Neuwahl in Österreich? Stopp!

oe24 Neuwahlantrag 2025 02 21

21. Februar 2025 – „FPÖ stellt nächste Woche Neuwahlantrag“, berichtet oe24.at (20.2.2025). Gerald Grosz zwitschert: Richtig! ethos.at kommentiert: Falsch! Die FPÖ sollte sich um bessere Gesetzgebung im Parlament kümmern. Dafür und nur dafür wurde sie gewählt! Die FPÖ könnte die Selbstentmächtigung des Parlaments beenden. Jetzt! Das wäre eine echte Demokratie-Wende, nicht Wahlkampf ohne Ende.

Haben die Demonstranten gegen Blau-Schwarz Kickl als „Volkskanzler“ gestoppt, wurde er absichtlich von der ÖVP ausgebremst, oder hat er die Notbremse gezogen? Von all dem ein bisserl was, doch am stärksten wurde Kickl von dem System gebremst, von dem er sich als alter Parteifunktionär nicht befreien kann – vom System der österreichischen Realverfassung, die die Interessen der Parteien über die Interessen des Landes stellt. 

Realverfassung bedeutet: die in den Nationalrat gewählten Parteien interessieren sich nicht im geringsten für Gesetzgebung, stellen aber „Machtansprüche“ in den Regierungsverhandlungen, die sie von den Wählerstimmen ableiten. Dabei ignorieren sie allesamt die Prinzipien der Gewaltenteilung, wonach das Parlament gemäß Artikel 24 B-VG für Gesetzgebung zuständig ist und die Regierung für die Exekutive gemäß Artikel 19 B-VG.

Die Frage, wer hat wen ausgebremst, muss daher (wie nach jeder Wahl seit Beginn der 2. Republik) so beantwortet werden: die Realverfassung hat die Verfassung ausgebremst. Und nochmals: ein kausaler Zusammenhang zwischen NR-Wahl und Regierungsbildung besteht laut B-VG und auch laut BVG nicht.

Dass die nach einer NR-Wahl stärkste Partei den „Regierungsanspruch stellt“ ist in der österreichischen Verfassung nicht vorgesehen. Es ist aber so üblich. Die Verfassung ist kein Gewohnheitsrecht. Die gängige Praxis ist demnach so verfassungskonform oder verfassungsbelanglos wie die Eröffnung des Opernballs mit dem Donauwalzer. Das gleiche gilt für den „Regierungsbildungsauftrag“ den der Bundespräsident verfassungsignorant aber weihevoll erteilt.

Auch Kickl hat die Maxime der Österreichischen Regierungsbildungen verinnerlicht, wonach eine Regierung „gestalten“ müsse. Die vorherrschende Ideologie des Landes, die von allen Altpartein genauso wie von allen Massenmedien ununterbrochen getrommelt und deshalb von kritischen wie konformistischen Menschen unseres Landes als alternativlos hingenommen wird, formuliert oe24.at-Chef Wolfgang Fellner einen Tag vor dem Stopp der blau-schwarzen Regierungsverhandlungen:

Bitte fahrt dieses Land nicht an die Wand! fleht in Engelszungen der Gottseibeiuns aller österreichischen Politiker und malt dabei die aus seiner Sicht größtmögliche Bedrohung Österreichs an die Wand: Falls Parteienverhandlungen zur Regierungsbildung scheitern: „Dann droht uns eine ‚Experten-Regierung‘ von Van der Bellens Gnaden. Das heißt: Totaler Stillstand im Land, keine Reformen, keine Dynamik, keine Visionen.“

Ohne Zynismus könnte man darauf antworten: da unser Land von Türkis-Grün direkt auf den Abgrund zugesteuert wurde, wäre ein sofortiger Stopp das Beste! Und unabdingbar für eine Umkehr! Je länger der Stopp der bisherigen willkürlichen Regierungsallmacht, sowie der bisherigen Selbstentmächtigung des Nationalrats anhält, umso besser für unser Land!

