher Form, ob Münzgeld, Papiergeld oder digitales Geld, kann immer nur Symbol, also Stellvertreter dafür sein, was es dem Wesen nach ist: Vertrauen. In sehr vielen Fällen, ja sogar immer noch in den meisten Fällen unseres Lebens, bewährt sich diese Form von Vertrauensaustausch bzw. Vertrauensvorschuss, weil wir ja nur selten von der Person unmittelbar eine gleichwertige Gegenleistung erhalten, der wir unser Vertrauen geliehen oder gar geschenkt haben.

Man kann die erwähnte Formel leicht auf Geld = Vertrauen verkürzen, denn Kredit (= Credo = Glaube, im Sinne von Hoffnung, das Geld wieder zu bekommen einerseits und das Geld wieder retournieren zu können andererseits) sind nur sich endlos wiederholende Rituale, die die Wirklichkeit des Geldkreislaufes beschreiben. Doch in der Substanz bleibt die philosophische Definition: Geld = Vertrauen

Siehe auch:  Zeitgeld-Manifest + Ein Versuch, das Prinzip Vertrauen als Grundlage eines Geldsystems der Zukunft zu konstituieren.

 


 

Konzept: Februar2017

20.8.2017 Status-quo: Das Ende des Geldes hat Franz Hörmann, Professor der WU Wien, bereits vor sechs Jahren prognostiziert.

Was kommt nach dem Kapitalismus? Diese Frage hat der Philosoph Herbert Giller untersucht und in seinem Modell einer moralisch-solidarischen Gesellschaft auch die Notwendigkeit der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens für alle begründet. Aus der Kritik an der heute üblichen Lohnabhängigkeit und seiner philosophischen Überzeugung „der Mensch ist ein selbstbestimmtes Wesen mit Wert und Würde“, leitet Herbert Giller die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen ab, denn Arbeitslosengeld ist „nur ein Placebo, ein Mäntelchen zur Verharmlosung der grausamen Realität.“ Dabei setzt er voraus, dass kein Mensch auf Dauer untätig rumhängen will, sondern jeder Mensch eine sinnvolle Beschäftigung sucht. Siehe Details...

Doch der Kapitalismus scheint heute, 2017, fester im Sattel zu sitzen als je zuvor. Die Finanzkrise 2008 scheint überwunden, und die weiter wachsende Kluft zwischen Arm und Reich bestenfalls ein Kollateralschaden, der das System an sich nicht ins Schwanken bringen kann. Tatsache ist, dass nach der finanzindustriellen Revolution (die totale Unterordnung der Interessen von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft unter die Interessen der Finanzindustrie), immer weniger Menschen, Unternehmen und Organisationen Zugang zum Finanzmarkt haben. Und gleichzeitig schöpfen immer weniger Menschen an der Spitze der Finanzhierarchie die Sahne ab. Die Finanzindustrie ist schon lange nicht mehr Dienstleister der Realwirtschaft, sondern hat als Irrealwirtschaft eine Eigendynamik entwickelt. Siehe Details...

Passiv oder aktiv wehren sich dagegen zahlreiche Initiativen der Zivilgesellschaft, die versuchen neue Wege zu gehen: die Gemeinwohlwirtschaft will Wettbewerb durch Kooperation überwinden, Genossenschaften versuchen sich im Markt gegen hierarchisch geführte Unternehmen zu behaupten, Tauschkreise bemühen sich um Alternativen zu den bestehenden Währungssystemen. Manche Menschen steigen komplett aus und stellen sogar die Legitimität des Staates in Frage. Die vielen kleinen Puzzle-Steine finden aber nicht zusammen, weil sie kein gemeinsames System haben, an dem sie andocken können.

