Energiewende Deutschland: Pellets quo vadis?

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Der Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg. So könnte man die Energiewende Deutschlands in einem Satz zusammenfassen. Endgültiger könnte ein Ausstieg gar nicht sein, hätte die deutsche Rechtschreibreform, die so alt ist wie der Atomausstieg, "endgültiger, am endgültigsten" als neuen Komparativ und Superlativ kanonisiert. Aktuell sind in Deutschland noch sechs AKW am Netz. Bis Ende 2021 werden Grohnde, Grundremmingen und Brokdorf abschaltet, die drei jüngsten Reaktoren, Isar 2, Emsland und Neckarwestheim sollen spätestens Ende 2022 vom Netz gehen.

Lediglich sechs Jahrzehnte hat die Atomenergie in Deutschland Haushalte beleuchtet und die Wirtschafts-Lokomotive angetrieben. Die Regierung Rot-Grün unter Gerhard Schröder und Joschka Fischer besiegelte im Jahr 2000 mit den Kraftwerkbetreibern den Atom-Ausstieg und hat 2002 das Atomgesetz entsprechend novelliert. Danach durften keine neuen AKW mehr gebaut werden und die Regellaufzeit wurde auf 32 Jahre ab Inbetriebnahme limitiert. Damit sollten spätestens 2021 alle AKW abgestellt sein. Im Herbst 2010 haben Kanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Guido Westerwelle die Laufzeiten der bestehenden 17 AKW um acht bis vierzehn Jahre verlängert. Und dann kam der 11. März 2011 mit dem Tsunami von Fukushima, auf den ein politischer Tsunami in Deutschland folgte. Schneller als die Verlängerungen in Kraft treten konnten wurde das endgültige Aus für Atomenergie in Deutschland beschlossen.

ÖKO-Institut-Studie 1982

Als "Erfinder" der Energiewende sieht sich das Freiburger ÖKO-Institut, das bereits 1982 eine Studie mit dem Titel "Energieversorgung der Bundesrepublik ohne Kernenergie und Erdöl" vorgelegt hat. Zwar hat der Club of Rome schon 1972 auf die "Grenzen des Wachstums" im Allgemeinen und die Grenzen der Rohstoffvorräte im Besonderen hingewiesen, doch das ÖKO-Institut hat erstmals Konzepte entwickelt, wonach die wichtigsten fossilen Rohstoffe Erdöl und Erdgas bis 2030 komplett ersetzt werden sollten.

Die damalige Prognose: "Der bei dieser Entwicklung notwendige Einsatz von Kohle wäre in den nächsten Jahrzehnten ungefähr gleichbleibend und würde sich vom heutigen Verbrauch nicht nennenswert unterscheiden. Die Bundesrepublik könnte sich bis zum Jahr 2030 in der Energieversorgung so gut wie völlig von Importen unabhängig machen und ihren Primärenergiebedarf etwa je zur Hälfte aus heimischer Kohle und sich erneuernden Energiequellen decken." Sehr optimistisch waren die Autoren bei der Annahme, dass "mit heute einsetzbaren Techniken bis zum Jahre 2030 Senkungen des spezifischen Endenergieverbrauchs" möglich wären: bei Raumheizungen um 70%, Autos 60%, Industrielle Prozesswärmeeinsatz 30%, elektrische Haushaltsgeräte 65%, elektrische Antriebe 30%.