Mit gutem Grund muss man dazu sagen, wenn das Land Reformen, Dynamik und Visionen braucht, dann müssen diese gemäß Artikel 1 B-VG vom Volk ausgehen, nicht von der Regierung! Die direkten und einzigen Repräsentanten des Volkes sind die Abgeordneten des Parlaments, 183 Nationalratsabgeordnete und 60 Bundesräte. Die bislang allmächtige Regierung ist, wenn überhaupt, Repräsentant des Staates; laut Verfassung: oberstes Organ der Vollziehung! Diese Unterscheidungen sollte man einmal bedenken, verstehen und daraus eine neue demokratische Praxis ableiten, die der Verfassung entspricht und dem Grundprinzip der Demokratie, der Gewaltenteilung.

Alle Neuwahlen bringen nix, bevor die Weichen nicht neu gestellt wurden. Wenn die FPÖ ihren eigenen Zug nicht auf neue Schienen stellt – das bedeutet auch Öffnung der Zugtüren für hunderte Bewegungen der APO, die von der FPÖ genau so ignoriert werden wie die FPÖ von den „Systemparteien“ – dann werden der FPÖ auch 35 Prozent der Wählerstimmen nicht weiter helfen. Sie müsste nach der Wahl genau dort weiter machen, wo sie gerade erst ausgebremst wurde oder sich selbst ausgebremst hat. Sapere aude!

Warum hat das Parlament nicht schon längst mit seiner Arbeit begonnen? Warum warten 183 Nationalratsabgeordnete darauf, dass eine Regierung ihnen Gesetzesvorlagen macht, über die sie dann öffentliche Scheingefechte führen, anstatt – im Interesse der Bevölkerung – Gesetzesanträge einzubringen? Konkreter Vorschlag: Abschaffung des völlig sinnlosen Krisensicherheitsgesetzes, das Nehammer kurz vor seinem Abgang durchgeboxt hat – allein um der ÖVP noch ein paar Pfründe zu schaffen. Ausnahmsweise waren SPÖ+NEOS+FPÖ einstimmt dagegen. Heute hätten sie eine Mehrheit das Gesetz umgehend abzuschaffen! Aufgrund abstruser Autosuggestion rühren sich die Abgeordneten nicht vom Fleck! WARUM?? Fangt an zu arbeiten! Stoppt das Krisensicherheitsgesetz! Stoppt hunderte Gesetze, die schon längst ausgemistet gehörten! Stoppt! Das ist die neue Vision, an deren Umsetzung der Nationalrat zwei Legislaturperioden lang arbeiten könnte!

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UPDATE 22. Februar.2025 – Jetzt ist wirklich etwas weitergegangen“, ist der Eindruck von BP VdB, der am Samstag, 22.2.2025, mit ÖVP-Stocker, SPÖ-Babler und NEOS-Meinl-Reisinger vor die Presse tritt um die kommende Regierung anzukündigen. (ORF.at berichtet)

O-Ton Babler: „Wir sind uns gemeinsam einig, dass wir nunmehr in diesem Finalisierungsprozess gemeinsam die Bereitschaft spüren, eintreten zu wollen um möglichst schnell auch eine stabile und eine handlungsfähige Bundesregierung in Österreicherinnen und Österreichern anbieten zu können, die ins Handeln kommt. Wir starten jetzt…“

O-Ton Meinl-Reisinger: „Es ist keine leichte Situation und uns ist allen bewusst, dass die letzten Tage, Wochen, Monate durchaus eine Geduldsprobe für die Österreicherinnen und Österreicher gewesen ist gerade in politischer Hinsicht. Aber es ist nicht leicht. Ich möchte gleich vorweg sagen, dass wir immer zu jeder Zeit gesehen haben, dass es notwendig ist, dieses aufeinander Zugehen und die Konstruktivität an den Tag zu legen, mit unterschiedlichen Wegen zu Lösungen zu kommen wie wir bald rasch wirklich eine handlungsfähige Regierung ahm bilden können.“ Kommentar ethos.at: Den Wettbewerb der kommenden Regierung, wer mit den meisten Worten am wenigsten sagt, den hat MeinlR schon heute gewonnen.