Das herrschende System, der Finanzkapitalismus, ist angeblich „alternativlos“. Die Mehrheit aller Politiker weltweit machte nach dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 „die Beruhigung der Finanzmärkte“ zur Maxime ihres Handelns. Mit Bitcoin kam ein neues Währungssystem, das sich als Alternative jedoch nicht durchsetzen konnte. Die ursprünglich intendierte dezentrale Geldschöpfung ist zu einem geschlossenen Kreislauf geworden, in den nur elitäre Technik-Nerds rein kommen. Oder Spekulanten! Über Börsen ist Bitcoin von der Alternativwährung zum Spekulationsobjekt verkommen. Siehe Details...

Ein alternatives Geldsystem muss hingegen für ALLE Menschen offen sein. Und: ein alternatives Geldsystem muss das Übergangs-Dilemma lösen. Dieses Dilemma besteht darin, dass alle Systemkritiker an der Frage scheitern, WIE ein neues System mit friedlichen Mitteln eingeführt werden könnte. Egal, WIE ein neues System konzipiert ist, wie ausgereift die Ideen für neue Systeme sind – die besten Ideen scheitern an der Einführung, denn: entweder es geht nur Alles oder Nichts, oder es scheitert an den Menschen, die für das ideale System noch nicht reif sind. Die schrittweise Einführung ist bei den meisten Systemansätzen, die einen Paradigmenwechsel voraussetzen, nicht vorgesehen.

Das Ende des Kommunismus ab 1989 war insofern ein Wunder, als der Übergang weitgehend friedlich über die Bühne gegangen ist. Aber der Übergang war verhältnismäßig einfach, weil ein zum damaligen Zeitpunkt objektiv besseres System als Alternative da war, das diesen Wechsel aktiv unterstützt hat. Der Wechsel, der uns heute bevorsteht, ist dagegen eine Herausforderung, die der Überquerung des Ozeans mit einem Ruderboot gleicht. Und auch wenn es schon tausende Ruderboote gibt, die den Ozean überqueren wollen, werden sie es nicht schaffen, wenn sie keinen Weg finden sich zu vernetzen und gemeinsam zu neuen Ufern aufzubrechen.

Der Notwendigkeit eines alternativen Geldkreislaufes basiert auf drei Prämissen:
1. Die weitere Entwicklung der menschlichen Zivilisation setzt Freiheit und Gerechtigkeit voraus. Die Demokratien im Status-quo 2017 sind nicht mehr der Garant für Freiheit und Gerechtigkeit.
2. Die exponentiell wachsende Geldmenge existiert nur für sich selbst bzw für die Irrealwirtschaft und hat nicht den geringsten Nutzen für die Gesellschaft bzw die Realwirtschaft (ganz im Gegenteil: trotzdem kränkeln Banken, Versicherungen und die daran andockenden Pensions- und Vorsorgesysteme).
3. Die exponentiell wachsende Verschuldung aller Staaten lässt sich niemals durch realwirtschaftliches Wachstum verdienen und zurückzahlen. Dieses Währungssystem muss zusammenbrechen. Deshalb braucht es eine Alternative.

Die Alternative: das ZeitGeldSystem

In der Geschichte des Geldes war die Frage der Deckung ein zentrales Thema. „Alle materiellen Deckungen des Geldes erweisen sich bei näherem Hinsehen als Illusion“, schreibt Christina von Braun in ihrem epochalen Buch „Der Preis des Geldes“. Am Ende wird jedes Beglaubigungsverfahren in Frage gestellt, so dass es letztlich um reines Vertrauen geht. Da die Wirkmacht des Geldes auf Vertrauen (=Glauben) basiert, ist jedes Geldsystem ein quasi-religiöses System. Wenn EZB-Chef Mario Draghi monatlich 60 Milliarden oder mehr in die Finanzmärkte pumpt, so gleicht das mehr dem Ritus eines Hohepriesters, als einem Hüter der Währungsunion – zumal die Legitimität dieser „Opfergaben an den Finanzmarkt“ höchst fragwürdig ist.

