Gott und Geld - Immanuel Kant: Kritik als Methode

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 Die Bedingung der Möglichkeit der Erkenntnis

Wer Kants Kritik nur oberflächlich aus dem Schulunterricht kennt, wird sich an die Aussage erinnern, dass „das Ding an sich“ nicht erkannt werden kann. Demnach kann auch ein „System an sich“ nicht erkannt werden. Zur Aufklärung dieses Dilemmas muss hier erklärt werden, was das Wesen der Kritik, richtiger gesagt: die Methode der Kritik ausmacht. Das „Geschäft der Kritik“ wie Kant formuliert, ist es, die Bedingung der Möglichkeit der Erkenntnis zu ergründen und zu begründen und damit die Grenzen der Erkenntnis (d.h. die Grenzen unserer Erkenntnisfähigkeit) aufzuzeigen. Seine Kritiken sind so schwer zu lesen, weil Kant uns keine fertigen Begründungen liefert, sondern uns an seinem Prozess der Ergründung der Elementarbegriffe der Metaphysik teilnehmen lässt. So bleibt die Methode und ihre Begründung für den ungeübten Leser unklar und verschwommen.

Hier die wesentlichen Grundlagen der kritischen Methode: Grenzbegriffe, die vor der Erkenntnis stehen, sind die Kategorien (Elementarbegriffe wie Kausalität, Quantität, Qualität, Modalität), und die „reinen Anschauungen“ Raum und Zeit. Darüber hinaus gibt es Ideen (spekulative Begriffe, die über der Erkenntnis stehen). Kant unterscheidet psychologische, kosmologische und theologische Ideen, die „lauter reine Vernunftbegriffe sind, die in keiner Erfahrung gegeben werden können“, die aber dazu geeignet sind, unseren Verstandesgebrauch zu einer synthetischen Einheit zu bringen. (P § 56) Bewusstsein und Selbstbewusstsein, sind psychologische Ideen, Unendlichkeit und Universum sind kosmologische Ideen, Gott und Schöpfung sind theologische Ideen. Ideen, reine Vernunftbegriffe und spekulative Begriffe sind bei Kant weitgehend synonym. Spekulation ist demnach nicht grundsätzlich abwertend gemeint, wird aber scharf kritisiert, wenn sie sich als Wissenschaft ausgibt.

Kant hat bewiesen, dass spekulative Aussagen (Behauptungen, Urteile) nicht bewiesen werden können. So bringt er in der vierten „Antinomie der reinen Vernunft“ den Nachweis, dass sowohl die Aussage, dass die Welt einen Schöpfer habe, als auch die Aussage, es gebe kein „schlechthin notwendiges Wesen in und außer der Welt“ wahr sein können. Mit den gleichen Begründungen (Untersuchung ihrer Gründe) ist aber auch nachweisbar, dass beide Behauptungen falsch sind.

Vereinfacht gesagt: spekulative Begriffe (Gott, Unendlichkeit, Bewusstsien uvm) übersteigen die Grenzen unserer Erkenntnisfähigkeit. Erkenntnis ist nur möglich, wenn die Aussagen empirisch verifizierbar sind. (Randbemerkung: die Frage nach dem Anfang unserer Welt ist eine Frage der Metaphysik, auch wenn die Physik heute sehr viel GELD ausgibt, um diese Frage zu ergründen.) Da die „letzte Wahrheit“ mit den Mitteln der Vernunft nicht erreichbar, nicht verifizierbar ist, grenzte Karl Popper die Position Kants ein. Demnach sind wissenschaftlich nur jene Aussagen (Behauptungen, Urteile), die falsifizierbar sind.

Der Begriff „Finanzwissenschaft“ suggeriert Wissenschaftlichkeit. Dies ist aber bei kritischer Betrachtung nicht mehr, aber auch nicht weniger als Suggestion. Die Finanzwissenschaft ist in dem (und nur in dem Sinne) Wissenschaft, wie die Theologie eine Wissenschaft ist. Es wäre falsch zu behaupten, die Währungshüter von heute sind vergleichbar mit Hohepriestern früherer Zeiten. Richtig ist vielmehr: Die obersten Währungshüter in den Zentralbanken haben die Rolle der Oberpiester und Päpste übernommen, sie haben die Hohepriester ersetzt. Sie sind die Alchemisten unserer Zeit!

Im Unterschied zur Einschätzung von Irwin sind die Zentralbanken nicht die „Retter“ (religiös: Erlöser) der Menschheit, im Kampf gegen die privaten (bösen) Spekulanten, sondern Teil eines geschlossenen Systems. Derzeit steht am Anfang der Geldschöpfung immer ein Kredit. Deshalb nennt man das Geld auch Schuldgeld. Da die Banken schon lange nicht mehr Spareinlagen in Kredite umwandeln, sondern lediglich eine Buchung in ihre Computer eintragen, nennt man das Geld Fiatgeld. Jede Privatbank nimmt so an der Geldschöpfung teil, die Zentralbanken halten aber den Mythos aufrecht, sie seien Kreditgeber der letzten Instanz.