NEOS-Chefin Beate MR steht kurz vor dem Höhepunkt ihrer Politkarriere, die sie offenbar mit einem Ministerposten krönen will. Da kommt ein Tiroler Parteirebell daher und versalzt ihr die Suppe. Dominik Oberhofer will statt Posten besetzen Themen setzen: „Wir NEOS stehen für einen lebendigen Parlamentarismus, dafür wurden wir gewählt. Wenn wir eine Themenpartnerschaft eingehen, haben wir genauso eine staatstragende Rolle und können Reformen anstoßen.“ Kommentar ethos.at: Es ist schön, wenn uns das ein NEOS Insider verrät. Vielleicht kann er uns auch noch verraten, warum wir die letzten fünf Jahre nix davon bemerkt haben!? Zur Entlastung von Oberhofer muss man anführen, dass er erst wenige Monate im Parlament sitzt und offenbar noch daran glaubt, was die NEOS vor gefühlten 100 Jahren in ihr Parteiprogramm geschrieben haben.

Update 3. März 2025 – Meinl Reisinger tritt erstmals als Außenministerin vor die Kameras, um uns zu erklären: „ich hab – euphemistisch gesprochen – ein gerütteltes Maß an Respekt vor der Aufgabe, die mich erwartet.“ ethos.at kommentiert: euphemistisch gesprochen wird Meinl-Reisinger den Kelch, den ihr Bäerbock gereicht hat, nicht an uns vorüberziehen lassen!

+ Demo: Neuwahlen jetzt! Martin Rutter ruft für 1. März zur Demo vor dem Parlament. Er hat erfolgreich gegen die Coronamaßnahmen mobilisiert. Man darf gespannt sein, ob seine Demo gegen die Koalition der Verlierer wieder MEGA wird.

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Bedrohung Expertenregierung?

fUF Titelstory 2025 02 12

11. Februar 2025 – Bitte fahrt dieses Land nicht an die Wand! fleht in Engelszungen der Gottseibeiuns aller österreichischen Politiker und malt dabei die aus seiner Sicht größtmögliche Bedrohung Österreichs an die Wand: Falls Parteienverhandlungen zur Regierungsbildung scheitern: „Dann droht uns eine „Experten-Regierung“ von Van der Bellens Gnaden. Das heißt: Totaler Stillstand im Land, keine Reformen, keine Dynamik, keine Visionen.“

Das bedeutet lediglich für das Schmierblatt, das mit jeder Ausgabe den Namen unserer Republik besudelt und ihren Chef Wolfgang Fellner Stillstand, denn dann gibt’s keinen Grund mehr für tägliche journalistische Aufregungen und Skandale nach der Formel: „Kogler beleidigt Kickl. Kickl schießt zurück.“

Das bedeutet jedoch für unser Land Österreich: Regierungsarbeit im Rahmen der Gesetze, die der Nationalrat (also die Parteien, die dafür und nur dafür am 29. September 2024 gewählt wurden!) beschließt. Das wäre keine „Bedrohung“ unserer Republik, sondern die Chance, wieder einmal Demokratie gemäß verfassungsmäßiger Gewaltentrennung zu praktizieren.

Zur Erinnerung Artikel 1 B-VG: „Das Recht geht vom Volk aus“ – genau dieses Recht „delegiert“ das Volk an die Volksvertreter im Nationalrat. Nochmals: mit und durch die Gesetzgebung hat das Parlament die höchste Macht im Lande. Die Selbstentmächtigung des Parlaments, das sich seit Jahrzehnten in schlechter Tradition von den Regierungen die Gesetze vorschreiben lässt, kann dank dauerhafter Expertenregierung endlich überwunden werden.

Will oder KANN das niemand in den Altparteine (inkl FPÖ) verstehen?

Update 12.2.25: Der Herausgeber des Schmierblatts „Ö“ erklärt uns, welche Politiker „nur mehr eine Schande!“ sind. Komisch, dass ihm nur drei Namen einfallen: Stocker, Babler und Kickl. In dieser moralinsauren Entrüstung darf auch das Worst-Case-Szenario für die Journaille nicht fehlen: „Das Letzte, was wir jetzt brauchen ist eine Experten-Regierung aus Beamten, die dieses Land in den kompletten Stillstand führt.“ Da unser Land, wie Fellner richtig bemerkt, vor dem Abgrund steht, wäre eine Zeitlang Stillstand und Besinnung!! vielleicht das Beste.