Letztlich geht es bei Geld immer um Vertrauen. Vertrauen wurde ursprünglich durch religiöse Beglaubigungsverfahren wie Opfergaben hergestellt. Später durch die Bindung des Geldwertes an Edelmetalle wie Gold und Silber. Und zuletzt durch Staatsgarantien auf Bankeinlagen oder für Staatsanleihen. Mit der Einführung des ZeitGeldes kann erstmals seit Abschaffung des Goldstandards wieder eine Deckung des Geldes eingeführt werden, nämlich die Lebenszeit aller Menschen, die an dem Geldsystem teilnehmen.

Das ZeitGeldSystem basiert auf drei Prämissen:

1. Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.
2. So wie die Natur die bedingungslose Grundlage aller frei lebenden Kreaturen, von den Pflanzen, Insekten über Fische und Vögel bis zu den Säugetieren ist, nach ihrer Art zu leben, so muss die Zivilisation die bedingungslose Grundlage für jeden einzelnen Menschen sein, frei nach seinen Idealen zu leben. Auf Grundlage von Wissenschaft, Technik und Kultur des 21. Jahrhunderts ist dies möglich!
3. Jede Stunde und jeder Tag jedes Menschen ist gleich viel Wert.

Es ist Common Sense, dass die Digitalisierung weiter fortschreiten wird. Die Digitalisierung ist auch die Grundlage des ZeitGeldSystems. Die Grundelemente der Digitalisierung sind Veränderung und Vernetzung.

Vor dem Einzug von Computern in unser Leben waren wir gewohnt, dass wir fertige Dinge kaufen, d.h. Dinge, die, so wie sie sind, Jahre oder Jahrzehnte funktionieren. Seit dem Computerzeitalter wissen wir, dass die von Menschen geschaffenen Dinge nie „fertig“ werden. Insbesondere bei Software ist es substanziell, dass sie nie fertig wird, weil sie ständig auf neue Bedürfnisse reagiert und mit jeder neuen Release neue Möglichkeiten eröffnet, oder alte Fehler beseitigt. Jede Software ist ein offenes System. Das Internet, die Vernetzung, ist integrierter Bestandteil dieses Systems der laufenden Veränderung. Die Vernetzung ist heute bereits weltweit möglich und wird – Stichwort „Internet der Dinge“ - weiter voran schreiten.

Das ZeitGeldSystem basiert damit logischer Weise auf einer offenen Software-Plattform. Open Source Lösungen wie Linux oder Systeme der kollektiven Intelligenz wie Wikipedia sind Vorbilder für ZeitGeld.net

ZeitGeld.net soll nicht das hunderste amazon, ebay oder facebook werden, sondern eine reine Währungs-Plattform, eine offene Drehscheibe der Währung der Zukunft. Natürlich braucht diese Plattform Schnittstellen zu bestehenden Portalen, dazu später.

Die Formel Geld = Vertrauen gilt umso mehr für ZeitGeld. Die Registrierung auf Zeitgeld muss daher den Sicherheitsstandards bisheriger Onlinebanksysteme entsprechen. Das impliziert, dass sich jeder mit Echtnamen und entsprechenden Dokumenten registriert.

Die Währungseinheiten von Zeitgeld sind: Minuten, Stunden, Tage und Jahre, wobei ein Jahr 365,25 Tage sind.

Sobald ein User registriert ist, kann er mit jedem anderen registrierte User interagieren, d.h. mit seinem Zeitkonto zahlen.

