Kritik mit beschränkter Haftung

25. August 2023 - Scheinbar kritisch kommentiert Kathrin Gulnerits: "Beim bevorstehenden Prozess gegen Ex-Kanzler Sebastian Kurz geht es um weit mehr als um Strafrecht, Befindlichkeiten und Rechthaberei."

Gulnerits NEWS

Bezugnehmend auf einen Kurz-Tweet kritisiert die NEWS-Chefredakteurin: "In den vielen Zeilen ist bemerkenswert viel von 'wir' die Rede. Doch was heißt 'wir'? Wir, mein Anwalt und ich? Meine Familie? Wir, die auf der richtigen Seite des juristischen Weges stehen? Absender ist schließlich einer, der in der Vergangenheit vor allem eines praktiziert hat: 'Ich! Ich! Ich!' – und dabei letztlich auch an sich selbst gescheitert ist." ethos.at klärt auf: Die Antwort auf die Frage "was heißt wir?" liegt auf der Hand.

: Wir, das ist die ÖVP: Basti Kurz, der in seinem ganzen Leben mit, in und durch die ÖVP existiert hat, meint bis heute mit "wir" die ÖVP. So gesehen ist der Verweis auf den egomanischen Charakter des Ex-Kanzlers ein Ablenkungsmanöver. Das übergroße Ich von Kurz haben die "Königsmacher" der ÖVP genau so lange akzeptiert, wie er ihnen Stimmen brachte. Man darf nie vergessen, dass jede Stimme bei einem Landes- und Bundeswahlgang bares Geld wert ist! (Siehe: Missbrauch mit Parteienförderung)

Als absehbar war, dass die Fortsetzung seiner Kanzlerschaft zu einem Dauerbeschuss der Medien führen würde, wurde Kurz von eben diesen ÖVP-Granden kurz und schmerzlos abserviert. Grund dafür waren nicht nur SMSen oder gefakte Umfragen (welche von Parteien beauftragte Umfragen bringen denn nicht das Ergebnis, das die Partei wünscht?). Grund dafür war die Tatsache, dass Kurz und seine Freunderl nicht mehr länger tragbar waren - so würde das ein Moralist beurteilen. Die Parteiwahrheit sieht anders aus: Kurz und seine Freunderl waren nicht mehr länger tragfähig, sie waren nicht mehr fähig die in sie gesetzten Hoffnungen, gute Wahlergebnisse einzufahren, zu erfüllen. Ihren Wählerbonus und ihr Stimmpotenzial haben Kurz und Co ganz und gar verspielt. Für die Parteigranden zählt der simple Grund: Kurz hat seine Zugkraft verloren, deshalb kann man ihn vor keinen Zug mehr spannen. Vor keinen Regierungszug und noch weniger vor den ÖVP-Zug in die nächste Nationalratswahl.

Wie der vorliegende NEWS-Kommentar beweist, haben die ÖVP-Granden den richtigen Schachzug gemacht. Bis heute beschäftigen sich die Massenmedien des Landes nur mit den Nebensächlichkeiten der Kurz-Ära, z.B. mit einer lächerlichen Million für eine Tageszeitung, die mit jeder Ausgabe den Namen unserer Republik besudelt. Aber kein Wort verlieren die  Medien über dreistellige Millionenbeträge, die in der Kurz-Ära für Corona-Propaganda ausgeschüttet wurden.  Ausgeschüttet an die gefügigen, gleichgeschalteten Massenmedien dieses Land.

Wie News beweist wird weiterhin keine Kritik am System ÖVP, das derzeit Nehammer anführt, geübt. Kein Wort der Kritik an der Alibi-Kommission zur Corona-Aufarbeitung, kein Wort der Kritik an Nehammers Geschichtsfälschung. ethos.at hat die Nehammer-Lüge, wonach uns die Neutralität "aufgezwungen wurde von den Sowjetkommunisten als Preis dafür, dass wir die Freiheit wieder erlangen konnten 1955", mit Originalquellen widerlegt. NEWS wird darüber solange nicht berichten, wie Nehammer in "Amt und Würden" ist. Dann aber, ja dann, wird man vielleicht sogar zum Thema machen, dass Nehammers Versuch, das neutrale Österreich an die NATO zu verkaufen, als Hochverrat zu bezeichnen ist. Dass einst ethos.at darüber geschrieben hat, das wird man auch in Zukunft den Lesern von NEWS verschweigen. (Siehe: Die Geburt der österreichischen Nation aus dem Geist der Neutralität).