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P.S. Schon Stunden, bevor FPÖ und ÖVP ihre nächste Verhandlungsrunde eröffnen, ist oe24.com voll mit unzähligen „SHOWDOWN“-Meldungen. Wie schön wäre Österreich, wenn diese Journaille endlich zum STILLSTAND kommen würde!

oe24 Regvor AUS 2025 02 12

12.2.2025 ORF.at: „Koalitionsgespräche von FPÖ und ÖVP geplatzt

Über einen Monat haben FPÖ und ÖVP über die Bildung einer neuen Regierung verhandelt. Was sich bereits in den vergangenen Tagen abzeichnete, ist jetzt passiert: Die Koalitionsgespräche sind geplatzt. FPÖ-Chef Herbert Kickl legte den von Bundespräsident Alexander Van der Bellen erhaltenen Regierungsbildungsauftrag zurück. Die Verhandlungen zwischen FPÖ und ÖVP fanden somit das gleiche Schicksal wie zuvor jene zwischen ÖVP, SPÖ und NEOS. Noch heute soll sich der Bundespräsident zur Lage äußern.“

Update 20:00 Uhr – „Nach dem Scheitern der Koalitionsgespräche zwischen FPÖ und ÖVP will Bundespräsident Alexander Van der Bellen in den kommenden Tagen mit den verantwortlichen Politikern Gespräche führen, um auszuloten, welche der vier möglichen Varianten – Minderheitsregierung, Expertenregierung, Neuwahlen oder weitere Gespräche – die beste für das Staatsganze sei“, berichtet ORF.at (12.2.25)

Großschriftsteller Robert Menasse erklärt uns, warum Kickl gefährlicher ist als Trump: HK folgt unmittelbar auf HJ während Donald eine nette Figur aus Disneyland ist und daher die EU nicht direkt tangiert.

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EU-Kompass Wettbewerbsfähigkeit

Ein EU-Kompass, um wieder wettbewerbsfähig zu werden und nachhaltigen Wohlstand zu sichern

PRESSEMITTEILUNG 29.01.2025 Brüssel –  Heute stellt die Kommission den „Kompass für Wettbewerbsfähigkeit“ vor; dabei handelt es sich um die erste großangelegte Initiative zu Beginn der Amtszeit der neuen Kommission, mit der sie einen klaren strategischen Rahmen für ihre Arbeit definiert. Der Kompass gibt den Weg für Europa vor, damit es sowohl zu dem Ort wird, an dem künftige Technologien, Dienstleistungen und saubere Produkte erfunden, hergestellt und auf den Markt gebracht werden, als auch zum ersten klimaneutralen Kontinent.

In den letzten zwei Jahrzehnten ist Europa aufgrund einer über längere Zeit bestehenden Lücke im Produktivitätswachstum hinter anderen großen Volkswirtschaften zurückgefallen. Mit ihren talentierten und ausgebildeten Arbeitskräften, ihrem Kapital, ihren Rücklagen, dem Binnenmarkt und der einzigartigen sozialen Infrastruktur hat die EU alles, um diesen Trend umzukehren; sie muss jedoch umgehend Maßnahmen ergreifen und die seit Langem bestehenden Hindernisse und strukturellen Schwächen angehen, die sie ausbremsen.

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, erklärte: „Europa hat alles, was es braucht, um bei diesem Rennen zu gewinnen.Gleichzeitig müssen wir jedoch unsere Schwächen überwinden und wieder wettbewerbsfähig werden. Der Kompass für Wettbewerbsfähigkeit macht aus den hervorragenden Empfehlungen des Draghi-Berichts einen Fahrplan. Unser Plan steht also. Wir haben den politischen Willen. Jetzt kommt es auf Geschwindigkeit und Einigkeit an. Die Welt wartet nicht auf uns. Darin sind sich alle Mitgliedstaaten einig. Nun wollen wir diesem Konsens Taten folgen lassen.“

Drei Handlungsschwerpunkte: Innovation, Dekarbonisierung und Sicherheit

Im Draghi-Bericht wurden drei Anforderungen an die Transformation benannt, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern; der Kompass enthält einen Ansatz und eine Auswahl von Leitinitiativen, um jeder dieser Anforderungen zu entsprechen:

Die Innovationslücke schließen: Die EU muss ihren Innovationsmotor wieder ans Laufen bekommen. Wir wollen ein Umfeld für junge innovative Start-up-Unternehmen schaffen, die industrielle Führungsrolle in wachstumsstarken Sektoren auf Basis von Deep Tech stärken und die Verbreitung von Technologien in etablierten Unternehmen und KMU fördern. In diesem Zusammenhang wird die Kommission „KI-Gigafabriken“ und Initiativen unter dem Motto „KI anwenden“ vorschlagen, um die Entwicklung der KI und ihren Einsatz in Schlüsselsektoren der Industrie zu fördern. Außerdem wird sie Aktionspläne in Bezug auf fortgeschrittene Werkstoffe, Quanten- und Biotechnologien, Robotik und Weltraumtechnologien vorlegen. Mit einer eigens auf Start-up- und Scale-up-Unternehmen zugeschnittenen Strategie der EU werden jene Hindernisse angegangen, die der Entstehung und Expansion neuer Unternehmen im Wege stehen. Durch einen Vorschlag für eine 28. Rechtsordnung werden die geltenden Vorschriften vereinfacht, darunter die einschlägigen Aspekte des Gesellschaftsrechts, der Insolvenz, des Arbeits- und des Steuerrechts, und die Kosten eines Scheiterns gesenkt. Innovative Unternehmen können so die Vorzüge eines einheitlichen Regelwerks nutzen, wo auch immer sie im Binnenmarkt investieren und ihren Aktivitäten nachgehen.

Ein gemeinsamer Fahrplan für Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit: Im Kompass werden hohe und volatile Energiepreise als eine der größten Herausforderungen genannt, zugleich werden Interventionsbereiche festgelegt, um den Zugang zu sauberer erschwinglicher Energie zu erleichtern. Im künftigen Deal für eine saubere Industrie wird ein wettbewerbsorientierter Ansatz für die Dekarbonisierung dargelegt, der darauf abzielt, die EU als attraktiven Standort für die Fertigung zu sichern, darunter auch für energieintensive Industrien, und saubere Technologien sowie neue kreislauforientierte Geschäftsmodelle zu fördern. Ein Aktionsplan für erschwingliche Energie wird dazu beitragen, die Energiepreise und -kosten zu senken. Zugleich werden mit einem Rechtsakt zur beschleunigten Dekarbonisierung der Industrie beschleunigte Genehmigungsverfahren auf Sektoren im Übergang ausgeweitet. Darüber hinaus sieht der Kompass maßgeschneiderte Aktionspläne für energieintensive Sektoren wie Stahl, Metall und Chemie vor, die das Rückgrat des europäischen Produktionssystems sind, für die diese Phase des Übergangs jedoch mit den größten Risiken verbunden ist.

Verringerung übermäßiger Abhängigkeiten und Stärkung der Sicherheit: Die Fähigkeit der EU, zu diversifizieren und Abhängigkeiten zu verringern, wird von effektiven Partnerschaften abhängen. Die EU verfügt bereits über das weltweit größte und am schnellsten wachsende Netzwerk von Handelsabkommen, an dem 76 Länder beteiligt sind, auf die fast die Hälfte des Handels der EU entfällt. Um unsere Lieferketten auch weiterhin zu diversifizieren und zu stärken, wird mit dem Kompass eine neue Reihe von Partnerschaften für sauberen Handel und Investitionen dargelegt. Sie sollen dazu beitragen, die Versorgung mit Rohstoffen, sauberer Energie, nachhaltigen Kraftstoffen und sauberen Technologien aus der ganzen Welt zu sichern. Im Binnenmarkt wird es mit der Überarbeitung der Vorschriften für die Vergabe öffentlicher Aufträge möglich, eine europäische Präferenz bei der Vergabe öffentlicher Aufträge für kritische Sektoren und Technologien einzuführen.

Fünf horizontale Faktoren für Wettbewerbsfähigkeit

Die drei Säulen werden durch fünf horizontale Faktoren ergänzt, die für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit in allen Sektoren entscheidend sind:

Vereinfachung: Mit diesem Faktor soll der Regelungs- und Verwaltungsaufwand drastisch reduziert werden. Hierbei wird systematisch vorgegangen, um die Verfahren für den Zugang zu EU-Mitteln und für Verwaltungsentscheidungen der EU einfacher, schneller und schlanker zu gestalten. Mit dem bevorstehenden Omnibus-Vorschlag werden die Berichterstattung zur Nachhaltigkeit, die Sorgfaltspflicht und die Taxonomie einfacher gestaltet. Darüber hinaus wird es die Kommission für Tausende kleinerer Unternehmen mit mittlerer Kapitalisierung erleichtern, ihren Geschäftstätigkeiten nachzugehen. Durch den Kompass wird das Ziel festgelegt, den Verwaltungsaufwand für Unternehmen um mindestens 25 % und für KMU um mindestens 35 % zu senken.