Hier ein idealtypischer Anwendungsfall:

Ein A(nwalt) berät eine P(utzfrau). Dauer: 1 Stunde
P reinigt das Büro von A Dauer: 1 Stunde
Zeit gegen Zeit gerechnet = beide sind quitt. Dafür braucht es noch keine elektronischen Hilfsmittel, wenn an einem Austausch (Geben und Nehmen + Nehmen und Geben) nur zwei Personen teilnehmen. Wenn drei Personen, die nicht in direkter Beziehung stehen, die Leistung erbringen, so wird es schon komplexer:

A berät B(auarbeiter) Dauer: 2 Stunden
B renoviert die Wohnung von P Dauer: 20 Stunden
P reinigt das Büro von A Dauer: 4 Stunden

Idealtypisch überweist B an A 2 Stunden, P an B 20 Stunden und A an P 4 Stunden von seinem ZeitGeldKonto

An der Stelle kommt zwingend der Einwand, nicht jede Stunde ist gleich viel wert, der Anwalt verdient ja mehr, denn er musste viele Jahre studieren. Der gelernte Handwerker verdient seinerseits mehr als eine ungelernte Putzfrau.
Gegenargument 1: Einen Großteil der Kosten für die Ausbildung des Anwalts hat die Gesellschaft getragen. Bauarbeiter und Putzfrau wurden nicht gefragt, ob sie bereit sind dem Anwalt eine tolle Zukunft mit hohen Gagen zu finanzieren.
Gegenargument 2: Der Anwalt hat demnach mindestens fünf UNI-Jahre von der Gesellschaft Leistungen bekommen – und nach heutigem System der Gesellschaft nicht zurück bezahlt. (Gegeneinwand: er zahlt höhere Steuern. Gegenargument: die schlauen Anwälte haben wesentlich mehr Möglichkeiten zur „Steueroptimierung“ als Bauarbeitern und Putzfrau.)
Gegenargument 3: Ich kann mir eine ideale Gesellschaft ohne Rechtsanwälte vorstellen, nicht aber ohne Reinigungskräfte.
Conclusio: Das Leben besteht aus GEBEN UND NEHMEN – und das ZeitGeldKonto bildet diese elementare Wechselwirkung einer jeden Gemeinschaft ab. Die Prämisse 3 des ZeitGeldSystems - Jede Stunde und jeder Tag jedes Menschen ist gleich viel wert - ist der erste Grundsatz, das höchste Ideal, des ZeitGeldKontos. Mit Sicherheit ist dieses Ideal nicht von Anfang an realisierbar, aber es soll als Ideal für eine bessere, gerechtere Zukunft die Grundlage des Systems bleiben.

Der praktischen Umsetzung tun diese Differenzen keinen Abbruch. Das ZeitGeldSystem erhebt ja nicht den Anspruch, Formen der Ungerechtigkeit, die sich über Jahrhunderte entwickelt und in den vergangenen Jahrzehnten zugespitzt haben, SOFORT zu beseitigen, sondern will die Basis dafür sein, diese Ungerechtigkeiten schrittweise zu beseitigen. Jeder KANN sich daran beteiligen, aber niemand MUSS sich daran beteiligen.

Da unsere Zivilisation weitgehend zur Dienstleistungsgesellschaft geworden ist, ist das ZeitGeld in mindestens 50 Prozent der privaten und geschäftlichen Beziehungen sofort einsetzbar. Nochmals zum Ideal:

Dienstleistung (DL) gegen DL ist am gerechtesten 1:1 zu begleichen (jede Stunde jedes Menschenlebens ist gleich viel wert).

An der Stelle kommt zwingend der Einwand, dass nicht jeder Mensch in einer Stunde gleich viel leistet und demnach jede erbrachte Leistung gleich zu bezahlen ungerecht wäre.
Gegenargument 1: Diese Form der Ungerechtigkeit ist auch im bestehenden System gegeben, allerdings von allen Ungerechtigkeiten in der aktuellen Wirtschaftswelt die geringste. Mit Sicherheit ist es ungerechter, dass ein Broker in wenigen Sekunden Provisionen kassiert die eine Putzfrau nicht einmal in einem Jahr verdienen kann.
Gegenargument 2: Das real existierende Lohn- und Honorarsystem hat sich längst vom Leistungsprinzip entkoppelt. Keine Leistung dieser Welt kann 100 mal, oder gar 10.000 mal mehr Wert sein als die Leistung eines anderen Menschen.
Conclusio: Ich halte jede Entlohnung, die über dem 10-fachen des Durchschnittslohnes liegt, für moralisch untragbar. Der Begriff der „Leistung“ muss, so wie der Begriff der „Arbeit“ künftig neu gedacht und definiert werden. Es gibt im derzeitigen System eine Unmenge von „Leistungen“ mit höchster Bezahlung, die völlig überflüssig sind, während Leistungen mit wachsender Nachfrage aus dem Niedriglohnsektor nicht hinaus kommen. Würden die „Gesetze des freien Marktes“ wirklich gelten, müssten Pflegejobs (große Nachfrage) längst höher bezahlt werden als jene der Finanzjongleure (sinkender Bedarf), die letztlich nur noch computergesteuert agieren.

Flexibilität in der Anwendung

Für die Verwendung von Zeitgeld gibt es natürlich keine Vorschrift von ZeitGeld.net, wer wem wie viele Stunden überweist. Es gilt, so wie schon jetzt in jedem Geschäft, künftig aber noch mehr: der Vertrauensgrundsatz. Der Richtwert Stunde im realen Leben = Stunde im ZeitGeld steht als Ideal am Anfang, ist aber flexibel einsetzbar. Wenn A weiß, dass P1 einen Job in 3 Stunden macht, den P2, P3 und P4 bislang in 5 Stunden erledigt haben, ist es fair wenn P1 mehr als 3 Stunden ZeitGeld verrechnet. Wenn ein erfahrener Anwalt A1 eine Information in einer Stunde geben kann, für die ein Neuling A2 mehrere Stunden arbeiten müsste, ist es fair wenn A1 mehr als die Stunde verrechnet.

Es soll allerdings verhindert werden, dass gute Verhandler vom System profitieren und neue Benachteiligungen entstehen. Dafür sorgt eine Datenbank, die jede Transaktion aufzeichnet und anonymisiert auswertet. Bei einer Transaktion erscheint dann eine Information mit vergleichbaren Leistungen und dem durchschnittlichen ZeitGeldStundensatz.

ZeitGeld kann sofort international oder regional zur alternativen Währung werden.

ZeitGeld muss am Beginn parallel mit den bestehende Währungen verwendet werden, kann aber schrittweise bestehende Währungen ersetzen. ZeitGeld kann jederzeit von einem Verein, einer Gemeinde, einem Land oder einem Staat zur allgemeinen Währung werden, während gleichzeitig für noch nicht erfasste Produkte und Personen/Organisationen und für den Zahlungsverkehr außerhalb von ZeitGeld.Net die bestehenden Altwährungen weiter verwendet werden.

ZeitGeld kann sofort parallel zu allen bestehenden Währungen verwendet werden, kann aber langfristig die Grundlage für ein allgemeines, bedingungsloses Grundeinkommen werden. Die Abwicklung des Altsystems wird damit auf friedlichem Wege erst möglich, weil die Menschen nicht in Panik geraten, wenn es bereits eine funktionierende Alternative gibt, wenn die Blase platzt oder wenn die Staaten beginnen einen internationalen Schuldenausgleich zu verhandeln.

Grundfunktionen von ZeitGeld.Net

Registrierung
Überweisung
Aufbewahrung des ZeitGeldGuthabens

Jeder Mensch hat das Recht auf ein ZeitGeldKonto.

Jeder Mensch, der sich registriert, bekommt ein Guthaben (=Vertrauensvorschuss) von 24 Stunden.

Wenn Kommunen ZeitGeld zur offiziellen Währung machen, erhalten sie Verwaltungsrechte für die Mitglieder ihrer Kommune (z.B den Vertrauensvorschuss zu erhöhen). Jede Kommune muss ihre Statuten, Mitglieder und Organe auf ZeitGeld.Net veröffentlichen.