Abbau von Hindernissen für den Binnenmarkt: Seit 30 Jahren ist der Binnenmarkt Europas bewährter Motor für Wettbewerbsfähigkeit. Damit er in allen Branchen noch besser funktioniert, werden im Zuge einer horizontalen Binnenmarktstrategie der Rahmen für die wirtschaftspolitische Steuerung modernisiert, Hindernisse innerhalb der EU beseitigt und neue Hindernisse vermieden. Bei dieser Gelegenheit wird die Kommission die Normungsverfahren schneller und leichter zugänglich machen, wobei der Fokus insbesondere auf KMU und Start-up-Unternehmen liegt.

Die Wettbewerbsfähigkeit finanzieren: Der EU fehlt es an einem effizienten Kapitalmarkt, damit aus Ersparnissen Investitionen werden. Die Kommission wird eine Europäische Spar- und Investitionsunion vorstellen, um neue Spar- und Anlageprodukte sowie Anreize für Risikokapital zu schaffen und sicherzustellen, dass Investitionen in der gesamten EU nahtlos möglich sind. Im neu ausgerichteten EU-Haushalt wird der Zugang zu EU-Mitteln im Einklang mit den Prioritäten der EU gestrafft.

Kompetenzen und hochwertige Arbeitsplätze fördern: Für die Wettbewerbsfähigkeit Europas sind die Menschen entscheidend. Damit die Kompetenzen und die Anforderungen des Arbeitsmarkts miteinander übereinstimmen, wird die Kommission eine Initiative vorlegen, um eine Union der Kompetenzen zu schaffen. Deren Schwerpunkte liegen auf Investitionen, Erwachsenenbildung und lebenslangem Lernen, dem Aufbau zukunftssicherer Kompetenzen und ihrem Erhalt, der fairen Mobilität, der Anwerbung und Integration qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland sowie der Anerkennung unterschiedlicher Arten der Ausbildung, um Menschen in die Lage zu versetzen, in unserer gesamten Union zu arbeiten.

Bessere Koordinierung der politischen Maßnahmen auf EU- und nationaler Ebene: Die Kommission wird ein Instrument zur Koordinierung der Wettbewerbsfähigkeit einführen, um zusammen mit den Mitgliedstaaten die Umsetzung der gemeinsamen politischen Ziele der EU auf EU-Ebene und auf nationaler Ebene sicherzustellen, grenzüberschreitende Projekte von europäischem Interesse zu ermitteln und damit verbundene Reformen und Investitionen fortzusetzen. Im nächsten mehrjährigen Finanzrahmen wird ein Fonds für Wettbewerbsfähigkeit an die Stelle mehrerer bestehender EU-Finanzinstrumente mit ähnlichen Zielen treten und die finanzielle Unterstützung für die Durchführung von Maßnahmen mit dem Instrument zur Koordinierung der Wettbewerbsfähigkeit gewährleisten.

Hintergrund

Am 27. November 2024 kündigte Präsidentin von der Leyen einen Kompass für Wettbewerbsfähigkeit als erste großangelegte Initiative der Kommission während dieses Mandats an. Dieser basiert auf dem Draghi-Bericht und stellt den Rahmen für die Arbeit zur Wettbewerbsfähigkeit der Kommission in dieser Amtszeit dar.

In ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union im Jahr 2023 legte Präsidentin von der Leyen dar, dass sie den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi gebeten habe, einen Bericht über die Zukunft der europäischen Wettbewerbsfähigkeit auszuarbeiten. Der Bericht beinhaltet die Warnung, dass Europa sich auf viele der Faktoren, die dem Wachstum in der Vergangenheit zuträglich waren, nicht mehr verlassen kann. Er stellt eine eindeutige Diagnose und gibt konkrete Empfehlungen, wie Europa auf einen anderen Kurs gebracht werden kann. Viele der Empfehlungen finden sich bereits in den politischen Leitlinien und Mandatsschreiben der Präsidentin an die Mitglieder des Kollegiums.

Weitere Informationen

Ein Kompass für die Wettbewerbsfähigkeit der EU

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