User können physische oder juristische Personen sein. Organisationen und Unternehmen bekommen bei Registrierung automatisch ein Guthaben von einer Woche (168 Stunden).

Das ZeitGeldKonto kann nicht negativ werden (kann nicht überzogen werden).

Für Produkte müssen Zeit-Äquivalente errechnet werden. Algorithmen für Zeit-Äquivalente müssen folgende Aspekte berücksichtigen: Entwicklungszeit, Produktionszeit, Lieferzeit, Energieverbrauch, Rohstoffe, Entsorgungsaufwand.

ZeitGeld.Net ist keine Handelsplattform, sondern eine Bezahlplattform. Eine Datenbank soll jedoch jeden Handel anonymisiert erfassen und so a la long für Produkte angemessene Zeitgeld-Einheiten entwickeln.

Schnittstellen zu Handels- und Dienstleistungsplattformen müssen so gestaltet werden, dass ZeitGeld.Net wie andere Möglichkeiten zur Bezahlung genutzt werden können (Zahlungsform: Kreditkarte, Kontoverbindung, ZeitGeldKonto).

Eine ZeitGeldApp kann wie Whatsapp Kreise für eine geschlossene ZeitGeldGruppe definieren (z.B. alle Mitglieder eines Vereins)

ZeitGeld.Net kann für Crowd Funding genutzt werden.

No-Gos

ZeitGeld darf nicht gegen bestehendes Geld getauscht werden.

Es darf keine Schnittstelle zu den bestehenden Geld- und Währungssystemen geben, d.h. der Wechsel von Zeitgeld in irgend eine andere Währung dieser Welt muss von vornherein ausgeschlosssen werden, denn Geld ist kein Produkt wie jedes andere! Geld ist überhaupt kein Produkt, so wenig wie Gerechtigkeit und Freiheit Produkte sind.

Börsen für Zeitgeld sind unzulässig. Das Wesen von Geld ist Vertrauen, das Wesen von ZeitGeld umso mehr. Spekulation mit ZeitGeld verstößt gegen den Vertrauensgrundsatz.

Die Anhäufung von ZeitGeldGuthaben von mehr als einem Jahr pro Konto ist untersagt und technisch zu unterbinden. Beträge, die über einem ZeitGeldJahr liegen, werden automatisch an den Abesender zurück gebucht.

Beträge die über einem ZeitGeldJahr liegen, verfallen nach einer angemessenen Frist (z.B. vier Wochen).

Die Vererbung von ZeitGeldKonten ist nicht möglich. Ein ZeitGeldKonto erlischt mit dem Leben eines Menschen.

Mechanismen gegen Missbrauch sind zu prüfen.

 


 

Mephistopheles erfindet das Papiergeld (Mahnung an die Gläubigen der Golddeckung). Und: was passiert, wenn der Kaiser das Geld verschenkt (Mahnung an die Vertreter des Bedingungslosen Grundeinkommens, BGE)

Der Tragödie zweiter Teil, 1. Akt, Lustgarten

Zitiert aus: Projekt Gutenberg

Kaiser. Welch gut Geschick hat dich hieher gebracht,

Unmittelbar aus Tausend Einer Nacht?

Gleichst du an Fruchtbarkeit Scheherazaden,

Versichr' ich dich der höchsten aller Gnaden.

Sei stets bereit, wenn eure Tageswelt,

Wie's oft geschieht, mir widerlichst mißfällt.

Marschalk. Durchlauchtigster, ich dacht' in meinem Leben

Vom schönsten Glück Verkündung nicht zu geben

Als diese, die mich hoch beglückt,

In deiner Gegenwart entzückt:

Rechnung für Rechnung ist berichtigt,

Die Wucherklauen sind beschwichtigt,

Los bin ich solcher Höllenpein;

Im Himmel kann's nicht heitrer sein.

Heermeister. Abschläglich ist der Sold entrichtet,

Das ganze Heer aufs neu' verpflichtet,

Der Landsknecht fühlt sich frisches Blut,

Und Wirt und Dirnen haben's gut.

Kaiser. Wie atmet eure Brust erweitert!

Das faltige Gesicht erheitert!

Wie eilig tretet ihr heran!

Schatzmeister. Befrage diese, die das Werk getan.

Faust. Dem Kanzler ziemt's, die Sache vorzutragen.

Kanzler. Beglückt genug in meinen alten Tagen. –

So hört und schaut das schicksalschwere Blatt,

Das alles Weh in Wohl verwandelt hat.

»Zu wissen sei es jedem, der's begehrt:

Der Zettel hier ist tausend Kronen wert.

Ihm liegt gesichert, als gewisses Pfand,

Unzahl vergrabnen Guts im Kaiserland.

Nun ist gesorgt, damit der reiche Schatz,

Sogleich gehoben, diene zum Ersatz.«

Kaiser. Ich ahne Frevel, ungeheuren Trug!

Wer fälschte hier des Kaisers Namenszug?

Ist solch Verbrechen ungestraft geblieben?

Schatzmeister. Erinnre dich! hast selbst es unterschrieben;

Erst heute nacht. Du standst als großer Pan,

Der Kanzler sprach mit uns zu dir heran:

»Gewähre dir das hohe Festvergnügen,

Des Volkes Heil, mit wenig Federzügen.«

Du zogst sie rein, dann ward's in dieser Nacht

Durch Tausendkünstler schnell vertausendfacht.

Damit die Wohltat allen gleich gedeihe,

So stempelten wir gleich die ganze Reihe,

Zehn, Dreißig, Funfzig, Hundert sind parat.

Ihr denkt euch nicht, wie wohl's dem Volke tat.

Seht eure Stadt, sonst halb im Tod verschimmelt,

Wie alles lebt und lustgenießend wimmelt!

Obschon dein Name längst die Welt beglückt,

Man hat ihn nie so freundlich angeblickt.

Das Alphabet ist nun erst überzählig,

In diesem Zeichen wird nun jeder selig.

Kaiser. Und meinen Leuten gilt's für gutes Gold?

Dem Heer, dem Hofe gnügt's zu vollem Sold?

So sehr mich's wundert, muß ich's gelten lassen.

Marschalk. Unmöglich wär's, die Flüchtigen einzufassen;

Mit Blitzeswink zerstreute sich's im Lauf.

Die Wechslerbänke stehen sperrig auf:

Man honoriert daselbst ein jedes Blatt

Durch Gold und Silber, freilich mit Rabatt.

Nun geht's von da zum Fleischer, Bäcker, Schenken;

Die halbe Welt scheint nur an Schmaus zu denken,

Wenn sich die andre neu in Kleidern bläht.

Der Krämer schneidet aus, der Schneider näht.

Bei »Hoch dem Kaiser!« sprudelt's in den Kellern,

Dort kocht's und brät's und klappert mit den Tellern.

Mephistopheles. Wer die Terrassen einsam abspaziert,

Gewahrt die Schönste, herrlich aufgeziert,

Ein Aug' verdeckt vom stolzen Pfauenwedel,

Sie schmunzelt uns und blickt nach solcher Schedel;

Und hurt'ger als durch Witz und Redekunst

Vermittelt sich die reichste Liebesgunst.

Man wird sich nicht mit Börs' und Beutel plagen,

Ein Blättchen ist im Busen leicht zu tragen,

Mit Liebesbrieflein paart's bequem sich hier.

Der Priester trägt's andächtig im Brevier,

Und der Soldat, um rascher sich zu wenden,

Erleichtert schnell den Gürtel seiner Lenden.

Die Majestät verzeihe, wenn ins Kleine

Das hohe Werk ich zu erniedern scheine.

Faust. Das übermaß der Schätze, das, erstarrt,

In deinen Landen tief im Boden harrt,

Liegt ungenutzt. Der weiteste Gedanke

Ist solchen Reichtums kümmerlichste Schranke;

Die Phantasie, in ihrem höchsten Flug,

Sie strengt sich an und tut sich nie genug.

Doch fassen Geister, würdig, tief zu schauen,

Zum Grenzenlosen grenzenlos Vertrauen.

Mephistopheles. Ein solch Papier, an Gold und Perlen Statt,

Ist so bequem, man weiß doch, was man hat;

Man braucht nicht erst zu markten, noch zu tauschen,

Kann sich nach Lust in Lieb' und Wein berauschen.

Will man Metall, ein Wechsler ist bereit,

Und fehlt es da, so gräbt man eine Zeit.

Pokal und Kette wird verauktioniert,

Und das Papier, sogleich amortisiert,

Beschämt den Zweifler, der uns frech verhöhnt.

Man will nichts anders, ist daran gewöhnt.

So bleibt von nun an allen Kaiserlanden

An Kleinod, Gold, Papier genug vorhanden.

Kaiser. Das hohe Wohl verdankt euch unser Reich;

Wo möglich sei der Lohn dem Dienste gleich.

Vertraut sei euch des Reiches innrer Boden,

Ihr seid der Schätze würdigste Kustoden.

Ihr kennt den weiten, wohlverwahrten Hort,

Und wenn man gräbt, so sei's auf euer Wort.

Vereint euch nun, ihr Meister unsres Schatzes,

Erfüllt mit Lust die Würden eures Platzes,

Wo mit der obern sich die Unterwelt,

In Einigkeit beglückt, zusammenstellt.

Schatzmeister. Soll zwischen uns kein fernster Zwist sich regen,

Ich liebe mir den Zaubrer zum Kollegen.

Kaiser. Beschenk' ich nun bei Hofe Mann für Mann,

Gesteh' er mir, wozu er's brauchen kann.

Page. Ich lebe lustig, heiter, guter Dinge.

Ein Andrer. Ich schaffe gleich dem Liebchen Kett' und Ringe.

Kämmerer. Von nun an trink' ich doppelt beßre Flasche.

Ein Andrer. Die Würfel jucken mich schon in der Tasche.

Bannerherr. Mein Schloß und Feld, ich mach' es schuldenfrei.

Ein Andrer. Es ist ein Schatz, den leg' ich Schätzen bei.

KaiserIch hoffte Lust und Mut zu neuen Taten;

Doch wer euch kennt, der wird euch leicht erraten.

Ich merk' es wohl: bei aller Schätze Flor,

Wie ihr gewesen, bleibt ihr nach wie vor.

Narr. Ihr spendet Gnaden, gönnt auch mir davon!

Kaiser. Und lebst du wieder, du vertrinkst sie schon.

Narr. Die Zauberblätter! ich versteh's nicht recht.

Kaiser. Das glaub' ich wohl, denn du gebrauchst sie schlecht.

Narr. Da fallen andere; weiß nicht, was ich tu'.

Kaiser. Nimm sie nur hin, sie fielen dir ja zu.

Narr. Fünftausend Kronen wären mir zu Handen!

Mephistopheles. Zweibeiniger Schlauch, bist wieder auferstanden?

Narr. Geschieht mir oft, doch nicht so gut als jetzt.

Mephistopheles. Du freust dich so, daß dich's in Schweiß versetzt.

Narr. Da seht nur her, ist das wohl Geldes wert?

Mephistopheles. Du hast dafür, was Schlund und Bauch begehrt.

Narr. Und kaufen kann ich Acker, Haus und Vieh?

Mephistopheles. Versteht sich! Biete nur, das fehlt dir nie.

Narr. Und Schloß, mit Wald und Jagd und Fischbach? –

Mephistopheles. ... Traun!

Ich möchte dich gestrengen Herrn wohl schaun!

Narr. Heut abend wieg' ich mich im Grundbesitz! –

Mephistopheles. Wer zweifelt noch an unsres Narren Witz!